Der tägliche Chumasch-Abschnitt

5. Ijar 5786

Mittwoch, 22. April 2026

Heute

Achare – Kedoschim

4. Alija

(Wajikra 18:22 – 19:14)

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וְאֶ֨ת־זָכָ֔ר לֹ֥א תִשְׁכַּ֖ב מִשְׁכְּבֵ֣י אִשָּׁ֑ה תּוֹעֵבָ֖ה הִֽוא׃
22
22
Bei einem Mann darfst du nicht liegen, wie man bei einer Frau liegt, das ist ein Gräuel.
וּבְכָל־בְּהֵמָ֛ה לֹא־תִתֵּ֥ן שְׁכָבְתְּךָ֖ לְטָמְאָה־בָ֑הּ וְאִשָּׁ֗ה לֹֽא־תַעֲמֹ֞ד לִפְנֵ֧י בְהֵמָ֛ה לְרִבְעָ֖הּ תֶּ֥בֶל הֽוּא׃
23
23
Zu einem Tier darfst du dich nicht hinlegen und dich dadurch verunreinigen, und eine Frau darf nicht vor ein Tier treten und sich mit ihm paaren, das ist eine schändliche Vermischung.
schändliche Vermischung
תֶּבֶל ist ein Ausdruck für Unsittlichkeit, Blöße und Ehebruch, wie im Vers (Jesch. 10:25) וְאַפִּי עַל תַּבְלִיתָם „und Mein Zorn wegen ihrer Entartung“.
Andere Erklärung: das Wort תֶּבֶל bedeutet „Vermischung“, Vermischung von menschlichem mit tierischem Samen.
Raschi
Vermischung: בִּלְבּוּל וְעִרְבּוּב, Vermischung, so wie (Schem. 29:40) בָּלוּל בְּשֶׁמֶן „mit Öl gemengt“, und der zusätzliche Buchstabe ת (Taw) im Wort תֶּבֶל ist eine stilistische Feinheit.
Beer Maim Chaim
אַל־תִּֽטַּמְּא֖וּ בְּכָל־אֵ֑לֶּה כִּ֤י בְכָל־אֵ֙לֶּה֙ נִטְמְא֣וּ הַגּוֹיִ֔ם אֲשֶׁר־אֲנִ֥י מְשַׁלֵּ֖חַ מִפְּנֵיכֶֽם׃
24
24
Verunreinigt euch nicht durch all diese Taten! Denn wegen aller dieser Taten haben sich die Völker verunreinigt, die Ich vor euch vertreibe.
וַתִּטְמָ֣א הָאָ֔רֶץ וָאֶפְקֹ֥ד עֲוֺנָ֖הּ עָלֶ֑יהָ וַתָּקִ֥א הָאָ֖רֶץ אֶת־יֹשְׁבֶֽיהָ׃
25
25
Und das Land wurde unrein, und Ich forderte seine Schuld an ihm, und das Land spuckte seine Bewohner aus.
Ich forderte seine Schuld an ihm
וָאֶפְקֹד עֲוֺנָהּ, das Wort פְּקִידָה hat die Bedeutung „Schuld fordern“. [Saadia Gaon, R. Jona ibn Dschanach, שורש פקד]
Die Wendung לִפְקוֹד עַל hat die Bedeutung „Strafe“, „Vergeltung“. [Ramban zu Schemot 20:5]

וָאֶפְקֹד עֲוֺנָהּ, das Wort פְּקִידָה hat die Bedeutung „Gedenken“, wie im Vers (Ber. 21:1) וַה׳ פָּקַד אֶת שָׂרָה „Und G‑tt gedachte Sara“.
Ibn Esra zu Schemot 20:5
וּשְׁמַרְתֶּ֣ם אַתֶּ֗ם אֶת־חֻקֹּתַי֙ וְאֶת־מִשְׁפָּטַ֔י וְלֹ֣א תַעֲשׂ֔וּ מִכֹּ֥ל הַתּוֹעֵבֹ֖ת הָאֵ֑לֶּה הָֽאֶזְרָ֔ח וְהַגֵּ֖ר הַגָּ֥ר בְּתוֹכְכֶֽם׃
26
26
Daher beachtet ihr Meine Anordnungen und Meine Rechtsvorschriften und tut nicht von all diesen Gräueln, der Einheimische wie der Fremde, der sich unter euch aufhält.
Meine Anordnungen: ihr sollt nicht zu nahe kommen und die Blöße aufdecken (גִּילּוּי עֲרָיוֹת), das heißt, ihr sollt keine verbotenen Beziehungen haben. Meine Rechtsvorschriften: ihr sollt die diesbezüglichen Sünder bestrafen. [Seforno, Ibn Esra]
der Fremde: das ist der Ger Toschaw; auch für ihn gelten diese Verbote, weil er im Land Israel lebt.
Ibn Esra
כִּ֚י אֶת־כָּל־הַתּוֹעֵבֹ֣ת הָאֵ֔ל עָשׂ֥וּ אַנְשֵֽׁי־הָאָ֖רֶץ אֲשֶׁ֣ר לִפְנֵיכֶ֑ם וַתִּטְמָ֖א הָאָֽרֶץ׃
27
27
Denn all diese Gräuel taten die Menschen des Landes, die vor euch da waren, und das Land wurde verunreinigt.
Denn all diese Gräuel
Im vorigen Vers steht schon „und tut nicht von all diesen Gräueln“. Die Wiederholung lehrt: Weil diese Völker sich nicht bei verbotenen Beziehungen (גִּילּוּי עֲרָיוֹת) zügelten, und die Sünder in diesem Bereich nicht straften, „taten sie schließlich all diese Gräuel“, deshalb sollt ihr besonders achtgeben.
Seforno
וְלֹֽא־תָקִ֤יא הָאָ֙רֶץ֙ אֶתְכֶ֔ם בְּטַֽמַּאֲכֶ֖ם אֹתָ֑הּ כַּאֲשֶׁ֥ר קָאָ֛ה אֶת־הַגּ֖וֹי אֲשֶׁ֥ר לִפְנֵיכֶֽם׃
28
28
Damit das Land euch nicht ausspuckt, wenn ihr es verunreinigt, so wie es ausgespuckt hat das Volk, das vor euch war.
Damit das Land euch nicht ausspuckt
Wie ein Königssohn, dem man etwas Widerliches zu essen gegeben hat, es bleibt nicht in seinem Inneren, sondern er spuckt es aus. So behält das Land Israel nicht die Sünder.
Die Übersetzung im Targum Onkelos וְלָא תְרוֹקֵין kommt vom Wort רִיקוּן – מְרִיקָה עַצְמָהּ מֵהֶם, das Land reinigt sich von ihnen.
Raschi
כִּ֚י כָּל־אֲשֶׁ֣ר יַעֲשֶׂ֔ה מִכֹּ֥ל הַתּוֹעֵב֖וֹת הָאֵ֑לֶּה וְנִכְרְת֛וּ הַנְּפָשׁ֥וֹת הָעֹשֹׂ֖ת מִקֶּ֥רֶב עַמָּֽם׃
29
29
Denn wer etwas tut von all diesen Gräueln, ausgerottet werden sollen die Personen, die es tun, aus der Mitte ihres Volkes.
die Personen, die es tun
[Der Vers beginnt in der Einzahl כׇּל אֲשֶׁר יַעֲשֶׂה „wer etwas tut“ und wechselt dann in die Mehrzahl וְנִכְרְתוּ הַנְּפָשׁוֹת הָעֹשֹׂת „ausgerottet werden sollen die Personen“.]
[Der Wechsel von der Einzahl zur Mehrzahl lehrt, dass] darunter sowohl Mann als auch Frau zu verstehen sind (Bawa Kama 32a).
Raschi
וּשְׁמַרְתֶּ֣ם אֶת־מִשְׁמַרְתִּ֗י לְבִלְתִּ֨י עֲשׂ֜וֹת מֵחֻקּ֤וֹת הַתּֽוֹעֵבֹת֙ אֲשֶׁ֣ר נַעֲשׂ֣וּ לִפְנֵיכֶ֔ם וְלֹ֥א תִֽטַּמְּא֖וּ בָּהֶ֑ם אֲנִ֖י יְהוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃ (פ)
30
30
Beachtet Meine Vorschriften, nicht zu tun von den gräuelhaften Gesetzen, die vor euch getan wurden, damit ihr euch nicht durch sie verunreinigt. Ich bin der Ewige, euer G‑tt.
Beachtet Meine Vorschriften
Das ist eine Ermahnung für den Gerichtshof (בֵּית דִּין), dass er über die Einhaltung von G‑ttes Gesetzen wachen muss.
Raschi
damit ihr euch nicht durch sie verunreinigt. Ich bin der Ewige, euer G‑tt.
Wenn ihr euch aber mit diesen Sünden verunreinigt, bin Ich nicht euer G‑tt. Wenn ihr euch nicht daran haltet, welchen Nutzen hätte Ich von euch; und ihr hättet den Untergang verdient; darum steht „Ich bin der Ewige, euer G‑tt“.
Raschi
וַיְדַבֵּ֥ר יְהוָ֖ה אֶל־מֹשֶׁ֥ה לֵּאמֹֽר
1
1
Der Ewige sagte zu Mosche, wie folgt:
דַּבֵּ֞ר אֶל־כָּל־עֲדַ֧ת בְּנֵי־יִשְׂרָאֵ֛ל וְאָמַרְתָּ֥ אֲלֵהֶ֖ם קְדֹשִׁ֣ים תִּהְי֑וּ כִּ֣י קָד֔וֹשׁ אֲנִ֖י יְהוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
2
2
Sprich zur ganzen Gemeinde der Kinder Israel und sage ihnen: Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin Ich der Ewige, euer G‑tt.
Rede zur ganzen Gemeinde der Kinder Israel
Das lehrt, dass dieser Abschnitt in einer Versammlung des Volkes mitgeteilt wurde, weil die meisten grundlegenden Gesetze der Torah (רֹב גּוּפֵי תּוֹרָה) von ihm abhängig sind.
Raschi
die meisten grundlegenden Gesetze der Torah: Der folgende Abschnitt enthält weit mehr grundlegende Gesetze als andere Abschnitte der Torah.
Heilig sollt ihr sein
Haltet euch von sittlicher Entartung und der Sünde fern. Überall, wo du ein Verbot der Unzucht (עֶרְוָה) findest, da findest du auch ein Gebot der Heiligkeit. [So etwa im Vers Waj. 21:7] אִשָּׁה זוֹנָה וַחֲלָלָה וגו׳ „eine Hure und eine Entweihte …“ [und im Vers darauf folgt] אֲנִי ה׳ מְקַדִּשְׁכֶם „Ich bin der Ewige, der euch heiligt“. [Ebenso in Waj. 21:15 über den Kohen Gadol] וְלֹא יְחַלֵּל זַרְעוֹ וגו׳„er entweihe seine Nachkommen nicht …“ [und der Vers endet mit] אֲנִי ה׳ מְקַדְּשׁוֹ „Ich, der Ewige, heilige ihn“. [Als dritter Beleg aus Waj. 21:6] קְדֹשִׁים יִהְיוּ וגו׳ „Heilig seien sie … [und im Vers darauf] אִשָּׁה זוֹנָה וַחֲלָלָה „eine Hure und eine Entweihte“.
Raschi
Die Verse belegen: Wenn die Kohanim von verbotenen Beziehungen Abstand nehmen, werden sie als „heilig“ bezeichnet. Allerdings scheint Raschis Anordnung schwer begreiflich, da er im dritten Beispiel die Verse 21:6–7 anführt, nachdem er Vers 7 bereits im ersten Beispiel nannte. Überdies zieht er im zweiten Beispiel den späteren Vers 15 heran. In einigen Raschi-Ausgaben ist der dritte Vers nicht enthalten.
Heilig sollt ihr sein
Folgt ein Mensch lediglich seinen Instinkten, so ist er ein bloßes vernunftbegabtes Tier. Der Begriff „Seele“ im Menschen bezeichnet das Vermögen, Entschlüsse zu fassen, die nicht durch biologische Notwendigkeit bedingt sind. Erst im Augenblick, da er sich gegen seine Natur und zugunsten eines Sittengesetzes entscheidet, das nicht in dieser Natur begründet liegt, wird er zum „Menschen“.
Ibn Esra zu Kohelet 3:21–22
Heilig sollt ihr sein
Die Torah verbietet gewisse Intimverbindungen sowie den Genuss unreiner Tiere. Dem gegenüber erlaubt die Torah die Ehe sowie reine Tiere. Nun darf der Mensch nicht fälschlich denken, er dürfe im Rahmen des halachisch Erlaubten jede Mäßigung vermissen lassen und allein seine Begierden ausleben bei Eheverkehr und dem zügellosen Genuss bei Essen und Trinken. Damit wäre er ein נָבָל בִרְשׁוּת הַתּוֹרָה, jemand, der „mit der Erlaubnis der Torah“ auf widerwärtige Weise handelt.
Ramban
אִ֣ישׁ אִמּ֤וֹ וְאָבִיו֙ תִּירָ֔אוּ וְאֶת־שַׁבְּתֹתַ֖י תִּשְׁמֹ֑רוּ אֲנִ֖י יְהוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
3
3
Jeder soll Ehrfurcht vor seiner Mutter und seinem Vater haben und Meine Schabbattage beachten. Ich bin der Ewige, euer G‑tt.
Jeder soll Ehrfurcht vor seiner Mutter und seinem Vater haben
אִישׁ אִמּוֹ וְאָבִיו תִּירָאוּ, Jeder von euch habe Ehrfurcht vor seinem Vater und seiner Mutter. Das ist die einfache Bedeutung.
Die Auslegung des Verses sagt, ich hätte nur den „Mann“ (אִישׁ) gewusst, woher weiß ich auch die Frau? Weil der Vers sagt תִּירָאוּ „habt Ehrfurcht“, das sind beide. Warum steht also אִישׁ „Mann“? Weil der Mann die Macht hat, es zu tun, über die Frau aber herrscht ein anderer (Kiduschin 30b).
Raschi
Ehrfurcht vor seiner Mutter und seinem Vater: hier nennt der Vers die Mutter vor dem Vater, weil es offenbar vor Ihm ist, dass der Sohn den Vater mehr als die Mutter fürchtet. Und bei der Ehrung (Schem. 20:11, כַּבֵּד אֶת אָבִיךָ וְאֶת אִמֶּךָ „Ehre Vater und Mutter“) nennt der Vers den Vater vor der Mutter, weil es offenbar vor Ihm ist, dass der Sohn die Mutter mehr als den Vater ehrt, weil sie ihn mit Worten besänftigt (Kiduschin 31a).
Raschi
Meine Schabbattage sollt ihr beachten
Der Vers verbindet den Schabbat mit der Ehrfurcht vor dem Vater, um zu sagen: Ich habe dir befohlen, Ehrfurcht vor dem Vater zu haben; sollte dieser aber zu dir sagen „Entweihe den Schabbat“, dann darfst du nicht auf ihn hören; und ebenso bei allen anderen Geboten (Bawa Mezia 32a).
Raschi
Ich bin der Ewige, euer G‑tt: du und dein Vater, ihr seid beide verpflichtet, Mich zu ehren. Darum höre nicht auf ihn, Meine Worte zu übertreten.
Womit zeigt man Ehrfurcht? Man setze sich nicht auf den Platz des Vaters, spreche nicht an seiner Stelle und widerspreche seinen Worten nicht. Womit zeigt man Ehre? Man gebe ihm zu essen und zu trinken, bekleide ihn und ziehe ihm Schuhe an, geleite ihn nach Hause und hinaus.
Raschi
Allgemein zeigt sich die Pflicht der Elternehrung in der Tat, durch tätige Beweise der Hochachtung. Die Ehrfurcht vor ihnen ist eine innere Einstellung, auf dass der Mensch sie in solcher Ehrfurcht halte, dass er jedes Handeln meidet, das ihre Würde schmälern könnte.
Aruch haSchulchan 240:8
אַל־תִּפְנוּ֙ אֶל־הָ֣אֱלִילִ֔ים וֵֽאלֹהֵי֙ מַסֵּכָ֔ה לֹ֥א תַעֲשׂ֖וּ לָכֶ֑ם אֲנִ֖י יְהוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
4
4
Wendet euch nicht zu den Götzen, und gegossene Götter sollt ihr euch nicht machen. Ich bin der Ewige, euer G‑tt.
Wendet euch nicht zu den Götzen
Götzen: falsche Götter, עֲבוֹדָה זָרָה. Wendet euch nicht zu den Götzen, ihnen zu dienen. Das Wort אֱלִילִים „Götzen“ von אַל „nichts“, so wie Nichts.
Raschi
und gegossene Götter: erst sind sie nichtig. Wenn du dich ihnen aber zuwendest, wirst du schließlich Götter aus ihnen machen.
Raschi
sollt ihr euch nicht machen: macht nicht für andere, und andere dürfen es nicht für euch. Wenn du aber sagen solltest, macht nicht für euch, aber andere dürfen für euch machen; darum steht bereits (Schem. 20:3) לֹא יִהְיֶה לְּךָ „sollst du nicht haben“, weder von dir noch von anderen.
Raschi
Halacha: Es ist untersagt, einen Götzen und seinen Schmuck zu betrachten, weil es heißt: „Wendet euch nicht zu den Götzen“.
Von einem Haus des Götzendienstes und umso mehr von den Götzen selbst ist beim Vorbeigehen ein Abstand von mindestens vier Amot [ca. 2 Meter] zu halten.

Dringt jemandem vor einem Götzen ein Dorn in den Fuß oder fällt ihm Geld zu Boden, darf er sich dort nicht bücken, um den Dorn zu entfernen oder das Geld aufzuheben, weil es so aussieht, als bücke er sich vor dem Götzen. Das ist sogar dann untersagt, wenn niemand zusieht. Stattdessen soll er sich ganz niedersetzen oder dem Götzen den Rücken oder die Seite zuwenden, um den Gegenstand aufzunehmen.
Kizzur Schulchan Aruch §167:5–6
וְכִ֧י תִזְבְּח֛וּ זֶ֥בַח שְׁלָמִ֖ים לַיהוָ֑ה לִֽרְצֹנְכֶ֖ם תִּזְבָּחֻֽהוּ׃
5
5
Und wenn ihr ein Friedensopfer (Schlamim) dem Ewigen schlachtet, dass es euch wohlgefällig aufgenommen werde, sollt ihr es schlachten.
Und wenn ihr schlachtet
Dieser Abschnitt steht nur deshalb, um zu lehren, dass die Darbringung nur unter dieser Bedingung stattfinden darf, dass das Fleisch innerhalb dieser Zeit gegessen werden soll. Denn um die Zeit des Essens dafür zu bestimmen, steht bereits (Waj. 6:16) וְאִם נֶדֶר אוֹ נְדָבָה זֶבַח קָרְבָּנוֹ „wenn ein Gelübde oder eine freiwillige Gabe sein Opfer ist“.
Raschi
dass es euch wohlgefällig aufgenommen werde, sollt ihr es schlachten: schon der Beginn der Darbringung sei zum Zweck des Wohlgefallens, es möge euch zum Wohlgefallen angerechnet werden. Wenn ihr aber eine Absicht der Untauglichkeit (מַחֲשֶׁבֶת פְּסוּל) damit verbindet, wird es euch vor Mir nicht wohlgefällig aufgenommen.
Raschi
wohlgefällig
לִרְצֹנְכֶם „euch wohlgefällig“, auf Französisch apeiement „Besänftigung“. Das ist die einfache Erklärung.
Unsere Lehrer entnehmen von hier, dass wenn jemand ohne Absicht eine Opferung bringt, es untauglich ist. Er muss die Absicht haben, es zu schlachten (Chullin 13a).
Raschi
בְּי֧וֹם זִבְחֲכֶ֛ם יֵאָכֵ֖ל וּמִֽמָּחֳרָ֑ת וְהַנּוֹתָר֙ עַד־י֣וֹם הַשְּׁלִישִׁ֔י בָּאֵ֖שׁ יִשָּׂרֵֽף׃
6
6
Am Tag eures Schlachtens soll es gegessen werden und auch am nächsten Tag; was übrig bleibt bis auf den dritten Tag, soll im Feuer verbrannt werden.
Am Tag eures Opferns soll es gegessen werden: wenn ihr es darbringt, schlachtet es, um es in dieser Zeit zu essen, die Ich euch dafür bereits bestimmt habe.
Raschi
וְאִ֛ם הֵאָכֹ֥ל יֵאָכֵ֖ל בַּיּ֣וֹם הַשְּׁלִישִׁ֑י פִּגּ֥וּל ה֖וּא לֹ֥א יֵרָצֶֽה׃
7
7
Wenn es gegessen werden sollte am dritten Tag, so ist es verwerflich; es wird nicht wohlgefällig aufgenommen werden.
Wenn es gegessen werden sollte
Wenn der Vers nicht für „außerhalb der rechten Zeit“ angewendet zu werden braucht, weil bereits steht (Waj. 7:18) וְאִם הֵאָכֹל יֵאָכֵל מִבְּשַׂר זֶבַח שְׁלָמָיו „wenn vom Fleisch des Friedensopfers gegessen werden sollte“, dann wende den Vers für „außerhalb des rechten Ortes“ an. Ich hätte nun meinen können, dass man auch hier für den Genuss der Strafe Karet schuldig sei, darum steht (Waj. 7:18) וְהַנֶּפֶשׁ הָאֹכֶלֶת מִמֶּנּוּ
עֲוֹנָהּ תִּשָּׂא „die Person, die davon isst, trägt ihre Schuld“, davon und nicht vom anderen. Damit ist ausgeschlossen, was mit der Absicht von „außerhalb des rechten Ortes“ geschächtet worden ist.
Raschi
verwerflich
פִּגּוּל „verwerflich“: verabscheut, wie (Jesch. 65:4) וּמְרַק פִּגּוּלִים
כְּלֵיהֶם „widerliche Brühe ist in ihren Gefäßen“.
Raschi
וְאֹֽכְלָיו֙ עֲוֺנ֣וֹ יִשָּׂ֔א כִּֽי־אֶת־קֹ֥דֶשׁ יְהוָ֖ה חִלֵּ֑ל וְנִכְרְתָ֛ה הַנֶּ֥פֶשׁ הַהִ֖וא מֵעַמֶּֽיהָ׃
8
8
Und wer es isst, soll seine Schuld tragen, denn das Heilige des Ewigen hat er entweiht; diese Person werde ausgerottet aus ihrem Volk.
Und wer es isst, soll seine Schuld tragen: der Vers spricht von wirklich Übriggebliebenem (נוֹתָר גָּמוּר). Man wird aber nicht mit Karet bestraft für das mit der Absicht von außerhalb des richtigen Ortes Geschächtete; denn das hat der Vers bereits ausgeschlossen. Hier spricht er aber von wirklich Übriggeliebenem. In der Gemara Keritot (5a) lernen die Weisen es aus einer גְּזֵרָה שָׁוָה (Gesera schawa) heraus.
Raschi
Der vorliegende Vers verwendet das Wort קֹדֶשׁ, und so auch der Vers Schem. 29:34, der von Übriggebliebenem (נוֹתָר) spricht: וְאִם יִוָּתֵר מִבְּשַׂר הַמִּלֻּאִים וּמִן הַלֶּחֶם עַד הַבֹּקֶר וְשָׂרַפְתָּ אֶת הַנּוֹתָר בָּאֵשׁ לֹא יֵאָכֵל כִּי קֹדֶשׁ הוּא „Und wenn vom Fleisch der Einsetzung oder vom Brot übrig bleibt bis zum Morgen, dann verbrenne das Übriggebliebene im Feuer; es werde nicht gegessen, denn heilig ist es.“
entweihen: die Heiligkeit einer Sache verletzen, zerstören.
וּֽבְקֻצְרְכֶם֙ אֶת־קְצִ֣יר אַרְצְכֶ֔ם לֹ֧א תְכַלֶּ֛ה פְּאַ֥ת שָׂדְךָ֖ לִקְצֹ֑ר וְלֶ֥קֶט קְצִֽירְךָ֖ לֹ֥א תְלַקֵּֽט׃
9
9
Und wenn ihr erntet die Ernte eures Landes, sollst du die Ecke deines Feldes nicht ganz abernten, und die Nachlese deiner Ernte sollst du nicht aufsammeln.
die Ecke deines Feldes: die Ecke „deines Feldes“ und nicht die Ecke „deiner Felder“ – daraus lernen wir, dass man Pea für jedes einzelne Feld übriglassen muss, und man nicht mehrere Felder zu einer Einheit zusammenfassen darf.
Jerusalemer Talmud, Sifra, und siehe Mischna Pea 2:1
sollst du die Ecke deines Feldes nicht ganz abernten: man lasse eine Ecke am Ende des Feldes stehen.
Raschi
Nachlese: bei der Ernte übersehene Früchte, Weintrauben.
und die Nachlese deiner Ernte
לֶקֶט קְצִירְךָ „Nachlese deiner Ernte“: Ähren, die während der Ernte herunterfallen, eine oder zwei auf einmal; aber drei sind keine Nachlese (Mischna Pea, Kap. 6).
Raschi
וְכַרְמְךָ֙ לֹ֣א תְעוֹלֵ֔ל וּפֶ֥רֶט כַּרְמְךָ֖ לֹ֣א תְלַקֵּ֑ט לֶֽעָנִ֤י וְלַגֵּר֙ תַּעֲזֹ֣ב אֹתָ֔ם אֲנִ֖י יְהוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
10
10
In deinem Weinberg nimm nicht die jungen Weintrauben, und einzelne Trauben, die bei der Ernte in deinem Weinberg auf den Boden fallen, sammle nicht auf; dem Armen und dem Fremden sollst du sie überlassen, Ich bin der Ewige, euer G‑tt.
nimm nicht die jungen Weintrauben
לֹא תְעוֹלֵל, Nimm nicht die kleinen Trauben darin. Sie unterscheiden sich von den anderen. Was nennt man עוֹלְלוֹת „kleine Trauben“? Trauben, die weder Schulter- noch Tropfenform haben.
Raschi
einzelne Trauben
וּפֶרֶט כַּרְמְךָ bedeutet: einzelne Beeren, die bei der Lese herunterfallen.
Raschi
Ich bin der Ewige, euer G‑tt: ein Richter, der straft, und Ich fordere von euch nichts anderes als das Leben. So heißt es (Misch. 22:22) אַל תִּגְזֹל דָּל גו׳ כִּי ה׳ יָרִיב רִיבָם „beraube nicht den Armen … denn der Ewige führt ihren Streit“.
Raschi
לֹ֖א תִּגְנֹ֑בוּ וְלֹא־תְכַחֲשׁ֥וּ וְלֹֽא־תְשַׁקְּר֖וּ אִ֥ישׁ בַּעֲמִיתֽוֹ׃
11
11
Ihr dürft nicht stehlen und dürft nicht ableugnen und nicht lügen einer gegen den Anderen.
Ihr dürft nicht stehlen
לֹא תִּגְנֹבוּ „Ihr dürft nicht stehlen“. Das ist eine Verwarnung für den, der Geld stiehlt. Der Vers לֹא תִּגְנֹב „du sollst nicht stehlen“, der in den Zehn Geboten steht (Schem. 20:13), ist eine Verwarnung für den, der Menschen stiehlt (entführt). Das geht aus dem Zusammenhang dort hervor, eine Sache nämlich, auf die Todesstrafe durch das Gericht steht (Sanhedrin 86a).
Raschi
dürft nicht ableugnen
Weil es heißt (Waj. 5:22) וְכִחֶשׁ בָּהּ „und er leugnet es ab“, zahle er die Hauptsumme und ein zusätzliches Fünftel, entnehmen wir von dort die Strafe. Woher wissen wir das Verbot? Darum steht וְלֹא תְכַחֲשׁוּ „ihr dürft nicht ableugnen“.
Raschi
Woher wissen wir das Verbot?: Die Torah verhängt für keine Tat eine Strafe, ohne zuvor ein Verbot – eine „Warnung“ (As’hara) gegen diese Tat – erlassen zu haben (Joma 81a u.a.).
und nicht lügen
Weil steht (Waj. 5:24) וְנִשְׁבַּע עַל שָׁקֶר „und er schwört falsch“, zahle er die Hauptsumme und ein zusätzliches Fünftel, entnehmen wir von dort die Strafe. Woher wissen wir das Verbot? Darum steht וְלֹא תְשַׁקְּרוּ „ihr dürft nicht lügen“.
Raschi
stehlt nicht, leugnet nicht, lügt nicht, schwört nicht
Wenn du gestohlen hast, wirst du ableugnen, wirst du lügen und zuletzt falsch schwören.
Raschi
וְלֹֽא־תִשָּׁבְע֥וּ בִשְׁמִ֖י לַשָּׁ֑קֶר וְחִלַּלְתָּ֛ אֶת־שֵׁ֥ם אֱלֹהֶ֖יךָ אֲנִ֥י יְהוָֽה׃
12
12
Ihr dürft nicht schwören bei Meinem Namen zu einer Lüge; du würdest den Namen deines G‑ttes entweihen. Ich bin der Ewige.
Ihr dürft nicht schwören bei Meinem Namen
Warum steht das? Weil steht (Schem. 20:7) לֹא תִשָּׂא אֶת שֵׁם ה׳ אֱלֹהֶיךָ לַשָּׁוְא „sprich den Namen des Ewigen, deines G‑ttes, nicht leer aus“, hätte ich meinen können, man sei nur dann schuldig, wenn man den besonderen G‑ttesnamen (שֵׁם הַמְּיֻחָד) dabei erwähnt. Woher füge ich alle Beinamen dazu? Darum steht וְלֹא תִשָּׁבְעוּ בִשְׁמִי לַשָּׁקֶר „schwört nicht bei Meinem Namen zum Falschen“, bei jedem Namen, den Ich habe.
Raschi
Ihr dürft nicht schwören bei Meinem Namen zu einer Lüge: um dadurch eine Geldzahlung zu vermeiden. [Seforno]
Die Verse 12–13 stehen in der Mehrzahl: Ihr dürft nicht stehlen, ihr dürft nicht lügen, Ihr dürft nicht schwören …, um zu lehren, dass diese Verbote sich auch auf den beziehen, der nicht selbst stiehlt, aber einen Anteil am gestohlenen Gut nimmt.
Kli Jakar
לֹֽא־תַעֲשֹׁ֥ק אֶת־רֵֽעֲךָ֖ וְלֹ֣א תִגְזֹ֑ל לֹֽא־תָלִ֞ין פְּעֻלַּ֥ת שָׂכִ֛יר אִתְּךָ֖ עַד־בֹּֽקֶר׃
13
13
Du darfst deinem Nächsten nichts vorenthalten und nicht rauben. Der Lohn für die Arbeit des Taglöhners darf nicht übernachten bei dir bis zum Morgen.
vorenthalten
לֹא תַעֲשֹׁק „Du darfst nicht vorenthalten“: das ist, wer den Lohn des Arbeiters zurückhält.
Raschi
Lohn für die Arbeit darf nicht übernachten
לֹא תָלִין „darf nicht übernachten“ ist die weibliche Form des Verbes und bezieht sich auf פְּעֻלַּת, den Lohn für die Arbeit.
Raschi
Der Buchstabe ת von תָלִין könnte gelesen werden als die Verbform maskulin, zweite Person, Einzahl; in diesem Fall würde der Vers bedeuten „Du darfst nicht übernachten lassen [Lohn für] die Arbeit eines Taglöhners“. Demgemäß aber ist das Wort אִתְּךָ „bei dir“ überflüssig, denn es ist schon verständlich aus „Du darfst nicht übernachten lassen“. Raschi liest daher den Buchstaben ת von תָלִין als die Verbform feminin, dritte Person, Einzahl. Das Subjekt dazu ist פְּעֻלַּת. Der Vers bedeutet: „[Lohn für] die Arbeit des Taglöhners darf nicht übernachten bei dir bis zum Morgen“.
Minchat Jehuda, Sifte Chachamim
bis zum Morgen: der Vers spricht vom Tagarbeiter, der nach Sonnenuntergang weggeht. Darum ist die ganze Nacht hindurch die Zeit, in der er seinen Lohn einhebt. An anderer Stelle sagt der Vers (Dew. 24:15) וְלֹא תָבוֹא עָלָיו הַשֶּׁמֶשׁ „die Sonne gehe nicht darüber unter“, das spricht vom Nachtarbeiter, dessen Lohn nach Tagesanbruch gezahlt wird; darum ist die Zeit, in der er seinen Lohn einhebt, während des ganzen Tages; weil die Torah dem Arbeitsgeber eine Ona (einen Tag oder eine Nacht) Zeit gegeben hat, Geld zu beschaffen (Bawa Mezia 110b).
Raschi
לֹא־תְקַלֵּ֣ל חֵרֵ֔שׁ וְלִפְנֵ֣י עִוֵּ֔ר לֹ֥א תִתֵּ֖ן מִכְשֹׁ֑ל וְיָרֵ֥אתָ מֵּאֱלֹהֶ֖יךָ אֲנִ֥י יְהוָֽה׃
14
14
Fluche nicht einem Tauben und vor den Blinden lege kein Hindernis, und fürchte deinen G‑tt. Ich bin der Ewige.
Fluche nicht einem Tauben: davon weiß ich nur einen Tauben; woher weiß ich, jeden Menschen hinzuzufügen? Darum steht (Schem. 22:27) בְּעַמְּךָ לֹא תָאֹר „in deinem Volk verwünsche nicht“. Warum steht also „einem Tauben“? Wie von einem Tauben bestimmt ist, dass er am Leben ist, so ist auch immer nur ein solcher gemeint, der am Leben ist. Damit ist ein Toter ausgeschlossen, weil er nicht am Leben ist.
Raschi
Der Taube ist, als wäre er tot, wie es heißt (Bawa Kama 85b) חֵירְשׁוֹ – נוֹתֵן לוֹ דְּמֵי כוּלּוֹ „Wer einen taub gemacht hat, muß ihm seinen ganzen Wert zahlen“, [da er nicht mehr erwerbsfähig ist]. Der Vers ist zu lesen als לֹא תְקַלֵּל עַד חֵרֵשׁ „Bis hin zu einem Tauben fluche niemandem“. Selbst bis hin zum Tauben, der kaum eine normative Existenz hat, dennoch aber nicht tot ist, fluche nicht. Wenn die Person aber tatsächlich tot ist, so wird dieses Verbot nicht übertreten.
Gur Arye
vor den Blinden lege kein Hindernis: einem, der in einer Sache blind ist, gib nicht einen Rat, der nicht gut für ihn ist. Sage nicht, verkaufe dein Feld und kaufe dir einen Esel, während du nur einen Vorwand suchst, um es ihm zu nehmen.
Raschi
und fürchte deinen G‑tt: weil dies nicht den Menschen gegeben ist, zu erkennen, ob die Absicht des anderen zum Guten oder zum Bösen war, und dieser sich entziehen und sagen kann, ich habe es gut gemeint, darum steht dabei „fürchte deinen G‑tt“, der deine Gedanken kennt. Und so steht bei jeder Sache, die dem Herzen des Menschen, der sie tut, übergeben ist, während die anderen Menschen sie nicht zu erkennen vermögen, fürchte deinen G‑tt.
Raschi