Der tägliche Chumasch-Abschnitt

22. Kislew 5787

Mittwoch, 2. Dezember 2026

Heute

Wajeschew

4. Alija

(Bereschit 38:1 – 38:30)

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וַֽיְהִי֙ בָּעֵ֣ת הַהִ֔וא וַיֵּ֥רֶד יְהוּדָ֖ה מֵאֵ֣ת אֶחָ֑יו וַיֵּ֛ט עַד־אִ֥ישׁ עֲדֻלָּמִ֖י וּשְׁמ֥וֹ חִירָֽה׃
1
1
Und es geschah in jener Zeit, dass Jehuda hinabzog von seinen Brüdern und sich abwandte zu einem Mann aus Adulam, sein Name war Chira.
Und es geschah in jener Zeit
Warum ist dieser Abschnitt hier angeschlossen und unterbricht den Abschnitt über Josef? Um zu lehren, dass die Brüder Jehuda von seiner Würde absetzten, als sie das Leid ihres Vaters sahen. Sie sagten: Du hast gesagt, wir sollen ihn verkaufen. Hättest du gesagt, wir sollen ihn zurückbringen, hätten wir auch auf dich gehört.
Raschi
sich abwandte von seinen Brüdern.
Raschi
zu einem Mann aus Adulam
Er verbündete sich mit ihm, zum gemeinsamen Geschäft und der Tierzucht.
Raschi, Misrachi
וַיַּרְא־שָׁ֧ם יְהוּדָ֛ה בַּת־אִ֥ישׁ כְּנַעֲנִ֖י וּשְׁמ֣וֹ שׁ֑וּעַ וַיִּקָּחֶ֖הָ וַיָּבֹ֥א אֵלֶֽיהָ׃
2
2
Und Jehuda sah dort die Tochter eines kna’anischen Mannes, sein Name war Schua, und nahm sie zur Frau und kam zu ihr.
kna’anischen Mannes
Der Begriff אִישׁ כְּנַעֲנִי bedeutet hier „Kaufmann“.
Raschi
Das gesamte Land war Kna’an und es ist selbstverständlich, dass die Einwohner Kna’anim sind. Aus den Worten אִישׁ כְּנַעֲנִי ist zu entnehmen, dass dies ein Kaufmann war, der aus einem anderen Land für seine Geschäfte gekommen war.
Ramban
Der Vers beschreibt Jehudas Frau als בַּת אִישׁ כְּנַעֲנִי „Tochter eines kna’anischen Mannes“, und nicht als כְּנַעֲנִית „Kna’anit“. Das bedeutet, dass ihr Vater zwar ein כְּנַעֲנִי war, sie selbst jedoch nicht. Daraus folgt, dass כְּנַעֲנִי hier „Kaufmann” bedeutet; wenn es „Kna’ani” bedeuten würde, wäre auch Judas Frau eine Kna’anit gewesen, so wie ihr Vater.
Or haChaim, Be’er baSade
וַתַּ֖הַר וַתֵּ֣לֶד בֵּ֑ן וַיִּקְרָ֥א אֶת־שְׁמ֖וֹ עֵֽר׃
3
3
Und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn, und er nannte seinen Namen „Er“.
וַתַּ֥הַר ע֖וֹד וַתֵּ֣לֶד בֵּ֑ן וַתִּקְרָ֥א אֶת־שְׁמ֖וֹ אוֹנָֽן׃
4
4
Und sie wurde nochmals schwanger und gebar einen Sohn, und sie nannte seinen Namen Onan.
וַתֹּ֤סֶף עוֹד֙ וַתֵּ֣לֶד בֵּ֔ן וַתִּקְרָ֥א אֶת־שְׁמ֖וֹ שֵׁלָ֑ה וְהָיָ֥ה בִכְזִ֖יב בְּלִדְתָּ֥הּ אֹתֽוֹ׃
5
5
Und wieder, nochmals gebar sie einen Sohn, sie nannte seinen Namen Schela, und Jehuda war in Ksiw, als sie ihn gebar.
in Ksiw
Ksiw ist ein Ortsname. Ich meine aber, weil sie aufhörte zu gebären, wurde der Ort Ksiw (כְּזִיב) genannt, vom Ausdruck (Jirm. 15:18) הָיוֹ תִהְיֶה לִי כְּמוֹ אַכְזָב „sie wurde mir wie ein trügender (achsaw) Bach“, (Jesch. 58:11) אֲשֶׁר לֹא יְכַזְּבוּ מֵימָיו „deren Wasser nicht versiegt (jechasew)“. Denn wenn es nicht so wäre, was wäre die Aussage des Verses? [Als Unterstützung für diese Erklärung] habe ich in Bereschit Rabba (85:4) gesehen וַתִּקְרָא שְׁמוֹ שֵׁלָה „sie nannte seinen Namen Schela“ – sie hörte auf (שֵׁלָה „aufhören“).
Raschi
שֵׁלָה ist verwandt mit dem aramäischen Wort שִׁילְהֵי „das Ende von“. Auch im Hebräischen ist die Wurzel שלה bedeutungsgleich mit der Wurzel כזב „versagen“.
Chiskuni
וַיִּקַּ֧ח יְהוּדָ֛ה אִשָּׁ֖ה לְעֵ֣ר בְּכוֹר֑וֹ וּשְׁמָ֖הּ תָּמָֽר׃
6
6
Und Jehuda nahm eine Frau für Er, seinen Erstgeborenen, ihr Name war Tamar.
וַיְהִ֗י עֵ֚ר בְּכ֣וֹר יְהוּדָ֔ה רַ֖ע בְּעֵינֵ֣י יְהוָ֑ה וַיְמִתֵ֖הוּ יְהוָֽה׃
7
7
Aber Er, Jehudas Erstgeborener, war böse in den Augen des Ewigen, und der Ewige tötete ihn.
böse in den Augen des Ewigen
So wie Onan vergeudete auch er seinen Samen. Bei Onan heißt es (weiter, Vers 10) וַיָּמֶת גַּם אוֹתוֹ „Er tötete auch ihn“, so wie der Tod von Er war der Tod von Onan. Warum vergeudete er seinen Samen? Damit seine Frau nicht schwanger werde und ihre Schönheit leide.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר יְהוּדָה֙ לְאוֹנָ֔ן בֹּ֛א אֶל־אֵ֥שֶׁת אָחִ֖יךָ וְיַבֵּ֣ם אֹתָ֑הּ וְהָקֵ֥ם זֶ֖רַע לְאָחִֽיךָ׃
8
8
Jehuda sagte zu Onan: Komme zu der Frau deines Bruders, und übe die Schwagerpflicht an ihr, und lasse deinem Bruder Nachkommen erstehen.
Schwagerpflicht: hebr. Jibum (יִיבּוּם). Im Fall, dass ein verheirateter Mann kinderlos stirbt, soll sein Bruder (der „Jabam“) die Witwe (die „Jewama“) heiraten, um dem Verstorbenen einen „Nachkommen“ zu verschaffen. Falls der Bruder diese Ehe nicht eingehen kann oder möchte, wird Chaliza durchgeführt: die Ablehnung. Nach der Chaliza ist die Witwe frei und darf jeden anderen Mann heiraten.
lasse deinem Bruder Nachkommen erstehen: der Sohn soll nach dem Verstorbenen genannt werden.
Raschi
וַיֵּ֣דַע אוֹנָ֔ן כִּ֛י לֹּ֥א ל֖וֹ יִהְיֶ֣ה הַזָּ֑רַע וְהָיָ֞ה אִם־בָּ֨א אֶל־אֵ֤שֶׁת אָחִיו֙ וְשִׁחֵ֣ת אַ֔רְצָה לְבִלְתִּ֥י נְתָן־זֶ֖רַע לְאָחִֽיו׃
9
9
Onan wusste, dass die Nachkommen nicht ihm gehören würden, so geschah es, wenn er zu der Frau seines Bruders kam, dass er den Samen auf die Erde fallen und verderben ließ und seinem Bruder keine Nachkommen gab.
auf die Erde fallen und verderben
Er stampfte innen und warf nach außen.
Raschi
וַיֵּ֛רַע בְּעֵינֵ֥י יְהוָ֖ה אֲשֶׁ֣ר עָשָׂ֑ה וַיָּ֖מֶת גַּם־אֹתֽוֹ׃
10
10
Und es war böse in den Augen des Ewigen, was er tat. Und so ließ der Ewige auch Onan sterben.
וַיֹּ֣אמֶר יְהוּדָה֩ לְתָמָ֨ר כַּלָּת֜וֹ שְׁבִ֧י אַלְמָנָ֣ה בֵית־אָבִ֗יךְ עַד־יִגְדַּל֙ שֵׁלָ֣ה בְנִ֔י כִּ֣י אָמַ֔ר פֶּן־יָמ֥וּת גַּם־ה֖וּא כְּאֶחָ֑יו וַתֵּ֣לֶךְ תָּמָ֔ר וַתֵּ֖שֶׁב בֵּ֥ית אָבִֽיהָ׃
11
11
Und Jehuda sagte zu seiner Schwiegertochter Tamar: Bleibe Witwe im Haus deines Vaters, bis mein Sohn Schela groß sein wird. Denn er sagte sich: Dass nicht auch Schela sterben wird wie seine Brüder! Tamar ging und blieb im Haus ihres Vaters.
Denn er sagte sich
Er gebrauchte einen Vorwand (wörtl. דּוֹחֶה אוֹתָהּ בְּקַשׁ „wehrte sie mit Stroh ab“), denn er hatte nicht die Absicht, sie mit seinem Sohn Schela zu verheiraten.
Raschi
Denn er sagte sich: von dieser Frau ist anzunehmen, dass ihre Männer sterben.
Raschi
Eine Frau, die zweimal verwitwet ist, gilt als Katlanit (eine Frau, deren Ehemänner sterben) und es ihr verboten, erneut zu heiraten, aus Angst, dass auch einen weiteren Ehemann dieses Schicksal treffen könnte (Jewamot 64b). Jehuda betrachtete Tamar als Katlanit, da sie zweimal verwitwet war, und wollte verhindern, Schela sie heirate.
Misrachi, Gur Arye
Jehuda wusste nicht, dass Er und Onan aufgrund ihrer eigenen Sünden gestorben waren. Hätte er von ihrer Sünde gewusst und davon, dass sie ihren eigenen Tod herbeigeführt hatten, hätte er Tamar nicht als Katlanit betrachtet.
Maskil leDavid
וַיִּרְבּוּ֙ הַיָּמִ֔ים וַתָּ֖מָת בַּת־שׁ֣וּעַ אֵֽשֶׁת־יְהוּדָ֑ה וַיִּנָּ֣חֶם יְהוּדָ֗ה וַיַּ֜עַל עַל־גֹּֽזֲזֵ֤י צֹאנוֹ֙ ה֗וּא וְחִירָ֛ה רֵעֵ֥הוּ הָעֲדֻלָּמִ֖י תִּמְנָֽתָה׃
12
12
Als viele Tage vergangen waren, da starb die Tochter von Schua, Jehudas Frau. Und als Jehuda getröstet war, ging er zu seinen Schafscherern hinauf nach Timna, er und sein Freund Chira, der Adulami.
ging er zu seinen Schafscherern: er ging nach Timna hinauf, um bei den Scherern seiner Schafe zu bleiben.
Raschi
וַיֻּגַּ֥ד לְתָמָ֖ר לֵאמֹ֑ר הִנֵּ֥ה חָמִ֛יךְ עֹלֶ֥ה תִמְנָ֖תָה לָגֹ֥ז צֹאנֽוֹ׃
13
13
Und es wurde der Tamar berichtet: Siehe, dein Schwiegervater geht nach Timna hinauf, um seine Schafe zu scheren.
geht nach Timna hinauf: und bei Schimschon heißt es (Richt. 14:1) וַיֵּרֶד שִׁמְשׁוֹן תִּמְנָתָה „Schimschon ging nach Timna hinunter“. Es lag auf dem Abhang des Berges, von der einen Seite ging man zu ihm hinauf, und von der anderen Seite ging man zu ihm hinunter.
Raschi
וַתָּסַר֩ בִּגְדֵ֨י אַלְמְנוּתָ֜הּ מֵֽעָלֶ֗יהָ וַתְּכַ֤ס בַּצָּעִיף֙ וַתִּתְעַלָּ֔ף וַתֵּ֙שֶׁב֙ בְּפֶ֣תַח עֵינַ֔יִם אֲשֶׁ֖ר עַל־דֶּ֣רֶךְ תִּמְנָ֑תָה כִּ֤י רָאֲתָה֙ כִּֽי־גָדַ֣ל שֵׁלָ֔ה וְהִ֕וא לֹֽא־נִתְּנָ֥ה ל֖וֹ לְאִשָּֽׁה׃
14
14
Da legte sie ihre Witwenkleider ab, bedeckte sich mit einem Schleier und verhüllte sich. Sie setzte sich an die Mündung der beiden Wege am Weg nach Timna. Denn sie hatte gesehen, dass Schela groß geworden war und sie ihm doch nicht zur Frau gegeben wurde.
und verhüllte sich: sie bedeckte ihr Gesicht, damit er sie nicht erkenne.
Raschi
setzte sich an die Mündung der beiden Wege
וַתֵּשֶׁב בְּפֶתַח עֵינַיִם „setzte sich an die Mündung der beiden Wege“: [Eynaim ist nicht der Name eines Ortes, sondern kommt vom Begriff עֵינַיִם „Augen“,] wo man „die Augen aufmacht“ (פְתִיחַת עֵינַיִם), eine Wegscheide „am Weg nach Timna“.
Unsere Lehrer erklären (Sota 10b), an den Eingang zu unserem Vater Awraham (בְּפִתְחוֹ שֶׁל אַבְרָהָם אָבִינוּ), nach dem alle Augen (עֵינַיִם) sich sehnten, ihn zu sehen.
Raschi
Denn sie hatte gesehen, dass Schela groß geworden war. Darum gab sie sich Jehuda hin, weil sie sich danach sehnte, von ihm Nachkommen aufzurichten.
Raschi
וַיִּרְאֶ֣הָ יְהוּדָ֔ה וַֽיַּחְשְׁבֶ֖הָ לְזוֹנָ֑ה כִּ֥י כִסְּתָ֖ה פָּנֶֽיהָ׃
15
15
Jehuda sah sie und hielt sie für eine Prostituierte, denn sie hatte ihr Gesicht bedeckt.
hielt sie für eine Prostituierte: weil sie an der Wegscheide saß.
Raschi
denn sie hatte ihr Gesicht bedeckt: und er konnte sie nicht sehen und erkennen.
Der Midrasch unserer Lehrer sagt (Sota 10b), „denn sie hatte ihr Gesicht bedeckt“: Als sie im Haus ihres Schwiegervaters war, war sie stets sittsam (צְנוּעָה) gewesen. Darum hatte er sie nicht in Verdacht.
Raschi
וַיֵּ֨ט אֵלֶ֜יהָ אֶל־הַדֶּ֗רֶךְ וַיֹּ֙אמֶר֙ הָֽבָה־נָּא֙ אָב֣וֹא אֵלַ֔יִךְ כִּ֚י לֹ֣א יָדַ֔ע כִּ֥י כַלָּת֖וֹ הִ֑וא וַתֹּ֙אמֶר֙ מַה־תִּתֶּן־לִּ֔י כִּ֥י תָב֖וֹא אֵלָֽי׃
16
16
Und er bog ab zu ihr an den Weg und sagte: Auf, lass mich zu dir kommen! Denn er erkannte nicht, dass sie seine Schwiegertochter war. Sie sagte: Was gibst du mir, wenn du zu mir kommst?
bog ab zu ihr an den Weg
יֵּט „abbiegen“: von dem Weg, auf dem er war, bog er zu dem Weg ab, auf dem sie war. Auf Französisch destorner.
Raschi
Auf: הָבָה, bereite dich dazu vor und stimme dich darauf ein. Überall bedeutet הָבָה „sich dazu bereit machen“, außer wo es mit „geben“, „gewähren“ zu übersetzen ist. Und auch die Stellen, wo es „sich dazu bereit machen“ heißt, steht es der Bedeutung „gewähren“ nahe.
Raschi
וַיֹּ֕אמֶר אָנֹכִ֛י אֲשַׁלַּ֥ח גְּדִֽי־עִזִּ֖ים מִן־הַצֹּ֑אן וַתֹּ֕אמֶר אִם־תִּתֵּ֥ן עֵרָב֖וֹן עַ֥ד שָׁלְחֶֽךָ׃
17
17
Er sagte: Ich will dir ein Ziegenböckchen von der Herde schicken. Sie sagte: Wenn du mir ein Pfand gibst, bis du es schickst.
Pfand: eine Sicherheit.
Raschi
וַיֹּ֗אמֶר מָ֣ה הָֽעֵרָבוֹן֮ אֲשֶׁ֣ר אֶתֶּן־לָּךְ֒ וַתֹּ֗אמֶר חֹתָֽמְךָ֙ וּפְתִילֶ֔ךָ וּמַטְּךָ֖ אֲשֶׁ֣ר בְּיָדֶ֑ךָ וַיִּתֶּן־לָּ֛הּ וַיָּבֹ֥א אֵלֶ֖יהָ וַתַּ֥הַר לֽוֹ׃
18
18
Er sagte: Was für ein Pfand soll ich dir geben? Sie sagte: Dein Siegel und dein Tuch und deinen Stab, der in deiner Hand ist. Da gab er es ihr und kam zu ihr, und sie wurde schwanger von ihm.
Dein Siegel und dein Tuch: deinen Ring und dein Tuch (Onkelos). Den Ring, mit dem du siegelst, und dein Tuch, mit dem du dich bedeckst.
Raschi
sie wurde schwanger: schwanger mit Helden wie er, mit Gerechten wie er.
Raschi
וַתָּ֣קָם וַתֵּ֔לֶךְ וַתָּ֥סַר צְעִיפָ֖הּ מֵעָלֶ֑יהָ וַתִּלְבַּ֖שׁ בִּגְדֵ֥י אַלְמְנוּתָֽהּ׃
19
19
Dann stand sie auf und ging, sie legte ihren Schleier ab und zog wieder ihre Witwenkleider an.
וַיִּשְׁלַ֨ח יְהוּדָ֜ה אֶת־גְּדִ֣י הָֽעִזִּ֗ים בְּיַד֙ רֵעֵ֣הוּ הָֽעֲדֻלָּמִ֔י לָקַ֥חַת הָעֵרָב֖וֹן מִיַּ֣ד הָאִשָּׁ֑ה וְלֹ֖א מְצָאָֽהּ׃
20
20
Jehuda schickte das Ziegenböckchen durch die Hand seines Freundes Chira, des Adulamis, um das Pfand aus der Hand der Frau zu holen, aber er fand sie nicht.
וַיִּשְׁאַ֞ל אֶת־אַנְשֵׁ֤י מְקֹמָהּ֙ לֵאמֹ֔ר אַיֵּ֧ה הַקְּדֵשָׁ֛ה הִ֥וא בָעֵינַ֖יִם עַל־הַדָּ֑רֶךְ וַיֹּ֣אמְר֔וּ לֹא־הָיְתָ֥ה בָזֶ֖ה קְדֵשָֽׁה׃
21
21
Er fragte die Leute ihres Ortes: Wo ist diese Geweihte, die bei Mündung der beiden Wege war? Sie sagten: Hier ist keine Geweihte gewesen.
Geweihte
קְּדֵשָׁה, die zur Prostitution geweiht (מְקֻדֶּשֶׁת) und bereit ist.
Raschi
וַיָּ֙שָׁב֙ אֶל־יְהוּדָ֔ה וַיֹּ֖אמֶר לֹ֣א מְצָאתִ֑יהָ וְגַ֨ם אַנְשֵׁ֤י הַמָּקוֹם֙ אָֽמְר֔וּ לֹא־הָיְתָ֥ה בָזֶ֖ה קְדֵשָֽׁה׃
22
22
Chira kehrte zu Jehuda zurück und sagte: Ich habe sie nicht gefunden, auch sagten die Leute des Ortes: „Hier ist keine Geweihte gewesen“.
וַיֹּ֤אמֶר יְהוּדָה֙ תִּֽקַּֽח־לָ֔הּ פֶּ֖ן נִהְיֶ֣ה לָב֑וּז הִנֵּ֤ה שָׁלַ֙חְתִּי֙ הַגְּדִ֣י הַזֶּ֔ה וְאַתָּ֖ה לֹ֥א מְצָאתָֽהּ׃
23
23
Jehuda sagte: Sie soll es bei sich behalten, damit wir nicht zum Gespött werden. Siehe, ich habe dieses Ziegenböckchen geschickt, und du hast sie nicht gefunden.
soll es bei sich behalten
Das, was in ihrer Hand ist, soll zu ihrem Besitz werden.
Raschi
In diesem Zusammenhang bedeutet der Begriff תִּקַּח „erwerben“. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte waren die Gegenstände (Siegel, Tuch und Stab) bei Tamar als Pfand, doch nun übertrug ihr Jehuda das Eigentumsrecht.
Misrachi
damit wir nicht zum Gespött werden
Wenn du sie weiter suchst, wird die Sache bekannt werden und eine Schande sein. Was soll ich noch tun, um mein Wort zu erfüllen?
Raschi
ich habe dieses Ziegenböckchen geschickt
Weil Jehuda seinen Vater mit einem Ziegenböckchen hintergangen hatte, indem er das Gewand Josefs in dessen Blut tauchte, hinterging man auch ihn mit einem Ziegenböckchen.
Raschi
וַיְהִ֣י ׀ כְּמִשְׁלֹ֣שׁ חֳדָשִׁ֗ים וַיֻּגַּ֨ד לִֽיהוּדָ֤ה לֵֽאמֹר֙ זָֽנְתָה֙ תָּמָ֣ר כַּלָּתֶ֔ךָ וְגַ֛ם הִנֵּ֥ה הָרָ֖ה לִזְנוּנִ֑ים וַיֹּ֣אמֶר יְהוּדָ֔ה הוֹצִיא֖וּהָ וְתִשָּׂרֵֽף׃
24
24
Und es geschah nach etwa drei Monaten, da wurde dem Jehuda berichtet: Deine Schwiegertochter Tamar hat Hurerei getrieben, und siehe, sie ist sogar schwanger durch Hurerei. Da sagte Jehuda: Führt sie hinaus, sie soll verbrannt werden!
nach etwa drei Monaten
Nach dem größten Teil des ersten Monats und dem größten Teil des letzten Monats und dem ganzen mittleren. Der Ausdruck כְּמִשְׁלֹשׁ חֳדָשִׁים „nach etwa drei Monaten“ bedeutet, als der Monat sich zum dritten Mal wiederholte. [Die Vorsilbe מ im Wort מִשְׁלֹשׁ ist zu vergleichen mit der Vorsilbe מ bei] וּמִשְׁלוֹחַ מָנוֹת „Geschenke zu schicken“ (Esth. 9:19); מִשְׁלוֹחַ יָדָם „erstreckt sich ihre Macht“ (Jesch. 11:14). Und so übersetzt auch Onkelos, כִּתְלָתוּת יַרְחַיָּא, „als die Monate die Zahl 3 erreicht hatten“.
Raschi
schwanger durch Hurerei
הָרָה לִזְנוּנִים „schwanger durch Hurerei“ ist ein Adjektiv [und kein Verb], eine schwangere Frau: אִשָּׁה הָרָה. So wie (Schir 6:10) בָּרָה כַּחַמָּה „klar wie die Sonne“ [wo das Wort בָּרָה ebenfalls als Adjektiv eingesetzt ist]. [הָרָה לִזְנוּנִים bedeutet somit nicht „geschwängert wurde sie durch Hurerei“, sondern „sie war eine Schwangere durch Hurerei“.]
Raschi
sie soll verbrannt werden
Efraim Makschaa sagt im Namen von R. Meir, sie war die Tochter von Schem, der ein Kohen war. Darum verurteilte man sie zur Verbrennung.
Raschi
Schem, der ein Kohen war: Schem ist Malki Zedek, den die Torah als „Kohen“ (Priester) bezeichnet, wie es heißt (zuvor, Ber. 14:18 וּמַלְכִּי צֶדֶק מֶלֶךְ שָׁלֵם גו׳ וְהוּא כֹהֵן לְאֵל עֶלְיוֹן „Malki Zedek, König von Schalem … war ein Priester dem höchsten G‑tt“.
sie war die Tochter von Schem: Bei einer Berechnung der Lebensjahre von Schem und der von ihm abstammenden Generationen (zuvor, Kapitel 11 von Bereschit), ergibt sich, dass Schem starb, als Jaakow fünfzig Jahre alt war. Es ist weiters bekannt, dass Jaakow 108 Jahre alt war, als Josef verkauft wurde: Jaakow war 130 Jahre alt, als er sich nach Mizraim begab, und zu diesem Zeitpunkt war Josef seit 22 Jahren verschwunden (siehe Raschi zuvor, Ber. 28:9).
Der Vorfall mit Jehuda und Tamar ereignete sich nach dem Verkauf Josefs (siehe Raschi zu Ber. 38:1), und damit mehr als 50 Jahre nach Schems Tod. Nun merkt die Gemara (Sota 10a) an, dass Tamar minderjährig – weniger als zwölf Jahre alt – war, als sie Er und Onan heiratete (siehe Raschi z.St., ד״ה יתומה). Da Schem mehr als 50 Jahre zuvor verstorben war, kann Tamar im minderjährigen Alter nicht Schems Tochter gewesen sein!
Eine mögliche Antwort ist: Die Gemara widerspricht der Ansicht des Midrasch, dass Tamar Schems Tochter war; und der Midrasch – der behauptet, dass sie Schems Tochter war – widerspricht der Ansicht der Gemara, dass Tamar minderjährig bei ihrer Heirat war.

Eine weitere mögliche Antwort: Die beiden Ansichten stimmen überein, und der Midrasch meint, dass Tamar von Schem abstammte, nicht dass sie tatsächlich seine direkte „Tochter“ war.
Misrachi, Gur Arye
Darum verurteilte man sie zur Verbrennung: Die Strafe für Ehebruch in der Torah ist der Tod durch חֶנֶק, Erwürgen (Sanhedrin 84b). Die Tochter eines Kohen aber, die Ehebruch begeht, wird mit Verbrennung hingerichtet (Wajikra 21:9).
הִ֣וא מוּצֵ֗את וְהִ֨יא שָׁלְחָ֤ה אֶל־חָמִ֙יהָ֙ לֵאמֹ֔ר לְאִישׁ֙ אֲשֶׁר־אֵ֣לֶּה לּ֔וֹ אָנֹכִ֖י הָרָ֑ה וַתֹּ֙אמֶר֙ הַכֶּר־נָ֔א לְמִ֞י הַחֹתֶ֧מֶת וְהַפְּתִילִ֛ים וְהַמַּטֶּ֖ה הָאֵֽלֶּה׃
25
25
Als sie nun hinausgeführt wurde, um verbrannt zu werden, da schickte sie zu ihrem Schwiegervater und ließ ihm sagen: Von dem Mann, dem diese gehören, bin ich schwanger geworden. Und sie sagte: Erkenne doch, wem dieses Siegel und dieses Tuch und dieser Stab gehört!
Als sie nun hinausgeführt wurde: um verbrannt zu werden.
Raschi
und ließ ihm sagen: sie wollte ihn nicht beschämen und sagen, durch dich wurde ich schwanger. Sondern sie sagte, durch den Mann, dem diese gehören. Indem sie dachte, wenn er von selbst eingestehen wird, so möge er es eingestehen, und wenn nicht, möge man mich lieber verbrennen, als dass ich ihn beschäme. Von hier lernte man, dass es für den Menschen besser ist, dass man ihn in einen brennenden Kalkofen werfe, als dass er seinen Mitmenschen öffentlich beschäme (Sota 10b).
Raschi
Erkenne doch
[In diesem Vers] bedeutet נָא nichts anderes als eine Bitte. Erkenne doch deinen Schöpfer und zerstöre nicht drei Menschenleben (Sota 10b).
Raschi
וַיַּכֵּ֣ר יְהוּדָ֗ה וַיֹּ֙אמֶר֙ צָֽדְקָ֣ה מִמֶּ֔נִּי כִּֽי־עַל־כֵּ֥ן לֹא־נְתַתִּ֖יהָ לְשֵׁלָ֣ה בְנִ֑י וְלֹֽא־יָסַ֥ף ע֖וֹד לְדַעְתָּֽה׃
26
26
Jehuda erkannte diese Gegenstände und sagte: Sie ist gerecht in ihren Worten und von mir ist sie schwanger, denn ich habe sie meinem Sohn Schela nicht gegeben. Und er kam nicht mehr zu ihr.
Sie ist gerecht, von mir
[Die einfache Bedeutung von צָדְקָה מִמֶּנִּי ist „sie ist gerechter als ich“. Raschi erklärt allerdings, dass dies hier nicht eine Debatte darüber sei, wer von beiden gerechter sei. Die zwei Worte צָדְקָה מִמֶּנִּי sind als zwei getrennte Aussagen zu verstehen:]
צָדְקָה „sie ist gerecht“: sie hat Recht mit ihren Worten
mit der Behauptung, dass sie vom Besitzer von Siegel, Tuch und Stab schwanger ist.
מִמֶּנִּי „von mir“ ist sie schwanger.
Unsere Lehrer (Sota 10b) deuteten das Wort מִמֶּנִּי: Eine himmlische Stimme rief aus: Durch Mich (מִמֶּנִּי) und von Mir ist die Sache ausgegangen. Weil sie im Haus ihres Schwiegervaters so sittsam (צְנוּעָה) gewesen ist, habe Ich bestimmt, dass Könige von ihr abstammen sollen, und vom Stamm Jehuda habe Ich beschlossen, Könige in Israel aufzustellen.
Raschi
denn ich habe sie nicht gegeben
Sie hat recht getan, weil ich sie nicht meinem Sohn Schela gegeben habe.
Raschi
Und er kam nicht mehr zu ihr
וְלֹא יָסַף עוֹד. Manche erklären, er kam nicht mehr zu ihr; manche erklären, er trennte sich nicht mehr von ihr. Ähnlich bei Eldad und Medad (Bam. 11:25) וְלֹא יָסָפוּ „sie fuhren nicht fort“, übersetzen wir „sie hörten nicht auf“.
Raschi
וַיְהִ֖י בְּעֵ֣ת לִדְתָּ֑הּ וְהִנֵּ֥ה תְאוֹמִ֖ים בְּבִטְנָֽהּ׃
27
27
Und es geschah zur Zeit, als sie gebar, siehe, es waren Zwillinge in ihrem Bauch.
Und es geschah zur Zeit, als sie gebar: und bei Riwka heißt es (Ber. 25:24) וַיִּמְלְאוּ יָמֶיהָ לָלֶדֶת „als ihre Tage voll waren, zu gebären“; dort waren die [neun] Monate [der Schwangerschaft] voll, und hier waren sie nicht voll.
Raschi
siehe, es waren Zwillinge
Das Wort תְאוֹמִים ist hier mit dem Buchstaben א (Alef) geschrieben, und [bei Riwka, Ber. 25:24] תּוֹמִם ohne den Buchstaben א, weil der eine ein Böser war; aber diese waren beide Zaddikim.
Raschi
וַיְהִ֥י בְלִדְתָּ֖הּ וַיִּתֶּן־יָ֑ד וַתִּקַּ֣ח הַמְיַלֶּ֗דֶת וַתִּקְשֹׁ֨ר עַל־יָד֤וֹ שָׁנִי֙ לֵאמֹ֔ר זֶ֖ה יָצָ֥א רִאשֹׁנָֽה׃
28
28
Und es geschah, während sie gebar, da streckte eine Hand hervor, und die Hebamme nahm sie und band eine rote Schnur um seine Hand und sagte: Der ist zuerst herausgekommen.
da streckte eine Hand hervor: der eine streckte die Hand heraus. Und nachdem die Hebamme den roten Faden um seine Hand gebunden hatte, zog er sie wieder zurück.
Raschi
וַיְהִ֣י ׀ כְּמֵשִׁ֣יב יָד֗וֹ וְהִנֵּה֙ יָצָ֣א אָחִ֔יו וַתֹּ֕אמֶר מַה־פָּרַ֖צְתָּ עָלֶ֣יךָ פָּ֑רֶץ וַיִּקְרָ֥א שְׁמ֖וֹ פָּֽרֶץ׃
29
29
Und es geschah, als er seine Hand zurückzog, siehe, da kam sein Bruder heraus, und sie sagte: Was für einen Riss (peretz) *hast du für dich gemacht! Da nannte man seinen Namen Peretz.***
Was für einen Riss hast du für dich gemacht: hast für dich Gewalt angewandt.
Raschi
וְאַחַר֙ יָצָ֣א אָחִ֔יו אֲשֶׁ֥ר עַל־יָד֖וֹ הַשָּׁנִ֑י וַיִּקְרָ֥א שְׁמ֖וֹ זָֽרַח׃ (ס)
30
30
Und danach kam sein Bruder heraus, der mit dem roten Faden an der Hand, und man nannte ihn Serach.
der mit dem roten Faden an der Hand
Vier Mal steht hier „Hand“, dem vierfachen Bann entsprechend, gegen den sich Achan verging, der von Serach abstammte.
Manche sagen, den vier Dingen entsprechend, die er nahm: einen Umhang von Schinar, zwei Stücke Silber von 200 Schekel und einen Streifen Gold.
Raschi
dem vierfachen Bann entsprechend: Als das Volk Israel die Stadt Jericho eroberte, erließ Jehoschua ein Verbot, Beute zu nehmen. Achan, der Urenkel Serachs, verstieß gegen dieses Verbot (Jeh. 5:17, 7:1). Zuvor hatte Achan bereits gegen drei weitere Verbote verstoßen: das Verbot der Beute von Amalek (siehe Schem. 17:8–16), das Verbot der Beute der Kana‘anim (Bam. 212:1–3) und das Verbot der Beute von Sichon und Og (Dew. 2:34, siehe Bam. 21:21–35). Im Zusammenhang mit Serachs ausgestreckter Hand erscheint der Begriff „Hand“ viermal, um anzudeuten, dass Serachs Nachkomme Achan viermal unrechtmäßig „seine Hand ausstreckte“, um verbotene Beute zu nehmen.
man nannte ihn Serach
Man nannte ihn Serach („Glanz“) nach dem Glanz der roten Farbe.
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