Der tägliche Chumasch-Abschnitt

5. Elul 5786

Dienstag, 18. August 2026

Heute

Ki Teze

3. Alija

(Dewarim 22:8 – 23:7)

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כִּ֤י תִבְנֶה֙ בַּ֣יִת חָדָ֔שׁ וְעָשִׂ֥יתָ מַעֲקֶ֖ה לְגַגֶּ֑ךָ וְלֹֽא־תָשִׂ֤ים דָּמִים֙ בְּבֵיתֶ֔ךָ כִּֽי־יִפֹּ֥ל הַנֹּפֵ֖ל מִמֶּֽנּוּ׃
8
8
Wenn du ein neues Haus baust, dann mache ein Geländer um dein Dach und bringe kein Blutvergießen auf dein Haus, wenn der Fallende davon herabfällt.
Wenn du ein neues Haus baust
Wenn du die Mizwa des Fliegenlassens des Nestvogels (מִצְוַת שִׁלּוּחַ הַקֵּן, zuvor 22:6–7) erfüllst, wirst du zuletzt ein neues Haus bauen und das Gebot des Geländers (מִצְוַת מַעֲקֶה) erfüllen, denn eine Mizwa führt weitere Mizwot herbei, und du wirst zu einem Weinberg, einem Feld und schönen Gewändern gelangen (Verse 9–12). Darum folgen diese Abschnitte aufeinander.
Raschi
ein Geländer
מַעֲקֶה „Geländer“: ein Zaun rund um das Dach. Onkelos übersetzt mit תְּיָקָא „Behälter“, „Gehäuse“, [denn ein Zaun erfüllt die Funktion] wie ein Behältnis (תִּיק), das den Inhalt schützt.
Raschi
wenn der Fallende davon herabfällt
כִּי יִפֹּל הַנֹּפֵל, „wenn der Fallende herabfällt“. Er war wert, herabzufallen. Dennoch aber soll sein Tod nicht durch dich herbeigeführt werden. Denn etwas Gutes wird durch einen Reinen herbeigeführt und eine Strafe durch einen Schuldigen (מְּגַלְגְּלִין זְכוּת עַל יְדֵי זַכַּאי, וְחוֹבָה עַל יְדֵי חַיָּב).
Raschi
לֹא־תִזְרַ֥ע כַּרְמְךָ֖ כִּלְאָ֑יִם פֶּן־תִּקְדַּ֗שׁ הַֽמְלֵאָ֤ה הַזֶּ֙רַע֙ אֲשֶׁ֣ר תִּזְרָ֔ע וּתְבוּאַ֖ת הַכָּֽרֶם׃
9
9
Du sollst deinen Weinberg nicht besäen mit vermischten Arten von Samen, sonst wäre die Fülle der Saat verboten, die du gesät hast, mit dem Ertrag des Weinberges.
mit vermischten Arten
כִּלְאָיִם „vermischte Arten“: Weizen und Gerste und Weinkerne mit einem Wurf der Hand (Berachot 22a).
Raschi
sonst wäre verboten
פֶּן תִּקְדַּשׁ, wie Targum Onkelos sagt תִסְתָּאַב „unrein werden“ [für den Gebrauch unzulässig].
Auf jede Sache, deren Nutzung dem Menschen untersagt ist, sei es wegen ihrer Erhabenheit wie הֶקְדֵשׁ (Heiliges Eigentum), oder wegen ihrer schlechten Eigenschaft wie die verbotenen Dinge, kann der Ausdruck קִדּוּשׁ angewandt werden; wie (Jesch. 65:5) אַל תִּגַּשׁ בִּי כִּי קְדַשְׁתִּיךָ „tritt nicht zu mir heran, denn ich bin für dich verboten“.
Raschi
Fülle
הַמְלֵאָה „Fülle“: das ist die Zunahme und das Wachsen der Saat.
Raschi
לֹֽא־תַחֲרֹ֥שׁ בְּשׁוֹר־וּבַחֲמֹ֖ר יַחְדָּֽו׃
10
10
Du sollst nicht pflügen mit Ochse und Esel zusammen.
Du sollst nicht pflügen mit Ochse und Esel zusammen: und ebenso jegliche andere Tierart. Ebenso ist verboten, sie zusammengebunden miteinander zu führen, während sie eine Last führen (Bawa Kama 54b).
Raschi
לֹ֤א תִלְבַּשׁ֙ שַֽׁעַטְנֵ֔ז צֶ֥מֶר וּפִשְׁתִּ֖ים יַחְדָּֽו׃
11
11
Du sollst nicht Schaatnes als Kleidung tragen: einen Stoff von Wolle und Leinen zusammen.
Schaatnes
Das Wort שַׁעַטְנֵז „Schaatnes“ bedeutet „Mischung“, „vermischen“.
Unsere Lehrer (Sifre, Abschn. 232, Kilajim 9:8) erklären das Wort שַׁעַטְנֵז als zusammengesetzt aus

  geglättet – שׁוּעַ

  gesponnen – טָווּי

  gewebt – נוּז.
Raschi
גְּדִלִ֖ים תַּעֲשֶׂה־לָּ֑ךְ עַל־אַרְבַּ֛ע כַּנְפ֥וֹת כְּסוּתְךָ֖ אֲשֶׁ֥ר תְּכַסֶּה־בָּֽהּ׃
12
12
Mache dir Schnüre an vier Ecken deines Gewandes, mit dem du dich bedeckst.
Mache dir Schnüre: sogar aus Wolle mit Leinen, was Kilaim [d.h. Schaatnes] darstellt. Deshalb hat der Vers die beiden Gebote zusammengestellt (Jewamot 4a).
Raschi
die beiden Gebote: Schaatnes und Zizit.
Es ist für die Zizit zulässig, Schnüre aus Wolle an ein Kleidungsstück aus Leinen zu knüpfen. In unserer heutigen Zeit aber, weil wir die Mizwa der Zizit ohne den blauen Faden (Techelet) nicht in aller Vollständigkeit erfüllen, ist uns Schaatnes für Zizit nicht erlaubt.
Tur, Orach Chaim 11
כִּֽי־יִקַּ֥ח אִ֖ישׁ אִשָּׁ֑ה וּבָ֥א אֵלֶ֖יהָ וּשְׂנֵאָֽהּ׃
13
13
Wenn jemand eine Frau zur Ehe nimmt, er liegt bei ihr und hasst sie.
(13—14) er liegt bei ihr und hasst sie, und er legt ihr anstößige Dinge zur Last: eine Sünde führt zur nächsten. Weil er das Verbot „Du sollst nicht hassen“ (Waj. 19:17) übertreten hat, wird er dadurch zu böser Rede (לָשׁוֹן הָרָע) kommen.
Raschi
וְשָׂ֥ם לָהּ֙ עֲלִילֹ֣ת דְּבָרִ֔ים וְהוֹצִ֥יא עָלֶ֖יהָ שֵׁ֣ם רָ֑ע וְאָמַ֗ר אֶת־הָאִשָּׁ֤ה הַזֹּאת֙ לָקַ֔חְתִּי וָאֶקְרַ֣ב אֵלֶ֔יהָ וְלֹא־מָצָ֥אתִי לָ֖הּ בְּתוּלִֽים׃
14
14
Und er legt ihr anstößige Dinge zur Last und bringt einen bösen Namen über sie und sagt: Diese Frau habe ich genommen, und als ich ihr nahe kam, da fand ich sie nicht als Jungfrau.
Diese Frau
Von hier geht hervor, dass eine Partei nur in Gegenwart der Gegenpartei sprechen darf (Sifre).
Raschi
וְלָקַ֛ח אֲבִ֥י כתיב הנער הַֽנַּעֲרָ֖ה וְאִמָּ֑הּ וְהוֹצִ֜יאוּ אֶת־בְּתוּלֵ֧י כתיב הנער הַֽנַּעֲרָ֛ה אֶל־זִקְנֵ֥י הָעִ֖יר הַשָּֽׁעְרָה׃
15
15
Der Vater des Mädchens und die Mutter sollen die Beweise der Jungfrauschaft des Mädchens nehmen und zu den Ältesten der Stadt vor das Tor hinausbringen.
der Vater des Mädchens und die Mutter: diejenigen, die diese schlechte Pflanze aufgezogen haben, sollen durch sie verächtlich werden.
Raschi
וְאָמַ֛ר אֲבִ֥י כתיב הנער הַֽנַּעֲרָ֖ה אֶל־הַזְּקֵנִ֑ים אֶת־בִּתִּ֗י נָתַ֜תִּי לָאִ֥ישׁ הַזֶּ֛ה לְאִשָּׁ֖ה וַיִּשְׂנָאֶֽהָ׃
16
16
Und es spreche der Vater des Mädchens zu den Ältesten: Meine Tochter habe ich diesem Mann zur Ehefrau gegeben, und sie wurde ihm verhasst.
Und es spreche der Vater
Das lehrt, dass die Ehefrau nicht befugt ist, in Gegenwart ihres Mannes zu sprechen (Sifre, Abschn. 235).
Raschi
וְהִנֵּה־ה֡וּא שָׂם֩ עֲלִילֹ֨ת דְּבָרִ֜ים לֵאמֹ֗ר לֹֽא־מָצָ֤אתִי לְבִתְּךָ֙ בְּתוּלִ֔ים וְאֵ֖לֶּה בְּתוּלֵ֣י בִתִּ֑י וּפָֽרְשׂוּ֙ הַשִּׂמְלָ֔ה לִפְנֵ֖י זִקְנֵ֥י הָעִֽיר׃
17
17
Und hier legt er ihr anstößige Dinge zur Last und behauptet: „Deine Tochter habe ich nicht als Jungfrau gefunden“, das aber ist der Beweis der Jungfrauschaft meiner Tochter; und sie sollen das Tuch vor den Ältesten der Stadt ausbreiten.
und sie sollen das Tuch ausbreiten
Es ist das ein Gleichnis, sie machen die Sache so klar wie ein ausgebreitetes Tuch (Sifre).
Raschi
וְלָֽקְח֛וּ זִקְנֵ֥י הָֽעִיר־הַהִ֖וא אֶת־הָאִ֑ישׁ וְיִסְּר֖וּ אֹתֽוֹ׃
18
18
Da sollen die Ältesten dieser Stadt den Mann holen und ihn züchtigen lassen.
züchtigen
וְיִסְּרוּ אוֹתוֹ „ihn züchtigen“: strafen ihn mit Schlägen der Malkot-Strafe.
Raschi
וְעָנְשׁ֨וּ אֹת֜וֹ מֵ֣אָה כֶ֗סֶף וְנָתְנוּ֙ לַאֲבִ֣י הַֽנַּעֲרָ֔ה כִּ֤י הוֹצִיא֙ שֵׁ֣ם רָ֔ע עַ֖ל בְּתוּלַ֣ת יִשְׂרָאֵ֑ל וְלֽוֹ־תִהְיֶ֣ה לְאִשָּׁ֔ה לֹא־יוּכַ֥ל לְשַׁלְּחָ֖הּ כָּל־יָמָֽיו׃
19
19
Und sie sollen ihn mit der Summe von 100 Silberstücken strafen und diese dem Vater des Mädchens geben, weil er über eine Jungfrau Israels einen bösen Namen gebracht hat; er muss sie zur Frau behalten und darf sie sein Leben lang nicht fortschicken.
וְאִם־אֱמֶ֣ת הָיָ֔ה הַדָּבָ֖ר הַזֶּ֑ה לֹא־נִמְצְא֥וּ בְתוּלִ֖י כתיב לנער לַֽנַּעֲרָֽה׃
20
20
Wenn aber diese Sache wahr ist, wenn die Jungfrauschaft bei dem Mädchen nicht gefunden wurde,
Wenn diese Sache wahr ist
Wenn durch Zeugen und Verwarnung feststeht, dass sie nach der Verlobung (אֵרוּסִין) bei jemandem gelegen ist (Ketubot 44b).
Raschi
Die Verlobung (אֵרוּסִין) bestand in der Übergabe einer Wertsache vonseiten des Mannes an die Frau, und es folgten die Segenssprüche (בְּרָכוֹת).
Die eigentliche Eheschließung (נִשּׂוּאִין), nämlich die Heimführung in das Haus des Mannes und der Vollzug der Ehe, fand einige Zeit später statt, bei einer Jungfrau gewöhnlich nach 12 Monaten.
וְהוֹצִ֨יאוּ אֶת־ כתיב הנער הַֽנַּעֲרָ֜ה אֶל־פֶּ֣תַח בֵּית־אָבִ֗יהָ וּסְקָלוּהָ֩ אַנְשֵׁ֨י עִירָ֤הּ בָּאֲבָנִים֙ וָמֵ֔תָה כִּֽי־עָשְׂתָ֤ה נְבָלָה֙ בְּיִשְׂרָאֵ֔ל לִזְנ֖וֹת בֵּ֣ית אָבִ֑יהָ וּבִֽעַרְתָּ֥ הָרָ֖ע מִקִּרְבֶּֽךָ׃
21
21
dann soll das Mädchen an den Eingang des Hauses ihres Vaters geführt werden, und in Gegenwart der Menschen aus ihrer Stadt soll man sie steinigen, sodass sie stirbt, weil sie eine Schandtat in Israel getan hat, im Haus ihres Vaters zu huren. So sollst du das Böse aus deiner Mitte entfernen.
an den Eingang des Hauses ihres Vaters
„Seht die Pflanze, die ihr aufgezogen habt.“
Raschi
die Menschen aus ihrer Stadt: in Gegenwart aller Menschen ihrer Stadt.
Raschi
im Haus ihres Vaters
Die Worte לִזְנוֹת בֵּית אָבִיהָ sind zu lesen als לִזְנוֹת בְּבֵית אָבִיהָ „im Haus ihres Vaters“.
Raschi
כִּֽי־יִמָּצֵ֨א אִ֜ישׁ שֹׁכֵ֣ב׀ עִם־אִשָּׁ֣ה בְעֻֽלַת־בַּ֗עַל וּמֵ֙תוּ֙ גַּם־שְׁנֵיהֶ֔ם הָאִ֛ישׁ הַשֹּׁכֵ֥ב עִם־הָאִשָּׁ֖ה וְהָאִשָּׁ֑ה וּבִֽעַרְתָּ֥ הָרָ֖ע מִיִּשְׂרָאֵֽל׃
22
22
Wenn man jemanden bei einer Frau liegend findet, die einen Ehemann hat, dann sollen auch beide sterben: der Mann, der bei der Frau gelegen ist, und die Frau. So sollst du das Böse aus Israel entfernen.
auch beide
Das [scheinbar überflüssige] Wort שְׁנֵיהֶם „beide“ schließt äußerliche Handlungen aus, von denen die Frau keinen Genuss hat. Das Wort גַּם „auch“ fügt auch alle Nachfolgenden hinzu, [die mit dieser Frau verbotene Beziehungen eingehen. Unabhängig davon, wie viele Männer dies tun, werden sie alle hingerichtet].
Andere Erklärung: גַּם שְׁנֵיהֶם „auch beide“ fügt ihr ungeborenes Kind hinzu. Wenn sie eine werdende Mutter ist, wartet man nicht [mit der Hinrichtung], bis sie geboren hat (Erechin 7a).
Raschi
כִּ֤י יִהְיֶה֙ כתיב נער נַעֲרָ֣ה בְתוּלָ֔ה מְאֹרָשָׂ֖ה לְאִ֑ישׁ וּמְצָאָ֥הּ אִ֛ישׁ בָּעִ֖יר וְשָׁכַ֥ב עִמָּֽהּ׃
23
23
Wenn ein Mädchen, eine Jungfrau, mit einem Mann verlobt ist, und ein anderer Mann sie in der Stadt trifft und sich zu ihr legt,
und ein Mann sie in der Stadt trifft: darum legte er sich zu ihr. Der Mauerriss ruft den Dieb herbei (פִּרְצָה קוֹרְאָה לַגַּנָּב); hätte sie sich zu Hause aufgehalten, wäre ihr das nicht widerfahren.
Raschi
וְהוֹצֵאתֶ֨ם אֶת־שְׁנֵיהֶ֜ם אֶל־שַׁ֣עַר׀ הָעִ֣יר הַהִ֗וא וּסְקַלְתֶּ֨ם אֹתָ֥ם בָּאֲבָנִים֮ וָמֵתוּ֒ אֶת־ כתיב הנער הַֽנַּעֲרָ֗ה עַל־דְּבַר֙ אֲשֶׁ֣ר לֹא־צָעֲקָ֣ה בָעִ֔יר וְאֶ֨ת־הָאִ֔ישׁ עַל־דְּבַ֥ר אֲשֶׁר־עִנָּ֖ה אֶת־אֵ֣שֶׁת רֵעֵ֑הוּ וּבִֽעַרְתָּ֥ הָרָ֖ע מִקִּרְבֶּֽךָ׃
24
24
dann sollt ihr die beiden vor das Tor dieser Stadt bringen und sie mit Steinen steinigen, sodass sie sterben: das Mädchen, weil es in der Stadt war und nicht geschrien hat, und den Mann, weil er der Frau seines Nächsten Gewalt angetan hat. So sollst du das Böse aus deiner Mitte entfernen.
וְֽאִם־בַּשָּׂדֶ֞ה יִמְצָ֣א הָאִ֗ישׁ אֶת־ כתיב הנער הַֽנַּעֲרָה֙ הַמְאֹ֣רָשָׂ֔ה וְהֶחֱזִֽיק־בָּ֥הּ הָאִ֖ישׁ וְשָׁכַ֣ב עִמָּ֑הּ וּמֵ֗ת הָאִ֛ישׁ אֲשֶׁר־שָׁכַ֥ב עִמָּ֖הּ לְבַדּֽוֹ׃
25
25
Wenn der Mann das verlobte Mädchen auf dem Feld trifft, und der Mann sie ergreift und sich zu ihr legt, dann soll der Mann, der bei ihr gelegen ist, allein sterben.
כתיב ולנער וְלַֽנַּעֲרָה֙ לֹא־תַעֲשֶׂ֣ה דָבָ֔ר אֵ֥ין כתיב לנער לַֽנַּעֲרָ֖ה חֵ֣טְא מָ֑וֶת כִּ֡י כַּאֲשֶׁר֩ יָק֨וּם אִ֤ישׁ עַל־רֵעֵ֙הוּ֙ וּרְצָח֣וֹ נֶ֔פֶשׁ כֵּ֖ן הַדָּבָ֥ר הַזֶּֽה׃
26
26
Aber dem Mädchen sollst du gar nichts tun, das Mädchen hat keine Sünde zum Tod begangen. Denn wie wenn einer seinen Nächsten überfällt und ihn ermordet, so ist diese Sache,
wie wenn einer seinen Nächsten überfällt
Nach der wörtlichen Erklärung (פְּשַׁט): denn sie ist überwältigt worden; mit Gewalt hat er sie überfallen; wie einer, der seinen Nächsten überfällt, um ihn zu töten.
Unsere Lehrer leiten davon ab: Dieser Vers kommt zu lehren, in Wirklichkeit lernt er aber (הֲרֵי זֶה בָא לְלַמֵּד וְנִמְצָא לָמֵד).
Raschi
Dieser Vers kommt zu lehren …: wie man den Verfolger der verlobten Jungfrau tötet, um diese zu retten, so darf man auch einen verfolgenden Mörder töten, um den Verfolgten zu retten (Sanh. 73a).
כִּ֥י בַשָּׂדֶ֖ה מְצָאָ֑הּ צָעֲקָ֗ה כתיב הנער הַֽנַּעֲרָה֙ הַמְאֹ֣רָשָׂ֔ה וְאֵ֥ין מוֹשִׁ֖יעַ לָֽהּ׃
27
27
denn auf dem Feld hat er sie getroffen. Das verlobte Mädchen hat geschrien, aber es war niemand da, der ihr half.
כִּֽי־יִמְצָ֣א אִ֗ישׁ כתיב נער נַעֲרָ֤ה בְתוּלָה֙ אֲשֶׁ֣ר לֹא־אֹרָ֔שָׂה וּתְפָשָׂ֖הּ וְשָׁכַ֣ב עִמָּ֑הּ וְנִמְצָֽאוּ׃
28
28
Wenn jemand ein Mädchen, eine Jungfrau, trifft, das nicht verlobt ist, und das Mädchen mit Gewalt ergreift und sich zu ihr legt, und sie werden entdeckt,
וְ֠נָתַן הָאִ֨ישׁ הַשֹּׁכֵ֥ב עִמָּ֛הּ לַאֲבִ֥י הַֽנַּעֲרָ֖ה כתיב הנער חֲמִשִּׁ֣ים כָּ֑סֶף וְלֽוֹ־תִהְיֶ֣ה לְאִשָּׁ֗ה תַּ֚חַת אֲשֶׁ֣ר עִנָּ֔הּ לֹא־יוּכַ֥ל שַׁלְּחָ֖הּ כָּל־יָמָֽיו׃
29
29
dann soll der Mann, der bei ihr gelegen ist, dem Vater des Mädchens 50 Silberstücke geben; er muss sie zur Frau behalten, dafür, dass er ihr Gewalt angetan hat, und darf sie sein Leben lang nicht fortschicken.
לֹא־יִקַּ֥ח אִ֖ישׁ אֶת־אֵ֣שֶׁת אָבִ֑יו וְלֹ֥א יְגַלֶּ֖ה כְּנַ֥ף אָבִֽיו׃
1
1
Es darf niemand die Frau seines Vaters nehmen, er darf nicht das Gewand seines Vaters aufheben.
die Frau seines Vaters nehmen
לֹא יִקַּח – אֵין לוֹ בָּהּ לִקּוּחִין, „Er nehme sie nicht“ – er kann sie nicht nehmen, die Eheschließung hat keine Wirkung auf sie und keine Gültigkeit (Kiduschin 67b).
Raschi
er darf nicht das Gewand seines Vaters aufheben
Die verwitwete Frau des kinderlosen Bruders des Vaters, mit der der Vater die Schwagerehe (יִבּוּם) vollziehen soll. Sie ist ihm zwar bereits als Frau des Bruders seines Vaters verboten. Aber in diesem Fall übertritt er zwei Verbote (Jewamot 4a).
Und zudem will der Vers das Verbot (Vers 3) לֹא יָבֹא מַמְזֵר „es komme kein Mamser …“ daran anschließen, um zu lehren, dass ein Mamser nur derjenige ist, der aus einer mit Karet verbotenen Verbindung stammt, und umso mehr, wenn er aus einer mit gerichtlicher Todesstrafe verbotenen Verbindung (חַיְּבֵי מִיתוֹת בֵּית דִּין) stammt. Denn bei den mit gerichtlicher Todesstrafe verbotenen Verbindungen ist keine, bei der nicht auch Karet wäre.
Raschi
als Frau des Bruders seines Vaters verboten: עֶרְוַת אֲחִי אָבִיךָ לֹא תְגַלֵּה אֶל אִשְׁתּוֹ לֹא תִקְרָב, „die Blöße des Bruders deines Vaters darfst du nicht aufdecken, seiner Frau darfst du nicht nahe kommen“ (Waj. 18:14).

לֹֽא־יָבֹ֧א פְצֽוּעַ־דַּכָּ֛א○ וּכְר֥וּת שָׁפְכָ֖ה בִּקְהַ֥ל יְהוָֽה׃
○ בספרי תורה אחרים דַּכָּה
2
2
Es darf keiner, dem die Hoden verletzt oder zerstoßen sind oder der vom Erguss abgeschnitten ist, in die Gemeinde des Ewigen aufgenommen werden.
verletzt oder zerstoßen
פְּצוּעַ דַּכָּא, dem die Hoden verletzt oder zerstoßen sind.
Raschi
Die Worte פְּצוּעַ דַּכָּה bezeichnen zwei unterschiedliche Zustände, so als hieße es im Vers פְּצוּעַ אוֹ דַּכָּה, verletzt oder zerstoßen. Der erste Begriff פְּצוּעַ („verletzt“) bezieht sich auf eine Verletzung durch Schwert oder Messer; der zweite Begriff דַּכָּה bezeichnet eine Quetschung.
Misrachi, Beer Majim Chaim
vom Erguss abgeschnitten
וּכְרוּת שָׁפְכָה, dem das Glied abgeschnitten ist, dass der Samenerguss keinen Strahl mehr bildet, sondern herabfließt und nicht zeugt (Jewamot 75b).
Raschi
לֹא־יָבֹ֥א מַמְזֵ֖ר בִּקְהַ֣ל יְהוָ֑ה גַּ֚ם דּ֣וֹר עֲשִׂירִ֔י לֹא־יָ֥בֹא ל֖וֹ בִּקְהַ֥ל יְהוָֽה׃
3
3
*Es komme kein Mamser in die Gemeinde des Ewigen; auch die zehnte Generation von ihm darf nicht in die Gemeinde des Ewigen aufgenommen werden.*
Es komme kein *Mamser in die Gemeinde des Ewigen*
[Das scheint zu bedeuten, dass ein Mamser nicht jüdisch werden kann. Ein Mamser ist jedoch von Geburt an jüdisch.]

Er darf keine Israelitin heiraten (Jewamot 77b).
Raschi
Israelitin: eine Frau, deren Mutter jüdisch ist. Der Vers besagt mit „er komme nicht in die Gemeinde des Ewigen“ nicht, dass ein Mamser nicht zum jüdischen Volk gehört. Es geht hier ausdrücklich um die Eheschließung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft: Einem Mamser ist es verboten, eine gebürtige Jüdin zu heiraten.
Er darf jedoch eine Gioret (zum Judentum übergetrene Frau) heiraten, denn die Gerim sind nicht im Begriff קְהַל „Gemeinde“ enthalten (Jewamot 77b).
לֹֽא־יָבֹ֧א עַמּוֹנִ֛י וּמוֹאָבִ֖י בִּקְהַ֣ל יְהוָ֑ה גַּ֚ם דּ֣וֹר עֲשִׂירִ֔י לֹא־יָבֹ֥א לָהֶ֛ם בִּקְהַ֥ל יְהוָ֖ה עַד־עוֹלָֽם׃
4
4
Es komme kein Amoni und Moawi in die Gemeinde des Ewigen; niemals soll einer, auch nicht die zehnte Generation von ihnen, in die Gemeinde des Ewigen aufgenommen werden,
Es komme kein Amoni und Moawi: er darf keine Israelitin heiraten.
Raschi
Israelitin: eine Frau, deren Mutter jüdisch ist.
עַל־דְּבַ֞ר אֲשֶׁ֨ר לֹא־קִדְּמ֤וּ אֶתְכֶם֙ בַּלֶּ֣חֶם וּבַמַּ֔יִם בַּדֶּ֖רֶךְ בְּצֵאתְכֶ֣ם מִמִּצְרָ֑יִם וַאֲשֶׁר֩ שָׂכַ֨ר עָלֶ֜יךָ אֶת־בִּלְעָ֣ם בֶּן־בְּע֗וֹר מִפְּת֛וֹר אֲרַ֥ם נַהֲרַ֖יִם לְקַֽלְלֶֽךָּ׃
5
5
weil sie euch, als ihr auf dem Weg wart, als ihr aus Mizraim zogt, nicht mit Brot und mit Wasser entgegengekommen sind, und weil sie den Bilam, Sohn von Beor, aus Petor in Aram Naharaim, gegen dich angeheuert haben, um dich zu verfluchen.
weil
עַל דְּבַר, wörtl. „wegen der Sache“. Wegen des Ratschlages, den [die Moawim] euch gaben, um euch zur Sünde zu verführen mit ihren Töchtern und dem Götzendienst, wie es heißt (Bam. 31:16) בִּדְבַר בִּלְעָם „durch das Wort (דְבַר) Bilams“.
Raschi
„durch das Wort Bilams“: הֵן הֵנָּה הָיוּ לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל בִּדְבַר בִּלְעָם לִמְסָר מַעַל בַּה׳ „siehe, diese waren es doch, die die Kinder Israel auf das Wort Bilams veranlassten, Untreue an G‑tt zu begehen“ (Bam. 31:16). Damit ist der scheinbar überflüssige Begriff דְּבַר im vorliegenden Vers als דִּבֻּר „Wort“, „Sprechen“ zu verstehen, in Anspielung auf das Vorhaben der Moawim, das jüdische Volk zur Sünde zu verführen.
als ihr auf dem Weg wart: als ihr verwirrt wart.
Raschi
Obgleich das Volk Israel unterwegs – orientierungslos und schutzlos – war, verweigerten die Moawim jede Hilfe.
וְלֹֽא־אָבָ֞ה יְהוָ֤ה אֱלֹהֶ֙יךָ֙ לִשְׁמֹ֣עַ אֶל־בִּלְעָ֔ם וַיַּהֲפֹךְ֩ יְהוָ֨ה אֱלֹהֶ֧יךָ לְּךָ֛ אֶת־הַקְּלָלָ֖ה לִבְרָכָ֑ה כִּ֥י אֲהֵֽבְךָ֖ יְהוָ֥ה אֱלֹהֶֽיךָ׃
6
6
Aber der Ewige, dein G‑tt, wollte nicht auf Bilam hören, sondern der Ewige, dein G‑tt, wandelte dir den Fluch in Segen, weil der Ewige, dein G‑tt, dich liebt.
לֹא־תִדְרֹ֥שׁ שְׁלֹמָ֖ם וְטֹבָתָ֑ם כָּל־יָמֶ֖יךָ לְעוֹלָֽם׃
7
7
Niemals sollst du ihren Frieden und ihr Wohl suchen, alle deine Tage, für ewig.
Niemals sollst du ihren Frieden und ihr Wohl suchen
Aus der allgemeinen Regel (Dew. 23:17) עִמְּךָ יֵשֵׁב בְּקִרְבְּךָ „er wohne bei dir, in deiner Mitte“, könnte ich entnehmen, auch dieser. Darum heißt es לֹא תִדְרֹשׁ שְׁלֹמָם „suche nicht ihren Frieden“.
Raschi