וְנָתַן֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ אֵ֥ת כָּל־הָאָל֖וֹת הָאֵ֑לֶּה עַל־אֹיְבֶ֥יךָ וְעַל־שֹׂנְאֶ֖יךָ אֲשֶׁ֥ר רְדָפֽוּךָ׃
7
7
Und der Ewige, dein G‑tt, legt alle diese Flüche auf deine Feinde und auf deine Hasser, die dich verfolgen.
deine Feinde … deine Hasser
Feinde: die dich offen attackieren; Hasser: die dich im Herzen hassen.
Seforno
legt alle diese Flüche auf deine Feinde und auf deine Hasser, und du wirst Vergeltung üben dafür, dass sie dich verfolgt haben.
Bechor Schor
וְאַתָּ֣ה תָשׁ֔וּב וְשָׁמַעְתָּ֖ בְּק֣וֹל יְהוָ֑ה וְעָשִׂ֙יתָ֙ אֶת־כָּל־מִצְוֺתָ֔יו אֲשֶׁ֛ר אָנֹכִ֥י מְצַוְּךָ֖ הַיּֽוֹם׃
8
8
Du kehrst zurück zu G‑tt und gehorchst der Stimme des Ewigen und übst alle Seine Gebote aus, die ich dir heute befehle.
Du kehrst zurück
וְאַתָּה תָשׁוּב „du kehrst zurück“. Es steht doch schon (Vers 2) וְשַׁבְתָּ עַד ה׳ אֱלֹהֶיךָ „und du kehrst um zu dem Ewigen, deinem G‑tt“?
Hier bedeutet das Wort תָשׁוּב „ruhen“, so wie wir bei Jeschajahu (30:15) sehen בְּשׁוּבָה וָנַחַת „in Ruhe“. וְאַתָּה תָשׁוּב „Du wirst ruhen“, weil das Ende allen Exils gekommen ist.
Seforno
Du kehrst zurück
Drei Mal wird in diesen Versen Teschuwa angesprochen, und jeweils mit einer anderen inhaltlichen Ausrichtung:
1. Vers 2 וְשַׁבְתָּ עַד ה׳ אֱלֹהֶיךָ „und du kehrst um zu dem Ewigen, deinem G‑tt“ steht für die Umkehr durch das ernsthafte Torahlernen, den Anfang aller Teschuwa.
2. Vers 6 וּמָל ה’ אֱלֹהֶיךָ אֶת לְבָבְךָ „der Ewige beschneidet dein Herz“ ist die Teschuwa für Verbote (מִצְווֹת לֹא תַעֲשֶׂה), die der Mensch übertreten hat.
3. Der vorliegende Vers, Vers 8 וְאַתָּה תָשׁוּב „Du kehrst zurück“ ist die Teschuwa für Gebote (מִצְווֹת עֲשֵׂה), wie es weiter im Vers heißt „… und ausüben alle Seine Gebote“.
Or haChaim
וְהוֹתִֽירְךָ֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהֶ֜יךָ בְּכֹ֣ל ׀ מַעֲשֵׂ֣ה יָדֶ֗ךָ בִּפְרִ֨י בִטְנְךָ֜ וּבִפְרִ֧י בְהֶמְתְּךָ֛ וּבִפְרִ֥י אַדְמָתְךָ֖ לְטוֹבָ֑ה כִּ֣י ׀ יָשׁ֣וּב יְהוָ֗ה לָשׂ֤וּשׂ עָלֶ֙יךָ֙ לְט֔וֹב כַּאֲשֶׁר־שָׂ֖שׂ עַל־אֲבֹתֶֽיךָ׃
9
9
Und der Ewige, dein G‑tt, gibt Überfluss in allem Werk deiner Hände, in der Frucht deines Schoßes und in der Frucht deines Viehs und in der Frucht deines Erdbodens zum Guten. Denn der Ewige freut sich wieder über dich zum Guten, so wie Er sich gefreut hat über deine Väter.
gibt Überfluss
Das Wort וְהוֹתִירְךָ bedeutet „hinzufügen“.
Saadia Gaon
Das Wort וְהוֹתִירְךָ bedeutet: größeren Erfolg als je zuvor wird dir der Ewige geben.
Seforno
Das Wort וְהוֹתִירְךָ kommt vom Begriff שִׁיּוּר „übriglassen“: auf deine Feinde werden all die Flüche kommen (Vers zuvor), und dich wird der Ewige verschonen.
Ibn Esra
Frucht deines Schoßes: deine Kinder.
Ibn Esra zu Bereschit 15:4
Denn der Ewige
Dieses כִּי bedeutet „weil“, „denn“.
Rabbenu Meyuchas
Das Wort כִּי im vorliegenden Vers ist im Zusammenhang mit dem nächsten Vers zu sehen: כִּי תִשְׁמַע „Wenn du gehorchst“,
כִּי תָשׁוּב „und wenn du zurückkehrst“ zum Ewigen. Die Erlösung כִּי יָשׁוּב ה׳ לָשׂוּשׂ עָלֶיךָ לְטוֹב „der Ewige freut sich wieder über dich zum Guten“) ist abhängig von der Erfüllung der Mizwot (כִּי תִשְׁמַע, „wenn du gehorchst“) und der Umkehr zu G‑tt mit ganzem Herzen (כִּי תָשׁוּב גו׳ בְּכָל לְבָבְךָ „wenn du umkehrt zum Ewigen, deinem G‑tt, mit deinem ganzen Herzen“).
Chiskuni, Seforno
deine Väter: eure Väter, die in dieses Land gekommen sind.
Ibn Esra
כִּ֣י תִשְׁמַ֗ע בְּקוֹל֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ לִשְׁמֹ֤ר מִצְוֺתָיו֙ וְחֻקֹּתָ֔יו הַכְּתוּבָ֕ה בְּסֵ֥פֶר הַתּוֹרָ֖ה הַזֶּ֑ה כִּ֤י תָשׁוּב֙ אֶל־יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ בְּכָל־לְבָבְךָ֖ וּבְכָל־נַפְשֶֽׁךָ׃ (פ)
10
10
Denn du gehorchst der Stimme des Ewigen, deines G‑ttes, zu beachten Seine Gebote und Seine Anordnungen, die niedergeschrieben sind in diesem Buch der Torah. Denn du kehrst zurück zu dem Ewigen, deinem G‑tt, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele.
Denn du gehorchst der Stimme des Ewigen
Dieses כִּי bedeutet „weil“, „denn“. [Rabbenu Meyuchas]
Dieses כִּי bedeutet „wenn“.
Chiskuni
zu beachten Seine Gebote … mit deinem ganzen Herzen: die Beachtung und Ausführung der Mizwot muss „mit deinem ganzen Herzen“ erfolgen.
Ibn Esra
כִּ֚י הַמִּצְוָ֣ה הַזֹּ֔את אֲשֶׁ֛ר אָנֹכִ֥י מְצַוְּךָ֖ הַיּ֑וֹם לֹֽא־נִפְלֵ֥את הִוא֙ מִמְּךָ֔ וְלֹ֥א רְחֹקָ֖ה הִֽוא׃
11
11
Denn dieses Gebot, das ich dir heute befehle, ist dir nicht verborgen und ist nicht fern,
Denn dieses Gebot
„Dieses Gebot“: das Torahlernen. [Eruwin 55a]
„Dieses Gebot“: alle Mizwot der Torah. [Rabbenu Bechaje]
„Dieses Gebot“: die Mizwa von Teschuwa, wie in den Versen zuvor angesprochen: (Vers 1) וַהֲשֵׁבֹתָ אֶל לְבָבֶךָ „du führst es dir zu Herzen“, (Vers 2) וְשַׁבְתָּ עַד ה׳ אֱלֹהֶיךָ „du kehrst zurück zum Ewigen, deinem G‑tt“. Damit ist das g‑ttliche Versprechen ausgedrückt, dass es so geschehen wird. Darauf bezogen sagt Mosche (Vers 4) אִם יִהְיֶה נִדַּחֲךָ בִּקְצֵה הַשָּׁמָיִם „Wenn deine Verstoßenen sind am Ende des Himmels“ und du dich unter der Herrschaft der Völker findest, kannst du zum Ewigen umkehren und all das erfüllen, was ich dir heute auftrage, denn „nicht verborgen“ und „nicht fern“ ist es dir, sondern (Vers 14) קָרוֹב אֵלֶיךָ הַדָּבָר מְאֹד גו׳ לַעֲשֹׂתוֹ „sehr nahe ist dir die Sache … sie zu tun“ zu jeder Zeit und an jedem Ort.
Ramban
nicht verborgen
לֹא נִפְלֵאת הִוא מִמְּךָ „ist dir nicht verborgen“. Wie im Vers (Dew. 17:8) כִּי יִפָּלֵא, wo [von Targum Onkelos] übersetzt wird
אֲרֵי יִתִּכְסֵי „wenn [dir ein Rechtsspruch] verborgen sein sollte“. Und wie im Vers (Echa 1:9) וַתֵּרֶד פְּלָאִים „[die Stadt Jeruschalaim] sank ins Dunkel“, sie sank in Verborgenheit; [Jeruschalaim] war verborgen und eingeschlossen an einer verborgenen Stätte.
Der Vers in Echa beschreibt bildhaft den Verfall Jeruschalaims, gleichsam als sei es in eine tiefe Grube gestürzt, worin alles verborgen und eingeschlossen liegt, vergleichbar einem im Verborgenen gefangenen Häftling.
Beer Jizchak, Josef Hallel, Beer Majim Chaim
Die letzten zwei Worte in Raschis Kommentar וַחֲבוּשָׁה בְּטָמוּן sind eine sprachlich leicht abgewandelte Form des Verses in Ijow (40:13) חֲבֹשׁ בַּטָּמוּן „eingeschlossen in Verborgenheit“.
nicht verborgen … und nicht fern
לֹא נִפְלֵאת הִוא מִמְּךָ „ist dir nicht verborgen“, das ist das Verstehen der Torah.
וְלֹא רְחֹקָה הִוא „und ist nicht fern“, das ist die Erfüllung der Mizwot.
Or haChaim, Kli Jakar
לֹ֥א בַשָּׁמַ֖יִם הִ֑וא לֵאמֹ֗ר מִ֣י יַעֲלֶה־לָּ֤נוּ הַשָּׁמַ֙יְמָה֙ וְיִקָּחֶ֣הָ לָּ֔נוּ וְיַשְׁמִעֵ֥נוּ אֹתָ֖הּ וְנַעֲשֶֽׂנָּה׃
12
12
nicht im Himmel ist es, um sagen zu müssen: Wer steigt für uns in den Himmel und holt es uns und lässt es uns hören, damit wir es tun.
nicht im Himmel ist es
Denn, wenn es im Himmel wäre, müsstest du hinaufsteigen und dort lernen (Eruwin 55a).
Raschi
nicht im Himmel ist es
Es gibt keine echte Torah bei denen, die sich arrogant erheben über die Mitmenschen wie der Himmel über die Erde.
Eruwin 55a
Die Weisen sagten:
בְּכָל מָקוֹם שֶׁאַתָּה מוֹצֵא גְּדֻלָּתוֹ, שֶׁל הַקָּדוֹשׁ־בָּרוּךְ־הוּא – שָׁם אַתָּה מוֹצֵא עַנְוְתָנוּתוֹ
„Wo du die Größe des Ewigen findest, dort findest du auch Seine Bescheidenheit“ (Megilla 31a). Das bedeutet auch: Sieht man jemanden, der „Größe“ גְּדוּלָּה besitzt – ein hohes Maß an Torahkenntnis oder außergewöhnlichen Reichtum –, und es steht die Frage im Raum: Stammt diese „Größe“ שֶׁל הַקָּדוֹשׁ־בָּרוּךְ־הוּא „vom Ewigen“? – dann zeigt das Maß an עַנְוְתָנוּתוֹ, Demut des Menschen, die Antwort.
Rabbi Israel von Modzitz
וְלֹֽא־מֵעֵ֥בֶר לַיָּ֖ם הִ֑וא לֵאמֹ֗ר מִ֣י יַעֲבָר־לָ֜נוּ אֶל־עֵ֤בֶר הַיָּם֙ וְיִקָּחֶ֣הָ לָּ֔נוּ וְיַשְׁמִעֵ֥נוּ אֹתָ֖הּ וְנַעֲשֶֽׂנָּה׃
13
13
Und nicht jenseits des Meeres ist das Gebot, um sagen zu müssen: Wer zieht für uns über das Meer und holt es uns und lässt es uns hören, damit wir es ausüben.
nicht jenseits des Meeres
„Nicht jenseits des Meeres“ ist die Erklärung und Fortsetzung von „ist nicht fern“ (Vers 11).
Ibn Esra
Das wendet sich an das Volk Israel in den verschiedenen Ländern der Erde, damit sie nicht sagen, die Torah und ihre Mizwot seien nur im Land Israel zu erfüllen.
R. Jonathan Eibeschütz
כִּֽי־קָר֥וֹב אֵלֶ֛יךָ הַדָּבָ֖ר מְאֹ֑ד בְּפִ֥יךָ וּבִֽלְבָבְךָ֖ לַעֲשֹׂתֽוֹ׃ (ס)
14
14
Sondern sehr nahe ist dir die Sache in deinem Mund und in deinem Herzen, um sie zu tun.
Sondern
Das Wort כִּי hat hier die Bedeutung „sondern“.
Saadia Gaon, Raschbam
Sondern sehr nahe ist dir
Die Torah wurde euch schriftlich und mündlich gegeben.
Raschi
„Sehr nahe“ bezieht sich dabei auf die Schriftliche Torah (תּוֹרָה שֶׁבִּכְתָב), die den Augen sichtbar ist. „In deinem Mund und in deinem Herzen“ bezieht sich auf die Mündliche Torah (תּוֹרָה שֶׁבְּעַל פֶּה), denn sie wird im Gedächtnis des Herzens bewahrt, wenn der Mensch sie auswendig lernt.
Minchat Jehuda
Sondern sehr nahe ist dir
R. Jehoschua ben Chanania sagte: Einst befand ich mich auf der Reise, und als ich einen Jungen an einer Wegkreuzung sitzen sah, fragte ich ihn, welcher Weg in die Stadt (Jeruschalaim) führe. Er sagte: „Ein Weg ist kurz aber lang, der andere ist lang aber kurz.“ Ich ging den kurzen Weg. Ich hatte schon fast die Stadt erreicht, da standen mir unüberwindbare Hindernisse entgegen. Ich kehrte um und sagte zu ihm: „Mein Sohn, sagtest du nicht, dieser Weg sei kurz?“ Da erwiderte er: „Ich sagte: kurz aber lang.“
Eruwin 53b
Sondern sehr nahe ist dir
Wo ist die Torah euch nahe? Im Bet Midrasch! „In deinem Mund“, öffne den Mund, um die Worte der Torah auszusprechen, „und in deinem Herzen“, denke über das Gelernte im Herzen nach.
Targum Jonathan
Sondern sehr nahe ist dir
Wann ist die Torah dir nahe? Wenn du die Worte der Torah ständig „in deinem Mund“ aussprichst und darüber „in deinem Herzen“ nachdenkst, dann sind dir die Mizwot sehr nahe „um sie zu tun“.
Eruwin 54a
um sie zu tun: denn die vorrangige Aufgabe des Menschen ist es, die Gebote praktisch auszuführen.
Ralbag
in deinem Mund und in deinem Herzen, um sie zu tun
Echtes Torahlernen „in deinem Mund“ ist vereint mit dem Entschluss בִלְבָבְךָ לַעֲשֹׂתוֹ, „in deinem Herzen ist, sie zu tun“ – dass man das Gelernte auch im eigenen Leben ausführen wird.
Meschech Chochma