Der tägliche Chumasch-Abschnitt

20. Siwan 5786

Freitag, 5. Juni 2026

Heute

Behaalotcha

6. Alija

(Bamidbar 10:35 – 11:29)

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׆ נו״ן הפוכה וַיְהִ֛י בִּנְסֹ֥עַ הָאָרֹ֖ן וַיֹּ֣אמֶר מֹשֶׁ֑ה קוּמָ֣ה׀ יְהוָ֗ה וְיָפֻ֙צוּ֙ אֹֽיְבֶ֔יךָ וְיָנֻ֥סוּ מְשַׂנְאֶ֖יךָ מִפָּנֶֽיךָ׃
35
35
Und es geschah, wenn die Truhe mit den Gesetzestafeln aufbrach, da sagte Mosche: Mögest Du Dich aufmachen, Ewiger, dass sich Deine Feinde zerstreuen, und dass Deine Hasser vor Deinem Angesicht fliehen!
Und es geschah, wenn die Truhe aufbrach
In der Torah sind vor und hinter diesen Versen (35–36) Zeichen angebracht, um zu sagen, dass hier nicht ihre eigentliche Stelle ist. Und warum stehen sie hier? Um zwischen der einen Strafe und der anderen zu trennen, wie in der Gemara Schabbat, Abschnitt כָּל כִּתְבֵי הַקֹּדֶשׁ (116a), vorkommt.
Raschi
zwischen der einen Strafe und der anderen: Der Abschnitt „Wenn die Truhe aufbrach“ steht an dieser Stelle – außerhalb der chronologischen Ordnung –, um den vorhergehenden Text, der den Aufbruch des Volkes vom Sinai beschreibt, vom nachfolgenden zu trennen. Auf jener Reise beklagte sich das Volk über den Mangel an Fleisch und wurde für diese Klage gestraft (siehe weiter, 11:1). Im folgenden Abschnitt beschreibt die Tora die Sünde der „Wehklagenden“ (מִּתְאוֹנְנִים), die einen Vorwand suchten; diese beklagten sich über die Beschwerlichkeit ihres dreitägigen Marsches. Auch für diese Klage wurden sie gestraft. Um diese beiden sündhaften Klagen voneinander zu trennen, fügte die Tora den Abschnitt „Wenn die Truhe aufbrach“ dazwischen ein.
Raschis Erklärung der von ihm zitierten Gemara wirft jedoch eine deutliche Frage auf: Tatsächlich stehen der Bericht über jene, die sich über die mühsame Reise beklagten (11:1–2), und der Bericht über den Fleischmangel (11:3–35) unmittelbar nacheinander, während der Abschnitt „Wenn die Truhe aufbrach“ (10:35–36) vor beiden Berichten geschrieben steht.

Raschi erklärt zu der zitierten Gemara jedoch, dass die Klage über den Fleischmangel in Wahrheit während des dreitägigen Marsches stattfand (10:33–34). Mit anderen Worten ist Vers 11:4 wie folgt zu übersetzen: הָאסַפְסֻף אֲשֶׁר בְּקִרְבּוֹ הִתְאַוּוּ תַּאֲוָה „Das Gesindel, das unter ihnen war, hatte ein Gelüst empfunden“: sie hatten dieses Gelüst schon vor den eigentlichen Beschwerden (Verse 1–3) gehegt, nämlich während des dreitägigen Marsches vom Berg Sinai.
Misrachi, Gur Arye
Und es geschah, wenn die Truhe aufbrach
Der Buchstabe נ (Nun) deutet auf das Wort נְסִיעָה „Losziehen“, „Aufbrechen“, denn zuvor berichtet die Torah über das Losziehen der Abteilungen und des Zeltes der Zusammenkunft, und nun über das Losziehen der heiligen Truhe. Diese Zeichen vor und hinter den Versen lehren: obwohl das Losziehen der heiligen Truhe nach den Abteilungen und dem Zelt der Zusammenkunft steht, war die chronologische Reihenfolge anders: das Losziehen der heiligen Truhe war zuerst.
Zwei Zeichen werden verwendet, um zu lehren: zwei Mal zog die heilige Truhe vor dem Volk los. Ein Mal zu Beginn der Züge beim Eintritt in die Wüste. Das zweite Mal am Ende ihrer Züge, als sie den Jarden überquerten (siehe Jeh. 3:6). [Abarbanel]

Als Zeichen vor und hinter diesen Versen steht der Buchstabe נ (Nun, Zahlenwert 50), denn fünfzig Abschnitte (פָּרָשִׁיּוֹת) gibt es bis zu der Stelle, wo dieser Abschnitt eigentlich stehen sollte (Bam. 2:17). [Moschaw Skenim]

Der Buchstabe נ (Nun) deutet auf das Wort עָנָן „Wolke“ und die „Wolken der Herrlichkeit“ hin, die auf allen Seiten mitzogen und sie beschützten. Das Volk aber war undankbar und beklagte die Mühsal des Weges. So deutet der Ewige mit diesen Zeichen hier an, dass ihr Vergehen mit der „Wolke“ in Zusammenhang steht.
Zror haMor
Mögest Du Dich aufmachen, Ewiger
קוּמָה ה׳ im Sinn von: Bleibe stehen und warte. Weil die Wolke einen Weg von drei Tagen vor ihnen herzog, sagte Mosche: Bleibe stehen und warte auf uns und entferne dich nicht weiter. So steht in Midrasch Tanchuma, Abschnitt Wajakhel.
Raschi
Mögest Du Dich aufmachen, Ewiger
Das Wort קוּמָה ist nicht Befehlsform, sondern ein Ausdruck der Bitte und des Gebets „Mögest Du Dich aufmachen, Ewiger“. [Rabbenu Meyuchas]
Mosche sprach damit sein Gebet: Möge der Ewige uns beistehen und zum Sieg verhelfen. Mit dem Ausdruck קוּמָה betonte er die Bitte um rasche g‑ttliche Hilfe. [Saadia Gaon]

Mit den Worten קוּמָה ה׳ bat Mosche um Erbarmen: Mögest Du, Ewiger, Dich offenbaren und so die Feinde zerstreuen. [Targum Jonathan]

Der Ausdruck קִימָה in Bezug auf G‑tt bedeutet stets die Erfüllung eines Versprechens. [More Newuchim 1:12]

Das Wort קוּמָה wird im übertragenen Sinn verwendet, wie der Mensch sich erhebt, wenn er in in die Schlacht zieht.
Ibn Esra
Dass sich Deine Feinde zerstreuen: die gesammelten, und dass Deine Hasser vor Deinem Angesicht fliehen: das sind die Verfolger.
Raschi
Angesicht: ein schönes Wort für „Gesicht“.
Deine Hasser
Das sind die Hasser Israels. Denn jeder, der Israel hasst, hasst Ihn, der sprach und die Welt erstehen ließ (שׂוֹנֵא אֶת מִי שֶׁאָמַר וְהָיָה הָעוֹלָם). So heißt es (Teh. 83:3) וּמְשַׂנְאֶיךָ נָשְׂאוּ רֹאשׁ „Deine Hasser erheben das Haupt“, und wer sind diese? עַל עַמְּך יַעֲרִימוּ סוֹד „die gegen Dein Volk Pläne ersinnen“.
Raschi
וּבְנֻחֹ֖ה יֹאמַ֑ר שׁוּבָ֣ה יְהוָ֔ה רִֽבְב֖וֹת אַלְפֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃ ׆ נו״ן הפוכה
36
36
Und wenn die Truhe mit den Gesetzestafeln ruhte, sagte er: Kehre wieder, Ewiger, in die Mengen der Tausenden Israels!
Kehre ein
[Das Wort שׁוּבָה bedeutet für gewöhnlich „Rückkehr“, und in diesem Sinne gibt es auch Targum Onkelos wieder. Raschi erklärt jedoch, dass שׁוּבָה hier eine andere Bedeutung hat.]
Die Worte שׁוּבָה ה׳ übersetzt Menachem mit „rasten“. Und so steht auch (Jesch. 30:15) בְּשׁוּבָה וָנַחַת תִּוָּשֵׁעוּן „in Ruhe und Rast wird euch geholfen werden“.
Raschi
Menachem ben Saruk (ca. 920–970, Spanien), Verfasser des hebräischen Wörterbuches Machberet.
in die Mengen der Tausenden Israels
רִבְבוֹת אַלְפֵי יִשְׂרָאֵל „in die Mengen der Tausenden Israels“: das lehrt, dass die Schechina nicht auf weniger als 22.000 von Israel ruht (Jewamot 64a).
Raschi
22.000 von Israel: im Original אֵין הַשְּׁכִינָה שׁוֹרָה בְּיִשְׂרָאֵל פְּחוּתִים
מִשְּׁנֵי אֲלָפִים וּשְׁתֵּי רְבָבוֹת, wörtl. auf 2 x 1.000 und 2 x 10.000.
וַיְהִ֤י הָעָם֙ כְּמִתְאֹ֣נְנִ֔ים רַ֖ע בְּאָזְנֵ֣י יְהוָ֑ה וַיִּשְׁמַ֤ע יְהוָה֙ וַיִּ֣חַר אַפּ֔וֹ וַתִּבְעַר־בָּם֙ אֵ֣שׁ יְהוָ֔ה וַתֹּ֖אכַל בִּקְצֵ֥ה הַֽמַּחֲנֶֽה׃
1
1
Aber das Volk war wie Wehklagende, die einen Vorwand suchen, böse in den Ohren G‑ttes, da hörte es der Ewige und Sein Zorn entbrannte, es brannte unter ihnen ein Feuer des Ewigen und fraß am Ende des Lagers.
Aber das Volk war wie Wehklagende
וַיְהִי הָעָם כְּמִתְאֹנְנִים „das Volk war wie Wehklagende“, das Volk (הָעָם), damit sind die Schlechten gemeint. So sagt der Vers (Schem. 17:4) מָה אֶעֱשֶׂה לָעָם הַזֶּה „was soll Ich diesem Volk tun“. Ebenso (Jirm. 13:10) הָעָם הַזֶּה הָרָע „dieses böse Volk“. Wenn sie aber gut sind, werden sie עַמִּי „Mein Volk“ genannt. So wie (Schem. 5:1) שַׁלַּח עַמִּי „entlasse Mein Volk“; (Micha 6:3) עַמִּי מֶה עָשִֹיתִי לְךָ „Mein Volk, was habe ich dir getan“.
Raschi
wie Wehklagende
כְּמִתְאֹנְנִים „wie Wehklagende“. Das Wort מִתְאוֹנְנִים bedeutet „verleumden“, sie suchten nur einen Vorwand, um sich vom Ewigen zu trennen. Ebenso heißt es bei Schimschon (Richt. 14:4) כִּי תֹאֲנָה הוּא מְבַקֵּשׁ „denn er suchte einen Vorwand“.
Raschi
böse in den Ohren G‑ttes
Ein Vorwand, der in den Ohren G‑ttes böse war. Sie beabsichtigten, dass der Vorwand zu Seinen Ohren gelange und Ihn in Zorn versetze. Sie sagten, wehe uns, wie haben wir uns angestrengt auf diesem Weg, drei Tage haben wir uns von den Mühen des Weges nicht ausgeruht!
Raschi
Sein Zorn entbrannte
Ich hatte nur euer Wohl im Auge, damit ihr sofort ins Land Israel kommet.
Raschi
fraß: zerstörte.
am Ende des Lagers
בִּקְצֵה הַמַּחֲנֶה „am Ende des Lagers“, unter denen, die wegen ihrer Niedrigkeit zur Seite geschoben waren (בַּמֻּקְצִין שֶׁבָּהֶם לְשִׁפְלוּת), das war das Mischvolk.
Rabbi Schimon b. Menassia sagt: Unter den Vornehmen (קְּצִינִים) und Großen von ihnen.
Raschi
וַיִּצְעַ֥ק הָעָ֖ם אֶל־מֹשֶׁ֑ה וַיִּתְפַּלֵּ֤ל מֹשֶׁה֙ אֶל־יְהוָ֔ה וַתִּשְׁקַ֖ע הָאֵֽשׁ׃
2
2
Da schrie das Volk zu Mosche und Mosche betete zum Ewigen und das Feuer versank.
Da schrie das Volk zu Mosche
Das gleicht einem König, der seinem Sohn zürnt, und der Sohn geht zum Freund seines Vaters und sagt zu ihm, geh hin und bitte für mich bei meinem Vater (Sifre 11:1).
Raschi
und das Feuer versank
Es versank an seiner Stelle in die Erde. Denn wenn es nach irgendeiner Seite hin zurückgekehrt wäre, so hätte es auf seinem Weg jene ganze Seite hinweggerafft.
Raschi
וַיִּקְרָ֛א שֵֽׁם־הַמָּק֥וֹם הַה֖וּא תַּבְעֵרָ֑ה כִּֽי־בָעֲרָ֥ה בָ֖ם אֵ֥שׁ יְהוָֽה׃
3
3
Und man nannte den Namen dieses Ortes Taw’era, weil unter ihnen gebrannt hatte das Feuer des Ewigen.
Taw’era: wörtl. Brand
וְהָֽאסַפְסֻף֙ אֲשֶׁ֣ר בְּקִרְבּ֔וֹ הִתְאַוּ֖וּ תַּאֲוָ֑ה וַיָּשֻׁ֣בוּ וַיִּבְכּ֗וּ גַּ֚ם בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל וַיֹּ֣אמְר֔וּ מִ֥י יַאֲכִלֵ֖נוּ בָּשָֽׂר׃
4
4
Und das Gesindel, das unter ihnen war, hatte ein Gelüst bekommen; da weinten wieder auch die Kinder Israel und sagten: Wer wird uns Fleisch zu essen geben?
Gesindel
אסַפְסֻף „Gesindel“, das ist das Mischvolk (עֵרֶב רַב), das sich ihnen bei ihrem Auszug aus Mizraim angeschlossen hatte.
Raschi
da weinten auch die Kinder Israel: mit ihnen.
Raschi
Wer wird uns Fleisch zu essen geben?
Hatten sie denn kein Fleisch? Es steht doch bereits (Schem. 12:38) וְגַם עֵרֶב רַב עָלָה אִתָּם וְצֹאן וּבָקָר „auch viel Mischvolk zog mit ihnen hinauf und Schafe und Rinder“? Wenn du aber sagen solltest, die hatten sie schon aufgegessen; doch als sie ins Land Israel kamen, heißt es (Bam. 32:1) וּמִקְנֶה רַב הָיָה לִבְנֵי רְאוּבֵן „starke Herden hatten die Söhne Rëuwens“. Nur, sie suchten einen Vorwand.
Raschi
זָכַ֙רְנוּ֙ אֶת־הַדָּגָ֔ה אֲשֶׁר־נֹאכַ֥ל בְּמִצְרַ֖יִם חִנָּ֑ם אֵ֣ת הַקִּשֻּׁאִ֗ים וְאֵת֙ הָֽאֲבַטִּחִ֔ים וְאֶת־הֶחָצִ֥יר וְאֶת־הַבְּצָלִ֖ים וְאֶת־הַשּׁוּמִֽים׃
5
5
Wir denken noch an die Fische, die wir in Mizraim umsonst essen konnten, die Gurken, die Melonen, den Lauch, die Zwiebeln und den Knoblauch.
die wir in Mizraim umsonst essen konnten
Wenn du sagen solltest, die Mizrim gaben ihnen Fische umsonst, siehe, es steht doch geschrieben (Schem. 5:18) וְתֶבֶן לֹא יִנָּתֵן לָכֶם „Stroh soll euch nicht gegeben werden“. Wenn sie ihnen kein Stroh umsonst gaben, haben sie ihnen dann Fische umsonst gegeben? Was bedeutet also חִנָּם „umsonst“? חִנָּם מִן הַמִּצְווֹת „frei von Mizwot“.
Raschi
die Gurken …
Rabbi Schimon sagt, warum verwandelte sich das Man in jede Speise außer diesen? Weil diese für stillende Frauen schädlich sind. Man sagt zu einer Frau, iss nicht Knoblauch und Zwiebeln wegen des Kindes; das gleicht einem König … wie in Sifre steht.
Raschi
das gleicht einem König: Das gleicht einem König, der den Erzieher seines Sohnes anweist: „Achte darauf, meinem Sohn keine Speisen oder Getränke zu geben, die ihm schädlich sind.“ Obwohl der König diese Weisung offenkundig aus Sorge um seinen Sohn erteilt, beklagt sich der Sohn: „Mein Vater tat das nicht aus Liebe; vielmehr will er mir den Genuss dieser Speisen versagen.“ [Sifre 11:5]
Jene, die beklagten, dass die Man-Speise sich nicht in diese fünf Gemüsearten verwandelte, handelten ebenso unüberlegt wie der Königsohn im Gleichnis. G‑tt enthielt ihnen diese Nahrungsmittel – von denen bekannt ist, dass sie für Säuglinge schädlich sind – nur zu ihrem Besten vor. Stattdessen klagten sie, als ob G‑tt ihnen diese Speisen missgönnte.
Emek haNetziw
Gurken
הַקִּשֻּׁאִים, auf Französisch cocombres, Gurken.
Raschi
Melonen
אֲבַטִּחִים, auf Französisch bodekes, Melonen.
Raschi
Lauch
הֶחָצִיר, Grünzeug, auf Französisch porels, Lauch; wie der Targum sagt בּוֹצִינַיָּא.
Raschi
וְעַתָּ֛ה נַפְשֵׁ֥נוּ יְבֵשָׁ֖ה אֵ֣ין כֹּ֑ל בִּלְתִּ֖י אֶל־הַמָּ֥ן עֵינֵֽינוּ׃
6
6
*Jetzt aber ist unsere Seele ausgetrocknet, nichts ist da! Nur auf das Man blickt unser Auge.*
*Nur auf das Man blickt unser Auge: Man am Morgen, Man* am Abend.
Raschi
וְהַמָּ֕ן כִּזְרַע־גַּ֖ד ה֑וּא וְעֵינ֖וֹ כְּעֵ֥ין הַבְּדֹֽלַח׃
7
7
*Das Man war wie Koriandersamen und sein Aussehen wie das Aussehen von Bedolach.*
*Das Man war wie Koriandersamen*
Wer das Obige gesagt hatte, der sagte nicht dieses. Israel sagte (voriger Vers), „nur auf das Man blickt unser Auge“. Und der Ewige ließ in der Torah schreiben *„das Man war wie Koriandersamen“, um zu sagen: Seht, Menschen, worüber Meine Kinder murrten, die Man*-Speise war dem und dem gleich.
Raschi
wie Koriandersamen
כִּזְרַע גַּד bedeutet: rund wie Koriander (Joma 75a). Auf Französisch aliendre, Koriandersamen.
Raschi
Bedolach: ist der Name eines Edelsteines. Auf Französisch cristal.
Raschi
שָׁטוּ֩ הָעָ֨ם וְלָֽקְט֜וּ וְטָחֲנ֣וּ בָרֵחַ֗יִם א֤וֹ דָכוּ֙ בַּמְּדֹכָ֔ה וּבִשְּׁלוּ֙ בַּפָּר֔וּר וְעָשׂ֥וּ אֹת֖וֹ עֻג֑וֹת וְהָיָ֣ה טַעְמ֔וֹ כְּטַ֖עַם לְשַׁ֥ד הַשָּֽׁמֶן׃
8
8
Das Volk streifte umher und sammelte, und mahlte es in der Mühle oder zerstieß es im Mörser und kochte es im Topf, oder machte Kuchen daraus, und sein Geschmack war wie die Feuchtigkeit des Öles.
streifte umher
שָׁטוּ bedeutet spazieren, sich zerstreuen. Auf Französisch esbaneier (oder esbanier).
Raschi
und mahlte es in der Mühle
Es kam nicht in die Mühle, auch nicht in den Kochtopf und Mörser. Sondern sein Geschmack veränderte sich in Gemahlenes, Gestoßenes und Gekochtes.
Raschi
Topf
בַּפָּרוּר, Kochtopf.
Raschi
wie die Feuchtigkeit des Öles
לְשַׁד הַשָּׁמֶן, Feuchtigkeit des Öles, so erklärt es Dunasch. Ähnlich im Vers (Teh. 32:4) נֶהְפַּךְ לְשַׁדִּי בְּחַרְבֹנֵי קַיִץ „es schwindet mein Saft in der Glut des Sommers“. Der Buchstabe ל (Lamed) gehört zum Wortstamm, als stünde [statt des Wortes לְשַׁדִּי das Wort] לִחְלוּחִי [ohne jede Vorsilbe], meine Feuchtigkeit wandelt sich [in Trockenheit] durch die Glut des Sommers.
Unsere Lehrer erklären es vom Begriff שָׁדַיִם „Mutterbrust“ (Sifre 11:8). Nur kommt der Ausdruck Mutterbrust sonst nicht bei Öl vor.

Es ist aber nicht möglich, לְשַׁד הַשָּׁמֶן mit „fett“ [als Adjektiv] zu übersetzen, wie (Dew. 32:15) וַיִּשְׁמַן יְשׁוּרוּן „Jeschurun wurde fett“; dann wäre der Buchstabe מ (Mem) mit Kamatz-Katan (Zere) punktiert, und die Betonung wäre auf der letzten Silbe unter dem מ. Jetzt aber, da der Buchstabe מ mit Patach-Katan (Segol) punktiert und die Betonung unter dem Buchstaben ש (Schin) ist, kommt es vom Hauptwort שֶׁמֶן „Öl“. Der Buchstabe ש ist deshalb mit Kamatz-Gadol und nicht mit Patach-Katan (Segol) punktiert, weil er am Ende des Verses steht.

Andere Erklärung: לְשַׁד ist eine Abkürzung: לַיִשׁ שֶׁמֶן דְּבַשׁ, Teig, Öl, Honig. Wie ein Teig, der mit Öl geknetet und mit Honig bestrichen ist.

Targum Onkelos, der sagt דְּלִישׁ בְּמִשְׁחָא „mit Öl geknetet“, neigt zur Erklärung von Dunasch. Denn ein mit Öl gekneteter Teig enthält Feuchtigkeit von Öl.
Raschi
Dunasch: R. Dunasch ben Labrat (10. Jh.) war ein bedeutender Gelehrter der Rischonim-Periode und Schüler des Saadia Gaon. Er wirkte als Dajan (rabbinischer Richter) in Fez und Córdoba. Verfasste daneben die Pijutim Dror Jikra für Schabbat und Dewai Hasser für das Tischgebet bei Hochzeiten.
וּבְרֶ֧דֶת הַטַּ֛ל עַל־הַֽמַּחֲנֶ֖ה לָ֑יְלָה יֵרֵ֥ד הַמָּ֖ן עָלָֽיו׃
9
9
Und wenn der Tau herabfiel auf das Lager in der Nacht, dann fiel das Man darauf herab.
וַיִּשְׁמַ֨ע מֹשֶׁ֜ה אֶת־הָעָ֗ם בֹּכֶה֙ לְמִשְׁפְּחֹתָ֔יו אִ֖ישׁ לְפֶ֣תַח אָהֳל֑וֹ וַיִּֽחַר־אַ֤ף יְהוָה֙ מְאֹ֔ד וּבְעֵינֵ֥י מֹשֶׁ֖ה רָֽע׃
10
10
Und Mosche hörte das Volk weinen nach seinen Familien, jeden am Eingang seines Zeltes, da entbrannte der Zorn des Ewigen sehr, und auch in den Augen Mosches war es böse.
weinen nach seinen Familien
בֹּכֶה לְמִשְׁפְּחֹתָיו „[das Volk] weinte nach seinen Familien“. Familienweise versammelten sie sich und weinten, um ihre Klage öffentlich bekanntzumachen. Unsere Lehrer sagen (Sifre 11:10), לְמִשְׁפְּחֹתָיו, עַל עִסְקֵי מִשְׁפָּחוֹת „weinte nach seinen Familien“, wegen der Angelegenheiten der Familien, wegen der Verwandtschaften, die ihnen verboten worden waren.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר מֹשֶׁ֜ה אֶל־יְהוָ֗ה לָמָ֤ה הֲרֵעֹ֙תָ֙ לְעַבְדֶּ֔ךָ וְלָ֛מָּה לֹא־מָצָ֥תִי חֵ֖ן בְּעֵינֶ֑יךָ לָשׂ֗וּם אֶת־מַשָּׂ֛א כָּל־הָעָ֥ם הַזֶּ֖ה עָלָֽי׃
11
11
Und Mosche sagte zum Ewigen: Warum tust Du so übel Deinem Diener und warum habe ich nicht Gunst gefunden in Deinen Augen, dass Du die Last dieses ganzen Volkes auf mich legst?
הֶאָנֹכִ֣י הָרִ֗יתִי אֵ֚ת כָּל־הָעָ֣ם הַזֶּ֔ה אִם־אָנֹכִ֖י יְלִדְתִּ֑יהוּ כִּֽי־תֹאמַ֨ר אֵלַ֜י שָׂאֵ֣הוּ בְחֵיקֶ֗ךָ כַּאֲשֶׁ֨ר יִשָּׂ֤א הָאֹמֵן֙ אֶת־הַיֹּנֵ֔ק עַ֚ל הָֽאֲדָמָ֔ה אֲשֶׁ֥ר נִשְׁבַּ֖עְתָּ לַאֲבֹתָֽיו׃
12
12
Habe ich denn dieses ganze Volk hervorgebracht oder habe ich es geboren, dass Du zu mir sagst: Trage es an deiner Brust — so wie der Pfleger den Säugling trägt — in das Land, das Du seinen Vätern mit einem Schwur zugesagt hast.
Habe ich denn dieses ganze Volk hervorgebracht: ich bin nicht ihr Vater; oder habe ich es geboren: ich bin nicht ihre Mutter.
Ibn Esra
dass Du zu mir sagst: dass Du zu mir sagst, trage es an deiner Brust. Und wo hat Er dieses zu Mosche gesagt?
לֵךְ נְחֵה אֶת הָעָם „geh, führe das Volk“ (Schem. 32:34). Weiters וַיְצַוֵּם אֶל בְּנֵי יִשְׂרָאֵל „Er befahl ihnen für die Kinder Israel“ (Schem. 6:13), selbst auf die Gefahr hin, dass sie euch mit Steinen bewerfen und euch lästern.
Raschi
so wie der Pfleger den Säugling trägt
Was ist der Unterschied zwischen „Pfleger“ und „Pflegerin“? Die Pflegerin kann den Säugling durch das Stillen beruhigen.
Abarbanel
in das Land, das Du seinen Vätern mit einem Schwur zugesagt hast: sagst Du zu mir, sie an meiner Brust zu tragen.
Raschi
in das Land
Im Hebräischen steht עַל הָאֲדָמָה „ in dem Land, das Du seinen Vätern mit einem Schwur zugesagt hast“. Mosche aber hat sie doch nicht im Land Israel angeführt? Gemeint ist hier אֶל „in das Land“.
Chiskuni
מֵאַ֤יִן לִי֙ בָּשָׂ֔ר לָתֵ֖ת לְכָל־הָעָ֣ם הַזֶּ֑ה כִּֽי־יִבְכּ֤וּ עָלַי֙ לֵאמֹ֔ר תְּנָה־לָּ֥נוּ בָשָׂ֖ר וְנֹאכֵֽלָה׃
13
13
Woher habe ich Fleisch, diesem ganzen Volk zu geben? Sie weinen vor mir und sagen: „Gib uns Fleisch, dass wir essen!“
לֹֽא־אוּכַ֤ל אָנֹכִי֙ לְבַדִּ֔י לָשֵׂ֖את אֶת־כָּל־הָעָ֣ם הַזֶּ֑ה כִּ֥י כָבֵ֖ד מִמֶּֽנִּי׃
14
14
Ich allein kann dieses ganze Volk nicht tragen, denn es ist mir zu schwer.
וְאִם־כָּ֣כָה׀ אַתְּ־עֹ֣שֶׂה לִּ֗י הָרְגֵ֤נִי נָא֙ הָרֹ֔ג אִם־מָצָ֥אתִי חֵ֖ן בְּעֵינֶ֑יךָ וְאַל־אֶרְאֶ֖ה בְּרָעָתִֽי׃
15
15
Wenn Du so mit mir tun willst, dann bringe mich doch lieber um, wenn ich Gunst gefunden habe in Deinen Augen, dass ich nicht mein Unglück mit anzusehen brauche.
Wenn Du so mit mir tun willst
וְאִם כָּכָה אַתְּ עֹשֶׂה לִּי „Wenn Du so mit mir tun willst“: die Kraft von Mosche wurde schwach wie die einer Frau (אַתְּ), als der Ewige ihm die Strafe zeigte, die Er dafür über sie bringen werde. Und Mosche sagte vor Ihm, wenn es so ist, so töte mich zuerst (Sifre).
Raschi
wenn es so ist: Wenn es so ist und Du diese Strafe über sie bringst, dann töte mich zuerst, um mir diesen Anblick zu ersparen.
Sifre, Abschn. 91
dass ich nicht mein Unglück mit anzusehen brauche:
„ihr Unglück“ hätte der Vers lauten müssen. Nur hat es der Vers umgeschrieben. Das ist eine von den stilistischen Feinheiten in der Torah, um eine Sache zu umschreiben und feiner auszudrücken.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר יְהוָ֜ה אֶל־מֹשֶׁ֗ה אֶסְפָה־לִּ֞י שִׁבְעִ֣ים אִישׁ֮ מִזִּקְנֵ֣י יִשְׂרָאֵל֒ אֲשֶׁ֣ר יָדַ֔עְתָּ כִּי־הֵ֛ם זִקְנֵ֥י הָעָ֖ם וְשֹׁטְרָ֑יו וְלָקַחְתָּ֤ אֹתָם֙ אֶל־אֹ֣הֶל מוֹעֵ֔ד וְהִֽתְיַצְּב֥וּ שָׁ֖ם עִמָּֽךְ׃
16
16
Da sagte der Ewige zu Mosche: Versammle mir 70 Männer von den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie die Ältesten des Volkes sind und seine Vorsteher sein können , und bringe sie zum Zelt der Zusammenkunft und sie sollen sich dort neben dich hinstellen.
Versammle mir
Das ist die Antwort auf deine Klage, dass du gesagt hast, לֹא אוּכַל אָנֹכִי לְבַדִּי „ich kann nicht, ich allein“ (zuvor, Vers 14). Und wo waren die früheren Ältesten; siehe, schon in Mizraim saßen solche an ihrer Spitze, wie es heißt (Schem. 3:16) לֵךְ וְאָסַפְתָּ אֶת
זִקְנֵי יִשְׂרָאֵל „Geh und versammle die Ältesten von Israel“? Nun, sie waren durch das Feuer von Taw’era (V. 3) gestorben. Und das hatten sie schon am Sinai verdient, weil es heißt (Schem. 24:11) וַיֶּחֱזוּ אֶת הָאֱלֹהִים „sie schauten die g‑ttliche Erscheinung“ und benahmen sich leichtfertig dabei; wie einer, der in sein Brot beißt und dabei vor dem König spricht. Das bedeutet dort, „sie aßen und tranken“. Nur wollte der Ewige in das Geben der Torah keine Trauer bringen. Darum vergalt Er es ihnen erst hier.
Raschi
von denen du weißt, dass sie sind: jene, die du kennst, dass sie in Mizraim bei der harten Arbeit als Vorsteher über sie gesetzt waren und sich über sie erbarmten und sich für sie schlagen ließen; so steht (Schem. 5:14) וַיֻּכּוּ שֹׁטְרֵי בְּנֵי יִשְׂרָאֵל „die Vorsteher der Kinder Israel wurden geschlagen“; jetzt sollen sie in Israels Ehrenamt eingesetzt werden, wie sie einst durch dessen Not Schmerz erduldeten.
Raschi
und bringe sie: gewinne sie durch Worte: Glücklich seid ihr, dass ihr zu Verwaltern über die Kinder des Ewigen eingesetzt werdet.
Raschi
und sie sollen sich dort neben dir aufstellen: damit Israel es sehe und ihnen Anerkennung und Ehre erweise; dass sie sagen, diese sind geschätzt, dass sie mit Mosche hineingehen dürfen, das Wort aus dem Mund des Ewigen zu vernehmen.
Raschi
Versammle mir 70 Männer
entsprechend den 70 Seelen, die nach Mizraim hinabgingen, entsprechend den 70 Völkern der Erde, entsprechend den 70 Namen G‑ttes, entsprechend den 70 Namen Jeruschalaims.
Baal haTurim
וְיָרַדְתִּ֗י וְדִבַּרְתִּ֣י עִמְּךָ֮ שָׁם֒ וְאָצַלְתִּ֗י מִן־הָר֛וּחַ אֲשֶׁ֥ר עָלֶ֖יךָ וְשַׂמְתִּ֣י עֲלֵיהֶ֑ם וְנָשְׂא֤וּ אִתְּךָ֙ בְּמַשָּׂ֣א הָעָ֔ם וְלֹא־תִשָּׂ֥א אַתָּ֖ה לְבַדֶּֽךָ׃
17
17
Und Ich werde hinabsteigen und werde mit dir dort reden und Ich nehme von dem Geist, der auf dir ruht, und lege auf sie, damit sie dir die Last des Volkes tragen helfen, und du nicht allein zu tragen hast.
Und Ich werde hinabsteigen:
das ist eine von zehn Stellen mit „Herabsteigen“, die in der Torah stehen.
Raschi
und werde mit dir dort reden: und nicht mit ihnen.
Raschi
und Ich nehme: wie der Targum sagt וַאֲרַבֵּי „Ich erhöhe“; wie im Vers (Schem. 24:11) וְאֶל אֲצִילֵי בְּנֵי יִשְֹרָאֵל „zu den Vornehmen der Kinder Israel“.
Raschi
und lege auf sie: wem glich Mosche in jener Stunde? Dem Licht oben auf dem Leuchter, an dem alle anzünden, ohne dass seine Helligkeit dadurch irgendwie verringert wird.
Raschi
und sie sollen mit dir tragen: mache ihnen zur Bedingung, dass sie die Mühe Meiner Kinder, die mühsam und ungehorsam sind, auf sich nehmen.
Raschi
dass du nicht allein trägst: das ist die Antwort auf das, was du gesagt hast לֹא אוּכַל אָנֹכִי לְבַדִּי „ich kann nicht, ich allein“ (zuvor, Vers 14).
Raschi
וְאֶל־הָעָ֨ם תֹּאמַ֜ר הִתְקַדְּשׁ֣וּ לְמָחָר֮ וַאֲכַלְתֶּ֣ם בָּשָׂר֒ כִּ֡י בְּכִיתֶם֩ בְּאָזְנֵ֨י יְהוָ֜ה לֵאמֹ֗ר מִ֤י יַאֲכִלֵ֙נוּ֙ בָּשָׂ֔ר כִּי־ט֥וֹב לָ֖נוּ בְּמִצְרָ֑יִם וְנָתַ֨ן יְהוָ֥ה לָכֶ֛ם בָּשָׂ֖ר וַאֲכַלְתֶּֽם׃
18
18
Zum Volk aber sage: Bereitet euch auf morgen vor, da werdet ihr Fleisch essen, weil ihr vor dem Ewigen geweint habt und gesagt habt: Wer gibt uns Fleisch zu essen, wir hatten es in Mizraim besser! — so wird euch der Ewige Fleisch zu essen geben.
Bereitet euch vor: Haltet euch zur Strafe bereit. So heißt es auch (Jirm. 12:3) וְהַקְדִּשֵׁם לְיוֹם הֲרֵגָה „und bereite sie vor zum Tag der Tötung“.
Raschi
לֹ֣א י֥וֹם אֶחָ֛ד תֹּאכְל֖וּן וְלֹ֣א יוֹמָ֑יִם וְלֹ֣א׀ חֲמִשָּׁ֣ה יָמִ֗ים וְלֹא֙ עֲשָׂרָ֣ה יָמִ֔ים וְלֹ֖א עֶשְׂרִ֥ים יֽוֹם׃
19
19
Nicht einen Tag werdet ihr zu essen haben und nicht zwei Tage und nicht fünf Tage und nicht zehn Tage und nicht zwanzig Tage;
עַ֣ד׀ חֹ֣דֶשׁ יָמִ֗ים עַ֤ד אֲשֶׁר־יֵצֵא֙ מֵֽאַפְּכֶ֔ם וְהָיָ֥ה לָכֶ֖ם לְזָרָ֑א יַ֗עַן כִּֽי־מְאַסְתֶּ֤ם אֶת־יְהוָה֙ אֲשֶׁ֣ר בְּקִרְבְּכֶ֔ם וַתִּבְכּ֤וּ לְפָנָיו֙ לֵאמֹ֔ר לָ֥מָּה זֶּ֖ה יָצָ֥אנוּ מִמִּצְרָֽיִם׃
20
20
bis zu einem Monat lang, bis es euch zur Nase herausgeht und euch zum Ekel wird; darum, weil ihr den Ewigen verachtet, der in eurer Mitte ist, und vor Ihm geweint habt und gesagt habt: Warum sind wir bloß aus Mizraim gezogen?
bis zu einem Monat lang: das redet von sonst Rechtschaffenen, die auf ihrem Lager dahinsiechten, bis endlich ihre Seele sie verließ. Von den Bösen aber sagt der Vers (33) הַבָּשָׂר עוֹדֶנּוּ בֵּין שִׁנֵּיהֶם „das Fleisch war noch zwischen ihren Zähnen“. So steht in Sifre (11:17).
Aber in Mechilta steht umgekehrt, die Bösen aßen und erlitten dreißig Tage Schmerzen; bei den Frommen aber war das Fleisch noch zwischen ihren Zähnen.
Raschi
bis es euch zur Nase herausgeht: wie der Targum sagt, דִּי תְקוֹצוּן בֵּהּ, dass ihr Widerwillen davor empfindet. Es wird euch vorkommen, als hättet ihr zuviel davon gegessen, dass es euch durch die Nase herauskommt und ausgestoßen wird.
Raschi
euch zum Ekel wird
וְהָיָה לָכֶם לְזָרָא „euch zum Ekel wird“: dass ihr es mehr wegstoßt, als ihr es euch nahegebracht habt. Und in den Worten von R. Mosche haDarschan habe ich gesehen, dass es eine Sprache gibt, in der זָרָא soviel wie „Schwert“ bedeutet.
Raschi
R. Mosche haDarschan: ein führender Rosch Jeschiwa in Narbonne, Frankreich, im 11. Jh., der eine Sammlung von Midraschim zusammenstellte, deren Material vielfach nicht in anderen Werken der Midrasch-Literatur zu finden ist.
den Ewigen, der in eurer Mitte ist: wenn ich nicht Meine Schechina in eurer Mitte hätte wohnen lassen, so wäre euer Herz nicht hochmütig geworden, alle diese Ansprüche zu stellen.
Raschi
וַיֹּאמֶר֮ מֹשֶׁה֒ שֵׁשׁ־מֵא֥וֹת אֶ֙לֶף֙ רַגְלִ֔י הָעָ֕ם אֲשֶׁ֥ר אָנֹכִ֖י בְּקִרְבּ֑וֹ וְאַתָּ֣ה אָמַ֗רְתָּ בָּשָׂר֙ אֶתֵּ֣ן לָהֶ֔ם וְאָכְל֖וּ חֹ֥דֶשׁ יָמִֽים׃
21
21
Da sagte Mosche: 600.000 Mann Fußgänger ist das Volk, in dessen Mitte ich bin, und Du sagst, ich soll ihnen Fleisch geben, dass sie einen ganzen Monat zu essen haben!
600.000 Fußgänger:
der Vers hält nicht für nötig, die kleine Zahl der übrigen 3000 noch mit anzuführen. Rabbi Mosche haDarschan erklärt, dass nur jene weinten, die aus Mizraim gezogen waren.
Raschi
הֲצֹ֧אן וּבָקָ֛ר יִשָּׁחֵ֥ט לָהֶ֖ם וּמָצָ֣א לָהֶ֑ם אִ֣ם אֶֽת־כָּל־דְּגֵ֥י הַיָּ֛ם יֵאָסֵ֥ף לָהֶ֖ם וּמָצָ֥א לָהֶֽם׃
22
22
Sollen Schafe und Rinder für sie geschlachtet werden, dass es für sie ausreiche? Oder sollen alle Fische des Meeres für sie gesammelt werden, dass es für sie ausreiche?
(22—23) Sollen Schafe und Rinder geschlachtet werden
Das ist eines von den vier Dingen, die R. Akiwa erklärte, und R. Schimon erklärte sie nicht wie er. Rabbi Akiwa sagt, „600.000 Fußgänger, und Du sagst, ich soll ihnen Fleisch geben, dass sie einen ganzen Monat zu essen haben. Sollen Schafe und Rinder geschlachtet werden“, alles nach der einfachen Bedeutung. Wird es für sie reichen? So wie steht (Waj. 25:26) וּמָצָא כְּדֵי גְּאֻלָּתוֹ „er erwirbt genügend, um es zurückzukaufen“. Welches Wort ist nun schwerer, dieses oder (Bam. 20:10) שִׁמְעוּ נָא הַמֹּרִים „hört doch, ihr Widerspenstigen“? Nur, weil er dieses nicht öffentlich sagte, schonte ihn der Vers und strafte ihn nicht; jenes in Meriwa aber war öffentlich, darum schonte ihn der Vers nicht.
Rabbi Schimon aber sagt, das verhüte der Ewige, solches kam nicht in den Sinn jenes Frommen, er, von dem es heißt (Bam. 12:7) בְּכָל בֵּיתִי נֶאֱמָן הוּא „er ist in meinem ganzen Haus bewährt“, sollte sprechen, der Ewige kann uns nicht versorgen? Nur, so sagte er, 600.000 Fußgänger, und Du sagst, ich soll ihnen Fleisch geben, dass sie einen ganzen Monat zu essen haben, und dann willst Du eine so große Nation töten? Sollen Schafe und Rinder für sie geschlachtet werden, damit sie selbst umkommen und diese eine Gunst für ewig für sie hinreiche; wäre das ein Ruhm für Dich? Sagt man wohl zu einem Esel, hier hast du ein Kor Gerste, und dann werden wir den Kopf abschneiden! Und der Ewige antwortete ihm, und wenn ich ihnen nicht gebe, werden sie sprechen, dass Meine Hand zu kurz sei. Wäre es wohlgefällig in deinen Augen, dass die Hand des Ewigen in ihren Augen kurz erscheine? Eher sollen sie untergehen und noch hundertmal gleich ihnen; aber Meine Hand soll auch nicht einen Aufgenblick kurz vor ihnen erscheinen.
Raschi
Jetzt sollst du sehen, ob dir eintreffen wird Mein Wort
Rabban Gamliel, der Sohn von R. Jehuda haNassi, sagt, eine Lüge kann man nicht befriedigen; da sie nur einen Vorwand suchen, wirst du sie niemals befriedigen, schließlich werden sie immer Einwände gegen dich machen; wenn du ihnen Fleisch von Rindern gibst, so werden sie sagen, wir wollten Kleinvieh haben. Gibst du ihnen Kleinvieh, so sagen sie, wir wünschten Rinder; wir baten um Gewild und Vögel; nach Fischen und Heuschrecken stand unser Verlangen. Und Er sprach zu ihm, das es so ist, so werden sie auch sagen, dass Meine Hand zu kurz sei. Da sagte Mosche vor Ihm, siehe, ich will hingehen und sie besänftigen. Und da sprach Er zu ihm (nächster Ver), עַתָּה תִרְאָה הֲיִקְרְךָ דְבָרִי „jetzt sollst du sehen, ob dir eintreffen wird Mein Wort“, dass sie nämlich nicht auf dich hören. Mosche ging sie zu besänftigen und sagte zu ihnen (nächster Vers), הֲיַד ה’ תִּקְצָר „Ist denn die Hand des Ewigen zu kurz?“; (Teh. 78:20) הֵן הִכָּה צוּר וַיָּזוּבוּ מַיִם גו’ הֲגַם לֶחֶם יוּכַל תֵּת „Siehe, Er schlug den Felsen, dass Wasser floss … kann Er wohl auch Brot geben!“ Da sprachen sie, das ist nur ein Ausgleich, weil Er nicht die Macht hat, unsere Bitte zu erfüllen. Das bedeuten die Worte (Vers 24) וַיֵּצֵא מֹשֶׁה וַיְדַבֵּר אֶל הָעָם „Mosche ging hinaus und redete zum Volk“. Als sie nicht auf ihn hörten, וַיֶּאֱסֹף שִׁבְעִים אִישׁ „da versammelte er 70 Männer“.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר יְהוָה֙ אֶל־מֹשֶׁ֔ה הֲיַ֥ד יְהוָ֖ה תִּקְצָ֑ר עַתָּ֥ה תִרְאֶ֛ה הֲיִקְרְךָ֥ דְבָרִ֖י אִם־לֹֽא׃
23
23
Da sagte der Ewige zu Mosche: Ist denn die Hand des Ewigen zu kurz? Jetzt sollst du sehen, ob dir eintreffen wird Mein Wort oder nicht.
וַיֵּצֵ֣א מֹשֶׁ֗ה וַיְדַבֵּר֙ אֶל־הָעָ֔ם אֵ֖ת דִּבְרֵ֣י יְהוָ֑ה וַיֶּאֱסֹ֞ף שִׁבְעִ֥ים אִישׁ֙ מִזִּקְנֵ֣י הָעָ֔ם וַֽיַּעֲמֵ֥ד אֹתָ֖ם סְבִיבֹ֥ת הָאֹֽהֶל׃
24
24
Und Mosche ging hinaus und sprach zum Volk die Worte des Ewigen und versammelte 70 Männer von den Ältesten des Volkes und stellte sie rund um das Zelt.
וַיֵּ֨רֶד יְהוָ֥ה׀ בֶּעָנָן֮ וַיְדַבֵּ֣ר אֵלָיו֒ וַיָּ֗אצֶל מִן־הָר֙וּחַ֙ אֲשֶׁ֣ר עָלָ֔יו וַיִּתֵּ֕ן עַל־שִׁבְעִ֥ים אִ֖ישׁ הַזְּקֵנִ֑ים וַיְהִ֗י כְּנ֤וֹחַ עֲלֵיהֶם֙ הָר֔וּחַ וַיִּֽתְנַבְּא֖וּ וְלֹ֥א יָסָֽפוּ׃
25
25
Da kam der Ewige in der Wolke herab und sprach zu ihm und Er nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die 70 Männer, die Ältesten; und es geschah, als der Geist auf ihnen ruhte, fingen sie an Prophezeiungen zu sagen, aber sie setzten nicht fort.
sie setzten nicht fort
וְלֹא יָסָפוּ „sie setzten nicht fort“: sie sagten ihre Prophezeiungen nur an jenem Tag allein, so wird in Sifre (11:21) erklärt.
Onkelos hingegen übersetzt מִתְנַבַּן וְלָא פָסְקִין „und hörten nicht auf“: die Prophetengabe wich nicht mehr von ihnen.
Raschi
וַיִּשָּׁאֲר֣וּ שְׁנֵֽי־אֲנָשִׁ֣ים׀ בַּֽמַּחֲנֶ֡ה שֵׁ֣ם הָאֶחָ֣ד׀ אֶלְדָּ֡ד וְשֵׁם֩ הַשֵּׁנִ֨י מֵידָ֜ד וַתָּ֧נַח עֲלֵיהֶ֣ם הָר֗וּחַ וְהֵ֙מָּה֙ בַּכְּתֻבִ֔ים וְלֹ֥א יָצְא֖וּ הָאֹ֑הֱלָה וַיִּֽתְנַבְּא֖וּ בַּֽמַּחֲנֶֽה׃
26
26
Es blieben aber zwei Männer zurück im Lager, der Name des einen war Eldad und der Name des anderen Medad und es ruhte auf ihnen der Geist, denn sie waren mit aufgezeichnet worden; aber sie waren nicht hinausgegangen vor das Zelt und sie sagten ihre Prophezeiungen im Lager.
Es blieben zwei Männer zurück: von jenen, die erwählt wurden. Sie hatten gesagt, wir sind dieser Auszeichnung nicht würdig.
Raschi
denn sie waren mit aufgezeichnet worden
וְהֵמָּה בַּכְּתֻבִים „sie gehörten zu den Aufgeschriebenen“, zu denen unter ihnen, die für das Sanhedrin erwählt waren. Sie waren alle aufgeschrieben worden, mit ihren Namen bezeichnet und durch das Los bestimmt worden. Denn die Rechnung ergab für die 12 Stämme je 6 Männer für jeden Stamm, außer zwei Stämmen, auf die nur je 5 kamen. Da sagte Mosche, kein Stamm wird auf mich hören, dass er einen Ältesten weniger haben soll; was tat er? Er nahm 72 Lose und schrieb auf 70 „Ältester“ und zwei ließ er leer. Dann wählte er aus jedem Stamm 6 Männer aus, sodass es 72 waren, und sagte zu ihnen, nehmt eure Lose aus der Urne. In wessen Hand „Ältester“ gekommen war, der war geheiligt; in wessen Hand aber ein leeres Los gekommen war, zu dem sagte er, der Ewige wünscht dich nicht.
Raschi
Eldad und Medad
Eldad – das ist Eldad, Sohn von Kislon, das Oberhaupt des Stammes Binjamin. Medad – das ist Kmu’el, Sohn von Schiftan, das Oberhaupt des Stammes Efraim. [Bamidbar Rabba] Eldad und Medad waren Mosches Halbbrüder auf mütterlicher Seite. Nachdem Amram sich in Mizraim von Jochewed scheiden hatte lassen, heiratete sie Elizafan ben Parnach und gebar ihm diese Söhne. [Targum Jonathan ben Usiël; laut R. Ascher ben Jechiël (Rosch) ließen sie sich nach dem Geben der Torah scheiden, als die Ehe mit Verwandten verboten wurde.] Eldad und Medad waren Mosches Halbbrüder auf väterlicher Seite. Nach dem Geben der Torah, als die Ehe mit Verwandten verboten wurde, ließen sich Amram und seine Gattin Jochewed – eine Tante – scheiden, und Amram heiratete ein zweites Mal; aus dieser Ehe gingen Eldad und Medad hervor.
Daat Skenim
וַיָּ֣רָץ הַנַּ֔עַר וַיַּגֵּ֥ד לְמֹשֶׁ֖ה וַיֹּאמַ֑ר אֶלְדָּ֣ד וּמֵידָ֔ד מִֽתְנַבְּאִ֖ים בַּֽמַּחֲנֶֽה׃
27
27
Da lief ein Junge und berichtete es Mosche und sagte: Eldad und Medad sagen ihre Prophezeiungen im Lager.
Da lief ein Junge:
Gerschom, Sohn von Mosche (Tanchuma, Abschn. 12).
Raschi
Da lief ein Junge: das war Jehoschua.
Sifre
Eldad und Medad sagen ihre Prophezeiungen
Der Inhalt ihrer Prophezeiungen war:
Mosche wird sterben und Jehoschua wird das Volk in das Land Israel führen.

Das Thema der Wachteln, die als Nahrung erscheinen würden.

Über Gog und Magog sagten sie ihre Prophezeiungen.
Sanhedrin 17a
וַיַּ֜עַן יְהוֹשֻׁ֣עַ בִּן־נ֗וּן מְשָׁרֵ֥ת מֹשֶׁ֛ה מִבְּחֻרָ֖יו וַיֹּאמַ֑ר אֲדֹנִ֥י מֹשֶׁ֖ה כְּלָאֵֽם׃
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28
Da antwortete Jehoschua, Sohn von Nun, der Diener Mosches von seiner Jugend an, und sagte: Mein Herr Mosche, erschöpfe sie!
erschöpfe sie
כְּלָאֵם bedeutet: Lege die Angelegenheiten der Gemeinde auf sie, und sie hören von selbst auf (Sanh. 17a).
Andere Erklärung: bringe sie in Gewahrsam (בֵּית הַכֶּלֶא), weil sie voraussagten, Mosche stirbt, und Jehoschua führt Israel ins Land.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר לוֹ֙ מֹשֶׁ֔ה הַֽמְקַנֵּ֥א אַתָּ֖ה לִ֑י וּמִ֨י יִתֵּ֜ן כָּל־עַ֤ם יְהוָה֙ נְבִיאִ֔ים כִּי־יִתֵּ֧ן יְהוָ֛ה אֶת־רוּח֖וֹ עֲלֵיהֶֽם׃
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29
Aber Mosche sagte zu ihm: Bist du für mich eifersüchtig? Oh, wären doch alle vom Volk des Ewigen Propheten, dass der Ewige Seinen Geist auf sie legt!
Bist du für mich eifersüchtig?
הַמְקַנֵּא אַתָּה לִי, Eiferst du für mich, eiferst du meinen Eifer? „Für mich“ לִי ist so wie בִּשְׁבִילִי, „an meiner Stelle“.
Das Wort קנְאָה bedeutet überall, dass jemand einer Sache seine Aufmerksamkeit zuwendet, entweder, um Vergeltung zu üben, oder um zu helfen. Auf Französisch enprenment; er ergreift die schwere Seite der Last.
Raschi