הִשָּׁ֣מֶר לְךָ֔ פֶּן־תִּשְׁכַּ֖ח אֶת־יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֑יךָ לְבִלְתִּ֨י שְׁמֹ֤ר מִצְוֹתָיו֙ וּמִשְׁפָּטָ֣יו וְחֻקֹּתָ֔יו אֲשֶׁ֛ר אָנֹכִ֥י מְצַוְּךָ֖ הַיּֽוֹם׃
11
11
Hüte dich, dass du nicht vergessest den Ewigen, deinen G‑tt, sodass du nicht beachtest Seine Gebote und Seine Rechtsvorschriften und die g‑ttlichen Anordnungen, die ich dir heute befehle.
Hüte dich
Wenn G‑tt dich mit reichem Besitz und militärischem Sieg belohnt hat, wie in den vorangehenden Versen beschrieben ist, so „hüte dich, dass du den Ewigen nicht vergessest“.
Bechor Schor
וְרָ֖ם לְבָבֶ֑ךָ וְשָֽׁכַחְתָּ֙ אֶת־יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ הַמּוֹצִיאֲךָ֛ מֵאֶ֥רֶץ מִצְרַ֖יִם מִבֵּ֥ית עֲבָדִֽים׃
14
14
dein Herz sich erhebe und du den Ewigen, deinen G‑tt, vergessest, der dich herausgeführt hat aus dem Land Mizraim, aus dem Haus der Knechtschaft,
dein Herz sich erhebe und du den Ewigen, deinen G‑tt, vergessest
Daraus lernen wir: Überheblichkeit ist gleichbedeutend mit der Leugnung G‑ttes.
Sota 4
הַמּוֹלִ֨יכֲךָ֜ בַּמִּדְבָּ֣ר׀ הַגָּדֹ֣ל וְהַנּוֹרָ֗א נָחָ֤שׁ׀ שָׂרָף֙ וְעַקְרָ֔ב וְצִמָּא֖וֹן אֲשֶׁ֣ר אֵֽין־מָ֑יִם הַמּוֹצִ֤יא לְךָ֙ מַ֔יִם מִצּ֖וּר הַֽחַלָּמִֽישׁ׃
15
15
der dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste, wo giftige Schlangen und Skorpione und Dürre sind, einen Ort, wo kein Wasser ist, der dir Wasser hervorgebracht hat aus dem Kieselfels,
Dürre … wo kein Wasser ist
Der Begriff צִמָּאוֹן „Dürre“ schließt die eine Wortgruppe: מְקוֹם נָחָשׁ שָׂרָף וְעַקְרָב וְצִמָּאוֹן. Der Begriff אֲשֶׁר אֵין מָיִם ist eine weitere Wortgruppe, im Sinn von מְקוֹם אֲשֶׁר אֵין מָיִם.
Der Begriff צִמָּאוֹן „Dürre“ beschreibt die Wüste, die aufgrund der extremen Sonneneinstrahlung stets ohne Wasser bleibt, selbst wenn es dort Wasserquellen gäbe. Zudem אֵין מָיִם, gibt es dort keine Wasserquellen.
Targum Onkelos, Lechem u-Simla
הַמַּֽאֲכִ֨לְךָ֥ מָן֙ בַּמִּדְבָּ֔ר אֲשֶׁ֥ר לֹא־יָדְע֖וּן אֲבֹתֶ֑יךָ לְמַ֣עַן עַנֹּֽתְךָ֗ וּלְמַ֙עַן֙ נַסֹּתֶ֔ךָ לְהֵיטִֽבְךָ֖ בְּאַחֲרִיתֶֽךָ׃
16
16
der dich in der Wüste speiste mit Man, das deine Väter nicht kannten, um deine Kraft zu beugen und dich auf die Probe zu stellen, um dir zuletzt Gutes zu tun.
in der Wüste speiste mit Man
הַמַּאֲכִלְךָ מָן בַּמִּדְבָּר גו׳ לְמַעַן עַנֹּתְךָ וּלְמַעַן נַסֹּתֶךָ „der dich in der Wüste speiste mit Man … um deine Kraft zu beugen und dich auf die Probe zu stellen“: der Mangel in der Wüste, und die Prüfung des Man.
Ramban zu Dewarim 8:5
um deine Kraft zu beugen
Der Begriff עַנֹּתְךָ bedeutet „die Kraft beugen“, wie im Vers (Teh. 102:24) עִנָּה בַדֶּרֶךְ כֹּחִי „Gebeugt hat [der Feind] auf dem Weg meine Kraft“.
Ibn Esra, Bechor Schor, Ramban zu Dewarim 8:2
der dich in der Wüste speiste mit *Man, um deine Kraft zu beugen*
Was war die „Qual“ (עִנּוּי) beim Man? Raw Ami erklärt: Wer Brot im Korb hat, ist nicht mit dem zu vergleichen, der kein Brot im Korb hat. Raw Asi erklärt: Wer die Speise sieht und isst, ist nicht mit dem zu vergleichen, der sie nicht sieht und isst.
Joma 74b
um deine Kraft zu beugen, um dir zuletzt Gutes zu tun
Wer die Torah in Armut erfüllt, wird sie am Ende in Reichtum erfüllen, so heißt es לְמַעַן עַנֹּתְךָ גו׳ לְהֵיטִבְךָ בְּאַחֲרִיתֶךָ „um deine Kraft zu beugen … um dir zuletzt Gutes zu tun“.
Rambam, Hilchot Talmud Torah 13:13
um dir Gutes zu tun
לְהֵיטִבְךָ bedeutet nicht, dass G‑tt „dir Gutes tut“ und dich belohnt, andernfalls müsste לְהֵטִיב לְךָ stehen. Sondern לְהֵיטִבְךָ – du selbst wirst ein besserer Mensch durch das Üben im Vertrauen auf G‑tt.
Ha’amek Dawar
וְאָמַרְתָּ֖ בִּלְבָבֶ֑ךָ כֹּחִי֙ וְעֹ֣צֶם יָדִ֔י עָ֥שָׂה לִ֖י אֶת־הַחַ֥יִל הַזֶּֽה׃
17
17
Und du könntest in deinem Herzen sagen: meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir dieses Vermögen erworben.
dieses Vermögen
חַיִל bedeutet „Vermögen“. [Ibn Esra]
חַיִל bezieht sich auf militärische Stärke. Der Vers warnt die Kinder Israel davor, den Sieg über die Könige Kna’ans der eigenen militärischen Schlagkraft zuzuschreiben.
Ramban
וְזָֽכַרְתָּ֙ אֶת־יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ כִּ֣י ה֗וּא הַנֹּתֵ֥ן לְךָ֛ כֹּ֖חַ לַעֲשׂ֣וֹת חָ֑יִל לְמַ֨עַן הָקִ֧ים אֶת־בְּרִית֛וֹ אֲשֶׁר־נִשְׁבַּ֥ע לַאֲבֹתֶ֖יךָ כַּיּ֥וֹם הַזֶּֽה׃
18
18
Sondern gedenke des Ewigen, deines G‑ttes, dass Er es ist, der dir Kraft gibt, Vermögen zu erwerben; damit Er aufrechterhalte Seinen Bund, den Er deinen Vätern mit einem Schwur zugesagt hat, so wie es heute ist.
וְהָיָ֗ה אִם־שָׁכֹ֤חַ תִּשְׁכַּח֙ אֶת־יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ וְהָֽלַכְתָּ֗ אַחֲרֵי֙ אֱלֹהִ֣ים אֲחֵרִ֔ים וַעֲבַדְתָּ֖ם וְהִשְׁתַּחֲוִ֣יתָ לָהֶ֑ם הַעִדֹ֤תִי בָכֶם֙ הַיּ֔וֹם כִּ֥י אָבֹ֖ד תֹּאבֵדֽוּן׃
19
19
Und es wird geschehen, wenn du vergisst den Ewigen, deinen G‑tt, und fremden Göttern nachgehst, ihnen dienst und dich bückst vor ihnen, so bezeuge ich gegen euch heute, dass ihr umkommen werdet.
so bezeuge ich
הַעִדֹתִי בָכֶם in der Bedeutung von עֵדוּת „Bezeugung“ (אַסְהֵידִית בְּכוֹן). [Targum Onkelos]
הַעִדֹתִי בָכֶם in der Bedeutung von הַתְרָאָה „Warnung“.
Raschi zu Jeschajahu 8:16
כַּגּוֹיִ֗ם אֲשֶׁ֤ר יְהוָה֙ מַאֲבִ֣יד מִפְּנֵיכֶ֔ם כֵּ֖ן תֹאבֵד֑וּן עֵ֚קֶב לֹ֣א תִשְׁמְע֔וּן בְּק֖וֹל יְהוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
20
20
Wie die Völker, die der Ewige umkommen lässt vor euch, so werdet ihr umkommen; dafür, dass ihr nicht hört auf die Stimme des Ewigen, eures G‑ttes.
שְׁמַ֣ע יִשְׂרָאֵ֗ל אַתָּ֨ה עֹבֵ֤ר הַיּוֹם֙ אֶת־הַיַּרְדֵּ֔ן לָבֹא֙ לָרֶ֣שֶׁת גּוֹיִ֔ם גְּדֹלִ֥ים וַעֲצֻמִ֖ים מִמֶּ֑ךָּ עָרִ֛ים גְּדֹלֹ֥ת וּבְצֻרֹ֖ת בַּשָּׁמָֽיִם׃
1
1
Höre Israel! Du ziehst nun über den Jarden, um hinzukommen, zu bezwingen Völker, größer und mächtiger als du, Städte, groß und befestigt bis an den Himmel.
nun
הַיּוֹם (wörtl. heute) in der Bedeutung, im gegenwärtigen Zeitraum. [Saadia Gaon, Ibn Esra]
Andere Erklärung: Bereitet euch vor, als würdet ihr heute bereits über den Jarden ziehen.
Ibn Esra
größer und mächtiger als du
Du bist mächtig, aber sie sind mächtiger als du.
Raschi
וְיָדַעְתָּ֣ הַיּ֗וֹם כִּי֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהֶ֜יךָ הֽוּא־הָעֹבֵ֤ר לְפָנֶ֙יךָ֙ אֵ֣שׁ אֹֽכְלָ֔ה ה֧וּא יַשְׁמִידֵ֛ם וְה֥וּא יַכְנִיעֵ֖ם לְפָנֶ֑יךָ וְהֽוֹרַשְׁתָּ֤ם וְהַֽאַבַדְתָּם֙ מַהֵ֔ר כַּאֲשֶׁ֛ר דִּבֶּ֥ר יְהוָ֖ה לָֽךְ׃
3
3
So erkenne heute, dass der Ewige, dein G‑tt, es ist, der vor dir herzieht, ein verzehrendes Feuer; Er wird sie vernichten und Er wird sie beugen vor dir, dass du sie bald vertreiben und vernichten wirst, so wie der Ewige dir versprochen hat.
So erkenne heute …
Heute bereits sollt ihr erkennen und in vollkommenem Glauben annehmen; nicht erst, wenn ihr es mit eigenen Augen gesehen habt.
Or haChaim
verzehren: aufbrauchen; hier: ein starkes Feuer, das nichts übrig lässt.
Er wird sie vernichten und Er wird sie beugen
Stelle den Vers um und erkläre ihn so הוּא יַכְנִיעֵם, zunächst „wird Er sie beugen“, וְהוּא יַשְׁמִידֵם, und danach „wird Er sie vernichten“. Das „Beugen“ ist so zu verstehen, dass dass Angst über die Völker kommen wird und sie mit schwachen Händen und einem feigen Herzen in den Krieg ziehen, wie es im Buch Jehoschua heißt (5:1) וַיְהִי כִשְׁמֹעַ כָּל מַלְכֵי הָאֱמֹרִי גו׳ וְכָל מַלְכֵי הַכְּנַעֲנִי גו׳ „Es war, als alle Könige des Emori und alle Könige des Knaan hörten …“, וַיִּמַּס לְבָבָם וְלֹא הָיָה בָם עוֹד רוּחַ מִפְּנֵי בְּנֵי יִשְׂרָאֵל „da schmolz ihr Herz, und es war in ihnen kein Atem mehr vor den Kindern Israel“.
Andere Erklärung: der Vers ist in seiner ursprünglichen Reihenfolge zu verstehen. Die Worte הוּא יַשְׁמִידֵם „Er wird sie vernichten“ beziehen sich auf (Vers 1) גְּדֹלִים וַעֲצֻמִים מִמֶּךָּ „Völker, größer und mächtiger als du“; die Worte וְהוּא יַכְנִיעֵם „Er wird sie beugen“ beziehen sich auf (Vers 2) בְּנֵי עֲנָקִים „Söhne der Anakim“. Alle Einwohner des Landes zogen in den Krieg gegen Israel, und der Ewige vernichtete sie. Dagegen waren die Söhne des Anak von Furcht ergriffen und zogen nicht in den Krieg, sondern verbargen sich auf den Bergen und in den befestigten Städten, wie im Buch Jehoschua (11:21) beschrieben.
Ramban