וַיֵּ֥לֶךְ בִּלְעָ֖ם עִם־בָּלָ֑ק וַיָּבֹ֖אוּ קִרְיַ֥ת חֻצֽוֹת׃
39
39
Und Bilam ging mit Balak mit und sie kamen nach Kirjat Chuzot.
Kirjat Chuzot
Kirjat Chuzot: eine Stadt voll mit Märkten; Männer, Frauen und Kinder waren in ihren Straßen. Damit wollte er ihm sagen: Sieh selbst und erbarme dich, dass diese nicht ausgerottet werden.
Raschi
וַיִּזְבַּ֥ח בָּלָ֖ק בָּקָ֣ר וָצֹ֑אן וַיְשַׁלַּ֣ח לְבִלְעָ֔ם וְלַשָּׂרִ֖ים אֲשֶׁ֥ר אִתּֽוֹ׃
40
40
Und Balak schlachtete Rind und Schaf und schickte davon an Bilam und die Fürsten, die bei ihm waren.
Rind und Schaf: wenig, nur ein Rind und ein Schaf.
Raschi
וַיְהִ֣י בַבֹּ֔קֶר וַיִּקַּ֤ח בָּלָק֙ אֶת־בִּלְעָ֔ם וַֽיַּעֲלֵ֖הוּ בָּמ֣וֹת בָּ֑עַל וַיַּ֥רְא מִשָּׁ֖ם קְצֵ֥ה הָעָֽם׃
41
41
Und es war am Morgen, Balak nahm Bilam und führte ihn hinauf auf die Höhen des Baal; von dort sah er einen Teil des Volkes.
Höhen des Baal
בָּמוֹת בָּעַל bedeutet, wie Targum Onkelos übersetzt לְרָמַת דַּחְלְתֵיהּ „die Anhöhe seines Götzen“; בַּעַל (Baal) ist der Name eines Götzen.
Raschi
von dort sah er einen Teil des Volkes
Sollte sein Fluch fehlschlagen, würde er sie mit dem bösen Blick (עַיִן הָרָע) treffen.
Kli Jakar
וַיַּ֣עַשׂ בָּלָ֔ק כַּאֲשֶׁ֖ר דִּבֶּ֣ר בִּלְעָ֑ם וַיַּ֨עַל בָּלָ֧ק וּבִלְעָ֛ם פָּ֥ר וָאַ֖יִל בַּמִּזְבֵּֽחַ׃
2
2
Und Balak tat, wie Bilam gesagt hatte, und Balak und Bilam brachten einen Stier und einen Widder auf jedem Altar dar.
und einen Widder auf dem Altar
וָאַיִל בַּמִּזְבֵּחַ bedeutet, er brachte einen Widder auf jedem einzelnen Altar.
Targum Onkelos, Ibn Esra
וַיֹּ֨אמֶר בִּלְעָ֜ם לְבָלָ֗ק הִתְיַצֵּב֮ עַל־עֹלָתֶךָ֒ וְאֵֽלְכָ֗ה אוּלַ֞י יִקָּרֵ֤ה יְהוָה֙ לִקְרָאתִ֔י וּדְבַ֥ר מַה־יַּרְאֵ֖נִי וְהִגַּ֣דְתִּי לָ֑ךְ וַיֵּ֖לֶךְ שֶֽׁפִי׃
3
3
Und Bilam sagte zu Balak: Bleibe bei deinem Opfer stehen und ich werde weggehen, vielleicht erscheint mir der Ewige, und was Er mir zeigen wird, will ich dir berichten; und er ging alleine.
vielleicht erscheint mir der Ewige: denn Er pflegt nicht am Tag mit mir zu sprechen.
Raschi
und er ging alleine
וַיֵּלֶךְ שֶׁפִי „und er ging alleine“; wie der Targum sagt יְחִידִי „allein“, in der Bedeutung von Ruhe und Stille, wo nur Schweigen um ihn war.
Raschi
und er ging alleine
Das Wort שֶׁפִי bedeutet „hinkend“, „humpelnd“. Vor lauter Hass wartete er nicht darauf, dass seine Verletzung heile. [Raschbam, Chiskuni]
שֶׁפִי bedeutet: schlängelnd wie eine Schlange. [Targum Jonathan]
שֶׁפִי bedeutet: mit gebrochenem Herzen. [Targum Jonathan]
שֶׁפִי bedeutet: eine Anhöhe. [Ibn Esra zu Vers 9]
שֶׁפִי bedeutet: Bilam ging langsam und bedächtig.
Ha’amek Dawar
וַיִּקָּ֥ר אֱלֹהִ֖ים אֶל־בִּלְעָ֑ם וַיֹּ֣אמֶר אֵלָ֗יו אֶת־שִׁבְעַ֤ת הַֽמִּזְבְּחֹת֙ עָרַ֔כְתִּי וָאַ֛עַל פָּ֥ר וָאַ֖יִל בַּמִּזְבֵּֽחַ׃
4
4
Und G‑tt erschien dem Bilam, und Bilam sagte zu Ihm: Die sieben Altäre habe ich errichtet und habe einen Stier und einen Widder auf jedem Altar dargebracht.
erschien
Das Wort וַיִּקָּר („erschien“) hat die Bedeutung „zufällig“ (לְשׁוֹן עֲרַאי), die Bedeutung „beschämend“ (לְשׁוֹן גְּנַאי), und die Bedeutung „unrein“ (לְשׁוֹן טֻמְאַת קֶרִי). Das heißt, nur ungern und beschämend, und Er erschien ihm nur darum am Tag, um Seine Liebe zu Israel zu zeigen.
Raschi
Die sieben Altäre
Es steht hier nicht שִׁבְעָה מִזְבְּחֹת עָרַכְתִּי „sieben Altäre habe ich errichtet“, sondern אֶת שִׁבְעַת הַמִּזְבְּחֹת „die sieben Altäre“. Bilam sagte vor Ihm: Die Vorväter dieses Volkes haben sieben Altäre vor Dir erbaut, und ich habe soviel wie alle zusammen errichtet. Awraham hat vier gebaut, (Ber. 12:7) וַיִּבֶן שָׁם מִזְבֵּחַ לַה׳ הַנִּרְאֶה אֵלָיו „er baute dort einen Altar dem Ewigen, der ihm erschienen war“; (Ber. 12:8) וַיַּעְתֵּק מִשָּׁם הָהָרָה „er zog von dort ins Gebirge [östlich von Bet El und spannte sein Zelt auf … und baute dort einen Altar für den Ewigen und rief den Namen des Ewigen]“; (Ber. 13:18) וַיֶּאֱהַל אַבְרָם „Awram schlug sein Zelt auf [… und ließ sich nieder in Elone Mamre, das bei Chewron ist, und baute dort einen Altar dem Ewigen]“, und einen weiteren Altar auf dem Berg Moriah [beim Binden seines Sohnes Jizchak, Ber. 22:9]. Jizchak baute einen (Ber. 26:25) וַיִּבֶן שָׁם מִזְבֵּחַ „er baute dort einen Altar“; und Jaakow baute zwei, einen in Sch’chem (Ber. 33:20) und einen in Bet El (Ber. 35:7).
Raschi
einen Stier und einen Widder: während Awraham nur einen Widder dargebracht hat.
Raschi
einen Stier: für Balak; einen Widder: für Bilam [Abarbanel]
einen Stier
Wenn G‑tt ihnen des Widders von Jizchak gedenkt, werde ich das Goldene Kalb in Erinnerung bringen, indem ich einen Stier – den Vater des Kalbes – opfere.
Rabbenu Efraim
וַיִּשָּׂ֥א מְשָׁל֖וֹ וַיֹּאמַ֑ר מִן־אֲ֠רָם יַנְחֵ֨נִי בָלָ֤ק מֶֽלֶךְ־מוֹאָב֙ מֵֽהַרְרֵי־קֶ֔דֶם לְכָה֙ אָֽרָה־לִּ֣י יַעֲקֹ֔ב וּלְכָ֖ה זֹעֲמָ֥ה יִשְׂרָאֵֽל׃
7
7
Da begann er sein Gleichnis und sprach: Von Aram her führte mich Balak, der König von Moaw, von den Bergen des Ostens: Komm, fluche mir Jaakow! Geh, wirf Zorn auf Israel!
Da begann er sein Gleichnis
וַיִּשָּׂא im Sinn von וְיִשָּׂא קוֹלוֹ: Bilam erhob seine Stimme, sodass alle 70 Völker ihn hören konnten. [Baal haTurim]
וַיִּשָּׂא מְשָׁלוֹ „begann sein Gleichnis“: er erzählte ein Gleichnis, das ihm offenbart wurde; וַיֹּאמַר „und er sprach“: er erklärte, was er gesehen hatte. [Seforno]
וַיִּשָּׂא, Bilam wollte Dinge sagen nach dem eigenen Willen;
וַיֹּאמַר, G‑tt kehrte Bilam die Worte im Mund um und er sprach die Worte G‑ttes. [Or haChaim]
וַיִּשָּׂא hat auch die Bedeutung „tragen“; וַיִּשָּׂא מְשָׁלוֹ, das Prophetentum ist eine Last aufgrund der Gefühlsmacht und der seelischen Erschütterung.
Or haChaim
fluche Mir Jaakow … wirf Zorn auf Israel
Mit ihren beiden Namen sollte er sie verwünschen, wenn vielleicht der eine nicht deutlich wäre.
Raschi
מָ֣ה אֶקֹּ֔ב לֹ֥א קַבֹּ֖ה אֵ֑ל וּמָ֣ה אֶזְעֹ֔ם לֹ֥א זָעַ֖ם יְהוָֽה׃
8
8
Wie soll ich verfluchen, den G‑tt nicht verflucht? Was mit Zorn treffen, wo G‑tt nicht zürnt?
Wie soll ich verfluchen, den G‑tt nicht verflucht
Als sie verdienten, verflucht zu werden, wurden sie nicht verflucht. Als ihr Vater ihrer Sünde gedachte, (Ber. 49:6) כִּי בְאַפָּם הָרְגוּ אִישׁ „denn in ihrem Zorn erschlugen sie Männer“, da verwünschte er nur ihren Zorn, wie es dort heißt (Vers 7) אָרוּר אַפָּם „verflucht sei ihr Zorn“. Als ihr Vater mit List zu seinem Vater hineinging, verdiente er eine Verwünschung; was steht aber dort (Ber. 27:33) גַּם בָּרוּךְ יִהְיֶה „auch gesegnet soll er sein“. [Bezüglich der Stämme,] die auf dem für den Segen bestimmten Berg stehen sollten, heißt es (Dew. 27:12) אֵלֶּה יַעַמְדוּ לְבָרֵךְ „diese sollen stehen, das Volk zu segnen“. [Bezüglich der Stämme aber,] die auf dem für den Fluch bestimmten Berg stehen sollten, heißt es nicht „diese sollen stehen, das Volk zu verwünschen“; sondern „diese sollen bei der Verwünschung stehen“, G‑ttt will nicht die Bezeichnung „Fluch“ auf sie anwenden.
Raschi
wo G‑tt nicht zürnt
Ich selbst habe nicht die Kraft dazu. Ich verstehe nur, den Augenblick zu bestimmen, in dem der Ewige zornig ist; Er hat aber an all diesen Tagen, seitdem ich zu dir gekommen bin, nicht gezürnt; das ist, was geschrieben steht (Micha 6:5) עַמִּי זְכָר נָא מַה יָּעַץ גו׳ וּמֶה עָנָה אֹתוֹ בִּלְעָם גו׳ לְמַעַן דַּעַת צִדְקוֹת ה׳ „mein Volk, gedenke doch, was geplant hat … und was Bilam ihm erwiderte … um die Liebe des Ewigen zu erkennen“ (Sanh. 105b).
Raschi
כִּֽי־מֵרֹ֤אשׁ צֻרִים֙ אֶרְאֶ֔נּוּ וּמִגְּבָע֖וֹת אֲשׁוּרֶ֑נּוּ הֶן־עָם֙ לְבָדָ֣ד יִשְׁכֹּ֔ן וּבַגּוֹיִ֖ם לֹ֥א יִתְחַשָּֽׁב׃
9
9
Denn vom Gipfel der Felsen sehe ich es und von den Hügeln schaue ich: Ein Volk, gesondert wohnt es und unter die Völker wird es nicht gerechnet.
Denn vom Gipfel der Felsen sehe ich es
Ich betrachte ihren Anbeginn und ihre erste Wurzel und sehe, dass sie wie Felsen und Hügel fest gegründet sind durch Stammväter und Stammütter.
Raschi
Ein Volk, gesondert wohnt es
Das haben seine Stammväter für es erworben, wie der Targum sagt [בִּלְחוֹדֵיהוֹן עֲתִידִין דְּיַחְסְנוּן עָלְמָא, (ein Volk, das) zuletzt allein die Welt besitzen wird].
Raschi
unter die Völker wird es nicht gerechnet
וּבַגּוֹיִם לֹא יִתְחַשָּׁב, wie der Targum sagt וּבְעַמְמַיָּא לָא יִתְּדָנוּן גְּמִירָא, sie werden nicht mit den anderen Völkern untergehen. So heißt es (Jirm. 46:28) כִּי אֶעֱשֶׂה כָלָה בְּכָל הַגּוֹיִם „wenn Ich auch alle Völker vernichte …“. Sie aber werden nicht zu den anderen gerechnet. [Während die schuldigen Völker untergehen, bleibt das jüdische Volk verschont und erbt die Welt.]
Raschi
Andere Erklärung: Wenn sie sich freuen, freut sich keine Nation mit ihnen; so heißt es (Dew. 32:12) ה׳ בָּדָד יַנְחֶנּוּ „der Ewige führt es allein“; und wenn die Völker im Glück sind, genießen sie bei jedem von ihnen mit, ohne dass es ihnen angerechnet wird, das bedeuten die Worte וּבַגּוֹיִם לֹא יִתְחַשָּׁב „und unter die Völker wird es nicht gerechnet“.
Raschi
מִ֤י מָנָה֙ עֲפַ֣ר יַעֲקֹ֔ב וּמִסְפָּ֖ר אֶת־רֹ֣בַע יִשְׂרָאֵ֑ל תָּמֹ֤ת נַפְשִׁי֙ מ֣וֹת יְשָׁרִ֔ים וּתְהִ֥י אַחֲרִיתִ֖י כָּמֹֽהוּ׃
10
10
Wer kann den Staub Jaakows zählen und die Zahl der Nachkommenschaft Israels? Es sterbe auch meine Seele den Tod dieser Aufrechten, mein Ende sei wie das ihre!
Wer kann den Staub Jaakows zählen
Onkelos übersetzt die Worte עֲפַר יַעֲקֹב (wörtl. „Staub Jaakows“) mit „die Kinder des Hauses Jaakow, die sich wie der Staub der Erde vermehren mögen“; und die Worte רֹבַע יִשְׂרָאֵל als „die vier Abteilungen der Lager Israels“. Andere Erklärung: Ohne Zahl sind die Gebote, die sie mit dem Staub der Erde erfüllen: „Pflüge nicht mit Ochse und Esel zusammen“; „Säe nicht zwei Arten“; Asche der Roten Kuh; Staub für die Sotah (eine der Untreue verdächtigte Frau).
Raschi
Sotah: eine der Untreue verdächtige Frau.
Wer kann den Staub Jaakows zählen
Das Wort רֹבַע kommt von רֶבַע „Viertel“: nicht einmal ein Viertel von ihnen kannst du zählen. [Daat Skenim]
מִי מָנָה עֲפַר יַעֲקֹב „wer kann den Staub Jaakows zählen“ – das sind die Mizwot, die von der Erde abhängen: Säen, Pflanzen, Ernten; וּמִסְפָּר אֶת רֹבַע יִשְׂרָאֵל – das sind die Mizwot im Zusammenhang mit Tieren. Das Wort Wort רֹבַע ist verbunden mit תַרְבִּיעַ, wie es heißt (Waj. 19:19) בְּהֶמְתְּךָ לֹא תַרְבִּיעַ כִּלְאַיִם „dein Vieh sollst du nicht zusammenbringen in vermischten Arten“. [Sohar]
Wer kann ermessen, wie viele Zaddikim es unter ihnen gibt?
Or haChaim
die Zahl der Nachkommenschaft Israels
Ihre Nachkommen, die Kinder, die in ihren Familien entstehen.
Raschi
Staub Jaakows … Nachkommenschaft Israels
Jaakow: die Volksmasse; Israel: die großen Gelehrten.
Malbim
Es sterbe meine Seele den Tod der Aufrechten: unter ihnen.
Raschi
Bilam wollte den Tod eines rechtschaffenen Juden sterben, nicht den eines allgemein aufrechten Menschen. Das erklärt, warum diese Worte Bilams ein Segen für das jüdische Volk ist. Deshalb klagte Balak im nächsten Vers: „Damit du meine Feinde verfluchst, habe ich dich holen lassen, und jetzt segnest du sie ja!“
Misrachi
der Aufrechten
יְשָׁרִים „Aufrechte“: weil sie יְשָׁרִים (jescharim, „gerade“, „aufrecht“) sind, wird das Volk Israel יְשׁוּרוּן „Jeschurun“ genannt.
Ramban zu Bamidbar 23:10
Es sterbe meine Seele den Tod der Aufrechten
Es sterbe meine Seele den Tod durch die Aufrechten: Das war seine Prophezeiung, dass er zu Tode kommen würde durch Israel, die „Aufrechte“ genannt werden.
Or haChaim
וַיֹּ֤אמֶר בָּלָק֙ אֶל־בִּלְעָ֔ם מֶ֥ה עָשִׂ֖יתָ לִ֑י לָקֹ֤ב אֹיְבַי֙ לְקַחְתִּ֔יךָ וְהִנֵּ֖ה בֵּרַ֥כְתָּ בָרֵֽךְ׃
11
11
Da sagte Balak zu Bilam: Was tust du mir da? Damit du meine Feinde verfluchst, habe ich dich holen lassen, und jetzt segnest du sie ja!
Was tust du mir da an?
Warum sagt er: „Was tust du mir da an“, Bilam hat Balak nicht geschädigt, sondern Israel gesegnet? Ein Segen für Israel aber ist ein Fluch für ihn.
Or haChaim
Damit du meine Feinde verfluchst, habe ich dich holen lassen
Bilam hat zu Beginn klargestellt, er könne nicht nach eigenem Willen sprechen. Dennoch ging Balak davon aus, er würde zumindest schweigen, und rechnete nicht damit, dass „du sie jetzt segnest“.
Or haChaim