וַיְדַבֵּ֣ר יְהוָ֣ה אֶל־מֹשֶׁ֣ה בְמִדְבַּר־סִ֠ינַי בַּשָּׁנָ֨ה הַשֵּׁנִ֜ית לְצֵאתָ֨ם מֵאֶ֧רֶץ מִצְרַ֛יִם בַּחֹ֥דֶשׁ הָרִאשׁ֖וֹן לֵאמֹֽר׃
1
1
Der Ewige sagte zu Mosche in der Wüste Sinai im zweiten Jahr nach ihrem Auszug aus dem Land Mizraim im ersten Monat Nissan, wie folgt:
im ersten Monat
Der Abschnitt am Anfang des Buches [Bamidbar] ist erst im Monat Ijar gesagt worden, [der Abschnitt hier dagegen bereits im Monat zuvor, Monat Nissan]. Daraus lernst du, dass die Verse in der Torah nicht immer in der zeitlichen Reihenfolge erscheinen. Und warum beginnt Sefer Bamidbar nicht mit diesem Abschnitt? Weil er einen Tadel für Israel enthält, dass sie die ganzen 40 Jahre, die sie in der Wüste waren, nur dieses eine Pessach-Opfer darbrachten.
Raschi
ist erst im Monat Ijar gesagt worden: wie es heißt (Bam. 1:1) וַיְדַבֵּר ה’ אֶל מֹשֶׁה בְּמִדְבַּר סִינַי גו׳ בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ הַשֵּׁנִי „Der Ewige sprach zu Mosche in der Wüste Sinai … am ersten Tag des zweiten Monats [Ijar].“
Und welchen Tadel enthält es? Es wurde ihnen doch befohlen, das Pessach-Opfer erst im Land Israel zu bringen. Nur, der Tadel ist, dass sie sündigten und deshalb nicht das Land Israel besiedelten. Hätten sie schon im Land Israel gelebt, hätten sie während jener Jahre das Pessach-Opfer bringen können. [Daat Skenim]
Obwohl sie während dieser 40 Jahre das Pessach-Opfer nicht brachten, verzichteten sie sieben Tage lang auf Chametz, und aßen nur Mazzot.
Ramban
וְיַעֲשׂ֧וּ בְנֵי־יִשְׂרָאֵ֛ל אֶת־הַפָּ֖סַח בְּמוֹעֲדֽוֹ׃
2
2
Die Kinder Israel sollen das Pessach-Opfer zu seiner bestimmten Zeit bereiten.
zu seiner bestimmten Zeit: auch am Schabbat; zu seiner bestimmten Zeit (Vers 3): auch in Unreinheit.
Raschi
Das Wort במוֹעֲדוֹ „zu seiner bestimmten Zeit“ steht zweimal geschrieben, einmal in diesem und einmal im folgenden Vers. Jede Nennung hat eine eigene Bedeutung. Die erste Erwähnung von בְּמוֹעֲדוֹ zeigt, dass das Pessach-Opfer am 14. Nissan gebracht wird, auch wenn dieser Tag auf Schabbat fällt, obwohl das Schlachten eines Tieres am Schabbat grundsätzlich verboten ist.
Die Erwähnung von בְּמוֹעֲדוֹ im nächsten Vers lehrt, dass das Pessach-Opfer im Gegensatz zu den meisten anderen Opfern auch bei Unreinheit dargebracht und gegessen werden darf. Diese Regelung bezieht sich ausschließlich auf טוּמְאַת מֵת, die Unreinheit durch einen Leichnam. Zudem gilt sie nur, wenn die Mehrheit des Volkes unrein ist. Sind nur Einzelne betroffen, bringen sie das Opfer nicht am 14. Nissan dar, sondern bringen ihr Opfer stattdessen an Pessach Scheni am 14. Ijar dar, wie die kommenden Verse darlegen.
בְּאַרְבָּעָ֣ה עָשָֽׂר־י֠וֹם בַּחֹ֨דֶשׁ הַזֶּ֜ה בֵּ֧ין הָֽעֲרְבַּ֛יִם תַּעֲשׂ֥וּ אֹת֖וֹ בְּמוֹעֲד֑וֹ כְּכָל־חֻקֹּתָ֥יו וּכְכָל־מִשְׁפָּטָ֖יו תַּעֲשׂ֥וּ אֹתֽוֹ׃
3
3
Am 14. Tag in diesem Monat Nissan am Nachmittag sollt ihr es bereiten, zu seiner bestimmten Zeit; nach all seinen Gesetzen und nach all seinen Vorschriften sollt ihr es bereiten.
nach all seinen Gesetzen
כְּכָל חֻקֹּתָיו „nach all seinen Gesetzen“: das sind die Gebote am Pessach-Opfer selbst, dass es ein Lamm, fehlerlos, männlich, im ersten Jahr sein muss.
Raschi
und nach all seinen Vorschriften
וּכְכָל מִשְׁפָּטָיו „und nach all seinen Vorschriften“: das sind die Gebote für das Pessach von einem anderen Ort her, wie zum Beispiel Mazzot über einen Zeitraum von sieben Tagen und das Wegräumen des Chametz. (Andere Version: Gebote am Pessach-Opfer selbst: ein fehlerloses, männliches Lamm im ersten Jahr; Gebote für es selbst: am Feuer gebraten (צְלִי אֵשׁ), sein Kopf mit den Kniestücken und dem Inneren (רֹאשׁוֹ עַל כְּרָעָיו וְעַל קִרְבּוֹ); Gebote außerhalb des Pessach: Mazzot und Wegräumen des Chametz. So lautet die Textversion des Ramban.)
Raschi
וַיְדַבֵּ֥ר מֹשֶׁ֛ה אֶל־בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל לַעֲשֹׂ֥ת הַפָּֽסַח׃
4
4
Da sprach Mosche zu den Kindern Israel, dass sie das Pessach -Opfer bereiten sollen.
Da sprach Mosche zu den Kindern Israel
Was lehrt das? Es steht doch bereits (Waj. 23:44) וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה אֶת מוֹעֲדֵי ה’ „Mosche verkündete die Feste G‑ttes“. Als er den Abschnitt der Feste auf dem Sinai gehört hatte, gab er ihn an die Kinder Israel weiter. Und jetzt ermahnte er sie wieder zur Zeit der praktischen Ausführung.
Raschi
dass sie das Pessach-Opfer bereiten sollen
Das Wort לַעֲשֹׂת ist ohne den Buchstaben ו (Waw, כְּתִיב חָסֵר) geschrieben, um anzudeuten, dass sie in den Jahren der Wüstenwanderung nur dieses eine Pessach-Opfer brachten.
Baal haTurim
וַיַּעֲשׂ֣וּ אֶת־הַפֶּ֡סַח בָּרִאשׁ֡וֹן בְּאַרְבָּעָה֩ עָשָׂ֨ר י֥וֹם לַחֹ֛דֶשׁ בֵּ֥ין הָעַרְבַּ֖יִם בְּמִדְבַּ֣ר סִינָ֑י כְּ֠כֹל אֲשֶׁ֨ר צִוָּ֤ה יְהוָה֙ אֶת־מֹשֶׁ֔ה כֵּ֥ן עָשׂ֖וּ בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
5
5
Sie bereiteten das Pessach-Opfer im ersten Monat , am 14. Tag des Monats Nissan am Nachmittag in der Wüste Sinai; ganz so, wie der Ewige Mosche befohlen hatte, so taten die Kinder Israel.
וַיְהִ֣י אֲנָשִׁ֗ים אֲשֶׁ֨ר הָי֤וּ טְמֵאִים֙ לְנֶ֣פֶשׁ אָדָ֔ם וְלֹא־יָכְל֥וּ לַעֲשֹׂת־הַפֶּ֖סַח בַּיּ֣וֹם הַה֑וּא וַֽיִּקְרְב֞וּ לִפְנֵ֥י מֹשֶׁ֛ה וְלִפְנֵ֥י אַהֲרֹ֖ן בַּיּ֥וֹם הַהֽוּא׃
6
6
Und es waren Männer, die unrein waren durch den Leichnam eines Menschen und das Pessach-Opfer nicht bereiten konnten an demselben vorgesehenen Tag; da traten sie hin vor Mosche und vor Aharon an demselben Tag.
vor Mosche und vor Aharon
Als beide zusammen im Lehrhaus (Bet Midrasch) saßen, kamen sie und fragten. Man kann aber nicht sagen, dass sie einen nach dem anderen fragten; denn, wenn Mosche es nicht wusste, woher sollte es Aharon wissen?
Raschi
Und es waren Männer, die unrein waren durch die Leiche eines Menschen
Wer waren diese Männer? Es waren die Träger des Sarges von Josef, so sagt R. Jose haGalili. Rabbi Akiwa sagt, es waren Mischael und Elzafan, die sich mit den Leichen von Nadaw und Awihu befasst hatten. Rabbi Jizchak sagt: Wären es die Träger des Sarges von Josef gewesen, so könnten sie bereits rein sein. Wären es Mischael und Elzafan, so könnten sie ebenfalls bereits rein sein. Vielmehr waren es Männer, die einen Toten bestattet hatten, um den sich niemand kümmert (מֵת מִצְוָה), und der siebte Tag fiel auf den Vorabend des Pessachfestes, denn es heißt (Bam. 9:6) וְלֹא יָכְלוּ לַעֲשֹׂת הַפֶּסַח בַּיּוֹם הַהוּא „sie konnten an demselben Tag das Pessachopfer nicht bereiten“. An diesem Tag konnten sie es nicht bereiten, am folgenden Tag aber konnten sie es bereiten.
Sukka 25b
וַ֠יֹּאמְרוּ הָאֲנָשִׁ֤ים הָהֵ֙מָּה֙ אֵלָ֔יו אֲנַ֥חְנוּ טְמֵאִ֖ים לְנֶ֣פֶשׁ אָדָ֑ם לָ֣מָּה נִגָּרַ֗ע לְבִלְתִּ֨י הַקְרִ֜ב אֶת־קָרְבַּ֤ן יְהוָה֙ בְּמֹ֣עֲד֔וֹ בְּת֖וֹךְ בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
7
7
Und es sagten jene Männer zu ihm, wir sind unrein durch die Leiche eines Menschen, warum sollen wir deswegen geringer sein? Nicht darbringen zu dürfen das Opfer des Ewigen zu seiner bestimmten Zeit unter den Kindern Israel?
warum sollen wir geringer sein?
Er sagte zu ihnen: Opfer (קָדָשִׁים) dürfen nicht in Unreinheit dargebracht werden. Sie antworteten ihm: Das Blut kann für uns durch reine Kohanim gesprengt werden und das Fleisch kann gegessen werden, wenn wir [am Abend] rein sind. Da sagte er zu ihnen (nächster Vers): עִמְדוּ וְאֶשְׁמְעָה „Wartet, ich will hören“ wie ein Schüler, der sicher ist, es aus dem Mund seines Lehrers zu hören. Glücklich der Mensch (יְלוּד אִשָּׁה), der solche Zuversicht besitzt, dass er jederzeit, wann er will, mit der Schechina sprechen kann. Dieser Abschnitt hätte wie die ganze übrige Torah durch Mosche gesagt werden sollen. Nur, diese Männer hatten das Verdienst, dass er durch sie gesagt wurde, denn מְּגַלְגְּלִין זְכוּת עַל יְדֵי זַכַּאי, etwas Gutes führt man durch einen Reinen herbei.
Raschi
וַיֹּ֥אמֶר אֲלֵהֶ֖ם מֹשֶׁ֑ה עִמְד֣וּ וְאֶשְׁמְעָ֔ה מַה־יְצַוֶּ֥ה יְהוָ֖ה לָכֶֽם׃
8
8
Und Mosche sagte zu ihnen: Wartet, ich will hören, was der Ewige wegen euch zu tun befiehlt.
Wartet
Das Wort עִמְדוּ (wörtl. „Steht!“) bedeutet אוֹרִיכוּ „Wartet“.
Targum Onkelos
דַּבֵּ֛ר אֶל־בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל לֵאמֹ֑ר אִ֣ישׁ אִ֣ישׁ כִּי־יִהְיֶֽה־טָמֵ֣א׀ לָנֶ֡פֶשׁ אוֹ֩ בְדֶ֨רֶךְ רְחֹקָ֜הׅׄ לָכֶ֗ם א֚וֹ לְדֹרֹ֣תֵיכֶ֔ם וְעָ֥שָׂה פֶ֖סַח לַיהוָֽה׃
10
10
Sprich zu den Kindern Israel, wie folgt: Jedermann, der unrein durch einen Leichnam ist oder auf einem fernen Weg ist bei euch oder bei euren Nachkommen und das Pessach-Opfer bereiten will dem Ewigen:
auf einem fernen Weg
אוֹ בְדֶרֶךְ רְחֹקָה „oder auf einem fernen Weg“: es ist ein Punkt [über dem Buchstaben ה im Wort רְחֹקָה], um zu sagen, dass er nicht wirklich fern zu sein braucht, sondern auch wenn der Betreffende während der ganzen Zeit des Schächtens nur außerhalb der Schwelle des Vorhofes war.
An Pessach Scheni können Mazzot und Chametz bei ihm im Haus sein. Es ist auch kein Feiertag, und Chametz ist nur verboten, wenn er das Pessach-Opfer isst.
Raschi
וְהָאִישׁ֩ אֲשֶׁר־ה֨וּא טָה֜וֹר וּבְדֶ֣רֶךְ לֹא־הָיָ֗ה וְחָדַל֙ לַעֲשׂ֣וֹת הַפֶּ֔סַח וְנִכְרְתָ֛ה הַנֶּ֥פֶשׁ הַהִ֖וא מֵֽעַמֶּ֑יהָ כִּ֣י׀ קָרְבַּ֣ן יְהוָ֗ה לֹ֤א הִקְרִיב֙ בְּמֹ֣עֲד֔וֹ חֶטְא֥וֹ יִשָּׂ֖א הָאִ֥ישׁ הַהֽוּא׃
13
13
Aber der Mann, der rein ist und nicht auf dem Weg war und es unterlässt, das Pessach-Opfer zu bereiten, diese Seele soll ausgerottet werden aus ihrem Volk, denn das Opfer des Ewigen hat er nicht dargebracht zu seiner bestimmten Zeit; seine Sünde trage dieser Mensch.
וְכִֽי־יָג֨וּר אִתְּכֶ֜ם גֵּ֗ר וְעָ֤שָֽׂה פֶ֙סַח֙ לַֽיהוָ֔ה כְּחֻקַּ֥ת הַפֶּ֛סַח וּכְמִשְׁפָּט֖וֹ כֵּ֣ן יַעֲשֶׂ֑ה חֻקָּ֤ה אַחַת֙ יִהְיֶ֣ה לָכֶ֔ם וְלַגֵּ֖ר וּלְאֶזְרַ֥ח הָאָֽרֶץ׃
14
14
Und wenn sich bei euch ein Konvertit (Ger) aufhält und das Pessach-Opfer dem Ewigen bereiten will: Nach dem Gesetz des Pessach -Opfers und nach dessen Vorschrift, so soll er es bereiten. Ein und dieselbe Vorschrift gelte für euch: für den Konvertiten wie für den Einheimischen des Landes.
Und wenn sich bei euch ein Konvertit (Ger) aufhält
Das Wort „und“ verbindet diesen Vers mit dem vorhergehenden. Obgleich dieser Vers von den Gerim spricht, richtet sich an die geborenen Juden: Gleich den Gerim sollen die geborenen Juden die Mizwot gewissenhaft erfüllen.
Or haChaim
Und wenn sich bei euch ein Konvertit (Ger) aufhält
Weshalb steht in diesem Vers der Ausdruck „bei euch“? Auch wenn der Ger sich gerade jetzt nicht „bei euch“, sondern an einem anderen Ort ist, behält diese Vorschrift ihre Gültigkeit.
Der Zusatz „bei euch“ zeigt an: Dieser Ger ist erst kürzlich zum jüdischen Volk gestoßen, doch war er in Wirklichkeit schon immer „bei euch“, auch in Mizraim. Solange die Juden in Mizraim im Exil lebten, war alle Heiligkeit der Welt in der Unreinheit gefangen, so auch die Seele dieses Ger. Mit der Befreiung aus Mizraim wurde die gesamte Welt der Heiligkeit erlöst, die Wurzeln ebenso wie die Zweige des Baumes.
Or haChaim
und das Pessach-Opfer dem Ewigen bereiten will
וְעָשָׂה פֶסַח bedeutet, dass er das erst zu bereiten hat.
Saadia Gaon
Und wenn sich bei euch ein Konvertit (Ger) aufhält und das Pessach-Opfer dem Ewigen bereiten will
Ich hätte daraus entnehmen können, jeder, der Jude wird, könne sogleich ein Pessach-Opfer bringen. Darum steht חֻקָּה אַחַת „ein und dieselbe Vorschrift“. Vielmehr ist so die Aussage: Wenn sich bei euch ein Konvertit (Ger) aufhält und die Zeit kommt, dass er mit seinen Freunden gemeinsam das Pessach-Opfer bereiten will, so „bereite er es nach dem Gesetz des Pessach-Opfers und der Vorschrift“.
Raschi
Einheimischen des Landes
Das Wort אֶזְרָח kommt vom Ursprung זרח „Klarheit“. [Saadia Gaon zu Tehillim 37:35; Schemot 12:19]
Damit wird ausgedrückt, dass seine Abstammung klar und rein sind. Anders beim Ger, dessen Abstammung unklar ist. [Radak, Rabbi Jona ibn Dschanach, שורש זרח] אֶזְרָח ist ein Baum mit starken Wurzeln. [Machberet Menachem] אֶזְרָח ist ein Mensch mit verzweigter Familie, wie ein Ast, der mit den Wurzeln verbunden ist.
Ibn Esra zu Bereschit 15:13