וְכִֽי־יִהְיֶ֣ה בְאִ֗ישׁ חֵ֛טְא מִשְׁפַּט־מָ֖וֶת וְהוּמָ֑ת וְתָלִ֥יתָ אֹת֖וֹ עַל־עֵֽץ׃
22
22
Und wenn an jemandem eine Sünde ist, worauf die Todesstrafe steht, und er wird getötet, und du hängst ihn an einem Holz auf.
wenn an jemandem eine Sünde ist, die Todesstrafe
Die Verbindung mit dem vorigen Abschnitt über בֵן סוֹרֵר וּמוֹרֶה, den Sohn, der vom Weg abgekommen und widerspenstig ist, lehrt: Wenn sein Vater und seine Mutter ihn verschonen, wird er vollkommen vom Weg abkommen und Sünden begehen, für die er vom Gericht (בֵּית דִּין) zum Tod verurteilt wird.
Raschi
du hängst ihn an einem Holz auf
Unsere Lehrer sagen (Sanh. 45b), alle, die gesteinigt werden, werden dann aufgehängt. So heißt es (nächster Vers) כִּי קִלְלַת אֱלֹהִים תָּלוּי, „denn eine Verfluchung G‑ttes ist ein Gehängter“; und wer den Ewigen lästert, wird gesteinigt.
Raschi
Die Worte וְהוּמָת וְתָלִיתָ „er wird getötet und aufgehängt“ bedeuten nicht, dass jeder zum Tod Verurteilte zu hängen ist. Sondern jeder, der durch Steinigung stirbt, וְתָלִיתָ „wird gehängt“. So heißt es im nächsten Vers כִּי קִלְלַת אֱלֹהִים תָּלוּי „denn eine Verfluchung G‑ttes ist ein Gehängter“: Wer den Ewigen lästert, wird gesteinigt und daraufhin gehängt; so folgt auf jede Hinrichtung durch Steinigung das anschließende Aufhängen.
Gur Arye
לֹא־תָלִ֨ין נִבְלָת֜וֹ עַל־הָעֵ֗ץ כִּֽי־קָב֤וֹר תִּקְבְּרֶ֙נּוּ֙ בַּיּ֣וֹם הַה֔וּא כִּֽי־קִלְלַ֥ת אֱלֹהִ֖ים תָּל֑וּי וְלֹ֤א תְטַמֵּא֙ אֶת־אַדְמָ֣תְךָ֔ אֲשֶׁר֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ נֹתֵ֥ן לְךָ֖ נַחֲלָֽה׃
23
23
Es darf nicht sein Leichnam an dem Holz über Nacht hängen bleiben, sondern begraben sollst du ihn an demselben Tag, denn eine Verfluchung G‑ttes ist ein Gehängter; und du sollst nicht deinen Boden verunreinigen, den der Ewige, dein G‑tt, dir gibt zum Erbbesitz.
denn eine Verfluchung G‑ttes ist ein Gehängter
Es ist eine Geringschätzung des Königs, denn der Mensch ist in Seinem Ebenbild erschaffen, und Israel sind Seine Kinder. Das gleicht zwei Zwillingsbrüdern, die einander ähnlich sehen. Der eine wird König und der andere ein Räuber. Der Räuber wird gefasst und aufgehängt. Wer ihn sieht, sagt: Der König ist aufgehängt (Sanh. 46b).
קְלָלָה bedeutet überall in der Torah „geringschätzen“, „verächtlich machen“, wie (1 Kön. 2:8) וְהוּא קִלְלַנִי קְלָלָה נִמְרֶצֶת „er verfluchte mich mit scharfem Fluch“.
Raschi
„er verfluchte mich mit scharfem Fluch“: König David sagte das zu seinem Sohn Schlomo über Schimi ben Gera, ein Mitglied des Hauses Schaul. Als David aus Jeruschalaim fliehen musste, weil sein Sohn Awschalom einen Umsturz betrieb, verhöhnte ihn Schimi: צֵא צֵא אִישׁ הַדָּמִים וְאִישׁ הַבְּלִיָּעַל „Hinaus, hinaus, du Mann der Blutschuld, du ruchloser Mann“ (2 Schmu. 16:7). Schimi behauptete, David werde nun für seinen Verrat an Schaul bestraf. Obgleich Schimis Worte keine ausdrückliche Verwünschung enthielten, trat er David mit Verachtung entgegen und bewarf ihn mit Steinen und Erde (2 Schmu. 16:5–13). Der Begriff קְלָלָה bedeutet in diesem Fall „Verachtung“, „Herabwürdigung“, „Spott“. Raschi leitet daraus ab: Selbst wenn das Wort קְלָלָה im Sinn eines Fluches gebraucht wird, ist die Bedeutung im Kern stets „Geringschätzung“, „Verachtung“, die in jedem Fluch enthalten ist.
לֹֽא־תִרְאֶה֩ אֶת־שׁ֨וֹר אָחִ֜יךָ א֤וֹ אֶת־שֵׂיוֹ֙ נִדָּחִ֔ים וְהִתְעַלַּמְתָּ֖ מֵהֶ֑ם הָשֵׁ֥ב תְּשִׁיבֵ֖ם לְאָחִֽיךָ׃
1
1
Du darfst nicht zusehen, wie der Ochse deines Bruders oder sein Schaf umherirrt und dich ihnen entziehen; du sollst sie deinem Bruder unbedingt zurückbringen.
und dich entziehen
וְהִתְעַלַּמְתָּ, die Augen niederschlagen und so tun, als ob du ihn nicht sehest.
Raschi
du darfst nicht zusehen, und dich entziehen
Du darfst nicht zusehen, und du darfst dich nicht entziehen. Das ist die einfache Bedeutung.
Unsere Lehrer sagen, in gewissen Fällen darfst du dich entziehen.
Raschi
in gewissen Fällen darfst du dich entziehen: wenn es ein Kohen ist, der das verirrte Tier am Gelände des Friedhofes sieht; wenn es ein weiser Alter ist, für den es unpassend ist, mit eigenen Händen den verlorenen Gegenstand selbst zu tragen.
Sifre, Abschn. 222, Bawa Mezia 30a
וְאִם־לֹ֨א קָר֥וֹב אָחִ֛יךָ אֵלֶ֖יךָ וְלֹ֣א יְדַעְתּ֑וֹ וַאֲסַפְתּוֹ֙ אֶל־תּ֣וֹךְ בֵּיתֶ֔ךָ וְהָיָ֣ה עִמְּךָ֗ עַ֣ד דְּרֹ֤שׁ אָחִ֙יךָ֙ אֹת֔וֹ וַהֲשֵׁבֹת֖וֹ לֽוֹ׃
2
2
Wenn dein Bruder nicht nahe bei dir wohnt oder du ihn nicht kennst, dann nimm es auf in dein Haus und es bleibe bei dir, bis dein Bruder danach fragt, dann gib es ihm zurück.
bis dein Bruder danach fragt
Meinst du etwa, er soll es ihm geben, bevor er danach fragt? Nur, frage auch du ihn aus, dass er kein Betrüger ist [und sich den Gegenstand unrechtmäßig aneignet].
Raschi
dann gib es ihm zurück
Es soll noch eine Rückgabe möglich sein. [Gibt man das Tier an seinen Eigentümer zurück, so ist dieser verpflichtet, die entstandenen Futterkosten zu erstatten. Findet man ein verlorenes Tier, so ist darauf zu achten,] dass dieses in deinem Haus nicht Futter im Wert seines eigenen Preises verzehre, und du den Wert von [dem Eigentümer] forderst. Von hier sagten sie: alles, was arbeitet und isst, soll arbeiten und essen; was nicht arbeitet und isst, soll verkauft werden (Bawa Mezia 28b).
Raschi
alles, was arbeitet und isst: das Tier erwirtschaftet mehr Gewinn als es in der Erhaltung kostet, so soll es arbeiten und ernährt werden.
was nicht arbeitet und isst: das Tier kostet mehr in der Erhaltung, als es erwirtschaftet, so soll es verkauft und der Erlös für den Eigentümer aufbewahrt werden. (Bawa Mezia 28b)
וְכֵ֧ן תַּעֲשֶׂ֣ה לַחֲמֹר֗וֹ וְכֵ֣ן תַּעֲשֶׂה֮ לְשִׂמְלָתוֹ֒ וְכֵ֣ן תַּעֲשֶׂ֜ה לְכָל־אֲבֵדַ֥ת אָחִ֛יךָ אֲשֶׁר־תֹּאבַ֥ד מִמֶּ֖נּוּ וּמְצָאתָ֑הּ לֹ֥א תוּכַ֖ל לְהִתְעַלֵּֽם׃
3
3
Und so mache es mit seinem Esel und so mache es mit seiner Kleidung und so mache es mit allem Verlorenen deines Bruders, das ihm verloren geht und du es findest; du darfst dich nicht entziehen.
dich entziehen
וְהִתְעַלַּמְתָּ, die Augen niederschlagen und so tun, als ob du ihn nicht sehest.
Raschi
לֹא־תִרְאֶה֩ אֶת־חֲמ֨וֹר אָחִ֜יךָ א֤וֹ שׁוֹרוֹ֙ נֹפְלִ֣ים בַּדֶּ֔רֶךְ וְהִתְעַלַּמְתָּ֖ מֵהֶ֑ם הָקֵ֥ם תָּקִ֖ים עִמּֽוֹ׃
4
4
Du darfst nicht sehen den Esel deines Bruders oder seinen Ochsen hinfallen auf dem Weg und dich ihnen entziehen; aufrichten sollst du die Last mit ihm.
aufrichten sollst du
הָקֵם תָּקִים, das ist das Beladen; ihn mit der Last, die von ihm herabgefallen ist, beladen (Bawa Mezia 32a).
Raschi
mit ihm
עִמּוֹ „mit ihm“, gemeinsam mit dem Besitzer. Wenn dieser aber sich hinsetzt und sagt: „Weil es für dich eine Pflicht ist, wenn du aufladen willst, lade auf“, dann ist er befreit davon (Bawa Mezia 32a).
Raschi
לֹא־יִהְיֶ֤ה כְלִי־גֶ֙בֶר֙ עַל־אִשָּׁ֔ה וְלֹא־יִלְבַּ֥שׁ גֶּ֖בֶר שִׂמְלַ֣ת אִשָּׁ֑ה כִּ֧י תוֹעֲבַ֛ת יְהוָ֥ה אֱלֹהֶ֖יךָ כָּל־עֹ֥שֵׂה אֵֽלֶּה׃
5
5
Es darf nicht Mannesgewand auf einer Frau sein, und ein Mann ziehe kein Frauenkleid an; denn ein Gräuel ist dem Ewigen, deinem G‑tt, jeder, der das tut.
Es darf nicht Mannesgewand auf einer Frau sein: dass sie [in ihrer Kleidung] einem Mann gleicht, um unter die Männer zu gehen; denn das geschieht nur, um Ehebruch zu treiben (Sifre, Abschn. 226, Nasir 59a).
Raschi
und ein Mann ziehe kein Frauenkleid an: um zu gehen und sich unter die Frauen zu setzen (Sifre, Abschn. 226, Nasir 59a).
Andere Erklärung: er entferne nicht die Intimbehaarung und das Haar der Achselhöhle (Nasir 59a).
Raschi
Nach diesem zweiten Ansatz besagt der Vers, dass man sich weder wie das andere Geschlecht kleiden noch dessen Gewohnheiten folgen darf. Das gilt auch dann, wenn damit keine Annäherung beabsichtigt ist. Da das Entfernen der Scham- oder Achselhaare eine rein weibliche Gepflogenheit ist, darf ein Mann das nicht tun. Der Ausdruck וְלֹא יִלְבַּשׁ wird hier weiter gefasst als nur das Tragen von Kleidung; er schließt jede Form der Körperpflege und des Schmückens ein.
Beer Majim Chaim; siehe auch Sifte Kohen zu Jore Dea 182:1
denn ein Gräuel
Die Torah hat nur eine solche Kleidung verboten, die zum Gräuel führt.
Raschi
zum Gräuel führt: die Annäherung an das andere Geschlecht und das Begehen unsittlicher Handlungen.
כִּ֣י יִקָּרֵ֣א קַן־צִפּ֣וֹר׀ לְפָנֶ֡יךָ בַּדֶּ֜רֶךְ בְּכָל־עֵ֣ץ׀ א֣וֹ עַל־הָאָ֗רֶץ אֶפְרֹחִים֙ א֣וֹ בֵיצִ֔ים וְהָאֵ֤ם רֹבֶ֙צֶת֙ עַל־הָֽאֶפְרֹחִ֔ים א֖וֹ עַל־הַבֵּיצִ֑ים לֹא־תִקַּ֥ח הָאֵ֖ם עַל־הַבָּנִֽים׃
6
6
Wenn du auf ein Vogelnest vor dir auf dem Weg triffst, auf irgendeinem Baum oder auf der Erde, mit Jungen oder Eiern, und die Mutter sitzt auf den Jungen oder auf den Eiern: Nimm nicht die Mutter mit den Jungen.
Wenn du auf ein Vogelnest triffst: das schließt ein vorbereitetes aus (Chulin 139).
Raschi
Nimm nicht die Mutter: solange sie über den Jungen ist.
Raschi
שַׁלֵּ֤חַ תְּשַׁלַּח֙ אֶת־הָאֵ֔ם וְאֶת־הַבָּנִ֖ים תִּֽקַּֽח־לָ֑ךְ לְמַ֙עַן֙ יִ֣יטַב לָ֔ךְ וְהַאֲרַכְתָּ֖ יָמִֽים׃
7
7
Entlassen sollst du die Mutter, und die Jungen darfst du dir nehmen; damit es dir gut ergehe und du lange lebest.
damit es dir gut ergehe
Wenn die Torah schon bei einem leichten Gebot, das mit keinem Geldverlust verbunden ist, sagt „damit es dir gut ergehe und du lange lebest“, umso größer muss der Lohn für die schweren Gebote sein.
Raschi