und der Kohen kommt und sieht, und siehe, der Schaden hat sich ausgebreitet
Ich hätte meinen können, der wiederkehrende Schaden sei nur unrein, wenn er sich ausgebreitet hat. Es steht aber צָרַעַת מַמְאֶרֶת „schmerzhafter Aussatz“ bei den Häusern und ebenso צָרַעַת מַמְאֶרֶת bei den Kleidern (Waj. 13:52): wie er dort den wiederkehrenden Aussatz für unrein erklärt, auch wenn er nicht größer geworden ist, so macht er auch hier den wiederkehrenden Aussatz unrein, auch wenn er nicht größer geworden ist.
Was lehrt uns also וְהִנֵּה פָּשָׂה „und siehe, [der Schaden] hat sich ausgebreitet“? Hier ist aber nicht der Ort für diesen Vers, sondern (Vers 45) וְנָתַץ אֶת הַבַּיִת „man reiße das Haus ein“, hätte nach (Vers 43) stehen sollen וְאִם יָשׁוּב הַנֶּגַע „wenn der Schaden wiederkommt“. Dagegen kommt (Vers 44) וְרָאָה וְהִנֵּה פָּשָׂה „er sieht, dass er größer geworden ist“, für den Fall zu lehren, dass der Schaden am Ende der ersten Woche gleichgeblieben war und der Kohen am Ende der zweiten Woche kommt und findet, dass er größer geworden ist. Für diesen Fall, dass er am Ende der ersten Woche gleichgeblieben war, hat der Vers oben noch nichts erklärt, und er belehrt dich hier darüber bei diesem Größerwerden, das nur davon spricht, dass der Aussatz in der ersten Woche gleichgeblieben ist und in der zweiten Woche größer geworden ist.
Und was soll dann geschehen? Ich hätte meinen können, man reiße das Haus ein, wie gleich folgt וְנָתַץ אֶת הַבַּיִת „man reiße das Haus ein“. Darum steht (Vers 39) וְשָׁב הַכֹּהֵן „der Kohen komme wieder“, und hier וּבָא הַכֹּהֵן „der Kohen kommt“. Wir lernen בִּיאָה von שִּׁיבָה ab: so wie er dort erst die Steine ausreißt, das Haus abschabt, tüncht und noch eine Woche dafür bestimmt, so reißt man auch hier bei בִּיאָה erst die Steine aus, schabt ab, tüncht und bestimmt noch eine Woche. Und wenn dann der Aussatz wiederkommt, reißt man das Haus ein. Und wenn er nicht wiederkommt, ist es rein.
Und woher weiß ich, dass man, wenn der Schaden am Ende beider Wochen gleichgeblieben ist, die Steine ausreißt, abschabt, tüncht und noch eine dritte Woche bestimmt? Darum steht וּבָא „es kommt“ und (Vers 48) וְאִם בֹּא יָבֹא „wenn kommt“. Wovon spricht jener Vers? Wenn der Schaden am Ende der ersten Woche größer geworden ist, das steht schon. Wenn er am Ende der zweiten Woche größer geworden ist, das steht auch schon. Es bezieht sich also וּבָא „es kommt“ und וְאִם בֹּא יָבֹא „wenn kommt“ nur auf den Fall, dass der Kohen am Ende der ersten Woche gekommen ist und am Ende der zweiten Woche wiedergekommen ist und gesehen hat, dass sich der Schaden nicht ausgebreitet hat.
Was soll mit diesem gleichgebliebenen Aussatz geschehen? Ich hätte meinen können, er erkläre ihn für rein und gehe, wie hier steht (Vers 48) וְטִהַר הַכֹּהֵן אֶת הַבַּיִת „er erkläre das Haus für rein“. Darum heißt es כִּי נִרְפָּא הַנָּגַע „weil der Schaden geheilt ist“ – nur den geheilten Schaden erkläre ich für rein.
Was soll also mit ihm geschen? Oben steht בִּיאָה (Vers 44), und unten steht בִּיאָה (Vers 48). Wie er oben die Steine ausreißt, das Haus abschabt, tüncht und noch eine Woche bestimmt, da er oben שִׁיבָה (Vers 39) gleich mit בִּיאָה setzt. So auch unten (Vers 48) … wie in Torat Kohanim (14:105) steht.
Zusammenfassend zu diesem Punkt: Einreißen des Hauses findet nur dann statt, wenn der Aussatz wiederkommt, nachdem man die Steine ausgerissen, abgeschabt und getüncht hat. Dieser wiederkehrende Aussatz braucht nicht größer zu sein.
Und die Reihenfolge der Verse ist so: (Vers 43) וְאִם יָשׁוּב „wenn wiederkommt, (Vers 45) וְנָתַץ „dann reiße man ein“, (Vers 46) וְהַבָּא אֶל הַבַּיִת „wer ins Haus geht“, (Vers 47) וְהָאוֹכֵל בַּבַּיִת „wer im Haus isst“, (Vers 44) וּבָא הַכֹּהֵן וְרָאָה וְהִנֵּה פָשָׂה „der Kohen komme und sieht, dass sich ausgebreitet hat“. Und da spricht der Vers von dem Aussatz, der am Ende der ersten Woche gleichgeblieben war, den er noch eine zweite Woche verschlossen hatte und bei dem der Kohen am Ende der zweiten Woche des Verschlusses bei seinem Wiederkommen sieht, dass er größer geworden ist. Was soll da geschehen? Er reiße die Steine aus, schabe das Haus ab, tünche und bestimme dafür wieder eine Woche. Kommt der Aussatz wieder, so reiße man das Haus ein. Kommt er nicht wieder, so ist das Bringen der Vögel vorgeschrieben. Mehr als drei Wochen Beobachtung gibt es nicht bei Aussatzschäden. (Vers 48) וְאִם בֹּא יָבֹא „Wenn der Kohen kommt“: am Ende der zweiten Woche, וְרָאָה וְהִנֵּה לֹא פָשָׂה „und sieht, dass [der Schaden] nicht größer geworden ist“: dieser Vers kommt für den Fall zu lehren, dass er in der ersten und in der zweiten Woche gleich geblieben ist. Was soll mit ihm geschehen? Ich hätte meinen können, er soll ihn für rein erklären, wie aus dem Vers hervorzugehen scheint, וְטִהַר הַכֹּהֵן אֶת הַבַּיִת „dann erkläre der Kohen das Haus für rein“. Darum steht כִּי נִרְפָּא הַנֶּגַע „da der Schaden geheilt ist“. Ich habe nur den geheilten für rein erklärt; und geheilt ist er nur dann, wenn das Haus abgeschabt und getüncht worden war und der Schaden nicht wiedergekommen ist; aber in diesem Fall müssen die Steine ausgerissen, das Haus abgeschabt und getüncht und eine dritte Woche bestimmt werden.
Und so ist der Vers (48) zu erkären: וְאִם בֹּא יָבֹא הַכֹּהֵן „und wenn der Kohen kommt“: nach der zweiten Woche, וְרָאָה וְהִנֵּה לֹא פָשָׂה „und sieht, dass er nicht größer geworden ist“, tünche man. Man tüncht aber nicht, ohne vorher die Steine ausgerissen und das Haus abgeschabt zu haben. אַחֲרֵי הִטֹּחַ אֶת הַבָּיִת וְטִהַר הַכֹּהֵן אֶת הַבַּיִת „Nachdem das Haus getüncht wurde, erkläre der Kohen das Haus für rein“: wenn der Schaden am Ende einer Woche nicht wiedergekommen ist, כִּי נִרְפָּא הַנָּגַע „da der Schaden geheilt ist“. Wenn er aber wiedergekommen ist, so hat er für den wiederkehrenden Schaden schon erklärt, dass das Haus eingerissen werden muss.
Raschi