וַתֵּ֤צֵא אֵשׁ֙ מִלִּפְנֵ֣י יְהוָ֔ה וַתֹּ֙אכַל֙ עַל־הַמִּזְבֵּ֔חַ אֶת־הָעֹלָ֖ה וְאֶת־הַחֲלָבִ֑ים וַיַּ֤רְא כָּל־הָעָם֙ וַיָּרֹ֔נּוּ וַֽיִּפְּל֖וּ עַל־פְּנֵיהֶֽם׃
24
24
Ein Feuer ging vom Ewigen aus und verzehrte auf dem Altar das Ganzopfer (Olah) und die Fettstücke; als das ganze Volk das sah, da jubelten sie und fielen auf ihr Angesicht.
da jubelten sie
וַיָּרֹנּוּ bedeutet, wie der Targum sagt, [וְשַׁבַּחוּ „lobpreisen“].
Raschi
Die Wurzel ר-נ-ן bezeichnet das Erheben der Stimme. Sie findet Verwendung für jedes Erheben der Stimme, sei es im Gesang und Lobpreis, im Gebet, im Weinen oder zur öffentlichen Verkündigung, je nach dem Zusammenhang.
Radak zu Tehillim 17:1
Israels Lobpreisung findet sich in Schir haSchirim (1:16), wo es über G‑tt heißt: הִנְּךָ יָפֶה דוֹדִי אַף נָעִים „Schön bist Du, mein Geliebter, auch lieblich“. Das preist G‑tt dafür, dass er Seine Schechina unter dem jüdischen Volk weilen ließ und die Sünde des Goldenen Kalbes vergab.
Raschi z.St.
וַיִּקְח֣וּ בְנֵֽי־אַ֠הֲרֹן נָדָ֨ב וַאֲבִיה֜וּא אִ֣ישׁ מַחְתָּת֗וֹ וַיִּתְּנ֤וּ בָהֵן֙ אֵ֔שׁ וַיָּשִׂ֥ימוּ עָלֶ֖יהָ קְטֹ֑רֶת וַיַּקְרִ֜בוּ לִפְנֵ֤י יְהוָה֙ אֵ֣שׁ זָרָ֔ה אֲשֶׁ֧ר לֹ֦א צִוָּ֖ה אֹתָֽם׃
1
1
Und es nahmen die Söhne Aharons, Nadaw und Awihu, ein jeder seine Rauchpfanne und gaben Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf und brachten so vor den Ewigen ein fremdes Feuer, das Er ihnen nicht befohlen hatte.
das Er ihnen nicht befohlen hatte
אֲשֶׁר לֹא צִוָּה אֹתָם ist zu lesen als לֹא, das Verbot, צִוָּה אֹתָם „befahl Er ihnen“. Ähnlich finden wir im Vers (Dew. 17:3) לְכָל צְבָא הַשָּׁמַיִם אֲשֶׁר לֹא צִוִּיתִי „vor dem ganzen Heer des Himmels, was Ich nicht befohlen habe“ – ihnen zu dienen (Raschi); auch dort ist die Bedeutung לֹא, das Verbot, צִוִּיתִי „habe Ich befohlen“.
Baal haTurim
וַתֵּ֥צֵא אֵ֛שׁ מִלִּפְנֵ֥י יְהוָ֖ה וַתֹּ֣אכַל אוֹתָ֑ם וַיָּמֻ֖תוּ לִפְנֵ֥י יְהוָֽה׃
2
2
Und ein Feuer ging vom Ewigen aus und verzehrte sie und so starben sie vor dem Ewigen.
Und ein Feuer ging vom Ewigen aus
Rabbi Eliëser sagt: Die Söhne Aharon starben nur darum, weil sie in Gegenwart ihres Lehrers Mosche eine halachische Entscheidung getroffen hatten.
Rabbi Ischmael sagt: Nachdem sie Wein getrunken hatten, waren sie ins Mikdasch gegangen. Zum Beweis: nach ihrem Tod wurden die Übriggebliebenen gewarnt, sie dürfen nicht ins Mikdasch hineingehen, wenn sie zuvor Wein getrunken hatten. Das gleicht einem König, der einen Diener hatte, wie in Wajikra Rabba steht.
Raschi
Das gleicht einem König, der einen Diener hatte. Er beobachtete, wie der Diener ins Weinhaus ging und dort trank; still ließ er ihn köpfen und setzte einen anderen in sein Amt ein. Wir wissen nicht, warum er den ersten tötete, doch daraus, dass er dem zweiten befahl, „Gehe nicht ins Weinhaus um dort zu trinken“, wissen wir, dass er deshalb den ersten tötete. So auch hier: „Ein Feuer ging vom Ewigen aus und verzehrte sie“, und wir wissen nicht, aus welchem Grund sie starben. Aber daraus, dass Er Aharon befiehlt (Vers 9) יַיִן וְשֵׁכָר אַל תֵּשְׁתְּ אַתָּה וּבָנֶיךָ אִתָּךְ „Wein und Berauschendes sollst du nicht trinken, du und deine Söhne mit dir“ wissen wir, dass sie deshalb starben.
Wajikra Rabba 12:1
וַיֹּ֨אמֶר מֹשֶׁ֜ה אֶֽל־אַהֲרֹ֗ן הוּא֩ אֲשֶׁר־דִּבֶּ֨ר יְהוָ֤ה ׀ לֵאמֹר֙ בִּקְרֹבַ֣י אֶקָּדֵ֔שׁ וְעַל־פְּנֵ֥י כָל־הָעָ֖ם אֶכָּבֵ֑ד וַיִּדֹּ֖ם אַהֲרֹֽן׃
3
3
Und Mosche sagte zu Aharon: Das ist es, was der Ewige gesagt hat, wie folgt: Durch die, die Mir nahestehen, werde Ich geheiligt, und vor dem ganzen Volk werde Ich verehrt. Und Aharon schwieg.
Das ist es, was der Ewige gesagt hat
Wo hat Er es gesagt? וְנֹעַדְתִּי שָׁמָּה לִבְנֵי יִשְֹרָאֵל וְנִקְדַּשׁ בִּכְבֹדִי „Dort werde Ich mich den Kindern Israel zeigen und durch Meine Herrlichkeit geheiligt werden“ (Schem. 29:43), lies nicht בִּכְבֹדִי „durch Meine Herrlichkeit“, sondern בִּמְכֻבָּדַי „durch Meine Hochstehenden“. Mosche sagte zu Aharon: Mein Bruder Aharon, ich wusste, dass das Mikdasch durch diejenigen geheiligt würde, die dem Ewigen nahe stehen, und dachte, entweder durch mich oder durch dich. Jetzt sehe ich, dass sie größer waren als ich und du (Sewachim 115b).
Raschi
dass sie: Nadaw und Awihu; denn G‑tt erwählte, Sein Mischkan durch ihren Tod zu heiligen, anstatt durch unseren Tod.
Obgleich Nadaw und Awihu infolge ihrer Sünde starben, bezeugte ihr Tod dennoch ihre Größe. Sie empfingen eine sofortige und harte Strafe für ein scheinbar geringfügiges Vergehen; ein solch strenges Gericht ist den vollkommen Gerechten vorbehalten, bei denen G‑tt selbst kleinste Verfehlungen ahndet. Dieses Urteil diente allen zur Lehre und war somit eine Heiligung des Namens G‑ttes.
Siehe Nachalat Jaakow, Misrachi, Jefe To’ar, Raschi weiter zu diesem Vers, ד״ה ועל פני כל העם אכבד
Und Aharon schwieg
Er erhielt Lohn für sein Schweigen, und welchen Lohn erhielt er? Dass der Ewige zu ihm alleine sprach, als der Abschnitt gesagt wurde über diejenigen, die Wein getrunken haben (weiter, Vers 9). (Sewachim 115b)
Raschi
Durch die, die Mir nahestehen
בִּקְרֹבַי – בִּבְחִירַי, durch Meine Erwählten.
Raschi
und vor dem ganzen Volk
וְעַל פְּנֵי כָל הָעָם, wörtl. „vor dem Angesicht des ganzen Volkes“.
und vor dem ganzen Volk werde Ich geehrt
וְעַל פְּנֵי כָל הָעָם אֶכָּבֵד „Vor dem ganzen Volk werde Ich geehrt“: wenn der Ewige die Zaddikim richtet, wird Er gefürchtet, erhoben und gepriesen; wenn es sogar diesen so ergeht, um so mehr den Bösen. Und so sagt der Vers (Teh. 68:36) נוֹרָא אֱלֹהִים מִמִּקְדָּשֶׁיךָ „gefürchtet bist Du, G‑tt, durch Dein Heiligtum“, lies nicht מִמִּקְדָּשֶׁיךָ „durch Dein Heiligtum“, sondern מִמְּקֻדָּשֶׁיךָ „durch Deine Geheiligten“ (Sewachim 115b).
Raschi
וַיִּקְרָ֣א מֹשֶׁ֗ה אֶל־מִֽישָׁאֵל֙ וְאֶ֣ל אֶלְצָפָ֔ן בְּנֵ֥י עֻזִּיאֵ֖ל דֹּ֣ד אַהֲרֹ֑ן וַיֹּ֣אמֶר אֲלֵהֶ֗ם קִ֠רְב֞וּ שְׂא֤וּ אֶת־אֲחֵיכֶם֙ מֵאֵ֣ת פְּנֵי־הַקֹּ֔דֶשׁ אֶל־מִח֖וּץ לַֽמַּחֲנֶֽה׃
4
4
Und Mosche rief Mischaël und Elzafan, die Söhne Usiëls, des Onkels von Aharon, und sagte zu ihnen: Tretet heran, tragt eure Brüder weg aus dem Heiligtum, zum Lager hinaus.
des Onkels von Aharon
Usiël war der Bruder von Amram, so heißt es (Schem. 6:18) וּבְנֵי קְהָת עַמְרָם וְיִצְהָר וְחֶבְרוֹן וְעֻזִּיאֵל „und die Söhne von Kehat: Amram, Jizhar, Chewron und Usiël“.
Raschi
tragt eure Brüder
Wie wenn einer zu seinem Nächsten sagt, „Entferne den Leichnam, der vor der Braut liegt, dass er nicht die Freude trübe“.
Raschi
וַֽיִּקְרְב֗וּ וַיִּשָּׂאֻם֙ בְּכֻתֳּנֹתָ֔ם אֶל־מִח֖וּץ לַֽמַּחֲנֶ֑ה כַּאֲשֶׁ֖ר דִּבֶּ֥ר מֹשֶֽׁה׃
5
5
Und sie traten hin und trugen die Körper von Nadaw und Awihu in ihren Gewändern aus dem Lager hinaus, so wie Mosche gesagt hatte.
in ihren Gewändern: der Toten. Das lehrt, dass ihre Kleider nicht verbrannt wurden, sondern nur ihr Leben, zwei Fäden von Feuer drangen in ihre Nase.
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר מֹשֶׁ֣ה אֶֽל־אַהֲרֹ֡ן וּלְאֶלְעָזָר֩ וּלְאִֽיתָמָ֨ר ׀ בָּנָ֜יו רָֽאשֵׁיכֶ֥ם אַל־תִּפְרָ֣עוּ ׀ וּבִגְדֵיכֶ֤ם לֹֽא־תִפְרֹ֙מוּ֙ וְלֹ֣א תָמֻ֔תוּ וְעַ֥ל כָּל־הָעֵדָ֖ה יִקְצֹ֑ף וַאֲחֵיכֶם֙ כָּל־בֵּ֣ית יִשְׂרָאֵ֔ל יִבְכּוּ֙ אֶת־הַשְּׂרֵפָ֔ה אֲשֶׁ֖ר שָׂרַ֥ף יְהוָֽה׃
6
6
Und Mosche sagte zu Aharon und zu Elasar und Itamar, seinen Söhnen: Die Haare auf eurem Kopf lasst nicht wild wachsen und eure Kleidung reißt nicht ein, damit ihr nicht sterbet und Er über die ganze Gemeinde zürne; aber eure Brüder, das ganze Haus Israel, soll den Brand beweinen, den der Ewige angezündet hat.
sollt ihr nicht wild wachsen lassen: Lasst euer Haar nicht lang wachsen. Von hier geht hervor, dass der Trauernde (אָבֵל) sich nicht scheren darf (Moed Katan 14b). Ihr aber trübt nicht die Freude G‑ttes.
Raschi
damit ihr nicht sterbet
Wenn ihr aber so tun würdet, so würdet ihr sterben.
Raschi
eure Brüder, das ganze Haus Israel
Von hier geht hervor, dass alle verpflichtet sind, an der Not von Torah-Gelehrten (תַּלְמִידֵי חֲכָמִים) trauernd Anteil zu nehmen (Moed Katan 28b).
Raschi
וּמִפֶּתַח֩ אֹ֨הֶל מוֹעֵ֜ד לֹ֤א תֵֽצְאוּ֙ פֶּן־תָּמֻ֔תוּ כִּי־שֶׁ֛מֶן מִשְׁחַ֥ת יְהוָ֖ה עֲלֵיכֶ֑ם וַֽיַּעֲשׂ֖וּ כִּדְבַ֥ר מֹשֶֽׁה׃ (פ)
7
7
Und von dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft geht nicht fort, damit ihr nicht sterbet; denn das Salböl des Ewigen ist auf euch. Und sie taten nach den Worten von Mosche.
Und sie taten nach den Worten von Mosche: sie ließen ihr Haar nicht wachsen; sie rissen ihre Kleidung nicht ein; sie verunreinigten sich nicht für einen Toten; sie verließen nicht das Mischkan, um an der Bestattung teilzunehmen. All das taten sie nach den Worten von Mosche, und übernahmen seine Worte als Anweisung, ohne die Hintergründe und Quellen zu hinterfragen.
Malbim
יַ֣יִן וְשֵׁכָ֞ר אַל־תֵּ֣שְׁתְּ ׀ אַתָּ֣ה ׀ וּבָנֶ֣יךָ אִתָּ֗ךְ בְּבֹאֲכֶ֛ם אֶל־אֹ֥הֶל מוֹעֵ֖ד וְלֹ֣א תָמֻ֑תוּ חֻקַּ֥ת עוֹלָ֖ם לְדֹרֹתֵיכֶֽם׃
9
9
Wein und Berauschendes trinke nicht, du und deine Söhne mit dir, wenn ihr hineingeht in das Zelt der Zusammenkunft, damit ihr nicht sterbet; das sei ein ewiges Gesetz für eure künftigen Generationen.
Wein und Berauschendes
יַיִן וְשֵׁכָר „Wein und Berauschendes“ im Sinn von יַיִן כְּדֶרֶךְ שִׁכְרוּתוֹ, Wein in berauschender Weise.
Raschi
wenn ihr hineingeht in das Zelt der Zusammenkunft
Daraus kann ich nur entnehmen, wenn ihr ins Heiligtum (הֵיכָל) hineingeht. Woher weiß ich, auch wenn sie zum Altar hingehen? Hier steht das Hineingehen ins Zelt der Offenbarung und ebenso beim Heiligen von Händen und Füßen (Schem. 30:20). So wie der Vers dort das Hingehen zum Altar dem Hineingehen ins Zelt der Zusammenkunft gleichgestellt hat, so hat er auch hier das Hingehen zum Altar dem Hineingehen ins Zelt der Zusammenkunft gleichgestellt.
Raschi
Wein und Berauschendes
Direkt auf den Vers über „Wein und Berauschendes“ folgt der Vers „um zu unterscheiden“ (lehawdil). Das lehrt, dass Hawdala über Wein gesprochen wird.
Baal haTurim, und siehe Schewuot 18b
וּֽלֲהַבְדִּ֔יל בֵּ֥ין הַקֹּ֖דֶשׁ וּבֵ֣ין הַחֹ֑ל וּבֵ֥ין הַטָּמֵ֖א וּבֵ֥ין הַטָּהֽוֹר׃
10
10
Um zu unterscheiden zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen und zwischen dem Unreinen und dem Reinen,
Um zu unterscheiden
Damit ihr zwischen heiligem Dienst und entweihtem Dienst (עֲבוֹדָה מְחֻלֶּלֶת) unterscheidet. Daraus lernst du, dass wenn er den Dienst geleistet hat, [nachdem er Wein in berauschender Weise getrunken hat,] dieser Dienst ungültig ist.
Raschi
וּלְהוֹרֹ֖ת אֶת־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל אֵ֚ת כָּל־הַ֣חֻקִּ֔ים אֲשֶׁ֨ר דִּבֶּ֧ר יְהוָ֛ה אֲלֵיהֶ֖ם בְּיַד־מֹשֶֽׁה׃ (פ)
11
11
und um die Kinder Israel alle Gesetze zu lehren, die ihnen der Ewige durch Mosche hat sagen lassen.
um die Kinder Israel alle Gesetze zu lehren
Das lehrt, dass ein Berauschter nicht halachische Anweisungen erteilen darf (אָסוּר בְּהוֹרָאָה). Ich hätte nun gemeint, dass er todesschuldig wäre. Darum steht (zuvor, Vers 9) אַתָּה וּבָנֶיךָ אִתָּךְ גו׳ וְלֹא תָמֻתוּ „du und deine Söhne mit dir, damit ihr nicht sterbet“. Kohanim, die den Dienst ausführen, sind todesschuldig, aber Gelehrte, die halachische Anweisungen erteilen [während sie berauscht sind], sind nicht todesschuldig.
Raschi
„du und deine Söhne mit dir, damit ihr nicht sterbet“: der Vers setzt die Todesstrafe unmittelbar hinter das Verbot „du und deine Söhne mit dir“ – also die Kohanim – und nicht erst nach der gesamten Reihe der Verbote.
Nachalat Jaakow, Tzeda laDerech (2. Auslegung), Korban Aharon