Der tägliche Chumasch-Abschnitt

23. Tischre 5787

Sonntag, 4. Oktober 2026

Heute

Bereschit

1. Alija

(Bereschit 1:1 – 2:3)

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בְּרֵאשִׁ֖ית בָּרָ֣א אֱלֹהִ֑ים אֵ֥ת הַשָּׁמַ֖יִם וְאֵ֥ת הָאָֽרֶץ׃
1
1
Am ersten Tag der Schöpfung, am Beginn von G‑ttes Schöpfung aus dem Nichts von Himmel und Erde,
am Beginn
Rabbi Jizchak sagte: Die Torah‑ hätte erst bei dem Abschnitt zu beginnen brauchen (Schem. 12:2) הַחֹדֶשׁ הַזֶּה לָכֶם „Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein“, denn dieser enthält das erste Gebot (מִצְוָה) für Israel. Warum fängt die Torah aber mit der Schöpfung an? Weil „Er Seine Allmacht Seinem Volk verkündete, ihm das Erbe der Nationen zu geben“ כֹּחַ מַעֲשָׂיו הִגִּיד לְעַמּוֹ לָתֵת לָהֶם נַחֲלַת גּוֹיִם (Teh. 111:6). Wenn die Völker der Welt zu Israel sagen sollten: Ihr seid Räuber, denn ihr habt die Länder der sieben Nationen eingenommen, so antworten sie ihnen: Die ganze Erde gehört dem Ewigen. Er hat sie erschaffen und dem gegeben, der rechtschaffen ist in Seinen Augen. Nach Seinem Willen hat Er sie jenen gegeben und nach Seinem Willen sie ihnen genommen und uns gegeben.
Raschi
Am Beginn von G‑ttes Schöpfung
Dieser Vers sagt, erkläre mich so, wie ihn unsere Lehrer (רַבּוֹתֵינוּ) erklärt haben. בְּרֵאשִׁית בָּרָא, G‑tt schuf – um der Torah willen, die רֵאשִׁית דַּרְכּוֹ „das Erste Seines Weges“ genannt wird (Mischle 8:22), und um Israel willen, das רֵאשִׁית תְּבוּאָתֹה „das Erste Seines Ertrages“ genannt wird (Jirm. 2:3).

Wenn du diesen Vers aber nach dem einfachen Sinn erklären willst, erkläre ihn so: (V. 1) Am Anfang der Erschaffung von Himmel und Erde – (V. 2) als die Erde erschreckend leer war – (V. 3) da sagte G‑tt: „Es werde Licht“. Der Vers will nicht die Reihenfolge der Schöpfung lehren, um zu sagen, dass Himmel und Erde zuerst erschaffen wurden. Wollte er das lehren, dann müsste der Ausdruck בָּרִאשׁוֹנָה בָּרָא אֶת הַשָּׁמַיִם gebraucht werden; denn רֵאשִׁית ist in der Torah immer mit dem nächsten Worte verbunden, so בְּרֵאשִׁית מַמְלְכוּת יְהוֹיָקִים

„am Anfang der Regierung von Jehojakim“ (Jirm. 26:1), רֵאשִׁית מַמְלַכְתּוֹ „das Erste seines Reiches“ (Ber. 10:10), רֵאשִׁית דְּגָנְךָ „das Erste deines Getreides“ (Dew. 18:4).

Darum musst du auch hier sagen, am Beginn, als G‑tt erschuf, als ob stehen würde בְּרֵאשִׁית בְּרוֹא, am Beginn der Erschaffung. Ähnlich תְּחִלַּת דִּבֶּר ה׳ בְּהוֹשֵׁעַ „am Beginn, als der Ewige mit Hoschea sprach“ (Hosch. 1:2), das heißt, am Beginn der Rede des Ewigen mit Hoschea sagte der Ewige zu Hoschea.

Solltest du aber sagen, der Vers lehrt, dass Himmel und Erde zuerst erschaffen wurden, und der Sinn wäre, am Beginn von allem erschuf Er diese, – denn es gibt tatsächlich Verse, die kurz gefasst sind und in denen ein Wort zu ergänzen ist, so כִּי לֹא סָגַר דַּלְתֵי בִטְנִי „weil man nicht die Tore des Schoßes meiner Mutter verschloss“ (Ijow 3:10), wo kein Subjekt genannt wird, ebenso שָּׂא אֶת חֵיל דַּמֶּשֶׂק „man wird das Vermögen von Damasek wegtragen“ (Jesch. 8:4), und es steht nicht, wer wegtragen wird, ferner אִם יַחֲרוֹשׁ בַּבְּקָרִים „Ich verkünde im Anbeginn das Ende“ (Am. 6:12), und er führt nicht aus, Ich verkünde im Anbeginn der Sache das Ende der Sache. Aber wenn es so wäre, müsstest du dich fragen, das Wasser war ja zuerst; denn es heißt (nächster Vers) וְרוּחַ אֱלֹהִים מְרַחֶפֶת עַל פְּנֵי הַמָּיִם „der Geist G‑ttes schwebte über der Fläche des Wassers“ und der Vers hat uns noch nicht offenbart, wann die Erschaffung des Wassers stattfand. Aus diesem Vers kannst du entnehmen, dass das Wasser schon vor der Erde erschaffen war.

Außerdem wurde der Himmel aus Feuer und Wasser gebildet; und du musst zum Schluss gelangen, dass uns der Vers nichts über die Reihenfolge lehrt, was früher und was später war.
Raschi
schuf G‑tt
Es steht בָּרָא אֱלֹהִים mit dem G‑ttesnamen אֱלֹהִים – G‑tt als Richter; und nicht בָּרָא ה׳ – G‑tt der Barmherzige. Denn zuerst bestand die Absicht, auf Grund der Gerechtigkeit zu erschaffen, da Er aber sah, dass die Welt dann nicht bestehen könne, schickte Er die Barmherzigkeit (מִדַּת רַחֲמִים) voran und verband sie mit der Gerechtigkeit, darum heißt es später mit der Erwähnung von beiden G‑ttesnamen (Ber. 2:4) בְּיוֹם עֲשׂוֹת ה׳ אֱלֹהִים אֶרֶץ וְשָׁמָיִם „am Tag, als der Ewige, G‑tt, Erde und Himmel schuf“.
Raschi
וְהָאָ֗רֶץ הָיְתָ֥ה תֹ֙הוּ֙ וָבֹ֔הוּ וְחֹ֖שֶׁךְ עַל־פְּנֵ֣י תְה֑וֹם וְר֣וּחַ אֱלֹהִ֔ים מְרַחֶ֖פֶת עַל־פְּנֵ֥י הַמָּֽיִם׃
2
2
als die Erde erschreckend leer war, und Finsternis auf der Tiefe, d.h. den Wassermassen, lag; und der Geist G‑ttes über der Fläche des Wassers schwebte,
erschreckend leer
תֹהוּ bedeutet Staunen und Entsetzen. Ein Mensch hätte über die Leere auf ihr gestaunt und wäre entsetzt darüber. (Estordison auf Französisch, „Entsetzen“.) בֹּהוּ bedeutet leer.
Raschi
<b>תֹהוּ</b> Entsetzen.
<b>בהו</b> bedeutet Leere und Öde.
auf der Tiefe
עַל פְּנֵי תְהוֹם, auf der Fläche des Wassers auf der Erde.
Raschi
Nach Raschi steht תְהוֹם hier nicht für „Tiefe“, sondern für Wassermassen, selbst wenn sie sich an der Oberfläche der Erde befinden. So auch im Vers (Dew. 32:10) עֲיָנֹת וּתְהֹמֹת „Quellen und Gewässer“ [Denn der Ewige, dein G‑tt, bringt dich in ein gutes Land: ein Land mit Wasserbächen, Quellen und Gewässern, die entspringen in der Ebene und im Gebirge]; und im Vers (Schem. 15:5) תְּהֹמֹת יְכַסְיֻמוּ „die Fluten haben sie zugedeckt“.
Hawanat haMikra
und der Geist G‑ttes schwebte
Der Thron Seiner Herrlichkeit stand im Raum und schwebte über dem Wasser durch das Wort G‑ttes und Seinen Befehl, wie eine Taube, die über dem Nest schwebt. Acoveter auf Französisch, „über etwas schweben“.
Raschi
וַיֹּ֥אמֶר אֱלֹהִ֖ים יְהִ֣י א֑וֹר וַֽיְהִי־אֽוֹר׃
3
3
sagte G‑tt: Es werde Licht! Und es wurde Licht.
וַיַּ֧רְא אֱלֹהִ֛ים אֶת־הָא֖וֹר כִּי־ט֑וֹב וַיַּבְדֵּ֣ל אֱלֹהִ֔ים בֵּ֥ין הָא֖וֹר וּבֵ֥ין הַחֹֽשֶׁךְ׃
4
4
Und G‑tt sah das Licht, dass es gut war, und G‑tt trennte zwischen Licht und Finsternis.
Und G‑tt sah das Licht, dass es gut war, und G‑tt trennte …
Auch hier sind wir auf die Worte der Aggada angewiesen. G‑tt sah, dass es das Licht nicht verdient habe, von den Bösen gebraucht zu werden, und sonderte das Licht für die Zaddikim in der Künftigen Welt ab (Chagiga 12a).
Nach dem einfachen Sinn erkläre so: Er sah, dass es gut war und es nicht angemessen sei, dass das Licht mit der Finsternis zusammen vermischt gebraucht werde, darum wies Er dem einen sein Gebiet am Tag und dem anderen sein Gebiet in der Nacht zu.
Raschi
וַיִּקְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים ׀ לָאוֹר֙ י֔וֹם וְלַחֹ֖שֶׁךְ קָ֣רָא לָ֑יְלָה וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם אֶחָֽד׃ (פ)
5
5
Und G‑tt nannte das Licht — „Tag“ und die Finsternis nannte Er „Nacht“. Es wurde Abend und es wurde Morgen: Ein Tag.
Ein Tag
יוֹם אֶחָד „ein Tag“: nach der Ordnung des Ausdrucks in diesem Abschnitt hätte es heißen müssen „der erste Tag“ (יוֹם רִאשׁוֹן), so wie bei den anderen Tagen steht „der zweite Tag“, „der dritte Tag“, „der vierte Tag“. Warum steht hier אֶחָד (Tag des Einzigen)? Weil an ihm der Ewige in Seiner Welt noch allein war; denn die Engel wurden erst am zweiten Tag erschaffen. So wird in Bereschit Rabba (3:8) erklärt.
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֔ים יְהִ֥י רָקִ֖יעַ בְּת֣וֹךְ הַמָּ֑יִם וִיהִ֣י מַבְדִּ֔יל בֵּ֥ין מַ֖יִם לָמָֽיִם׃
6
6
Und G‑tt sagte: Es werde eine Ausdehnung mitten im Wasser und sie trenne zwischen Wasser und Wasser.
Es werde eine Ausdehnung
יְהִי רָקִיעַ „Es werde eine Ausdehnung“ im Sinn von: es werde fest die Ausdehnung. Obwohl der Himmel bereits am ersten Tag erschaffen war, so war er noch flüssig und wurde am zweiten Tag durch das Drohen des Ewigen fest, als Er sagte יְהִי רָקִיעַ „es werde eine Ausdehnung“. Das meint der Vers (Ijow 26:11) עַמּוּדֵי שָׁמַיִם יְרוֹפָפוּ „die Säulen des Himmels wankten“ den ganzen ersten Tag, und am zweiten וְיִתְמְהוּ מִגַּעֲרָתוֹ „erstarrten sie durch Sein Drohen“; wie ein Mensch entsetzt stehen bleibt, wenn ihm jemand droht, der ihm Angst einflößt.
Raschi
mitten im Wasser: mitten zwischen den Wassern. Denn es befindet sich ein ebenso großer Abstand zwischen dem Wasser in der Höhe und dem Himmel, wie zwischen dem Himmel und dem Wasser auf der Erde. Daraus kannst du entnehmen, dass das Wasser der Höhe vom Wort des Königs getragen wird.
Raschi
וַיַּ֣עַשׂ אֱלֹהִים֮ אֶת־הָרָקִיעַ֒ וַיַּבְדֵּ֗ל בֵּ֤ין הַמַּ֙יִם֙ אֲשֶׁר֙ מִתַּ֣חַת לָרָקִ֔יעַ וּבֵ֣ין הַמַּ֔יִם אֲשֶׁ֖ר מֵעַ֣ל לָרָקִ֑יעַ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
7
7
Und G‑tt machte die Ausdehnung und trennte zwischen dem Wasser unter der Ausdehnung und dem Wasser über der Ausdehnung; und so wurde es.
Und G‑tt machte die Ausdehnung
וַיַּעַשׂ אֱלֹהִים אֶת הָרָקִיעַ „G‑tt machte die Ausdehnung“, Er stellte die Ausdehnung fertig, darin bestand das Machen. Ähnlich (Dew. 21:12) וְעָשְׂתָה אֶת צִפָּרְנֶיהָ „sie mache ihre Nägel“ [in der Bedeutung, lasse sie wachsen].
Raschi
über dem Raum
Es steht nicht עַל הָרָקִיעַ (unmittelbar darüber), sondern
מֵעַל לָרָקִיעַ (oberhalb des Raumes), weil das Wasser frei schwebt durch das Wort G‑ttes.

Warum steht am zweiten Tag nicht „es war gut“? Weil das Werk des Wassers erst am dritten Tag vollendet wurde, am zweiten Tag begann Er es nur. Eine Sache, die nicht vollendet ist, ist nicht in ihrer Vollkommenheit und Güte. Am dritten Tag, als das Werk des Wassers vollendet wurde und Er ein anderes Werk anfing und fertig machte, wiederholt die Torah und sagt zwei Mal כִּי טוֹב, einmal für die Vollendung des Werkes des zweiten Tages, und einmal für die Vollendung des Werkes dieses Tages.
Raschi
וַיִּקְרָ֧א אֱלֹהִ֛ים לָֽרָקִ֖יעַ שָׁמָ֑יִם וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם שֵׁנִֽי׃ (פ)
8
8
Und G‑tt nannte die Ausdehnung Himmel. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — zweiter Tag.
G‑tt nannte die Ausdehnung Himmel
Das Wort שָׁמָיִם „Himmel“ kann erklärt werden als
שָׂא מַיִם „trage Wasser“,

שָׁם מַיִם „dort ist Wasser“,

אֵשׁ וּמַיִם „Feuer und Wasser“, Er mischte sie miteinander und schuf daraus den Himmel. (Chagiga 12a)
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים יִקָּו֨וּ הַמַּ֜יִם מִתַּ֤חַת הַשָּׁמַ֙יִם֙ אֶל־מָק֣וֹם אֶחָ֔ד וְתֵרָאֶ֖ה הַיַּבָּשָׁ֑ה וַֽיְהִי־כֵֽן׃
9
9
Und G‑tt sagte: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einem Ort, und sichtbar soll das trockene Land werden; und so wurde es.
Es sammle sich das Wasser
Denn es war über die Fläche der ganzen Erde ausgebreitet, da sammelte Er es im Ozean, das ist das größte von allen Meeren.
Raschi
וַיִּקְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים ׀ לַיַּבָּשָׁה֙ אֶ֔רֶץ וּלְמִקְוֵ֥ה הַמַּ֖יִם קָרָ֣א יַמִּ֑ים וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
10
10
Und G‑tt nannte das Trockene — „Land“, und die Sammlung des Wassers nannte Er — „Meere“; und G‑tt sah, dass es gut war.
nannte Er „Meere“
Es ist doch nur ein Meer? Nur, es gleicht nicht der Geschmack eines Fisches, der in Akko aus dem Meer kommt, dem Geschmack eines Fisches in אַסְפַּמְיָא (Spanien).
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים תַּֽדְשֵׁ֤א הָאָ֙רֶץ֙ דֶּ֔שֶׁא עֵ֚שֶׂב מַזְרִ֣יעַ זֶ֔רַע עֵ֣ץ פְּרִ֞י עֹ֤שֶׂה פְּרִי֙ לְמִינ֔וֹ אֲשֶׁ֥ר זַרְעוֹ־ב֖וֹ עַל־הָאָ֑רֶץ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
11
11
Und G‑tt sagte: Es lasse die Erde Grünes wachsen, Gräser, die Samen bringen, Fruchtbäume, die Frucht tragen, jeder nach seiner Art, in denen ihr Same ist, auf der Erde; und so wurde es.
Es lasse die Erde Grünes wachsen
תַּדְשֵׁא הָאָרֶץ דֶּשֶׁא „Die Erde bedecke sich mit Grün“, עֵשֶׂב „mit Gräsern“. דֶּשֶׁא ist nicht gleichbedeutend mit עֵשֶׂב, und עֵשֶׂב ist nicht gleichbedeutend mit דֶּשֶׁא, und der Ausdruck des Verses hätte nicht lauten dürfen תַּעֲשִׂיב הָאָרֶץ, denn die Arten des Grüns (דֶּשֶׁא) sind voneinander verschieden und jede für sich wird das und das Gras (עֵשֶׂב) genannt. Man könnte auch nicht sagen, das und das Grün (דֶּשֶׁא); denn unter דֶּשֶׁא versteht man das Kleid der Erde, wenn sie mit Grün überzogen ist.
Raschi
lasse die Erde wachsen
תַּדְשֵׁא הָאָרֶץ, fülle sich die Erde und hülle sich in ein Kleid von Gräsern. Auf Französisch wird דֶּשֶׁא als erbediz übersetzt, „Gewächse“, alles durcheinander; jede Pflanze für sich aber heißt עֵשֶׂב.
Raschi
Samen bringen
מַזְרִיעַ זֶרַע „Samen bringen“: es wachse sein Samen in ihm, um davon an einer anderen Stelle zu säen.
Raschi
Fruchtbaum
עֵץ פְּרִי „Fruchtbaum“: [עֵץ „Baum“ und פְּרִי „Frucht“ lehrt,] dass der Geschmack des Baumes dem Geschmack der Frucht gleiche. Die Erde aber tat nicht so, sondern brachte nur Bäume hervor, die Früchte trugen, aber der Baum selbst war keine Frucht. Als darum der Mensch wegen seiner Sünde verflucht wurde, da wurde auch sie, die Erde, wegen ihrer Schuld heimgesucht und verflucht.
Raschi
in denen ihr Samen ist
Das sind die Kerne in den Früchten, aus denen, wenn man sie einpflanzt, wieder ein Baum hervorgeht.
Raschi
וַתּוֹצֵ֨א הָאָ֜רֶץ דֶּ֠שֶׁא עֵ֣שֶׂב מַזְרִ֤יעַ זֶ֙רַע֙ לְמִינֵ֔הוּ וְעֵ֧ץ עֹֽשֶׂה־פְּרִ֛י אֲשֶׁ֥ר זַרְעוֹ־ב֖וֹ לְמִינֵ֑הוּ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
12
12
Und die Erde ließ Grünes hervorgehen, Gras, das nach seiner Art Samen bringt, und fruchttragende Bäume, in denen Samen nach ihrer Art ist. Und G‑tt sah, dass es gut war.
Und die Erde ließ Grünes hervorgehen
Wenn auch bei dem Befehl, der an die Gräser erging, nicht לְמִינֵהוּ „nach seiner Art“ steht, so hörten sie, wie das den Bäumen befohlen wurde, da wandten sie auf sich den Schluss vom Leichten aufs Schwere an, wie das in der Aggada von Chulin (60a) erklärt wird.
Raschi
Als der Ewige sagte (V. 11) עֵץ פְּרִי עֹשֶׂה פְּרִי לְמִינוֹ „Fruchtbäume, die Frucht tragen, jeder nach seiner Art“, folgerten die Gräser für sich selbst: wäre dem Ewigen ein Durcheinander erwünscht, so würde Er ja bezüglich der Bäume nicht gesagt haben לְמִינוֹ „nach seiner Art“. Auch ist ein Schluss vom Leichten aufs Schwere (קַל וָחֹמֶר) anzuwenden: wenn der Ewige hinsichtlich der Bäume, deren Art es nicht ist, durcheinander hervorzukommen, gesagt hat לְמִינוֹ „nach seiner Art“, um wieviel mehr gilt das von uns als zahlreiche und dicht zusammenstehende Pflanzen, dass wir uns vor Vermischung zu hüten haben.
Chulin 60a
וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם שְׁלִישִֽׁי׃ (פ)
13
13
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — dritter Tag.
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים יְהִ֤י מְאֹרֹת֙ בִּרְקִ֣יעַ הַשָּׁמַ֔יִם לְהַבְדִּ֕יל בֵּ֥ין הַיּ֖וֹם וּבֵ֣ין הַלָּ֑יְלָה וְהָי֤וּ לְאֹתֹת֙ וּלְמ֣וֹעֲדִ֔ים וּלְיָמִ֖ים וְשָׁנִֽים׃
14
14
Und G‑tt sagte: Es seien Lichtkörper in der Ausdehnung des Himmels, um zwischen Tag und Nacht zu trennen. Und sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre.
Es seien Lichtkörper
Sie waren schon am ersten Tag erschaffen worden (Chagiga 12a), am vierten Tag befahl Er ihnen, im Raum zu schweben. Ebenso wurden alle Geschöpfe des Himmels und der Erde schon am ersten Tag erschaffen und jedes an dem bestimmten Tag in sein Amt eingesetzt. Darauf weist das Wort אֵת vor הַשָּׁמַיִם und vor הָאָרֶץ hin (Ber. 1:1), אֵת הַשָּׁמַיִם fügt die Geschöpfe des Himmels hinzu, וְאֵת הָאָרֶץ fügt die Geschöpfe der Erde hinzu.
Raschi
Es seien Lichtkörper
יְהִי מְאֹרֹת ist ohne den Buchstaben ו (Waw) geschrieben, wie מְאֵרָה „Verwünschung“, weil dieser Tag die Gefahr mit sich bringt, dass eine gefährliche Halskrankheit (אַסְכָּרָה) die Kinder befällt, wie wir lernen (Taanit 27b): Am vierten Tag der Woche fasteten sie, dass nicht das Halsleiden die Kinder befalle.
Raschi
um zwischen Tag und Nacht zu trennen: nachdem das erste Licht verborgen war. Aber in den sieben (sechs) Tagen der Schöpfung dienten das erste Licht und die erste Finsternis miteinander, das eine am Tag und das andere bei Nacht.
Raschi
sie seien Zeichen
Wenn die Lichter verdunkelt werden, ist es ein böses Zeichen für die Welt. So heißt es (Jirm. 10:2) וּמֵאוֹתוֹת הַשָּׁמַיִם אַל תֵּחָתּוּ „vor den Zeichen des Himmels zittere nicht“. Wenn ihr den Willen des Ewigen erfüllt, braucht ihr euch nicht vor den Strafen zu fürchten.
Raschi
für Zeiten
Das bezieht sich auf die Zukunft. Dem Volk Israel sollen die Festzeiten befohlen werden, und diese werden nach dem Eintritt des Neumondes gezählt.
Raschi
für Tage
Der Dienst der Sonne die Hälfte des Tages und der Dienst des Mondes die andere Hälfte, das ergibt einen ganzen Tag.
Raschi
und für Jahre
Nach 365 ¼ Tagen haben sie ihren Weg durch die zwölf Sternbilder vollendet, das ist ein Jahr. Dann beginnen sie von Neuem im Kreis zu wandeln, gleich ihrer ersten Bahn.
Raschi
וְהָי֤וּ לִמְאוֹרֹת֙ בִּרְקִ֣יעַ הַשָּׁמַ֔יִם לְהָאִ֖יר עַל־הָאָ֑רֶץ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
15
15
Und sie sollen als Lichtträger in der Ausdehnung des Himmels auf die Erde leuchten; und so wurde es.
als Lichtträger
Auch noch dazu sollen sie dienen, die Welt zu erleuchten.
Raschi
וַיַּ֣עַשׂ אֱלֹהִ֔ים אֶת־שְׁנֵ֥י הַמְּאֹרֹ֖ת הַגְּדֹלִ֑ים אֶת־הַמָּא֤וֹר הַגָּדֹל֙ לְמֶמְשֶׁ֣לֶת הַיּ֔וֹם וְאֶת־הַמָּא֤וֹר הַקָּטֹן֙ לְמֶמְשֶׁ֣לֶת הַלַּ֔יְלָה וְאֵ֖ת הַכּוֹכָבִֽים׃
16
16
Und G‑tt machte die beiden großen Lichtkörper — den größeren zur Herrschaft des Tages, und den kleineren zur Herrschaft der Nacht, und die Sterne.
die beiden großen Lichtkörper
Sie wurden beide gleich groß erschaffen, und dann wurde der Mond verkleinert, weil er anklagte und sagte, es ist nicht möglich, dass zwei Könige sich ein und dieselbe Krone teilen (Chulin 60a).
Raschi
und die Sterne: weil Er den Mond verkleinerte, vermehrte Er sein Heer, um ihn zu beruhigen.
Raschi
וַיִּתֵּ֥ן אֹתָ֛ם אֱלֹהִ֖ים בִּרְקִ֣יעַ הַשָּׁמָ֑יִם לְהָאִ֖יר עַל־הָאָֽרֶץ׃
17
17
Und G‑tt stellte sie in die Ausdehnung des Himmels, um auf die Erde zu leuchten,
וְלִמְשֹׁל֙ בַּיּ֣וֹם וּבַלַּ֔יְלָה וּֽלֲהַבְדִּ֔יל בֵּ֥ין הָא֖וֹר וּבֵ֣ין הַחֹ֑שֶׁךְ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
18
18
und am Tag und in der Nacht zu herrschen und zu trennen zwischen dem Licht und der Finsternis; und G‑tt sah, dass es gut war.
וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם רְבִיעִֽי׃ (פ)
19
19
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — vierter Tag.
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֔ים יִשְׁרְצ֣וּ הַמַּ֔יִם שֶׁ֖רֶץ נֶ֣פֶשׁ חַיָּ֑ה וְעוֹף֙ יְעוֹפֵ֣ף עַל־הָאָ֔רֶץ עַל־פְּנֵ֖י רְקִ֥יעַ הַשָּׁמָֽיִם׃
20
20
Und G‑tt sagte: Es wimmle das Wasser von wimmelnden Lebewesen, und der Vogel fliege über der Erde an der Weite des Himmels.
Lebewesen
נֶפֶשׁ חַיָּה – שֶׁיְּהֵא בָּהּ חַיּוּת, von Leben erfüllt.
Raschi
wimmelnd
שֶׁרֶץ „Kriechtier“. Jedes Tier, das sich nicht über die Erde erhebt, wird שֶׁרֶץ genannt. Unter den Vögeln Fliegen, unter den Kriechtieren Ameisen, Käfer und Würmer und unter größeren Tieren Wiesel, Mäuse und Schnecken und dergleichen und alle Fische.
Raschi
וַיִּבְרָ֣א אֱלֹהִ֔ים אֶת־הַתַּנִּינִ֖ם הַגְּדֹלִ֑ים וְאֵ֣ת כָּל־נֶ֣פֶשׁ הַֽחַיָּ֣ה ׀ הָֽרֹמֶ֡שֶׂת אֲשֶׁר֩ שָׁרְצ֨וּ הַמַּ֜יִם לְמִֽינֵהֶ֗ם וְאֵ֨ת כָּל־ע֤וֹף כָּנָף֙ לְמִינֵ֔הוּ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
21
21
Und G‑tt schuf die großen Seetiere und alle Lebewesen, die sich bewegen, von denen das Wasser wimmelt, jedes nach seiner Art, und jeden geflügelten Vogel nach seiner Art; und G‑tt sah, dass es gut war.
die großen Seetiere
הַתַּנִּינִם, die großen Fische im Meer.
Und nach den Worten der Aggada (Bawa Batra 74b) sind das der Leviathan und sein Weibchen. Er erschuf sie, Männchen und Weibchen, aber Er tötete das Weibchen und bewahrte sein Fleisch für die Zaddikim in der Künftigen Welt auf. Denn wenn sie sich fortgepflanzt und vermehrt hätten, so hätte die Welt nicht vor ihnen bestehen können. So steht im Vers הַתַּנִּינִם.
Raschi
Lebewesen
נֶפֶשׁ חַיָּה – נֶפֶשׁ שֶׁיֵּשׁ בָּהּ חַיּוּת, von Leben erfüllt.
Raschi
וַיְבָ֧רֶךְ אֹתָ֛ם אֱלֹהִ֖ים לֵאמֹ֑ר פְּר֣וּ וּרְב֗וּ וּמִלְא֤וּ אֶת־הַמַּ֙יִם֙ בַּיַּמִּ֔ים וְהָע֖וֹף יִ֥רֶב בָּאָֽרֶץ׃
22
22
Und G‑tt segnete sie und sagte: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt das Wasser in den Meeren, und der Vogel soll sich auf der Erde mehren.
segnete sie
Weil der Mensch sie vermindert, indem er von ihnen fängt und isst, mussten sie gesegnet werden. Auch das Wild (חַיּוֹת) hätte den Segen gebraucht. Nur wegen der Schlange, die später verflucht wurde, darum segnete Er das Wild nicht, damit sich der Segen nicht auf sie erstrecke.
Raschi
Seid fruchbar
Das Wort פְּרוּ kommt von פְּרִי „Frucht“, das heißt, „bringt Früchte hervor“.
Raschi
und mehrt euch
וּרְבוּ „und mehrt euch“. Wenn Er nur gesagt hätte פְּרוּ „seid fruchtbar“, dann hätte eins immer nur eins und nicht mehr gezeugt. Darum kommt „mehrt euch“, dass eins viele zeuge.
Raschi
וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם חֲמִישִֽׁי׃ (פ)
23
23
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — fünfter Tag.
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים תּוֹצֵ֨א הָאָ֜רֶץ נֶ֤פֶשׁ חַיָּה֙ לְמִינָ֔הּ בְּהֵמָ֥ה וָרֶ֛מֶשׂ וְחַֽיְתוֹ־אֶ֖רֶץ לְמִינָ֑הּ וַֽיְהִי־כֵֽן׃
24
24
Und G‑tt sagte: Es bringe die Erde lebende Wesen hervor, ein jedes nach seiner Art. Vieh, Würmer und Tiere des Landes nach ihrer Art. Und so wurde es.
Es bringe die Erde hervor
Das ist, was ich (zuvor, Vers 14) erklärt habe: alles war schon am ersten Tag erschaffen und hatte nur nötig, dass man es herausbringe.
Raschi
Lebewesen
נֶפֶשׁ חַיָּה – שֶׁיֵּשׁ בָּהּ חַיּוּת, von Leben erfüllt.
Raschi
Würmer
רֶמֶשׂ „Kriechtiere“, das sind die niedrigen Kriechtiere, die sich auf der Erde bewegen, die aussehen, als würden sie geschleift, weil ihr Gehen nicht bemerkt wird. Überall, wo רֶמֶשׂ oder שֶׁרֶץ vorkommt, können wir übersetzen mit „sich regen“, conmovres auf Französisch.
Raschi
וַיַּ֣עַשׂ אֱלֹהִים֩ אֶת־חַיַּ֨ת הָאָ֜רֶץ לְמִינָ֗הּ וְאֶת־הַבְּהֵמָה֙ לְמִינָ֔הּ וְאֵ֛ת כָּל־רֶ֥מֶשׂ הָֽאֲדָמָ֖ה לְמִינֵ֑הוּ וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃
25
25
Und G‑tt machte die Wildtiere des Landes und das Vieh, und alle Würmer des Erdbodens nach ihrer Art. Und G‑tt sah, dass es gut war.
machte
G‑tt bildete sie in ihrer Schönheit und ausgewachsenen Gestalt (Chulin 60a).
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֔ים נַֽעֲשֶׂ֥ה אָדָ֛ם בְּצַלְמֵ֖נוּ כִּדְמוּתֵ֑נוּ וְיִרְדּוּ֩ בִדְגַ֨ת הַיָּ֜ם וּבְע֣וֹף הַשָּׁמַ֗יִם וּבַבְּהֵמָה֙ וּבְכָל־הָאָ֔רֶץ וּבְכָל־הָרֶ֖מֶשׂ הָֽרֹמֵ֥שׂ עַל־הָאָֽרֶץ׃
26
26
Und G‑tt sagte: Wir wollen einen Menschen machen in Unserer Erscheinung, in Ähnlichkeit mit Uns, damit die Menschen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh und über die ganze Erde und über alle Würmer, die sich auf der Erde bewegen.
Wir wollen einen Menschen machen
Die Zurückhaltung G‑ttes lernen wir von hier. Weil der Mensch den Engeln gleicht, könnten sie ihn beneiden, darum beriet Er sich mit den Engeln. Auch wenn Er die Könige richtet, berät Er sich mit Seiner Umgebung.
So finden wir bei Achaw, dass Micha zu ihm sagte (1 Kön. 22:19) רָאִיתִי אֶת ה׳ יוֹשֵׁב עַל כִּסְאוֹ וְכָל צְבָא הַשָּׁמַיִם עוֹמֵד עָלָיו מִימִינוֹ וּמִשְּׂמֹאלוֹ „ich sah den Ewigen, auf dem Thron sitzend, und alles Heer des Himmels stand um Ihn zur Seiner Rechten und zu Seiner Linken“. Gibt es denn rechts und links vor Ihm? Nur, die zur Rechten sind die Verteidiger, und die zur Linken sind die Ankläger.

Ebenso (Dan. 4:14) בִּגְזֵרַת עִירִין פִּתְגָמָא, וּמֵאמַר קַדִּישִׁין שְׁאֵלְתָּא „durch das Urteil der Engel besteht das Wort und durch den Ausspruch der Heiligen der Befehl“. Auch hier beriet Er sich mit Seiner Umgebung und ließ sich ihre Zustimmung geben, indem Er zu ihnen sagte: Im Himmel sind Geschöpfe, die Mir gleichen. Sollten auf der Erde nicht solche sein, die Mir gleichen, so entsteht Neid im Schöpfungswerk.
Raschi
Wir wollen einen Menschen machen
נַעֲשֶׂה אָדָם „Wir wollen einen Menschen machen“: Obwohl sie Ihm bei Seiner Entscheidung nicht halfen und der Ausdruck „Wir wollen einen Menschen machen“ Anlass für die Ungläubigen zu einem Angriff auf die Torah sein könnte, hielt sich die Torah dennoch nicht zurück, Anstand und Demut zu lehren, auch der Große berate sich mit dem Kleinen und hole seine Zustimmung ein.
Würde im Vers stehen אֶעֱשֶׂה אָדָם „Ich will einen Menschen machen“, so könnten wir nicht daraus entnehmen, dass Er zu Seinem Gerichtshof sprach (בֵּית דִּין), sondern zu sich selbst. Als Antwort gegen die Ungläubigen steht gleich im nächsten Vers וַיִּבְרָא אֱלֹהִים אֶת הָאָדָם „G‑tt erschuf den Menschen“, und es heißt nicht „sie erschufen“.
Raschi
in Unserer Erscheinung
בְּצַלְמֵנוּ – בִּדְפוּס שֶׁלָּנוּ, in unserer Erscheinung.
Raschi
Erscheinung“ bezieht sich nicht auf G‑tt selbst, denn G‑tt hat kein Abbild und keine Gestalt, wie es heißt (Dew. 4:12) וּתְמוּנָה אֵינְכֶם רֹאִים „Gestalt saht ihr nicht“, sondern auf die Erscheinung, die den Propheten erscheint, wenn sie G‑tt schauen.
Misrachi, Sifte Chachamim
in Ähnlichkeit mit Uns: zu unterscheiden und zu verstehen.
Raschi
damit die Menschen herrschen
Der Ausdruck וְיִרְדּוּ kann „Herrschaft“ (רִדּוּי), aber auch „Sinken“ (יְרִידָה) bedeuten. Ist der Mensch würdig, dann herrscht er über die wilden und die zahmen Tiere. Ist er nicht würdig, dann wird er ihnen unterworfen, und das Tier herrscht über ihn.
Raschi
וַיִּבְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים ׀ אֶת־הָֽאָדָם֙ בְּצַלְמ֔וֹ בְּצֶ֥לֶם אֱלֹהִ֖ים בָּרָ֣א אֹת֑וֹ זָכָ֥ר וּנְקֵבָ֖ה בָּרָ֥א אֹתָֽם׃
27
27
Und G‑tt alleine schuf den Menschen in Seiner Erscheinung, in der Erscheinung G‑ttes schuf Er den Menschen; männlich und weiblich schuf Er sie.
in Seiner Erscheinung
בְּצַלְמוֹ – בִּדְפוּס הֶעָשׂוּי לוֹ „in Seinem Ebenbild“: in der Form, die für ihn gebildet war. Alles wurde durch das Wort erschaffen, der Mensch aber durch die Hände, so heißt es (Teh. 139:5) וַתָּשֶׁת עָלַי כַּפֶּכָה „Du legst auf mich Deine Hand“, er wurde mit einem Siegel geformt wie eine Münze unter dem Stempel, den man Prägstock nennt (coin auf Französisch). So sagt auch der Vers (Ijow 38:14) תִּתְהַפֵּךְ כְּחוֹמֶר חוֹתָם „(die Erde) wandelt sich wie Ton unter dem Siegel“.
Raschi
in der Erscheinung G‑ttes schuf Er
Der Vers erklärt dir: die Form, die für ihn bereitet wurde, gleicht der Erscheinung seines Schöpfers.
Raschi
männlich und weiblich erschuf Er sie
Weiter aber heißt es (Ber. 2:21) וַיִּקַּח אַחַת מִצַּלְעוֹתָיו „Er nahm eine von seinen Seiten …“. Der Midrasch erklärt das: Er erschuf ihn bei seiner ersten Erschaffung mit doppeltem Angesicht, und dann teilte Er ihn.
Der einfache Sinn des Verses ist, hier teilt er dir mit, dass beide am sechsten Tag erschaffen wurden, und erklärt dir noch nicht, wie sie erschaffen wurde, das erklärt er dir an einer anderen Stelle.
Raschi
וַיְבָ֣רֶךְ אֹתָם֮ אֱלֹהִים֒ וַיֹּ֨אמֶר לָהֶ֜ם אֱלֹהִ֗ים פְּר֥וּ וּרְב֛וּ וּמִלְא֥וּ אֶת־הָאָ֖רֶץ וְכִבְשֻׁ֑הָ וּרְד֞וּ בִּדְגַ֤ת הַיָּם֙ וּבְע֣וֹף הַשָּׁמַ֔יִם וּבְכָל־חַיָּ֖ה הָֽרֹמֶ֥שֶׂת עַל־הָאָֽרֶץ׃
28
28
Und G‑tt segnete sie und sagte zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und bezwingt sie, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde bewegen.
und bezwingt sie
Das Wort וְכִבְשֻׁהָ ist ohne den Buchstaben ו (Waw) geschrieben (Einzahl, „bezwinge sie“), um zu lehren, dass der Mann die Frau beherrsche, dass sie nicht ständig das Haus verlasse. Und weiter um dich zu lehren, dass der Mann, dessen Art ist zu herrschen, zur Fortpflanzung verpflichtet ist, und nicht die Frau.
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים הִנֵּה֩ נָתַ֨תִּי לָכֶ֜ם אֶת־כָּל־עֵ֣שֶׂב ׀ זֹרֵ֣עַ זֶ֗רַע אֲשֶׁר֙ עַל־פְּנֵ֣י כָל־הָאָ֔רֶץ וְאֶת־כָּל־הָעֵ֛ץ אֲשֶׁר־בּ֥וֹ פְרִי־עֵ֖ץ זֹרֵ֣עַ זָ֑רַע לָכֶ֥ם יִֽהְיֶ֖ה לְאָכְלָֽה׃
29
29
Und G‑tt sagte: Hier, Ich gebe euch alles Kraut, das Samen trägt, auf der Fläche der ganzen Erde, und alle Bäume, an denen Baumfrucht die Samen trägt; für euch soll es zum Essen sein.
(29—30) für euch soll es zum Essen sein, Und allen Tieren des Landes
Die Torah hat ihnen die zahmen und die wilden Tiere in der Ernährung gleichgestellt und dem Menschen und seiner Frau nicht erlaubt, ein Geschöpf zu töten, um sein Fleisch zu essen, sondern alle ohne Ausnahme sollten allerlei grüne Gräser essen. Erst als die Söhne Noachs kamen, erlaubte Er ihnen das Fleisch, so heißt es (Ber. 9:3) כָּל רֶמֶשׂ אֲשֶׁר הוּא חַי לָכֶם יִהְיֶה לְאָכְלָה כְּיֶרֶק עֵשֶׂב נָתַתִּי לָכֶם אֶת כֹּל „alles, was sich regt, was da lebt: gleich den grünen Gräsern“, die Ich dem ersten Menschen erlaubt habe, „gebe Ich euch alles“.
Raschi
וּֽלְכָל־חַיַּ֣ת הָ֠אָרֶץ וּלְכָל־ע֨וֹף הַשָּׁמַ֜יִם וּלְכֹ֣ל ׀ רוֹמֵ֣שׂ עַל־הָאָ֗רֶץ אֲשֶׁר־בּוֹ֙ נֶ֣פֶשׁ חַיָּ֔ה אֶת־כָּל־יֶ֥רֶק עֵ֖שֶׂב לְאָכְלָ֑ה וַֽיְהִי־כֵֽן׃
30
30
Und Ich gebe allen Tieren des Landes und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde bewegt, worin eine Lebensseele ist — alles grüne Kraut zum Essen; und so wurde es.
וַיַּ֤רְא אֱלֹהִים֙ אֶת־כָּל־אֲשֶׁ֣ר עָשָׂ֔ה וְהִנֵּה־ט֖וֹב מְאֹ֑ד וַֽיְהִי־עֶ֥רֶב וַֽיְהִי־בֹ֖קֶר י֥וֹם הַשִּׁשִּֽׁי׃ (פ)
31
31
Und G‑tt sah alles, was Er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen — der sechste Tag.
der sechste Tag
Der Vers hat zu dem Wort שִּׁשִּׁי bei der Vollendung der Schöpfung den Buchstaben ה dazugegeben (יוֹם הַשִּׁשִּׁי), um zu sagen: Er machte für sie zur Bedingung, dass Israel die fünf Bücher der Torah auf sich nehme.
Noch eine Erklärung: יוֹם הַשִּׁשִּׁי, alles blieb in der Schwebe bis zum sechsten Tag, das ist der 6. Siwan, der zum Geben der Torah bestimmt war. (Andere Version: Als am 6. Siwan Israel die Torah annahm, wurde das ganze Schöpfungswerk befestigt und betrachtet, als ob jetzt die Welt erschaffen worden wäre. Das bedeutet יוֹם הַשִּׁשִּׁי „der sechste Tag“, weil jener Tag der 6. Siwan war.)
Raschi
וַיְכֻלּ֛וּ הַשָּׁמַ֥יִם וְהָאָ֖רֶץ וְכָל־צְבָאָֽם׃
1
1
So wurden vollendet Himmel und Erde mit allem, was dazugehört.
וַיְכַ֤ל אֱלֹהִים֙ בַּיּ֣וֹם הַשְּׁבִיעִ֔י מְלַאכְתּ֖וֹ אֲשֶׁ֣ר עָשָׂ֑ה וַיִּשְׁבֹּת֙ בַּיּ֣וֹם הַשְּׁבִיעִ֔י מִכָּל־מְלַאכְתּ֖וֹ אֲשֶׁ֥ר עָשָֽׂה׃
2
2
Und G‑tt hatte am siebten Tag Sein Werk vollendet, das Er gemacht hatte, und ruhte am siebten Tag von Seinem ganzen Werk, das Er gemacht hatte.
Und G‑tt hatte am siebten Tag Sein Werk vollendet
R. Schimon sagt: Die Menschen, die ihre Zeiten und Augenblicke nicht genau kennen, müssen von Unheiligen zum Heiligen hinzufügen. Der Ewige aber, weil Er Seine Zeiten und Augenblicke genau kennt, trat in den siebten Tag mit Haaresbreite [d.h. ohne Übergang] ein, dass es aussah, als hätte Er erst an ihm selbst vollendet.
Andere Erklärung: Was fehlte noch der Welt? Die Ruhe. Der Schabbat kam und mit ihm die Ruhe, da war das Werk zu Ende und vollendet.
Raschi
וַיְבָ֤רֶךְ אֱלֹהִים֙ אֶת־י֣וֹם הַשְּׁבִיעִ֔י וַיְקַדֵּ֖שׁ אֹת֑וֹ כִּ֣י ב֤וֹ שָׁבַת֙ מִכָּל־מְלַאכְתּ֔וֹ אֲשֶׁר־בָּרָ֥א אֱלֹהִ֖ים לַעֲשֽׂוֹת׃ (פ)
3
3
Und G‑tt segnete den siebten Tag und heiligte ihn. Denn an ihm ruhte G‑tt von allem Werk, das Er erschaffen und gemacht hatte.
segnete und heiligte
„G‑tt segnete“ den Schabbat durch das Man, denn alle Tage der Woche kam für sie ein Omer pro Person vom Himmel, und am sechsten Tag doppeltes Brot (לֶחֶם מִשְׁנֶה, zwei Omer pro Person). „G‑tt heiligte“ den Schabbat durch das Man, denn am Schabbat kam überhaupt kein Man herab. Der Vers bezieht sich auf die Zukunft.
Raschi
das Er erschaffen und gemacht hatte
אֲשֶׁר בָּרָא אֱלֹהִים לַעֲשׂוֹת „das Er erschaffen und gemacht hatte“: das Werk, das am Schabbat hätte erschaffen werden sollen, vollbrachte Er durch eine doppelte Schöpfung schon am sechsten, wie in Bereschit Rabba (11:9) erklärt wird.
Raschi