וַיְהִ֕י מִקֵּ֖ץ שְׁנָתַ֣יִם יָמִ֑ים וּפַרְעֹ֣ה חֹלֵ֔ם וְהִנֵּ֖ה עֹמֵ֥ד עַל־הַיְאֹֽר׃
1
1
Es geschah am Ende von zwei vollen Jahren und Pharao träumt: Siehe, er steht am Kanal.
Es geschah am Ende
וַיְהִי מִקֵּץ, wie der Targum übersetzt מִסּוֹף „am Ende“. Das Wort קֵץ bedeutet überall „Ende“.
Raschi
er steht am Kanal
עַל הַיְאוֹר „am Kanal“: Außer dem Nil wird kein anderer Fluss in Mizraim יְאוֹר „Kanal“ genannt. Im ganzen Land Mizraim gibt es Kanäle, die von Menschen errichtet wurden; wenn der Nil ansteigt, füllt er auch diese Kanäle, denn in Mizraim fällt nicht regelmäßig Regen.
Raschi
Nach Raschis Ansicht bezieht sich יְאוֹר auf einen künstlichen Wasserweg, einen „Kanal“; dagegen bezeichnet נְהַר einen natürlichen Wasserweg, einen „Fluss“. Obwohl der Nil ein Fluss ist, wird er als „der Kanal“ bezeichnet, da er die Quelle für alle von Menschen angelegten Kanäle ist.
וְהִנֵּ֣ה מִן־הַיְאֹ֗ר עֹלֹת֙ שֶׁ֣בַע פָּר֔וֹת יְפ֥וֹת מַרְאֶ֖ה וּבְרִיאֹ֣ת בָּשָׂ֑ר וַתִּרְעֶ֖ינָה בָּאָֽחוּ׃
2
2
Und siehe, aus dem Kanal steigen sieben Kühe, schön von Aussehen und fett an Fleisch, und sie weiden auf der Sumpfwiese.
schön von Aussehen
Das war ein Zeichen für die Jahre des Überflusses. In Jahren des Überflusses erscheinen die Menschen einander schön, weil das Auge des einen nicht neidisch auf den anderen blickt.
Raschi
auf der Sumpfwiese
אָחוּ „Sumpfwiese“, „Sumpf“ (maresc auf Französisch); wie (Ijow 8:11) יִשְׂגֶא אָחוּ „wächst Sumpfgras“.
Raschi
וְהִנֵּ֞ה שֶׁ֧בַע פָּר֣וֹת אֲחֵר֗וֹת עֹל֤וֹת אַחֲרֵיהֶן֙ מִן־הַיְאֹ֔ר רָע֥וֹת מַרְאֶ֖ה וְדַקּ֣וֹת בָּשָׂ֑ר וַֽתַּעֲמֹ֛דְנָה אֵ֥צֶל הַפָּר֖וֹת עַל־שְׂפַ֥ת הַיְאֹֽר׃
3
3
Und siehe, sieben andere Kühe steigen nach ihnen aus dem Kanal, hässlich von Aussehen und mager an Fleisch, und sie stellten sich neben die fetten Kühe ans Ufer des Kanals.
mager an Fleisch
דַקּוֹת בָּשָׂר, wörtl. „mager an Fleisch“, ein Ausdruck für „dünn“ (tenves auf Französisch).
Raschi
וַתֹּאכַ֣לְנָה הַפָּר֗וֹת רָע֤וֹת הַמַּרְאֶה֙ וְדַקֹּ֣ת הַבָּשָׂ֔ר אֵ֚ת שֶׁ֣בַע הַפָּר֔וֹת יְפֹ֥ת הַמַּרְאֶ֖ה וְהַבְּרִיאֹ֑ת וַיִּיקַ֖ץ פַּרְעֹֽה׃
4
4
Und die Kühe, die schlecht von Aussehen und mager an Fleisch waren, fraßen jene sieben Kühe, die schön von Aussehen und fett waren. Und Pharao erwachte.
fraßen jene sieben Kühe
Das war ein Zeichen, dass die Menschen die ganze Freude des Überflusses in den Tagen des Hungers vergessen würden.
Raschi
וַיִּישָׁ֕ן וַֽיַּחֲלֹ֖ם שֵׁנִ֑ית וְהִנֵּ֣ה ׀ שֶׁ֣בַע שִׁבֳּלִ֗ים עֹל֛וֹת בְּקָנֶ֥ה אֶחָ֖ד בְּרִיא֥וֹת וְטֹבֽוֹת׃
5
5
Und er schlief wieder ein und träumte zum zweiten Mal: Und siehe, sieben Ähren wachsen an einem Halm, gesund und gut.
Ähren: oberster Teil des Getreidehalms, an dem die Körner sitzen.
an einem Halm
בְּקָנֶה אֶחָד, Halm, Rohr (tudel auf Französisch).
Raschi
gesund
בְּרִיאוֹת, kräftig, gesund (seines auf Französisch).
Raschi
וְהִנֵּה֙ שֶׁ֣בַע שִׁבֳּלִ֔ים דַּקּ֖וֹת וּשְׁדוּפֹ֣ת קָדִ֑ים צֹמְח֖וֹת אַחֲרֵיהֶֽן׃
6
6
Und sieben dünne, vom Ostwind versengte Ähren wachsen nach ihnen.
versengte Ähren
וּשְׁדוּפוֹת, verbrannt vom Ostwind (hasledes auf Französisch). Targum Onkelos übersetzt mit וּשְׁקִיפָן קִדּוּם „ausgeklopft vom Ostwind“, ausgedroschen, vom Ausdruck מַשְׁקוֹף „oberer Türstock“, der immer von der Tür, die gegen ihn schlägt, getroffen wird.
Raschi
Ostwind
קָדִים, Ostwind (auf Französisch bise).
Raschi
וַתִּבְלַ֙עְנָה֙ הַשִּׁבֳּלִ֣ים הַדַּקּ֔וֹת אֵ֚ת שֶׁ֣בַע הַֽשִּׁבֳּלִ֔ים הַבְּרִיא֖וֹת וְהַמְּלֵא֑וֹת וַיִּיקַ֥ץ פַּרְעֹ֖ה וְהִנֵּ֥ה חֲלֽוֹם׃
7
7
Und die dünnen Ähren verschluckten die sieben dicken und vollen Ähren. Da wachte Pharao auf, und siehe, es war ein Traum.
die vollen
הַבְּרִיאוֹת, die gesunden, kräftigen (seines auf Französisch).
Raschi
und siehe, es war ein Traum: und siehe, ein ganzer Traum lag vollendet vor ihm und benötigte einen Deuter.
Raschi
וַיְהִ֤י בַבֹּ֙קֶר֙ וַתִּפָּ֣עֶם רוּח֔וֹ וַיִּשְׁלַ֗ח וַיִּקְרָ֛א אֶת־כָּל־חַרְטֻמֵּ֥י מִצְרַ֖יִם וְאֶת־כָּל־חֲכָמֶ֑יהָ וַיְסַפֵּ֨ר פַּרְעֹ֤ה לָהֶם֙ אֶת־חֲלֹמ֔וֹ וְאֵין־פּוֹתֵ֥ר אוֹתָ֖ם לְפַרְעֹֽה׃
8
8
Und am Morgen, da schlug ihm das Herz; er schickte aus und ließ alle Zeichendeuter und alle Gelehrten Mizraims rufen und erzählte ihnen, was er geträumt hatte; aber keiner wusste die Träume für Pharao zu deuten.
da schlug ihm das Herz
וַתִּפָּעֶם רוּחוֹ, der Targum übersetzt mit וּמִטָּרְפָא רוּחֵיהּ „sein Geist war beunruhigt“, es klang in ihm wie von einer Glocke (פַּעֲמוֹן).
Hier verwendet der Vers die Form וַתִּפָּעֶם [mit einem ת Taw], aber bei Nebukadnezar sagt er (Dan. 2:1) וַתִּתְפָּעֶם רוּחוֹ [mit zwei ת Taw] weil dort eine doppelte Beunruhigung vorhanden war, das Vergessen des Traumes und die Verborgenheit der Deutung.
Raschi
Nebukadnezar, König von Bawel (Babylon), träumte einen Traum, der ihn tief verstörte. Als er erwachte, konnte sich nicht mehr an den Inhalt des Traumes erinnern. Er rief die weisen Männer des Königreichs zusammen und forderte sie auf, den Traum zu deuten und ihm in Erinnerung zu rufen, was er geträumt hatte. Sie antworteten, dass es unmöglich sei, seinen Wunsch zu erfüllen, da noch nie ein König verlangt habe, einen vergessenen Traum zu nennen. In seiner Wut befahl Nebukadnezar, alle Weisen des Königreichs hinrichten zu lassen. Auch Daniel und seine Freunde sollten getötet werden, sie aber beteten zu G‑tt, und G‑tt offenbarte Daniel den Traum und seine Bedeutung. Daniel begab sich zum Palast und offenbarte im Namen G‑ttes den Traum und seine Bedeutung. Daniel wurde daraufhin zum obersten Minister ernannt (Daniel, Kap. 2).
Zeichendeuter
חַרְטֻמֵּי – הַנֶּחֱרִים בְּטִימֵי „die die Totenknochen befragen“. טִימֵי bedeutet „Knochen“ im Aramäischen und in der Mischna: בַּיִת שֶׁהוּא מָלֵא טִמְיָא „ein Haus, das mit Knochen angefüllt ist“ (Ohalot 17:3).
Raschi
keiner wusste die Träume für Pharao zu deuten
Sie deuteten die Träume, aber nicht für Pharao, ihre Stimme drang nicht in sein Ohr, und er fand keine Beruhigung durch ihre Deutung. Sie sagten, sieben Töchter wirst du zeugen, sieben Töchter wirst du begraben.
Raschi
וַנַּֽחַלְמָ֥ה חֲל֛וֹם בְּלַ֥יְלָה אֶחָ֖ד אֲנִ֣י וָה֑וּא אִ֛ישׁ כְּפִתְר֥וֹן חֲלֹמ֖וֹ חָלָֽמְנוּ׃
11
11
Da hatten wir, ich und er, in einer Nacht einen Traum, und der Traum von jedem hatte seine Bedeutung.
und der Traum von jedem hatte seine Bedeutung
אִישׁ כְּפִתְרוֹן חֲלוֹמוֹ „ein jeder gleich der Deutung seines Traumes“, ein Traum, der zu der Deutung passt, die uns gegeben wurde, und ihr ähnlich war.
Raschi
וְשָׁ֨ם אִתָּ֜נוּ נַ֣עַר עִבְרִ֗י עֶ֚בֶד לְשַׂ֣ר הַטַּבָּחִ֔ים וַנְּ֨סַפֶּר־ל֔וֹ וַיִּפְתָּר־לָ֖נוּ אֶת־חֲלֹמֹתֵ֑ינוּ אִ֥ישׁ כַּחֲלֹמ֖וֹ פָּתָֽר׃
12
12
Und dort, bei uns, war ein junger Hebräer, ein Sklave des Obersten der Schlächter; dem erzählten wir unsere Träume, und er deutete sie uns, einem jeden nach seinem Traum.
ein junger Hebräer, ein Sklave
Verflucht die Bösen, die keine Wohltat aufrichtig tun. Er erwähnte ihn mit verächtlichen Ausdrücken:
ein Jüngling, der noch dumm und für eine Auszeichnung nicht würdig ist;
ein Hebräer, unsere Sprache spricht er nicht;
ein Sklave, und in den Gesetzen von Mizraim steht, dass ein Sklave nicht regieren und keine fürstlichen Gewänder tragen darf.
Raschi
einem jeden nach seinem Traum
אִישׁ כַּחֲלוֹמוֹ „einem jeden nach seinem Traum“: dem Traum entsprechend und seinem Inhalt ähnlich.
Raschi
וַיְהִ֛י כַּאֲשֶׁ֥ר פָּֽתַר־לָ֖נוּ כֵּ֣ן הָיָ֑ה אֹתִ֛י הֵשִׁ֥יב עַל־כַּנִּ֖י וְאֹת֥וֹ תָלָֽה׃
13
13
Nun war es, wie er es uns gedeutet hatte, so geschah es; mich setzte Pharao wieder in mein Amt ein, und ihn hängte man.
mich setzte er wieder in mein Amt ein
הֵשִׁיב עַל כַּנִּי „mich setzte er wieder in mein Amt ein“. [Das Subjekt ist hier nicht Josef, der im Vers zuletzt erwähnt wurde, sondern auf] Pharao, der zuvor erwähnt wurde (Vers 10) פַּרְעֹה קָצַף עַל עֲבָדָיו „Pharao war zornig auf seine Diener“. Es ist das ein Vers mit kurzem Ausdruck; er erklärt nicht, wer wieder einsetzte, weil er nicht zu erklären braucht, wer wieder einsetzte, nämlich wer die Macht hat, wieder einzusetzen – und das ist Pharao. Und so ist die Art aller kurzen Verse: denjenigen, der diese Aufgabe hat, es zu tun, nennen sie nicht ausdrücklich.
Raschi
וַיִּשְׁלַ֤ח פַּרְעֹה֙ וַיִּקְרָ֣א אֶת־יוֹסֵ֔ף וַיְרִיצֻ֖הוּ מִן־הַבּ֑וֹר וַיְגַלַּח֙ וַיְחַלֵּ֣ף שִׂמְלֹתָ֔יו וַיָּבֹ֖א אֶל־פַּרְעֹֽה׃
14
14
Da schickte Pharao aus und ließ Josef rufen; man holte ihn schnell aus dem Gefängnis, er ließ sich die Haare schneiden und wechselte seine Kleider, und er kam vor Pharao.
aus dem Gefängnis
מִן הַבּוֹר, wörtl. „aus der Grube“: aus dem Gefängnis, das wie eine Grube gemacht war; und so jedesmal, wenn בּוֹר im Vers steht, bedeutet es „Grube“. Auch wenn kein Wasser darin ist, wird es בּוֹר genannt (fose auf Französisch).
Raschi
er ließ sich die Haare schneiden: aus Respekt vor der Regierung.
Raschi