לֹֽא־יִ֠הְיֶה לַכֹּהֲנִ֨ים הַלְוִיִּ֜ם כָּל־שֵׁ֧בֶט לֵוִ֛י חֵ֥לֶק וְנַחֲלָ֖ה עִם־יִשְׂרָאֵ֑ל אִשֵּׁ֧י יְהוָ֛ה וְנַחֲלָת֖וֹ יֹאכֵלֽוּן׃
1
1
Die Kohanim aus dem Stamm der Leviim, der gesamte Stamm Levi, sollen keinen Anteil und Erbbesitz unter Israel haben. Die Feuergaben des Ewigen und Seinen Besitz sollen sie essen.
Im Gegensatz zu den übrigen Stämmen erhielten die Kohanim und Leviim kein eigenes Gebiet im Land Israel, sondern nur Städte, in denen sie lebten.
(1—2) der gesamte Stamm Levi
[Nach den Worten „Die Kohanim aus dem Stamm der Leviim“ scheint der Zusatz „der gesamte Stamm Levi“ überflüssig.]
Sowohl die körperlich fehlerlosen Mitglieder des Stammes Levi, als auch diejenigen mit Körperfehler (בַּעֲלֵי מוּמִין).
Raschi
Anteil: an der Kriegsbeute.
Raschi
und Erbbesitz: am Land [Israel].
Raschi
Feuergaben des Ewigen: die heiligen Opfer des Tempels, קָדְשֵׁי הַמִּקְדָּשׁ. (Andere Version: die heiligen Opfer ersten Ranges, קָדְשֵׁי הַקָּדָשִׁים).
Raschi
und Seinen Besitz
Das sind die heiligen Speisen der Gebiete [d.h. außerhalb des Tempels]: Abgaben (תְּרוּמוֹת) und der Zehnte Teil (מַעַשְׂרוֹת) [der Ernte], aber vollkommenen „Erbbesitz soll er nicht haben unter seinen Brüdern“ (nächster Vers). [Raschi]
heilige Speisen außerhalb der Gebiete: Zusätzlich zu den Anteilen an den Korbanot stehen den Kohanim und Leviim Abgaben aus den Ernten des Landes Israel zu: Teruma, eine kleine Abgabe für einen Kohen (etwa ein Fünfzigstel, siehe Raschi zu Vers 4 unten), und Ma∙asser (ein Zehntel) für einen Levi, von dem dieser wiederum ein Zehntel (Terumat Maaser) an einen Kohen abgeben muss. Diese werden „die heiligen Speisen der Gebiete“ (קָדְשֵׁי הַגְּבוּל) genannten, da ihre Heiligkeit im Gegensatz zu den Korbanot nicht an den Tempel (Bet haMikdasch) gebunden ist und sie überall gegessen werden dürfen.
Raschi zu Ketubot 24a und Kidduschin 69b, ד״ה קדשי הגבול
וְנַחֲלָ֥ה לֹא־יִֽהְיֶה־לּ֖וֹ בְּקֶ֣רֶב אֶחָ֑יו יְהוָה֙ ה֣וּא נַחֲלָת֔וֹ כַּאֲשֶׁ֖ר דִּבֶּר־לֽוֹ׃
2
2
Erbbesitz soll er nicht haben unter seinen Brüdern. Der Ewige ist sein Besitz, wie Er ihm versprochen hat.
auf der anderen Seite des Jordan: Raschi bezeichnet das Land Kna‘an als „jenseits des Jordan“, weil das jüdische Volk zu diesem Zeitpunkt auf der Ostseite des Jordan in den Ebenen von Moaw lagerte, von wo aus das Land Kna‘an „jenseits des Jordan“ lag.
Rabbenu Kalonymus ben Schabtai war ein älterer Zeitgenosse von Raschi. Er stammte ursprünglich aus Rom und zog 1064 nach Worms (Deutschland). 1096 starb er als Märtyrer während des Ersten Kreuzzugs.
Erbbesitz soll er nicht haben unter seinen Brüdern
Im Sifre (18:41) erklären sie, Erbbesitz soll er nicht haben — das ist das Land der übrigen; unter seinen Brüdern — das ist das Land der fünf.
Ich weiß nicht, was das heißt. Es scheint mir aber, dass das Land Kna’an auf der anderen [westlichen] Seite des Jarden das „Land der fünf Völker“ genannt wird, und das Land von Sichon und Og das „der zwei Völker“ Emori und Kna’ani. „Das Land der übrigen“ aber fügt den Keni, Knisi und Kadmoni dazu. So wird auch erklärt [in Sifre, Paraschat Korach] zum Abschnitt der Kohenabgaben, die Aharon zuerkannt wurden, (Dew. 10:9) עַל כֵּן לֹא הָיָה לְלֵוִי חֵלֶק וְנַחֲלָה „darum erhielt Levi keinen Anteil und Besitz“: um ihm auch das Land der Keni, Knisi und Kadmoni zu verbieten.
Später fand ich in den Worten von Rabbenu Kalonymos folgende Version im Sifre: Erbbesitz soll er nicht haben — das ist das Land der fünf; unter seinen Brüdern — das ist das Land der sieben, das heißt das Land der fünf Stämme und das Land der sieben Stämme. Und zwar, weil Mosche und Jehoschua nur an fünf Stämme Erbbesitz verteilten. Mosche verteilte an Rëuwen, Gad und den halben Stamm Menasche; und Jehoschua verteilte an Jehuda, Efraim und den halben Stamm Menasche. Die übrigen sieben aber nahmen selbst ihr Land nach dem Tod von Jehoschua. Darum erwähnt der Vers fünf für sich und sieben für sich.
Raschi
wie Er ihm versprochen hat
So wie G‑tt ihm versprochen hat (Bam. 18:20) בְּאַרְצָם לֹא תִנְחָל גו׳ אֲנִי חֶלְקְךָ „an ihrem Land sollst du keinen Anteil haben … Ich bin dein Anteil“.
Raschi
וְזֶ֡ה יִהְיֶה֩ מִשְׁפַּ֨ט הַכֹּהֲנִ֜ים מֵאֵ֣ת הָעָ֗ם מֵאֵ֛ת זֹבְחֵ֥י הַזֶּ֖בַח אִם־שׁ֣וֹר אִם־שֶׂ֑ה וְנָתַן֙ לַכֹּהֵ֔ן הַזְּרֹ֥עַ וְהַלְּחָיַ֖יִם וְהַקֵּבָֽה׃
3
3
Und das soll das Recht der Kohanim sein vom Volk, von denen, die etwas schlachten, sei es Ochse oder Lamm, dann gibt man dem Kohen das Schulterstück und den Kinnbacken und den Magen.
Lohn für den Eifer von Pinchas: Pinchas strafte die Entweihung von G‑ttes Namen, indem er das Oberhaupt des Stammes Schimon tötete, der sich im Lager Israels schamlos mit einer midianitischen Frau eingelassen hatte (Bamidbar 25:1–15).
vom Volk
„Vom Volk“ und nicht von den Kohanim. [Raschi]
Die Kohanim sind davon entbunden, die Anteile einem anderen Kohen zu geben.
Misrachi
sei es Ochse oder Lamm: schließt das Wild aus. [Raschi]
Das schließt Wildtiere wie Hirsch oder Gazelle aus. Wer ein wildlebendes koscheres Tier schächtet, ist nicht verpflichtet, dem Kohen die nachfolgenden Gaben zu geben.
Torat Kohanim, Emor, Parschata 8:8; Chulin 132a
das Schulterstück
הַזְּרֹעַ „Schulterstück“: vom Kniegelenk bis zum Schulterblatt, das man „Schulter“ nennt (espaldon auf Französisch).
Raschi
den Kinnbacken
הַלְּחָיַיִם „Kinnbacken“, mit der Zunge.
Die Erklärer von Andeutungen sagten: [Die den Kohanim in diesem Vers bestimmten Gaben waren ein Lohn für den Eifer von Pinchas.] Das Schulterstück für die Hand, von der es heißt (Bam. 25:7) וַיִּקַּח רֹמַח בְּיָדוֹ „[Pinchas] nahm den Speer in seine Hand“; den Kinnbacken für das Gebet, wie es heißt (Teh. 106:30) וַיַּעֲמֹד פִּינְחָס וַיְפַלֵּל „Pinchas trat hin und betete“; und den Magen dafür, dass es heißt (Bam. 25:8) הָאִשָּׁה אֶל קֳבָתָהּ „die Frau in ihr Inneres“.
Raschi
רֵאשִׁ֨ית דְּגָֽנְךָ֜ תִּֽירֹשְׁךָ֣ וְיִצְהָרֶ֗ךָ וְרֵאשִׁ֛ית גֵּ֥ז צֹאנְךָ֖ תִּתֶּן־לּֽוֹ׃
4
4
Das Erste deines Getreides, deines Mostes und deines Öles und das Erste der Schur deiner Schafe gib ihm.
„und fünf zubereitete Schafe“: Awigail, die Frau von Nawal aus Karmel, schickte Proviant für Davids hungernde Soldaten. Damit wollte sie das Leben ihres Mannes retten, der König David die Hilfe verweigert und ihn schwer beleidigt hatte. Siehe 1 Schmu. 25:1–42.
Das Erste deines Getreides
רֵאשִׁית דְּגָנְךָ „das Erste deines Getreides“, das ist die Teruma. Der Vers gibt dabei kein Maß an. Unsere Weisen aber haben dabei ein Maß angegeben: jemand mit wohlwollendem Auge gibt 1/40, jemand mit geizigem Auge gibt 1/60, jemand mit mittelmäßigem Auge gibt 1/50. Und sie haben es an einen Vers angelehnt, nicht weniger als 1/60 zu geben, so heißt es (Jech. 45:13) שִׁשִּׁית הָאֵיפָה מֵחֹמֶר הַחִטִּים „ein Sechstel eines Efa von einem Chomer Gerste“. 1/6 Efa = ½ Sea; wenn du ½ Sea von einem Kor [= Chomer] gibst, dann ist das 1/60, denn ein Kor entspricht 30 Sea (Jeruschalmi Terumot 4:3).
Raschi
das Erste der Schur deiner Schafe
וְרֵאשִׁית גֵּז צֹאנְךָ „Das Erste der Schur deiner Schafe“. Wenn du deine Schafe scherst in jedem Jahr, gib davon das Erste dem Kohen. Der Vers gibt dabei kein Maß an. Unsere Weisen aber haben dabei ein Maß angegeben, 1/60 (Chulin 137b).
Wie viele Schafe müssen es sein, dass man zur Abgabe des Ersten der Schafschur verpflichtet ist? Fünf Schafe, wie es heißt (1 Schmu. 25:18) וְחָמֵשׁ צֹאן עֲשׂוּיוֹת „und fünf zubereitete Schafe“. [Im Vers werden fünf Schafe als צֹאן bezeichnet; ab dieser Zahl ist der Eigentümer zur Abgabe der Schur verpflichtet.]
Rabbi Akiwa sagt, das Erste der Schur — das sind zwei, deiner Schafe — das sind vier, gib ihm — das sind fünf.
Raschi
כִּ֣י ב֗וֹ בָּחַ֛ר יְהוָ֥ה אֱלֹהֶ֖יךָ מִכָּל־שְׁבָטֶ֑יךָ לַעֲמֹ֨ד לְשָׁרֵ֧ת בְּשֵׁם־יְהוָ֛ה ה֥וּא וּבָנָ֖יו כָּל־הַיָּמִֽים׃
5
5
Denn ihn hat der Ewige, dein G‑tt, erwählt aus allen deinen Stämmen, zu stehen, um den Dienst zu leisten im Namen des Ewigen, er und seine Söhne, alle Tage.
zu stehen, um den Dienst zu leisten
Von hier geht hervor, dass der Opferdienst nur stehend ausgeübt werden darf.
Raschi