וַיְהִ֗י אַחַר֙ הַדְּבָרִ֣ים הָאֵ֔לֶּה חָֽטְא֛וּ מַשְׁקֵ֥ה מֶֽלֶךְ־מִצְרַ֖יִם וְהָאֹפֶ֑ה לַאֲדֹנֵיהֶ֖ם לְמֶ֥לֶךְ מִצְרָֽיִם׃
1
1
Und es geschah nach diesen Dingen, da versündigten sich der Mundschenk des Königs von Mizraim und der Bäcker gegen ihren Herrn, den König von Mizraim.
Und es geschah nach diesen Dingen
Weil jene Verwünschte (Potifars Frau) den Zaddik im Mund aller geläufig gemacht hatte, dass man von ihm schlecht redete, darum brachte ihnen der Ewige die Verfehlung dieser beiden, damit sie sich mit ihnen und nicht mit ihm beschäftigen würden; und außerdem, damit durch sie die Erlösung für den Zaddik kommen würde.
Raschi
versündigten sich
Bei dem einen wurde eine Fliege im Trinkpokal gefunden, den er dem König reichte, und bei dem anderen fand sich eine kleine Erdscholle in seinem Weißbrot.
Raschi
Aus ihrer Bestrafung kannst du ihr Vergehen entnehmen. Denn die Fliege fiel von selbst in den Trinkpokal, ohne dass er es bemerkte, und so wurde er wieder in sein Amt eingesetzt. Das Vergehen des Bäckers aber war schwerwiegend, denn er war verpflichtet, das Mehl vor der Zubereitung zu prüfen, und so wurde er gehängt.
Misrachi
Mundschenk: am Königshof für die Getränke verantwortlich.
der Bäcker: des Brotes für den König; der Ausdruck אֲפִיָּה wird nur bei Brot gebraucht. Auf Französisch pestor „Brotbäcker“.
Raschi
וַיִּתֵּ֨ן אֹתָ֜ם בְּמִשְׁמַ֗ר בֵּ֛ית שַׂ֥ר הַטַבָּחִ֖ים אֶל־בֵּ֣ית הַסֹּ֑הַר מְק֕וֹם אֲשֶׁ֥ר יוֹסֵ֖ף אָס֥וּר שָֽׁם׃
3
3
und Pharao gab sie in Gewahrsam, in das Haus des Obersten der Schlächter, ins Gefängnis, an den Ort, wo Josef gefangen war.
וַ֠יִּפְקֹד שַׂ֣ר הַטַּבָּחִ֧ים אֶת־יוֹסֵ֛ף אִתָּ֖ם וַיְשָׁ֣רֶת אֹתָ֑ם וַיִּהְי֥וּ יָמִ֖ים בְּמִשְׁמָֽר׃
4
4
Und der Oberste der Schlächter bestellte Josef zu ihnen, dass er sie bediene; und sie waren eine Zeitlang in Gewahrsam.
Und der Oberste der Schlächter bestellte Josef: bei ihnen zu sein.
Raschi
eine Zeitlang
Das Wort יָמִים bedeutet 12 Monate.
Raschi
וַיַּֽחַלְמוּ֩ חֲל֨וֹם שְׁנֵיהֶ֜ם אִ֤ישׁ חֲלֹמוֹ֙ בְּלַ֣יְלָה אֶחָ֔ד אִ֖ישׁ כְּפִתְר֣וֹן חֲלֹמ֑וֹ הַמַּשְׁקֶ֣ה וְהָאֹפֶ֗ה אֲשֶׁר֙ לְמֶ֣לֶךְ מִצְרַ֔יִם אֲשֶׁ֥ר אֲסוּרִ֖ים בְּבֵ֥ית הַסֹּֽהַר׃
5
5
Da träumten beide einen Traum in einer Nacht, jeder seinen Traum, jeder wie die Deutung seines Traumes, der Mundschenk und der Bäcker des Königs von Mizraim, die gefangen saßen im Gefängnis.
Da träumten beide einen Traum
Sie träumten beide, das ist der einfache Sinn (פְּשׁוּטוֹ שֶׁל מִקְרָא).
Der Midrasch sagt (Bereschit Rabba 88:4): jeder träumte den Traum beider, er träumte seinen Traum und die Deutung des Traumes des anderen; darum heißt es (weiter, Vers 16) „der oberste Bäcker sah, wie gut Josef gedeutet hatte“.
Raschi
jeder wie die Deutung seines Traumes
Jeder träumte einen Traum, der der Deutung, die ihnen zuteil werden sollte, ähnlich war.
Raschi
der Mundschenk und der Bäcker … die gefangen saßen
Weil sie im Gefängnis saßen, waren sie niedergeschlagen und frei von jeder Anmaßung. Deshalb erscheint im Vers mit den Worten אֲשֶׁר אֲסוּרִים בְּבֵית הַסֹּהַר „die gefangen saßen im Gefängnis“ nicht die übliche Bezeichnung שַׂר הַמַּשְׁקִים „oberster Mundschenk“ und שַׂר הָאוֹפִים „oberster Bäcker“, sondern nur הַמַּשְׁקֶה „der Mundschenk“ und הָאֹפֶה „der Bäcker“.
Seforno
וַיָּבֹ֧א אֲלֵיהֶ֛ם יוֹסֵ֖ף בַּבֹּ֑קֶר וַיַּ֣רְא אֹתָ֔ם וְהִנָּ֖ם זֹעֲפִֽים׃
6
6
Als Josef am Morgen zu ihnen kam und sie sah, siehe, da waren sie bedrückt.
bedrückt
זֹעֲפִים, bedrückt, besorgt. So wie (1 Kön. 20:43) סַר וְזָעֵף „betrübt und besorgt“; (Micha 7:9) זַעַף ה׳ אֶשָּׂא „den Zorn des Ewigen trage ich“.
Raschi
וַיֹּאמְר֣וּ אֵלָ֔יו חֲל֣וֹם חָלַ֔מְנוּ וּפֹתֵ֖ר אֵ֣ין אֹת֑וֹ וַיֹּ֨אמֶר אֲלֵהֶ֜ם יוֹסֵ֗ף הֲל֤וֹא לֵֽאלֹהִים֙ פִּתְרֹנִ֔ים סַפְּרוּ־נָ֖א לִֽי׃
8
8
Sie sagten zu ihm: Wir haben einen Traum gehabt, aber es gibt keinen, der ihn deuten kann. Josef sagte zu ihnen: Sind die Deutungen der Träume nicht G‑ttes Sache? Erzählt mir.
Sind die Deutungen nicht G‑ttes Sache? G‑tt bringt dem Menschen Träume, um ihm Dinge kundzutun, ansonsten gehen sie ins Leere, erzählt mir also davon.
Radak
Sind die Deutungen nicht G‑ttes Sache? G‑tt alleine kennt die wahre Deutung eines Traumes und es mag sein, dass Er mich zum Überbringer der Deutung macht, erzählt mir also davon.
Ramban
וּבַגֶּ֖פֶן שְׁלֹשָׁ֣ה שָׂרִיגִ֑ם וְהִ֤יא כְפֹרַ֙חַת֙ עָלְתָ֣ה נִצָּ֔הּ הִבְשִׁ֥ילוּ אַשְׁכְּלֹתֶ֖יהָ עֲנָבִֽים׃
10
10
und an dem Weinstock waren drei Ranken, und sobald er Knospen trieb, kam sein Blütenstand, und seine Büschel reiften zu Trauben.
waren drei Ranken
שָׂרִיגִם „Ranken“: lange Zweige, die man Weinranken nennt (wediz auf Französisch).
Raschi
und sobald er Knospen trieb, kam sein Blütenstand
וְהִוא כְפֹרַחַת „als ob er blühte“. In meinem Traum kam es mir so vor, als ob der Weinstock blühte. Und nachdem er angefangen hatte zu blühen, entfalteten sich die Blüten, und es wurden Beeren daraus (espanir auf Französisch). Und dann reiften sie. Als er zu knospen anfing, brachte er Blüten hervor, soweit geht der Targum von פּוֹרַחַת.
נֵץ ist größer als פֶּרַח, wie es heißt (Jesch. 18:5) וּבֹסֶר גֹּמֵל יִהְיֶה נִצָּה „und zur reifenden Beere die Blüte wird“, und (Bam. 17:23) וַיֹּצֵא פֶרַח „er brachte Knospen hervor“, und dann וַיָּצֵץ צִיץ
„und entfaltete Blüten“.
Raschi
reiften
Der Begriff הִבְשִׁילוּ bezeichnet die Reifung einer Frucht.
Chiskuni
וְכ֥וֹס פַּרְעֹ֖ה בְּיָדִ֑י וָאֶקַּ֣ח אֶת־הָֽעֲנָבִ֗ים וָֽאֶשְׂחַ֤ט אֹתָם֙ אֶל־כּ֣וֹס פַּרְעֹ֔ה וָאֶתֵּ֥ן אֶת־הַכּ֖וֹס עַל־כַּ֥ף פַּרְעֹֽה׃
11
11
Und der Becher des Pharao war in meiner Hand, und ich nahm die Trauben und presste sie in den Becher des Pharao aus und gab den Becher in die Hand des Pharao.
presste
וָאֶשְׂחַט bedeutet, wie der Targum sagt וַעֲצַרִית „ich presste aus“. Der Ausdruck kommt häufig in der Sprache der Mischna vor.
Raschi
בְּע֣וֹד ׀ שְׁלֹ֣שֶׁת יָמִ֗ים יִשָּׂ֤א פַרְעֹה֙ אֶת־רֹאשֶׁ֔ךָ וַהֲשִֽׁיבְךָ֖ עַל־כַּנֶּ֑ךָ וְנָתַתָּ֤ כוֹס־פַּרְעֹה֙ בְּיָד֔וֹ כַּמִּשְׁפָּט֙ הָֽרִאשׁ֔וֹן אֲשֶׁ֥ר הָיִ֖יתָ מַשְׁקֵֽהוּ׃
13
13
Noch drei Tage, und dann wird Pharao deinen Kopf erheben und dich wieder in deine Stellung einsetzen, und du wirst den Becher des Pharao in seine Hand geben nach der früheren Weise, als du sein Mundschenk warst.
wird Pharao deinen Kopf erheben
יִשָּׂא פַּרְעֹה אֶת רֹאֹשֶךָ „wird Pharao deinen Kopf erheben“ ist ein Ausdruck für Zählung. Wenn er seine übrigen Diener mustern wird, dass sie vor ihm bei der Mahlzeit den Dienst verrrichten, wird er auch dich zu ihnen zählen.
Raschi
in deine Stellung einsetzen
וַהֲשִׁיבְךָ עַל כַּנֶּךָ, wird dich wieder in dein Amt einsetzen; כַּנֶּךָ, dein Fundament und dein Sitz.
Raschi
du wirst den Becher des Pharao in seine Hand geben nach der früheren Weise: so wie früher, als du der Mundschenk des Pharao warst und noch nicht der oberste Mundschenk, damals gabst du selbst den Becher in Pharaos Hand. Ebenso wird er dich in deine Stellung einsetzen und dich selbst den Becher in seiner Hand reichen lassen, um zu zeigen, dass er dich erneut mit freundlichem Angesicht empfängt.
Seforno
du wirst den Becher des Pharao in seine Hand geben nach der früheren Weise: für gewöhnlich bedienten die obersten Hofbeamten Pharao nur bei besonderen Anlässen persönlich. Bei der Feier zu Ehren des Geburtstags von Pharao in drei Tagen wirst du selbst den Becher des Pharao in seine Hand geben.
Abarbanel
כִּ֧י אִם־זְכַרְתַּ֣נִי אִתְּךָ֗ כַּאֲשֶׁר֙ יִ֣יטַב לָ֔ךְ וְעָשִֽׂיתָ־נָּ֥א עִמָּדִ֖י חָ֑סֶד וְהִזְכַּרְתַּ֙נִי֙ אֶל־פַּרְעֹ֔ה וְהוֹצֵאתַ֖נִי מִן־הַבַּ֥יִת הַזֶּֽה׃
14
14
Aber denke du an mich, wenn es dir gut geht, und tue mir Güte, und erwähne mich beim Pharao, und bringe mich aus diesem Haus heraus!
Aber denke du an mich, wenn es dir gut geht
Für den Fall, dass du meiner gedenkst, wenn es dir gut geht, wie ich dir gedeutet habe, siehe, dann tue mir Güte;
נָא bedeutet immer nur eine Bitte.
Raschi
denke du an mich
זְכַרְתַּנִי אִתְּךָ, wörtl. „denke an mich mit dir“: denke an mich in deinem Herzen, als wäre ich mit dir.
Ramban
וַיַּ֥רְא שַׂר־הָאֹפִ֖ים כִּ֣י ט֣וֹב פָּתָ֑ר וַיֹּ֙אמֶר֙ אֶל־יוֹסֵ֔ף אַף־אֲנִי֙ בַּחֲלוֹמִ֔י וְהִנֵּ֗ה שְׁלֹשָׁ֛ה סַלֵּ֥י חֹרִ֖י עַל־רֹאשִֽׁי׃
16
16
Als nun der oberste Bäcker sah, wie gut Josef gedeutet hatte, sagte er zu Josef: Auch ich hatte einen Traum, und siehe, drei geflochtene Körbe waren auf meinem Kopf,
geflochtene Körbe
סַלֵּי חֹרִי „geflochtene Körbe“: Körbe aus geschälten Weiden mit lauter Löchern. An unserem Ort gibt es viele solche, und die Verkäufer der Kuchen, die man auf Französisch obledes „Hohlhippen“, „Waffeln“ nennt, pflegen sie in jene Körbe zu legen.
Raschi
geflochtene Körbe
סַלֵּי חֹרִי, Körbe für frisch gebackenes, warmes Brot. [Jajin Tow]
סַלֵּי חֹרִי, vom Ausdruck חִוֵּר „blass“, das heißt, Körbe für Weißbrot. [Ramban im Namen von Saadia Gaon]
סַלֵּי חֹרִי, vom Ausdruck חֲרַרַה, das heißt, Kuchen, die über Kohlen gebraten werden.
Radak
בְּע֣וֹד ׀ שְׁלֹ֣שֶׁת יָמִ֗ים יִשָּׂ֨א פַרְעֹ֤ה אֶת־רֹֽאשְׁךָ֙ מֵֽעָלֶ֔יךָ וְתָלָ֥ה אוֹתְךָ֖ עַל־עֵ֑ץ וְאָכַ֥ל הָע֛וֹף אֶת־בְּשָׂרְךָ֖ מֵעָלֶֽיךָ׃
19
19
Noch drei Tage, und dann wird der Pharao deinen Kopf von dir herunternehmen und dich an ein Holz hängen, und die Vögel werden dein Fleisch von dir wegfressen.
wird der Pharao deinen Kopf …: er wird dich mit dem Schwert köpfen lassen, und dann aufhängen.
Radak
וַיְהִ֣י ׀ בַּיּ֣וֹם הַשְּׁלִישִׁ֗י י֚וֹם הֻלֶּ֣דֶת אֶת־פַּרְעֹ֔ה וַיַּ֥עַשׂ מִשְׁתֶּ֖ה לְכָל־עֲבָדָ֑יו וַיִּשָּׂ֞א אֶת־רֹ֣אשׁ ׀ שַׂ֣ר הַמַּשְׁקִ֗ים וְאֶת־רֹ֛אשׁ שַׂ֥ר הָאֹפִ֖ים בְּת֥וֹךְ עֲבָדָֽיו׃
20
20
Und es geschah am dritten Tag, dem Geburtstag des Pharao, da machte er für alle seine Diener eine Mahlzeit. Und er erhob den Kopf des obersten Mundschenks und den Kopf des obersten Bäckers unter seinen Dienern.
dem Geburtstag des Pharao
יוֹם הֻלֶּדֶת „der Tag, an dem er geboren wurde“; man nennt ihn יוֹם גִּנּוּסְיָּא (Awoda Szara 10a). Der Ausdruck הֻלֶּדֶת ist passiv, weil das Kind durch andere zur Welt gebracht wird – die Hebamme leistet der Frau Geburtshilfe; darum wird die Hebamme מְיַלֶּדֶת genannt; und ebenso (Jech. 16:4) וּמוֹלְדוֹתַיִךְ בְּיוֹם הוּלֶּדֶת אֹתָךְ „bei deiner Geburt, am Tag, als du zur Welt gebracht wurdest“; ebenso (Waj. 13:55) אַחֲרֵי הֻכַּבֵּס אֶת הַנֶּגַע „nachdem der Flecken gewaschen worden ist“ – sein Waschen geschieht durch andere.
Raschi
Und er erhob den Kopf des …
Er zählte sie mit seinen anderen Dienern. Denn er zählte seine Diener, die ihn bei seiner Mahlzeit bedienen sollten, und dachte auch an diese beiden in ihrer Mitte. So wie (Bam. 1:2) שְׂאוּ אֶת רֹאשׁ „nehmt die Kopfzahl auf“, ein Ausdruck für „zählen“.
Raschi
וְלֹֽא־זָכַ֧ר שַֽׂר־הַמַּשְׁקִ֛ים אֶת־יוֹסֵ֖ף וַיִּשְׁכָּחֵֽהוּ׃ (פ)
23
23
Aber der oberste Mundschenk dachte nicht mehr an Josef und vergaß ihn.
dachte nicht mehr an Josef: am selben Tag,
und vergaß ihn: später.
Weil Josef sich auf ihn verlassen hatte, dass er an ihn denken würde, musste er noch zwei Jahre in Gefangenschaft bleiben. So heißt es (Teh. 40:5) אַשְׁרֵי הַגֶּבֶר אֲשֶׁר שָׂם ה׳ מִבְטַחוֹ וְלֹא פָנָה אֶל רְהָבִים „Glücklich der Mensch, der auf den Ewigen sein Vertrauen setzt und sich nicht an Rahawim (Hochmütige) wendet“ – nicht auf die Mizrim vertraut, die Rahaw (Hochmütige) genannt werden.
Raschi
dachte nicht mehr an Josef: er setzte sich nicht mit Fürsprache für Josef ein, und vergaß ihn: auch im Herzen.
Ibn Esra
vergaß ihn: er hatte ihn tatsächlich vergessen, aber: er dachte nicht an Josef: auch wenn er an ihn gedacht hätte, hätte er sich nicht für ihn eingesetzt.
R. Chaim Paltiël