וְעַתָּ֗ה לֹֽא־אַתֶּ֞ם שְׁלַחְתֶּ֤ם אֹתִי֙ הֵ֔נָּה כִּ֖י הָאֱלֹהִ֑ים וַיְשִׂימֵ֨נִֽי לְאָ֜ב לְפַרְעֹ֗ה וּלְאָדוֹן֙ לְכָל־בֵּית֔וֹ וּמֹשֵׁ֖ל בְּכָל־אֶ֥רֶץ מִצְרָֽיִם׃
8
8
Nun aber, nicht ihr habt mich hierher geschickt, sondern G‑tt. G‑tt ist es, der mich gemacht hat zum Vater Pharaos und zum Herrn über sein ganzes Haus, und zum Herrscher über das ganze Land Mizraim.
Nun aber
Zwar war es befremdlich in Josefs Augen gewesen, dass die Brüder ihn so grausam behandelt hatten, וְעַתָּה „nun aber“, nachdem er alle Ereignisse miterlebt hatte, die sich aus seinem Hinabgehen nach Mizraim ergeben hatten, erkannte er mit neuer Tiefer, dass all das von G‑tt kam.
Or haChaim
zum Vater Pharaos: zum Berater und Beschützer.
Raschi
sondern G‑tt
Das Wort כִּי hier bedeutet „sondern“; und so übersetzt auch Targum Onkelos mit אֱלָהֵין „sondern“, und nicht mit אֲרֵי „denn“.
Raschbam
מַהֲרוּ֮ וַעֲל֣וּ אֶל־אָבִי֒ וַאֲמַרְתֶּ֣ם אֵלָ֗יו כֹּ֤ה אָמַר֙ בִּנְךָ֣ יוֹסֵ֔ף שָׂמַ֧נִי אֱלֹהִ֛ים לְאָד֖וֹן לְכָל־מִצְרָ֑יִם רְדָ֥ה אֵלַ֖י אַֽל־תַּעֲמֹֽד׃
9
9
Beeilt euch und zieht zu meinem Vater hinauf und sagt zu ihm: So spricht dein Sohn Josef: G‑tt hat mich gemacht zum Herrn über ganz Mizraim; komme herab zu mir, zögere nicht!
Beeilt euch
Damit sich mein Vater Jaakow nicht länger Sorgen mache.
Seforno
und zieht zu meinem Vater hinauf
וַעֲלוּ „Zieht hinauf“: das Land Israel ist höher als alle Länder.
Raschi
zögere nicht
אַל תַּעֲמֹד (wörtl. stehe nicht) in der Bedeutung, zögere nicht.
Targum Onkelos, Rabbenu Meyuchas
הַשָּׁעָה in der Bedeutung: lasse diese Stunde nicht untätig vorübergehen. Jetzt ist die günstige Gelegenheit, komme zu mir!
Bereschit Rabba 93:10
וְיָשַׁבְתָּ֣ בְאֶֽרֶץ־גֹּ֗שֶׁן וְהָיִ֤יתָ קָרוֹב֙ אֵלַ֔י אַתָּ֕ה וּבָנֶ֖יךָ וּבְנֵ֣י בָנֶ֑יךָ וְצֹאנְךָ֥ וּבְקָרְךָ֖ וְכָל־אֲשֶׁר־לָֽךְ׃
10
10
Wohnen sollst du im Land Goschen, dass du mir nahe bist, du und deine Söhne, und deiner Söhne Söhne, und deine Schafe und deine Rinder, und alles, was dein ist.
Wohnen sollst du im Land Goschen
Josef wusste, dass sein Vater Jaakow nicht in der Haupstadt Mizraims wohnen wollte, und schlug deshalb das Land Goschen vor.
Ramban
Als Pharao Sara genommen hatte, gab er ihr das Land Goschen, und seit damals ruhte eine besondere Heiligkeit auf dem Ort im Verdienst von Sara.
Pirke deRabbi Eliëser
וְכִלְכַּלְתִּ֤י אֹֽתְךָ֙ שָׁ֔ם כִּי־ע֛וֹד חָמֵ֥שׁ שָׁנִ֖ים רָעָ֑ב פֶּן־תִּוָּרֵ֛שׁ אַתָּ֥ה וּבֵֽיתְךָ֖ וְכָל־אֲשֶׁר־לָֽךְ׃
11
11
Und ich werde dich dort verpflegen, denn noch sind fünf Jahre Hungersnot; damit du nicht verarmest, du und dein Haus und alles, was dein ist.
damit du nicht verarmest
פֶּן תִּוָּרֵשׁ „damit du nicht arm werdest“; du könntest verarmen, vom Ausdruck (1 Schmu. 2:7) מוֹרִישׁ וּמַעֲשִׁיר „macht arm und macht reich“.
Raschi
damit du nicht verarmest
פֶּן תִּוָּרֵשׁ „damit du nicht arm werdest“ an Torah, denn aufgrund der Hungersnot könntest du nicht lernen.
Baal haTurim
damit du nicht verarmest
פֶּן תִּוָּרֵשׁ hat die Bedeutung הַכְרָתָה „Vernichtung“, „Untergang“, wie im Vers (Dew. 4:38) לְהוֹרִישׁ גּוֹיִם „um Völker zu vertreiben“; damit der Hunger euch nicht auslösche.
Ibn Esra
פֶּן תִּוָּרֵשׁ hat die Bedeutung גֵּרוּשׁ „Vertreibung“, wie im Vers (Dew. 9:3) וְהוֹרַשְׁתָּם וְהַאַבַדְתָּם מַהֵר „dass du sie bald vertreiben und vernichten wirst“.
Raschbam
וְהִנֵּ֤ה עֵֽינֵיכֶם֙ רֹא֔וֹת וְעֵינֵ֖י אָחִ֣י בִנְיָמִ֑ין כִּי־פִ֖י הַֽמְדַבֵּ֥ר אֲלֵיכֶֽם׃
12
12
Und siehe, eure Augen sehen es und die Augen meines Bruders Binjamin; denn es ist mein Mund, der zu euch spricht.
Und siehe, eure Augen sehen es
Eure Augen sehen meine Ehre, und dass ich euer Bruder bin, denn ich bin wie ihr beschnitten, und außerdem dass es mein Mund ist, der zu euch spricht – in der Heiligen Sprache (Hebräisch).
Raschi
Eure Augen sehen meine Ehre: וְהִנֵּה עֵינֵיכֶם רֹאוֹת – בִּכְבוֹדִי. Achtet darauf, meine Brüder, auf welche Weise mir diese Ehre vom Allmächtigen zuteil wurde. Das bringt Raschi zum Ausdruck: Erkennt, dass all das nicht durch Zufall geschah, sondern von Oben geführt wurde בִּכְבוֹדִי „an meiner Ehre“, und nicht „Erkennt כְּבוֹדִי, meine Ehre“.
Maskil leDavid
denn ich bin wie ihr beschnitten: Nicht wie die Mizrim, die sich kürzlich wegen der Hungersnot beschneiden ließen, sondern „wie ihr“ wurde ich als Säugling beschnitten.
Maskil leDavid
und die Augen meines Bruders Binjamin
Er stellte sie alle einander gleich, um zu sagen: Ebenso wie ich keinen Hass gegen meinen Bruder Binjamin habe, denn er war ja bei meinem Verkauf nicht dabei, so ist in meinem Herzen auch kein Hass gegen euch (Megilla 16b).
Raschi
וְהִגַּדְתֶּ֣ם לְאָבִ֗י אֶת־כָּל־כְּבוֹדִי֙ בְּמִצְרַ֔יִם וְאֵ֖ת כָּל־אֲשֶׁ֣ר רְאִיתֶ֑ם וּמִֽהַרְתֶּ֛ם וְהוֹרַדְתֶּ֥ם אֶת־אָבִ֖י הֵֽנָּה׃
13
13
Und berichtet meinem Vater alle meine Ehre in Mizraim, alles was ihr gesehen habt, und beeilt euch und bringt herab meinen Vater hierher.
alles was ihr gesehen habt: dass ich über die Möglichkeit verfüge, ihn vor dem Hunger zu retten.
Raschbam, Ramban, Chiskuni
וַיִּפֹּ֛ל עַל־צַוְּארֵ֥י בִנְיָמִֽן־אָחִ֖יו וַיֵּ֑בְךְּ וּבִנְיָמִ֔ן בָּכָ֖ה עַל־צַוָּארָֽיו׃
14
14
Er fiel um den Hals seines Bruders Binjamin und weinte und Binjamin weinte an seinem Hals.
Er fiel um den Hals seines Bruders Binjamin und weinte über die zwei Heiligtümer (מִקְדָּשׁוֹת), die im Anteil von Binjamin stehen und schlussendlich zerstört würden;
und Binjamin weinte an seinem Hals über das Mischkan von Schilo, das im Anteil von Josef stehen und schlussendlich zerstört würde.
Raschi
Das Heiligtum in Schilo bestand 369 Jahre und war das religiöse Zentrum nach der Landnahme, bevor Jeruschalaim zur Hauptstadt wurde. Nach der Zeit in Schilo befand sich das Heiligtum noch für weitere 57 Jahre an anderen Orten (Now, Giw‘on), bevor König Schlomo den Ersten Tempel in Jerusalem errichtete.
Das erste Heiligtum (בַּיִת רִאשׁוֹן) stand 410 Jahre lang, das zweite Heiligtum (בַּיִת שֵׁנִי) stand 420 Jahre lang.
Er fiel um den Hals seines Bruders Binjamin und weinte
Denn solcherart ist die Weise von Liebenden, die voneinander getrennt waren, dass bei ihrem Wiedersehen die Gefühle des Schmerzes und der Trennung emporwallen.
Abarbanel
Binjamin gegenüber war die Zuneigung besonders tief, weil Josef und Binjamin Brüder von beiden Seiten – Vater und Mutter – waren.
Radak, Rabbenu Bechaje
וַיְנַשֵּׁ֥ק לְכָל־אֶחָ֖יו וַיֵּ֣בְךְּ עֲלֵיהֶ֑ם וְאַ֣חֲרֵי כֵ֔ן דִּבְּר֥וּ אֶחָ֖יו אִתּֽוֹ׃
15
15
Er küsste alle seine Brüder und weinte mit ihnen und danach sprachen seine Brüder mit ihm.
und weinte mit ihnen
וַיֵּבְךְּ עֲלֵיהֶם in der Bedeutung „weinte mit ihnen“.
Saadia Gaon
und danach, als sie ihn weinen sahen, und dass sein Herz aufrichtig mit ihnen war, sprachen seine Brüder mit ihm, denn zunächst hatten sie sich vor ihm geschämt.
Raschi
וְהַקֹּ֣ל נִשְׁמַ֗ע בֵּ֤ית פַּרְעֹה֙ לֵאמֹ֔ר בָּ֖אוּ אֲחֵ֣י יוֹסֵ֑ף וַיִּיטַב֙ בְּעֵינֵ֣י פַרְעֹ֔ה וּבְעֵינֵ֖י עֲבָדָֽיו׃
16
16
Und die Nachricht wurde vernommen im Haus Pharaos, indem man sagte: Die Brüder Josefs sind gekommen! Und es gefiel das in den Augen Pharaos und in den Augen seiner Diener.
die Nachricht
וְהַקֹּל נִשְׁמַע in der Bedeutung „Nachricht“: eine Nachricht wurde vernommen.
die Nachricht
הַקֹּל, wörtl. „die Stimme“ bezieht sich auf Josef: Josefs Stimme, von der es heißt (zuvor, Vers 2) וַיִּתֵּן אֶת קֹלוֹ בִּבְכִי גו׳ וַיִּשְׁמַע בֵּית פַּרְעֹה „er ließ seine Stimme im Weinen aus … es hörte das Haus Pharaos“: seine Stimme des Weinens hatten sie vernommen, aber sie wussten nicht, was der Grund war. Und jetzt vernahmen sie, dass seine Brüder gekommen waren.
Or haChaim, Malbim
im Haus Pharaos
בֵּית פַּרְעֹה bedeutet soviel wie בְּבֵית פַּרְעֹה „im Haus Pharaos“. Und hier bedeutet es das Haus selbst [im Gegensatz zu Vers 2, wo בֵּית פַּרְעֹה bedeutet „die Leute seines Hauses“].
Raschi
Und es gefiel das: wie erleichtert war Pharao, die vornehme Abstammung Josefs und seine herrschaftlichen Brüder zu sehen, denn bisher dachte er, ein Sklave sei der Herrscher über Mizraim.
Lekach Tow, Ramban, Radak
וּקְח֧וּ אֶת־אֲבִיכֶ֛ם וְאֶת־בָּתֵּיכֶ֖ם וּבֹ֣אוּ אֵלָ֑י וְאֶתְּנָ֣ה לָכֶ֗ם אֶת־טוּב֙ אֶ֣רֶץ מִצְרַ֔יִם וְאִכְל֖וּ אֶת־חֵ֥לֶב הָאָֽרֶץ׃
18
18
Und nehmt euren Vater und eure Familien und kommt zu mir, ich werde euch das Beste des Landes Mizraim geben, und ihr sollt das Fett des Landes essen.
das Beste des Landes Mizraim
Das Land Goschen werde ich euch geben; er sagte voraus und wusste nicht, was er voraussagte, dass sie zuletzt das Land wie eine Seetiefe machen würden, in der keine Fische mehr vorhanden sind (Berachot 9b).
Raschi
Über den Auszug des jüdischen Volkes aus Mizraim sagt der Vers (Schem. 12:36) וַיְנַצְּלוּ אֶת מִצְרָיִם „sie leerten Mizraim“. Die Gemara in Berachot 9b deutet das Wort וַיְנַצְּלוּ, wajinazlu, im Zusammenhang mit dem Wort מְצוּלָה, mezula „tiefes Wasser“: Beim Auszug aus Mizraim hinterließ das Volk Israel dort so wenig Wertvolles wie tiefes Wasser keine Fische enthält.
Sefer Sikaron
das Fett des Landes
Überall in der Torah bedeutet חֵלֶב „Fett“ soviel wie das Vorzüglichste.
Raschi