Der tägliche Chumasch-Abschnitt

16. Tewet 5786

Montag, 5. Jänner 2026

Heute

Schemot

2. Alija

(Schemot 1:18 – 2:10)

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וַיִּקְרָ֤א מֶֽלֶךְ־מִצְרַ֙יִם֙ לַֽמְיַלְּדֹ֔ת וַיֹּ֣אמֶר לָהֶ֔ן מַדּ֥וּעַ עֲשִׂיתֶ֖ן הַדָּבָ֣ר הַזֶּ֑ה וַתְּחַיֶּ֖יןָ אֶת־הַיְלָדִֽים׃
18
18
Es rief der König von Mizraim die Hebammen und sagte zu ihnen: Warum habt ihr das getan und die Kinder am Leben erhalten?
וַתֹּאמַ֤רְןָ הַֽמְיַלְּדֹת֙ אֶל־פַּרְעֹ֔ה כִּ֣י לֹ֧א כַנָּשִׁ֛ים הַמִּצְרִיֹּ֖ת הָֽעִבְרִיֹּ֑ת כִּֽי־חָי֣וֹת הֵ֔נָּה בְּטֶ֨רֶם תָּב֧וֹא אֲלֵהֶ֛ן הַמְיַלֶּ֖דֶת וְיָלָֽדוּ׃
19
19
Und die Hebammen sagten zu Pharao: Denn nicht so wie die mizrischen Frauen sind die hebräischen Frauen, denn sie sind erfahren; bevor noch die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie schon geboren.
Und die Hebammen sagten zu Pharao: Denn nicht so …
Deinen Befehl haben wir nicht missachtet, doch konnten wir ihn nicht ausführen, denn nicht so …
Ibn Esra
denn sie sind erfahren
חָיוֹת, erfahren wie Hebammen, der Targum von „Hebammen“ ist חָיָתָא.
Unsere Lehrer erklären, sie sind mit den Tieren (חַיּוֹת) des Feldes verglichen, die keine Hebammen brauchen (Sota 11b). Und wo sind sie mit Tieren verglichen? גּוּר אַרְיֵה „ein junger Löwe“ (Ber. 49:9) als Bezeichnung für den Stamm Jehuda, זְאֵב יִטְרָף „ein reißender Wolf“ (Ber. 49:27) als Bezeichnung für den Stamm Binjamin, בְּכוֹר שׁוֹרוֹ „der Erstling seines Stieres“ (Dew. 33:17) als Bezeichnung für den Stamm Josef; אַיָּלָה שְׁלוּחָה „eine dahineilende Hirschkuh“ (Ber. 49:21) als Bezeichnung für den Stamm Naftali; und selbst diejenigen Stämme, bei denen es nicht steht, siehe, der Vers hat sie alle mit eingeschlossen וַיְבָרֶךְ אוֹתָם „er segnete sie“ (Ber. 49:28). Außerdem heißt es (Jech. 19:2) מָה אִמְּךָ לְבִיָּא „was ist deine Mutter – eine Löwin“.
Raschi
denn sie sind lebenskräftig
חָיוֹת, körperlich gesund, klug und schnell bei der Geburtshilfe. [Raschbam]
חָיוֹת – חֲכָמוֹת, klug und gebildet in der Ärztekunde, um die Geburt zu beschleunigen während der Wehen.
Mincha Belula
וַיֵּ֥יטֶב אֱלֹהִ֖ים לַֽמְיַלְּדֹ֑ת וַיִּ֧רֶב הָעָ֛ם וַיַּֽעַצְמ֖וּ מְאֹֽד׃
20
20
Und G‑tt ließ es gut gehen den Hebammen, und das Volk mehrte sich und wurde sehr mächtig.
ließ es gut gehen
וַיֵּיטֶב ist so wie הֵטִיב לָהֶן, erwies ihnen Gutes.
Das ist die Besonderheit bei einem Wort, dessen Wurzel aus nur zwei Buchstaben besteht und dem die Buchstaben ו und י (Waw Jud) vorgesetzt werden. Wenn dies die Form הִפְעִיל ausdrücken soll, dritte Person Einzahl, Vergangenheit, wird der Buchstabe י mit Zere punktiert, das auch Kamaz Katan genannt wird (oder mit Segol, das auch Patach Katan genannt wird). Zum Beispiel, in unserem Vers וַיֵּיטֶב אֱלֹהִים לַמְיַלְּדֹת „Und G‑tt ließ es gut gehen den Hebammen“; (Echa 2:5) וַיֶּרֶב בְּבַת יְהוּדָה „Er mehrte der Tochter Jehudas“, vermehrte die Klage; ebenso (2 Chron. 36:20) וַיֶּגֶל הַשְּׁאֵרִית „er führte den Überrest weg“, bei Nebusaradan, er führte den Überrest in die Verbannung; (Richt. 15:4) וַיֶּפֶן זָנָב אֶל זָנָב „er wandte Schweif zu Schweif“, er wandte die Schweife einander zu. Alle diese Beispiele bedeuten, etwas jemand anderem geschehen zu lassen, לְשׁוֹן הִפְעִיל.

Wenn aber eine Wurzel mit zwei Buchstaben, dem die Buchstaben ו und י vorgesetzt werden, den Kal ausdrücken will (לְשׁוֹן וַיִּפְעַל), ist der Buchstabe י mit Chirik punktiert, wie (Waj. 10:20) וַיִּיטַב בְּעֵינָיו „es war wohlgefällig in seinen Augen“, soviel wie הוּטַב „es war gut“. Ebenso (hier) וַיִּרֶב הָעָם „das Volk vermehrte sich“, das Volk wurde zahlreich; (2 Kön. 25:21) וַיִּגֶל יְהוּדָה „Jehuda wanderte aus“, Jehuda ging ins Exil; (2 Kön. 2:12) וַיִּפֶן כֹּה וָכֹה „er wandte sich dahin und dahin“, wandte sich nach allen Seiten.

Bringe mir aber nicht als Einwand die Formen וַיֵּלֶךְ, וַיֵּשֶׁב, וַיֵּרֶד, וַיֵּצֵא [bei denen der Buchstabe י mit Zere punktiert ist]; denn diese sind nicht gleich jener Kategorie. Sondern [bei den früheren Beispielen ist der Buchstabe י eine bloße Vorsilbe und nicht Teil des Stammes, hier hingegen] gehört der Buchstabe י zum Stamm, und der Stamm lautet ירד, יצא, ישב, ילך; der Buchstabe י ist hier ein dritter Wurzelbuchstabe.
Raschi
Und G‑tt ließ es gut gehen
Was ist das Gute? – (nächster Vers) „Er machte ihnen Häuser“.
Raschi
Und G‑tt ließ es gut gehen den Hebammen
G‑tt schenkte den Hebammen großen Reichtum, damit sie weiter ihre wichtige Aufgabe erfüllen konnten.
Or haChaim
Durch G‑ttes Segen ging Mosche von Schifra hervor, und Bezalel von Puah.
Schemot Rabba 1:16
das Volk mehrte sich
וַיִּרֶב הָעָם „Das Volk mehrte sich“, um zu erfüllen, wie es steht (Echa 3:37) מִי זֶה אָמַר וַתֶּהִי ה’ לֹא צִוָּה „Wer ist, der sprach, dass es so wurde, wo der Ewige nicht befohlen?“ Wenn Pharao befahl, alle männlichen Kinder zu töten, welche Wirkung hatte sein Erlass, wenn G‑tt es nicht befohlen hat? Stattdessen וַיִּרֶב הָעָם וַיַּעַצְמוּ מְאֹד „das Volk mehrte sich und wurde sehr mächtig“.
Schemot Rabba 1:16
וַיְהִ֕י כִּֽי־יָֽרְא֥וּ הַֽמְיַלְּדֹ֖ת אֶת־הָאֱלֹהִ֑ים וַיַּ֥עַשׂ לָהֶ֖ם בָּתִּֽים׃
21
21
Und es geschah, weil die Hebammen G‑tt fürchteten, machte Er ihnen Häuser.
machte Er ihnen Häuser
Häuser der Kohanim und Levi’im, Häuser der Könige; Kohanim und Levi’im von Jochewed durch ihre zwei Söhne Mosche und Aharon; und Könige von Miriam, denn König David war ein Nachkomme Miriams (Sota 11b).
Raschi
machte Er ihnen Häuser
„machte Er ihnen Häuser“: G‑tt verbarg die Hebammen vor Pharao, damit er sie nicht verfolgen könne. [Radak]
„machte Er ihnen Häuser“: die Hebammen selbst hatten viele Nachkommen. [Ibn Esra]

„machte Er ihnen Häuser“: Pharao stellte eigens Häuser für die Hebammen bereit, wo die Frauen gebären mussten, um danach die männlichen Säuglinge in den Fluss zu werfen. [Chiskuni]

וַיַּעַשׂ לָהֶם בָּתִּים „machte er ihnen Häuser“ bezieht sich auf Pharao: er verhängte Hausarrest über sie.
Raschbam
weil die Hebammen G‑tt fürchteten, machte Er ihnen Häuser
Mit der Furcht bleibt dem Menschen die Seelenruhe versagt, denn Furcht ist das Gegenstück zum inneren Frieden. Anders bei der G‑ttesfurcht: in ihr findet der Mensch Vertrauen, Zuversicht und Trost. „Er machte ihnen Häuser“ beschreibt den geordneten, gefestigten Geist, denn „Häuser“ zeigen auf die Beständigkeit des Gemüts. „Aufgrund ihrer Ehrfurcht vor G‑tt machte Er ihnen Häuser“ und sie erlangten solch innere Festigkeit, dass der Erlass des Pharao sie nicht mehr in Schrecken versetzte.
Mej haSchiloach
וַיְצַ֣ו פַּרְעֹ֔ה לְכָל־עַמּ֖וֹ לֵאמֹ֑ר כָּל־הַבֵּ֣ן הַיִּלּ֗וֹד הַיְאֹ֙רָה֙ תַּשְׁלִיכֻ֔הוּ וְכָל־הַבַּ֖ת תְּחַיּֽוּן׃ (ס)
22
22
Da befahl Pharao seinem ganzen Volk: Jeden neugeborenen Sohn sollt ihr in den Fluss werfen, aber jede Tochter erhaltet am Leben.
seinem ganzen Volk
Auch für sein eigenes Volk – die Mizrim – galt sein Befehl. An dem Tag, an dem Mosche geboren wurde, sagten Pharaos Astrologen (Sterndeuter) zu ihm: „Heute wird der Erlöser geboren. Nur wissen wir nicht, ob er von den Mizrim oder Israel stammt. Außerdem sehen wir, dass er zuletzt durch Wasser gestraft werden wird.“
Darum verhängte Pharao dieses harte Gesetz an jenem Tag auch über die Mizrim, wie es heißt כָּל הַבֵּן הַיִּלּוֹד „jeden neugeborenen Sohn sollt ihr in den Fluss werfen“, und es steht nicht כָּל הַבֵּן הַיִּלּוֹד לָעִבְרִים „bei den Hebräern“.

Sie wussten aber nicht, dass Mosche Rabbenu in Wirklichkeit der Erlöser des Volkes Israel sein würde. Und wo wurde er zuletzt durch Wasser bestraft? Nicht in Mizraim [beim Wasser des Nils], sondern [wesentlich später, nach dem Auszug aus Mizraim] bei Me Meriwa „Wasser des Streits“.
Raschi
bei Me Meriwa: Als Mosche den Felsen schlug, um Wasser hervorzubringen, anstatt zu ihm zu sprechen, verfügte G‑tt, dass er sterben werde, ohne das Land Israel zu betreten (vgl. Bamidbar 20:1–13).
וַיֵּ֥לֶךְ אִ֖ישׁ מִבֵּ֣ית לֵוִ֑י וַיִּקַּ֖ח אֶת־בַּת־לֵוִֽי׃
1
1
Ein Mann aus dem Haus Levi ging und heiratete die Tochter Levis.
Ein Mann aus dem Haus Levi: Amram, Sohn von Kehat.
Sota 12
und heiratete die Tochter Levis
וַיִּקַּח אֶת בַּת לֵוִי, wörtl. „nahm die Tochter Levis“. Amram hatte sich wegen Pharaos Befehl von seiner Frau Jochewed getrennt und sie erneut geheiratet, das bedeutet das Wort וַיֵּלֶךְ „er ging“, er folgte dem Rat seiner Tochter, die zu ihm sagte: Dein Gesetz ist härter als das Pharaos! Denn Pharao hat nur über die Buben verhängt, du aber auch über die Mädchen. Er heiratete sie erneut und vollzog mit ihr eine zweite Hochzeit (לִקּוּחִין שְׁנִיִּים). Und auch Jochewed wurde verwandelt und wurde wieder jung; denn sie war 130 Jahre alt, sie war beim Einzug Israels zwischen den Mauern von Mizraim geboren worden; 210 Jahre blieb Israel dort, und als sie auszogen, war Mosche 80 Jahre alt. Als sie mit Mosche schwanger wurde, war sie 130 Jahre alt, und der Vers nennt sie „Tochter von Levi“ (Sota 13a; Bawa Mezia 119b).
Raschi
Eine erwachsene Frau wird gewöhnlich mit ihrem eigenen Namen benannt; ein Mädchen hingegen, das die Reife noch nicht erlangt hat und unter der väterlichen Obhut steht, wird nach dessen Namen bezeichnet, wie etwa „Tochter von Levi“.
Gur Arye
Ein Mann aus dem Haus Levi ging
Die Worte וַיֵּלֶךְ אִישׁ erscheinen zwei Mal im Tanach: Hier וַיֵּלֶךְ אִישׁ „ein Mann ging“, und im Vers (Ruth 1:1) וַיֵּלֶךְ אִישׁ מִבֵּית לֶחֶם יְהוּדָה „es zog ein Mann aus Bet Lechem in Jehuda aus“. Durch das eine וַיֵּלֶךְ אִישׁ kam der eine Erlöser (Mosche Rabbenu), und durch das andere וַיֵּלֶךְ אִישׁ kommt der andere Erlöser – Maschiach, möge er rasch in unseren Tagen erscheinen!
Baal haTurim
וַתַּ֥הַר הָאִשָּׁ֖ה וַתֵּ֣לֶד בֵּ֑ן וַתֵּ֤רֶא אֹתוֹ֙ כִּי־ט֣וֹב ה֔וּא וַֽתִּצְפְּנֵ֖הוּ שְׁלֹשָׁ֥ה יְרָחִֽים׃
2
2
Die Frau wurde schwanger und gebar einen Sohn. Als sie sah, dass er gut war, versteckte sie ihn drei Monate.
dass er gut war
Als er geboren wurde, füllte sich das ganze Haus mit Licht (Sota 12a).
Raschi
Als sie sah, dass er gut war
Jochewed sah, dass es ein sehr hübsches Kind war.
Ibn Esra
Der Säugling war vollkommen entwickelt an Haaren und Nägeln, und so wusste sie, dass er überleben würde, obwohl es eine Frühgeburt war, die am Ende des sechsten Schwangerschaftsmonats geboren wurde.
Raschbam
Er weinte nicht als Säugling, und deshalb wusste seine Mutter, dass es eine Chance gab, ihn zu verstecken.
Mincha Belula
Als Mosche auf die Welt kam, sah seine Mutter die Schechina (g‑ttliche Gegenwart) mit ihm.
Rabbenu Bechaje
וַתֵּרֶא אֹתוֹ כִּי טוֹב „sie sah das Kind, dass es gut war“. Manche erklären טוֹב mit „schön“. Allein, es gibt keine Mutter, die ihr Kind nicht schön fände; und wenn es minder schön gewesen wäre, da hätte eine Mutter nicht das Mögliche getan, um es dem sicheren Tod zu entreißen?! Vielmehr heißt טוֹב „gut“. Sie sah, dass es gut war, ein Kind, das nicht schrie, wenn es kein Bedürfnis hatte. Ein solches Kind konnte sie verbergen. Sie hatte nur als sorgsame Mutter dafür zu sorgen, dass es satt und verpflegt war, dann schrie es nicht.
Rabbi Schimschon R. Hirsch
drei Monate
Der Monat wird יֶרֲח genannt, weil er nach dem Mond (יָרֵחַ) festgelegt wird.
Mezudat David zu 2 Kön. 15:13
versteckte sie ihn drei Monate: von 7. Adar bis 6. Siwan. Es war der 6. Siwan, und die Dienstengel sprachen vor dem Ewigen: Herr der Welt, der dereinst an diesem Tage die Torah am Berg Sinai in Empfang nehmen wird, sollte an diesem Tage geschlagen werden!?
Sota 12b
וְלֹא־יָכְלָ֣ה עוֹד֮ הַצְּפִינוֹ֒ וַתִּֽקַּֽח־לוֹ֙ תֵּ֣בַת גֹּ֔מֶא וַתַּחְמְרָ֥ה בַחֵמָ֖ר וּבַזָּ֑פֶת וַתָּ֤שֶׂם בָּהּ֙ אֶת־הַיֶּ֔לֶד וַתָּ֥שֶׂם בַּסּ֖וּף עַל־שְׂפַ֥ת הַיְאֹֽר׃
3
3
Länger aber konnte sie ihn nicht verstecken; da nahm sie für ihn ein Kästchen aus Schilf, verklebte es mit Harz und Pech, legte das Kind hinein und legte es ins Schilf am Ufer des Kanals.
Länger aber konnte sie ihn nicht verstecken
Die Mizrim hatten ihr nachgerechnet von dem Tag an, als sie Amram erneut geheiratet hatte. Sie aber gebar mit sechs Monaten und einem Tag; denn eine Frau, die im siebten Monat gebiert, kann auch nach unvollständigen Monaten gebären. Die Mizrim aber forschten ihr am Ende von neun Monaten nach (Sota 12a).
Raschi
Schilf
גֹּמֶא, in der Sprache der Mischna גְּמִי (Schabbat 78a). Auf Französisch jonc „Binsen“. Es ist etwas Weiches, das vor Weich und Hart standhält.
Raschi
Pech: zähflüssige Masse, die aus Erdöl und Teer gewonnen wird.
Mit Harz und Pech
Pech von außen und Harz von innen, damit dieser Zaddik nicht den schlechten Geruch von Pech riechen muss (Sota 12a).
Raschi
legte es ins Schilf
סּוּף „Schilf“; auf Französisch rosel („Schilf“). Ähnlich (Jesch. 19:6) קָנֶה וָסוּף קָמֵלוּ „Rohr und Schilf welken dahin“.
Raschi
des Kanals
עַל שְׂפַת הַיְאֹר „am Ufer des Kanals“: Außer dem Nil wird kein anderer Fluss in Mizraim יְאוֹר „Kanal“ genannt: Obwohl der Nil ein Fluss wird er als der Kanal“ bezeichnet, da er die Quelle für alle von Menschen angelegten Kanäle ist.
Raschi zu Bereschit 41:1
וַתֵּתַצַּ֥ב אֲחֹת֖וֹ מֵרָחֹ֑ק לְדֵעָ֕ה מַה־יֵּעָשֶׂ֖ה לֽוֹ׃
4
4
Seine Schwester stellte sich in der Entfernung ab, um zu erfahren, was mit ihm geschehen würde.
וַתֵּ֤רֶד בַּת־פַּרְעֹה֙ לִרְחֹ֣ץ עַל־הַיְאֹ֔ר וְנַעֲרֹתֶ֥יהָ הֹלְכֹ֖ת עַל־יַ֣ד הַיְאֹ֑ר וַתֵּ֤רֶא אֶת־הַתֵּבָה֙ בְּת֣וֹךְ הַסּ֔וּף וַתִּשְׁלַ֥ח אֶת־אֲמָתָ֖הּ וַתִּקָּחֶֽהָ
5
5
Da stieg die Tochter Pharaos zum Fluss hinab, um darin zu baden, und ihre Dienstmädchen gingen am Rand des Flusses entlang; und sie entdeckte das Kästchen mitten im Schilf und schickte ihre Dienerin hin und ließ es holen.
zum Fluss hinab, um zu baden
וַתֵּרֶד בַּת פַּרְעֹה לִרְחֹץ עַל הַיְאֹר, Stelle den Vers um und erkläre ihn so וַתֵּרֶד בַּת פַּרְעֹה עַל הַיְּאוֹר לִרְחֹץ בּוֹ „die Tochter Pharaos stieg zum Fluss hinab, um darin zu baden“.
Raschi
am Rand des Flusses
עַל יַד הַיְּאוֹר „neben dem Fluss“, wie (2 Schmu. 14:30) רְאוּ חֶלְקַת יוֹאָב אֶל יָדִי „seht, das Feld Joaws ist neben dem meinigen“. עַל יַד („neben“) kommt vom Begriff יָד („Hand“), denn die Hand des Menschen ist dicht neben ihm.
Unsere Lehrer sagen וְנַעֲרֹתֶיהָ הֹלְכֹת „ihre Dienstmädchen gingen“ bedeutet „in den Tod gehen“, „sterben“, so wie (Ber. 25:32) אָנֹכִי הוֹלֵךְ לָמוּת „ich gehe doch zum Tod“. Die Dienstmädchen gingen in den Tod, weil sie die Tochter Pharaos davon abbringen wollten, das Kind zu retten. Und der Vers ist ein Beweis dafür, denn wozu soll uns sonst die Torah sagen „ihre Dienstmädchen gingen“?
Raschi
ihre Dienerin
אֲמָתָהּ „ihre Dienerin“. Unsere Weisen sagen, אֲמָתָהּ bedeutet „Arm“; aber nach der Grammatik der hebräischen Sprache hätte dann אַמָּתָהּ punktiert sein müssen, der Buchstabe מ mit Dagesch. Sie aber erklären, sie schickte אֲמָתָהּ – ihren Arm; ihr Arm (אֲמָתָהּ) wurde viele Armlängen (אַמּוֹת הַרְבֵּה) lang.
Raschi
וַתִּפְתַּח֙ וַתִּרְאֵ֣הוּ אֶת־הַיֶּ֔לֶד וְהִנֵּה־נַ֖עַר בֹּכֶ֑ה וַתַּחְמֹ֣ל עָלָ֔יו וַתֹּ֕אמֶר מִיַּלְדֵ֥י הָֽעִבְרִ֖ים זֶֽה׃
6
6
Sie öffnete das Kästchen, sah das Kind und siehe, der Bub weinte. Da hatte sie Mitleid mit ihm und sagte: Das ist eines von den Kindern der Hebräer!
Sie öffnete … sah
וַתִּפְתַּח וַתִּרְאֵהוּ „Sie öffnete [das Kästchen] und sah ihn“ – wen sah sie? Das Kind, das ist die einfache Erklärung (פְשׁוּטוֹ שֶׁל מִקְרָא).
Der Midrasch sagt, [dass das Wort „sah ihn“ sich nicht auf Mosche bezieht, sondern] „sie sah Ihn“, die Schechina beim Kind (Sota 12b, Schemot Rabba 1:24).
Raschi
der Bub weinte: seine Stimme war die eines Buben [und nicht die eines Säuglings].
Raschi
וַתֹּ֣אמֶר אֲחֹתוֹ֮ אֶל־בַּת־פַּרְעֹה֒ הַאֵלֵ֗ךְ וְקָרָ֤אתִי לָךְ֙ אִשָּׁ֣ה מֵינֶ֔קֶת מִ֖ן הָעִבְרִיֹּ֑ת וְתֵינִ֥ק לָ֖ךְ אֶת־הַיָּֽלֶד׃
7
7
Da fragte Mosches Schwester Miriam die Tochter Pharaos: Soll ich gehen und dir von den hebräischen Frauen eine Amme rufen, damit sie dir das Kind stillt?
Amme ist eine Frau, die ein fremdes Kind stillt und betreut.
von den Hebräerinnen
Sie gab ihn vielen mizrischen Frauen, damit er trinke, aber er trank nicht, weil er bestimmt war, mit der Schechina zu sprechen.
Raschi
וַתֹּֽאמֶר־לָ֥הּ בַּת־פַּרְעֹ֖ה לֵ֑כִי וַתֵּ֙לֶךְ֙ הָֽעַלְמָ֔ה וַתִּקְרָ֖א אֶת־אֵ֥ם הַיָּֽלֶד׃
8
8
Und die Tochter Pharaos sagte ihr: Geh hin! Das Mädchen ging und rief die Mutter des Kindes.
Das Mädchen ging
וַתֵּלֶךְ הָעַלְמָה „das Mädchen ging“. Warum steht der Ausdruck עַלְמָה, und nicht „seine Schwester“, wie oben (Vers 4) וַתֵּתַצַּב אֲחֹתוֹ „seine Schwester stellte sich“, (Vers 7) וַתֹּאמֶר אֲחֹתוֹ „da fragte seine Schwester“? Denn sie ging mit Schnelligkeit und Stärke wie ein Jüngling (עֶלֶם).
Raschi
וַתֹּ֧אמֶר לָ֣הּ בַּת־פַּרְעֹ֗ה הֵילִ֜יכִי אֶת־הַיֶּ֤לֶד הַזֶּה֙ וְהֵינִקִ֣הוּ לִ֔י וַאֲנִ֖י אֶתֵּ֣ן אֶת־שְׂכָרֵ֑ךְ וַתִּקַּ֧ח הָאִשָּׁ֛ה הַיֶּ֖לֶד וַתְּנִיקֵֽהוּ׃
9
9
Und die Tochter Pharaos sagte der Mutter: Hier hast du dieses Kind und stille es mir, ich will dir den Lohn dafür geben. Da nahm die Frau das Kind und stillte es.
Hier hast du dieses Kind
הֵילִיכִי „hier hast du“: sie weissagte und wusste nicht, was sie weissagte, denn הֵילִיכִי kann man auch verstehen als הֵי שֶׁלִּיכִי „hier hast du den deinigen“.
Raschi
וַיִגְדַּ֣ל הַיֶּ֗לֶד וַתְּבִאֵ֙הוּ֙ לְבַת־פַּרְעֹ֔ה וַֽיְהִי־לָ֖הּ לְבֵ֑ן וַתִּקְרָ֤א שְׁמוֹ֙ מֹשֶׁ֔ה וַתֹּ֕אמֶר כִּ֥י מִן־הַמַּ֖יִם מְשִׁיתִֽהוּ׃
10
10
Als das Kind herangewachsen war, brachte sie es der Tochter Pharaos; und der Junge wurde ihr zum Sohn, und sie nannte ihn Mosche, denn sie sagte: Aus dem Wasser habe ich ihn gezogen (meschitihu).
wurde ihr zum Sohn: denn sie hatte ihn vor dem Tod gerettet und zog ihn nun auf ihre Kosten auf.
Bechor Schor
sie nannte ihn Mosche: Batia, die Tochter Pharaos, hatte das Verdienst, dass der Name Mosche, den sie dem Kind gegeben hatte, als sein Name auf alle Zeiten verblieb, im Andenken an das Wunder, dass es aus dem Wasser gezogen und vor dem Tod gerettet wurde.
Rabbenu Bechaje
und er wurde ihr zum Sohn
Der Heilige, gepriesen sei Er, sagte zur Tochter Pharaos: „Mosche war nicht dein Sohn, und doch hast du ihn deinen Sohn genannt. Du bist nicht Meine Tochter, doch Ich werde dich Meine Tochter nennen.“ So wurde ihr Name בַּתְיָה, Bat Jah, „Tochter G‑ttes“.
Wajikra Rabba 1:3
habe ich ihn gezogen
מְשִׁיתִהוּ übersetzt der Targum mit שְׁחַלְתֵּיהּ „ich habe ihn herausgezogen“, das Wort bedeutet „herausziehen“ im Aramäischen, כְּמִשְׁחַל בִּינְתָא מֵחֲלָבָא „wie man ein Haar aus der Milch zieht“ (Berachot 8a). Im Hebräischen bedeutet מְשִׁיתִיהוּ soviel wie „entfernen“, wie (Jeh. 1:8) לֹא יָמוּשׁ „weiche nicht“; (Bam. 14:44) לֹא מָשׁוּ „wichen nicht“; so verbindet es Menachem [ben Saruk in seinem Werk Machberet, wo er verwandte Begriffe zuordnet].
Ich aber meine, dass es nicht zur Gruppe מָשׁ und יָמוּשׁ gehört, sondern von der Wurzel מ-ש-ה kommt und „herausnehmen“ bedeutet. Ebenso im Vers (2 Schmu. 22:17) יַמְשֵׁנִי מִמַּיִם רַבִּים „Er zog mich aus mächtigem Wasser“. Wenn es zur Gruppe מש gehören würde, dürfte es nicht מְשִׁיתִיהוּ heißen, sondern הֲמִישׁוֹתִיהוּ, wie man von קָם – הֲקִימוֹתִי bildet, von שָׁב – הֲשִׁיבוֹתִי, von בָּא – הֲבִיאוֹתִי.

Oder es würde מַשְׁתִּיהוּ lauten, wie (Sech. 3:9) וּמַשְׁתִּי אֶת עֲוֹן הָאָרֶץ „ich lass die Schuld des Landes weichen“.

Aber מָשִׁיתִי kann nur von der Wurzel eines Wortes kommen, dessen Stamm am Ende den Buchstaben ה hat, wie מ-ש-ה, ב-נ-ה, ע-ש-ה, צ-ו-ה, פ-נ-ה. Wenn man davon die Form פָּעַלְתִּי bildet [erste Person Einzahl, Vergangenheit], tritt an die Stelle des Buchstabens ה der Buchstabe י, wie in den Worten בָּנִיתִי „ich habe gebaut“, עָשִׂיתִי „ich habe gemacht“, צִוִּיתִי „ich habe befohlen“.
Raschi
habe ich ihn gezogen
Sie nannte ihn nicht מָשׁוּי, einen aus dem Wasser Gezogenen, sondern מֹשֶׁה, einen aus dem Wasser Rettenden. Mit seinem Namen stellte sie ihm vor Augen, dass er ursprünglich aus dem Wasser gerettet wurde. Daraus möge er lernen, stets mit weichem Herz für die Leiden anderer bereit zu stehen, מֹשֶה, ein Helfer aus der Not zu sein.
Rabbi Schimschon R. Hirsch; siehe auch Chiskuni