וַיְדַבֵּ֤ר מֹשֶׁה֙ אֶל־רָאשֵׁ֣י הַמַּטּ֔וֹת לִבְנֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל לֵאמֹ֑ר זֶ֣ה הַדָּבָ֔ר אֲשֶׁ֖ר צִוָּ֥ה יְהוָֽה׃
2
2
Zuerst sprach Mosche zu den Häuptern der Stämme der Kinder Israel, wie folgt: Das ist das Wort, das der Ewige befohlen hat:
zu den Häuptern der Stämme
Mosche erwies den Oberhäuptern (נְּשִׂיאִים) Ehre, indem er sie zuerst belehrte und dann alle Kinder Israel. Woher weiß ich, dass er auch bei den anderen Anreden so tat? Darum heißt es (Schem. 34:31–32) וַיָּשֻׁבוּ אֵלָיו אַהֲרֹן וְכָל הַנְּשִׂאִים בָּעֵדָה וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה אֲלֵהֶם „und Aharon und alle Oberhäupter in der Gemeinde kehrten zu ihm zurück, und Mosche redete zu ihnen“, וְאַחֲרֵי כֵן נִגְּשׁוּ כָּל בְּנֵי יִשְׂרָאֵל „und danach traten alle Kinder Israel hin“.
Und aus welchem Grund sagt der Vers das gerade hier? Es lehrt, dass die Aufhebung von Gelübden (הֲפָרַת נְדָרִים) durch einen anerkannten Richter geschehen kann. Und wenn kein anerkannter Richter da ist, hebt man die Gelübde durch drei Laien auf (Nedarim 78).
Oder man könnte sagen, Mosche habe diesen Abschnitt nur den Oberhäuptern (נְּשִׂיאִים) allein mitgeteilt. Darum steht זֶה הַדָּבָר „das ist das Wort“, und ebenso steht bei den Opferungen, die außerhalb des Mikdasch geschlachtet wurden (Waj. 17:2) זֶה הַדָּבָר „das ist das Wort“: wie es dort Aharon und seinen Söhnen und allen Kindern Israel mitgeteilt wurde, wie dort steht „Sprich zu Aharon …“, so ist auch das allen gesagt worden (Nedarim 78a).
Raschi
Das ist das Wort
Mosche sagte Prophezeiungen mit der Einleitung (Schem. 11:4) כֹּה אָמַר ה׳ כַּחֲצֹת הַלַּיְלָה „So hat der Ewige gesprochen, um die Mitternacht“, und auch die anderen Propheten sagten ihre Prophezeiungen mit der Einleitung כֹּה אָמַר ה׳. Hier aber sieht man den Vorrang von Mosche, dass er seine Prophezeiungen auch mit der Einleitung זֶה הַדָּבָר „das ist das Wort“ sagt.
Andere Erklärung: זֶה הַדָּבָר „das ist das Wort“ ist eine Einschränkung, um zu sagen: Der Gelehrte verwendet den Ausdruck הַתָּרָה „Aufhebung“; der Mann seiner Frau gegenüber den Ausdruck הֲפָרָה „Auflösung“, wie die Ausdrücke hier in diesem Abschnitt stehen. Hat man aber diese Ausdrücke vertauscht – wenn der Gelehrte sagt מוּפָר („aufgelöst“) und der Ehemann מֻתָּר („aufgehoben“), dann ist das Gelübde weder aufgehoben noch aufgelöst.
Raschi
אִישׁ֩ כִּֽי־יִדֹּ֨ר נֶ֜דֶר לַֽיהוָ֗ה אֽוֹ־הִשָּׁ֤בַע שְׁבֻעָה֙ לֶאְסֹ֤ר אִסָּר֙ עַל־נַפְשׁ֔וֹ לֹ֥א יַחֵ֖ל דְּבָר֑וֹ כְּכָל־הַיֹּצֵ֥א מִפִּ֖יו יַעֲשֶֽׂה׃
3
3
Wenn jemand dem Ewigen ein Gelübde (Neder) ablegt oder einen Schwur schwört, um sich selbst eine Verpflichtung aufzuerlegen, dann soll er sein Wort nicht entweihen; ganz so, wie es aus seinem Mund gekommen ist, soll er tun.
ein Gelübde: Indem der Mensch sagt הֲרֵי עָלַי קוֹנָם „mir ist wie ein Opfer verboten …“, ich will die und die Sache nicht essen oder nicht tun. Ich hätte meinen können, sogar wenn er schwört, נְבֵלוֹת (unkoscheres Fleisch eines gefallenen Tieres) zu essen, würde ich auf ihn anwenden כְּכָל הַיּוֹצֵא מִפִּיו יַעֲשֶׂה „ganz so, wie es aus seinem Mund gekommen ist“? Darum heißt es לֶאְסֹר אִסָּר, wörtl. „sich ein Verbot aufzuerlegen“: sich etwas Erlaubtes zu verbieten, aber nicht etwas Verbotenes zu erlauben.
Raschi
nicht entweihen: sein Wort nicht brechen.
Redaktion
nicht entweihen
לֹא יַחֵל דְּבָרוֹ ist so wie לֹא יְחַלֵּל דְּבָרוֹ, er mache sein Wort nicht unheilig.
Raschi
וְאִשָּׁ֕ה כִּֽי־תִדֹּ֥ר נֶ֖דֶר לַיהוָ֑ה וְאָסְרָ֥ה אִסָּ֛ר בְּבֵ֥ית אָבִ֖יהָ בִּנְעֻרֶֽיהָ׃
4
4
Wenn aber eine Frau dem Ewigen ein Gelübde ablegt oder sich eine Verpflichtung auferlegt im Haus ihres Vaters in ihren Mädchenjahren,
im Haus ihres Vaters: unter der Macht ihres Vaters, auch wenn sie nicht in seinem Haus ist.
Raschi
in ihren Mädchenjahren
בִּנְעֻרֶיהָ, wörtl. wenn sie eine Ne’ara ist; nicht als Kind und nicht als Erwachsene. Denn das Gelübde eines Kindes ist kein Gelübde; und eine Erwachsene ist nicht mehr unter der Macht ihres Vaters, dass er ihre Gelübde aufhebe. Wie lange heißt sie ein Kind? Unsere Weisen sagen, mit 11 Jahren und einem Tag werden ihre Gelübde geprüft; wenn sie weiß, in wessen Namen sie das Gelübde getan hat, in wessen Namen sie für heilig erklärt hat, gilt ihr Gelübde. Wenn sie 12 Jahre und einen Tag alt ist, braucht sie nicht geprüft zu werden (Nidda 45b).
Raschi
וְשָׁמַ֨ע אָבִ֜יהָ אֶת־נִדְרָ֗הּ וֶֽאֱסָרָהּ֙ אֲשֶׁ֣ר אָֽסְרָ֣ה עַל־נַפְשָׁ֔הּ וְהֶחֱרִ֥ישׁ לָ֖הּ אָבִ֑יהָ וְקָ֙מוּ֙ כָּל־נְדָרֶ֔יהָ וְכָל־אִסָּ֛ר אֲשֶׁר־אָסְרָ֥ה עַל־נַפְשָׁ֖הּ יָקֽוּם׃
5
5
und ihr Vater hört ihr Gelübde oder ihre Verpflichtung, die sie sich selbst auferlegt hat, und ihr Vater schweigt dazu: Dann sind alle ihre Gelübde gültig, und jede Verpflichtung, die sie sich selbst auferlegt hat, bleibt bestehen.
וְאִם־הֵנִ֨יא אָבִ֣יהָ אֹתָהּ֮ בְּי֣וֹם שָׁמְעוֹ֒ כָּל־נְדָרֶ֗יהָ וֶֽאֱסָרֶ֛יהָ אֲשֶׁר־אָסְרָ֥ה עַל־נַפְשָׁ֖הּ לֹ֣א יָק֑וּם וַֽיהוָה֙ יִֽסְלַח־לָ֔הּ כִּי־הֵנִ֥יא אָבִ֖יהָ אֹתָֽהּ׃
6
6
Wenn aber ihr Vater Einspruch erhoben hat an dem Tag, als er es gehört hat: alle ihre Gelübde und Verpflichtungen, die sie sich selbst auferlegt hat, bleiben nicht bestehen, und der Ewige wird ihr verzeihen, denn ihr Vater hat Einspruch dagegen erhoben.
Wenn aber ihr Vater … Einspruch dagegen erhoben hat
וְאִם הֵנִיא אָבִיהָ אֹתָהּ „wenn ihr Vater Einspruch dagegen erhoben hat“, wenn ihr Vater sie vom Gelübde zurückhält, das heißt, es ihr auflöst. Zunächst weiß ich nicht, was unter diesem Begriff הֲנָאָה „Verwehrung“ zu verstehen ist. Der Vers sagt aber (weiter, Vers 9) וְאִם בְּיוֹם שְׁמֹעַ אִישָהּ יָנִיא אוֹתָהּ וְהֵפֵר „hat ihr Mann an dem Tag, als er es hört, Einspruch eingelegt, dann hat er ihr Gelübde aufgelöst“; daraus kannst du entnehmen, הֲנָאָה זוֹ הֲפָרָה, „verwehren“ heißt auflösen.
Nach dem einfachen Sinn bedeutet es „zurückhalten“ und „entfernen“; ebenso (Bam. 32:7) וְלָמָּה תְנִיאוּן „warum wollt ihr abwenden“; ebenso (Teh. 141:5) שֶׁמֶן רֹאשׁ אַל יָנִי רֹאשִׁי „das Salböl nimmt er nicht fort von meinem Kopf“; ebenso (zuvor, Bam. 14:34) וִידַעְתֶּם אֶת תְּנוּאָתִי „dass ihr erkennt, dass ihr euch von Mir abgewandt habt“, dass ihr von Mir abgewichen seid.
Raschi
und der Ewige wird ihr verzeihen
Wovon spricht der Vers? Wenn eine Frau ein Nasir-Gelübde gemacht hat und ihr Mann hat es gehört und es ihr verwehrt; sie aber wusste es nicht und übertrat ihr Gelübde, trank Wein und verunreinigte sich an einer Leiche. Eine solche Person braucht die Verzeihung G‑ttes, obwohl ihr Gelübde aufgelöst war. Wenn für aufgelöste Gelübde Verzeihung nötig ist, umso mehr für nicht-aufgelöste Gelübde.
Raschi
וְאִם־הָי֤וֹ תִֽהְיֶה֙ לְאִ֔ישׁ וּנְדָרֶ֖יהָ עָלֶ֑יהָ א֚וֹ מִבְטָ֣א שְׂפָתֶ֔יהָ אֲשֶׁ֥ר אָסְרָ֖ה עַל־נַפְשָֽׁהּ׃
7
7
Wenn eine Frau einem Mann angehört und hat ihre Gelübde auf sich oder einen Ausspruch ihrer Lippen, wodurch sie sich selbst an eine Verpflichtung gebunden hat,
Wenn eine Frau einem Mann angehört
Das ist eine Verlobte (אֲרוּסָה), oder vielleicht nicht, sondern eine bereits Verheiratete (נְשׂוּאָה)? Wenn der Vers sagt (weiter, Vers 11) וְאִם בֵּית אִישָׁהּ נָדָרָה „wenn sie im Haus ihres Mannes ein Gelübde abgelegt hat“, so ist damit die bereits Verheiratete ausgesprochen. Hier aber spricht der Vers von der Verlobten und kommt, bei ihr den Unterschied zu machen, dass ihr Vater und ihr Mann zusammen ihre Gelübde auflösen. Hätte nur der Vater aufgelöst und nicht der Mann, oder hätte der Mann aufgelöst und nicht der Vater, so wäre das Gelübde nicht aufgelöst. Und es braucht nicht gesagt zu werden, wenn es einer von ihnen bestätigt hat (Nedarim 67a).
Raschi
eine Verlobte, eine bereits Verheiratete: Die erste Stufe der Ehe, Erussin oder Kidduschin, bezeichnet die Verlobung einer Frau, die gewöhnlich durch das Überreichen eines Ringes an die Braut vollzogen wird. Damit ist sie eine „Verlobte“ (Arussa, אֲרוּסָה); sie gilt insofern als verheiratet, als sie anderen Männern verboten ist, verbleibt jedoch im Haus ihres Vaters und wohnt noch nicht mit ihrem Ehemann zusammen.
Die zweite Stufe der Ehe ist Nissuin, wodurch sie zur „Verheirateten“ (Nessua, נְשׂוּאָה) wird, in das Haus ihres Ehemannes zieht und in jeder Hinsicht als verheiratet gilt. (Nach heutigem Brauch wird Nissuin unmittelbar nach Erussin vollzogen, indem die Braut mit dem Bräutigam unter der Chuppah steht, nachdem er ihr den Ring übergeben hat.)
Erklärung zu Raschi
und hat ihre Gelübde auf sich
וּנְדָרֶיהָ עָלֶיהָ „ihre Gelübde ruhen auf ihr“, dass sie nämlich im Haus ihres Vaters Gelübde ausgesprochen hat, von denen ihr Vater nicht gehört hat und die weder aufgelöst noch bestätigt worden sind.
Raschi
וְשָׁמַ֥ע אִישָׁ֛הּ בְּי֥וֹם שָׁמְע֖וֹ וְהֶחֱרִ֣ישׁ לָ֑הּ וְקָ֣מוּ נְדָרֶ֗יהָ וֶֽאֱסָרֶ֛הָ אֲשֶׁר־אָסְרָ֥ה עַל־נַפְשָׁ֖הּ יָקֻֽמוּ׃
8
8
und ihr Mann hört davon eines Tages und schweigt dazu, dann bleiben ihre Gelübde bestehen und ihre Verpflichtungen, die sie sich selbst auferlegt hat, bleiben bleiben bestehen.
und ihr Mann hört davon
Daraus kannst du entnehmen, dass wenn der Ehemann bestätigt hat, das Gelübde Bestand hat.
Raschi
וְ֠אִם בְּי֨וֹם שְׁמֹ֣עַ אִישָׁהּ֮ יָנִ֣יא אוֹתָהּ֒ וְהֵפֵ֗ר אֶת־נִדְרָהּ֙ אֲשֶׁ֣ר עָלֶ֔יהָ וְאֵת֙ מִבְטָ֣א שְׂפָתֶ֔יהָ אֲשֶׁ֥ר אָסְרָ֖ה עַל־נַפְשָׁ֑הּ וַיהוָ֖ה יִֽסְלַֽח־לָֽהּ׃
9
9
Hat aber ihr Mann an dem Tag, als er es hört, Einspruch eingelegt, dann hat er ihr Gelübde aufgelöst, das sie auf sich genommen hatte, und den Ausspruch ihrer Lippen gelöst, durch den sie sich selbst eine Verpflichtung auferlegt hatte, und der Ewige wird ihr verzeihen.
dann hat er ihr Gelübde aufgelöst
Ich hätte meinen können, auch wenn es der Vater nicht aufgelöst hat. Darum heißt es (Vers 17) בִּנְעֻרֶיהָ בֵּית אָבִיהָ „solange sie Ne’ara ist im Haus ihres Vaters“, das heißt solange sie Ne’ara ist, steht sie unter der Macht ihres Vaters.
Raschi
וְנֵ֥דֶר אַלְמָנָ֖ה וּגְרוּשָׁ֑ה כֹּ֛ל אֲשֶׁר־אָסְרָ֥ה עַל־נַפְשָׁ֖הּ יָק֥וּם עָלֶֽיהָ׃
10
10
Und das Gelübde einer Witwe oder einer geschiedenen Frau, jedes Gelübde, das sie sich selbst auferlegt hat, bleibt für sie bestehen.
jedes Gelübde, das sie sich selbst auferlegt hat, bleibt für sie bestehen: weil sie weder unter der Macht des Vaters noch unter der Macht des Mannes steht. Der Vers spricht von einer Witwe, die verheiratet war (אַלְמָנָה מִן הַנִּשּׂוּאִין). Aber eine Witwe, die nur verlobt war (אַלְמָנָה מִן הָאֵרוּסִין), wird durch den Tod des Mannes frei und kehrt unter die Macht des Vaters zurück (Nedarim 70a).
Raschi
Die Verlobung (אֵרוּסִין) bestand in der Übergabe einer Wertsache vonseiten des Mannes an die Frau, worauf die Segenssprüche (בְּרָכוֹת) gesprochen wurden.
Die eigentliche Eheschließung (נִשּׂוּאִין), nämlich die Heimführung in das Haus des Mannes und Vollzug der Ehe, fand einige Zeit später statt, bei einer Jungfrau gewöhnlich nach 12 Monaten.
Erklärung zu Raschi
וְאִם־בֵּ֥ית אִישָׁ֖הּ נָדָ֑רָה אֽוֹ־אָסְרָ֥ה אִסָּ֛ר עַל־נַפְשָׁ֖הּ בִּשְׁבֻעָֽה׃
11
11
Wenn sie im Haus ihres Mannes ein Gelübde abgelegt hat oder eine Verpflichtung auf sich selbst genommen hat durch einen Schwur,
Wenn sie im Haus ihres Mannes ein Gelübde abgelegt hat
Der Vers spricht von einer voll Verheirateten (נְשׂוּאָה).
Raschi
וְשָׁמַ֤ע אִישָׁהּ֙ וְהֶחֱרִ֣שׁ לָ֔הּ לֹ֥א הֵנִ֖יא אֹתָ֑הּ וְקָ֙מוּ֙ כָּל־נְדָרֶ֔יהָ וְכָל־אִסָּ֛ר אֲשֶׁר־אָסְרָ֥ה עַל־נַפְשָׁ֖הּ יָקֽוּם׃
12
12
und ihr Mann hörte es und schwieg dazu, er erhebt keinen Einspruch dagegen, dann sind alle ihre Gelübde gültig, und jede Verpflichtung, die sie sich selbst auferlegt hat, bleibt gültig.
וְאִם־הָפֵר֩ יָפֵ֨ר אֹתָ֥ם׀ אִישָׁהּ֮ בְּי֣וֹם שָׁמְעוֹ֒ כָּל־מוֹצָ֨א שְׂפָתֶ֧יהָ לִנְדָרֶ֛יהָ וּלְאִסַּ֥ר נַפְשָׁ֖הּ לֹ֣א יָק֑וּם אִישָׁ֣הּ הֲפֵרָ֔ם וַיהוָ֖ה יִֽסְלַֽח־לָֽהּ׃
13
13
Hat aber ihr Mann diese Gelübde oder Schwüre an dem Tag, als er sie gehört hat, gelöst, dann ist alles, was über ihre Lippen gekommen ist, ihre Gelübde, oder was sie sich selbst auferlegt hat, ungültig; und der Ewige wird ihr verzeihen.
כָּל־נֵ֛דֶר וְכָל־שְׁבֻעַ֥ת אִסָּ֖ר לְעַנֹּ֣ת נָ֑פֶשׁ אִישָׁ֥הּ יְקִימֶ֖נּוּ וְאִישָׁ֥הּ יְפֵרֶֽנּוּ׃
14
14
Jedes Gelübde und jeden Schwur auf ein Verbot, durch den sie sich verpflichtet, sich selbst zu kasteien, kann ihr Mann aufrechterhalten und kann ihr Mann lösen.
kasteien: Entbehrungen auf sich nehmen, sich selbst quälen.
Redaktion
Jedes Gelübde und jeden Schwur auf ein Verbot
Weil die Torah gesagt hat, dass der Mann auflöst, hätte ich meinen können, alle Gelübde seien damit gemeint. Darum heißt es לְעַנֹּת נָפֶשׁ „sich selbst zu kasteien“. Er kann nur Gelübde der Kasteiung aufheben. Diese sind in der Gemara Nedarim (79a) dargelegt.
Raschi
וְאִם־הַחֲרֵשׁ֩ יַחֲרִ֨ישׁ לָ֥הּ אִישָׁהּ֮ מִיּ֣וֹם אֶל־יוֹם֒ וְהֵקִים֙ אֶת־כָּל־נְדָרֶ֔יהָ א֥וֹ אֶת־כָּל־אֱסָרֶ֖יהָ אֲשֶׁ֣ר עָלֶ֑יהָ הֵקִ֣ים אֹתָ֔ם כִּי־הֶחֱרִ֥שׁ לָ֖הּ בְּי֥וֹם שָׁמְעֽוֹ׃
15
15
Wenn ihr Mann dazu schweigt von einem Tag zum anderen, dann erklärt er damit alle ihre Gelübde oder Verpflichtungen, die sie auf sich genommen hat, für gültig; er erklärt sie für gültig, weil er an dem Tag, als er sie gehört hat, dazu geschwiegen hat.
von einem Tag zum anderen
מִיּוֹם אֶל יוֹם, wörtl. von Tag zu Tag. Damit du nicht sagest, 24 Stunden; darum steht „von Tag zu Tag“, um dich zu lehren, dass er nur auflösen darf, bis es Nacht geworden ist (Sifre, Nedarim 76b).
Raschi
וְאִם־הָפֵ֥ר יָפֵ֛ר אֹתָ֖ם אַחֲרֵ֣י שָׁמְע֑וֹ וְנָשָׂ֖א אֶת־עֲוֹנָֽהּ׃
16
16
Löst er sie aber, nachdem er von ihren Gelübden oder Verpflichtungen erfahren hat, so hat der Mann ihre Schuld zu tragen.
nachdem er sie erfahren hat
Nachdem er es gehört und bestätigt hat, indem er sagte: „Ich bin damit einverstanden“. Und dann hat er es doch wieder aufgelöst, selbst an demselben Tag, so hat er ihre Schuld zu tragen: er tritt an ihre Stelle. Von hier lernen wir, dass, wer seinen Nächsten zu einer Sünde bringt, in allen Strafen an seine Stelle tritt.
Raschi
אֵ֣לֶּה הַֽחֻקִּ֗ים אֲשֶׁ֨ר צִוָּ֤ה יְהוָה֙ אֶת־מֹשֶׁ֔ה בֵּ֥ין אִ֖ישׁ לְאִשְׁתּ֑וֹ בֵּֽין־אָ֣ב לְבִתּ֔וֹ בִּנְעֻרֶ֖יהָ בֵּ֥ית אָבִֽיהָ׃
17
17
Das sind die Gesetze, die der Ewige Mosche befohlen hat, wie sie gelten sollen zwischen Mann und Frau, und zwischen Vater und Tochter, so lange sie in ihren Mädchenjahren im Haus ihres Vaters lebt.
נְקֹ֗ם נִקְמַת֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל מֵאֵ֖ת הַמִּדְיָנִ֑ים אַחַ֖ר תֵּאָסֵ֥ף אֶל־עַמֶּֽיךָ׃
2
2
Nimm Rache für die Kinder Israel an den Midianim, danach sollst du zu deinem Volk aufgenommen werden.
an den Midianim
An den Midianim, und nicht an den Moawim, weil die Moawim aus Furcht zu der Sache gekommen waren. Sie hatten sich vor ihnen gefürchtet, sie könnten bei ihnen Beute wegführen, und da sagt die Torah (Dew. 2:9) אַל תִּתְגָּר בָּם מִלְחָמָה „reize sie nicht durch Krieg“. Aber die Midianim hatten an einem Streit teilgenommen, der sie nichts anging.
Andere Erklärung: Weil ich zwei gute Tauben von ihnen hervorgehen lassen will – Ruth aus Moaw, und Naama aus Amon (siehe 1 Kön. 14:21; Bawa Kama 38b).
Raschi
וַיְדַבֵּ֤ר מֹשֶׁה֙ אֶל־הָעָ֣ם לֵאמֹ֔ר הֵחָלְצ֧וּ מֵאִתְּכֶ֛ם אֲנָשִׁ֖ים לַצָּבָ֑א וְיִהְיוּ֙ עַל־מִדְיָ֔ן לָתֵ֥ת נִקְמַת־יְהוָ֖ה בְּמִדְיָֽן׃
3
3
Und Mosche sprach zum Volk, wie folgt: Rüstet Männer von euch zum Heer aus, sie sollen gegen Midian ziehen, um die Rache des Ewigen an Midian zu vollziehen.
Und Mosche sprach
Obwohl er gehört hatte, dass sein Tod davon abhängig war, tat er es doch mit Freude und verzögerte es nicht.
Raschi
Rüstet aus
הֵחָלְצוּ, wie der Targum sagt זָרִיזוּ „Gürtet euch“; es bedeutet (Vers 5) חֲלוּצֵי צָבָא „zum Heer Ausgerüstete“, „Bewaffnete“.
Raschi
Männer
אֲנָשִׁים – צַדִּיקִים, mit „Männer“ sind hier Zaddikim gemeint; ebenso (Schem. 17:9) בְּחַר לָנוּ אֲנָשִׁים „wähle uns Männer aus“; ebenso (Dew. 1:13) אֲנָשִׁים חֲכָמִים וּנְבֹנִים „weise und bekannte Männer“.
Raschi
die Rache des Ewigen
Wer gegen Israel aufsteht, ist, als erhebe er sich gegen den Ewigen.
Raschi
וַיִּמָּֽסְרוּ֙ מֵאַלְפֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל אֶ֖לֶף לַמַּטֶּ֑ה שְׁנֵים־עָשָׂ֥ר אֶ֖לֶף חֲלוּצֵ֥י צָבָֽא׃
5
5
Es wurden von den Tausenden Israels aus jedem Stamm tausend Mann gestellt, zusammen 12.000 Kriegsgerüstete.
Es wurden gestellt
וַיִּמָּסְרוּ „Es wurden gestellt“, das zeigt dir das Lob der Hirten Israels, wie lieb sie dem Volk Israel sind. Solange sie nichts von seinem Tod gehört hatten, was sagt da der Vers? עוֹד מְעַט וּסְקָלֻנִי „nur wenig fehlt, und sie steinigen mich“ (Schem. 17:4). Als sie aber gehört hatten, dass der Tod Mosches von der Rache an Midian abhängig sei, wollten sie nicht gehen, bis sie gegen ihren Willen übergeben wurden.
Raschi
וַיִּשְׁלַ֨ח אֹתָ֥ם מֹשֶׁ֛ה אֶ֥לֶף לַמַּטֶּ֖ה לַצָּבָ֑א אֹ֠תָם וְאֶת־פִּ֨ינְחָ֜ס בֶּן־אֶלְעָזָ֤ר הַכֹּהֵן֙ לַצָּבָ֔א וּכְלֵ֥י הַקֹּ֛דֶשׁ וַחֲצֹצְר֥וֹת הַתְּרוּעָ֖ה בְּיָדֽוֹ׃
6
6
Und Mosche schickte sie, tausend Mann aus jedem Stamm, zum Heereszug aus, sie und mit ihnen Pinchas, Sohn von Elasar dem Kohen, und Geräte des Heiligtums und die Trompeten zum Lärmblasen in seiner Hand.
sie und Pinchas
Das lehrt, dass Pinchas alle aufwog. Und warum ging Pinchas und nicht Elasar? Weil der Ewige sprach: Wer die Mizwa begonnen hat, der Kosbi bat Zur getötet hat, vollende sie auch.
Andere Erklärung: Pinchas ging, um für Josef, den Stammvater seiner Mutter, Vergeltung zu üben. Bei Josef heißt es (Ber. 37:36) וְהַמְּדָנִים מָכְרוּ אֹתוֹ „die Midianim verkauften ihn“. Und woher weißt du, dass Pinchas‘ Mutter von Josef stammte? Weil es heißt (Schem. 6:25) מִבְּנוֹת פּוּטִיאֵל „von den Töchtern Putiels“, von den Nachkommen Jitros, der Kälber für den Götzendienst mästete, und von den Nachkommen Josefs, der seinen bösen Trieb bezwang (שֶׁפִּטְפֵּט בְּיִצְרוֹ).
Andere Erklärung: er war der für den Krieg gesalbte Kohen (כֹּהֵן מְשׁוּחַ מִלְחָמָה, Sota 43a).
Raschi
Geräte des Heiligtums
Das ist die heilige Truhe (אֲרוֹן הַבְּרִית) und das Stirnblatt (צִּיץ). Denn Bilam war bei ihnen und bewirkte durch Magie, dass die Könige von Midian in der Luft schwebten, und auch er selbst schwebte mit ihnen. Da zeigte er ihnen das Stirnblatt, auf dem der g‑ttliche Name eingraviert war, und sie stürzten ab. Darum heißt es (Vers 8) עַל חַלְלֵיהֶם „über ihren Erschlagenen“, bei den Königen von Midian, sie fielen aus der Luft herab auf die Erschlagenen. Und ebenso steht bei Bilam עַל חַלְלֵיהֶם „über ihren Erschlagenen“ (Jesch. 13:22).
Raschi
in seiner Hand
בְּיָדוֹ – בִּרְשׁוּתוֹ „in seiner Hand“ im Sinn von, in seinem Besitz. Ebenso (Bam. 21:26) וַיִּקַּח אֶת כָּל אַרְצוֹ מִיָּדוֹ „und nahm sein ganzes Land aus seiner Hand“.
Raschi
וְאֶת־מַלְכֵ֨י מִדְיָ֜ן הָרְג֣וּ עַל־חַלְלֵיהֶ֗ם אֶת־אֱוִ֤י וְאֶת־רֶ֙קֶם֙ וְאֶת־צ֤וּר וְאֶת־חוּר֙ וְאֶת־רֶ֔בַע חֲמֵ֖שֶׁת מַלְכֵ֣י מִדְיָ֑ן וְאֵת֙ בִּלְעָ֣ם בֶּן־בְּע֔וֹר הָרְג֖וּ בֶּחָֽרֶב׃
8
8
Und die Könige von Midian erschlugen sie unter ihren Erschlagenen: Ewi, Rekem, Zur, Chur und Rewa, die fünf Könige von Midian; und auch Bilam, Sohn von Beor, erschlugen sie mit dem Schwert.
die fünf Könige von Midian
Sehe ich denn nicht, dass der Vers fünf aufzählt, warum hatte er nötig, „fünf“ zu sagen? Um dich zu lehren, dass alle jenem Plan zugestimmt hatten und darum alle dieselbe Strafe erhielten. Bilam war hingegangen, sich den Lohn für die 24.000 Toten zu holen, die er durch seinen Plan von Israel getötet hatte, und zog von Midian Israel entgegen und suchte durch böse Worte auf sie einzuwirken, indem er zu ihnen sagte: Als ihr 600.000 wart, habt ihr sie nicht besiegen können, und jetzt kommt ihr mit 12.000, um Krieg zu führen? Darum gaben sie ihm seinen vollen Lohn und verkürzten ihn nicht.
Raschi
mit dem Schwert
Er kam gegen Israel und vertauschte seine Art mit der ihren. Denn Israel findet Hilfe durch den Mund: durch Gebet und Flehen; und er kam und ergriff ihre Art, sie mit seinem Mund zu verfluchen. Darum kamen auch sie gegen ihn und vertauschten ihre Art mit der Art der Völker, die mit dem Schwert kommen, wie es heißt (Ber. 27:40) וְעַל חַרְבְּךָ תִחְיֶה „von deinem Schwert wirst du leben“.
Raschi
וְאֵ֤ת כָּל־עָרֵיהֶם֙ בְּמ֣וֹשְׁבֹתָ֔ם וְאֵ֖ת כָּל־טִֽירֹתָ֑ם שָׂרְפ֖וּ בָּאֵֽשׁ׃
10
10
Und alle ihre Städte in ihren Wohnsitzen und alle ihre Burgen verbrannten sie im Feuer.
ihre Burgen
טִירֹתָם „ihre Burgen“. Es ist eine Bezeichnung für den Sitz ihrer Götzenpriester, die ihrer Gesetze kundig waren.
Andere Erklärung: eine Bezeichnung für den Sitz ihrer Fürsten. So wie (1 Schmu. 6:4) סַרְנֵי פְלִשְׁתִּים „Fürsten der Pelischtim“ vom Targum übersetzt wird mit טוּרָנֵי פְלִשְׁתָּאֵי.
Raschi
וַיִּקְחוּ֙ אֶת־כָּל־הַשָּׁלָ֔ל וְאֵ֖ת כָּל־הַמַּלְק֑וֹחַ בָּאָדָ֖ם וּבַבְּהֵמָֽה׃
11
11
Und sie nahmen all die Beute und all das Weggeführte an Menschen und an Vieh.
und sie nahmen all die Beute
וַיִּקְחוּ אֶת כָּל הַשָּׁלָל „und sie nahmen all die Beute“, das lehrt, dass sie fromm und gerecht waren und nicht des Diebstahls verdächtig, ohne Erlaubnis die Hand nach der Beute auszustrecken. So heißt es „all die Beute“. Und von ihnen wird gesagt (Schir 6:6) שִׁנַּיִךְ כְּעֵדֶר הָרְחֵלִים „deine Zähne gleichen einer Lämmerherde“: auch die Kriegsleute in deiner Mitte sind alle Gerechte.
Raschi
Beute
שָׁלָל „Beute“, das sind bewegliche Gegenstände (מִטַּלְטְלִין), Kleider und Schmuck.
בַּז „Ergriffenes“ sind ergriffene Gegenstände, die nicht zum Schmuck dienen.
Raschi
das Weggeführte
מַלְקוֹחַ sind Menschen und Vieh. Und wo שְׁבִי „Gefangene“ neben מַלְקוֹחַ steht, sind שְׁבִי die Menschen und מַלְקוֹחַ das Vieh.
Raschi
וַיָּבִ֡אוּ אֶל־מֹשֶׁה֩ וְאֶל־אֶלְעָזָ֨ר הַכֹּהֵ֜ן וְאֶל־עֲדַ֣ת בְּנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֗ל אֶת־הַשְּׁבִ֧י וְאֶת־הַמַּלְק֛וֹחַ וְאֶת־הַשָּׁלָ֖ל אֶל־הַֽמַּחֲנֶ֑ה אֶל־עַֽרְבֹ֣ת מוֹאָ֔ב אֲשֶׁ֖ר עַל־יַרְדֵּ֥ן יְרֵחֽוֹ׃
12
12
Und brachten zu Mosche und zu Elasar dem Kohen und zu der Gemeinde der Kinder Israel die Gefangenen und das Weggeführte und die Beute in das Lager in den Ebenen von Moaw, die am Jarden, bei Jericho, sind.