Der tägliche Chumasch-Abschnitt

21. Siwan 5786

Samstag, 6. Juni 2026

Heute

Behaalotcha

7. Alija

(Bamidbar 11:30 – 12:16)

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וַיֵּאָסֵ֥ף מֹשֶׁ֖ה אֶל־הַֽמַּחֲנֶ֑ה ה֖וּא וְזִקְנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
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30
Mosche begab sich zurück in das Lager, er und die Ältesten Israels.
Mosche begab sich zurück:
vom Eingang des Zeltes der Zusammenkunft, ins Lager: jeder ging in sein Zelt.
Raschi
begab sich zurück
וַיֵּאָסֵף bedeutet nach Hause gehen; wie im Vers (Dew. 22:2) וַאֲסַפְתּוֹ אֶל תּוֹךְ בֵּיתֶךָ „bring es in dein Haus“.
[Unter den zahlreichen Versen, die zeigen, dass der Begriff אסף diese Bedeutung haben kann,] ist der stärkste Beleg der Vers (Teh. 39:7) יִצְבֹּר וְלֹא יֵדַע מִי אֹסְפָם „er häuft auf und weiß nicht, wer sie ins Haus bringt“. Das lehrt, dass Er die Strafe erst über sie brachte, als die Frommen jeder in sein Zelt gegangen waren.
Raschi
וְר֜וּחַ נָסַ֣ע׀ מֵאֵ֣ת יְהוָ֗ה וַיָּ֣גָז שַׂלְוִים֮ מִן־הַיָּם֒ וַיִּטֹּ֨שׁ עַל־הַֽמַּחֲנֶ֜ה כְּדֶ֧רֶךְ י֣וֹם כֹּ֗ה וּכְדֶ֤רֶךְ יוֹם֙ כֹּ֔ה סְבִיב֖וֹת הַֽמַּחֲנֶ֑ה וּכְאַמָּתַ֖יִם עַל־פְּנֵ֥י הָאָֽרֶץ׃
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31
Und ein Wind brach hervor vom Ewigen und jagte Wachteln her vom Meer und streute sie um das Lager, eine Tagreise weit auf jeder Seite rund um das Lager und an zwei Ellen hoch über der Erde.
jagte
וַיָּגָז bedeutet: machte auffliegen. Ebenso im Vers (Teh. 90:10) כִּי גָז חִישׁ „denn schnell abgeschnitten“; ebenso (Nachum 1:12) וְכֵן נָגוֹזּוּ וְעָבָר „sie sind abgeschnitten und schwinden dahin“.
Raschi
und streute
וַיִּטֹּשׁ „streute aus“. Wie im Vers (1 Schm. 30:16) וְהִנֵּה נְטֻשִׁים
עַל פְּנֵי כָל הָאָרֶץ „und siehe, sie waren über das ganze Land zerstreut“; (Jech. 29:5) וּנְטַשְׁתִּיךָ הַמִּדְבָּרָה „ich streue dich in die Wüste“.
Raschi
an zwei Ellen hoch
וּכְאַמָּתַיִם „ungefähr zwei Ellen“: sie flogen in einer Höhe, dass sie sich dem Herzen des Menschen gegenüber befanden, damit es keine Mühe sei, sie einzusammeln, dass man sich weder hochzurecken noch zu bücken brauchte. [Raschi}
Elle: im Hebräischen אַמָּה „ama“, ca. 45–48 cm.
וַיָּ֣קָם הָעָ֡ם כָּל־הַיּוֹם֩ הַה֨וּא וְכָל־הַלַּ֜יְלָה וְכֹ֣ל׀ י֣וֹם הַֽמָּחֳרָ֗ת וַיַּֽאַסְפוּ֙ אֶת־ כתיב השלו הַשְּׂלָ֔ו הַמַּמְעִ֕יט אָסַ֖ף עֲשָׂרָ֣ה חֳמָרִ֑ים וַיִּשְׁטְח֤וּ לָהֶם֙ שָׁט֔וֹחַ סְבִיב֖וֹת הַֽמַּחֲנֶֽה׃
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32
Und das Volk machte sich an diesem Tag und die ganze Nacht hindurch und den ganzen folgenden Tag auf und sammelte die Wachteln, und wer wenig sammelte, hatte zehn Chomer; und sie breiteten sie aus rund um das Lager.
wer wenig sammelte: wer am wenigsten von allen sammelte, die Trägen und Lahmen, hatte zehn Chomer gesammelt.
Raschi
und sie breiteten sie aus: sie machten davon Schichten.
Raschi
הַבָּשָׂ֗ר עוֹדֶ֙נּוּ֙ בֵּ֣ין שִׁנֵּיהֶ֔ם טֶ֖רֶם יִכָּרֵ֑ת וְאַ֤ף יְהוָה֙ חָרָ֣ה בָעָ֔ם וַיַּ֤ךְ יְהוָה֙ בָּעָ֔ם מַכָּ֖ה רַבָּ֥ה מְאֹֽד׃
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33
Noch war das Fleisch zwischen ihren Zähnen, noch war es nicht verzehrt, und der Zorn des Ewigen entbrannte über das Volk, und der Ewige traf das Volk mit einem sehr schweren Schlag.
noch war es nicht verzehrt
טֶרֶם יִכָּרֵת „noch war es nicht verzehrt“: wie der Targum sagt עַד לָא פְסַק, es hatte noch nicht aufgehört.
Andere Erklärung: er hatte noch nicht Zeit, es mit den Zähnen zu kauen, da entfloh schon seine Seele.
Raschi
וַיִּקְרָ֛א אֶת־שֵֽׁם־הַמָּק֥וֹם הַה֖וּא קִבְר֣וֹת הַֽתַּאֲוָ֑ה כִּי־שָׁם֙ קָֽבְר֔וּ אֶת־הָעָ֖ם הַמִּתְאַוִּֽים׃
34
34
*Und man nannte diesen Ort Kiwrot haTaawa* („Gräber der Lust“) , weil man dort das lüsterne Volk begraben hatte.**
מִקִּבְר֧וֹת הַֽתַּאֲוָ֛ה נָסְע֥וּ הָעָ֖ם חֲצֵר֑וֹת וַיִּהְי֖וּ בַּחֲצֵרֽוֹת׃
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35
*Von Kiwrot haTaawa brach das Volk auf nach Chazerot und sie blieben in Chazerot.*
וַתְּדַבֵּ֨ר מִרְיָ֤ם וְאַהֲרֹן֙ בְּמֹשֶׁ֔ה עַל־אֹד֛וֹת הָאִשָּׁ֥ה הַכֻּשִׁ֖ית אֲשֶׁ֣ר לָקָ֑ח כִּֽי־אִשָּׁ֥ה כֻשִׁ֖ית לָקָֽח׃
1
1
Es redeten Miriam und Aharon über Mosche wegen der Frau aus Kusch, die er genommen hatte; denn eine Frau aus Kusch hatte er genommen.
Es redeten
וַתְּדַבֵּר „es redeten“: das Wort דִּבּוּר bedeutet überall harte Rede. So heißt es auch (Ber. 42:30) דִּבֶּר הָאִישׁ אֲדֹנֵי הָאָרֶץ אִתָּנוּ קָשׁוֹת
„der Mann, der Herr des Landes, redete Hartes mit uns“. Dagegen bedeutet אֲמִירָה überall sanfte Rede. So steht auch (Ber. 19:6) וַיֹּאמַר אַל נָא אַחַי תָּרֵעוּ „er sagte, Brüder, handelt doch nicht schlecht“; (Dew. 12:6) וַיֹּאמֶר שִׁמְעוּ נָא דְבָרָי „er sprach, hört doch meine Worte“, נָא ist immer der Ausdruck einer Bitte.
Raschi
Es redeten Miriam und Aharon: sie begann zuerst zu reden, darum nennt sie der Vers zuerst. Und woher wusste Miriam, dass sich Mosche von seiner Frau abgesondert hatte? Rabbi Natan sagt, Miriam befand sich neben Zipora, als zu Mosche gesagt wurde, „Eldad und Medad sagen ihre Prophezeiungen im Lager“ (Bam. 11:27). Als Zipora das hörte, sagte sie, wehe den Frauen dieser Männer; wenn diese sich mit Prophetie befassen, werden sie sich von ihren Frauen absondern, wie sich mein Mann von mir abgesondert hat. Von da wusste es Miriam und erzählte es Aharon. Wenn nun Miriam, die nicht die Absicht hatte, ihn zu beleidigen, so gestraft wurde, umso mehr derjenige, der Beleidigendes über seinen Nächsten erzählt.
Raschi
der kuschitischen Frau: das lehrt, dass alle ihre Schönheit anerkannten, wie alle über die schwarze Farbe eines Mohren einig sind. Der Zahlenwert (Gematria) des Wortes כּוּשִׁית (Kuschit) ist derselbe wie יְפַת מַרְאֶה „von schönem Aussehen“.
Raschi
Der Zahlenwert des Wortes כּוּשִׁית ergibt 736:
כ = 20, ו = 6, ש = 300, י = 10, ת = 400.

20+6+300+10+400 = 736.

Der Zahlenwert von יְפַת מַרְאֶה ergibt ebenso 736:

י = 10, פ = 80, ת = 400; מ = 40, ר = 200, א = 1, ה = 5.

10+80+400+40+200+1+5 = 736.
wegen der Frau: wegen ihrer Wegschickung.
Raschi
eine Frau aus Kusch hatte er genommen
Was lehrt uns das? Eine Frau kann schön sein durch äußere Anmut und nicht schön in ihren Handlungen, oder in ihren Handlungen, aber nicht durch äußere Anmut. Sie aber war in allem schön.
Andere Erklärung: „Frau aus Kusch“, wegen ihrer Schönheit wurde sie „Kuschit“ genannt, wie jemand seinen schönen Sohn einen „Kuschi“ (Mohren) nennt, damit der böse Blick nicht über ihn herrsche.
Raschi
denn eine Frau aus Kusch hatte er genommen: und jetzt hatte er sie weggeschickt.
Raschi
וַיֹּאמְר֗וּ הֲרַ֤ק אַךְ־בְּמֹשֶׁה֙ דִּבֶּ֣ר יְהוָ֔ה הֲלֹ֖א גַּם־בָּ֣נוּ דִבֵּ֑ר וַיִּשְׁמַ֖ע יְהוָֽה׃
2
2
Und sie sagten: Hat etwa der Ewige nur mit Mosche allein geredet? Hat Er nicht auch mit uns geredet? Das hörte der Ewige.
Hat etwa der Ewige nur mit Mosche allein geredet? Hat Er nicht auch mit uns geredet?: und wir haben uns nicht von der Ehe abgesondert.
Raschi
וְהָאִ֥ישׁ מֹשֶׁ֖ה כתיב ענו עָנָ֣יו מְאֹ֑ד מִכֹּל֙ הָֽאָדָ֔ם אֲשֶׁ֖ר עַל־פְּנֵ֥י הָאֲדָמָֽה׃
3
3
Mosche aber war ein sehr demütiger Mann, mehr als irgendein Mensch auf dem Erdboden.
demütig: demütig und geduldig.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר יְהוָ֜ה פִּתְאֹ֗ם אֶל־מֹשֶׁ֤ה וְאֶֽל־אַהֲרֹן֙ וְאֶל־מִרְיָ֔ם צְא֥וּ שְׁלָשְׁתְּכֶ֖ם אֶל־אֹ֣הֶל מוֹעֵ֑ד וַיֵּצְא֖וּ שְׁלָשְׁתָּֽם׃
4
4
Da sagte der Ewige plötzlich zu Mosche und zu Aharon und Miriam: „Geht, ihr drei, zum Zelt der Zusammenkunft!“ Und sie gingen alle drei hinaus.
plötzlich: Er erschien ihnen plötzlich, während sie durch Eheverkehr unrein waren, sodass sie nach Wasser rufen mussten, um ihnen zu zeigen, dass Mosche gut getan hatte, dass er sich von seiner Frau getrennt hatte, nachdem ihm die Schechina immer erschien und es für die Anrede keine bestimme Zeit gab.
Raschi
Geht, ihr drei: das lehrt, dass alle drei durch ein einziges Wort gerufen wurden, was kein Mund eines Menschen aussprechen und kein Ohr vernehmen kann.
Raschi
Zelt der Zusammenkunft: אֹהֶל מוֹעֵד, das Mischkan.
וַיֵּ֤רֶד יְהוָה֙ בְּעַמּ֣וּד עָנָ֔ן וַֽיַּעֲמֹ֖ד פֶּ֣תַח הָאֹ֑הֶל וַיִּקְרָא֙ אַהֲרֹ֣ן וּמִרְיָ֔ם וַיֵּצְא֖וּ שְׁנֵיהֶֽם׃
5
5
Und der Ewige kam herab in einer Wolkensäule und stellte sich an den Eingang des Zeltes und rief: „Aharon und Miriam!“ Und beide gingen hinaus.
in einer Wolkensäule: der Ewige kam allein, nicht wie die Eigenschaft von Fleisch und Blut ist. Wenn ein irdischer König in den Krieg zieht, zieht er mit dem Heer aus, und wenn er zum Friedensschluss geht, kommt er mit wenigen Begleitern. Die Eigenschaft des Ewigen aber ist: in den Krieg zieht Er allein, so steht (Schem. 16:3) ה׳ אִישׁ מִלְחָמָה „der Ewige ist ein Mann des Krieges“. Und zum Frieden kommt Er mit Scharen, so heißt es (Teh. 68:18) רֶכֶב אֱלֹהִים רִבֹּתַיִם אַלְפֵי שִׁנְאָן „die Wagen G‑ttes sind Zehntausende, Tausende von Engeln“.
Raschi
und rief: „Aharon und Miriam!“: dass sie sich hinbegäben und aus dem Hof [des Mischkan] dem Wort entgegengingen.
Raschi
Und beide gingen hinaus
Warum zog Er sie weg und trennte sie von Mosche? Weil man nur einen Teil seines Lobes in der Gegenwart eines Menschen sagt und das ganze, wenn er nicht anwesend ist. So finden wir auch bei Noach: wo er nicht anwesend war, heißt es (Ber. 6:9) אִישׁ צַדִּיק תָּמִים „ein vollkommener Gerechter“, aber in seiner Gegenwart heißt es (Ber. 7:1) כִּי אֹתְךָ רָאִיתִי צַדִּיק לְפָנַי „denn dich habe Ich als einen Gerechten vor Mir gesehen“.
Andere Erklärung: damit er nicht die Zurechtweisung Aharons höre.
Raschi
וַיֹּ֖אמֶר שִׁמְעוּ־נָ֣א דְבָרָ֑י אִם־יִֽהְיֶה֙ נְבִ֣יאֲכֶ֔ם יְהוָ֗ה בַּמַּרְאָה֙ אֵלָ֣יו אֶתְוַדָּ֔ע בַּחֲל֖וֹם אֲדַבֶּר־בּֽוֹ׃
6
6
Und Er sagte: Hört bitte Meine Worte! Wenn unter euch ein Prophet des Ewigen sein wird, dann offenbare Ich Mich ihm in Erscheinungen, rede mit ihm in Träumen.
Hört bitte Meine Worte
Das Wort נָא bringt eine Bitte zum Ausdruck.
Raschi
Wenn unter euch ein Prophet sein wird: wenn ihr Propheten haben werdet.
Raschi
offenbare Ich Mich ihm in Erscheinungen
Die Gegenwart Meines Namens offenbart sich ihm nicht in deutlicher Offenbarung, sondern im Traum und in einer Vision.
Raschi
לֹא־כֵ֖ן עַבְדִּ֣י מֹשֶׁ֑ה בְּכָל־בֵּיתִ֖י נֶאֱמָ֥ן הֽוּא׃
7
7
Nicht so mein Diener Mosche, in Meinem ganzen Haus hat er sich treu bewährt.
in Meinem ganzen Haus
Das ganze Volk Israel sieht in ihm einen treuen Diener G‑ttes.
Bechor Schor
hat sich als treu bewährt
Er kannte den vollen g‑ttlichen Namen (שֵׁם הַמְפֹרָשׁ), mit dem Himmel und Erde erschaffen wurden.
Ha’amek Dawar
פֶּ֣ה אֶל־פֶּ֞ה אֲדַבֶּר־בּ֗וֹ וּמַרְאֶה֙ וְלֹ֣א בְחִידֹ֔ת וּתְמֻנַ֥ת יְהוָ֖ה יַבִּ֑יט וּמַדּ֙וּעַ֙ לֹ֣א יְרֵאתֶ֔ם לְדַבֵּ֖ר בְּעַבְדִּ֥י בְמֹשֶֽׁה׃
8
8
Von Mund zu Mund rede Ich zu ihm, in Klarheit und nicht in Rätseln, und die Offenbarung G‑ttes schaut er; wie habt ihr euch da nicht gefürchtet, gegen Meinen Diener, gegen Mosche zu reden?
Von Mund zu Mund: habe Ich ihm gesagt, dass er sich von seiner Frau absondere, und wo habe Ich es ihm gesagt? Am Berg Sinai (Dew. 5:27–28) לֵךְ אֱמֹר לָהֶם שׁוּבוּ לָכֶם לְאָהֳלֵיכֶם וְאַתָּה פֹּה עֲמֹד עִמָּדִי „geh, sprich zu ihnen, kehrt in eure Zelte zurück, du aber, stelle dich hierher zu Mir“.
Raschi
in Klarheit und nicht in Rätseln
Hier bedeutet מַרְאֵה Erklärung der Rede, Ich erkläre ihm Mein Wort mit der in ihm enthaltenen Erkenntnis und verschließe es ihm nicht durch Rätsel, wie zu Jecheskel gesagt wurde (Jech. 17:2) חוּד חִידָה „sprich im Rätsel aus“. Ich hätte meinen können, Schauen der Schechina; darum steht (Schem. 33:20) לֹא תוּכַל לִרְאֹת אֶת פָּנָי „du vermagst Mein Angesicht nicht zu schauen“.
Raschi
Und die Offenbarung des Ewigen schaut er: das ist die spätere Erkenntnis. Wie es heißt (Schem. 33:23) וְרָאִיתָ אֶת אֲחֹרָי „und du wirst erkennen, nachdem Ich vorübergegangen bin“.
Raschi
gegen Meinen Diener, gegen Mosche
Er sagte nicht בְּעַבְדִּי מֹשֶׁה „gegen Meinen Diener Mosche“. Sondern בְּעַבְדִּי בְמֹשֶׁה „gegen Meinen Diener, gegen Mosche“. Gegen Meinen Diener, wenn es auch nicht Mosche wäre. Gegen Mosche, auch wenn er nicht Mein Diener wäre, wäre es eure Pflicht gewesen, euch vor ihm zu fürchten. Und umso mehr, da er Mein Diener und der Diener eines Königs auch ein König ist, hättet ihr euch sagen müssen, der König liebt ihn nicht umsonst. Solltet ihr aber meinen, dass Ich seine Handlungen nicht kenne, so wäre das noch schlimmer als das erste.
Raschi
וַיִּֽחַר אַ֧ף יְהוָ֛ה בָּ֖ם וַיֵּלַֽךְ׃
9
9
Und der Zorn des Ewigen entbrannte über sie, und Er ging hinweg.
Und der Zorn des Ewigen entbrannte über sie, und Er ging hinweg
Nachdem Er ihnen ihr Vergehen mitgeteilt hatte, verhängte Er über sie den Bann. Umso mehr lerne daraus der Mensch, dass er seinem Nächsten nicht zürne, bevor er ihm sein Vergehen mitgeteilt hat.
Raschi
וְהֶעָנָ֗ן סָ֚ר מֵעַ֣ל הָאֹ֔הֶל וְהִנֵּ֥ה מִרְיָ֖ם מְצֹרַ֣עַת כַּשָּׁ֑לֶג וַיִּ֧פֶן אַהֲרֹ֛ן אֶל־מִרְיָ֖ם וְהִנֵּ֥ה מְצֹרָֽעַת׃
10
10
Und die Wolke verschwand vom Zelt und siehe, da war Miriam aussätzig, weiß wie Schnee; Aharon wandte sich zu Miriam, und siehe, sie war aussätzig.
Und die Wolke verschwand und dann siehe, da war Miriam aussätzig wie Schnee: Das gleicht einem König, der zum Erzieher sagt, bestrafe meinen Sohn; aber strafe ihn nicht, bis ich von dir weggegangen bin, weil ich Mitleid mit ihm habe.
Raschi
וַיֹּ֥אמֶר אַהֲרֹ֖ן אֶל־מֹשֶׁ֑ה בִּ֣י אֲדֹנִ֔י אַל־נָ֨א תָשֵׁ֤ת עָלֵ֙ינוּ֙ חַטָּ֔את אֲשֶׁ֥ר נוֹאַ֖לְנוּ וַאֲשֶׁ֥ר חָטָֽאנוּ׃
11
11
Da sagte Aharon zu Mosche: Bitte Herr, rechne es uns nicht zur Sünde an, dass wir dumm gehandelt und uns versündigt haben!
dumm gehandelt
נוֹאַלְנוּ kommt, wie der Targum sagt [דְּאִטְּפַשְׁנָא], vom Wort אֱוִיל „Dummkopf“.
Raschi
אַל־נָ֥א תְהִ֖י כַּמֵּ֑ת אֲשֶׁ֤ר בְּצֵאתוֹ֙ מֵרֶ֣חֶם אִמּ֔וֹ וַיֵּאָכֵ֖ל חֲצִ֥י בְשָׂרֽוֹ׃
12
12
Lass sie doch nicht wie ein Toter sein, dessen Körper, wenn er aus seinem Mutterschoß hervorgeht, die Hälfte seines Fleisches verzehrt ist!
Lass sie: diese unsere Schwester, doch nicht …
Raschi
wie ein Toter: denn der Aussätzige ist einem Toten gleich. Wie ein Toter, der ins Haus kommt, alles unrein macht, so macht auch ein Aussätziger, der ins Haus kommt, unrein.
Raschi
aus seinem Mutterschoß kommt
אֲשֶׁר בְּצֵאתוֹ מֵרֶחֶם אִמּוֹ „aus dem Schoß seiner Mutter kommt“; es müsste אִמֵּנוּ „unserer Mutter“ stehen, nur umschreibt es der Vers. Ebenso חֲצִי בְשָׂרוֹ „die Hälfte seines Fleisches verzeht“, müsste חֲצִי בְשָׂרֵנוּ „unseres Fleisches“ stehen, nur auch hier umschreibt es der Vers. Da auch sie aus dem Schoß unserer Mutter hervorgegangen ist, so wäre es für uns, als wenn die Hälfte unseres Fleisches verzehrt wäre. So heißt es auch (Ber. 27:27) כִּי אָחִינוּ בְשָׂרֵנוּ הוּא „denn er ist unser Bruder, unser Fleisch“.
Nach der einfachen Erklärung scheint es auch so zu sein, es passt sich nicht für einen Bruder, seine Schwester einem Toten gleich zu lassen.
Raschi
wenn er aus seinem Mutterschoß hervorgeht: da der eine hervorging aus demselben Mutterschoß wie der andere, der die Kraft hat zu helfen, würde er ihm nicht helfen, so wäre die Hälfte seines Fleisches verzehrt, da sein Bruder sein Fleisch ist.
Andere Erklärung: möge sie nicht einem Toten gleich sein, wenn du sie nicht durch das Gebet heilst, wer schließt sie ein, und wer erklärt sie für rein? Ich kann sie nicht nachsehen, da ich verwandt bin und ein Verwandter nicht Aussatzschäden nachsehen darf, und ein anderer Kohen ist nicht auf der Welt, das bedeutet „da sie aus demselben Mutterschoß hervorgegangen ist“.
Raschi
וַיִּצְעַ֣ק מֹשֶׁ֔ה אֶל־יְהוָ֖ה לֵאמֹ֑ר אֵ֕ל נָ֛א רְפָ֥א נָ֖א לָֽהּ׃
13
13
Da schrie Mosche zum Ewigen und sagte: G‑tt, oh heile sie doch!
G‑tt, oh heile sie doch!
Der Vers kommt, dich eine Lebensregel (דֶּרֶךְ אֶרֶץ) zu lehren, dass derjenige, der seinen Nächsten um eine Sache bittet, erst zwei oder drei Worte der Besänftigung sprechen und dann erst sein Anliegen vortragen soll.
Raschi
und sagte
לֵאמֹר „und sagte“: was will uns das lehren? Er sagte zu G‑tt, antworte mir, ob Du sie heilst oder nicht. Bis Er ihm erwiderte (nächster Vers), „wenn ihr Vater vor ihr ausgespuckt hätte“. Rabbi Elasar b. Asarja sagte, an vier Stellen bat Mosche vor dem Ewigen, Er möge ihm antworten, ob er seine Bitte erfülle oder nicht. Ähnlich im Vers (Schem. 6:12) וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה לִפְנֵי ה׳ לֵאמֹר וגו׳ „Mosche sprach vor dem Ewigen לֵאמֹר“, was will dort לֵאמֹר lehren, antworte mir, ob Du sie erlöst oder nicht, bis Er ihm erwiderte, עַתָּה תִרְאֶה וגו׳ „jetzt wirst du sehen“. Ähnlich (Bam. 27:15) וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה אֶל ה׳ לֵאמֹר יִפְקֹד ה׳ אֱלֹהֵי הָרוּחֹת לְכָל בָּשָׂר „Mosche sprach vor dem Ewigen לֵאמֹר, der Ewige, G‑tt der Seelen alles Fleisches“, und Er antworte ihm, קַח לְךָ „Nimm dir“. Ebenso (Dew. 3:23) וָאֶתְחַנַּן אֶל ה׳ בָּעֵת הַהִוא לֵאמֹר „ich betete zum Ewigen in jener Zeit לֵאמֹר“; und Er erwiderte ihm, רַב לָךְ „Genug für dich“.
Raschi
Heile sie doch
Warum verweilte Mosche nicht lange im Gebet? Damit nicht Israel sage, seine Schwester befindet sich in der Bedrängnis und er verweilt lange im Gebet. (Andere Erklärung: damit nicht Israel sage, für seine Schwester betet er lang, aber für uns betet er nicht lang.)
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר יְהוָ֜ה אֶל־מֹשֶׁ֗ה וְאָבִ֙יהָ֙ יָרֹ֤ק יָרַק֙ בְּפָנֶ֔יהָ הֲלֹ֥א תִכָּלֵ֖ם שִׁבְעַ֣ת יָמִ֑ים תִּסָּגֵ֞ר שִׁבְעַ֤ת יָמִים֙ מִח֣וּץ לַֽמַּחֲנֶ֔ה וְאַחַ֖ר תֵּאָסֵֽף׃
14
14
Da sagte der Ewige zu Mosche: Wenn ihr Vater vor ihr ausgespuckt hätte, würde sie sich nicht sieben Tage geschämt haben? So soll sie sieben Tage außerhalb des Lagers ausgeschlossen bleiben, und dann werde sie wieder aufgenommen.
Wenn ihr Vater vor ihr ausgespuckt hätte: wenn ihr Vater ihr ein zorniges Angesicht gezeigt hätte, müsste sie sich nicht sieben Tage schämen? Umsomehr wegen der Schechina vierzehn Tage; nur, es genügt für das, was man durch einen Schluss vom Leichten aufs Schwere erkennt, dass es gleich dem sei, von dem man geschlossen hat. Darum soll sie auch durch meinen Bann nur sieben Tage ausgeschlossen werden.
Raschi
dann werde sie wieder aufgenommen
וְאַחַר תֵּאָסֵף „dann werde sie wieder aufgenommen“: ich meine, überall, wo bei einem Aussätzigen von Aufnahme die Rede ist, ist es deshalb, weil er zum Lager hinausgeschickt und, wenn er geheilt ist, wieder ins Lager aufgenommen wird. Darum steht bei ihm der Ausdruck אֲסִיפָה „Aufnahme“, das heißt hineinlassen.
Raschi
וַתִּסָּגֵ֥ר מִרְיָ֛ם מִח֥וּץ לַֽמַּחֲנֶ֖ה שִׁבְעַ֣ת יָמִ֑ים וְהָעָם֙ לֹ֣א נָסַ֔ע עַד־הֵאָסֵ֖ף מִרְיָֽם׃
15
15
Miriam blieb sieben Tage außerhalb des Lagers eingeschlossen; das Volk zog nicht weiter, bis Miriam wieder aufgenommen wurde.
das Volk zog nicht weiter
Diese Ehre erwies ihr der Ewige für die eine Stunde, die sie auf Mosche gewartet hatte, als er in den Fluss geworfen wurde; wie es heißt (Schem. 2:4) וַתֵּתַצַּב אֲחֹתוֹ מֵרָחֹק „seine Schwester stellte sich von ferne hin“ (Sota 9b).
Raschi
וְאַחַ֛ר נָסְע֥וּ הָעָ֖ם מֵחֲצֵר֑וֹת וַֽיַּחֲנ֖וּ בְּמִדְבַּ֥ר פָּארָֽן׃
16
16
Nachher erst zog das Volk von Chazerot fort und lagerte in der Wüste Paran.