Der tägliche Chumasch-Abschnitt

12. Kislew 5786

Dienstag, 2. Dezember 2025

Heute

Wajischlach

3. Alija

(Bereschit 32:31 – 33:5)

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וַיִּקְרָ֧א יַעֲקֹ֛ב שֵׁ֥ם הַמָּק֖וֹם פְּנִיאֵ֑ל כִּֽי־רָאִ֤יתִי אֱלֹהִים֙ פָּנִ֣ים אֶל־פָּנִ֔ים וַתִּנָּצֵ֖ל נַפְשִֽׁי׃
31
31
*Jaakow nannte den Ort Pni’el* (Angesicht G‑ttes): Denn einen Engel G‑ttes habe ich gesehen, Angesicht zu Angesicht, und meine Seele ist errettet.**
Denn ich habe gesehen
כִּי רָאִיתִי אֱלֹהִים bedeutet, dass Jaakow einen Engel G‑ttes sah.
Targum Onkelos, Targum Jonathan, Saadia Gaon
Angesicht zu Angesicht: während Jaakow in wachem Zustand war.
Radak
Angesicht zu Angesicht
פָּנִים אֶל פָּנִים „Angesicht zu Angesicht“ ist ein Ausdruck des Kampfes und bezieht sich auf Jaakows Kampf mit dem Engel.
Bechor Schor, Or haChaim
וַיִּֽזְרַֽח־ל֣וֹ הַשֶּׁ֔מֶשׁ כַּאֲשֶׁ֥ר עָבַ֖ר אֶת־פְּנוּאֵ֑ל וְה֥וּא צֹלֵ֖עַ עַל־יְרֵכֽוֹ׃
32
32
Die Sonne ging ihm auf, als er an Pnu’el vorüber war, und er war an seiner Hüfte hinkend.
Die Sonne ging ihm auf
So pflegt man sich auszudrücken: Als wir zu dem und dem Ort kamen, brach uns der Morgen an; das ist die einfache Erklärung.
Der Midrasch sagt: „Die Sonne ging ihm auf“ – für seinen Bedarf, ihn von seinem Hinken zu heilen; wie es heißt (Malachi 3:20) שֶׁמֶשׁ צְדָקָה וּמַרְפֵּא בִּכְנָפֶיהָ „die Sonne der Liebe, in deren Flügeln Heilung ist“ (Ber. Rabba 78:5; Tanchuma Jaschan 10).

Jene Stunden, die sie seinetwegen zu früh untergegangen war, als er von Beer Schewa wegging (siehe zuvor, 28:11), ging sie jetzt seinetwegen früher auf.
Raschi
Pni’el, Pnu’el
Der Ortsname Pni’el (פְּנִיאֵל, zuvor, Vers 31) und die Version Pnu’el (פְּנוּאֵל) bezeichnen denselben Ort. Die Buchstaben אהו״י sind austauschbar.
Radak
Pni’el, Pnu’el
Jaakow selbst nannte den Ort Pni’el (פְּנִיאֵל, zuvor, Vers 31) – mein Angesicht (פָּנִים שֶׁלִּי) sah das Angesicht des Engels. Aus der Perspektive des Betrachters aber ist der Ort Pnu’el (פְּנוּאֵל) zu nennen (פָּנִים שֶׁלּוֹ) – er sah das Angesicht des Engels.
R. DZ Hoffmann
er war hinkend
Als die Sonne aufging, hinkte er.
Raschi
Als die Sonne aufging, hinkte er noch, aber gleich danach wurde er geheilt.
Gur Arye
עַל־כֵּ֡ן לֹֽא־יֹאכְל֨וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֜ל אֶת־גִּ֣יד הַנָּשֶׁ֗ה אֲשֶׁר֙ עַל־כַּ֣ף הַיָּרֵ֔ךְ עַ֖ד הַיּ֣וֹם הַזֶּ֑ה כִּ֤י נָגַע֙ בְּכַף־יֶ֣רֶךְ יַעֲקֹ֔ב בְּגִ֖יד הַנָּשֶֽׁה׃
33
33
Darum dürfen die Kinder Israel nicht die Hüftsehne (Gid ha nasche) essen, die über dem Hüftgelenk liegt, bis zum heutigen Tag, denn an das Hüftgelenk Jaakows an der Sehne hat der Engel gerührt.
Hüftsehne
Warum wird dieser Teil גִּיד הַנָּשֶׁה (Gid ha nasche, Hüftsehne) genannt? לְפִי שֶׁנָּשָׁה מִמְּקוֹמוֹ וְעָלָה, weil er „von seiner Stelle wich (nascha)“ und heraufkam; das Wort bedeutet soviel wie „springen“. Ebenso (Jirm. 51:30) נָשְׁתָה גְּבוּרָתָם „ihre Stärke ist gewichen“, ebenso (Ber. 41:5) כִּי נַשַּׁנִּי אֱלֹהִים אֶת כָּל עֲמָלִי „G‑tt hat all mein Elend von mir weichen lassen“.
Raschi
Hüftgelenk
[כַּף הַיָּרֵךְ, wörtl. Hüftpfanne ist] auf Französisch polpe.
Alles Fleisch, das erhöht, angehoben und rund ist, wird als כַּף („Löffel“, „Pfanne“) bezeichnet, wie [die Gemara in Nidda 47b sagt]: עַד שֶׁתִּתְמָרֵךְ הַכַּף „Wenn der Hügel (כַּף) flach wird“, in Bezug auf die Zeichen der körperlichen Reife einer Frau. [Da der Oberschenkelkopf (Caput femoris) kugelförmig ist, ist das umgebende Fleisch rund und erhöht wie der Rücken eines Löffels und wird daher כַּף „Hüftpfanne“ genannt.]
Raschi
Hüftsehne
Rabbi Jehuda sagt: Ab dieser Begebenheit war es den Nachkommen Jaakows verboten, die Hüftsehne zu essen.
Die Rabbanen sagen: Das Verbot der Hüftsehne wurde erst am Berg Sinai gesagt, und Mosche Rabbenu fügte es hier ein, um darauf hinzuweisen, aus welchem Grund sie verboten wurde.
Chulin 100b
Hüftsehne
Der tiefere Sinn dieser Mizwa ist es, an den Mut und die Tapferkeit Jaakows zu erinnern, und an das g‑ttliche Wunder, dass er infolge des Sehens des Engels nicht starb.
Raschbam
וַיִּשָּׂ֨א יַעֲקֹ֜ב עֵינָ֗יו וַיַּרְא֙ וְהִנֵּ֣ה עֵשָׂ֣ו בָּ֔א וְעִמּ֕וֹ אַרְבַּ֥ע מֵא֖וֹת אִ֑ישׁ וַיַּ֣חַץ אֶת־הַיְלָדִ֗ים עַל־לֵאָה֙ וְעַל־רָחֵ֔ל וְעַ֖ל שְׁתֵּ֥י הַשְּׁפָחֽוֹת׃
1
1
Jaakow hob seine Augen und sah Esaw mit 400 Mann kommen. Er verteilte die Kinder auf Leah, Rachel und die beiden Dienerinnen.
וַיָּ֧שֶׂם אֶת־הַשְּׁפָח֛וֹת וְאֶת־יַלְדֵיהֶ֖ן רִֽאשֹׁנָ֑ה וְאֶת־לֵאָ֤ה וִֽילָדֶ֙יהָ֙ אַחֲרֹנִ֔ים וְאֶת־רָחֵ֥ל וְאֶת־יוֹסֵ֖ף אַחֲרֹנִֽים׃
2
2
Und er stellte die Dienerinnen und ihre Kinder voran, Leah und ihre Kinder hinter ihnen, Rachel und Josef hinter ihnen.
Leah und ihre Kinder nach ihnen: das Liebste zuletzt.
Raschi
וְה֖וּא עָבַ֣ר לִפְנֵיהֶ֑ם וַיִּשְׁתַּ֤חוּ אַ֙רְצָה֙ שֶׁ֣בַע פְּעָמִ֔ים עַד־גִּשְׁתּ֖וֹ עַד־אָחִֽיו׃
3
3
Jaakow selbst ging voraus und warf sich siebenmal zur Erde nieder, bis er an seinen Bruder herankam.
Er selbst ging voraus: wenn jener böse Mensch einen Krieg beginnen möchte, dann soll er mit mir zuerst kämpfen.
Raschi
siebenmal
Siebenmal warf sich Jaakow vor ihm nieder, um ihm zu zeigen: auch wenn ich mich vor dir niederwerfe, trage ich das volle Vertrauen auf G‑tt in mir, der mich aufrichten und retten wird, wie es heißt (Mischle 24:16) שֶׁבַע יִפּוֹל צַדִּיק וָקָם „fällt auch siebenmal der Gerechte, steht er doch auf“.
Bereschit Rabba 78:8
וַיָּ֨רָץ עֵשָׂ֤ו לִקְרָאתוֹ֙ וַֽיְחַבְּקֵ֔הוּ וַיִּפֹּ֥ל עַל־צַוָּארָ֖ו וַׄיִּׄשָּׁׄקֵ֑ׄהׄוּׄ וַיִּבְכּֽוּ׃
4
4
Esaw lief ihm entgegen, umarmte ihn, fiel ihm um den Hals und küsste ihn, und sie weinten.
umarmte ihn
Sein Erbarmen bekam die Oberhand, als er ihn all diese Verbeugungen machen sah.
Raschi
und küsste ihn
Es stehen Punkte darüber. In der Baraita in Sifre (Behaalotcha, Abschn. 69) gibt es darüber zwei Meinungen: Manche erklären, diese Punkte sagen, er küsste ihn nicht mit ganzem Herzen. Rabbi Schimon bar Jochai sagt: Es ist eine bekannte Halacha [d.h. unveränderliches Prinzip], dass Esaw den Jaakow hasst [und so wäre auch ohne die Punkte anzunehmen, dass Esaw ihn nicht mit ganzem Herzen küsste.]. Nur in jener Stunde wurde sein Erbarmen geweckt, und er küsste Jaakow mit ganzem Herzen.
Raschi
und küsste ihn
Es stehen Punkte über dem Wort וַיִּשָּׁקֵהוּ („er küsste ihn“), denn Esaw wollte ihn beißen, da wurden seine Zähne zu Wachs.
Bereschit Rabba 78:9
Es stehen Punkte darüber, denn Esaw wollte ihn beißen. Der Zahlenwert (Gematria) des Wortes וַיִּשָּׁקֵהוּ (427, „küsste ihn“) ist derselbe wie לְנוֺשְׁכֵיהוּ (427, „um ihn zu beißen“).
Baal haTurim
וַיִּשָּׂ֣א אֶת־עֵינָ֗יו וַיַּ֤רְא אֶת־הַנָּשִׁים֙ וְאֶת־הַיְלָדִ֔ים וַיֹּ֖אמֶר מִי־אֵ֣לֶּה לָּ֑ךְ וַיֹּאמַ֕ר הַיְלָדִ֕ים אֲשֶׁר־חָנַ֥ן אֱלֹהִ֖ים אֶת־עַבְדֶּֽךָ׃
5
5
Esaw erhob seine Augen und sah die Frauen und die Kinder und sagte: Wer sind diese, dass sie deine sind? Und Jaakow sagte: Die Kinder, die G‑tt mir, deinem Diener, gnädig gegeben hat.
Wer sind diese
מִי אֵלֶּה לָּךְ, Wer sind diese, dass sie dir gehören?
Raschi
Die Frage wäre gewöhnlich מִי אֵלֶּה „Wer sind diese?“. Mit dem Zusatz מִי אֵלֶּה לָּךְ „für dich“ fragte Esaw: In welcher Beziehung stehen sie zu dir, sind es deine Kinder oder deine Knechte? Aus diesem Grund antwortete Jaakow darauf הַיְלָדִים אֲשֶׁר חָנַן אֱלֹהִים אֶת עַבְדֶּךָ „Die Kinder, die G‑tt deinem Diener gnädig gegeben hat“.
Sefer Sikaron