und versöhnt Seinen Boden, und wer ist Sein Boden? Sein Volk. Wenn Sein Volk getröstet ist, ist auch Sein Boden getröstet. So heißt es auch (Teh. 85:2) רָצִיתָ ה׳ אַרְצֶךָ „Du versöhnst, Ewiger, Dein Land“. Womit aber versöhnst Du Dein Land? שַׁבְתָּ שְׁבִית יַעֲקֹב „Indem Du die Gefangenen Jaakows heimführst.“
Auf andere Weise wird der Abschnitt im Sifre (Abschn. 322–330) erklärt. Es widersprechen sich Rabbi Jehuda und Rabbi Nechemia, Rabbi Jehuda bezieht den ganzen Abschnitt auf Israel, und Rabbi Nechemia auf die Völker.
Rabbi Jehuda bezieht ihn auf Israel: (Vers 26) אָמַרְתִּי אַפְאֵיהֶם „Ich sagte, Ich will ihnen ein Ende bereiten“, wie ich erklärt habe, bis (27) וְלֹא ה׳ פָּעַל כָּל זֹאת „und nicht der Ewige hat all das bewirkt“. (28) כִּי גוֹי אֹבַד עֵצוֹת הֵמָּה „Denn sie sind ein Volk, das allen Rat verloren hat“, sie haben Meine Torah (Lehre) verloren, die für sie der richtige Rat ist; וְאֵין בָּהֶם תְּבוּנָה „und sie haben keine Einsicht“, zu begreifen: (30) אֵיכָה יִרְדֹּף אֶחָד „Wie vermag einer“ von den Völkern, אֶלֶף „tausend“ von ihnen „zu verfolgen“, (31) אִם לֹא כִּי צוּרָם מְכָרָם „wenn nicht, weil ihr Fels sie verkauft hat“, alles, wie ich bis zum Ende des Abschnittes erklärt habe.
Rabbi Nechemia bezieht es auf die Völker: (Vers 28) כִּי גוֹי אֹבַד עֵצוֹת הֵמָּה „Denn sie sind ein Volk, das allen Rat verloren hat“, wie ich zuerst erklärt habe, bis (31) וְאוֹיְבֵינוּ פְּלִילִים „unsere Feinde werden Richter sein“. Und dann:
(32) כִּי מִגֶּפֶן סְדֹם גַּפְנָם „Denn vom Weinstock Sdoms ist der Weinstock“ der Völker, וּמִשַּׁדְמֹת עֲמֹרָה „und vom Feld von Amora“, und sie nehmen sich nicht zu Herzen, die Größe Mir zuzuerkennen. עֲנָבֵמוֹ עִנְּבֵי רוֹשׁ „Ihre Beeren sind Giftbeeren“, das ist, was Er gesagt hat (27) לוּלֵי כַּעַם אוֹיֵב אָגוּר „wäre nicht der Zorn des Feindes gehäuft“ gegen Israel, es taumeln zu machen und mit Bitterem zu tränken; darum אַֹשְכְּלֹת מְרֹרֹת לָמוֹ „sollen sie bittere Trauben haben“, dass man sie ihnen zu verschlingen gebe für das, was sie Meinen Kindern getan haben.
(33) חֲמַת תַּנִּינִים יֵינָם „Schlangengift ist ihr Wein“ und steht bereit, sie damit zu tränken für das, was sie dem Volk Israel getan haben, (34) כָּמֻס עִמָּדִי „bei Mir verwahrt“ ist jener Becher (כּוֹס); wie es heißt (Teh. 75:9) כִּי כוֹס בְּיַד ה׳ „denn ein Becher ist in der Hand des Ewigen“, (35) לְעֵת תָּמוּט רַגְלָם „für die Zeit, wenn ihr Fuß wankt“, wie es heißt (Jesch. 26:6) תִּרְמְסֶנָּה רָגֶל „es zertritt sie der Fuß“. [Dieser Vers sagt voraus, dass der Maschiach zusammen mit Israel die Feinde des Volkes zertreten wird. Das Gleichnis des „Niedertretens“ zeigt, dass das geschieht, sobald die feindlichen Völker den Halt verloren haben und am Boden liegen, sodass das jüdische Volk sie niedertreten kann. Mit den Worten לְעֵת תָּמוּט רַגְלָם „für die Zeit, wenn ihr Fuß wankt“ ist eben jene Epoche beschrieben.]
(36) כִּי יָדִין ה׳ עַמּוֹ „Denn der Ewige nimmt sich Seines Volkes an“, in dieser Erklärung ist כִּי „denn“, und das Wort יָדִין hat nicht die Bedeutung „strafen“, sondern ist zu verstehen als: Er führt ihren Streit gegen die Gewalt ihrer Unterdrücker, כִּי יִרְאֶה כִּי אָזְלַת יָד „wenn Er sieht, dass die Kraft [der Feinde] zunimmt“.
(37) וְאָמַר אֵי אֱלֹהֵימוֹ „Und er sagt, wo ist ihr G‑tt“: der Feind sagt, wo ist der G‑tt Israels?, wie der frevelhafte Titus sagte, als er den Vorhang des Allerheiligsten zerschnitt (Gittin 56b). Wie es heißt (Micha 7:10) וְתֵרֶא אֹיַבְתִּי וּתְכַסֶּהָ בוּשָׁה הָאוֹמְרָה אֵלַי אַיּוֹ ה׳ אֱלֹהָיִךְ „und meine Feindin wird es sehen und Schmach sie bedecken, weil sie zu mir gesagt hatte, wo ist der Ewige, dein G‑tt“.
(39) רְאוּ עַתָּה כִּי אֲנִי וגו׳ „Seht jetzt, dass Ich …“, dann wird der Ewige Seine Hilfe offenbaren und sprechen, רְאוּ עַתָּה כִּי אֲנִי אֲנִי הוּא „Seht jetzt, dass Ich, Ich es bin“, von Mir kam die Strafe über sie, und von Mir kommt das Gute zu ihnen, וְאֵין מִיָדִי מַצִּיל „und keiner rettet aus Meiner Hand“, könnte euch vor der Strafe retten, die Ich über euch bringe.
(40) כִּי אֶשָּׂא אֶל שָׁמַיִם יָדִי „Denn zum Himmel erhebe Ich meine Hand“, wie כִּי נָשָׂאתִי „habe Ich erhoben“. Stets lasse ich meine Schechina im Himmel wohnen, wie der Targum sagt [אֲרֵי אַתְקֵינִית בִּשְׁמַיָּא בֵּית שְׁכִינְתִי, „denn im Himmel habe Ich die Stätte Meiner Schechina errichtet“]. Selbst wenn ein Schwacher oben und der Starke unten ist, so liegt die Furcht vor dem Oberen auf dem Unteren. Um so mehr, wenn der Starke oben und der Schwache unten ist. יָדִי „Meine Hand“, die Stätte Meiner Schechina, wie (Bam. 2:17) אִישׁ עַל יָדוֹ „ein jeder an seinem Ort“. Und Ich hätte die Macht gehabt, euch gleich zu strafen, aber Ich sprach, חַי אָנֹכִי לְעוֹלָם „Ich lebe ewig“, Ich beeile mich nicht, zu strafen, weil ich Zeit dazu habe, da Ich ewig lebe. In späteren Generationen strafe Ich sie, und Ich habe die Macht, die Toten und die Lebenden zu strafen. Ein König aus Fleisch und Blut, der dem Tod zuschreitet, beschleunigt seine Rache, um noch bei seinem Leben strafen zu können. Denn vielleicht stirbt er oder sein Feind, und dann hätte er die Vergeltung an ihm nicht mehr erlebt. Ich aber lebe ewig, und sollten jene sterben und Ich sie nicht während ihres Lebens strafen, so strafe Ich sie, wenn sie tot sind.
(41) אִם שַׁנּוֹתִי בְּרַק חַרְבִּי „Wenn Ich Mein blitzendes Schwert schärfe“: Häufig leitet das Wort אִם keine Bedingung ein [sondern eine feststehende Tatsache:] „wenn Ich Mein blitzendes Schwert schärfe (und Rache übe an Meinen Gegnern)“.
Der Abschnitt ab וְתֹאחֵז בְּמִשְׁפָּט יָדִי „zum Gericht greift Meine Hand“ ist so zu verstehen, wie ich oben erklärt habe.
Raschi