וְכִֽי־יָבֹ֨א הַלֵּוִ֜י מֵאַחַ֤ד שְׁעָרֶ֙יךָ֙ מִכָּל־יִשְׂרָאֵ֔ל אֲשֶׁר־ה֖וּא גָּ֣ר שָׁ֑ם וּבָא֙ בְּכָל־אַוַּ֣ת נַפְשׁ֔וֹ אֶל־הַמָּק֖וֹם אֲשֶׁר־יִבְחַ֥ר יְהוָֽה׃
6
6
Wenn ein Kohen aus dem Stamm Levi kommt aus einem deiner Tore, aus ganz Israel, wo er sich aufhält, kann er kommen zu jedem Zeitpunkt nach der Wahl seiner Seele an den Ort, den der Ewige erwählen wird,
(6—7) Und wenn der Levi kommt
Ich könnte meinen, dass der Vers wörtlich einen Levi meint. Darum heißt es (im nächsten Vers) וְשֵׁרֵת „soll er dienen“, damit sind [Kohanim gemeint und] Leviim ausgeschlossen.
Raschi
Leviim ausgeschlossen: die zum Opferdienst im Bet haMikdasch nicht zugelassen sind.
aus deinem deiner Tore: aus einer deiner Städte.
Targum Onkelos
nach der Wahl seiner Seele: nach seinem Willen.
Das Wort נֶפֶשׁ („Seele“) kann auch Wille oder Verlangen bedeuten: das, was die Seele erfüllt und befriedigt. Siehe Raschi zu Bereschit 23:8, ד״ה נפשכם; Dewarim 23:25, ד״ה כנפשך.
וְשֵׁרֵ֕ת בְּשֵׁ֖ם יְהוָ֣ה אֱלֹהָ֑יו כְּכָל־אֶחָיו֙ הַלְוִיִּ֔ם הָעֹמְדִ֥ים שָׁ֖ם לִפְנֵ֥י יְהוָֽה׃
7
7
und soll dienen im Namen des Ewigen, seines G‑ttes, wie alle seine Brüder, die Kohanim aus dem Stamm der Leviim, die dort vor dem Ewigen stehen.
er soll dienen
Das lehrt, dass ein Kohen kommen und darbringen darf seine freiwilligen Opfer (קָרְבְּנוֹת נִדְבָתוֹ) und seine Pflichtopfer (קָרְבְּנוֹת חוֹבָתוֹ), sogar wenn seine Abteilung (מִשְׁמָר כְּהוּנָּה) nicht an der Reihe ist.
Andere Erklärung: Der Kohen, der zum Wanderfest (שָׁלשׁ רְגָלִים) kommt, darf mit der Kohen-Abteilung darbringen und den Dienst verrichten bei den Opfern (קָּרְבָּנוֹת), die infolge des Festes dargebracht werden, wie etwa die Mussaf-Opfer des Festes, obwohl es nicht seine Kohen-Abteilung ist.
Raschi
Wanderfest: die drei Feste Pessach, Schawuot, Sukkot, an denen es beim Bestehen des Tempels ein Gebot ist, nach Jeruschalaim hinaufzuziehen.
die dort vor dem Ewigen stehen: die im Mikdasch dienen.
Targum Onkelos
חֵ֥לֶק כְּחֵ֖לֶק יֹאכֵ֑לוּ לְבַ֥ד מִמְכָּרָ֖יו עַל־הָאָבֽוֹת׃
8
8
In gleichen Anteilen sollen sie essen, außer demjenigen, was die Väter gegenseitig verkauft haben.
In gleichen Anteilen sollen sie essen
חֵלֶק כְּחֵלֶק „in gleichen Anteilen“: das lehrt, dass sie die Felle und das Fleisch der Ziegenböcke der Sündopfer teilen. Ich könnte meinen, auch die Dinge, die nicht wegen des Festes kommen, wie die beständigen Opfer und die Mussaf-Opfer des Schabbat und die Gelübde (נְדָרִים) und Gaben (נְדָבוֹת). Darum heißt es „außer demjenigen, was die Väter verkauft haben“, d.h. außer dem, was die Väter in den Tagen von David und Schmuel verkauft haben, als die Einteilungen (מִּשְׁמָרוֹת) eingesetzt wurden (s. Taanit 27a). Damals verkauften sie einander gegenseitig: Nimm du deine Woche, und ich nehme meine Woche.
Raschi
die beständigen Opfer: das tägliche Olah-Opfer der Gemeinde, das jeden Tag – einmal morgens und einmal nachmittags – dargebracht wird.
Mussaf-Opfer des Schabbat: das aus zwei Lämmern bestehende Olah-Opfer, das an jedem Schabbat des Jahres dargebracht wird.
Gelübde (נְדָרִים) und Gaben (נְדָבוֹת): Opferungen, zu denen sich Personen freiwillig verpflichten. Bei einem Gelübde (Neder) verpflichtet sich die Person zu einem Opfer, ohne ein bestimmtes Tier zu benennen; sie muss dieses Gelübde später erfüllen, indem sie ein Tier auswählt und im Bet haMikdasch darbringt. Bei einer Gabe (Nedawa) bestimmt die Person von Anfang an ein bestimmtes Tier als Opferung, das sie später zum Bet haMikdasch bringen muss.
כִּ֤י אַתָּה֙ בָּ֣א אֶל־הָאָ֔רֶץ אֲשֶׁר־יְהוָ֥ה אֱלֹהֶ֖יךָ נֹתֵ֣ן לָ֑ךְ לֹֽא־תִלְמַ֣ד לַעֲשׂ֔וֹת כְּתוֹעֲבֹ֖ת הַגּוֹיִ֥ם הָהֵֽם׃
9
9
Wenn du in das Land kommst, das der Ewige, dein G‑tt, dir gibt, dann lerne nicht zu tun nach den Gräueln jener Völker.
dann lerne nicht zu tun
Du darfst nicht lernen, so zu tun, aber du sollst lernen, daraus zu verstehen und aufzuklären. Das heißt: Du sollst verstehen, wie verdorben ihre Taten sind, und du sollst deine Kinder darüber aufklären: Handle nicht wie diese Völker, denn das sind die [fehlgeleiteten] Gebräuche der Völker.
Raschi
לֹֽא־יִמָּצֵ֣א בְךָ֔ מַעֲבִ֥יר בְּנֽוֹ־וּבִתּ֖וֹ בָּאֵ֑שׁ קֹסֵ֣ם קְסָמִ֔ים מְעוֹנֵ֥ן וּמְנַחֵ֖שׁ וּמְכַשֵּֽׁף׃
10
10
Es werde unter dir niemand gefunden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer führt, der Wahrsagerei betreibt, Zeitendeuter und Zeichendeuter und Magier.
seinen Sohn oder seine Tochter
בְּנוֹ וּבִתּוֹ bedeutet „Sohn oder Tochter“.
Saadia Gaon
der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer führt
Das ist der Molech-Dienst, bei dem man Feuerstätten auf beiden Seiten errichtete und das Kind dazwischen hindurchführte (Sanh. 64b).
Raschi
Wahrsagerei betreibt
קֹסֵם קְסָמִים „Wahrsagerei betreibt“. Was ist ein Wahrsager (קוֹסֵם)? Der seinen Stab anfasst und sagt: Soll ich gehen oder soll ich nicht gehen? So heißt es auch (Hosch. 4:12) עַמִּי בְּעֵצוֹ יִשְׁאָל וּמַקְלוֹ יַגִּיד לוֹ „Mein Volk befragt sein Holz, und sein Stab verkündet ihm“.
Raschi
Zeitendeuter
Rabbi Akiwa erklärt das Wort מְעוֹנֵן: das sind diejenigen, die Zeiten bestimmen, die sagen, die und die Zeit ist gut, eine Sache anzufangen.
Die Weisen sagen (Sanh. 65b), מְעוֹנֵן ist jemand, der die Augen [der Menschen mit Täuschung und Manipulation] verblendet.
Raschi
die Zeiten bestimmen: der Begriff מְעוֹנֵן wird von עוֹנָה „Zeit“, „Periode“ abgeleitet.
Zeitendeuter
מְעוֹנֵן kommt vom Begriff עָנָן „Wolke“: er blickt auf die Wolken und sagt anhand ihrer Formen und Bewegungen die Zukunft voraus.
Ramban
Zeichendeuter
מְנַחֵשׁ ist ein Zeichendeuter: das Stück Brot ist einem aus dem Mund gefallen, ein Hirsch ist ihm über den Weg gelaufen, sein Stab ist ihm aus der Hand gefallen.
Raschi
Die Buchstaben von מְנַחֵשׁ „Zeichendeuter“ bilden die Worte מִפִּי נָפְלָה חֲתִיכָה שֶׁלִּי „Mein Stück [Brot] ist mir aus dem Mund gefallen“.
Baal haTurim
וְחֹבֵ֖ר חָ֑בֶר וְשֹׁאֵ֥ל אוֹב֙ וְיִדְּעֹנִ֔י וְדֹרֵ֖שׁ אֶל־הַמֵּתִֽים׃
11
11
Und Tierbeschwörer und Totenbeschwörer und Weissager und Totenbefrager.
Tierbeschwörer
חֹבֵר חָבֶר „Tierbeschwörer“: er versammelt Schlangen oder Skorpione oder andere wilde Tiere an einem Ort (Sanh. 65a).
Raschi
Tierbeschwörer
חֹבֵר חָבֶר kommt vom Begriff חֲבוּרָה „Wunde“ und חַבָּלָה „Schaden“: er fügt Schaden und Übel zu. [Targum Jonathan]
חֹבֵר חָבֶר bedeutet: er versammelt die Dämonen (שֵׁדִים) und vereint sie (מְּחַבֵּר אוֹתָם). [Ibn Esra, Rabbenu Bechaje]
חֹבֵר חָבֶר bedeutet: er spricht Sprüche zur Abwehr von Schlangen, oder zur Heilung ihres Bisses.
Saadia Gaon; Rambam: Lo Ta’asse 35, Hil. Awoda szara 11:10
Totenbeschwörer
שֹׁאֵל אוֹב, das ist eine Zauberei, die „Pitom“ genannt wird. Der Zauberer spricht aus seiner Achselhöhle und kommuniziert mit einem Toten (Sanh. 65a).
Raschi
Weissager
יִדְּעֹנִי, er nimmt den Knochen eines Tieres, das „Jadua“ יַדּוּעַ heißt, in den Mund; und der Knochen redet durch die Zauberei (Sanh. 65b).
Raschi
Totenbefrager
דֹרֵשׁ אֶל הַמֵּתִים, er ruft einen Toten herbei auf sein Glied; er nimmt einen Totenschädel und befragt ihn (Sanh. 65b).
Raschi
Totenbefrager
דֹרֵשׁ אֶל הַמֵּתִים „der sich an die Toten wendet“: das ist derjenige, der vorsätzlich hungert und auf einem Friedhof übernachtet, damit der Geist der Unreinheit auf ihm ruhe. Wenn Rabbi Akiwa zu diesem Vers kam, weinte er und sagte: Wenn auf dem, der hungert, damit der Geist der Unreinheit auf ihm ruhe, der Geist der Unreinheit sich niederlässt, um wieviel mehr ist das der Fall, wenn jemand hungert, damit der Geist der Reinheit auf ihm ruhe.
Sanhedrin 65b
כִּֽי־תוֹעֲבַ֥ת יְהוָ֖ה כָּל־עֹ֣שֵׂה אֵ֑לֶּה וּבִגְלַל֙ הַתּוֹעֵבֹ֣ת הָאֵ֔לֶּה יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ מוֹרִ֥ישׁ אוֹתָ֖ם מִפָּנֶֽיךָ׃
12
12
Denn ein Gräuel des Ewigen ist jeder, der das tut, und wegen dieser Gräueltaten vertreibt sie der Ewige, dein G‑tt, vor dir.
jeder, der das tut
Es steht nicht „einer, der alles das tut“ (עוֹשֵׂה כָּל אֵלֶּה), sondern es steht „jeder, der das tut“ (כָּל עֹשֵׂה אֵלֶּה), daraus lernst du: auch wenn er nur eines davon tut.
Raschi
תָּמִ֣ים תִּֽהְיֶ֔ה עִ֖ם יְהוָ֥ה אֱלֹהֶֽיךָ׃
13
13
Du sollst aufrichtigen Herzens sein mit dem Ewigen, deinem G‑tt.
Du sollst aufrichtigen Herzens sein mit dem Ewigen
Gehe mit [dem Ewigen] mit aufrichtigem Herzen und hoffe auf Ihn. Forsche nicht nach der Zukunft, sondern alles, was dir zukommt, nimm in Treue an, dann gehörst du zu Ihm. [Raschi]
משום חביבות לשון קדשו של רש״י שהיתה שגורה על פי כל מבקש ה׳, נביאה:
תָּמִים תִּהְיֶה עִם ה׳ אֱלֹהֶיךָ: הִתְהַלֵּךְ עִמּוֹ בִּתְמִימוּת וּתְצַפֶּה לוֹ,
וְלֹא תַּחֲקֹר אַחַר הָעֲתִידוֹת, אֶלָּא כָּל מַה שֶּׁיָּבֹא עָלֶיךָ קַבֵּל בִּתְמִימוּת,
וְאָז תִּהְיֶה עִמּוֹ וּלְחֶלְקוֹ.
Du sollst aufrichtigen Herzens sein mit dem Ewigen
Das Wort תָּמִים hat hier nicht die Bedeutung von „Vollkommenheit“ (שְׁלֵמוּת), sondern Aufrichtigkeit des Herzens (תְּמִימוּת).
Likute Sichot, Bd. 14, S. 66
Du sollst aufrichtigen Herzens sein mit dem Ewigen
תָּמִים תִּהְיֶה עִם ה׳ אֱלֹהֶיךָ „Sei vollkommen in deiner Ehrfurcht vor G‑tt“. [Targum Onkelos]
תָּמִים „vollkommen“, „ganz“: deine Ehrfurcht G‑ttes zeige sich in all deinen Taten und Gedanken. [Ibn Esra, Chiskuni]
Sei vollkommen in deiner G‑ttesfurcht, dann brauchst du keine Weissager und Zeichendeuter zu fürchten. [Ramban]
Keinerlei Schaden und Verlust erleidest du dadurch, dass du Weissagung und Zeitendeutung nicht kennst. Wenn du mit aufrichtigem Herzen und G‑ttvertrauen handelst, wirst du vom Himmel begleitet, sodass dir jede Stunde den g‑ttlichen Erfolg zuführt.
Abarbanel