וְהָיָה֩ כִֽי־יָבֹ֨אוּ עָלֶ֜יךָ כָּל־הַדְּבָרִ֣ים הָאֵ֗לֶּה הַבְּרָכָה֙ וְהַקְּלָלָ֔ה אֲשֶׁ֥ר נָתַ֖תִּי לְפָנֶ֑יךָ וַהֲשֵׁבֹתָ֙ אֶל־לְבָבֶ֔ךָ בְּכָל־הַגּוֹיִ֔ם אֲשֶׁ֧ר הִדִּיחֲךָ֛ יְהוָ֥ה אֱלֹהֶ֖יךָ שָֽׁמָּה׃
1
1
Und es wird geschehen, wenn über dich alle diese Dinge kommen, der Segen und der Fluch, die Ich dir vorgelegt habe, und du führst es dir zu Herzen unter allen Völkern, wohin dich der Ewige, dein G‑tt, verstoßen hat.
und du führst es dir zu Herzen unter allen Völkern
Nimm es dir zu Herzen, in Teschuwa umzukehren zum vollständigen Dienst an G‑tt, während du im Exil unter den Völkern bist.
Targum Jonathan
und du führst es dir zu Herzen
Was sollst du dir besonders zu Herzen führen? Diese Tatsache selbst nimm dir zu Herzen, בְּכָל הַגּוֹיִם אֲשֶׁר הִדִּיחֲךָ dass du „unter alle Völker verstoßen bist“ aufgrund deines irrenden Herzens und der Abkehr von den g‑ttlichen Geboten. Deine schlechten Taten haben dazu geführt, dass du unter den Völkern im Exil bist.
Or haChaim, Alschich
unter allen Völkern
בְּכָל הַגּוֹיִם אֲשֶׁר הִדִּיחֲךָ „Unter allen Völkern, wohin du verstoßen wurdest“, in allen Formen des Exils halte dir stets vor Augen: ה’ אֱלֹהֶיךָ שָׁמָּה „dort ist der Ewige, dein G‑tt“ mit dir.
Jalkut Gerschoni aus שו״ת הריב״א
und du führst es dir zu Herzen
Die Tätigkeit des Erkennens von Tatsachen wird als eine nach außen gehende Richtung des Geistes begriffen. Die Tätigkeit aber, die das so Erkannte nun vor das urteilende und folgernde Nachdenken bringt, wird als eine zurückbringende, von außen nach innen gerichtete Tätigkeit beschrieben. Dafür ist הֵשִׁיב אֶל לֵב der geeignete Ausdruck.
Auch im Vers (Dew. 4:39) וְיָדַעְתָּ גו׳ וַהֲשֵׁבֹתָ אֶל לְבָבֶךָ „So erkenne heute und führe es dir zu Herzen“ ist die Aufforderung, das Erkennen auf die geschichtlichen Tatsachen zu richten (וְיָדַעְתָּ) und sie sodann vor den urteilenden und folgernden Verstand und das sich entschließende Wollen zurückzubringen (וַהֲשֵׁבֹתָ אֶל לְבָבֶךָ).
Rabbi Schimschon R. Hirsch
וְשַׁבְתָּ֞ עַד־יְהוָ֤ה אֱלֹהֶ֙יךָ֙ וְשָׁמַעְתָּ֣ בְקֹל֔וֹ כְּכֹ֛ל אֲשֶׁר־אָנֹכִ֥י מְצַוְּךָ֖ הַיּ֑וֹם אַתָּ֣ה וּבָנֶ֔יךָ בְּכָל־לְבָבְךָ֖ וּבְכָל־נַפְשֶֽׁךָ׃
2
2
Und wenn du zurückkehrst zu dem Ewigen, deinem G‑tt, und Seiner Stimme gehorchst ganz so, wie Ich dir heute befehle, du und deine Kinder, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele,
וְשָׁ֨ב יְהוָ֧ה אֱלֹהֶ֛יךָ אֶת־שְׁבוּתְךָ֖ וְרִחֲמֶ֑ךָ וְשָׁ֗ב וְקִבֶּצְךָ֙ מִכָּל־הָ֣עַמִּ֔ים אֲשֶׁ֧ר הֱפִֽיצְךָ֛ יְהוָ֥ה אֱלֹהֶ֖יךָ שָֽׁמָּה׃
3
3
dann wendet der Ewige, dein G‑tt, deine Gefangenschaft und erbarmt sich deiner, und wiederum sammelt Er dich wieder aus allen Völkern, wohin dich der Ewige, dein G‑tt, zerstreut hat.
wendet der Ewige, dein G‑tt, deine Gefangenschaft
Er führt die im Exil Gefangenen zurück. [Targum Onkelos]
Er nimmt ihre Teschuwa mit Wohlgefallen an.
Targum Jonathan
wendet der Ewige, dein G‑tt, deine Gefangenschaft
וְשָׁב ה׳ אֱלֹהֶיךָ אֶת שְׁבוּתְךָ „wendet der Ewige, dein G‑tt, deine Gefangenschaft“. Die Verbform hätte וְהֵשִׁיב אֶת שְׁבוּתְךָ sein sollen. Unsere Weisen lernen daraus: Die Schechina selbst ist gewissermaßen auch in der Not des Exils gefangen. Und wenn Israel erlöst wird, schreibt der Ewige die Erlösung von sich selbst, dass Er mit Israel zurückkehren wird (Megilla 29a).
Außerdem kann man sehen, dass groß der Tag des Sammelns der Verbannten (יוֹם קִבּוּץ גָּלֻיּוֹת) ist und schwierig, als ob G‑tt selbst mit Seinen Händen jeden Einzelnen an seinem Ort anfassen und herausbringen müsse, wie es heißt (Jesch. 27:12): וְאַתֶּם תְּלֻקְּטוּ לְאַחַד אֶחָד בְּנֵי יִשְׂרָאֵל „und ihr werdet einzeln einzeln gesammelt werden, Kinder Israel“.
Raschi
wohin dich zerstreut hat
Das Wort הֱפִיצְךָ („zerstreut“) im vorliegenden Vers spricht vom Exil und der Zerstreuung unter den Völkern.
Das Wort הִדִּיחֲךָ („verstoßen“) in Vers 1 bezieht sich auf die Mizwot; inmitten fremder Kulturen sind die Juden oft von der praktischen Ausführung der Mizwot abgewandt (נִדָּחִם).
Kli Jakar
וֶהֱבִֽיאֲךָ֞ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֗יךָ אֶל־הָאָ֛רֶץ אֲשֶׁר־יָרְשׁ֥וּ אֲבֹתֶ֖יךָ וִֽירִשְׁתָּ֑הּ וְהֵיטִֽבְךָ֥ וְהִרְבְּךָ֖ מֵאֲבֹתֶֽיךָ׃
5
5
Und der Ewige, dein G‑tt, bringt dich in das Land, das deine Väter in Besitz genommen haben. Und Er tut dir Gutes und mehrt dich, mehr als deine Vorfahren.
mehr als deine Vorfahren
G‑tt wird dich noch mehr als deine Vorfahren mehren. [Targum Jonathan]
Weil du den guten Vorsatz zur Teschuwa bisher nur in deinem Herz trägst, aber die Mizwot im tatsächlichen Handeln noch nicht vollkommen ausführst, ist das Gute, das G‑tt dir erweist, nicht dein Verdienst, sondern das deiner Vorfahren.
Kli Jakar
וּמָ֨ל יְהוָ֧ה אֱלֹהֶ֛יךָ אֶת־לְבָבְךָ֖ וְאֶת־לְבַ֣ב זַרְעֶ֑ךָ לְאַהֲבָ֞ה אֶת־יְהוָ֧ה אֱלֹהֶ֛יךָ בְּכָל־לְבָבְךָ֥ וּבְכָל־נַפְשְׁךָ֖ לְמַ֥עַן חַיֶּֽיךָ׃
6
6
Und der Ewige, dein G‑tt, beschneidet dein Herz und das Herz deiner Kinder, damit du liebest den Ewigen, deinen G‑tt, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, damit du lebest.
beschneidet dein Herz
Das ist ein Gleichnis für die Dummheit des Herzens. וּמָל im Sinn von וְיַעְדֵּי „entfernen“.
Targum Onkelos
Das ist ein Gleichnis für die Gelüste und Triebe des Menschen.
Ramban
dein Herz und das Herz
Die Anfangsbuchstaben von אֶת לְבָבְךָ וְאֶת לְבַב „dein Herz und das Herz [deiner Kinder]“ ergeben das Wort אֱלוּל (Elul). In diesem Zusammenhang ist es Brauch, ab Rosch Chodesch Elul frühmorgens aufzustehen und Slichot zu sagen.
Baal haTurim
damit du lebest: damit du ewiges Leben erreichst.
Targum Jonathan, Seforno