וְכִֽי־יָמ֥וּךְ אָחִ֛יךָ עִמָּ֖ךְ וְנִמְכַּר־לָ֑ךְ לֹא־תַעֲבֹ֥ד בּ֖וֹ עֲבֹ֥דַת עָֽבֶד׃
39
39
Und wenn dein Bruder arm wird neben dir und sich dir verkauft, dann lass ihn nicht die Arbeit eines Sklaven machen.
Arbeit eines Sklaven: ein entehrender Dienst, durch den er wie ein Sklave aussieht. Er trage nicht die persönlichen Sachen seines Herrn hinter ihm ins Badehaus und ziehe ihm nicht seine Schuhe an.
Raschi
כְּשָׂכִ֥יר כְּתוֹשָׁ֖ב יִהְיֶ֣ה עִמָּ֑ךְ עַד־שְׁנַ֥ת הַיֹּבֵ֖ל יַעֲבֹ֥ד עִמָּֽךְ׃
40
40
Wie ein Lohnarbeiter, wie ein Beisasse sei er bei dir, bis zum Joweljahr diene er bei dir.
Wie ein Lohnarbeiter, wie ein Beisasse
Feldarbeit und Handwerk, wie von anderen Lohnarbeitern, das lass von ihm verrichten.
Raschi
bis zum Joweljahr
Wenn das Jowel eintritt, bevor er sechs Jahre gedient hat, macht ihn das Jowel frei.
Raschi
וְיָצָא֙ מֵֽעִמָּ֔ךְ ה֖וּא וּבָנָ֣יו עִמּ֑וֹ וְשָׁב֙ אֶל־מִשְׁפַּחְתּ֔וֹ וְאֶל־אֲחֻזַּ֥ת אֲבֹתָ֖יו יָשֽׁוּב׃
41
41
Dann gehe er weg von dir, er und seine Kinder mit ihm, und kehre zurück zu seiner Familie und zu dem Eigentum seiner Väter kehre er zurück.
und seine Kinder mit ihm
Rabbi Schimon sagt: Wenn er verkauft wurde, wer hat seine Kinder verkauft? Von hier geht hervor, dass der Herr verpflichtet ist, auch die Kinder des Sklaven zu ernähren (Kiduschin 22a).
Raschi
zu dem Eigentum seiner Väter
וְאֶל אֲחֻזַּת אֲבֹתָיו – אֶל כְּבוֹד אֲבוֹתָיו, zur Ehre seiner Väter, und man darf ihn deshalb nicht geringschätzen (Makot 13a).
Raschi
Eigentum
אֲחֻזַּת [אֲבֹתָיו] ist so wie חֶזְקַת, „Recht“, „Anrecht“.
Raschi
כִּֽי־עֲבָדַ֣י הֵ֔ם אֲשֶׁר־הוֹצֵ֥אתִי אֹתָ֖ם מֵאֶ֣רֶץ מִצְרָ֑יִם לֹ֥א יִמָּכְר֖וּ מִמְכֶּ֥רֶת עָֽבֶד׃
42
42
*Denn Meine Diener sind sie, die Ich herausgeführt habe aus dem Land Mizraim; sie dürfen nicht verkauft werden, wie man Sklaven verkauft.*
Denn Meine Diener sind sie: Meine Urkunde ist älter (שְׁטָרִי קוֹדֵם).
Raschi
sie dürfen nicht verkauft werden
Sie dürfen nicht verkauft werden wie ein Sklave verkauft wird, durch Ausrufen: Hier ist ein Sklave zu verkaufen; und man stelle ihn nicht auf den Stein des Marktplatzes.
Raschi
לֹא־תִרְדֶּ֥ה ב֖וֹ בְּפָ֑רֶךְ וְיָרֵ֖אתָ מֵאֱלֹהֶֽיךָ׃
43
43
Du sollst nicht herrschen über ihn mit Härte und fürchte deinen G‑tt.
Du sollst nicht herrschen mit Härte: mit unnötiger Arbeit, um ihn zu demütigen. Sage nicht zu ihm: „Wärme mir diesen Becher“, wenn es nicht nötig ist; „Grabe unter dem Weinstock, bis ich komme“. Vielleicht sagst du, er merkt es nicht, ob es nötig ist oder nicht, und ich sage ihm, es sei nötig. Siehe, diese Sache ist dem Herzen übergeben, darum steht וְיָרֵאתָ „fürchte deinen G‑tt“.
Raschi
וְעַבְדְּךָ֥ וַאֲמָתְךָ֖ אֲשֶׁ֣ר יִהְיוּ־לָ֑ךְ מֵאֵ֣ת הַגּוֹיִ֗ם אֲשֶׁר֙ סְבִיבֹ֣תֵיכֶ֔ם מֵהֶ֥ם תִּקְנ֖וּ עֶ֥בֶד וְאָמָֽה׃
44
44
Aber dein Sklave und deine Sklavin, die du haben wirst von den Völkern, die rund um euch leben, aus ihnen dürft ihr einen Sklaven und eine Sklavin kaufen.
Aber dein Sklave und deine Sklavin, die du haben wirst
Wenn du sagst: Wenn es so ist, durch wen soll ich mich bedienen lassen? Über meinen Sklaven herrsche ich nicht; die Völker besitze ich nicht, da Du mir vorgeschrieben hast (Dew. 20:16) לֹא תְחַיֶּה כָּל נְשָׁמָה „lass keine Seele am Leben“. Wer soll mich bedienen?
מֵאֵת הַגּוֹיִם „von den Völkern“, sie sollen dir zu Sklaven sein.
Raschi
die rund um euch leben
„Rund um euch“, aber nicht im Gebiet eures Landes; denn von ihnen habe Ich gesagt לֹא תְחַיֶּה כָּל נְשָׁמָה „lass keine Seele am Leben“.
Raschi
וְ֠גַם מִבְּנֵ֨י הַתּוֹשָׁבִ֜ים הַגָּרִ֤ים עִמָּכֶם֙ מֵהֶ֣ם תִּקְנ֔וּ וּמִמִּשְׁפַּחְתָּם֙ אֲשֶׁ֣ר עִמָּכֶ֔ם אֲשֶׁ֥ר הוֹלִ֖ידוּ בְּאַרְצְכֶ֑ם וְהָי֥וּ לָכֶ֖ם לַֽאֲחֻזָּֽה׃
45
45
Und auch von den Kindern der Beisassen, die sich bei euch aufhalten, aus ihnen dürft ihr kaufen und aus ihrer Familie, die bei euch ist, die sie in eurem Land geboren haben; sie dürfen euch zum Eigentum bleiben.
Und auch von den Kindern der Beisassen: die von rundum gekommen sind, um in eurem Land sich Frauen [von den sieben Völkern] zu suchen, und denen diese Frauen Kinder geboren haben. In diesem Fall richtet sich der Sohn nach dem Vater und fällt nicht unter die Regel לֹא תְחַיֶּה כָּל נְשָׁמָה „lass keine Seele am Leben“; sondern du darfst ihn wie einen Sklaven kaufen (Kiduschin 67b).
Raschi
aus ihnen dürft ihr kaufen: aus dieser Gruppe dürft ihr Sklaven kaufen.
Raschi
וְהִתְנַחֲלְתֶּ֨ם אֹתָ֜ם לִבְנֵיכֶ֤ם אַחֲרֵיכֶם֙ לָרֶ֣שֶׁת אֲחֻזָּ֔ה לְעֹלָ֖ם בָּהֶ֣ם תַּעֲבֹ֑דוּ וּבְאַ֨חֵיכֶ֤ם בְּנֵֽי־יִשְׂרָאֵל֙ אִ֣ישׁ בְּאָחִ֔יו לֹא־תִרְדֶּ֥ה ב֖וֹ בְּפָֽרֶךְ׃ (ס)
46
46
Und ihr dürft sie erwerben für eure Kinder nach euch, sie als Eigentum zu besitzen; auf ewig dürft ihr sie dienen lassen; aber über eure Brüder, die Kinder Israel, einer soll nicht über den anderen mit Strenge herrschen.
Und ihr dürft sie erwerben für eure Kinder
וְהִתְנַחַלְתֶּם אֹתָם לִבְנֵיכֶם „und ihr dürft sie erwerben für eure Kinder“: Erwerbt sie als Besitz für eure Kinder nach euch. Es wäre aber nicht richtig zu erklären הַנְחִילוּם לִבְנֵיכֶם „vererbt sie euren Söhnen“. Denn dann hätte der Vers schreiben müssen וְהִנְחַלְתֶּם אוֹתָם לִבְנֵיכֶם. Aber die Verbform וְהִתְנַחַלְתֶּם ist so wie וְהִתְחַזַּקְתֶּם „erwerbt sie als Besitz“ (Bam. 13:20).
Raschi
einer soll nicht über den anderen
Diese Worte fügen das Oberhaupt über sein Volk und den König über seine Diener hinzu, dass sie nicht mit Härte herrschen.
Raschi
וְכִ֣י תַשִּׂ֗יג יַ֣ד גֵּ֤ר וְתוֹשָׁב֙ עִמָּ֔ךְ וּמָ֥ךְ אָחִ֖יךָ עִמּ֑וֹ וְנִמְכַּ֗ר לְגֵ֤ר תּוֹשָׁב֙ עִמָּ֔ךְ א֥וֹ לְעֵ֖קֶר מִשְׁפַּ֥חַת גֵּֽר׃
47
47
Wenn ein Fremder oder Beisasse bei dir zu Vermögen kommt und dein Bruder neben ihm verarmt und sich einem fremden Beisassen neben dir verkauft oder dem Götzendienst einer Fremdenfamilie.
ein Fremder oder Beisasse
גֵּר וְתוֹשָׁב „ein Fremder oder Beisasse“. Ein Fremder, der ein Beisasse ist, wie der Targum sagt עָרֵל וְתוֹתָב „ein unbeschnittener Beisasse“. Das Ende des Verses beweist das וְנִמְכַּר לְגֵר תּוֹשָׁב „er verkauft sich einem fremden Beisassen“ (ohne ו׳ החיבור).
Raschi
Das Ende des Verses beweist es: in den Worten וְנִמְכַּר לְגֵר תּוֹשָׁב „er verkauft sich einem fremden Beisassen“ ist zwischen den Begriffen גֵּר und תּוֹשָׁב kein ו׳ החיבור. Daraus ist zu lernen, dass auch zu Beginn des Verses die Worte גֵּר וְתוֹשָׁב nicht: Fremder „oder“ Beisasse“ bedeuten, sondern: ein Fremder, der ein Beisasse ist.
Wenn ein Fremder oder Beisasse bei dir zu Vermögen kommt
Was hat ihm verursacht, reich zu werden? Dass er sich dir anschloss.
Raschi
und dein Bruder neben ihm verarmt
Was hat ihm verursacht, arm zu werden? Dass er sich ihm anschloss, dadurch dass er von seinen Taten lernte.
Raschi
oder dem Götzendienst einer Fremdenfamilie
מִשְׁפַּחַת גֵּר „Familie eines Fremden“, das ist der Nichtjude. Und wenn er sagt לְעֵקֶר, so ist derjenige gemeint, der sich dem Götzendienst (עֲבוֹדָה זָרָה) selbst verkauft hat, ihm ein Diener zu sein, nicht anzubeten, sondern für ihn Holz zu fällen und Wasser zu schöpfen (Kiduschin 20b).
Raschi
אַחֲרֵ֣י נִמְכַּ֔ר גְּאֻלָּ֖ה תִּהְיֶה־לּ֑וֹ אֶחָ֥ד מֵאֶחָ֖יו יִגְאָלֶֽנּוּ׃
48
48
Nachdem er sich verkauft hat, soll Einlösungsrecht für ihn sein; einer von seinen Brüdern soll ihn freikaufen und dadurch erlösen.
soll ihn erlösen
Kaufe ihn sofort frei; lass nicht zu, dass er sich unter jene vermische.
Raschi
אוֹ־דֹד֞וֹ א֤וֹ בֶן־דֹּדוֹ֙ יִגְאָלֶ֔נּוּ אֽוֹ־מִשְּׁאֵ֧ר בְּשָׂר֛וֹ מִמִּשְׁפַּחְתּ֖וֹ יִגְאָלֶ֑נּוּ אֽוֹ־הִשִּׂ֥יגָה יָד֖וֹ וְנִגְאָֽל׃
49
49
Entweder sein Onkel oder der Sohn seines Onkels soll ihn freikaufen und dadurch erlösen oder einer von seinen Blutsverwandten aus seiner Familie soll ihn freikaufen und dadurch erlösen oder er selbst kommt zu Vermögen, dann erlöse er sich selbst.
er kommt zu Vermögen
וְהִשִּׂיגָה יָדוֹ, wörtl. seine Hand erreicht es: er erreicht die benötigte Summe. [Rabbi Jona ibn Dschanach, שורש נשג]
er selbst kommt zu Vermögen: er findet verlorenes Gut (אֲבֵדָה) oder das Erbe eines Verwandten fällt ihm zu. [Ibn Esra]
dann erlöse er: sich selbst.
Targum Onkelos, Saadia Gaon
וְחִשַּׁב֙ עִם־קֹנֵ֔הוּ מִשְּׁנַת֙ הִמָּ֣כְרוֹ ל֔וֹ עַ֖ד שְׁנַ֣ת הַיֹּבֵ֑ל וְהָיָ֞ה כֶּ֤סֶף מִמְכָּרוֹ֙ בְּמִסְפַּ֣ר שָׁנִ֔ים כִּימֵ֥י שָׂכִ֖יר יִהְיֶ֥ה עִמּֽוֹ׃
50
50
Und er rechne mit seinem Käufer von dem Jahr an, in dem er sich verkauft hat, bis zum Joweljahr, und es sei das Kaufgeld für ihn nach Anzahl der Jahre; wie die Zeit eines Lohnarbeiters sei er bei ihm gewesen.
bis zum Joweljahr
Denn im ganzen hat er ihn nur erworben, dass er ihm bis zum Jowel diene. Denn im Jowel geht er frei, wie weiter steht (Vers 54) וְיָצָא בִּשְׁנַת הַיֹּבֵל „so gehe er im Joweljahr frei aus“. Der Vers spricht von einem Nichtjuden, der deiner Macht unterworfen ist, und dennoch darfst du nicht betrügerisch mit ihm verfahren. Das wäre eine Entweihung des g‑ttlichen Namens (חִלּוּל הַשֵּׁם). Sondern, wenn er zurückgekauft werden soll, berechne man genau: soviel, wie auf jedes Jahr kommt, ziehe ihm der Nichtjude von seinem Geld ab. Wenn zum Beispiel von da an, da er sich verkauft hat, bis zum Jowel 20 Jahre waren und er ihn für 20 Währungseinheiten (מָנֶה) gekauft hat, hat demnach der Nichtjude die Arbeit eines Jahres für eine Einheit gekauft. Und wenn er fünf Jahre bei ihm geblieben ist und ausgelöst werden soll, ziehe er ihm 5 Einheiten ab, und der Sklave gebe ihm 15 Einheiten. Das bedeutet וְהָיָה כֶּסֶף מִמְכָּרוֹ בְּמִסְפַּר שָׁנִים, כִּימֵי שָֹכִיר יִהְיֶה עִמּוֹ „es sei das Kaufgeld für ihn nach Anzahl der Jahre; wie die Zeit eines Lohnarbeiters sei er bei ihm gewesen“. (Bawa Kama 113b)
Raschi
wie die Zeit eines Lohnarbeiters sei er bei ihm gewesen
Die Rechnung, die auf jedes Jahr kommt, berechne er, als wenn er sich jedes Jahr für eine Einheit vermietet hätte, und ziehe ihm das ab.
Raschi
אִם־ע֥וֹד רַבּ֖וֹת בַּשָּׁנִ֑ים לְפִיהֶן֙ יָשִׁ֣יב גְּאֻלָּת֔וֹ מִכֶּ֖סֶף מִקְנָתֽוֹ׃
51
51
Wenn noch viele Jahre verbleiben, nach ihrem Verhältnis erstatte er sein Lösegeld von seinem Kaufgeld.
Wenn noch viele Jahre verbleiben: bis zum Jowel.
Raschi
nach ihrem Verhältnis
לְפִיהֶן „ihnen entsprechend“: alles, wie ich erklärt habe.
Raschi
וְאִם־לֹ֥א יִגָּאֵ֖ל בְּאֵ֑לֶּה וְיָצָא֙ בִּשְׁנַ֣ת הַיֹּבֵ֔ל ה֖וּא וּבָנָ֥יו עִמּֽוֹ׃
54
54
Wird er aber nicht erlöst auf diese Weise, so geht er frei im Joweljahr, er und seine Kinder mit ihm.
Wird er aber nicht erlöst auf diese Weise
Durch diese kann er zurückgekauft werden, aber durch sechs Jahre Dienst wird er nicht frei (Kiduschin 15b).
Raschi
כִּֽי־לִ֤י בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵל֙ עֲבָדִ֔ים עֲבָדַ֣י הֵ֔ם אֲשֶׁר־הוֹצֵ֥אתִי אוֹתָ֖ם מֵאֶ֣רֶץ מִצְרָ֑יִם אֲנִ֖י יְהוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
55
55
*Denn Mir sind die Kinder Israel Diener, Meine Diener sind sie, die Ich herausgeführt habe aus dem Land Mizraim. Ich bin der Ewige, euer G‑tt.*
Denn Mir sind die Kinder Israel Diener: Meine Urkunde ist älter (שְׁטָרִי קוֹדֵם).
Raschi
Ich bin der Ewige, euer G‑tt
Wer sie auf Erden knechtet, ist, als wenn er sie im Himmel knechtete.
Raschi
לֹֽא־תַעֲשׂ֨וּ לָכֶ֜ם אֱלִילִ֗ם וּפֶ֤סֶל וּמַצֵּבָה֙ לֹֽא־תָקִ֣ימוּ לָכֶ֔ם וְאֶ֣בֶן מַשְׂכִּ֗ית לֹ֤א תִתְּנוּ֙ בְּאַרְצְכֶ֔ם לְהִֽשְׁתַּחֲוֺ֖ת עָלֶ֑יהָ כִּ֛י אֲנִ֥י יְהוָ֖ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
1
1
Macht euch keine Götzen, ein Bild oder Steinmal dürft ihr nicht errichten und einen bedeckenden Stein stellt nicht in eurem Land hin, um euch darauf niederzuwerfen, denn Ich bin der Ewige, euer G‑tt.
Götzen: falsche Götter, עֲבוֹדָה זָרָה.
Macht euch keine Götzen
Das bezieht sich auf den, der sich an einen Nichtjuden verkauft hat. Er sage nicht, weil mein Herr unsittlich ist (מְגַלֶּה עֲרָיוֹת), werde ich es auch sein; weil mein Herr Götzen anbetet, werde ich es auch tun; weil mein Herr den Schabbat entweiht, werde ich auch so tun wie er. Darum stehen diese Verse.
Auch diese Abschnitte stehen nach der Ordnung. Zuerst ermahnt er wegen des siebten Jahres; wenn einer aber geldgierig ist und wegen des siebten Jahres in Verdacht kommt, wird er als Folge seine beweglichen Güter (מִּטַּלְטְּלִים) verkaufen müssen; darum folgt darauf, wenn ihr ein Kaufobjekt verkauft (was steht dabei אוֹ קָנֹה מִיַּד עֲמִיתֶךָ „oder kauft aus der Hand“, eine Sache, die von Hand zu Hand erworben wird). Lässt er nicht davon, wird er als Folge seinen Erbbesitz verkaufen. Lässt er nicht davon, wird er als Folge sein Haus verkaufen. Lässt er nicht davon, wird er als Folge gegen Zins leihen. Die letzten sind immer schwerer als die ersten Folgen. Lässt er nicht davon, wird er sich selbst zuletzt verkaufen. Lässt er immer noch nicht davon, nicht genug einem Juden, sondern sogar einem Nichtjuden (Kiduschin 20a).
Raschi
Bild: פֶסֶל, ein aus Stein gehauenes oder aus Holz geschnitztes Bild eines Götzen.
Steinmal: מַצֵּבָה, aufrecht hingestellter Stein, der angebetet wird.
einen bedeckenden Stein
וְאֶבֶן מַשְׂכִּית – לְשׁוֹן כִּסּוּי „bedecken“ wie (Schem. 33:22) וְשַׂכֹּתִי כַפִּי „ich breite meine Hand aus“. Man bedeckte den Boden mit einem Überzug aus Steinplatten.
Raschi
um euch darauf niederzuwerfen: sogar vor dem Ewigen; denn הִשְׁתַּחֲוָאָה bedeutet „Ausbreiten von Händen und Füßen“ und die Torah verbietet, außerhalb des Mikdasch so zu tun (Megilla 22b).
Raschi
אֶת־שַׁבְּתֹתַ֣י תִּשְׁמֹ֔רוּ וּמִקְדָּשִׁ֖י תִּירָ֑אוּ אֲנִ֖י יְהוָֽה׃ (ס)
2
2
Meine Schabbattage sollt ihr beachten und Mein Heiligtum sollt ihr mit Ehrfurcht behandeln, Ich bin der Ewige.
Ich bin der Ewige: treu, den Lohn zu bezahlen.
Raschi
אִם־בְּחֻקֹּתַ֖י תֵּלֵ֑כוּ וְאֶת־מִצְוֺתַ֣י תִּשְׁמְר֔וּ וַעֲשִׂיתֶ֖ם אֹתָֽם׃
3
3
Wenn ihr nach Meinen Gesetzen geht und Meine Gebote hütet und sie ausübt:
Wenn ihr nach Meinen Gesetzen geht
Ich hätte meinen können, das ist die Erfüllung der Gebote. Wenn der Vers aber weiter sagt וְאֶת מִצְוֹתַי תִּשְׁמְרוּ „und Meine Gebote hütet“, ist damit die Erfüllung der Mizwot ausgesprochen. Wie erkläre ich also אִם בְּחֻקֹּתַי תֵּלֵכוּ „Wenn ihr nach Meinen Gesetzen geht“? Dass ihr euch mit der Torah bemüht!
Raschi
Wenn ihr nach Meinen Gesetzen geht
אִם בְּחֻקֹּתַי – Nur wenn der Mensch sich mit der Torah bemüht, einen fixen Termin zum Lernen hat (קְבִיעוּת עִתִּים לַתּוֹרָה), dann erst תֵּלֵכוּ, kann er in die Welt hinausgehen.
R. Schaul Alter
Wenn ihr nach Meinen Gesetzen geht
אִם בְּחֻקֹּתַי – Nur wenn der Mensch sich mit der Torah bemüht, einen fixen Termin zum Lernen hat (קְבִיעוּת עִתִּים לַתּוֹרָה), dann erst תֵּלֵכוּ, kann er in die Welt hinausgehen. [R. Schaul Alter]
und Meine Gebote hütet
Bemüht euch mit der Torah mit der Absicht, zu hüten und zu erfüllen, wie es heißt (Dew. 5:1) וּלְמַדְתֶּם אֹתָם וּשְׁמַרְתֶּם לַעֲשֹׂתָם „lernt sie und achtet darauf, sie zu erfüllen“.
Raschi
וְנָתַתִּ֥י גִשְׁמֵיכֶ֖ם בְּעִתָּ֑ם וְנָתְנָ֤ה הָאָ֙רֶץ֙ יְבוּלָ֔הּ וְעֵ֥ץ הַשָּׂדֶ֖ה יִתֵּ֥ן פִּרְיֽוֹ׃
4
4
Dann gebe Ich euch euren Regen zu seiner richtigen Zeit, damit die Erde ihren Ertrag gebe und der Baum des Feldes seine Frucht gebe.
zu seiner Zeit: in einer Stunde, in der die Menschen nicht auszugehen pflegen, wie (in den Nächten des 4. Wochentages oder der Regenzeiten) in den Schabbatnächten.
Raschi
und der Baum des Feldes
Das sind unfruchtbare Bäume (אִילָנֵי סְרָק); auch sie werden in Zukunft Früchte bringen.
Raschi
וְהִשִּׂ֨יג לָכֶ֥ם דַּ֙יִשׁ֙ אֶת־בָּצִ֔יר וּבָצִ֖יר יַשִּׂ֣יג אֶת־זָ֑רַע וַאֲכַלְתֶּ֤ם לַחְמְכֶם֙ לָשֹׂ֔בַע וִֽישַׁבְתֶּ֥ם לָבֶ֖טַח בְּאַרְצְכֶֽם׃
5
5
Es wird bei euch die Dreschzeit bis zur Weinlese reichen und die Weinlese bis zur Aussaat; ihr werdet euer Brot essen zur Sättigung und werdet in Sicherheit wohnen in eurem Land.
Weinlese: Ernte der Weintrauben.
Es wird bei euch die Dreschzeit bis zur Weinlese reichen
Es wird soviel zu dreschen geben und ihr werdet damit beschäftigt sein bis zur Weinlese, und mit der Weinlese werdet ihr euch bis zur Zeit der Aussaat beschäftigen.
Raschi
Es wird bei euch die Dreschzeit bis zur Weinlese reichen
So wie ihr bei der Erfüllung Meiner Gebote ohne Unterbrechung und ohne Aufschub tätig sein sollt, so werde Ich euch Segen ohne Unterbrechung und ohne Aufschub geben. [Chiskuni]
Die Ernte, auch wenn sie bereits abgeschnitten und geerntet ist, wird sich weiter vermehren.
Or haChaim
Es wird bei euch die Dreschzeit bis zur Weinlese reichen
So wie ihr bei der Erfüllung Meiner Gebote ohne Unterbrechung und ohne Aufschub tätig sein sollt, so werde Ich euch Segen ohne Unterbrechung und ohne Aufschub geben. [Chiskuni]
Die Ernte, auch wenn sie bereits abgeschnitten und geerntet ist, wird sich weiter vermehren.
Or haChaim
ihr werdet euer Brot essen zur Sättigung
Man isst wenig, und es wird im Magen gesegnet.
Raschi
ihr werdet euer Brot essen zur Sättigung
Obwohl euch die gesegnete Ernte von Dreschzeit und Weinlese beschäftigt halten wird, werdet ihr euer Brot essen zur Sättigung und genügend Zeit und Muße auch dafür finden.
Schaare Aharon
ihr werdet euer Brot essen zur Sättigung
Obwohl euch die gesegnete Ernte von Dreschzeit und Weinlese beschäftigt halten wird, werdet ihr euer Brot essen zur Sättigung und genügend Zeit und Muße auch dafür finden.
Schaare Aharon
וְנָתַתִּ֤י שָׁלוֹם֙ בָּאָ֔רֶץ וּשְׁכַבְתֶּ֖ם וְאֵ֣ין מַחֲרִ֑יד וְהִשְׁבַּתִּ֞י חַיָּ֤ה רָעָה֙ מִן־הָאָ֔רֶץ וְחֶ֖רֶב לֹא־תַעֲבֹ֥ר בְּאַרְצְכֶֽם׃
6
6
Und Ich werde Friede geben dem Land, dass ihr euch niederlegt und niemand euch aufschreckt; Ich werde wegschaffen wildes Tier aus dem Land und das Schwert soll nicht durch euer Land ziehen.
Und Ich werde Friede geben
Vielleicht sagt ihr, das ist Essen und Trinken. Wenn aber kein Friede da ist, ist nichts da. Darum steht nach all dem וְנָתַתִּי שָׁלוֹם בָּאָרֶץ „Ich werde Friede geben dem Land“. Von hier geht hervor, dass der Friede alles aufwiegt; so sagt auch der Prophet (Jeschajahu 45:7) עוֹשֶׂה שָׁלוֹם וּבוֹרֵא אֶת הַכֹּל „Ich stifte Friede und erschaffe alles“.
Raschi
Und Ich werde Friede geben: Friede unter euch, und keiner wird gegen seinen Bruder streiten.
Ibn Esra, Ramban
das Schwert soll nicht durch euer Land ziehen
Man braucht nicht zu sagen, dass sie nicht zum Krieg kommen; sondern nicht einmal, um durch euer Land von einer Provinz zur anderen zu ziehen.
Raschi
das Schwert soll nicht durch euer Land ziehen
So groß werden Sicherheit und Geborgenheit sein, dass euch Schwert und Kriegsführung fremd erscheinen werden.
Ha’amek Dawar
וְרָדְפ֨וּ מִכֶּ֤ם חֲמִשָּׁה֙ מֵאָ֔ה וּמֵאָ֥ה מִכֶּ֖ם רְבָבָ֣ה יִרְדֹּ֑פוּ וְנָפְל֧וּ אֹיְבֵיכֶ֛ם לִפְנֵיכֶ֖ם לֶחָֽרֶב׃
8
8
Es verfolgen fünf von euch hundert und hundert von euch verfolgen zehntausend und eure Feinde fallen vor euch durch das Schwert.
Es verfolgen von euch: von den Schwachen unter euch und nicht von den Starken unter euch.
Raschi
fünf von euch hundert und hundert von euch verfolgen zehntausend
Ist denn so das Verhältnis? Der Vers hätte nur so sagen müssen: 100 von euch werden 2.000 verfolgen. Doch ist es nicht dasselbe, wenn nur wenige die Torah erfüllen, als wenn viele die Torah erfüllen.
Raschi
eure Feinde fallen: sie werden vor euch in ungewöhnlicher Weise fallen.
Raschi
וּפָנִ֣יתִי אֲלֵיכֶ֔ם וְהִפְרֵיתִ֣י אֶתְכֶ֔ם וְהִרְבֵּיתִ֖י אֶתְכֶ֑ם וַהֲקִימֹתִ֥י אֶת־בְּרִיתִ֖י אִתְּכֶֽם׃
9
9
Ich werde Mich zu euch wenden und werde euch fruchtbar machen und werde euch vermehren und Meinen Bund mit euch errichten.
Ich werde Mich zu euch wenden
Ich wende Mich von allen Meinen Werken ab, um euren Lohn zu zahlen. Ein Gleichnis, womit das zu vergleichen ist: mit einem König, der Arbeiter verpflichtet hat …, wie in Torat Kohanim steht.
Raschi
Ein König stellte Arbeiter ein, und diese arbeiteten ein wenig für ihn und nur einer arbeitete viel. Als er kam, um ihren Lohn zu zahlen, sagte er zu jenem: Warte ein wenig, damit ich den übrigen ihren geringen Lohn auszahlen kann, der ihnen zusteht. So werde ich ausreichend Zeit finden, dir deinen großen Lohn auszuzahlen, der dir gebührt.
Torat Kohanim 26:11
Ein König stellte Arbeiter ein, und diese arbeiteten ein wenig für ihn und nur einer arbeitete viel. Als er kam, um ihren Lohn zu zahlen, sagte er zu jenem: Warte ein wenig, damit ich den übrigen ihren geringen Lohn auszahlen kann, der ihnen zusteht. So werde ich ausreichend Zeit finden, dir deinen großen Lohn auszuzahlen, der dir gebührt.
Torat Kohanim 26:11
werde euch fruchtbar machen: mit Nachwuchs vermehren.
Raschi
werde euch vermehren: mit hohem, aufrechtem Wuchs.
Raschi
Meinen Bund mit euch errichten: einen neuen Bund, nicht gleich dem ersten Bund, den ihr gebrochen habt, sondern einen neuen Bund, der nicht gebrochen wird. So steht (Jirm. 31:30–31) וְכָרַתִּי אֶת בֵּית יִשְׂרָאֵל וְאֶת בֵּית יְהוּדָה בְּרִית חֲדָשָׁה לֹא כַבְּרִית גו׳ „und Ich schließe mit dem Haus Israel und mit dem Haus Jehuda einen neuen Bund, nicht gleich dem Bund …“.
Raschi