Der tägliche Chumasch-Abschnitt

24. Tischre 5786 | Issru Chag

Donnerstag, 16. Oktober 2025

Heute

Bereschit

5. Alija

(Bereschit 1:1 – 4:22)

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בְּרֵאשִׁ֖ית בָּרָ֣א אֱלֹהִ֑ים אֵ֥ת הַשָּׁמַ֖יִם וְאֵ֥ת הָאָֽרֶץ׃
1
1
Am ersten Tag der Schöpfung, am Beginn von G‑ttes Schöpfung aus dem Nichts von Himmel und Erde,
am Beginn
Rabbi Jizchak sagte: Die Torah hätte erst bei dem Abschnitt zu beginnen brauchen (Schem. 12:2) הַחֹדֶשׁ הַזֶּה לָכֶם „Dieser Monat soll euch [der Anfang der Monate] sein“, denn dieser enthält das erste Gebot (מִצְוָה) für Israel. Warum fängt die Torah aber mit der Schöpfung an? Weil „Er Seine Allmacht Seinem Volk verkündete, ihm das Erbe der Nationen zu geben“ כֹּחַ מַעֲשָׂיו הִגִּיד לְעַמּוֹ לָתֵת לָהֶם נַחֲלַת גּוֹיִם (Teh. 111:6). Wenn die Völker der Welt zu Israel sagen sollten: Ihr seid Räuber, denn ihr habt die Länder der sieben Nationen eingenommen, so antworten sie ihnen: Die ganze Erde gehört dem Ewigen. Er hat sie erschaffen und dem gegeben, der rechtschaffen ist in Seinen Augen. Nach Seinem Willen hat Er sie jenen gegeben und nach Seinem Willen sie ihnen genommen und uns gegeben.
Raschi
das erste Gebot für Israel: Die erste Mizwa, die dem jüdischen Volk als Nation durch Mosche gegeben wurde, war die Bestimmung des Monatsbeginns (Kiddusch haChodesch, Schem. 12:2). Die Gebote von Beschneidung und Hüftnerv wurden zwar früher gegeben (Brit Mila, Ber. 17:10; Gid ha‑nasche, Ber. 32:33), aber diese Mizwot wurden Awraham und Jaakow aufgetragen, noch bevor das jüdische Volk als Nation bestand; diese Gebote sind für die Nachkommen nur deshalb bindend, weil sie durch Mosche am Sinai wiederholt wurden. Das geschah erst, nachdem die Mizwa von Kiddusch haChodesch bereits gegeben worden war.
am Beginn von G‑ttes Schöpfung
Würde die Torah nicht mit der Erschaffung von Himmel und Erde beginnen, könnten Menschen ohne Glauben behaupten, dass die Erde schon immer bestanden habe und die Kreisläufe der Natur das Bestimmende seien.
Chiskuni
am Beginn von G‑ttes Schöpfung
Dieser Vers sagt, erkläre mich so, wie ihn unsere Lehrer (רַבּוֹתֵינוּ) erklärt haben. בְּרֵאשִׁית בָּרָא, G‑tt schuf – um der Torah willen, die רֵאשִׁית דַּרְכּוֹ „das Erste Seines Weges“ genannt wird (Mischle 8:22), und um Israel willen, das רֵאשִׁית תְּבוּאָתֹה „das Erste Seines Ertrages“ genannt wird (Jirm. 2:3).
Wenn du diesen Vers aber nach dem einfachen Sinn erklären willst, erkläre ihn so: (V. 1) Am Anfang der Erschaffung von Himmel und Erde – (V. 2) als die Erde erschreckend leer war – (V. 3) da sagte G‑tt: „Es werde Licht“. Der Vers will nicht die Reihenfolge der Schöpfung lehren, um zu sagen, dass Himmel und Erde zuerst erschaffen wurden. Wollte er das lehren, dann müsste der Ausdruck בָּרִאשׁוֹנָה בָּרָא אֶת הַשָּׁמַיִם gebraucht werden; denn רֵאשִׁית ist in der Torah immer mit dem nächsten Worte verbunden, so בְּרֵאשִׁית מַמְלְכוּת יְהוֹיָקִים „am Anfang der Regierung von Jehojakim“ (Jirm. 26:1), רֵאשִׁית מַמְלַכְתּוֹ „das Erste seines Reiches“ (Ber. 10:10), רֵאשִׁית דְּגָנְךָ „das Erste deines Getreides“ (Dew. 18:4).

Darum musst du auch hier sagen, am Beginn, als G‑tt erschuf, als ob stehen würde בְּרֵאשִׁית בְּרוֹא, am Beginn der Erschaffung. Ähnlich תְּחִלַּת דִּבֶּר ה׳ בְּהוֹשֵׁעַ „am Beginn, als der Ewige mit Hoschea sprach“ (Hosch. 1:2), das heißt, am Beginn der Rede des Ewigen mit Hoschea sagte der Ewige zu Hoschea.

Solltest du aber sagen, der Vers lehrt, dass Himmel und Erde zuerst erschaffen wurden, und der Sinn wäre, am Beginn von allem erschuf Er diese – denn tatsächlich gibt es Verse, die kurz gefasst sind und in denen ein Wort zu ergänzen ist, so כִּי לֹא סָגַר דַּלְתֵי בִטְנִי „weil man nicht die Tore des Schoßes meiner Mutter verschloss“ (Ijow 3:10), wo kein Subjekt genannt wird, ebenso שָּׂא אֶת חֵיל דַּמֶּשֶׂק „man wird das Vermögen von Damasek wegtragen“ (Jesch. 8:4), und es steht nicht, wer wegtragen wird, ferner אִם יַחֲרוֹשׁ בַּבְּקָרִים „Ich verkünde im Anbeginn das Ende“ (Am. 6:12), und er führt nicht aus, Ich verkünde im Anbeginn der Sache das Ende der Sache. Aber wenn es so wäre, müsstest du dich fragen, das Wasser war ja zuerst; denn es heißt (nächster Vers) וְרוּחַ אֱלֹהִים מְרַחֶפֶת עַל פְּנֵי הַמָּיִם „der Geist G‑ttes schwebte über der Fläche des Wassers“ und der Vers hat uns noch nicht offenbart, wann die Erschaffung des Wassers stattfand. Aus diesem Vers kannst du entnehmen, dass das Wasser schon vor der Erde erschaffen war.

Außerdem wurde der Himmel aus Feuer und Wasser gebildet; und du musst zum Schluss gelangen, dass uns der Vers nichts über die Reihenfolge lehrt, was früher und was später war.
Raschi
am Beginn von G‑ttes Schöpfung
Die hebräische Sprache nutzt ausschließlich das Verb בָּרָא, um das Erschaffen von Etwas aus dem Nichts zu beschreiben. [Ramban] Demgegenüber beschreibt das Verb יׇצַר das Schaffen einer neuen Form aus bestehender Materie. [Radak]

Das Verb בָּרָא („schuf“) beschreibt das Schaffen von Etwas aus dem Nichts. Demgegenüber beschreibt das Verb עׇשׇׂה („machen“) das Beenden einer Sache, wie in Vers 7 וַיַּעַשׂ אֱלֹהִים אֶת הָרָקִיעַ „Und G‑tt machte die Ausdehnung“.
Malbim
G‑ttes Schöpfung von Himmel und Erde
בָּרָא אֱלֹהִים אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָרֶץ „G‑tt schuf Himmel und Erde“, so wie es heißt (Teh. 136:5) לְעֹשֵׂה הַשָּׁמַיִם בִּתְבוּנָה „der den Himmel schuf in Einsicht“, will sagen: der den Himmel auf eine Weise schuf, dass man daraus G‑tt erkennen kann. So heißt es (Jesch. 40:26) שְׂאוּ מָרוֹם עֵינֵיכֶם „Hebt hoch auf eure Augen“. G‑tt schuf Himmel und Erde, die Welt und Natur, dass der Mensch daraus G‑tt erkenne.
Rabbi Simcha Bunam
schuf G‑tt
Es steht בָּרָא אֱלֹהִים mit dem G‑ttesnamen אֱלֹהִים – G‑tt als Richter; und nicht בָּרָא ה׳ – G‑tt der Barmherzige. Denn zuerst bestand die Absicht, auf Grund der Gerechtigkeit zu erschaffen, da Er aber sah, dass die Welt dann nicht bestehen könne, schickte Er die Barmherzigkeit (מִדַּת רַחֲמִים) voran und verband sie mit der Gerechtigkeit, darum heißt es später mit der Erwähnung von beiden G‑ttesnamen (Ber. 2:4) בְּיוֹם עֲשׂוֹת ה׳ אֱלֹהִים אֶרֶץ וְשָׁמָיִם „am Tag, als der Ewige, G‑tt, Erde und Himmel schuf“.
Raschi
schuf G‑tt
Es steht der G‑ttesname אֱלֹהִים, dessen Zahlenwert (Gematria) dem des Wortes הַטֶּבַע („die Natur“) entspricht, um zu zeigen, dass G‑tt die Welt laut den von Ihm festgelegten Naturgesetzen führen wird.
Gaon von Wilna
וְהָאָ֗רֶץ הָיְתָ֥ה תֹ֙הוּ֙ וָבֹ֔הוּ וְחֹ֖שֶׁךְ עַל־פְּנֵ֣י תְה֑וֹם וְר֣וּחַ אֱלֹהִ֔ים מְרַחֶ֖פֶת עַל־פְּנֵ֥י הַמָּֽיִם׃
2
2
als die Erde erschreckend leer war, und Finsternis auf der Tiefe, d.h. den Wassermassen, lag; und der Geist G‑ttes über der Fläche des Wassers schwebte,
erschreckend leer
תֹהוּ bedeutet Staunen und Entsetzen. Ein Mensch hätte über die Leere auf ihr gestaunt und wäre entsetzt darüber. (Estordison auf Französisch, „Entsetzen“.) בֹּהוּ bedeutet leer.
Raschi
erschreckend leer
תֹהוּ ist die ursprüngliche Masse. Ihr Name תֹהוּ weist darauf hin, dass der menschliche Verstand ihr gegenüber ratlos ist (תּוֹהֶה עָלָיו), weil sie unbegreiflich und nicht zu beschreiben oder benennen ist.
בֹּהוּ besteht aus den Worten בּוֹ הוּא und beschreibt den Beginn der Form und Kontur der ursprünglichen Masse. Darin sind bereits die vier elementaren Elemente der Schöpfung enthalten: Feuer, Wasser, Erde, Luft.
Ramban
<b>תֹהוּ</b> Entsetzen.
<b>בהו</b> bedeutet Leere und Öde.
auf der Tiefe
עַל פְּנֵי תְהוֹם, auf der Fläche des Wassers auf der Erde.
Raschi
Nach Raschi steht תְהוֹם hier nicht für „Tiefe“, sondern für Wassermassen, selbst wenn sie sich an der Oberfläche der Erde befinden. So auch im Vers (Dew. 32:10) עֲיָנֹת וּתְהֹמֹת „[Denn der Ewige, dein G‑tt, bringt dich in ein gutes Land: ein Land mit Wasserbächen,] Quellen und Gewässern“; und im Vers (Schem. 15:5) תְּהֹמֹת יְכַסְיֻמוּ „die Fluten haben sie zugedeckt“.
Hawanat haMikra
Finsternis auf der Tiefe
תְהוֹם ist die Tiefe des Wassers, zu der das Licht niemals vordringt.
Radak, Bechor Schor
und der Geist G‑ttes schwebte
Der Thron Seiner Herrlichkeit stand im Raum und schwebte über dem Wasser durch das Wort G‑ttes und Seinen Befehl, wie eine Taube, die über dem Nest schwebt. Acoveter auf Französisch, „über etwas schweben“.
Raschi
der Geist G‑ttes
רוּחַ אֱלֹהִים hat hier die Bedeutung רָצוֹן „Wille“, חֵפֶץ „Verlangen“, wie im Vers (Bam. 14:24) הָיְתָה רוּחַ אַחֶרֶת עִמּוֹ „[Aber mein Diener Kalew] hatte einen anderen Willen in sich“: der Wille und Wunsch G‑ttes zur Erschöpfung der Welt.
Radak
וַיֹּ֥אמֶר אֱלֹהִ֖ים יְהִ֣י א֑וֹר וַֽיְהִי־אֽוֹר׃
3
3
sagte G‑tt: Es werde Licht! Und es wurde Licht.
Es werde Licht!
Nicht mit Mühe und Anstrengung schuf der Ewige die Welt, sodass es im Vers nicht וְהָיָה אוֹר „und dann wurde Licht“ heißt, sondern וַיְהִי אוֹר „sofort wurde es Licht“.
Bereschit Rabba 3:2
וַיַּ֧רְא אֱלֹהִ֛ים אֶת־הָא֖וֹר כִּי־ט֑וֹב וַיַּבְדֵּ֣ל אֱלֹהִ֔ים בֵּ֥ין הָא֖וֹר וּבֵ֥ין הַחֹֽשֶׁךְ׃
4
4
Und G‑tt sah das Licht, dass es gut war, und G‑tt trennte zwischen Licht und Finsternis.
Und G‑tt sah das Licht, dass es gut war, und G‑tt trennte …
Auch hier sind wir auf die Worte der Aggada angewiesen. G‑tt sah, dass es das Licht nicht verdient habe, von den Bösen gebraucht zu werden, und sonderte das Licht für die Zaddikim in der Künftigen Welt ab (Chagiga 12a).
Nach dem einfachen Sinn erkläre so: Er sah, dass es gut war und es nicht angemessen sei, dass das Licht mit der Finsternis zusammen vermischt gebraucht werde, darum wies Er dem einen sein Gebiet am Tag und dem anderen sein Gebiet in der Nacht zu.
Raschi
Und G‑tt sah das Licht, dass es gut war
כִּי טוֹב „dass es gut war“: Sieht der Mensch den Buchstaben ט (Tet) im Traum, ist es ein gutes Zeichen, denn ab Bereschit, dem ersten Wort in der Torah, kommt der Buchstabe Tet erstmals im Wort tow, „gut“ vor.
Bawa Kama 55a
Und G‑tt sah, dass es gut war
Auch die Dunkelheit hat Vorteile für die Schöpfung, doch sind ihre Vorzüge verdeckt und ihre Nachteile offenbar. Anders beim Licht, dessen Vorzug offenbar ist, wie es heißt (Koh. 11:7) וּמָתוֹק הָאוֹר וְטוֹב לַעֵינַיִם „Süß ist das Licht und wohl tut’s den Augen“. Überall, wo in der Schöpfungsgeschichte der Ausdruck כִּי טוֹב „dass es gut war“ vorkommt, ist die Bedeutung: etwas vollkommen Gutes, dem kein Schlechtes beigemischt ist.
Radak
trennte zwischen Licht und Finsternis
Die Trennung geschah anhand eines eigenen Namens für Licht und Finsternis, wie es im nächsten Vers heißt: „Und G‑tt nannte das Licht – ‚Tag‘ und die Finsternis nannte Er ‚Nacht‘“.
Ibn Esra, Radak
trennte zwischen Licht und Finsternis
וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים „G‑tt ließ durch Sein Wort das Licht entstehen“, וַיַּרְא אֱלֹהִים „und Er hatte weiter den Willen zur Schöpfung“, denn denn sollte der Wille G‑ttes auch nur für einen Augenblick aussetzen, so zerfiele alle Schöpfung zu nichts und wäre, als ob sie nie gewesen.
Ramban
וַיִּקְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים ׀ לָאוֹר֙ י֔וֹם וְלַחֹ֖שֶׁךְ קָ֣רָא לָ֑יְלָה וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם אֶחָֽד׃ (פ)
5
5
Und G‑tt nannte das Licht — „Tag“ und die Finsternis nannte Er „Nacht“. Es wurde Abend und es wurde Morgen: Ein Tag.
nannte das Licht … und die Finsternis nannte Er: die Namen „Tag“ und „Nacht“ gab der Ewige dem Licht und der Finsternis.
Saadia Gaon, Raschbam
nannte das Licht … und die Finsternis nannte Er
וַיִּקְרָא אֱלֹהִים לָאוֹר „Der Ewige rief das Licht“ und teilte ihm den Tag als Wirkungsgebiet zu, „und die Finsternis rief Er“ und teilte ihr die Nacht als Wirkungsgebiet zu.
Ramban, und siehe Bereschit Rabba 3:6, Pessachim 2a
Ein Tag
יוֹם אֶחָד „ein Tag“: nach der Ordnung des Ausdrucks in diesem Abschnitt hätte es heißen müssen „der erste Tag“ (יוֹם רִאשׁוֹן), so wie bei den anderen Tagen steht „der zweite Tag“, „der dritte Tag“, „der vierte Tag“. Warum steht hier אֶחָד (Tag des Einzigen)? Weil an ihm der Ewige in Seiner Welt noch allein war; denn die Engel wurden erst am zweiten Tag erschaffen. So wird in Bereschit Rabba (3:8) erklärt.
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֔ים יְהִ֥י רָקִ֖יעַ בְּת֣וֹךְ הַמָּ֑יִם וִיהִ֣י מַבְדִּ֔יל בֵּ֥ין מַ֖יִם לָמָֽיִם׃
6
6
Und G‑tt sagte: Es werde eine Ausdehnung mitten im Wasser und sie trenne zwischen Wasser und Wasser.
Es werde eine Ausdehnung
יְהִי רָקִיעַ „Es werde eine Ausdehnung“ im Sinn von: es werde fest die Ausdehnung. Obwohl der Himmel bereits am ersten Tag erschaffen war, so war er noch flüssig und wurde am zweiten Tag durch das Drohen des Ewigen fest, als Er sagte יְהִי רָקִיעַ „es werde eine Ausdehnung“. Das meint der Vers (Ijow 26:11) עַמּוּדֵי שָׁמַיִם יְרוֹפָפוּ „die Säulen des Himmels wankten“ den ganzen ersten Tag, und am zweiten וְיִתְמְהוּ מִגַּעֲרָתוֹ „erstarrten sie durch Sein Drohen“; wie ein Mensch entsetzt stehen bleibt, wenn ihm jemand droht, der ihm Angst einflößt.
Raschi
Es werde eine Ausdehnung
Die Himmel, die G‑tt schuf, waren noch nicht ausgedehnt, und G‑tt befahl ihnen, sich wie ein Zelt auszudehnen inmitten des Wassers.
Ramban
Die Himmel waren in ihrer Substanz am ersten Tag geschaffen worden, doch am zweiten Tag verlieh G‑tt ihnen Form und dehnte sie aus, wie es heißt יְהִי רָקִיעַ „Es werde eine Ausdehnung“.
Or haChaim
Mit diesem Ausspruch begrenzte G‑tt die Ausdehnung der Himmel auf ein endliches Maß.
Kli Jakar
mitten im Wasser: mitten zwischen den Wassern. Denn es befindet sich ein ebenso großer Abstand zwischen dem Wasser in der Höhe und dem Himmel, wie zwischen dem Himmel und dem Wasser auf der Erde. Daraus kannst du entnehmen, dass das Wasser der Höhe vom Wort des Königs getragen wird.
Raschi
Und G‑tt sagte: Es werde eine Ausdehnung
Die Buchstaben, mit denen der Himmel erschaffen wurde, das heißt der Ausspruch „Es werde eine Ausdehnung“ stehen und verbleiben für immer im Himmel, um ihn jeden Augenblick von Neuem zu beleben und zu erhalten, wie es heißt (Teh. 119:89) לְעוֹלָם ה׳ דְּבָרְךָ נִצָּב בַּשָּׁמָיִם „Für ewig steht, G‑tt, Dein Wort fest im Himmel“. G‑tt ist nicht nur Schöpfer der Welt, Er ist auch in jedem Augenblick der Schaffende der Welt.
Rabbi Israel Baal Schem Tow
וַיַּ֣עַשׂ אֱלֹהִים֮ אֶת־הָרָקִיעַ֒ וַיַּבְדֵּ֗ל בֵּ֤ין הַמַּ֙יִם֙ אֲשֶׁר֙ מִתַּ֣חַת לָרָקִ֔יעַ וּבֵ֣ין הַמַּ֔יִם אֲשֶׁ֖ר מֵעַ֣ל לָרָקִ֑יעַ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
7
7
Und G‑tt machte die Ausdehnung und trennte zwischen dem Wasser unter der Ausdehnung und dem Wasser über der Ausdehnung; und so wurde es.
Und G‑tt machte die Ausdehnung
וַיַּעַשׂ אֱלֹהִים אֶת הָרָקִיעַ „G‑tt machte die Ausdehnung“, Er stellte die Ausdehnung fertig, darin bestand das Machen. Ähnlich (Dew. 21:12) וְעָשְׂתָה אֶת צִפָּרְנֶיהָ „sie mache ihre Nägel“.
Raschi
„sie mache ihre Nägel“: Der Vers bezieht sich auf eine Frau, die im Krieg gefangen genommen wurde (Ischa Jafat Toar, Dew. 21:10–14). Begehrt der jüdische Krieger sie zur Frau, muss er sie zuerst in sein Haus bringen, wo sie ihren Kopf rasieren und ihre Nägel „machen“ soll. Dies bedeutet offensichtlich nicht, dass sie die Nägel neu erschaffen soll; vielmehr bedeutet es nach einer Meinung, dass sie sie kurz schneiden soll, und nach einer anderen Meinung, dass sie sie wachsen lassen soll (siehe Jewamot 48a). Somit wird der Begriff „machen“ im Sinne von „zurichten“ und „verfeinern“ verwendet.
über dem Raum
Es steht nicht עַל הָרָקִיעַ „auf der Ausdehnung“,
sondern מֵעַל לָרָקִיעַ „oberhalb der Ausdehnung“, weil das Wasser frei schwebt [durch das Wort G‑ttes].

Und warum steht am zweiten Tag nicht „es war gut“? Weil das Werk des Wassers erst am dritten Tag vollendet wurde, am zweiten Tag begann Er es nur. Eine Sache, die nicht vollendet ist, ist nicht in ihrer Vollkommenheit und Güte. Am dritten Tag, als das Werk des Wassers vollendet wurde und Er ein anderes Werk anfing und fertig machte, wiederholt die Torah und sagt zwei Mal כִּי טוֹב, einmal für die Vollendung des Werkes des zweiten Tages, und einmal für die Vollendung des Werkes dieses Tages.
Raschi
und so wurde es
וַיְהִי כֵן „und so wurde es“ seither und wird sich in Ewigkeit nicht ändern.
Radak, Ramban
Die Worte וַיְהִי כֵן beziehen sich auf den Vers danach; וַיְהִי כֵן „Und als es so wurde“, וַיִּקְרָא אֱלֹהִים לָרָקִיעַ שָׁמָיִם „nannte G‑tt die Ausdehnung Himmel“.
Ibn Esra
וַיִּקְרָ֧א אֱלֹהִ֛ים לָֽרָקִ֖יעַ שָׁמָ֑יִם וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם שֵׁנִֽי׃ (פ)
8
8
Und G‑tt nannte die Ausdehnung Himmel. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — zweiter Tag.
G‑tt nannte die Ausdehnung Himmel
Das Wort שָׁמָיִם „Himmel“ kann erklärt werden als
שָׂא מַיִם „trage Wasser“,

שָׁם מַיִם „dort ist Wasser“,

אֵשׁ וּמַיִם „Feuer und Wasser“, Er mischte sie miteinander und schuf daraus den Himmel. (Chagiga 12a)
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים יִקָּו֨וּ הַמַּ֜יִם מִתַּ֤חַת הַשָּׁמַ֙יִם֙ אֶל־מָק֣וֹם אֶחָ֔ד וְתֵרָאֶ֖ה הַיַּבָּשָׁ֑ה וַֽיְהִי־כֵֽן׃
9
9
Und G‑tt sagte: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einem Ort, und sichtbar soll das trockene Land werden; und so wurde es.
Es sammle sich das Wasser
Denn das Wasser war über die Fläche der ganzen Erde ausgebreitet, da sammelte Er es im Ozean, das ist das größte von allen Meeren.
Raschi
וַיִּקְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים ׀ לַיַּבָּשָׁה֙ אֶ֔רֶץ וּלְמִקְוֵ֥ה הַמַּ֖יִם קָרָ֣א יַמִּ֑ים וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
10
10
Und G‑tt nannte das Trockene — „Land“, und die Sammlung des Wassers nannte Er — „Meere“; und G‑tt sah, dass es gut war.
nannte Er „Meere“
Es ist doch nur ein Meer? Nur, es gleicht nicht der Geschmack eines Fisches, der in Akko aus dem Meer kommt, dem Geschmack eines Fisches in Spanien.
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים תַּֽדְשֵׁ֤א הָאָ֙רֶץ֙ דֶּ֔שֶׁא עֵ֚שֶׂב מַזְרִ֣יעַ זֶ֔רַע עֵ֣ץ פְּרִ֞י עֹ֤שֶׂה פְּרִי֙ לְמִינ֔וֹ אֲשֶׁ֥ר זַרְעוֹ־ב֖וֹ עַל־הָאָ֑רֶץ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
11
11
Und G‑tt sagte: Die Erde bedecke sich mit Pflanzenwuchs, Gewächsen, die Samen bringen, Fruchtbäumen, die Frucht tragen, jeder nach seiner Art, in denen ihr Same ist, auf der Erde; und so wurde es.
Die Erde bedecke sich mit Pflanzenwuchs
תַּדְשֵׁא הָאָרֶץ דֶּשֶׁא עֵשֶׂב „Die Erde bedecke sich mit Pflanzenwuchs, Gewächsen“. Das Wort דֶּשֶׁא ist nicht gleichbedeutend mit עֵשֶׂב, und עֵשֶׂב ist nicht gleichbedeutend mit דֶּשֶׁא, und der Ausdruck des Verses hätte nicht lauten dürfen תַּעֲשִׂיב הָאָרֶץ, denn die Arten des Pflanzenwuchses (דֶּשֶׁא) sind voneinander verschieden und jedes für sich wird das und das Gewächs (עֵשֶׂב) genannt. Man könnte auch nicht sagen, der und der Pflanzenwuchs (דֶּשֶׁא); denn unter דֶּשֶׁא versteht man das Kleid der Erde, wenn sie mit Pflanzenwuchs überzogen ist.
Raschi
bedecke sich mit Pflanzenwuchs
תַּדְשֵׁא הָאָרֶץ, fülle sich die Erde und hülle sich in ein Kleid von Pflanzen. Auf Französisch wird דֶּשֶׁא als erbediz übersetzt, „Pflanzenwuchs“, alles durcheinander; jedes Gewächs für sich aber heißt עֵשֶׂב.
Raschi
Samen bringen
מַזְרִיעַ זֶרַע „Samen bringen“: es wachse sein Samen in ihm, um davon an einer anderen Stelle zu säen.
Raschi
Fruchtbaum
עֵץ פְּרִי „Fruchtbaum“: [עֵץ „Baum“ und פְּרִי „Frucht“ lehrt,] dass der Geschmack des Baumes dem Geschmack der Frucht gleiche. Die Erde aber tat nicht so, sondern brachte nur Bäume hervor, die zwar Früchte trugen, deren Holz selbst aber nicht wie die Frucht schmeckte. Als nun der Mensch wegen seiner Sünde verflucht wurde, wurde auch sie für ihre eigene Schuld heimgesucht, [nicht Bäume hervorgebracht zu haben, deren Holz wie der Geschmack der Frucht ist,] und verflucht.
Raschi
in denen ihr Samen ist
Das sind die Kerne in den Früchten, aus denen, wenn man sie einpflanzt, wieder ein Baum hervorgeht.
Raschi
וַתּוֹצֵ֨א הָאָ֜רֶץ דֶּ֠שֶׁא עֵ֣שֶׂב מַזְרִ֤יעַ זֶ֙רַע֙ לְמִינֵ֔הוּ וְעֵ֧ץ עֹֽשֶׂה־פְּרִ֛י אֲשֶׁ֥ר זַרְעוֹ־ב֖וֹ לְמִינֵ֑הוּ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
12
12
Und die Erde ließ Pflanzenwuchs hervorgehen, Gewächs, das nach seiner Art Samen bringt, und fruchttragende Bäume, in denen Samen nach ihrer Art ist. Und G‑tt sah, dass es gut war.
Und die Erde ließ Pflanzenwuchs hervorgehen
Wenn auch bei dem Befehl, der an die einzelnen Gewächse erging, nicht לְמִינֵהוּ „nach seiner Art“ steht, so hörten sie, wie das den Bäumen befohlen wurde, da wandten sie auf sich den Schluss vom Leichten aufs Schwere an, wie das in der Aggada von Chulin (60a) erklärt wird.
Raschi
Als der Ewige sagte (V. 11) עֵץ פְּרִי עֹשֶׂה פְּרִי לְמִינוֹ „Fruchtbäume, die Frucht tragen, jeder nach seiner Art“, folgerten die Gewächse für sich selbst: wäre dem Ewigen ein Durcheinander erwünscht, so würde Er ja bezüglich der Bäume nicht gesagt haben לְמִינוֹ „nach seiner Art“. Auch ist ein Schluss vom Leichten aufs Schwere (קַל וָחֹמֶר) anzuwenden: wenn der Ewige hinsichtlich der Bäume, deren Art es nicht ist, durcheinander hervorzukommen, gesagt hat לְמִינוֹ „nach seiner Art“, um wieviel mehr gilt das von uns als zahlreiche und dicht zusammenstehende Gewächse, dass wir uns vor Vermischung zu hüten haben.
Chulin 60a
וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם שְׁלִישִֽׁי׃ (פ)
13
13
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — dritter Tag.
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים יְהִ֤י מְאֹרֹת֙ בִּרְקִ֣יעַ הַשָּׁמַ֔יִם לְהַבְדִּ֕יל בֵּ֥ין הַיּ֖וֹם וּבֵ֣ין הַלָּ֑יְלָה וְהָי֤וּ לְאֹתֹת֙ וּלְמ֣וֹעֲדִ֔ים וּלְיָמִ֖ים וְשָׁנִֽים׃
14
14
Und G‑tt sagte: Es seien Lichtkörper in der Ausdehnung des Himmels, um zwischen Tag und Nacht zu trennen. Und sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre.
Es seien Lichtkörper
Sie waren schon am ersten Tag erschaffen worden (Chagiga 12a), am vierten Tag befahl Er ihnen, im Raum zu schweben. Ebenso wurden alle Geschöpfe des Himmels und der Erde schon am ersten Tag erschaffen und jedes an dem bestimmten Tag in sein Amt eingesetzt. [Darauf weist das Wort אֵת vor הַשָּׁמַיִם und vor הָאָרֶץ hin (Ber. 1:1),] אֵת הַשָּׁמַיִם fügt die Geschöpfe des Himmels hinzu, וְאֵת הָאָרֶץ fügt die Geschöpfe der Erde hinzu.
Raschi
Es seien Lichtkörper
יְהִי מְאֹרֹת ist ohne den Buchstaben ו (Waw) geschrieben, wie מְאֵרָה „Verwünschung“, weil dieser Tag die Gefahr mit sich bringt, dass eine gefährliche Halskrankheit (אַסְכָּרָה) die Kinder befällt, wie wir lernen (Taanit 27b): Am vierten Tag der Woche fasteten sie, dass nicht das Halsleiden die Kinder befalle.
Raschi
Es seien Lichtkörper
יְהִי מְאֹרֹת ist ohne den Buchstaben Waw geschrieben, wie מְאֵרָה „Verwünschung“, denn alle Geschöpfe, alle Taten und Geschehnisse unter der Sonne enthalten Schmerz und Leiden, sind bedingt und vergänglich, weil sie der Zeit unterliegen.
Kli Jakar
מְאֹרֹת ist ohne den Buchstaben Waw geschrieben, um zu lehren: Einzig die Sonne wurde zum Leuchten erschaffen. Der Mond hingegen wurde erschaffen, damit die Sonne nicht der einzige Himmelskörper sei und von den Menschen angebetet werde.
Baal haTurim
מְאֹרֹת ist ohne den Buchstaben Waw geschrieben, um zu lehren: Einzig die Sonne wurde zum Leuchten erschaffen. Der Mond hingegen wurde erschaffen, um das Datum festzulegen. Deshalb lässt sich das Wort als Einzahl מְאֹרַת lesen.
Chiskuni
um zwischen Tag und Nacht zu trennen: nachdem das erste Licht verborgen war. Aber in den sieben (sechs) Tagen der Schöpfung dienten das erste Licht und die erste Finsternis miteinander, das eine am Tag und das andere bei Nacht.
Raschi
sie seien Zeichen
Wenn die Lichter verdunkelt werden, ist es ein böses Zeichen für die Welt. So heißt es (Jirm. 10:2) וּמֵאוֹתוֹת הַשָּׁמַיִם אַל תֵּחָתּוּ „vor den Zeichen des Himmels zittere nicht“. Wenn ihr den Willen des Ewigen erfüllt, braucht ihr euch nicht vor den Strafen zu fürchten (Sukka 29a).
Raschi
für Zeiten
Das bezieht sich auf die Zukunft. Dem Volk Israel sollen die Festzeiten befohlen werden, und diese werden nach dem Eintritt des Neumondes gezählt.
Raschi
für Tage
Der Dienst der Sonne die Hälfte des Tages und der Dienst des Mondes die andere Hälfte, das ergibt einen ganzen Tag.
Raschi
und für Jahre
Nach 365 ¼ Tagen haben sie ihren Weg durch die zwölf Sternbilder vollendet, das ist ein Jahr. Dann beginnen sie von Neuem im Kreis zu wandeln, gleich ihrer ersten Bahn.
Raschi
וְהָי֤וּ לִמְאוֹרֹת֙ בִּרְקִ֣יעַ הַשָּׁמַ֔יִם לְהָאִ֖יר עַל־הָאָ֑רֶץ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
15
15
Und sie sollen als Lichtträger in der Ausdehnung des Himmels auf die Erde leuchten; und so wurde es.
als Lichtträger
Auch noch dazu sollen sie dienen, die Welt zu erleuchten.
Raschi
וַיַּ֣עַשׂ אֱלֹהִ֔ים אֶת־שְׁנֵ֥י הַמְּאֹרֹ֖ת הַגְּדֹלִ֑ים אֶת־הַמָּא֤וֹר הַגָּדֹל֙ לְמֶמְשֶׁ֣לֶת הַיּ֔וֹם וְאֶת־הַמָּא֤וֹר הַקָּטֹן֙ לְמֶמְשֶׁ֣לֶת הַלַּ֔יְלָה וְאֵ֖ת הַכּוֹכָבִֽים׃
16
16
Und G‑tt machte die beiden großen Lichtkörper — den größeren zur Herrschaft des Tages, und den kleineren zur Herrschaft der Nacht, und die Sterne.
die beiden großen Lichtkörper
Sie wurden beide gleich groß erschaffen, und dann wurde der Mond verkleinert, weil er anklagte und sagte, es ist nicht möglich, dass zwei Könige sich ein und dieselbe Krone teilen (Chulin 60a).
Raschi
und die Sterne: weil Er den Mond verkleinerte, vermehrte Er seine Heerschar, um ihn zu beruhigen.
Raschi
וַיִּתֵּ֥ן אֹתָ֛ם אֱלֹהִ֖ים בִּרְקִ֣יעַ הַשָּׁמָ֑יִם לְהָאִ֖יר עַל־הָאָֽרֶץ׃
17
17
Und G‑tt stellte sie in die Ausdehnung des Himmels, um auf die Erde zu leuchten,
וְלִמְשֹׁל֙ בַּיּ֣וֹם וּבַלַּ֔יְלָה וּֽלֲהַבְדִּ֔יל בֵּ֥ין הָא֖וֹר וּבֵ֣ין הַחֹ֑שֶׁךְ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
18
18
und am Tag und in der Nacht zu herrschen und zu trennen zwischen dem Licht und der Finsternis; und G‑tt sah, dass es gut war.
וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם רְבִיעִֽי׃ (פ)
19
19
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — vierter Tag.
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֔ים יִשְׁרְצ֣וּ הַמַּ֔יִם שֶׁ֖רֶץ נֶ֣פֶשׁ חַיָּ֑ה וְעוֹף֙ יְעוֹפֵ֣ף עַל־הָאָ֔רֶץ עַל־פְּנֵ֖י רְקִ֥יעַ הַשָּׁמָֽיִם׃
20
20
Und G‑tt sagte: Es wimmle das Wasser von wimmelnden Lebewesen, und der Vogel fliege über der Erde an der Weite des Himmels.
Lebewesen
נֶפֶשׁ חַיָּה – שֶׁיְּהֵא בָּהּ חַיּוּת, von Leben erfüllt.
Raschi
wimmelnd
שֶׁרֶץ „Kriechtier“. Jedes Tier, das sich nicht über die Erde erhebt, wird שֶׁרֶץ genannt. Unter den Vögeln Fliegen, unter den Kriechtieren Ameisen, Käfer und Würmer und unter größeren Tieren Wiesel, Mäuse und Schnecken und dergleichen und alle Fische.
Raschi
וַיִּבְרָ֣א אֱלֹהִ֔ים אֶת־הַתַּנִּינִ֖ם הַגְּדֹלִ֑ים וְאֵ֣ת כָּל־נֶ֣פֶשׁ הַֽחַיָּ֣ה ׀ הָֽרֹמֶ֡שֶׂת אֲשֶׁר֩ שָׁרְצ֨וּ הַמַּ֜יִם לְמִֽינֵהֶ֗ם וְאֵ֨ת כָּל־ע֤וֹף כָּנָף֙ לְמִינֵ֔הוּ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
21
21
Und G‑tt schuf die großen Seetiere und alle Lebewesen, die sich bewegen, von denen das Wasser wimmelt, jedes nach seiner Art, und jeden geflügelten Vogel nach seiner Art; und G‑tt sah, dass es gut war.
die großen Seetiere
הַתַּנִּינִם, die großen Fische im Meer.
Und nach den Worten der Aggada (Bawa Batra 74b) sind das der Leviathan und sein Weibchen. Er erschuf sie, Männchen und Weibchen, aber Er tötete das Weibchen und bewahrte sein Fleisch für die Zaddikim in der Künftigen Welt auf. Denn wenn sie sich fortgepflanzt und vermehrt hätten, so hätte die Welt nicht vor ihnen bestehen können. So steht im Vers הַתַּנִּינִם (Bawa Batra 74b).
Raschi
Das erklärt, warum das Wort הַתַּנִּינִם in der Mehrzahl steht, aber ohne den Buchstaben Jud erscheint, der in der Mehrzahl vor dem schließenden Buchstaben Mem stehen müsste (הַתַּנִּינִים). Das ist ein Hinweis darauf, dass G‑tt zwar anfangs zwei von ihnen erschuf, was durch die Mehrzahlform in der Aussprache angedeutet wird, Er jedoch eines der beiden Tiere tötete und somit nur ein einziger Leviathan am Leben blieb.
Lebewesen
נֶפֶשׁ חַיָּה – נֶפֶשׁ שֶׁיֵּשׁ בָּהּ חַיּוּת, von Leben erfüllt.
Raschi
וַיְבָ֧רֶךְ אֹתָ֛ם אֱלֹהִ֖ים לֵאמֹ֑ר פְּר֣וּ וּרְב֗וּ וּמִלְא֤וּ אֶת־הַמַּ֙יִם֙ בַּיַּמִּ֔ים וְהָע֖וֹף יִ֥רֶב בָּאָֽרֶץ׃
22
22
Und G‑tt segnete sie und sagte: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt das Wasser in den Meeren, und der Vogel soll sich auf der Erde mehren.
segnete sie
Weil der Mensch sie vermindert, indem er von ihnen fängt und isst, mussten sie gesegnet werden. Auch das Wild (חַיּוֹת) hätte den Segen gebraucht. Nur wegen der Schlange, die später verflucht wurde, darum segnete Er das Wild nicht, damit sich der Segen nicht auf sie erstrecke.
Raschi
Seid fruchbar
Das Wort פְּרוּ kommt von פְּרִי „Frucht“, das heißt, „bringt Früchte hervor“.
Raschi
und mehrt euch
וּרְבוּ „und mehrt euch“. Wenn Er nur gesagt hätte פְּרוּ „seid fruchtbar“, dann hätte eins immer nur eins und nicht mehr gezeugt. Darum kommt „mehrt euch“, dass eins viele zeuge.
Raschi
וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם חֲמִישִֽׁי׃ (פ)
23
23
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — fünfter Tag.
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים תּוֹצֵ֨א הָאָ֜רֶץ נֶ֤פֶשׁ חַיָּה֙ לְמִינָ֔הּ בְּהֵמָ֥ה וָרֶ֛מֶשׂ וְחַֽיְתוֹ־אֶ֖רֶץ לְמִינָ֑הּ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
24
24
Und G‑tt sagte: Es bringe die Erde lebende Wesen hervor, ein jedes nach seiner Art. Vieh, Würmer und Tiere des Landes nach ihrer Art. Und so wurde es.
Es bringe die Erde hervor
Das ist, was ich (zuvor, Vers 14) erklärt habe: alles war schon am ersten Tag erschaffen und hatte nur nötig, dass man es herausbringe.
Raschi
Lebewesen
נֶפֶשׁ חַיָּה – שֶׁיֵּשׁ בָּהּ חַיּוּת, von Leben erfüllt.
Raschi
Würmer
רֶמֶשׂ „Kriechtiere“, das sind die niedrigen Kriechtiere, die sich auf der Erde bewegen, die aussehen, als würden sie geschleift, weil ihr Gehen nicht bemerkt wird. Überall, wo רֶמֶשׂ oder שֶׁרֶץ vorkommt, können wir übersetzen mit „sich regen“, conmovres auf Französisch.
Raschi
וַיַּ֣עַשׂ אֱלֹהִים֩ אֶת־חַיַּ֨ת הָאָ֜רֶץ לְמִינָ֗הּ וְאֶת־הַבְּהֵמָה֙ לְמִינָ֔הּ וְאֵ֛ת כָּל־רֶ֥מֶשׂ הָֽאֲדָמָ֖ה לְמִינֵ֑הוּ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
25
25
Und G‑tt machte die Wildtiere des Landes und das Vieh, und alle Würmer des Erdbodens nach ihrer Art. Und G‑tt sah, dass es gut war.
machte
G‑tt bildete sie in ihrer Schönheit und ausgewachsenen Gestalt (Chulin 60a).
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֔ים נַֽעֲשֶׂ֥ה אָדָ֛ם בְּצַלְמֵ֖נוּ כִּדְמוּתֵ֑נוּ וְיִרְדּוּ֩ בִדְגַ֨ת הַיָּ֜ם וּבְע֣וֹף הַשָּׁמַ֗יִם וּבַבְּהֵמָה֙ וּבְכָל־הָאָ֔רֶץ וּבְכָל־הָרֶ֖מֶשׂ הָֽרֹמֵ֥שׂ עַל־הָאָֽרֶץ׃
26
26
Und G‑tt sagte: Wir wollen einen Menschen machen in Unserer Erscheinung, in Ähnlichkeit mit Uns, damit die Menschen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh und über die ganze Erde und über alle Würmer, die sich auf der Erde bewegen.
Und G‑tt sagte
וַאֲמַר ה׳ לְמַלְאָכַיָא „Und G‑tt sagte zu den Engeln …“.
Targum Jonathan
Wir wollen machen
Die g‑ttliche Eigenschaft der Barmherzigkeit (מִדַּת רַחֲמִים) und die Eigenschaft des Gerichts (מִדַּת הַדִּין) stimmten gemeinsam zu, den Menschen zu schaffen.
Or haChaim
Wir wollen einen Menschen machen
Die Zurückhaltung G‑ttes lernen wir von hier. Weil der Mensch den Engeln gleicht, könnten sie ihn beneiden, darum beriet Er sich mit den Engeln. Auch wenn Er die Könige richtet, berät Er sich mit Seiner Umgebung.
So finden wir bei Achaw, dass Micha zu ihm sagte (1 Kön. 22:19) רָאִיתִי אֶת ה׳ יוֹשֵׁב עַל כִּסְאוֹ וְכָל צְבָא הַשָּׁמַיִם עוֹמֵד עָלָיו מִימִינוֹ וּמִשְּׂמֹאלוֹ „ich sah den Ewigen, auf dem Thron sitzend, und alles Heer des Himmels stand um Ihn zur Seiner Rechten und zu Seiner Linken“. Gibt es denn rechts und links vor Ihm? Nur, die zur Rechten sind die Verteidiger, und die zur Linken sind die Ankläger.

Ebenso (Dan. 4:14) בִּגְזֵרַת עִירִין פִּתְגָמָא, וּמֵאמַר קַדִּישִׁין שְׁאֵלְתָּא „durch das Urteil der Engel besteht das Wort und durch den Ausspruch der Heiligen der Befehl“. Auch hier beriet Er sich mit Seiner Umgebung und ließ sich ihre Zustimmung geben, indem Er zu ihnen sagte: Im Himmel sind Geschöpfe, die Mir gleichen. Sollten auf der Erde nicht solche sein, die Mir gleichen, so entsteht Neid im Schöpfungswerk (Sanh. 38b).
Raschi
Wir wollen einen Menschen machen
נַעֲשֶׂה אָדָם „Wir wollen einen Menschen machen“: Obwohl sie Ihm bei Seiner Entscheidung nicht halfen und der Ausdruck „Wir wollen einen Menschen machen“ Anlass für die Ungläubigen zu einem Angriff auf die Torah sein könnte, hielt sich die Torah dennoch nicht zurück, Anstand und Demut zu lehren, auch der Große berate sich mit dem Kleinen und hole seine Zustimmung ein.
Würde im Vers stehen אֶעֱשֶׂה אָדָם „Ich will einen Menschen machen“, so könnten wir nicht daraus entnehmen, dass Er zu Seinem Gerichtshof sprach (בֵּית דִּין), sondern zu sich selbst. Als Antwort gegen die Ungläubigen steht gleich im nächsten Vers וַיִּבְרָא אֱלֹהִים אֶת הָאָדָם „G‑tt erschuf den Menschen“, und es heißt nicht „sie erschufen“.
Raschi
in Unserer Erscheinung
בְּצַלְמֵנוּ – בִּדְפוּס שֶׁלָּנוּ, in unserer Erscheinung.
Raschi
Erscheinung“ bezieht sich nicht auf G‑tt selbst, denn G‑tt hat kein Abbild und keine Gestalt, wie es heißt (Dew. 4:12) וּתְמוּנָה אֵינְכֶם רֹאִים „Gestalt saht ihr nicht“, sondern auf die Erscheinung, die den Propheten erscheint, wenn sie G‑tt schauen.
Misrachi, Sifte Chachamim
in Ähnlichkeit mit Uns: zu unterscheiden und zu verstehen.
Raschi
damit die Menschen herrschen
Der Ausdruck וְיִרְדּוּ kann „Herrschaft“ (רִדּוּי), aber auch „Sinken“ (יְרִידָה) bedeuten. Ist der Mensch würdig, dann herrscht er über die wilden und die zahmen Tiere. Ist er nicht würdig, dann wird er ihnen unterworfen, und das Tier herrscht über ihn.
Raschi
וַיִּבְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים ׀ אֶת־הָֽאָדָם֙ בְּצַלְמ֔וֹ בְּצֶ֥לֶם אֱלֹהִ֖ים בָּרָ֣א אֹת֑וֹ זָכָ֥ר וּנְקֵבָ֖ה בָּרָ֥א אֹתָֽם׃
27
27
Und G‑tt alleine schuf den Menschen in Seiner Erscheinung, in der Erscheinung G‑ttes schuf Er den Menschen; männlich und weiblich schuf Er sie.
schuf
Das Verb וַיִּבְרָא weist auf eine höhere Stufe und damit die Erschaffung der Seele; anders als das Verb וַיִּיצֶר im Vers (Ber. 2:7) וַיִּיצֶר ה׳ אֱלֹהִים אֶת הָאָדָם עָפָר מִן הָאֲדָמָה „Und G‑tt, der Ewige, bildete den Menschen aus Staub vom Erdboden“, das die Erschaffung des Körpers beschreibt.
Radak
in Seiner Erscheinung
בְּצַלְמוֹ – בִּדְפוּס הֶעָשׂוּי לוֹ „in Seinem Ebenbild“: in der Form, die für ihn gebildet war. Alles wurde durch das Wort erschaffen, der Mensch aber durch die Hände, so heißt es (Teh. 139:5) וַתָּשֶׁת עָלַי כַּפֶּכָה „Du legst auf mich Deine Hand“, er wurde mit einem Siegel geformt wie eine Münze unter dem Stempel, den man Prägstock nennt (coin auf Französisch). So sagt auch der Vers (Ijow 38:14) תִּתְהַפֵּךְ כְּחוֹמֶר חוֹתָם „(die Erde) wandelt sich wie Ton unter dem Siegel“ (Sanh. 38a).
Raschi
in der Erscheinung G‑ttes
צֶלֶם אֱלֹקִים „in der Erscheinung G‑ttes“ ist die freie Entscheidung zwischen Gut und Böse, die jeder Mensch besitzt.
Meschech Chochma
in der Erscheinung G‑ttes schuf Er
Der Vers erklärt dir: die Form, die für ihn bereitet wurde, gleicht der Erscheinung seines Schöpfers.
Raschi
männlich und weiblich erschuf Er sie
Weiter aber heißt es (Ber. 2:21) וַיִּקַּח אַחַת מִצַּלְעוֹתָיו „Er nahm eine von seinen Seiten …“. Der Midrasch erklärt das: Er erschuf ihn bei seiner ersten Erschaffung mit doppeltem Angesicht, und dann teilte Er ihn (Bereschit Rabba 8:1).
Der einfache Sinn des Verses ist, hier teilt er dir mit, dass beide am sechsten Tag erschaffen wurden, und erklärt dir noch nicht, wie sie erschaffen wurde, das erklärt er dir an einer anderen Stelle.
Raschi
וַיְבָ֣רֶךְ אֹתָם֮ אֱלֹהִים֒ וַיֹּ֨אמֶר לָהֶ֜ם אֱלֹהִ֗ים פְּר֥וּ וּרְב֛וּ וּמִלְא֥וּ אֶת־הָאָ֖רֶץ וְכִבְשֻׁ֑הָ וּרְד֞וּ בִּדְגַ֤ת הַיָּם֙ וּבְע֣וֹף הַשָּׁמַ֔יִם וּבְכָל־חַיָּ֖ה הָֽרֹמֶ֥שֶׂת עַל־הָאָֽרֶץ׃
28
28
Und G‑tt segnete sie und sagte zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und bezwingt sie, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde bewegen.
und bezwingt sie
Das Wort וְכִבְשֻׁהָ ist ohne den Buchstaben ו (Waw) geschrieben [Einzahl, „bezwinge sie“], um zu lehren, dass der Mann die Frau beherrsche, dass sie nicht ständig das Haus verlasse. Und weiter um dich zu lehren, dass der Mann, dessen Art ist zu herrschen, zur Fortpflanzung verpflichtet ist, und nicht die Frau (Jewamot 65b).
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים הִנֵּה֩ נָתַ֨תִּי לָכֶ֜ם אֶת־כָּל־עֵ֣שֶׂב ׀ זֹרֵ֣עַ זֶ֗רַע אֲשֶׁר֙ עַל־פְּנֵ֣י כָל־הָאָ֔רֶץ וְאֶת־כָּל־הָעֵ֛ץ אֲשֶׁר־בּ֥וֹ פְרִי־עֵ֖ץ זֹרֵ֣עַ זָ֑רַע לָכֶ֥ם יִֽהְיֶ֖ה לְאָכְלָֽה׃
29
29
Und G‑tt sagte: Hier, Ich gebe euch alles Gewächs, das Samen trägt, auf der Fläche der ganzen Erde, und alle Bäume, an denen Baumfrucht die Samen trägt; für euch soll es zum Essen sein.
(29—30) für euch soll es zum Essen sein, Und allen Tieren des Landes
Die Torah hat ihnen die zahmen und die wilden Tiere in der Ernährung gleichgestellt und dem Menschen und seiner Frau nicht erlaubt, ein Geschöpf zu töten, um sein Fleisch zu essen, sondern alle ohne Ausnahme sollten allerlei grüne Gewächse essen. Erst als die Söhne Noachs kamen, erlaubte Er ihnen das Fleisch, so heißt es (Ber. 9:3) כָּל רֶמֶשׂ אֲשֶׁר הוּא חַי לָכֶם יִהְיֶה לְאָכְלָה כְּיֶרֶק עֵשֶׂב נָתַתִּי לָכֶם אֶת כֹּל „alles, was sich regt, was da lebt: gleich den grünen Gewächsen“, die Ich dem ersten Menschen erlaubt habe, „gebe Ich euch alles“ (Sanh. 59b).
Raschi
וּֽלְכָל־חַיַּ֣ת הָ֠אָרֶץ וּלְכָל־ע֨וֹף הַשָּׁמַ֜יִם וּלְכֹ֣ל ׀ רוֹמֵ֣שׂ עַל־הָאָ֗רֶץ אֲשֶׁר־בּוֹ֙ נֶ֣פֶשׁ חַיָּ֔ה אֶת־כָּל־יֶ֥רֶק עֵ֖שֶׂב לְאָכְלָ֑ה וַֽיְהִי־כֵֽן׃
30
30
Und Ich gebe allen Tieren des Landes und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde bewegt, worin eine Lebensseele ist — alles grüne Gewächs zum Essen; und so wurde es.
וַיַּ֤רְא אֱלֹהִים֙ אֶת־כָּל־אֲשֶׁ֣ר עָשָׂ֔ה וְהִנֵּה־ט֖וֹב מְאֹ֑ד וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם הַשִּׁשִּֽׁי׃ (פ)
31
31
Und G‑tt sah alles, was Er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — der sechste Tag.
der sechste Tag
Der Vers hat zu dem Wort שִּׁשִּׁי bei der Vollendung der Schöpfung den Buchstaben ה [mit dem Zahlenwert 5] dazugegeben (יוֹם הַשִּׁשִּׁי), um zu sagen: Er machte für sie zur Bedingung, dass Israel die fünf Bücher der Torah auf sich nehme.
Noch eine Erklärung: יוֹם הַשִּׁשִּׁי, alles blieb in der Schwebe bis zum sechsten Tag, das ist der 6. Siwan, der zum Geben der Torah bestimmt war (Schabbat 88a). (Andere Version: Als am 6. Siwan Israel die Torah annahm, wurde das ganze Schöpfungswerk befestigt und betrachtet, als ob jetzt die Welt erschaffen worden wäre. Das bedeutet יוֹם הַשִּׁשִּׁי „der sechste Tag“, weil jener Tag der 6. Siwan war.)
Raschi
וַיְכֻלּ֛וּ הַשָּׁמַ֥יִם וְהָאָ֖רֶץ וְכָל־צְבָאָֽם׃
1
1
So wurden vollendet Himmel und Erde mit all ihrer Schar.
וַיְכַ֤ל אֱלֹהִים֙ בַּיּ֣וֹם הַשְּׁבִיעִ֔י מְלַאכְתּ֖וֹ אֲשֶׁ֣ר עָשָׂ֑ה וַיִּשְׁבֹּת֙ בַּיּ֣וֹם הַשְּׁבִיעִ֔י מִכָּל־מְלַאכְתּ֖וֹ אֲשֶׁ֥ר עָשָֽׂה׃
2
2
Und G‑tt hatte am siebten Tag Sein Werk vollendet, das Er gemacht hatte, und ruhte am siebten Tag von Seinem ganzen Werk, das Er gemacht hatte.
Und G‑tt hatte am siebten Tag Sein Werk vollendet
Rabbi Schimon sagt: Die Menschen, die ihre Zeiten und Augenblicke nicht genau kennen, müssen von Unheiligen zum Heiligen hinzufügen. Der Ewige aber, weil Er Seine Zeiten und Augenblicke genau kennt, trat in den siebten Tag mit Haaresbreite [d.h. ohne Übergang] ein, sodass es aussah, als hätte Er erst an ihm selbst vollendet.
Andere Erklärung: Was fehlte noch der Welt? Die Ruhe. Der Schabbat kam und mit ihm die Ruhe, da war das Werk zu Ende und vollendet.
Raschi
וַיְבָ֤רֶךְ אֱלֹהִים֙ אֶת־י֣וֹם הַשְּׁבִיעִ֔י וַיְקַדֵּ֖שׁ אֹת֑וֹ כִּ֣י ב֤וֹ שָׁבַת֙ מִכָּל־מְלַאכְתּ֔וֹ אֲשֶׁר־בָּרָ֥א אֱלֹהִ֖ים לַעֲשֽׂוֹת׃ (פ)
3
3
Und G‑tt segnete den siebten Tag und heiligte ihn. Denn an ihm ruhte G‑tt von allem Werk, das Er erschaffen und gemacht hatte.
segnete und heiligte
„G‑tt segnete“ den Schabbat durch das Man, denn alle Tage der Woche kam für sie ein Omer pro Person vom Himmel, und am sechsten Tag doppeltes Brot [לֶחֶם מִשְׁנֶה, zwei Omer pro Person]. „G‑tt heiligte“ den Schabbat durch das Man, denn am Schabbat kam überhaupt kein Man herab. Der Vers bezieht sich auf die Zukunft.
Raschi
Und G‑tt segnete und heiligte
An den Werktagen ist der Tag für die Arbeit und die Nacht für die Ruhe bestimmt.
Am Schabbat aber gilt: Bezüglich der Arbeit ist er ein Tag vollkommener Ruhe, hinsichtlich des Torahlernens jedoch ein Tag voller Arbeit. Deshalb steht beim Schabbat, im Unterschied zu den übrigen Tagen, nicht וַיְהִי עֶרֶב וַיְהִי בֹקֶר „es wurde Abend, und es wurde Morgen“.
Kli Jakar
das Er erschaffen und gemacht hatte
אֲשֶׁר בָּרָא אֱלֹהִים לַעֲשׂוֹת „das Er erschaffen und gemacht hatte“: das Werk, das am Schabbat hätte erschaffen werden sollen, vollbrachte Er durch eine doppelte Schöpfung schon am sechsten, wie in Bereschit Rabba (11:9) erklärt wird.
Raschi
אֵ֣לֶּה תוֹלְד֧וֹת הַשָּׁמַ֛יִם וְהָאָ֖רֶץ בְּהִבָּֽרְאָ֑ם בְּי֗וֹם עֲשׂ֛וֹת יְהוָ֥ה אֱלֹהִ֖ים אֶ֥רֶץ וְשָׁמָֽיִם׃
4
4
Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde, als sie erschaffen wurden, am Tag, als G‑tt, der Ewige, Erde und Himmel schuf.
<b>Dies sind,</b> die oben erwähnten,
Das oben genannte ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde, als sie erschaffen wurden, am Tag, als G‑tt schuf: das lehrt dich, dass alle am ersten Tag erschaffen wurden.
Andere Erklärung: בְּהִבָּרְאָם – בְּהֵ״א בְּרָאָם, Er erschuf sie mit dem Buchstaben des G‑ttesnamens יָהּ, wie es heißt (Jesch. 26:4) בְּיָהּ ה׳ צוּר עוֹלָמִים „Mit יָהּ (J‑H) schuf der Ewige Welten“. Mit diesen beiden Buchstaben des G‑ttesnamens (י und ה) erschuf Er die zwei Welten (Menachot 29b). Und hier wird gelehrt, dass diese Welt mit dem Buchstaben ה erschaffen wurde. (Andere Version: eine Andeutung, wie der Buchstabe ה unten offen ist, so ist die Welt für diejenigen offen, die in Teschuwa zurückkehren. Und die Künftige Welt ist mit dem Buchstaben י erschaffen, um zu sagen, dass die Zaddikim in jener Zeit gering an Zahl sein werden wie ein י, der kleinste Buchstabe.) Eine Andeutung, dass die Geschöpfe dieser Welt in die Tiefe sinken, das Grab zu schauen, wie der Buchstabe ה, der von allen Seiten geschlossen und unten offen ist, dass sie dort hinabsinken.
Raschi
וְכֹ֣ל ׀ שִׂ֣יחַ הַשָּׂדֶ֗ה טֶ֚רֶם יִֽהְיֶ֣ה בָאָ֔רֶץ וְכָל־עֵ֥שֶׂב הַשָּׂדֶ֖ה טֶ֣רֶם יִצְמָ֑ח כִּי֩ לֹ֨א הִמְטִ֜יר יְהוָ֤ה אֱלֹהִים֙ עַל־הָאָ֔רֶץ וְאָדָ֣ם אַ֔יִן לַֽעֲבֹ֖ד אֶת־הָֽאֲדָמָֽה׃
5
5
Und alle Sträucher des Feldes waren noch nicht auf der Erde, und das Gewächs des Feldes wuchs noch nicht. Denn G‑tt, der Ewige, hatte es noch nicht auf der Erde regnen lassen, und der Mensch war noch nicht da, um die Erde zu bearbeiten.
waren noch nicht auf der Erde
Überall, wo טֶרֶם in der Torah vorkommt, bedeutet es „noch nicht“ und nicht „zuerst“. Es gibt davon keine Verbalform הִטְרִים, wie man הִקְדִּים sagt. Das beweist unser Vers, und weiters (Schem. 9:30) כִּי טֶרֶם תִּירְאוּן „denn ihr fürchtet euch noch nicht“. Und auch unsere Stelle erkläre so: war noch nicht auf der Erde, als die Erschaffung der Welt am sechsten Tag vollendet war, bevor der Mensch erschaffen war. Und das Gewächs des Feldes wuchs noch nicht: es war noch nicht gewachsen. Dass es aber am dritten Tag heißt וַתּוֹצֵא הָאָרֶץ „die Erde soll hervorbringen“, da kamen sie noch nicht hervor, sondern blieben am Ausgang aus dem Boden stehen bis zum sechsten Tag.
Raschi
Denn G‑tt hatte es noch nicht regnen lassen
Und warum hatte Er nicht regnen lassen? Weil der Mensch noch nicht da war, den Erdboden zu bebauen, und keiner die Wohltat des Regens erkannte. Als aber der Mensch kam und einsah, dass der Regen für die Welt nötig war, bat er um ihn, und er fiel herab, und die Bäume und Gräser wuchsen (Chulin 60b).
Raschi
G‑tt, der Ewige
ה׳ אֱלֹהִים „G‑tt, der Ewige“. ה׳ „G‑tt“ ist Sein Name, אֱלֹהִים „Ewiger“ bedeutet, Er ist der Richter und der Herrscher über Alles. Das Namenspaar ה׳ אֱלֹהִים „G‑tt, der Ewige“ nach dem einfachen Sinn (פְּשׁוּטוֹ שֶׁל מִקְרָא) hat überall diese Bedeutung.
Raschi
Der Name י­ה­ו­ה ist gleichsam der Wesensname G‑ttes und bezieht sich auf das Sein G‑ttes, das der Ursprung allen Daseins ist. Der Name enthält auch die Worte הָיָה, הוֹוֶה, יִהְיֶה, „Er war, Er ist, Er wird sein“.
Schulchan Aruch, Orach Chajim 5:1
Das Namenspaar ה׳ אֱלֹהִים „G‑tt, der Ewige“: Der Name י­ה­ו­ה ist gleichsam der Wesensname G‑ttes. Der Name „Elokim“ hingegen beschreibt Sein Verhältnis zu den Menschen und drückt aus, dass Er Herrscher und Richter über die gesamte Schöpfung ist. Der Name „Elokim“ kann im Sinne eines Attributs zusammen mit Seinem Wesensnamen verwendet werden.
וְאֵ֖ד יַֽעֲלֶ֣ה מִן־הָאָ֑רֶץ וְהִשְׁקָ֖ה אֶֽת־כָּל־פְּנֵֽי־הָֽאֲדָמָֽה׃
6
6
Da stieg Nebel von der Erde auf und tränkte die ganze Fläche der Erde.
Da stieg Nebel von der Erde auf
וְאֵד יַעֲלֶה „Nebel“, „Dunst“. Zum Zweck der Erschaffung des Menschen ließ Er die unterirdische Flut aufsteigen und tränkte die Wolken, um den Staub feucht werden zu lassen. Und dann wurde der Mensch erschaffen. Wie ein Kneter erst Wasser zugießt und dann den Teig knetet, so auch hier וְהִשְׁקָה „Er tränkte“, und dann (nächster Vers) וַיִּיצֶר „Er bildete“.
Raschi
tränkte: bewässerte.
וַיִּיצֶר֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהִ֜ים אֶת־הָֽאָדָ֗ם עָפָר֙ מִן־הָ֣אֲדָמָ֔ה וַיִּפַּ֥ח בְּאַפָּ֖יו נִשְׁמַ֣ת חַיִּ֑ים וַֽיְהִ֥י הָֽאָדָ֖ם לְנֶ֥פֶשׁ חַיָּֽה׃
7
7
Und G‑tt, der Ewige, bildete den Menschen aus Staub vom Erdboden und blies in seine Nase die Seele des Lebens. So wurde der Mensch zu einem lebenden Wesen.
bildete
וַיִּיצֶר mit doppeltem Buchstaben י (Jud): Er bildete eine doppelte Bildung, eine Bildung für diese Welt und für die Wiederbelebung der Toten. Beim Tier aber, das zum Gericht nicht aufersteht, ist die Bildung nicht mit doppeltem Jud geschrieben.
Raschi
Beim Tier aber: וַיִּצֶר ה׳ אֱלֹהִים מִן הָאֲדָמָה כָּל חַיַּת הַשָּׂדֶה „G‑tt, der Ewige, bildete vom Erdboden alle Tiere des Feldes“ (Ber. 1:19).
aus Staub vom Erdboden
Er häufte seinen Staub vom ganzen Erdboden von allen vier Seiten zusammen, damit jeder Ort, wo er sterbe, ihn zum Grab aufnehme.
Andere Erklärung: Er nahm Staub von dem Ort, von dem es heißt (Schem. 20:24) מִזְבַּח אֲדָמָה תַּעֲשֶׂה לִי „einen Altar von Erde sollst du Mir machen“, indem Er sagte: Möge das eine Sühne für ihn sein, dass er bestehen könne.
Raschi
blies in seine Nase die Seele des Lebens
Er schuf den Menschen aus Erdgebundenem (תַּחְתּוֹנִים) und aus Himmlischem (עֶלְיוֹנִים), den Körper aus Erdgebundenem und die Seele aus Himmlischem. Weil am ersten Tag Himmel und Erde erschaffen wurden, Er am zweiten Tag den Raum erschuf für die Himmlischen, am dritten Tag das Trockene sichtbar wurde für die Erdgebundenen, Er am vierten Tag die Lichter erschuf für die Himmlischen, am fünften Tag die Wasser wimmelten für die Erdgebundenen, war am sechsten Tag nötig, dass an ihm von den Himmlischen und von den Erdgebundenen eine Schöpfung vollbracht wurde, sonst wäre Neid in der Schöpfung entstanden, wenn die einen um die Schöpfung eines Tages mehr gewesen wären als die anderen.
Raschi
Seele des Lebens: die ewigen Bestand hat und nicht mit dem Tod des Körpers stirbt.
Ibn Esra, Chiskuni
zu einem lebenden Wesen
לְנֶפֶשׁ חַיָּה „zu einem lebenden Wesen“: auch zahme und wilde Tiere werden „Lebewesen“ (נֶפֶשׁ חַיָּה) genannt, der Ausdruck beim Menschen aber bedeutet die höchste Steigerung des Lebens, weil ihm Vernunft und Sprache dazugegeben wurden.
Raschi
zu einem lebenden Wesen
נֶפֶשׁ חַיָּה bedeutet: ein sprachbegabter Geist (רוּחַ מְמַלְּלָא).
Targum Onkelos
וַיִּטַּ֞ע יְהוָ֧ה אֱלֹהִ֛ים גַּן־בְעֵ֖דֶן מִקֶּ֑דֶם וַיָּ֣שֶׂם שָׁ֔ם אֶת־הָֽאָדָ֖ם אֲשֶׁ֥ר יָצָֽר׃
8
8
Und es pflanzte G‑tt, der Ewige, einen Garten in Eden, im Osten gelegen, und setzte dorthin den Menschen, den Er gebildet hatte.
im Osten gelegen
מִקֶּדֶם „zur Ostseite“ von Eden pflanzte Er den Garten. Wenn du nun sagen wirst, es steht doch bereits (Ber. 1:27) וַיִּבְרָא אֱלֹהִים אֶת הָאָדָם „Er erschuf den Menschen“, siehe, so habe ich in einer Baraita von R. Eliëser ben R. Jose haGlili gesehen, über die 32 Regeln, mit denen die Torah erklärt wird. Das ist eine von ihnen: Wenn auf eine zusammenfassende Angabe eine Erzählung folgt, dann ist diese die Ausführung der ersteren.
„Er erschuf den Menschen“ ist eine zusammenfassende Angabe, die verschweigt, woraus Er ihn erschuf, und Seine Werke verschweigt. Dann aber erklärt die Torah וַיִּיצֶר ה׳ אֱלֹהִים „G‑tt, der Ewige, schuf“, pflanzte für ihn den Garten Eden, setzte ihn in den Garten Eden, ließ auf ihn einen tiefen Schlaf fallen. Wer das hört, meint, das sei eine andere Begebenheit, es ist aber nur die Ausführung der ersten.

Ebenso wiederholt die Torah bei den Tieren und schreibt (Ber. 1:19) וַיִּצֶר ה׳ אֱלֹהִים מִן הָאֲדָמָה כָּל חַיַּת הַשָּׂדֶה „der Ewige bildete vom Erdboden alle Tiere des Feldes“, um zu erklären וַיָּבֵא אֶל הָאָדָם „und brachte sie zum Menschen“, dass er ihnen Namen gebe, und um zu lehren, dass die Vögel aus dem Sumpf [Mischung von Erde und Wasser] erschaffen wurden.
Raschi
וַיַּצְמַ֞ח יְהוָ֤ה אֱלֹהִים֙ מִן־הָ֣אֲדָמָ֔ה כָּל־עֵ֛ץ נֶחְמָ֥ד לְמַרְאֶ֖ה וְט֣וֹב לְמַאֲכָ֑ל וְעֵ֤ץ הַֽחַיִּים֙ בְּת֣וֹךְ הַגָּ֔ן וְעֵ֕ץ הַדַּ֖עַת ט֥וֹב וָרָֽע׃
9
9
Und G‑tt, der Ewige, ließ aus der Erde allerlei Bäume wachsen, nett zum Ansehen und gut zum Essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten, und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
ließ wachsen
וַיַּצְמַח „ließ wachsen“: der Vers spricht vom Garten.
Raschi
im Garten
בְּתוֹךְ הַגָּן „im Garten“: mitten im Garten.
Raschi
Baum des Lebens
Wer davon isst, erwirbt langes Leben.
Ramban
וְנָהָר֙ יֹצֵ֣א מֵעֵ֔דֶן לְהַשְׁק֖וֹת אֶת־הַגָּ֑ן וּמִשָּׁם֙ יִפָּרֵ֔ד וְהָיָ֖ה לְאַרְבָּעָ֥ה רָאשִֽׁים׃
10
10
Und ein Fluss kam aus Eden, den Garten zu bewässern, und von da aus teilte er sich und wurde zu vier Hauptflüssen.
שֵׁ֥ם הָֽאֶחָ֖ד פִּישׁ֑וֹן ה֣וּא הַסֹּבֵ֗ב אֵ֚ת כָּל־אֶ֣רֶץ הַֽחֲוִילָ֔ה אֲשֶׁר־שָׁ֖ם הַזָּהָֽב׃
11
11
Der Name des einen ist Pischon, das ist der, der um das ganze Land Chawila fließt, wo das Gold ist.
Pischon
Das ist der Nil, der Fluss Mizraims. Weil sein Wasser gesegnet ist, steigt und das Land bewässert, wird er Pischon genannt. [Der Begriff פִּישׁוֹן kommt von der Wurzel פוש „anwachsen“, „zunehmen“,] wie im Vers (Chab. 1:8) וּפָשׁוּ פָּרָשָׁיו „seine Reiter breiten sich aus“.
Andere Erklärung: Pischon ist der Fluss, der Flachs (hebr. Pischtan) groß werden lässt. Denn von Mizraim heißt es (Jesch. 19:9) וּבֹשׁוּ עֹבְדֵי פִשְׁתִּים „beschämt sind die, die aus Flachs anfertigen“.
Raschi
וּֽזֲהַ֛ב הָאָ֥רֶץ הַהִ֖וא ט֑וֹב שָׁ֥ם הַבְּדֹ֖לַח וְאֶ֥בֶן הַשֹּֽׁהַם׃
12
12
Das Gold dieses Landes ist gut, dort ist der Bedolach und der Schohamstein.
וְשֵֽׁם־הַנָּהָ֥ר הַשֵּׁנִ֖י גִּיח֑וֹן ה֣וּא הַסּוֹבֵ֔ב אֵ֖ת כָּל־אֶ֥רֶץ כּֽוּשׁ׃
13
13
Der Name des zweiten Flusses ist Gichon, das ist der, der um das ganze Land Kusch fließt.
Gichon
גִּיחוֹן, Gichon, der rauschend dahinzieht mit mächtigem Rauschen. [Der Begriff גִּיחוֹן ist verwandt mit נגיחה „[mit den Hörnern] stoßen“,] wie im Vers (Schem. 21:28) וְכִי יִגַּח „wenn [der Ochse] stößt“; der Fluss stößt hervor und zieht rauschend dahin.
Raschi
וְשֵׁ֨ם הַנָּהָ֤ר הַשְּׁלִישִׁי֙ חִדֶּ֔קֶל ה֥וּא הַֽהֹלֵ֖ךְ קִדְמַ֣ת אַשּׁ֑וּר וְהַנָּהָ֥ר הָֽרְבִיעִ֖י ה֥וּא פְרָֽת׃
14
14
Der Name des dritten Flusses ist Chidekel, das ist der, der auf der Ostseite von Aschur fließt. Und der vierte Fluss ist Prat.
Chidekel
חִדֶּקֶל – שֶׁמֵּימָיו חַדִּין וְקַלִּין, Chidekel, dessen Wasser schnell und leicht sind (Berachot 59b).
Raschi
Prat
פְּרָת – שֶׁמֵּימָיו פָּרִין וְרָבִין וּמַבְרִין אֶת הָאָדָם, Prat, dessen Wasser fruchtbar ist und sich vermehrt, und den Menschen gesund macht (Bechorot 55b). [Raschi]
Kusch, Aschur: diese Länder gab es noch nicht, und der Vers schreibt in Bezug auf die Zukunft (Ketubot 10b).
Raschi
Ostseite von Aschur
קִדְמַת אַשּׁוּר, im Osten von Aschur.
Raschi
ist Prat: der angesehenste von allen, weil er wegen des Landes Israel erwähnt wird.
Raschi
wegen des Landes Israel: Die Torah erwähnt den Fluss Prat als eine der Grenzen des Landes Israel (Ber. 15:18, Dew. 11:24).
וַיִּקַּ֛ח יְהוָ֥ה אֱלֹהִ֖ים אֶת־הָֽאָדָ֑ם וַיַּנִּחֵ֣הוּ בְגַן־עֵ֔דֶן לְעָבְדָ֖הּ וּלְשָׁמְרָֽהּ׃
15
15
Und G‑tt, der Ewige, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bearbeite und bewache.
der Ewige nahm den Menschen:
וַיִּקַּח „Er nahm“: G tt bewegte ihn durch schöne Worte und führte ihn dazu, hineinzugehen.
Raschi
וַיְצַו֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהִ֔ים עַל־הָֽאָדָ֖ם לֵאמֹ֑ר מִכֹּ֥ל עֵֽץ־הַגָּ֖ן אָכֹ֥ל תֹּאכֵֽל׃
16
16
Und G‑tt, der Ewige, befahl dem Menschen und sagte: Von jedem Baum des Gartens kannst du essen.
Von jedem Baum des Gartens kannst du essen
אָכֹל תֹּאכֵל ist kein Befehl, sondern eine Erlaubnis: „essen darfst du“ davon.
Saadia Gaon
תֹּאכֵל „essen darfst du, essen“: du und alle, die von dir abstammen.
Andere Erklärung:

אָכֹל – du

תֹּאכֵל – deine Frau.
Or haChaim
Und G‑tt, der Ewige, befahl dem Menschen
Die sieben Gesetze der Söhne Noachs, die dem ersten Menschen Adam aufgetragen wurden, sind hier angedeutet:
וַיְצַו „Befahl“ – das sind die Gesetze; ה׳ „G‑tt“ – das ist die Lästerung des G‑ttesnamens, אֱלֹהִים „der Ewige“ – das ist der Götzendienst; עַל הָאָדָם „dem Menschen“ – das ist das Blutvergießen; לֵאמֹר „und sagte“ – das ist die Unzucht;

מִכֹּל עֵץ הַגָּן „von jedem Baum des Gartens“ – aber keinen Raub; אָכֹל תֹּאכֵל „kannst du essen“ – nicht aber einen Teil eines lebenden Tieres.
Sanhedrin 56b
וּמֵעֵ֗ץ הַדַּ֙עַת֙ ט֣וֹב וָרָ֔ע לֹ֥א תֹאכַ֖ל מִמֶּ֑נּוּ כִּ֗י בְּי֛וֹם אֲכָלְךָ֥ מִמֶּ֖נּוּ מ֥וֹת תָּמֽוּת׃
17
17
Nur von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, von diesem sollst du nicht essen! Denn am Tag, an dem du davon isst, musst du sterben.
Baum der Erkenntnis von Gut und Böse
Rabbi Meir sagt: Es war ein Weinstock.
Rabbi Nechemja sagt: Es war ein Feigenbaum.

Rabbi Jehuda sagt: Es war Weizen. [Berachot 40a]

Rabbi Abba sagt: Ein Etrogbaum war es.
Bereschit Rabba 15:7
וַיֹּ֙אמֶר֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהִ֔ים לֹא־ט֛וֹב הֱי֥וֹת הָֽאָדָ֖ם לְבַדּ֑וֹ אֶֽעֱשֶׂהּ־לּ֥וֹ עֵ֖זֶר כְּנֶגְדּֽוֹ׃
18
18
Und G‑tt, der Ewige, sagte: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht.
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist
Dass man nicht sage, es gibt zwei Regierungen: der Ewige ist einzig bei den Himmlischen und ohne Zweiten, und dieser, der Mensch, ist einzig bei den Erdgebundenen und ohne Zweiten.
Raschi
eine Gehilfin machen, die ihm entspricht
עֵזֶר כְּנֶגְדוֹ, Hat er das Glück, dann ist sie ihm eine Gehilfin (עֵזֶר). Hat er nicht das Glück, dann steht sie ihm gegenüber (כְּנֶגְדּוֹ), um ihn zu bekämpfen (Jewamot 63a).
Raschi
וַיִּצֶר֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהִ֜ים מִן־הָֽאֲדָמָ֗ה כָּל־חַיַּ֤ת הַשָּׂדֶה֙ וְאֵת֙ כָּל־ע֣וֹף הַשָּׁמַ֔יִם וַיָּבֵא֙ אֶל־הָ֣אָדָ֔ם לִרְא֖וֹת מַה־יִּקְרָא־ל֑וֹ וְכֹל֩ אֲשֶׁ֨ר יִקְרָא־ל֧וֹ הָֽאָדָ֛ם נֶ֥פֶשׁ חַיָּ֖ה ה֥וּא שְׁמֽוֹ׃
19
19
Es hatte der Ewige, G‑tt, aus der Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels gebildet, und Er brachte sie dem Menschen, um zu sehen, wie der Mensch sie nennen würde. Und jedes Lebewesen, das der Mensch benannte, so sollte sein Name sein.
aus der Erde gebildet
וַיִּצֶר מִן הָאֲדָמָה „aus der Erde gebildet“: dieses Bilden ist die oben erwähnte Erschaffung (1:25) וַיַּעַשׂ אֱלֹהִים אֶת חַיַּת הָאָרֶץ „G‑tt erschuf das Wild der Erde“, und der Vers kommt nur und erklärt, dass die Vögel aus dem Sumpf [Mischung von Wasser und Erde] erschaffen wurden. Denn oben sagt der Vers, sie wurden aus dem Wasser erschaffen, und hier sagt er, sie wurden aus der Erde erschaffen.
Weiters lehrt dich der Vers hier, in der Stunde ihrer Erschaffung, sofort an demselben Tag noch brachte Er sie zum Menschen, dass er ihnen Namen gebe.

In den Worten der Aggada heißt es: Dieses Erschaffen (יְצִירָה) bedeutet soviel wie „beherrschen“ (רִדּוּי) und „unterwerfen“ (כִבּוּשׁ), wie (Dew. 20:19) כִּי תָצוּר אֶל עִיר „wenn du eine Stadt belagerst“. Er unterwarf sie der Hand des Menschen (Bereschit Rabba 17:4).
Raschi
Und jedes Lebewesen, das der Mensch benannte
[Der Vers lautet וְכֹל אֲשֶׁר יִקְרָא לוֹ הָאָדָם נֶפֶשׁ חַיָּה הוּא שְׁמוֹ.] Stelle den Vers um und erkläre ihn so כָּל נֶפֶשׁ חַיָּה אֲשֶׁר יִקְרָא לוֹ הָאָדָם שֵׁם „jedes Lebewesen, das der Mensch benannte“, הוּא שְׁמוֹ „sollte diesen seinen Namen behalten“ für immer.
Raschi
וַיִּקְרָ֨א הָֽאָדָ֜ם שֵׁמ֗וֹת לְכָל־הַבְּהֵמָה֙ וּלְע֣וֹף הַשָּׁמַ֔יִם וּלְכֹ֖ל חַיַּ֣ת הַשָּׂדֶ֑ה וּלְאָדָ֕ם לֹֽא־מָצָ֥א עֵ֖זֶר כְּנֶגְדּֽוֹ׃
20
20
Es nannte der Mensch Namen für alles Vieh und für die Vögel des Himmels und für alle Tiere des Feldes, aber für den Menschen fand Er nicht eine Gehilfin, die ihm entsprechen soll.
וַיַּפֵּל֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהִ֧ים ׀ תַּרְדֵּמָ֛ה עַל־הָאָדָ֖ם וַיִּישָׁ֑ן וַיִּקַּ֗ח אַחַת֙ מִצַּלְעֹתָ֔יו וַיִּסְגֹּ֥ר בָּשָׂ֖ר תַּחְתֶּֽנָּה׃
21
21
Da ließ der Ewige, G‑tt, tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, sodass er schlief. Und G‑tt nahm eine von seinen Seiten und schloss das Fleisch an ihrer Stelle.
(20—21) Aber für den Menschen fand Er nicht eine Gehilfin. Da ließ der Ewige, G‑tt, tiefen Schlaf auf den Menschen fallen
Als Er sie brachte, brachte Er sie alle paarweise, Männchen und Weibchen, vor Adam. Da sagte Adam: Alle haben eine Gefährtin, nur ich habe keine Gefährtin. Sofort ließ Er auf ihn Schlaf herabfallen.
Raschi
sodass er schlief: damit er keinen Schmerz fühle.
Radak
eine von seinen Seiten
אַחַת מִצַּלְעֹתָיו „eine von seinen Seiten“, wie (Schem. 26:20) וּלְצֶלַע הַמִּשְׁכָּן „an der Seite des Mischkan“. Das ist, was wir erklärt haben: Zwei Gesichter waren erschaffen worden (Berachot 61a).
Raschi
was wir erklärt haben: siehe Raschi zuvor, Ber. 1:27.
Zwei Gesichter waren erschaffen worden: Zwei Formen. Adam auf der einen, Chawa auf der anderen Seite, und am Rücken waren sie einander angeschlossen.
Beer Maim Chaim
Er schloss die Stelle des Schnittes
und der Mensch schlief und Er nahm: G‑tt nahm, damit er nicht das Stück Fleisch sehe, aus dem sie geschaffen wird, und sie ihm verächtlich werde (Sanh. 39a).
Raschi
וַיִּבֶן֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהִ֧ים ׀ אֶֽת־הַצֵּלָ֛ע אֲשֶׁר־לָקַ֥ח מִן־הָֽאָדָ֖ם לְאִשָּׁ֑ה וַיְבִאֶ֖הָ אֶל־הָֽאָדָֽם׃
22
22
Und es baute der Ewige, G‑tt, die Seite, die Er genommen hatte von dem Menschen, zu einer Frau und brachte sie zu dem Menschen.
es baute
וַיִּבֶן „es baute“: unten breit und oben schlank, um das Kind aufzunehmen, wie ein Weizenspeicher unten breit und oben schmal ist, damit seine Last nicht für die Wände zu schwer werde (Berachot 61a).
Raschi
es baute der Ewige
Das Wort וַיִּבֶן ist ähnlich dem Wort בִּינָה „Einsicht“. Das lehrt, dass der Ewige der Frau mehr Einsicht gibt als dem Mann und das Mädchen mit 12 Jahren – ein Jahr vor dem Jungen – großjährig wird.
Nidda 45b
baute die Seite zu einer Frau
וַיִּבֶן אֶת הַצֵּלָע לְאִשָּׁה „der Ewige baute die Seite zu einer Frau“: dass es eine Frau sei, wie (Ri. 8:27) וַיַּעַשׂ אוֹתוֹ גִּדְעוֹן לְאֵפוֹד „Gideon macht es zu einem Efod“, dass es ein Efod sei.
Raschi
Der Buchstabe ל in לְאִשָּׁה ist nicht zu verstehen wie (Schem. 1:11) וַיִּבֶן עָרֵי מִסְכְּנוֹת לְפַרְעֹה „Sie bauten für Pharao Vorratsstädte“, sie bauten die Städte für Pharao. Hier bedeutet לְאִשָּׁה, dass sie zu einer Frau werde.
Beer Maim Chaim
Und es baute der Ewige die Frau
Der römische Kaiser rief einst Rabban Gamliel zu sich und sagte: „Euer G‑tt ist ein Dieb! Er hat Chawa erschaffen mit einer Rippe, die Er heimlich aus Adams Körper entnommen hat – וַיַּפֵּל ה׳ אֱלֹהִים תַּרְדֵּמָה עַל הָאָדָם וַיִּישָׁן וַיִּקַּח אַחַת מִצַּלְעֹתָיו ,Da ließ der Ewige, G‑tt, tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, sodass er einschlief, und G‑tt nahm eine von seinen Rippen‘. Ich wundere mich darüber, dass ihr Juden an einen G‑tt glaubt, der ein Dieb ist!“
Die Tochter des Kaisers mischte sich ein und sagte zu Rabban Gamliel: „Ich werde ihm antworten.“ Zu ihrem Vater, dem Kaiser, sagte sie: „Vater, bringe mir einen Richter!“

Ihr Vater fragte: „Wozu brauchst du einen Richter?“

Sie sagte: „Letzte Nacht drangen Diebe bei uns ein und stahlen unseren kaiserlichen Silberbecher. Stattdessen legten sie uns einen Becher aus Gold hin. Ich möchte, dass dieses Verbrechen bestraft wird!“

Der Vater lachte: „Es wäre gut, wenn wir jede Nacht einen solchen Dieb hätten! Du darfst ihn nicht Dieb nennen, sondern einen Wohltäter, Silber hat er uns genommen und stattdessen Gold geschenkt!“

Da sagte die Tochter: „Und so ist es auch mit G‑tt. Eine Rippe hat Er aus Adams Körper entnommen und ihm dafür ein wundervolles Geschenk gegeben: eine gute, schöne Frau, die ihm Gefährtin und Helferin war.“

Der Kaiser war immer noch nicht zufrieden: „Aber warum hat G‑tt ihm die Rippe heimlich entnommen?“

Die Tochter rief ihre Diener: „Bringt mir ein Stück rohes Fleisch!“

Neben ihrem Vater schnitt und röstete sie das Fleisch. Dann servierte sie ihm eine große Portion. Aber er lehnte ab: „Ich habe keinen Appetit, denn ich habe gesehen, wie scheußlich dieses Fleisch im rohen Zustand war.“

Da sagte die Tochter: „Und so ist es auch mit G‑tt. Glaubst du, Adam hätte seine Frau mit Freuden empfangen, wenn er ihre Erschaffung aus seiner eigenen Rippe gesehen hätte?“
Sanhedrin 39a
וַיֹּאמֶר֮ הָֽאָדָם֒ זֹ֣את הַפַּ֗עַם עֶ֚צֶם מֵֽעֲצָמַ֔י וּבָשָׂ֖ר מִבְּשָׂרִ֑י לְזֹאת֙ יִקָּרֵ֣א אִשָּׁ֔ה כִּ֥י מֵאִ֖ישׁ לֻֽקֳחָה־זֹּֽאת׃
23
23
Und es sagte der Mensch: Dieses Mal ist es Knochen von meinen Knochen und Fleisch von meinem Fleisch. Diese soll genannt werden *ischa (Frau), denn vom isch (Mann) wurde diese genommen.*
Dieses Mal
Das lehrt, dass der Mensch zu allen zahmen und wilden Tieren kam und keine Befriedigung an ihnen fand (Jewamot 63a).
Raschi
Dieses Mal
Nur dieses Mal wurde die Frau aus ihrem Ehemann geschaffen, doch von nun wird die Ehefrau es sein, die die Nachkommen zur Welt bringt.
Raschbam
*Diese soll genannt werden ischa (Frau), weil sie vom isch (Mann) genommen wurde. Die beiden Begriffe [ischa „Frau“ und isch* „Mann“] decken sich. Daraus sieht man, dass die Welt in der Heiligen Sprache (Hebräisch) erschaffen wurde.
Raschi
Diese soll genannt werden
לְזֹאת bedeutet לְדָא, „diese“ Schöpfung soll Frau genannt werden.
Targum Onkelos
לְזֹאת bedeutet לְפִיכָךְ „deshalb“: Knochen von meinen Knochen und Fleisch von meinem Fleisch, darum soll sie ischa „Frau“ heißen, denn vom isch „Mann“ wurde sie genommen.
Saadia Gaon, Ibn Esra
עַל־כֵּן֙ יַֽעֲזָב־אִ֔ישׁ אֶת־אָבִ֖יו וְאֶת־אִמּ֑וֹ וְדָבַ֣ק בְּאִשְׁתּ֔וֹ וְהָי֖וּ לְבָשָׂ֥ר אֶחָֽד׃
24
24
G‑tt sagte: Darum verlässt der Mann seinen Vater und seine Mutter und hängt an seiner Frau und sie werden zu einem Fleisch.
Darum verlässt der Mann seinen Vater und seine Mutter
Der g‑ttliche Geist sagt das, um den Söhnen Noachs die nahen Verwandten zu verbieten (Sanhedrin 57b).
Raschi
Rabbi Eliëser erklärt: „Vater“ – das ist die Schwester des Vaters. „Mutter“ – die Schwester der Mutter. Rabbi Akiwa erklärt: „Vater“ – die Frau des Vaters. „Mutter“ – wörtlich. „Und hängt an“ – das verbietet einen Mann, „seiner Frau“ – das verbietet die Frau seines Nächsten. „Und sie werden zu einem Fleisch“ – damit sind Vieh und Wild verboten, die nicht zu einem Fleisch werden können [d.h. nicht durch den Verkehr mit einem Menschen gebären können].
Sanhedrin 57b
Darum verlässt der Mann seinen Vater und seine Mutter, bei denen er in seiner Kindheit gelebt hat, und hängt an seiner Frau und wohnt nun mit ihr.
Targum Onkelos, Radak
Darum verlässt der Mann: bevor der Mann eine Ehepartnerin gefunden hat, gilt all seine Liebe den Eltern; wenn er eine Ehe geschlossen hat, gilt nun all seine Liebe seiner Frau.
Pirke deRabbi Eliëser, Kap. 31
und sie werden zu einem Fleisch
Das Kind wird durch beide erzeugt, da wird ihr Fleisch zu einem.
Raschi
וַיִּֽהְי֤וּ שְׁנֵיהֶם֙ עֲרוּמִּ֔ים הָֽאָדָ֖ם וְאִשְׁתּ֑וֹ וְלֹ֖א יִתְבֹּשָֽׁשׁוּ׃
25
25
Sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.
und sie schämten sich nicht
Sie kannten nicht die Art der Verschämtheit, zwischen Gutem und Bösem zu unterscheiden. Und obwohl dem Menschen die Vernunft gegeben worden war, mit Namen zu benennen, so hatte er noch keinen bösen Trieb, bis er vom Baum gegessen hatte, da drang der böse Trieb in ihn ein, und er verstand zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.
Raschi
Gewiss kannten sie die Wege des Anstandes und der Moral. Doch warum hätten sie sich vor dem bösen Trieb hüten müssen, wenn es ohne diesen Trieb überhaupt keinen Unterschied zwischen einem unbedeckten Gesicht, einer nackten Hand und anderen Körperteilen gibt?
Lewusch Ora
וְהַנָּחָשׁ֙ הָיָ֣ה עָר֔וּם מִכֹּל֙ חַיַּ֣ת הַשָּׂדֶ֔ה אֲשֶׁ֥ר עָשָׂ֖ה יְהוָ֣ה אֱלֹהִ֑ים וַיֹּ֙אמֶר֙ אֶל־הָ֣אִשָּׁ֔ה אַ֚ף כִּֽי־אָמַ֣ר אֱלֹהִ֔ים לֹ֣א תֹֽאכְל֔וּ מִכֹּ֖ל עֵ֥ץ הַגָּֽן׃
1
1
Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die der Ewige, G‑tt, gemacht hatte. Und sie sagte zu der Frau: „Hat denn G‑tt gesagt, ihr sollt nicht essen von allen Bäumen des Gartens?“
listig sein: schlau, durchtrieben, gerissen.
Und die Schlange war listiger als alle Tiere
Wie kommt dieser Abschnitt hierher? Die Torah hätte hier anschließen sollen (weiter, V. 21) וַיַּעַשׂ לְאָדָם וּלְאִשְׁתּוֹ כָּתְנוֹת עוֹר וַיַּלְבִּישֵׁם „Er machte für den Menschen und seine Frau Gewänder aus Fell und bekleidete sie“. Die Torah lehrt dich jedoch, aus welchem Plan heraus die Schlange sie überfiel. Die Schlange sah die Frau nackt und vor dem Auge aller dem Eheleben hingegeben, da gelüstete es sie nach der Frau.
Raschi
listiger als alle
עָרוּם מִכֹּל „listiger als alle“: ihrer Listigkeit und Größe entsprechend war ihr Sturz, listiger als alle (עָרוּם מִכֹּל), verwünschter als alle (אָרוּר מִכֹּל, siehe weiter Vers 14).
Raschi
Hat denn G‑tt gesagt
אַף כִּי אָמַר, Hat Er euch denn gesagt? [Raschi]
esst nicht von allen Bäumen

Obwohl die Schlange sah, dass sie von den anderen Früchten aßen, mehrte sie die Worte an die Frau, damit sie ihr erwidere und die Rede auf jenen Baum komme.
Raschi
וַתֹּ֥אמֶר הָֽאִשָּׁ֖ה אֶל־הַנָּחָ֑שׁ מִפְּרִ֥י עֵֽץ־הַגָּ֖ן נֹאכֵֽל׃
2
2
Und die Frau sagte zu der Schlange: Von der Frucht jedes Baumes des Gartens dürfen wir essen.
וּמִפְּרִ֣י הָעֵץ֮ אֲשֶׁ֣ר בְּתוֹךְ־הַגָּן֒ אָמַ֣ר אֱלֹהִ֗ים לֹ֤א תֹֽאכְלוּ֙ מִמֶּ֔נּוּ וְלֹ֥א תִגְּע֖וּ בּ֑וֹ פֶּן־תְּמֻתֽוּן׃
3
3
Doch von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat G‑tt gesagt: Esst nicht von ihm und berührt ihn nicht, damit ihr nicht sterbet.
und berührt ihn nicht
Sie fügte zum Befehl hinzu, darum kam sie zur Verminderung. Das ist, was geschrieben steht (Mischle 30:6) אַל תּוֹסְףְּ עַל דְּבָרָיו „füge nicht zu Seinen Worten dazu“.
Raschi
וַיֹּ֥אמֶר הַנָּחָ֖שׁ אֶל־הָֽאִשָּׁ֑ה לֹֽא־מ֖וֹת תְּמֻתֽוּן׃
4
4
Da sagte die Schlange zu der Frau: Ihr werdet nicht sterben.
Ihr werdet nicht sterben
Die Schlange stieß sie, bis sie den Baum berührte, und sagte dann zu ihr: Wie es keine Todesstrafe für die Berührung gibt, so gibt es auch keine Todesstrafe für das Essen.
Raschi
כִּ֚י יֹדֵ֣עַ אֱלֹהִ֔ים כִּ֗י בְּיוֹם֙ אֲכָלְכֶ֣ם מִמֶּ֔נּוּ וְנִפְקְח֖וּ עֵֽינֵיכֶ֑ם וִהְיִיתֶם֙ כֵּֽאלֹהִ֔ים יֹדְעֵ֖י ט֥וֹב וָרָֽע׃
5
5
Sondern G‑tt weiß, dass an dem Tag, an dem ihr davon esst, werden eure Augen aufgehen und ihr werdet wie G‑tt sein, der Gut und Böse erkennt.
Sondern G‑tt weiß
Jeder Handwerker hasst seine Zunftgenossen, vom Baum hat Er gegessen und die Welt erschaffen.
Raschi
ihr werdet wie G‑tt sein: Schöpfer von Welten.
Raschi
וַתֵּ֣רֶא הָֽאִשָּׁ֡ה כִּ֣י טוֹב֩ הָעֵ֨ץ לְמַאֲכָ֜ל וְכִ֧י תַֽאֲוָה־ה֣וּא לָעֵינַ֗יִם וְנֶחְמָ֤ד הָעֵץ֙ לְהַשְׂכִּ֔יל וַתִּקַּ֥ח מִפִּרְי֖וֹ וַתֹּאכַ֑ל וַתִּתֵּ֧ן גַּם־לְאִישָׁ֛הּ עִמָּ֖הּ וַיֹּאכַֽל׃
6
6
Die Frau sah und fand Gefallen an den Worten der Schlange, dass der Baum gut ist zur Speise und eine Lust für die Augen und dass köstlich ist der Baum für die Betrachtung, da nahm sie von seiner Frucht und aß. Sie gab auch ihrem Mann bei ihr und er aß.
Die Frau sah
וַתֵּרֶא הָאִשָּׁה „die Frau sah“ die Worte der Schlange; sie stimmte den Worten der Schlange zu, sie gefielen ihr, und sie glaubte ihr.
Raschi
dass der Baum gut ist: um wie G‑tt zu werden.
Raschi
der Baum
Diese zwei Bäume – den Baum des Lebens (עֵץ הַחַיִּים) und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse (עֵץ הַדַּעַת) – gab es ausschließlich im Garten Eden, und außerhalb davon ist ihnen kein Baum ähnlich.
Ibn Esra
eine Lust für die Augen
Wie die Schlange zu ihr gesagt hatte (voriger Vers)
וְנִפְקְחוּ עֵינֵיכֶם „eure Augen werden aufgehen“.
Raschi
eine Lust für die Augen
Durch das Essen von diesem Baum wird der Mensch den Gelüsten seiner Augen nachgehen.
Ramban
köstlich zur Betrachtung
וְנֶחְמָד הָעֵץ לְהַשְׂכִּיל „köstlich ist der Baum zur Betrachtung“: wie sie zu ihr gesagt hatte (voriger Vers) יוֹדְעֵי טוֹב וָרָע
„Gut und Böse zu erkennen“.
Raschi
Sie gab auch ihrem Mann: damit nicht sie sterbe und er am Leben bleibe und eine andere Frau nehme.
Raschi
Das ist aus dem Wort וַתִּתֵּן גַּם לְאִישָׁהּ עִמָּהּ „sie gab auch ihrem Mann mit ihr“ zu entnehmen.
Misrachi
auch
Das Wort גַּם „auch“ fügt noch alle zahmen und wilden Tiere hinzu.
Raschi
וַתִּפָּקַ֙חְנָה֙ עֵינֵ֣י שְׁנֵיהֶ֔ם וַיֵּ֣דְע֔וּ כִּ֥י עֵֽירֻמִּ֖ם הֵ֑ם וַֽיִּתְפְּרוּ֙ עֲלֵ֣ה תְאֵנָ֔ה וַיַּעֲשׂ֥וּ לָהֶ֖ם חֲגֹרֹֽת׃
7
7
Da wurden beiden die Augen geöffnet und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie nähten Blätter vom Feigenbaum zusammen und machten sich Schürzen.
Da wurden die Augen geöffnet
Der Vers spricht von der Erkenntnis und nicht vom wirklichen Sehen; das Ende des Verses beweist das [in den Worten
„und sie erkannten, dass sie nackt waren“, was nicht vom optischen Sehen abhängt, sondern vom geistigen Erkennen].
Raschi
sie erkannten, dass sie nackt waren
Auch der Blinde weiß es, wenn er nackt ist. Was bedeutet also „sie erkannten, dass sie nackt waren“? Eine einzige Pflicht (מִצְוָה) hatten sie gehabt, und sie hatten sich dieser entkleidet.
Raschi
Blätter des Feigenbaumes
Das ist auch der Baum, von dem sie gegessen hatten. Durch die Sache, durch die sie verdorben worden waren, wurde ihnen geholfen (Sanh. 70b). Die anderen Bäume aber verwehrten ihnen, ihre Blätter zu nehmen. Warum steht aber der Name des Baumes nicht deutlich? Weil der Ewige kein Geschöpf kränken will, dass man ihn nicht beschäme und sage, durch diesen ist die Welt geschlagen worden. Aus dem Midrasch R. Tanchuma.
Raschi
וַֽיִּשְׁמְע֞וּ אֶת־ק֨וֹל יְהוָ֧ה אֱלֹהִ֛ים מִתְהַלֵּ֥ךְ בַּגָּ֖ן לְר֣וּחַ הַיּ֑וֹם וַיִּתְחַבֵּ֨א הָֽאָדָ֜ם וְאִשְׁתּ֗וֹ מִפְּנֵי֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהִ֔ים בְּת֖וֹךְ עֵ֥ץ הַגָּֽן׃
8
8
Und sie hörten die Stimme des Ewigen, G‑ttes, im Garten wandeln bei abkühlendem Wind am Ende des Tages und es versteckten sich der Mensch und seine Frau vor dem Ewigen, G‑tt, inmitten der Bäume des Gartens.
Und sie hörten die Stimme des Ewigen
Es gibt viele Midraschim dazu, und unsere Lehrer haben sie bereits an ihrer Stelle in Bereschit Rabba und anderen Midraschim eingereiht. Ich aber komme nur, um den einfachen Sinn des Verses aufzuzeigen, und solche Midraschim, welche die Worte des Verses erklären, dass sich jedes Wort dem Zusammenhang einfügt.
Raschi
Sie hörten: Was hörten sie? Sie hörten die Stimme G‑ttes, wie sie durch den Garten daherkam; bei Wind des Tages: von jener Seite, von der die Sonne kam, das ist der Westen. Denn um die Abendzeit ist die Sonne im Westen, und sie hatten in der zehnten Stunde gesündigt (Sanh. 38b).
Raschi
Wind des Tages
לְרוּחַ הַיּוֹם „Wind des Tages“: am Ende des Tages, wenn die Temperaturen abkühlen und eine Brise weht.
Radak
וַיִּקְרָ֛א יְהוָ֥ה אֱלֹהִ֖ים אֶל־הָֽאָדָ֑ם וַיֹּ֥אמֶר ל֖וֹ אַיֶּֽכָּה׃
9
9
Es rief der Ewige, G‑tt, den Menschen und sagte zu ihm: Wo bist du?
Wo bist du?
G‑tt wusste, wo er war, aber Er wollte mit ihm ein Gespräch beginnen, sodass er nicht bestürzt sei, zu antworten, wenn Er ihm plötzlich seine Strafe verkündete. Ebenso sagte G‑tt zu Kain (Ber. 4:9) אֵי הֶבֶל אָחִיךָ „Wo ist dein Bruder Hewel?“, ebenso zu Bilam (Bam. 22:9) מִי הָאֲנָשִׁים הָאֵלֶּה עִמָּךְ „Wer sind diese Männer bei dir?“, um mit ihnen ein Gespräch zu beginnen; ebenso zu Chiskia wegen der Gesandten des babylonischen Königs Merodach, Sohn von Baladan (Jesch. 39:3).
Raschi
Wo bist du?
Das Wort אַיֶּכָּה („Wo bist du?“) besteht aus den Anfangsbuchstaben von אֳנִי יוֹדֵעַ כָּל הַנִּסְתָּרוֹת „Ich weiß alles Verborgene“. Damit deutete G‑tt Adam an, dass Alles vor Ihm, dem Schöpfer, offenbart ist, und er sich nicht verstecken solle.
Ben Isch Chai
וַיֹּ֕אמֶר אֶת־קֹלְךָ֥ שָׁמַ֖עְתִּי בַּגָּ֑ן וָאִירָ֛א כִּֽי־עֵירֹ֥ם אָנֹ֖כִי וָאֵחָבֵֽא׃
10
10
Und er sagte: Deine Stimme habe ich im Garten gehört, da habe ich mich gefürchtet, weil ich nackt bin, und ich habe mich versteckt.
וַיֹּ֕אמֶר מִ֚י הִגִּ֣יד לְךָ֔ כִּ֥י עֵירֹ֖ם אָ֑תָּה הֲמִן־הָעֵ֗ץ אֲשֶׁ֧ר צִוִּיתִ֛יךָ לְבִלְתִּ֥י אֲכָל־מִמֶּ֖נּוּ אָכָֽלְתָּ׃
11
11
Und Er sagte: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem Ich dir befohlen habe, nicht zu essen von ihm?
Wer hat dir gesagt
Woher konntest du erkennen, welches Schamgefühl ein nackt Dastehender fühlt?
Raschi
Hast du etwa von dem Baum
הֲמִן הָעֵץ ist eine Frage [und zu lesen als: Hast du etwa von dem Baum gegessen?].
Raschi
וַיֹּ֖אמֶר הָֽאָדָ֑ם הָֽאִשָּׁה֙ אֲשֶׁ֣ר נָתַ֣תָּה עִמָּדִ֔י הִ֛וא נָֽתְנָה־לִּ֥י מִן־הָעֵ֖ץ וָאֹכֵֽל׃
12
12
Und der Mensch sagte: Die Frau, die Du mir zur Seite gegeben hast, die gab mir von dem Baum und ich habe gegessen.
die Du mir zur Seite gegeben hast: damit verleugnete er die ihm erwiesene Güte (Awoda szara 5b).
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר יְהוָ֧ה אֱלֹהִ֛ים לָאִשָּׁ֖ה מַה־זֹּ֣את עָשִׂ֑ית וַתֹּ֙אמֶר֙ הָֽאִשָּׁ֔ה הַנָּחָ֥שׁ הִשִּׁיאַ֖נִי וָאֹכֵֽל׃
13
13
Da sagte der Ewige, G‑tt, zu der Frau: Was hast du getan? Die Frau sagte: Die Schlange hat mich verführt und ich habe gegessen.
hat mich verführt
הִשִּׁיאֲנִי – הִטְעַנִי „hat mich verführt“: täuschte mich, wie (2 Chro. 32:15) אַל יַשִּׁיא לָכֶם חִזְקִיָּהוּ „Chiskijahu täusche euch nicht“.
Raschi
וַיֹּאמֶר֩ יְהֹוָ֨ה אֱלֹהִ֥ים ׀ אֶֽל־הַנָּחָשׁ֮ כִּ֣י עָשִׂ֣יתָ זֹּאת֒ אָר֤וּר אַתָּה֙ מִכָּל־הַבְּהֵמָ֔ה וּמִכֹּ֖ל חַיַּ֣ת הַשָּׂדֶ֑ה עַל־גְּחֹנְךָ֣ תֵלֵ֔ךְ וְעָפָ֥ר תֹּאכַ֖ל כָּל־יְמֵ֥י חַיֶּֽיךָ׃
14
14
Es sagte der ewige G‑tt zu der Schlange: Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein von allen zahmen Tieren und von allem Wild des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du gehen und Staub sollst du essen alle Tage deines Lebens.
Weil du das getan hast
Von hier sehen wir, dass man sich nicht bemüht, für den Verführer (מֵסִית) etwas Günstiges zu finden. Denn wenn Er die Schlange gefragt hätte: Warum hast du das getan?, hätte sie antworten können: Wenn die Worte des Lehrers und die Worte des Schülers einander widersprechen, auf wessen Worte hat man dann zu hören! (Sanhedrin 29a)
Raschi
von allen zahmen Tieren und von allem Wild des Feldes
Wenn sie von den zahmen Tieren [deren Schwangerschaft lange Zeit in Anspruch nimmt] verwünscht wurde, dann doch sicherlich vom Wild [das nur kurze Zeit trächtig ist]? Unsere Lehrer haben in der Gemara Bechorot (8a) folgende Deutung dafür aufgestellt: Der Vers lehrt uns, dass die Schwangerschaft der Schlange sieben Jahre dauert.
Raschi
Auf deinem Bauch sollst du gehen: Füße hatte die Schlange gehabt, und diese wurden ihr abgeschnitten.
Raschi
וְאֵיבָ֣ה ׀ אָשִׁ֗ית בֵּֽינְךָ֙ וּבֵ֣ין הָֽאִשָּׁ֔ה וּבֵ֥ין זַרְעֲךָ֖ וּבֵ֣ין זַרְעָ֑הּ ה֚וּא יְשׁוּפְךָ֣ רֹ֔אשׁ וְאַתָּ֖ה תְּשׁוּפֶ֥נּוּ עָקֵֽב׃ (ס)
15
15
Feindschaft will Ich setzen zwischen dich und die Frau und zwischen deine Nachkommen und ihre Nachkommen. Er wird dich am Kopf zerstoßen und du wirst nach der Ferse schnappen.
Feindschaft will Ich setzen
Du hast nichts anderes beabsichtigt, als dass der Mensch sterbe, wenn er zuerst essen würde, und du Chawa nehmen könntest. Du hast nur darum mit Chawa gesprochen, weil Frauen leicht zu überreden sind und ihre Männer zu überreden wissen, darum will Ich Feindschaft einsetzen.
Raschi
zerstoßen
יְשׁוּפְךָ hat die Bedeutung יְכַתֶּתְךָ „er wird dir zerstoßen“, wie (Dew. 9:21) וָאֶכּוֹת אוֹתוֹ „ich zerstieß es“, was der Targum übersetzt als וְשַׁפִית יָתֵיהּ „ich zerrieb es“.
Raschi
nach der Ferse schnappen: du wirst keine aufrechte Gestalt haben und wirst ihn in die Ferse beißen, und auch von dort wirst du ihn töten.
Der Ausdruck תְּשׁוּפֶנּוּ „wirst schnappen“ ist ähnlich (Jesch. 40:24) נָשַׁף בָּהֶם „weht sie der Wind an“: wenn die Schlange sich anschickt, zu beißen, zischt sie wie ein Pfeifen. Weil die Ausdrücke [יְשׁוּפְךָ beim Menschen, תְּשׁוּפֶנּוּ bei der Schlange] ähnlich sind [in ihrer Wurzel und ihrem Klang], gebraucht der Vers bei beiden das Wort נְשִׁיפָה [obwohl beim Menschen יְשׁוּפְךָ die Bedeutung „zerstoßen“ hat, und bei der Schlange תְּשׁוּפֶנּוּ „zischen“].
Raschi
אֶֽל־הָאִשָּׁ֣ה אָמַ֗ר הַרְבָּ֤ה אַרְבֶּה֙ עִצְּבוֹנֵ֣ךְ וְהֵֽרֹנֵ֔ךְ בְּעֶ֖צֶב תֵּֽלְדִ֣י בָנִ֑ים וְאֶל־אִישֵׁךְ֙ תְּשׁ֣וּקָתֵ֔ךְ וְה֖וּא יִמְשָׁל־בָּֽךְ׃ (ס)
16
16
Zur Frau sagte Er: Viel, viel werde Ich sein lassen deine Schmerzen und deine Schmerzen bei der Schwangerschaft. Mit Schmerzen wirst du Kinder gebären, nach deinem Mann wird dein Verlangen sein und er wird herrschen über dich.
deine Schmerzen: das ist der Schmerz bei der Erziehung der Kinder;
Raschi
und deine Schwangerschaft: das ist der Schmerz während der Schwangerschaft;
Raschi
Mit Schmerzen wirst du gebären: das ist der Schmerz bei der Geburt.
Raschi
nach deinem Mann wird dein Verlangen sein: nach dem Verkehr mit ihm, und doch wirst du nicht die Stirn haben, ihn mit Worten zu verlangen, sondern er wird über dich herrschen, alles ist von ihm abhängig und nicht von dir (Eruwin 100b).
Raschi
dein Verlangen
תְּשׁוּקָתֵךְ „dein Verlangen“: dein Sehnen, wie (Jesch. 29:8) וְנַפְשׁוֹ שׁוֹקֵקָה „seine Seele ist voll Verlangen“.
Raschi
וּלְאָדָ֣ם אָמַ֗ר כִּֽי־שָׁמַעְתָּ֮ לְק֣וֹל אִשְׁתֶּךָ֒ וַתֹּ֙אכַל֙ מִן־הָעֵ֔ץ אֲשֶׁ֤ר צִוִּיתִ֙יךָ֙ לֵאמֹ֔ר לֹ֥א תֹאכַ֖ל מִמֶּ֑נּוּ אֲרוּרָ֤ה הָֽאֲדָמָה֙ בַּֽעֲבוּרֶ֔ךָ בְּעִצָּבוֹן֙ תֹּֽאכֲלֶ֔נָּה כֹּ֖ל יְמֵ֥י חַיֶּֽיךָ׃
17
17
Und zu Adam sagte Er: Weil du gehört hast auf die Stimme deiner Frau und von dem Baum gegessen hast, von dem Ich dir befohlen habe und sagte: du sollst nicht essen von ihm, so soll deinetwegen die Erde verflucht sein. Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens.
Weil du gehört hast auf die Stimme deiner Frau
כִּי שָׁמַעְתָּ לְקוֹל אִשְׁתֶּךָ „Weil du gehört hast auf die Stimme deiner Frau“: weil du auf sie gehört und nicht widersprochen hast, als sie Mir Lüge und Eifersucht zuschrieb. [Seforno]
Weil du gehört hast auf die Stimme deiner Frau

Vier Arten des Hörens gibt es:

1. Der hört und verliert

2. Der hört und belohnt wird

3. Der nicht hört und belohnt wird

4. Der nicht hört und verliert.


Der hört und verliert, das ist der erste Mensch Adam. Über ihn heißt es וּלְאָדָם אָמַר כִּי שָׁמַעְתָּ לְקוֹל אִשְׁתֶּךָ „Und zu Adam sagte Er: Weil du gehört hast auf die Stimme deiner Frau“. Und was verlor er? Wie es heißt (Ber. 3:19) כִּי עָפָר אַתָּה וְאֶל עָפָר תָּשׁוּב „denn aus Staub bist du und zu Staub sollst du zurückkehren“.

Der hört und belohnt wird, das ist Awraham. Über ihn heißt es (Ber. 21:12) כֹּל אֲשֶׁר תֹּאמַר אֵלֶיךָ שָׂרָה שְׁמַע בְּקֹלָהּ „Alles, was Sara dir sagt, höre auf ihre Stimme“. Und womit wurde er belohnt? Wie es dort im selben Vers heißt כִּי בְיִצְחָק יִקָּרֵא לְךָ זָרַע „durch Jizchak soll deine Nachkommenschaft genannt werden“.

Der nicht hört und belohnt wird, das ist Josef. Über ihn heißt es (Ber. 39:10) וְלֹא שָׁמַע אֵלֶיהָ לִשְׁכַּב אֶצְלָהּ לִהְיוֹת עִמָּהּ „und er hörte nicht auf [Potifars Frau], bei ihr zu liegen, um mit ihr zu sein“. Und womit wurde er belohnt? Wie es heißt (Ber. 42:6) וְיוֹסֵף הוּא הַשַּׁלִּיט עַל הָאָרֶץ „Und Josef war der Machthaber über das Land“.

Der nicht hört und verliert, das ist Israel. Über das Volk Israel heißt es (Jirm. 7:26) וְלוֹא שָׁמְעוּ אֵלַי וְלֹא הִטּוּ אֶת אָזְנָם „sie aber hörten nicht auf Mich und neigten ihr Ohr nicht und steiften ihren Nacken, schlimmer als ihre Väter“. Und was verloren sie? Wie es heißt (Jirm. 15:2) אֲשֶׁר לַמָּוֶת לַמָּוֶת וַאֲשֶׁר לַחֶרֶב לַחֶרֶב „Wer des Todes – zum Tod! Wer des Schwertes – zum Schwert!“; und es heißt (Jesch. 1:19) אִם תֹּאבוּ וּשְׁמַעְתֶּם טוּב הָאָרֶץ תֹּאכֵלוּ „Wollt ihr und hört, dann sollt ihr das Beste des Landes verzehren“.
Jalkut Schimoni, Remes 32
so soll deinetwegen die Erde verflucht sein
Der Erdboden bringt dir verwünschte Dinge hervor wie Fliegen, Flöhe und Ameisen. Ähnlich wie bei einem, der einen verkommenen Lebensweg eingeschlagen hat, die Menschen die Mutterbrust verwünschen, an der er getrunken hat.
Raschi
וְק֥וֹץ וְדַרְדַּ֖ר תַּצְמִ֣יחַֽ לָ֑ךְ וְאָכַלְתָּ֖ אֶת־עֵ֥שֶׂב הַשָּׂדֶֽה׃
18
18
Dornen und Disteln soll sie dir wachsen lassen und du wirst das Gewächs des Feldes essen.
Dornen und Disteln soll sie dir wachsen lassen
Wenn du die Erde mit Saatgut besäst, wird sie Dornen und Disteln wachsen lassen.
קוֹץ וְדַרְדַּר „Dornen und Disteln“: die durch Zubereitung genießbar werden.
Raschi
du wirst das Kraut des Feldes essen
Worin besteht dabei die Verwünschung, weil doch beim Segen zu ihm gesagt wurde הִנֵּה נָתַתִּי לָכֶם אֶת כָּל עֵשֶׂב זוֹרֵעַ זֶרַע „Hier, Ich gebe euch alles Gewächs, das Samen trägt“ (Ber. 1:29)? Nur, was steht hier am Anfang der Sache, אֲרוּרָה הָאֲדָמָה בַּעֲבוּרֶךָ בְּעִצָּבוֹן תֹּאכֲלֶנָּה „verwünscht sei der Erdboden deinetwegen, mit Schmerzen wirst du ihn genießen“, und nach den Schmerzen wird er dir Dornen und Disteln wachsen lassen. Wenn du ihn mit Hülsenfrüchten oder Gartenkräutern besäst, wird er dir Dornen und Disteln und andere wilde Kräuter hervorbringen, und gegen deinen Willen wirst du sie essen.
Raschi
בְּזֵעַ֤ת אַפֶּ֙יךָ֙ תֹּ֣אכַל לֶ֔חֶם עַ֤ד שֽׁוּבְךָ֙ אֶל־הָ֣אֲדָמָ֔ה כִּ֥י מִמֶּ֖נָּה לֻקָּ֑חְתָּ כִּֽי־עָפָ֣ר אַ֔תָּה וְאֶל־עָפָ֖ר תָּשֽׁוּב׃
19
19
Im Schweiß deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zur Erde, von der du genommen bist. Denn aus Staub bist du und zum Staub sollst du zurückkehren.
Im Schweiß deines Angesichts: nachdem du dir viel Mühe damit gegeben hast.
Raschi
וַיִּקְרָ֧א הָֽאָדָ֛ם שֵׁ֥ם אִשְׁתּ֖וֹ חַוָּ֑ה כִּ֛י הִ֥וא הָֽיְתָ֖ה אֵ֥ם כָּל־חָֽי׃
20
20
Es nannte der Mensch den Namen seiner Frau Chawa, denn sie war die Mutter alles Lebenden.
Es nannte der Mensch
Der Vers kehrt zu seinem ersten Thema zurück וַיִּקְרָא הָאָדָם שֵׁמוֹת „der Mensch gab Namen“ (Ber. 2:20), und er hat nur unterbrochen, um zu lehren, dass infolge der Benennung mit Namen ihm Chawa zur Gefährtin gegeben wurde, wie es dort heißt וּלְאָדָם לֹא מָצָא עֵזֶר כְּנֶגְדּוֹ „aber für den Menschen fand Er keine Gehilfin“. Darum וַיַּפֵּל תַּרְדֵּמָה „ließ Er einen tiefen Schlaf auf ihn herabfallen“. Und weil die Torah geschrieben hat וַיִּהְיוּ שְׁנֵיהֶם עֲרֻמִּים „beide waren sie nackt“, schließt daran der Abschnitt von der Schlange an, um dir zu zeigen: dadurch, dass sie sie entblößt gesehen hatte und sie beim Eheleben beobachtet hatte, war sie lüstern nach ihr geworden und kam zu ihnen mit einem Plan und mit List.
Raschi
Chawa
Der Name חַוָּה deckt sich mit dem Ausdruck חַיָּה „die Lebende“, die ihren Kindern das Leben schenkt, wie du liest (Koh. 2:22) מֶה הֹוֶה לָאָדָם „was wird dem Menschen zuteil“, mit dem Ausdruck הָיָה „sein“, „werden“.
Raschi
וַיַּעַשׂ֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהִ֜ים לְאָדָ֧ם וּלְאִשְׁתּ֛וֹ כָּתְנ֥וֹת ע֖וֹר וַיַּלְבִּשֵֽׁם׃ (פ)
21
21
Es machte der Ewige, G‑tt, dem Menschen und seiner Frau Gewänder aus Fell und bekleidete sie.
Gewänder aus Fell
כָּתְנוֹת עוֹר „Gewänder aus Fell“: Manche Deutungen der Aggada sagen, glatt wie ein Fingernagel, ihrer Haut anliegend
(מְדֻבָּקִים עַל עוֹרָן). Und manche sagen, eine Sache, die von der Haut stammt (דָּבָר הַבָּא מִן הָעוֹר), wie zum Beispiel Hasenwolle, die weich und warm ist, und davon machte Er ihnen Gewänder (Bereschit Rabba 20:12, Tanchuma Jaschan, Abschn. 24).
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר ׀ יְהוָ֣ה אֱלֹהִ֗ים הֵ֤ן הָֽאָדָם֙ הָיָה֙ כְּאַחַ֣ד מִמֶּ֔נּוּ לָדַ֖עַת ט֣וֹב וָרָ֑ע וְעַתָּ֣ה ׀ פֶּן־יִשְׁלַ֣ח יָד֗וֹ וְלָקַח֙ גַּ֚ם מֵעֵ֣ץ הַֽחַיִּ֔ים וְאָכַ֖ל וָחַ֥י לְעֹלָֽם׃
22
22
Es sagte der Ewige, G‑tt: Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns, zu erkennen Gut und Böse. Und nun, vielleicht streckt er seine Hand aus und nimmt auch von dem Baum des Lebens und isst und lebt ewig.
ist geworden wie einer von uns
Siehe, der Mensch ist einzig unter den weltlichen Geschöpfen, so wie Ich einzig bin bei den Himmlischen. Und worin ist er einzig? Dass er Gut und Böse unterscheidet, was bei zahmen und wilden Tieren nicht der Fall ist.
Raschi
Und nun, vielleicht streckt er seine Hand aus
Würde der Mensch ewig leben, so wäre er nahe daran, die Geschöpfe irrezuführen, dass sie ihm folgen, indem er sagen würde, dass auch er eine Gottheit sei.
Raschi
וַֽיְשַׁלְּחֵ֛הוּ יְהוָ֥ה אֱלֹהִ֖ים מִגַּן־עֵ֑דֶן לַֽעֲבֹד֙ אֶת־הָ֣אֲדָמָ֔ה אֲשֶׁ֥ר לֻקַּ֖ח מִשָּֽׁם׃
23
23
Und es schickte ihn weg der Ewige, G‑tt, aus dem Garten Eden, um die Erde zu bearbeiten, von der er genommen worden war.
וַיְגָ֖רֶשׁ אֶת־הָֽאָדָ֑ם וַיַּשְׁכֵּן֩ מִקֶּ֨דֶם לְגַן־עֵ֜דֶן אֶת־הַכְּרֻבִ֗ים וְאֵ֨ת לַ֤הַט הַחֶ֙רֶב֙ הַמִּתְהַפֶּ֔כֶת לִשְׁמֹ֕ר אֶת־דֶּ֖רֶךְ עֵ֥ץ הַֽחַיִּֽים׃ (ס)
24
24
So vertrieb Er den Menschen und Er ließ östlich vom Garten Eden lagern die Cherubim und die Klinge des kreisenden Schwertes, um zu bewachen den Weg zum Baum des Lebens.
östlich vom Garten Eden
מִקֶּדֶם לְגַן עֵדֶן bedeutet בְּמִזְרָחוֹ שֶׁל גַּן עֵדֶן, östlich vom Garten Eden, außerhalb des Gartens.
Raschi
Cherubim: Engel der Zerstörung.
Raschi
Klinge des kreisenden Schwertes
Diese Klinge sollte ihm Angst einjagen, nicht wieder in den Garten hineinzugehen. Der Targum des Wortes לַהַט („Klinge“) ist שְׁנַן, das ist wie (Sanhedrin 82a) שְׁלַף שְׁנָנָא „er zog das Schwert“, lame im Französischen, „Klinge“. Es gibt dazu Midraschim, ich aber komme nur, den einfachen Sinn der Torah zu erklären.
Raschi
וְהָ֣אָדָ֔ם יָדַ֖ע אֶת־חַוָּ֣ה אִשְׁתּ֑וֹ וַתַּ֙הַר֙ וַתֵּ֣לֶד אֶת־קַ֔יִן וַתֹּ֕אמֶר קָנִ֥יתִי אִ֖ישׁ אֶת־יְהוָֽה׃
1
1
Und der Mensch hatte Chawa als seine Frau erkannt, und sie wurde schwanger und gebar Kain und sagte: Erworben habe ich einen Mann von dem Ewigen.
hatte Chawa als seine Frau erkannt
וְהָאָדָם יָדַע „der Mensch hatte (Chawa als seine Frau) erkannt“: bereits vor der obigen Sache, bevor er gesündigt und aus dem Garten Eden verstoßen worden war. Ebenso waren die Empfängnis und die Geburt schon vorher gewesen. Hätte der Vers geschrieben וַיֵּדַע אָדָם „der Mensch erkannte“, dann würde daraus hervorgehen: nachdem er verstoßen worden war, bekam er Kinder.
Raschi
Kain
Der Name קַיִן „Kain“ kommt vom Begriff kaniti (קָנִיתִי) „ich habe erworben“.
Raschi
von dem Ewigen
Die Worte אֶת ה׳ haben die Bedeutung עִם ה׳ „mit dem Ewigen“. Als Er mich und meinen Mann erschuf, erschuf Er uns allein, aber bei diesen sind wir mit Ihm beteiligt (Nidda 31a).
Raschi
den Kain … seinen Bruder, den Hewel
אֶת קַיִן … אֶת אָחִיו אֶת הָבֶל, die drei Mal אֶת sind Hinzufügungen. Das lehrt, dass mit Kain eine einzelne Zwillingsschwester und mit Hewel zwei geboren wurden, darum heißt es im nächsten Vers וַתֹּסֶף „sie fügte hinzu“, sie gebar nochmals.
Raschi
וַתֹּ֣סֶף לָלֶ֔דֶת אֶת־אָחִ֖יו אֶת־הָ֑בֶל וַֽיְהִי־הֶ֙בֶל֙ רֹ֣עֵה צֹ֔אן וְקַ֕יִן הָיָ֖ה עֹבֵ֥ד אֲדָמָֽה׃
2
2
Sie gebar nochmals, seinen Bruder, den Hewel. Und es wurde Hewel ein Schafhirte und Kain wurde ein Ackerbauer.
Schafhirte
Weil der Erdboden verwünscht worden war, trennte er sich vom Ackerbau.
Raschi
Ackerbauer
עֹבֵד אֲדָמָה, wörtl. ein Bearbeiter der Erde.
וַֽיְהִ֖י מִקֵּ֣ץ יָמִ֑ים וַיָּבֵ֨א קַ֜יִן מִפְּרִ֧י הָֽאֲדָמָ֛ה מִנְחָ֖ה לַֽיהוָֽה׃
3
3
Es war am Ende einiger Zeit, da brachte Kain von der Frucht des Erdbodens eine Gabe dem Ewigen.
von der Frucht des Erdbodens: vom Schlechten. Eine Aggada sagt, es war Leinsamen.
(Andere Erklärung: „von der Frucht“, von derjenigen, die ihm zuerst in die Hand kam, nicht von der guten und ausgewählten.)
Raschi
Gabe: ein Geschenk.
וְהֶ֨בֶל הֵבִ֥יא גַם־ה֛וּא מִבְּכֹר֥וֹת צֹאנ֖וֹ וּמֵֽחֶלְבֵהֶ֑ן וַיִּ֣שַׁע יְהוָ֔ה אֶל־הֶ֖בֶל וְאֶל־מִנְחָתֽוֹ׃
4
4
Und Hewel brachte, auch er, von den Erstgeburten seines Kleinviehs und von ihren Fettstücken. Und es wandte sich der Ewige zu Hewel und zu seinem Geschenk.
es wandte sich
וַיִּשַׁע, G‑tt neigte sich ihm zu, ebenso im nächsten Vers וְאֶל מִנְחָתוֹ לֹא שָׁעָה „Er wandte sich nicht zu seiner Gabe“, Er neigte sich ihr nicht zu. Ebenso (Schem. 5:9) וְאַל יִשְׁעוּ „sie sollen sich nicht wenden“, nicht hinneigen. Ebenso (Ijow 14:6) שְׁעֵה מֵעָלָיו „wende dich von ihm ab“, neige dich von ihm weg.
Raschi
Und es wandte sich der Ewige
Es kam ein Feuer vom Himmel herunter und verzehrte seine Opfergabe.
Raschi
וְאֶל־קַ֥יִן וְאֶל־מִנְחָת֖וֹ לֹ֣א שָׁעָ֑ה וַיִּ֤חַר לְקַ֙יִן֙ מְאֹ֔ד וַֽיִּפְּל֖וּ פָּנָֽיו׃
5
5
Aber zu Kain und zu seiner Gabe wandte Er sich nicht. Das erboste Kain sehr und sein Gesicht senkte sich.
וַיֹּ֥אמֶר יְהוָ֖ה אֶל־קָ֑יִן לָ֚מָּה חָ֣רָה לָ֔ךְ וְלָ֖מָּה נָפְל֥וּ פָנֶֽיךָ׃
6
6
Es sagte der Ewige zu Kain: Warum bist du erbost und warum ist dein Gesicht gesenkt?
הֲל֤וֹא אִם־תֵּיטִיב֙ שְׂאֵ֔ת וְאִם֙ לֹ֣א תֵיטִ֔יב לַפֶּ֖תַח חַטָּ֣את רֹבֵ֑ץ וְאֵלֶ֙יךָ֙ תְּשׁ֣וּקָת֔וֹ וְאַתָּ֖ה תִּמְשָׁל־בּֽוֹ׃
7
7
In der Tat, wenn du dich besserst, dann kannst du dein Gesicht heben. Wenn du dich nicht besserst, dann ist vor der Tür die Sünde lagernd und nach dir ist ihr Verlangen, du aber musst über sie herrschen.
In der Tat, wenn du dich besserst
הֲלֹא אִם תֵּיטִיב „in der Tat, wenn du dich besserst“: wie der Targum (הֲלָא אִם תּוֹטֵיב עוּבָדָךְ יִשְׁתְּבֵיק לָךְ) ist die Bedeutung „wenn du deine Taten verbesserst, שְׂאֵת, dann trage Ich deine Sünde und vergebe“.
Raschi
dann ist vor der Tür die Sünde lagernd: vor dem Eingang deines Grabes ist deine Sünde aufbewahrt.
Raschi
und nach dir ist ihr Verlangen: das Verlangen der Sünde, das ist der böse Trieb, der immer begehrt und danach gelüstet, dich zu Fall zu bringen.
Raschi
du aber musst über sie herrschen
Wenn du willst, kannst du über die Sünde Herr werden.
Raschi
In der Tat, wenn du dich besserst
Kains echtes Versagen bestand darin, dass er nicht aus der positiven Reaktion G‑ttes gegenüber seinem Bruder Hewel lernte, der Ihm ein erlesenes Opfer dargebracht hatte.
Hätte Kain ein zweites Angebot nachgelegt, diesmal von den besten Erträgen seiner Ernte, hätte G‑tt ihm verziehen! G‑tt versuchte ihm zu zeigen: Gesteht der Mensch einen Fehler ein, ist alles bereit für einen Neubeginn. Kain aber weigerte sich und beharrte auf der Richtigkeit seines eigenen Verhaltens. Er dachte gar, sein Standpunkt werde gültig, wenn sein Bruder Hewel ausgeschaltet würde.

Es gilt, aus unseren eigenen Fehlern zu lernen, statt sie hartnäckig zu leugnen und Begründungen dafür zu präsentieren. Indem wir aus ihnen lernen, können wir aus jedem einzelnen unserer Fehler einen Impuls für die persönliche Entwicklung zum Positiven machen.
Rabbi von Lubawitsch, Likute Sichot 15
וַיֹּ֥אמֶר קַ֖יִן אֶל־הֶ֣בֶל אָחִ֑יו וַֽיְהִי֙ בִּהְיוֹתָ֣ם בַּשָּׂדֶ֔ה וַיָּ֥קָם קַ֛יִן אֶל־הֶ֥בֶל אָחִ֖יו וַיַּהַרְגֵֽהוּ׃
8
8
Kain redete mit seinem Bruder Hewel. Und so geschah es, als sie auf dem Feld waren, da erhob sich Kain gegen seinen Bruder Hewel und erschlug ihn.
Kain redete mit seinem Bruder Hewel
Er begann mit ihm Worte des Streites, um einen Vorwand gegen ihn zu haben, ihn zu töten. Es gibt dazu Midraschim, aber das ist die Bedeutung des Verses.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר יְהוָה֙ אֶל־קַ֔יִן אֵ֖י הֶ֣בֶל אָחִ֑יךָ וַיֹּ֙אמֶר֙ לֹ֣א יָדַ֔עְתִּי הֲשֹׁמֵ֥ר אָחִ֖י אָנֹֽכִי׃
9
9
Der Ewige sagte zu Kain: Wo ist dein Bruder Hewel? Und er sagte: Ich weiß es nicht. Bin ich denn der Hüter meines Bruders?
Wo ist dein Bruder Hewel?
Sanfte Worte mit ihm zu beginnen, vielleicht würde er in Teschuwa umkehren und sagen, ich habe ihn getötet und gegen Dich gesündigt.
Raschi
Ich weiß es nicht: als könne er den Sinn des Ewigen täuschen.
Raschi
Bin ich der Hüter meines Bruders?
הֲשׁוֹמֵר אָחִי, das ist die Form einer Frage. Ebenso jedes ה, das mit חֲטָף פַּתָּח (הֲ־) punktiert ist.
Raschi
וַיֹּ֖אמֶר מֶ֣ה עָשִׂ֑יתָ ק֚וֹל דְּמֵ֣י אָחִ֔יךָ צֹעֲקִ֥ים אֵלַ֖י מִן־הָֽאֲדָמָֽה׃
10
10
Er sagte: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu Mir von der Erde.
das Blut deines Bruders
Das Wort דָמִים „Blut“ ist Mehrzahl: sein Blut und das Blut seiner Nachkommen.
Andere Erklärung (Sanhedrin 37b): er hatte ihm viele Wunden beigebracht, weil er nicht wusste, wo sein Leben entweichen würde.
Raschi
וְעַתָּ֖ה אָר֣וּר אָ֑תָּה מִן־הָֽאֲדָמָה֙ אֲשֶׁ֣ר פָּצְתָ֣ה אֶת־פִּ֔יהָ לָקַ֛חַת אֶת־דְּמֵ֥י אָחִ֖יךָ מִיָּדֶֽךָ׃
11
11
Und jetzt sollst du verflucht sein mehr als die Erde, die ihren Mund aufgetan hat, um das Blut deines Bruders von deiner Hand aufzunehmen.
mehr als die Erde
אָרוּר אָתָּה מִן הָאֲדָמָה „verflucht bist du mehr als die Erde“: mehr als sie bereits wegen ihrer Schuld verflucht worden ist, und auch hier hat sie weiter gesündigt,
weil sie ihren Mund öffnete, das Blut deines Bruders aufzunehmen. Siehe, Ich füge der Erde neben dir noch eine Verfluchung dazu, sie soll ihre Kraft nicht mehr geben.
Raschi
כִּ֤י תַֽעֲבֹד֙ אֶת־הָ֣אֲדָמָ֔ה לֹֽא־תֹסֵ֥ף תֵּת־כֹּחָ֖הּ לָ֑ךְ נָ֥ע וָנָ֖ד תִּֽהְיֶ֥ה בָאָֽרֶץ׃
12
12
Wenn du die Erde bearbeiten wirst, dann soll sie dir nicht mehr ihre Kraft geben. Ruhelos und flüchtig sollst du auf der Erde sein.
Ruhelos und flüchtig
Du hast nicht das Recht, an einem Ort zu wohnen.
Raschi
וַיֹּ֥אמֶר קַ֖יִן אֶל־יְהוָ֑ה גָּד֥וֹל עֲוֺנִ֖י מִנְּשֹֽׂא׃
13
13
Und Kain sagte zum Ewigen: Ist meine Sünde zu groß, um sie zu verzeihen?
Ist meine Sünde zu groß, um sie zu verzeihen?, das ist eine Frage. Du trägst den Himmel und die Erde, und meine Schuld kann nicht getragen werden?
Raschi
הֵן֩ גֵּרַ֨שְׁתָּ אֹתִ֜י הַיּ֗וֹם מֵעַל֙ פְּנֵ֣י הָֽאֲדָמָ֔ה וּמִפָּנֶ֖יךָ אֶסָּתֵ֑ר וְהָיִ֜יתִי נָ֤ע וָנָד֙ בָּאָ֔רֶץ וְהָיָ֥ה כָל־מֹצְאִ֖י יַֽהַרְגֵֽנִי׃
14
14
Siehe, Du vertreibst mich heute von der Fläche der Erde, und vor Deinem Angesicht soll ich mich verstecken. Wenn ich nun ruhelos und flüchtig sein soll auf der Erde, dann wird es geschehen, jeder, der mich findet, wird mich töten.
וַיֹּ֧אמֶר ל֣וֹ יְהוָ֗ה לָכֵן֙ כָּל־הֹרֵ֣ג קַ֔יִן שִׁבְעָתַ֖יִם יֻקָּ֑ם וַיָּ֨שֶׂם יְהוָ֤ה לְקַ֙יִן֙ א֔וֹת לְבִלְתִּ֥י הַכּוֹת־אֹת֖וֹ כָּל־מֹצְאֽוֹ׃
15
15
Der Ewige sagte zu ihm: Darum, weil du dich vor der Rache der Menschen fürchtest, mache Ich bekannt: Wer Kain umbringt, wird bestraft! Meine Vergeltung für die Sünde Kains werde Ich in sieben Generationen vollziehen, und der Ewige machte Kain ein Zeichen an der Stirn, damit ihn nicht erschlage, wer ihn findet.
Darum, wer Kain umbringt
Das ist einer von den Versen, die kurz gefasst sind, nur andeuten und nicht erklären. „Darum, wer Kain umbringt“ ist die Form einer Drohung: so soll ihm geschehen, so und so sei seine Strafe, der Vers erklärt aber die Strafe nicht.
Raschi
siebenfach werde er gerächt
שִׁבְעָתַיִם יֻקָּם „siebenfach werde er gerächt“: Ich will nicht jetzt an Kain Vergeltung üben, sondern am Ende von sieben Generationen übe Ich Meine Vergeltung an ihm, Lemech wird von seinen Enkeln aufstehen und ihn töten. Aus dem Ende dieses Abschnittes (weiter, Vers 24) כִּי שִׁבְעָתַיִם יֻקַּם קָיִן „siebenfach werde er gerächt“ (in der siebten Generation soll es vergolten werden, das ist die Vergeltung für Hewel an Kain), lernen wir, dass der Anfang des Verses (לָכֵן כָּל הוֹרֵג קַיִן, „Darum, wer Kain umbringt“) die Form einer Drohung ist, dass kein Geschöpf ihn verletze.
Ähnlich (2 Schmu. 5:8) וַיֹּאמֶר דָּוִד כָּל מַכֵּה יְבוּסִי וְיִגַּע בַּצִּנּוֹר „David sagte, wer den Jebussi schlägt und die Rinne erreicht“, und er erklärt nicht, was sein Lohn sein soll, sondern der Vers spricht in Andeutung, „wer den Jebussi schlägt und die Rinne erreicht“, zum Tor kommt und es einnimmt und die Blinden, das heißt auch die „Götzen des Blinden“ und die „Götzen des Lahmen“ vernichtet, weil die Jebussim gesagt hatten, diese Götzen beschützten sie und ihretwegen „kommt David nicht in das Innere des Hauses“, um es einzunehmen. Bis hier die Worte Davids. Er meinte damit: wer diese schlägt, den mache ich zum Oberhaupt und Fürsten. Hier hat er seine Worte abgekürzt, aber in Sefer Diwre haJamim (1, 11:6) erklärt er יִהְיֶה לְרֹאשׁ וּלְשָׂר „der wird zum Oberhaupt und Fürsten“.
Raschi
Und es machte der Ewige Kain ein Zeichen
Er grub ihm einen Buchstaben Seines Namens in die Stirn.
Andere Erklärung: Jeder der mich trifft, wird mich töten, die zahmen und wilden Tiere. Aber Menschen gab es noch nicht, vor denen er sich fürchten sollte, außer seinem Vater und seiner Mutter, und vor ihnen fürchtete er sich nicht, dass sie ihn töten würden; sondern er sagte, bis jetzt lag die Angst vor mir auf allen Tieren, wie es heißt וּמוֹרַאֲכֶם וְחִתְּכֶם יִהְיֶה עַל כָּל חַיַּת הָאָרֶץ „Furcht vor euch und Angst vor euch soll auf allen Tieren der Erde sein“ (Ber. 9:2). Jetzt aber wegen dieser Schuld werden sich die Tiere nicht mehr vor mir fürchten und mich töten, sofort „machte der Ewige Kain ein Zeichen“, Er legte auf alle wieder die Furcht vor ihm.
Raschi
וַיֵּ֥צֵא קַ֖יִן מִלִּפְנֵ֣י יְהוָ֑ה וַיֵּ֥שֶׁב בְּאֶֽרֶץ־נ֖וֹד קִדְמַת־עֵֽדֶן׃
16
16
Kain ging weg vom Angesicht des Ewigen und wohnte im Land Nod, ostwärts von Eden.
Kain ging weg
Er ging demütig hinweg, als könne er den Sinn des Ewigen täuschen.
Raschi
wohnte im Land Nod: im Land, in das alle Verbannten flüchten. „Nod“ vom Begriff nodedim (נוֹדְדִים), „Flüchtende“, und dieser Ort befindet sich „ostwärts von Eden“.
Raschi, Misrachi
ostwärts von Eden: dorthin wurde sein Vater verbannt, als er aus dem Garten Eden vertrieben wurde, so heißt es (Ber. 3:24) וַיַּשְׁכֵּן מִקֶּדֶם לְגַן עֵדֶן „er ließ lagern im Osten des Garten Eden“, Wache zu halten auf dem Weg zum Eingang des Gartens, woraus man lernen kann, dass Adam sich dort befand. Und wir finden, dass die Ostseite überall die Mörder aufnimmt, so heißt es (Dew. 4:41) אָז יַבְדִּיל מֹשֶׁה שָׁלֹשׁ עָרִים בְּעֵבֶר הַיַּרְדֵּן מִזְרְחָה שָׁמֶשׁ „damals sonderte Mosche drei Städte [für die Aufnahme von Totschlägern] ab, auf dieser Seite des Jarden, gegen Sonnenaufgang“.
Andere Erklärung: „im Land Nod“, überall, wohin er ging, bebte die Erde unter ihm und die Geschöpfe sagten: Weg von ihm, das ist jener, der seinen Bruder erschlagen hat.
Raschi
וַיֵּ֤דַע קַ֙יִן֙ אֶת־אִשְׁתּ֔וֹ וַתַּ֖הַר וַתֵּ֣לֶד אֶת־חֲנ֑וֹךְ וַֽיְהִי֙ בֹּ֣נֶה עִ֔יר וַיִּקְרָא֙ שֵׁ֣ם הָעִ֔יר כְּשֵׁ֖ם בְּנ֥וֹ חֲנֽוֹךְ׃
17
17
Es erkannte Kain seine Frau und sie wurde schwanger und gebar ein Kind namens Chanoch. Es baute Kain eine Stadt und er nannte den Namen der Stadt nach dem Namen seines Sohnes Chanoch.
Es baute Kain eine Stadt und er nannte den Namen der Stadt im Andenken an seinen Sohn Chanoch.
Raschi
er nannte den Namen der Stadt Chanoch: weil ihm der Sohn geboren wurde, während er die Stadt baute.
Radak
וַיִּוָּלֵ֤ד לַֽחֲנוֹךְ֙ אֶת־עִירָ֔ד וְעִירָ֕ד יָלַ֖ד אֶת־מְחֽוּיָאֵ֑ל וּמְחִיּיָאֵ֗ל יָלַד֙ אֶת־מְת֣וּשָׁאֵ֔ל וּמְתוּשָׁאֵ֖ל יָלַ֥ד אֶת־לָֽמֶךְ׃
18
18
Es wurde dem Chanoch geboren ein Kind namens Irad, und Irad zeugte ein Kind namens Mechujael, Mechujael zeugte ein Kind namens Metuschael und Metuschael zeugte ein Kind namens Lemech.
Irad zeugte
וְעִירָד יָלַד „Irad zeugte“: an manchen Stellen sagt der Vers beim Mann הוֹלִיד und an manchen Stellen יָלַד. Denn לֵדָה bedient zwei Formen, das Gebären der Frau (franz. neistre, „geboren werden“, „gebären“) und die Zeugung des Mannes (franz. enjendrer, „zeugen“). Wenn הוֹלִיד steht, also לְשׁוֹן הִפְעִיל, dann spricht der Vers vom Gebären der Frau, פְּלוֹנִי הוֹלִיד אֶת אִשְׁתּוֹ בֵּן אוֹ בַּת, er hat seiner Frau verursacht, einen Sohn oder eine Tochter zu gebären. Wenn יָלַד steht, dann spricht der Vers von der Zeugung des Mannes.
Raschi
וַיִּֽקַּֽח־ל֥וֹ לֶ֖מֶךְ שְׁתֵּ֣י נָשִׁ֑ים שֵׁ֤ם הָֽאַחַת֙ עָדָ֔ה וְשֵׁ֥ם הַשֵּׁנִ֖ית צִלָּֽה׃
19
19
Es nahm sich Lemech zwei Frauen. Der Name der einen war Ada und der Name der zweiten Zila.
<b>Zwei Frauen,</b> so war die Art des Geschlechtes der Sintflut, eine zur Fortpflanzung und eine zum Verkehr. Die zum Verkehr ließ er einen Becher, aus unfruchtbar machenden Wurzeln hergestellt, trinken, dass sie unfruchtbar werde, sie war wie eine Braut geschmückt, und er gab ihr Leckerbissen zu essen; ihre Gefährtin aber war verstoßen und trauerte wie eine Witwe. Das ist, was Job erklärt hat, (24, 21) »er weidet die Unfruchtbare, die nicht gebiert, und der Witwe tut er nichts Gutes« (wie es in der Aggada des Perek Chelek erklärt wird) (Bereschit Rabbah 23:2).
Es nahm sich Lemech zwei Frauen
Die Torah hat es nur deshalb nötig erachtet, all das zu erklären, um uns aus dem Ende der Sache zu belehren, dass der Ewige Sein Versprechen erfüllte (weiter, Vers 24) „in der siebten Generation soll an Kain Vergeltung geübt werden“. Lemech stand auf, nachdem er Kinder gezeugt und eine siebte Generation geschaffen hatte, und tötete Kain. Das ist, was er sagt (Vers 23) כִּי אִישׁ הָרַגְתִּי לְפִצְעִי „einen Mann erschlug ich durch meine Wunde“. [Raschi]

Es nahm sich Lemech zwei Frauen

So war die Art der Generation der Sündflut (דּוֹר הַמַּבּוּל), eine Frau zur Fortpflanzung und eine für ihre Schönheit. Die für ihre Schönheit ließ er einen Becher trinken, aus unfruchtbar machenden Wurzeln hergestellt, sodass sie nicht schwanger werde, er schmückte sie wie eine Braut und gab ihr täglich Leckerbissen zu essen. Ihre Gefährtin aber war verstoßen und trauerte wie eine Witwe. Das ist, was Ijow erklärt hat (24:21) רֹעֶה עֲקָרָה לֹא תֵלֵד וְאַלְמָנָה לֹא יְיֵטִיב „er versorgt die Unfruchtbare, die nicht gebiert, der Witwe aber tut er nichts Gutes“, wie es auch in der Aggada des Abschnittes ›Chelek‹ in Sanhedrin erklärt wird.
Raschi; siehe Bereschit Rabba 23:2
Es nahm sich Lemech zwei Frauen
Obwohl nicht gänzlich einsichtig, zeigte Kain ein gewisses Maß an Reue für seinen Mord an Bruder Hewel. G‑tt schob deshalb Kains Strafe für sieben Generationen auf und gab so seinen Nachkommen eine weitere Gelegenheit zur Umkehr (Teschuwa). Leider wurde auch dieses Angebot ausgeschlagen, wie das Verhalten von Kains Nachfahren Lemech zeigt.
Zu Lemechs Zeiten war es für Männer üblich, eine Frau für ihre Schönheit und eine zweite Frau zum Zweck der Zeugung zu heiraten. Frauen wurden benutzt und auf ihr Äußeres reduziert. Der ersten Frau wurde ein Verhütungsmittel gegeben, damit Schwangerschaft und Geburt nicht ihr Aussehen beeinträchtigten. Mit ihr verbrachte der Ehemann seine Zeit, verwöhnte sie nach Kräften und schenkte ihr seine Aufmerksamkeit, seine zweite Frau ignorierte er.

G‑tt aber hat die Welt so erschaffen, dass jede menschliche Beziehung aus einem gebenden und einem empfangenden Teil besteht. In einer Ehe kann und darf es keine Trennung zwischen diesen beiden Aspekten geben! Männer haben ihre weiblichen Aspekte‑, und Frauen haben ihre männlichen Aspekte. Jeder von uns sollte wertschätzen, dass der Ehepartner uns ergänzt. In der Ehe brauchen wir zwei Hälften für ein Ganzes. Nur wenn wir herausfinden, wie wir die Stärken beider Partner in unserer Ehe kombinieren, erfüllen wir G‑ttes Ziel.
Torah Or 5a–b
Ada: Das ist diejenige, die für die Fortpflanzung bestimmt war, weil sie ihm hässlich erschien und von ihm (von seinem Tisch) entfernt war. „Ada“ ist die Übersetzung von סוּרָה „Zurückgewichene“.
Raschi
Ada: Der Name „Ada“ (עָדָה) kommt vom Wort וַעֲדִיאַת („Schwangerschaft“).
Kli Jakar
Zila: Das ist diejenige, die für den Geschlechtsverkehr bestimmt war, weil sie immer in seinem Schatten (בְּצִלּוֹ, be-zilo) saß; das sind Worte der Aggada in Bereschit Rabba.
Raschi
וַתֵּ֥לֶד עָדָ֖ה אֶת־יָבָ֑ל ה֣וּא הָיָ֔ה אֲבִ֕י יֹשֵׁ֥ב אֹ֖הֶל וּמִקְנֶֽה׃
20
20
Und Ada gebar Jawal, der war der Vater der Zeltbewohner und Viehzüchter.
der Vater der Zeltbewohner und der Viehzüchter
Jawal war der erste von denen, die in den Wüsten Vieh weiden und wegen der Weide für ihre Schafe einen Monat da und einen Monat dort in Zelten wohnen, und wenn die Weide an einem Ort zu Ende ist, hingehen und an einem anderen Ort das Zelt aufschlagen.
Der Midrasch erklärt das Wort מִקְנֶה, er baute Häuser für den Götzendienst, der מַּקְנֶה genannt wird, wie in Jecheskel (8:3) steht סֵמֶל הַקִּנְאָה הַמַּקְנֶה „das Bild des Zornes, das den Zorn erregt“. Ebenso nahm sein Bruder Juwal Harfe und Flöte, um zum Götzendienst zu musizieren.
Raschi
וְשֵׁ֥ם אָחִ֖יו יוּבָ֑ל ה֣וּא הָיָ֔ה אֲבִ֕י כָּל־תֹּפֵ֥שׂ כִּנּ֖וֹר וְעוּגָֽב׃
21
21
Und der Name seines Bruders war Juwal, der war der Vater aller, die Harfe und Flöte ergreifen, um Musik zu spielen für den Götzendienst.
וְצִלָּ֣ה גַם־הִ֗וא יָֽלְדָה֙ אֶת־תּ֣וּבַל קַ֔יִן לֹטֵ֕שׁ כָּל־חֹרֵ֥שׁ נְחֹ֖שֶׁת וּבַרְזֶ֑ל וַֽאֲח֥וֹת תּֽוּבַל־קַ֖יִן נַֽעֲמָֽה׃
22
22
Und auch Zila gebar, ihr Kind hieß Tuwal Kain. Er schärfte allerlei Werkzeug aus Kupfer und Eisen. Und die Schwester des Tuwal Kain war Na’ama.
Und auch Zila gebar: Die unfruchtbar machenden Wurzeln wirkten bei ihr nicht, denn es gibt Frauen, die nicht unfruchtbar werden. Deshalb sagt der Vers גַם „auch“ sie gebar, trotz des Bechers der Unfruchtbarkeit.
Chiskuni
Tuwal Kain
Er würzte das Handwerk Kains, תּוּבַל von תַּבְלִין „Gewürze“, er würzte und verbesserte das Handwerk von Kain, Waffen für Mörder herzustellen.
Raschi
Er schärfte allerlei Werkzeug aus Kupfer und Eisen
לֹטֵשׁ „er schärfte“ das Werk von Kupfer und Eisen, wie im Vers (Ijow 16:9) יִלְטוֹשׁ עֵינָיו לִי „er schärft seine Blicke gegen mich“. חוֹרֵשׁ ist nicht die Form des Hauptwortes, sondern Partizip, da es mit צֵירֵי (קָמַץ קָטָן) punktiert und auf der vorletzten Silbe betont ist. Es bedeutet, er schärfte und polierte allerlei Handwerks¬geräte aus Kupfer und Eisen.
Raschi
Na’ama wird im Vers erwähnt, weil sie die Ehefrau von Noach ist.
Raschi, Gur Arye