וְעֵינֵ֤י יִשְׂרָאֵל֙ כָּבְד֣וּ מִזֹּ֔קֶן לֹ֥א יוּכַ֖ל לִרְא֑וֹת וַיַּגֵּ֤שׁ אֹתָם֙ אֵלָ֔יו וַיִּשַּׁ֥ק לָהֶ֖ם וַיְחַבֵּ֥ק לָהֶֽם׃
10
10
Die Augen Israels waren schwer von Alter, er konnte nicht sehen — und Josef führte seine Söhne ihm näher und Jaakow küsste sie, und umarmte sie.
Die Augen Israels waren schwer von Alter
Seit den Tagen der Vorväter waren sie nie ohne eine Jeschiwa gewesen; Jaakow war alt und saß in der Jeschiwa, wie es heißt וְעֵינֵי יִשְׂרָאֵל כָּבְדוּ מִזֹּקֶן „die Augen Israels waren schwer von Alter“.
Joma 28b
Israels Augen waren schwer aufgrund seines intensiven Torahlernens, und זֹּקֶן ist hier nicht im Sinn von „das biologische Alter“ zu verstehen, sondern als „weise und gelehrt“, das Wort זָקֵן als Zusammenziehung der Worte זֶה קָּנָה חָכְמָה „dieser hat Weisheit erworben“. Haben wir doch gelernt (Bawa Batra 17a): Der Ewige ließ Jaakow von der Künftigen Welt kosten und nichts Gutes fehlte ihm. Eingeschränkte Sicht wegen des Alters ist aber ein Schmerz und eine Last. Deshalb erklärt die Gemara, dass die schweren Augen nicht vom Alter, sondern vom intensiven Lernen herrührten.
Torah Temima
וַיֹּ֤אמֶר יִשְׂרָאֵל֙ אֶל־יוֹסֵ֔ף רְאֹ֥ה פָנֶ֖יךָ לֹ֣א פִלָּ֑לְתִּי וְהִנֵּ֨ה הֶרְאָ֥ה אֹתִ֛י אֱלֹהִ֖ים גַּ֥ם אֶת־זַרְעֶֽךָ׃
11
11
Und Israel sagte zu Josef: Dein Gesicht wiederzusehen hatte ich nicht mehr gehofft, und siehe, G‑tt lässt mich auch deine Nachkommen sehen.
hatte ich nicht gehofft
לֹא פִלָּלְתִּי – לָא סַבַּרִית „hatte ich nicht gehofft“.
Targum Onkelos
hatte ich nicht gehofft
Mein Herz gab mir nicht den Mut, den Gedanken zu hegen, dein Gesicht noch einmal zu sehen; פִלָּלְתִּי bedeutet Gedanken, wie (Jesch. 16:3) הָבִיאִי עֵצָה עֲשׂוּ פְלִילָה „Gib einen Rat, schaffe einen Plan“.
Raschi
וַיּוֹצֵ֥א יוֹסֵ֛ף אֹתָ֖ם מֵעִ֣ם בִּרְכָּ֑יו וַיִּשְׁתַּ֥חוּ לְאַפָּ֖יו אָֽרְצָה׃
12
12
Und Josef nahm sie von seinen Knien und bückte sich auf sein Gesicht zur Erde nieder.
Und Josef nahm sie
Nachdem er seine Söhne geküsst hatte, führte sie Josef von seinen Knien weg, um sie aufzustellen, den einen rechts und den anderen links, damit Jaakow seine Hände auf sie lege und sie segne.
Raschi
bückte sich auf sein Gesicht: als er von seinem Vater rückwärts zurücktrat.
Raschi
וַיִּקַּ֣ח יוֹסֵף֮ אֶת־שְׁנֵיהֶם֒ אֶת־אֶפְרַ֤יִם בִּֽימִינוֹ֙ מִשְּׂמֹ֣אל יִשְׂרָאֵ֔ל וְאֶת־מְנַשֶּׁ֥ה בִשְׂמֹאל֖וֹ מִימִ֣ין יִשְׂרָאֵ֑ל וַיַּגֵּ֖שׁ אֵלָֽיו׃
13
13
Und Josef nahm beide, Efraim in seiner Rechten, zu der Linken Israels, und Menasche in seiner Linken, zu der Rechten Israels, und führte sie näher zu ihm.
Efraim in seiner Rechten, zu der Linken Israels
Wenn jemand einer Person entgegengeht, ist seine rechte Seite der linken Seite seines Nächsten gegenüber; und da Menasche der Erstgeborene war, sollte er für den Segen bereit zur Rechten stehen.
Raschi
וַיִּשְׁלַח֩ יִשְׂרָאֵ֨ל אֶת־יְמִינ֜וֹ וַיָּ֨שֶׁת עַל־רֹ֤אשׁ אֶפְרַ֙יִם֙ וְה֣וּא הַצָּעִ֔יר וְאֶת־שְׂמֹאל֖וֹ עַל־רֹ֣אשׁ מְנַשֶּׁ֑ה שִׂכֵּל֙ אֶת־יָדָ֔יו כִּ֥י מְנַשֶּׁ֖ה הַבְּכֽוֹר׃
14
14
Israel streckte seine Rechte aus und legte sie auf Efraims Kopf − der war der jüngere −, und seine Linke auf Menasches Kopf, indem er seine Hände kreuzte, denn er verstand, dass Menasche der Erstgeborene war.
indem er seine Hände kreuzte
Das Wort שִׂכֵּל übersetzt Targum Onkelos als אַחְכֵּימִנּוּן „[er legte seine Hände] mit Weisheit“, mit Überlegung und Weisheit lenkte er seine Hände und mit Wissen. Denn er wusste, dass Menasche der Erstgeborene war; dennoch legte er seine Rechte nicht auf ihn.
Raschi
Menasche war der Erstgeborene
כִּי מְנַשֶּׁה הַבְּכוֹר „denn Menasche war der Erstgeborene“: das ist eine Begründung; Josef hatte Menasche gewiss zu seiner eigenen Rechten gestellt, „denn Menasche war der Erstgeborene“. Und deshalb „kreuzte Jaakow seine Hände“.
Raschbam
Das Wort כִּי hat hier die Bedeutung אִם כִּי „obwohl“: obwohl Menasche der Erstgeborene war, legte Jaakow seine Linke auf ihn.
Saadia Gaon, Ibn Esra
Jaakow kreuzte seine Hände, כִּי מְנַשֶּׁה הַבְּכוֹר „denn Menasche war der Erstgeborene“ und stand zur Rechten seines Vaters, und er wollte ihre Position nicht ändern, um Menasche als Erstgeborenen weiterhin gebührend zu ehren.
Chiskuni, Rosch
וַיְבָ֥רֶךְ אֶת־יוֹסֵ֖ף וַיֹּאמַ֑ר הָֽאֱלֹהִ֡ים אֲשֶׁר֩ הִתְהַלְּכ֨וּ אֲבֹתַ֤י לְפָנָיו֙ אַבְרָהָ֣ם וְיִצְחָ֔ק הָֽאֱלֹהִים֙ הָרֹעֶ֣ה אֹתִ֔י מֵעוֹדִ֖י עַד־הַיּ֥וֹם הַזֶּֽה׃
15
15
Jaakow segnete Josef und sagte: G‑tt, vor dem meine Väter Awraham und Jizchak gingen, G‑tt, der mein Hirte war von meinem Dasein bis auf diesen Tag.
vor dem meine Väter Awraham und Jizchak gingen
הִתְהַלְּכוּ לְפָנָיו – דִּפְלַחוּ קֳדָמוֹהִי, vor dem sie dienten.
Targum Onkelos
הִתְהַלְּכוּ לְפָנָיו „vor dem sie gingen“: dieser Ausdruck zeigt darauf, dass sie G‑tt im Herzen und in ihren Taten dienten.
Radak
הִתְהַלְּכוּ לְפָנָיו „vor dem sie gingen“: damit wird צִיּוּת „den Anweisungen gehorchen“, zum Ausdruck gebracht.
R. Schmuel bar Chofni
הִתְהַלְּכוּ לְפָנָיו „vor dem sie gingen“: bei denen, die vor dem Geben der Mizwot in den Wegen G‑ttes gingen, wird der Ausdruck הֲלִיכָה לְפָנָיו „Gehen vor Ihm“ angewandt.
Ramban zu Bereschit 17:1
der mein Hirte war
הָאֱלֹהִים אֲשֶׁר הִתְהַלְּכוּ אֲבֹתַי לְפָנָיו „G‑tt, vor dem meine Väter Awraham und Jizchak gingen“: Obgleich auch Jaakow G‑tt diente, nennt er zunächst das Verdienst der Väter; sich selbst erwähnt er in Demut mit den folgenden Worten הָרֹעֶה אֹתִי מֵעוֹדִי „und mir war G‑tt Hirte von meinem Dasein“.
Radak
הָרֹעֶה אֹתִי „der mein Hirte war“: Jaakow eröffnete seinen Segen mit dem Verdienst der Väter, und erwähnte sich selbst nur in Bescheidenheit: wie ein Schaf vor seinem Hirten, so war ich vor dem Ewigen, dessen Wille ich erfüllte.
Or haChaim
הָרֹעֶה אֹתִי – דְּזָן יָתִי „der mein Hirte war“: der mich erhielt und versorgte.
Targum Onkelos
הָרֹעֶה אֹתִי – מִלְּשׁוׄן רֵעַ, רֵעוּת „der mein Hirte war“: der mir in Zuneigung und Frieden geneigt war.
Ramban
von meinem Dasein
מֵעוֹדִי – מִדְּאִיתַנִי, seit dem Einsetzen meiner Existenz, seitdem ich erschaffen bin.
Targum Onkelos
הַמַּלְאָךְ֩ הַגֹּאֵ֨ל אֹתִ֜י מִכָּל־רָ֗ע יְבָרֵךְ֮ אֶת־הַנְּעָרִים֒ וְיִקָּרֵ֤א בָהֶם֙ שְׁמִ֔י וְשֵׁ֥ם אֲבֹתַ֖י אַבְרָהָ֣ם וְיִצְחָ֑ק וְיִדְגּ֥וּ לָרֹ֖ב בְּקֶ֥רֶב הָאָֽרֶץ׃
16
16
Der Engel, der mich erlöst hat aus allem Übel, segne die Jungen, und genannt werde an ihnen mein Name und der Name meiner Väter Awraham und Jizchak, und mehren sollen sie sich zur Menge im Land.
Der Engel, der mich erlöst hat
Der Engel, der gewohnt war, in meiner Not zu mir geschickt zu werden, wie an der Stelle, wo es heißt (Ber. 31:11, 13) וַיֹּאמֶר אֵלַי מַלְאַךְ הָאֱלֹהִים בַּחֲלֹם יַעֲקֹב גו׳ אָנֹכִי הָאֵל בֵּית אֵל „da sprach zu mir der Engel G‑ttes im Traum, Jaakow … ich bin der G‑tt von Bet El“.
Raschi
Der Engel
הַמַּלְאָךְ – שָׁלִיחַ, ein Bote G‑ttes. [Radak]
הַמַּלְאָךְ – מַאֲמַר ה׳, das Wort G‑ttes, denn das „Wort G‑ttes“ wird מַלְאָךְ genannt.
Or haChaim
Der Engel, der mich erlöst hat, segne die Jungen
Der Ewige, der den Engel ausschickt, Er segne die Jungen mit demselben Schutz, mit dem Er mir den Engel zum Schutz schickte.
Rabbi Awraham, Sohn des Rambam; R. Schmuel bar Chofni
Damit sind die Verse 15–16 gemeinsam zu lesen: הָאֱלֹהִים הָרֹעֶה אֹתִי עַד הַיּוֹם הַזֶּה „G‑tt, der mein Hirte war bis auf diesen Tag“, הַמַּלְאָךְ הַגֹּאֵל אֹתִי מִכָּל רָע „indem Er mir einen Engel schickte, um mich aus allem Übel zu erlösen, יְבָרֵךְ אֶת הַנְּעָרִים „G‑tt segne die Jungen …“.
Tur haAroch
segne die Jungen: Menasche und Efraim.
Raschi
mehren sollen sie sich
Im Wort וְיִדְגּוּ „mehren“ ist enthalten: dass sie sich wie die Fische (דָּגִים) vermehren, die fruchtbar sind und sich vermehren, ohne dass der böse Blick (עַיִן הָרָע) Macht über sie hat.
Raschi