Der tägliche Chumasch-Abschnitt

3. Siwan 5786

Dienstag, 19. Mai 2026

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Nasso

3. Alija

(Bamidbar 5:1 – 5:10)

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וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל־מֹשֶׁה לֵּאמֹר׃
1
1
Und der Ewige sagte zu Mosche, wie folgt:
צַו אֶת־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וִֽישַׁלְּחוּ מִן־הַמַּחֲנֶה כָּל־צָרוּעַ וְכָל־זָב וְכֹל טָמֵא לָנָפֶשׁ׃
2
2
Befiehl den Kindern Israel, dass sie einen jeden aus dem Lager schicken, der Aussatz hat oder Ausfluss hat und jeden, der sich an einem Leichnam verunreinigt hat.
Befiehl den Kindern Israel
Dieser Abschnitt wurde am Tag des Mischkan-Aufstellens gesagt; acht Abschnitte wurden an jenem Tag gesagt, wie in der Gemara Gittin steht, Abschnitt ›HaNisakin‹ (60a–b).
Raschi
dass sie einen jeden aus dem Lager schicken
Drei Lager waren dort, während sie lagerten. Innerhalb der Umhänge war das Lager der Schechina. Rundum die Leviim, wie in Paraschat Bamidbar (1:50) vorkommt, das war das Lager der Leviim. Und von dort bis zum Ende des Lagers der Abteilungen nach allen vier Seiten war das Lager Israels.
Ein Mensch mit Aussatz (צָרוּﬠ) wurde außerhalb aller drei Lager geschickt. Ein Mensch mit Ausfluss (זָב) durfte im Lager Israels bleiben und wurde aus zwei Lagern hinausgeschickt. Und wer durch eine Leiche unrein war, durfte auch im Lager der Leviim bleiben und wurde nur aus dem Lager der Schechina hinausgeschickt. All das haben unsere Weisen aus den Verse gelernt in der Gemara Pessachim (67a).
Raschi
Drei Lager waren dort: Das Erfordernis von drei Lagern leitet sich aus dem Wort מַחֲנֶה „Lager“ ab, das in dieser Passage dreimal vorkommt (Verse 2–3): צַו אֶת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וִישַׁלְּחוּ מִן הַמַּחֲנֶה כׇּל צָרוּﬠַ גו׳ „Befiehl den Kindern Israel, dass sie einen jeden aus dem Lager schicken, der Aussatz hat …“, אֶל מִחוּץ לַמַּחֲנֶה תְּשַׁלְּחוּם וְלֹא יְטַמְּאוּ אֶת מַחֲנֵיהֶם „… aus dem Lager sollt ihr sie hinausschicken, damit sie nicht ihre Lager verunreinigen“
Sifte Chachamim
dass sie einen jeden aus dem Lager schicken
Ein Mensch mit Aussatz (צָרוּﬠ) wird außerhalb aller drei Lager geschickt und bleibt alleine, weil der Aussatz als Resultat von böser Rede (לָשׁוֹן הָרָע) auftritt, die in der Gesellschaft Gift sät und zwischen Freunden trennt.
Erechin 16b
Die Unreinen, die außerhalb aller drei Lager geschickt wurden, zogen zwischen den Lagern, zwischen dem Lager Efraim und dem Lager Dan (und nicht am Ende aller Lager).
Ibn Esra
der sich an einem Leichnam verunreinigt hat
[Die Worte טָמֵא לָנֶפֶשׁ werden von Onkelos übersetzt als] דִּמְסָאַב לִטְמֵי נַפְשָׁא דֶאֱנָשָׁא „der unrein ist durch die Knochen eines Leichnams“.
Ich meine, טָמֵא bedeutet „menschliche Knochen“ im Aramäischen; das Wort kommt häufig in Bereschit Rabba vor, z.B. „Hadrian, mögen seine Knochen zermalmt werden“ אַדְרִיָּאנוּס שְׁחִיק טַמְיָא (Bereschit Rabba 10:3, 13:9, 28:2).
Raschi
Hadrian: römischer Kaiser 117–138 ndZ. Chr., brutaler Verfolger Israels. Niederschlagung des Bar-Kochwa-Aufstandes (132–136 ndZ.). Hadrian verbot das Toralernen, die Beschneidung, die Einhaltung des Schabbat und die Ernennung von Rabbinern (Semichat Rabbanim). Ließ führende jüdische Gelehrte, darunter Rabbi Akiwa, grausam hinrichten (Zehn Märtyrer). Bezeichnete die Provinz Judæa als „Syria Palæstina“, um den jüdischen Bezug zum Land zu tilgen. Das Betreten der Stadt Jeruschalaim wurde Juden bei Todesstrafe verboten.
מִזָּכָ֤ר עַד־נְקֵבָה֙ תְּשַׁלֵּ֔חוּ אֶל־מִח֥וּץ לַֽמַּחֲנֶ֖ה תְּשַׁלְּח֑וּם וְלֹ֤א יְטַמְּאוּ֙ אֶת־מַ֣חֲנֵיהֶ֔ם אֲשֶׁ֥ר אֲנִ֖י שֹׁכֵ֥ן בְּתוֹכָֽם׃
3
3
Sowohl Mann als auch Frau sollt ihr hinausschicken, aus dem Lager sollt ihr sie hinausschicken, damit sie nicht ihre Lager verunreinigen, in deren Mitte Ich wohne.
וַיַּֽעֲשׂוּ־כֵן֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל וַיְשַׁלְּח֣וּ אֹתָ֔ם אֶל־מִח֖וּץ לַֽמַּחֲנֶ֑ה כַּאֲשֶׁ֨ר דִּבֶּ֤ר יְהוָה֙ אֶל־מֹשֶׁ֔ה כֵּ֥ן עָשׂ֖וּ בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
4
4
Und die Kinder Israel taten so und schickten sie aus dem Lager hinaus; wie der Ewige zu Mosche gesprochen hatte, so taten die Kinder Israel.
וַיְדַבֵּ֥ר יְהוָ֖ה אֶל־מֹשֶׁ֥ה לֵּאמֹֽר׃
5
5
Und der Ewige sagte zu Mosche, wie folgt:
דַּבֵּר֮ אֶל־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵל֒ אִ֣ישׁ אֽוֹ־אִשָּׁ֗ה כִּ֤י יַעֲשׂוּ֙ מִכָּל־חַטֹּ֣את הָֽאָדָ֔ם לִמְעֹ֥ל מַ֖עַל בַּיהוָ֑ה וְאָֽשְׁמָ֖ה הַנֶּ֥פֶשׁ הַהִֽוא׃
6
6
Rede zu den Kindern Israel: Ein Mann oder eine Frau, wenn sie irgendeine menschliche Sünde tun und damit eine Untreue gegen den Ewigen begehen und so diese Person Schuld auf sich lädt.
eine Untreue gegen den Ewigen begehen
לִמְעֹל מַﬠַל בַּה׳ „eine Untreue gegen den Ewigen begehen“: Die Torah wiederholt hier den Abschnitt von dem, der geraubt und falsch geschworen hat, der bereits in Paraschat Wajikra (5:21) vorkommt וּמָﬠֲלָה מַﬠַל בַּה׳ וְכִחֵשׁ בַּﬠֲמִיתוֹ „und eine Untreue begeht gegen den Ewigen, indem er seinem Nächsten ableugnet“. Der Abschnitt ist hier wiederholt wegen zweier Dinge, die neu darin stehen: Das eine ist, dass hier steht וְהִתְוַדּוּ „sollen ihre Sünde bekennen“ (nächster Vers). Das lehrt, dass er das Fünftel und das Schuldopfer (Ascham) nicht auf Grundlage der Aussage von Zeugen schuldig ist, bis er selbst die Sache eingesteht. Und das zweite, dass das einem Ger Geraubte den Kohanim gegeben wird.
Raschi
*das einem Ger Geraubte:* der keine Erben hat.
eine Untreue gegen den Ewigen begehen
Wenn jemand das Recht eines Ger beugt, so ist es, als würde er das Recht gegen den Ewigen beugen. [Chagiga 5a]
Wer einen Ger begaunert, entweiht G‑ttes heiligen Namen in den Augen des Ger, der kam, um Schutz unter Seinen Fittichen zu suchen. Somit ist der von einem Ger Stehlende schuldig, eine Untreue gegen den Ewigen begangen zu haben.
Seforno
וְהִתְוַדּוּ אֶת־חַטָּאתָם אֲשֶׁר עָשׂוּ וְהֵשִׁיב אֶת־אֲשָׁמוֹ בְּרֹאשׁוֹ וַחֲמִישִׁתוֹ יֹסֵף עָלָיו וְנָתַן לַאֲשֶׁר אָשַׁם לוֹ׃
7
7
Dann sollen sie ihre Sünde bekennen, die sie getan haben, und die Schuld erstatten nach der Hauptsumme und deren Fünftel noch darauf legen und es demjenigen geben, an dem er sich verschuldet hat.
die Schuld erstatten nach der Hauptsumme
Wenn אֲשָׁמוֹ „sein Ascham“ das Schuldopfer *(Ascham)* meint, was bedeutet dann בְּרֹאשׁוֹ, wörtl. an seinem Kopf? Und was bedeutet וַחֲמִישִׁתוֹ „ein Fünftel“ des Opfers? Der Begriff *Ascham* hat hier eine andere Bedeutung:
אֶת אֲשָׁמוֹ בְּרֹאשׁוֹ Das ist das Kapital, worauf er geschworen hat (Bawa Kama 110a).
Raschi
Der Begriff Ascham bezieht sich auf die Hauptsumme, die er schuldet. Der Vers besagt, dass der Schuldner die Hauptsumme zusammen mit einem zusätzlichen Fünftel bezahlen muss (Bawa Kama 110a). Aus dem Wort בְּרֹאשׁוֹ („an seinem Kopf“) lernt man, dass die Hauptschuld zuerst beglichen werden muss (am „Kopf“ der Zahlung), und erst danach das zusätzliche Fünftel gezahlt wird.
an dem er sich verschuldet hat: dem er schuldig geworden ist.
ihre Sünde bekennen
Warum wird die Pflicht, „die Sünde zu bekennen“, nur im Zusammenhang mit der Sünde des Diebstahls genannt?
Die körperlichen, geistigen und seelischen Fähigkeiten des Menschen wurden ihm von G‑tt für gute Zwecke gegeben. Durch sein Sündigen missbraucht er diese Fähigkeiten für Handlungen, für die ihm nie die Erlaubnis erteilt wurde. Im Grunde stiehlt ein Mensch also jedes Mal, wenn er sündigt: er entwendet die Fähigkeiten für einen nicht vorgesehenen Zweck. Deshalb steht die Pflicht zum Sündenbekenntnis in Verbindung mit der Sünde des Diebstahls.
Chidusche haRim
וְאִם־אֵ֨ין לָאִ֜ישׁ גֹּאֵ֗ל לְהָשִׁ֤יב הָאָשָׁם֙ אֵלָ֔יו הָאָשָׁ֛ם הַמּוּשָׁ֥ב לַיהוָ֖ה לַכֹּהֵ֑ן מִלְּבַ֗ד אֵ֚יל הַכִּפֻּרִ֔ים אֲשֶׁ֥ר יְכַפֶּר־בּ֖וֹ עָלָֽיו׃
8
8
Wenn aber der Mann keinen Verwandten hat, um ihm die Schuld zu erstatten, dann sei die Schuld, die dem Ewigen erstattet wird, für den Kohen, außer dem Widder der Sühne, mit dem man für ihn Sühne erwirkt.
Wenn aber der Mann keinen Verwandten hat
Der Kläger, der [den Schuldner] schwören ließ, ist ohne Erben gestorben.
Raschi
um ihm die Schuld zu erstatten: als dieser sich entschlossen hatte, seine Sünde zu bekennen. Unsere Lehrer sagen: Gibt es denn einen Menschen im jüdischen Volk, der keine Verwandten hat? Entweder einen Sohn oder einen Bruder oder einen anderen leiblichen Verwandten aus der Familie seines Vaters aufwärts bis Jaakow? Nun, hier ist der Fremde (Ger) gemeint, der ohne Erben gestorben ist (Bawa Kama 109a).
Raschi
die Schuld, die erstattet wird
הָאָשָׁם הַמּוּשָׁב „die Schuld, die erstattet wird“: das ist die Hauptsumme und das Fünftel.
Raschi
dem Ewigen, für den Kohen
Der Ewige hat es erworben und dem Kohen in jener Abteilung gegeben.
Raschi
außer dem Widder der Sühne: den er bringen muss, wie im Buch Wajikra (5:25) steht.
Raschi
וְכָל־תְּרוּמָה לְכָל־קָדְשֵׁי בְּנֵי־יִשְׂרָאֵל אֲשֶׁר־יַקְרִיבוּ לַכֹּהֵן לוֹ יִהְיֶה׃
9
9
Und jede Spende von allen Heiligen Dingen der Kinder Israel, die sie dem Kohen darbringen, gehört dem Kohen.
Und jede Spende
וְכָל תְּרוּמָה, R. Ischmael sagt: Bringt man denn diese Spende dem Kohen, er muss sich doch vielmehr selbst danach zum Ort der Tennen bemühen? Was lehrt uns also אֲשֶׁר יַקְרִיבוּ לַכֹּהֵן „die sie dem Kohen darbringen“? Das sind die Erstlingsfrüchte (בִּכּוּרִים), von denen es heißt (Schem. 23:19) תָּבִיא בֵּית ה׳ אֱלֹהֶיךָ „bringe in das Haus des Ewigen, deines G‑ttes“. Und ich weiß noch nicht, was damit geschehen solle. Darum steht לַכֹּהֵן לוֹ יִהְיֶה „dem Kohen, ihm gehöre es“. Und der Vers lehrt, dass die Erstlingsfrüchte dem Kohen gegeben werden sollen.
Raschi
וְאִישׁ אֶת־קֳדָשָׁיו לוֹ יִהְיוּ אִישׁ אֲשֶׁר־יִתֵּן לַכֹּהֵן לוֹ יִהְיֶה׃
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10
Und die Heiligen Dinge des Menschen gehören ihm; was aber der Mensch dem Kohen gibt, gehört dem Kohen.
Und die Heiligen Dinge des Menschen gehören ihm
וְאִישׁ אֶת קֳדָשָׁיו לוֹ יִהְיוּ „und die Heiligen Dinge jedes Menschen gehören ihm“. Weil Abgaben an die Kohanim und an die Leviim vorgeschrieben sind, hätte ich gemeint, diese könnten kommen und sie mit Gewalt nehmen. Darum steht וְאִישׁ אֶת קֳדָשָׁיו לוֹ יִהְיוּ „die Heiligen Dinge des Menschen gehören ihm“, das lehrt, dass den Eigentümern das Verfügungsrecht (טוֹבַת הֲנָאָתָן) zusteht. Und noch viele Ableitungen lehren sie darüber in Sifre (5:34).
Der aggadische Midrasch sagt, וְאִישׁ אֶת קֳדָשָׁיו לוֹ יִהְיוּ, wer seine Ma∙assrot für sich behält und sie nicht gibt, לוֹ יִהְיוּ, die Ma∙assrot „werden ihm gehören“. Das heißt, sein Feld wird schließlich nur ein Zehntel von dem bringen, was es gewöhnlich hervorbringt.
[Doch umgekehrt gilt auch im positiven Fall:] אִישׁ אֲשֶׁר יִתֵּן לַכֹּהֵן „Der Mensch, der dem Kohen gibt“: die Gaben, die dem Kohen gebühren,
לוֹ יִהְיֶה „der wird haben“, der wird selbst viel Vermögen haben (Berachot 63a).
Raschi