וַיֹּ֤אמֶר יְהוָה֙ אֶל־מֹשֶׁ֔ה אֱמֹ֥ר אֶל־הַכֹּהֲנִ֖ים בְּנֵ֣י אַהֲרֹ֑ן וְאָמַרְתָּ֣ אֲלֵהֶ֔ם לְנֶ֥פֶשׁ לֹֽא־יִטַּמָּ֖א בְּעַמָּֽיו׃
1
1
Der Ewige sprach zu Mosche: Sprich zu den Kohanim, den Söhnen Aharons, und sprich zu ihnen: An einem Leichnam in seinem Volk darf sich ein Kohen nicht verunreinigen.
sprich … und sage ihnen
Das verwarnt die Großen bezüglich der Kleinen (Jewamot 114a).
Raschi
die Großen bezüglich der Kleinen: die erwachsenen Kohanim bezüglich ihrer Kinder.
sprich … und sprich zu ihnen
Das bedeutet „Sprich zu den Kohanim“: dass sie sich um dich versammeln“, und das zweite, verdoppelte „und sprich zu ihnen“: um sie sehr zu warnen.
Ramban
sprich … und sprich zu ihnen
Untersagt der Arzt jemandem eine Speise zur Krankheitsvermeidung, so ist das „Präventives Hören“; das heißt, der Mensch hat sich vor der Krankheit gehütet, noch bevor sie auftrat.
Missachtet er aber den Rat des Arztes, isst die verbotene Speise und erkrankt dann, bleibt nur die künftige Einsicht: das „Reaktive Hören“. Darauf bezieht sich der Prophet Jeschajahu (42:23) מִי בָכֶם יַאֲזִין זֹאת יַקְשִׁב וְיִשְׁמַע לְאָחוֹר „Wer unter euch wird das zu Ohren nehmen, wird achtgeben und für die Zukunft hören?“; danach zumindest, wenn er in Not und Bedrängnis ist, wird er acht geben und nicht mehr sündigen.
Das erklärt das doppelte „Sprechen“: Die erste Ansprache warnt vor der Sünde und ihren Folgen; die zweite erfolgt nach der Verfehlung, um eine Wiederholung zu verhindern.
Maggid von Dubno
den Söhnen Aharons
Ich hätte meinen können, auch zu entweihten Kindern des Kohen (חֲלָלִים), darum steht „Kohanim“.
Raschi
den Söhnen Aharons
Darunter sind auch Kohanim mit Körperfehlern (בַּעֲלֵי מוּמִין) zu verstehen.
Raschi
den Söhnen Aharons: den Söhnen Aharons, aber nicht den Töchtern Aharons.
Raschi
an einem Leichnam
לְנֶפֶשׁ, wörtl. Seele. Der Leichnam wird „Seele“ genannt als Euphemismus (לְשוֹן סַגִּי נְהוֹר), denn ein Leichnam ist ein Körper ohne Seele. [Ibn Esra]
Die Unreinheit des Toten kommt vor allem durch die Seele, denn der Körper selbst würde keine Unreinheit annehmen.
Abarbanel
in seinem Volk: solange sich der Tote innerhalb seines Volkes befindet; damit wird ein Toter ausgeschlossen, um dessen Begräbnis sich niemand kümmert (מֵת מִצְוָה).
Raschi
in seinem Volk: das sind die Kohanim – darf sich der Kohen „nicht an einem Leichnam verunreinigen“. [Raschbam]
in seinem Volk: der Kohen darf sich an keiner Person aus „seinem Volk“ – das ist das Volk Israel – verunreinigen.
Saadia Gaon
כִּ֚י אִם־לִשְׁאֵר֔וֹ הַקָּרֹ֖ב אֵלָ֑יו לְאִמּ֣וֹ וּלְאָבִ֔יו וְלִבְנ֥וֹ וּלְבִתּ֖וֹ וּלְאָחִֽיו׃
2
2
Sondern nur an seiner Verwandten, die ihm nahe verwandt ist, an seiner Mutter und an seinem Vater und an seinem Sohn und an seiner Tochter und an seinem Bruder, soll sich der Kohen verunreinigen.
an seiner Verwandten
Hier ist mit שְׁאֵרוֹ „seiner Verwandten“ die Ehefrau gemeint (Jewamot 22b).
Raschi
an seiner Verwandten … an seiner Mutter
כִּי אִם לִשְׁאֵרוֹ … לְאִמּוֹ וּלְאָבִיו. Warum steht hier „an seiner Mutter“ vor „an seinem Vater“? Der Begriff שְׁאֵרוֹ bezieht sich auf eine Frau, „seine Ehefrau“, und gleich darauf fügt der Vers eine weitere Frau hinzu, „seine Mutter“.
Rabbenu Bechaje
an seiner Verwandten, die ihm nahe ist
Hier ist es ausnahmsweise den Kohanim erlaubt, sich zu verunreinigen, denn die Torah wollte ihnen keinen Kummer hinzufügen, wenn ihr Herz um einen Verwandten trauert.
Sefer haChinuch
Hier ist es ausnahmsweise den Kohanim erlaubt, sich zu verunreinigen, damit auch sie – wenn sie den Toten auf seinem letzten Weg begleiten – sich des Todestages erinnern und in Teschuwa umkehren.
Zror haMor
וְלַאֲחֹת֤וֹ הַבְּתוּלָה֙ הַקְּרוֹבָ֣ה אֵלָ֔יו אֲשֶׁ֥ר לֹֽא־הָיְתָ֖ה לְאִ֑ישׁ לָ֖הּ יִטַּמָּֽא׃
3
3
Und an seiner ledigen Schwester, die ihm noch nahe ist, die nämlich noch keinem Mann angehörte, an ihr verunreinige sich ein Kohen.
ledig: nicht verheiratet.
die ihm nahe ist
Das fügt die bereits verlobte Frau (אֲרוּסָה) hinzu.
Raschi
die noch keinem Mann angehörte: durch Eheverkehr.
Raschi
verunreinige er sich: es ist eine Pflicht.
Raschi
לֹ֥א יִטַּמָּ֖א בַּ֣עַל בְּעַמָּ֑יו לְהֵ֖חַלּֽוֹ׃
4
4
Es verunreinige sich nicht ein Mann am Begräbnis einer Frau inmitten seines Volkes, die ihn von der Kohenwürde entweiht.
Es verunreinige sich nicht ein Mann inmitten seines Volkes, die ihn entweiht
Er verunreinige sich aber nicht an einer ihm verbotenen Frau [wie eine Geschiedene, siehe Vers 7], durch die er entweiht ist, solange sie zusammen leben.
[Dass hier das Wort בְּעַמָּיו „in seinem Volk“ steht, ist zu erklären]
nach der einfachen Erklärung des Verses: Es verunreinige sich ein Mann nicht an seiner Verwandten (שְׁאֵרוֹ, d.h. Ehefrau), wenn sie inmitten seines Volkes ist, sodass Leute da sind, die sie begraben, und sie nicht eine Tote ist, um deren Begräbnis sich niemand kümmert (מֵת מִצְוָה). Und von welcher Verwandten (שְׁאֵרוֹ, d.h. Ehefrau) sage ich dies? Von jener, die ihn entweiht, dass er durch [die Ehe mit ihr] die Kohenwürde verliert. [Anders bei einer dem Kohen erlaubten Ehefrau: selbst wenn es solche gibt, die sich um ihr Begräbnis kümmern, verunreinigt sich der Ehemann für sie, wie es heißt (Vers 2) לִשְׁאֵרוֹ „für seine Ehefrau“ verunreinige er sich.]
Raschi
לֹֽא־יקרחה [יִקְרְח֤וּ] קָרְחָה֙ בְּרֹאשָׁ֔ם וּפְאַ֥ת זְקָנָ֖ם לֹ֣א יְגַלֵּ֑חוּ וּבִ֨בְשָׂרָ֔ם לֹ֥א יִשְׂרְט֖וּ שָׂרָֽטֶת׃
5
5
Die Kohanim dürfen sich auf ihrem Kopf keine Glatze machen, die Ecke ihres Bartes nicht rasieren, und sich an ihrem Körper keinen Einschnitt machen.
dürfen sich keine Glatze machen: wegen eines Toten. Auch ganz Israel ist darauf verwarnt. Nur, weil bei Israel steht (Dew. 14:1) בֵּין עֵינֵיכֶם „zwischen euren Augen“, hätte ich meinen können, dass man nicht überall auf dem Kopf verwarnt ist, darum steht hier בְּרֹאשָׁם „auf ihrem Kopf“. Und man lernt Israel von den Kohanim durch eine גְזֵרָה שָׁוָה (Gesera schawa) heraus: hier steht קָרְחָה (Karcha, „Glatze“) und ebenso bei Israel steht das Wort קָרְחָה. Wie hier das ganze Kopfhaar gemeint ist, so ist auch dort das ganze Kopfhaar gemeint, überall, wo er auf dem Kopf eine Glatze macht. Und wie dort (Dew. 14:1) wegen eines Toten, so auch hier wegen eines Toten.
Raschi
die Ecke ihres Bartes nicht rasieren
Weil bei Israel steht (Waj. 19:27) וְלֹא תַּשְׁחִית „du sollst nicht zerstören“, hätte ich meinen können, dass, wenn er die Barthaare mit irgendwelchen Werkzeugen ausreißt, er schuldig wäre. Darum steht לֹא יְגַלֵּחוּ „sie sollen nicht rasieren“, er ist nur bei einer Sache schuldig, die Rasieren genannt wird und ganz fortnimmt, das ist die Rasierklinge (Makot 21a).
Raschi
an ihrem Körper: wörtl. an ihrem Fleisch.
an ihrem Körper keinen Einschnitt machen
Weil bei Israel steht (Waj. 19:27) וְשֶׂרֶט לָנֶפֶשׁ לֹא תִתְּנוּ
„einen Einschnitt wegen einer Leiche sollt ihr euch nicht machen“, hätte ich meinen können, wenn er fünf Einschnitte gemacht hat, sei er auch nur einmal schuldig. Darum steht לֹא יִשְׂרְטוּ שָׂרָטֶת ç„sollen sie keinen Einschnitt machen“, um ihn für jeden einzelnen Einschnitt schuldig zu machen. Dieses Wort שָׂרָטֶת ist für die Deutung übrig, denn der Vers hätte schreiben können לֹא יִשְׂרְטוּ „sie sollen nicht einschneiden“, und ich hätte gewusst, dass ein Einschnitt verboten ist.
Raschi
קְדֹשִׁ֤ים יִהְיוּ֙ לֵאלֹ֣הֵיהֶ֔ם וְלֹ֣א יְחַלְּל֔וּ שֵׁ֖ם אֱלֹהֵיהֶ֑ם כִּי֩ אֶת־אִשֵּׁ֨י יְהוָ֜ה לֶ֧חֶם אֱלֹהֵיהֶ֛ם הֵ֥ם מַקְרִיבִ֖ם וְהָ֥יוּ קֹֽדֶשׁ׃
6
6
Heilig sollen sie ihrem G‑tt sein und den Namen ihres G‑ttes nicht entweihen; denn die Feuergaben des Ewigen, das Speise‑Opfer ihres G‑ttes, bringen sie dar, sie sollen heilig sein.
Heilig sollen sie sein
Sogar gegen ihren Willen heilige sie das Gericht (בֵּית דִּין) darin.
Raschi
אִשָּׁ֨ה זֹנָ֤ה וַחֲלָלָה֙ לֹ֣א יִקָּ֔חוּ וְאִשָּׁ֛ה גְּרוּשָׁ֥ה מֵאִישָׁ֖הּ לֹ֣א יִקָּ֑חוּ כִּֽי־קָדֹ֥שׁ ה֖וּא לֵאלֹהָֽיו׃
7
7
Eine Prostituierte oder eine Entweihte sollen sie nicht zur Ehefrau nehmen, und eine Frau, die von ihrem Mann geschieden ist, sollen sie nicht nehmen; denn heilig ist er seinem G‑tt.
Prostituierte
זֹנָה „Prostituierte“, die mit einem Israel geschlafen hat, der für sie verboten ist; wie diejenigen, die dadurch der Ausrottung (כָּרֵת) schuldig werden, oder ein Giwoni (נָתִין) oder ein Mamser.
Raschi
Giwoni (נָתִין): ein Nachkomme der Völker Kna’ans, die zur Zeit der Eroberung durch Jehoschua bin Nun in Giwon ansässig waren. Aus Furcht erschlichen sie sich durch Täuschung ein Bündnis mit Jehoschua, wurden als Gerim angenommen und verschont. Obgleich ihre Täuschung aufgedeckt wurde, hielt Jehoschua das Bündnis ein, teilte sie jedoch als Holzhacker und Wasserschöpfer ein („Natin“ bedeutet „zugewiesen“). Trotz ihres Übertritts zum Judentum blieb ihnen die Einheirat in das jüdische Volk untersagt, doch galt dieser Erlass Jehoschuas nicht auf ewig. In den Tagen König Davids, als er ihre Grausamkeit beim Tod der Söhne Schauls sah, erließ er das ewige Verbot, sie zu heiraten (siehe Jewamot 79a).
Mamser: ein Kind, das aus einer Verbindung hervorgeht, die unter Strafe von Karet verboten ist (z.B. Inzest oder Ehebruch) bzw. selbst Kind von Mamserim ist.
eine Entweihte
חֲלָלָה, wörtl. „Entweihte“: eine Person, die aus einer nur den Kohanim verbotenen Verbindung hervorgegangen ist, z.B. die Tochter einer Witwe, die einen Kohen Gadol geheiratet hat. Oder die Tochter einer Geschiedenen, die einen einfachen Kohen geheiratet hat. Und auch, wenn sie mit einem Mann geschlafen hat, der für die Kehuna untauglich ist (Kiduschin 77a).
Raschi
וְקִדַּשְׁתּ֔וֹ כִּֽי־אֶת־לֶ֥חֶם אֱלֹהֶ֖יךָ ה֣וּא מַקְרִ֑יב קָדֹשׁ֙ יִֽהְיֶה־לָּ֔ךְ כִּ֣י קָד֔וֹשׁ אֲנִ֥י יְהוָ֖ה מְקַדִּשְׁכֶֽם׃
8
8
Du musst den Kohen heilig halten, denn das Speise‑Opfer deines G‑ttes bringt er; heilig sei er dir, denn heilig bin Ich, der Ewige, der euch heiligt.
Du musst ihn heilig halten
„Du musst ihn heilig halten“ – sogar gegen seinen Willen. Wenn er sich nicht scheiden lassen will, bedrängt man ihn, bis er sich scheiden lässt (Jewamot 88b).
Raschi
Du musst ihn heilig halten
Jeder einzelne Kohen muss auf seine Heiligkeit achten, auch wenn es genug Kohanim für den Dienst im Tempel gibt.
Or haChaim
heilig sei er dir
Erweise ihm Heiligkeit, dass er bei jeder Sache der Erste sei und bei der Mahlzeit zuerst den Segensspruch spreche (Gittin 59b).
Raschi
וּבַת֙ אִ֣ישׁ כֹּהֵ֔ן כִּ֥י תֵחֵ֖ל לִזְנ֑וֹת אֶת־אָבִ֙יהָ֙ הִ֣יא מְחַלֶּ֔לֶת בָּאֵ֖שׁ תִּשָּׂרֵֽף׃ (ס)
9
9
Wenn die Tochter eines Kohen sich durch Unzucht entweiht, so entweiht sie damit ihren Vater, im Feuer soll sie verbrannt werden.
Wenn die Tochter eines Kohen sich durch Unzucht entweiht
Wenn sie durch Unzucht entweiht wird. Wenn nämlich auf ihr bereits die Bindung an einen Mann ruhte und sie dann Unzucht beging (שֶׁהָיְתָה בָּהּ זִקַּת בַּעַל וְזִנְּתָה), entweder nach der Verlobung (אֵירוּסִין) oder nach der Eheschließung (נִּשּׂוּאִין). Darüber sind bei unseren Lehrern verschiedene Meinungen, doch stimmen alle darin überein, dass der Vers nicht von einer ledigen Frau spricht (פְנוּיָה). (Sanhedrin 51b)
Raschi
entweiht sie damit ihren Vater
Sie hat seine Ehre entweiht und geschändet, indem man von ihm sagt: Verwünscht ist er, der eine solche gezeugt hat, verwünscht ist er, der eine solche erzogen hat (Sanhedrin 52a).
Raschi
וְהַכֹּהֵן֩ הַגָּד֨וֹל מֵאֶחָ֜יו אֲֽשֶׁר־יוּצַ֥ק עַל־רֹאשׁ֣וֹ ׀ שֶׁ֤מֶן הַמִּשְׁחָה֙ וּמִלֵּ֣א אֶת־יָד֔וֹ לִלְבֹּ֖שׁ אֶת־הַבְּגָדִ֑ים אֶת־רֹאשׁוֹ֙ לֹ֣א יִפְרָ֔ע וּבְגָדָ֖יו לֹ֥א יִפְרֹֽם׃
10
10
Der Kohen, der unter seinen Brüdern der höchste ist, auf dessen Kopf das Salböl gegossen wurde, und den man in sein Amt eingesetzt hat, dass er die Gewänder anziehe, der darf sein Haar am Kopf nicht wild wachsen lassen, seine Kleidung nicht zerreißen.
Der Kohen, der unter seinen Brüdern der höchste ist
Er war seinen Brüdern, den anderen Kohanim, in 5 Bereichen überlegen, wie es heißt הַכֹּהֵן הַ-גָּדוֹל, der Buchstabe ה hat den Zahlenwert 5:
1. Weisheit
2. Kraft
3. Schönheit
4. Reichtum
5. Alter
Schönheit: „auf dessen Kopf das Salböl gegossen wurde“ – אֲשֶׁר יוּצַק עַל רֹאשׁוֹ שֶׁמֶן הַמִּשְׁחָה, als man kam, um den Kohen Gadol zu salben, stellten sich alle Kohanim auf und das Salböl in der Mitte; und das Salböl lief von alleine auf ihn zu und goss sich auf seinen Kopf, so heißt es (Teh. 45:8) עַל כֵּן מְשָׁחֲךָ אֱלֹהִים אֱלֹהֶיךָ שֶׁמֶן שָׂשׂוֹן מֵחֲבֵרֶיךָ „deshalb hat dein G‑tt dich gesalbt mit Öl der Freude, dich von deinen Kameraden“;
das heißt, er wurde vom Himmel auserwählt. Und als das Öl sich auf ihm ausgoss – wenn er vorher körperlich klein gewesen war, wurde er größer; wenn er dunkel gewesen war, wurde er heller; war sein Gesicht hässlich, so wurde es freundlich und wohlgefällig; und so steht מֵחֲבֵרֶיךָ – er war einnehmender „als seine Kameraden“.
Kraft: er war körperlich mächtig. Siehe, als Aharon der Kohen die Schwingung (תְּנוּפָה) mit den Leviim machte (Bam. 8:11, וְהֵנִיף אַהֲרֹן אֶת הַלְוִיִּם תְּנוּפָה לִפְנֵי ה׳ „als Aharon mit den Leviim eine Schwingung machte vor dem Ewigen“), machte er mit 22.000 Leviim an einem einzigen Tag die Schwingung. Wie tat er? Er hob jeden einzelnen von ihnen auf, und machte eine Schwingung nach allen Seiten, nach oben und nach unten (מוֹלִיךְ וּמֵבִיא, מַעֲלֶה וּמוֹרִיד). Er war mächtig an Körperstärke.
Reichtum: Und wenn er selbst nicht reich war, sorgten die anderen Kohanim für seinen Reichtum, wie es heißt מֵאֶחָיו – „von seinen Brüdern [kam der Reichtum]“.
Wajikra Rabba 26:9
darf sein Haar am Kopf nicht wild wachsen lassen
Er lasse sich nicht wegen eines Trauerfalles langes Haar wachsen. Was nennt man „langes Haar wachsen lassen“? Länger als 30 Tage (Torat Kohanim, Sanhedrin 22b).
Raschi
וְעַ֛ל כָּל־נַפְשֹׁ֥ת מֵ֖ת לֹ֣א יָבֹ֑א לְאָבִ֥יו וּלְאִמּ֖וֹ לֹ֥א יִטַּמָּֽא׃
11
11
Zu keiner Leiche darf er kommen, sogar an seinem Vater und seiner Mutter darf er sich nicht verunreinigen.
Zu keiner Leiche
וְעַל כָּל נַפְשֹׁת מֵת, wörtl. zu keiner Seele eines Toten.
Zu keiner Leiche: in das Zelt, in dem eine Leiche ist.
Das Wort נַפְשֹׁת fügt ¼ Log Blut eines Toten hinzu, dass es ebenfalls das Zelt mit Unreinheit erfüllt (Sanhedrin 4a).
Raschi
an seinem Vater und seiner Mutter darf er sich nicht verunreinigen
Damit erlaubt es ihm der Vers an einer Leiche, um deren Begräbnis sich niemand kümmert (מֵת מִצְוָה).
Raschi
וּמִן־הַמִּקְדָּשׁ֙ לֹ֣א יֵצֵ֔א וְלֹ֣א יְחַלֵּ֔ל אֵ֖ת מִקְדַּ֣שׁ אֱלֹהָ֑יו כִּ֡י נֵ֠זֶר שֶׁ֣מֶן מִשְׁחַ֧ת אֱלֹהָ֛יו עָלָ֖יו אֲנִ֥י יְהוָֽה׃
12
12
Das Heiligtum soll er nicht verlassen, damit er das Heiligtum seines G‑ttes nicht entweihe; denn die Krone, das Salböl seines G‑ttes, ist auf ihm; ich bin der Ewige!
Das Heiligtum soll er nicht verlassen
Er darf nicht der Bahre mit dem Toten folgen (Sanh. 18a).
Weiters entnehmen von hier unsere Lehrer, dass der Kohen Gadol als Trauernder Opfer darbringen darf (Sanh. 84a). Und so ist die Bedeutung: auch wenn sein Vater und seine Mutter gestorben sind, braucht er nicht das Heiligtum zu verlassen, sondern kann den Dienst verrichten.
Raschi
damit er das Heiligtum seines G‑ttes nicht entweihe
Dadurch entweiht er nicht den Opferdienst, da es ihm der Vers erlaubt hat. Wenn aber ein gewöhnlicher Kohen als Trauernder den Dienst ausführt, entweiht er ihn.
Raschi
אַלְמָנָ֤ה וּגְרוּשָׁה֙ וַחֲלָלָ֣ה זֹנָ֔ה אֶת־אֵ֖לֶּה לֹ֣א יִקָּ֑ח כִּ֛י אִם־בְּתוּלָ֥ה מֵעַמָּ֖יו יִקַּ֥ח אִשָּֽׁה׃
14
14
Eine Witwe, eine Geschiedene, eine Entweihte, eine Prostituierte, die soll er nicht nehmen, sondern eine Jungfrau aus seinem Volk soll er zur Frau nehmen.
eine Entweihte
חֲלָלָה „eine Entweihte“ ist ein Mädchen, das von solchen geboren wurde, die zur Kehuna untauglich sind.
Raschi
וְלֹֽא־יְחַלֵּ֥ל זַרְע֖וֹ בְּעַמָּ֑יו כִּ֛י אֲנִ֥י יְהוָ֖ה מְקַדְּשֽׁוֹ׃ (פ)
15
15
Er soll seine Nachkommen in seinem Volk nicht entweihen; denn Ich, der Ewige, bin es, der ihn heiligt.
Er soll seine Nachkommen nicht entweihen
Wenn er also eine von den für Kohanim untauglichen Frauen heiratet, dann ist seine Nachkommenschaft von ihr vom Recht der Kohen-Heiligkeit entweiht.
Raschi
denn Ich, der Ewige, bin es, der ihn heiligt
Wie das Kohentum kein frei gewählter Beruf, sondern eine von G‑tt gesetzte, mit der Geburt erlangte Lebensbestimmung und Aufgabe ist, so kann die Würdigkeit und die dadurch bedingte Fähigkeit zu deren Erfüllung wohl zeitweilig aussetzen, aber nimmer kann sie verloren gehen. Der Kohen kann nie aufhören, ein Kohen zu sein.
Ganz so hat jeder als Jude Geborene eine mit der Geburt von G‑tt erteilte Lebensbestimmung. Wohl kann er sich in Gesinnung und Lebenswandel dieser Aufgabe entfremden, kann ihr in vollendeter Untreue den Rücken kehren, doch steht ihm stets die Rückkehr zur jüdischen Wahrheit und Treue offen.
Rabbi Schimschon R. Hirsch