וְאֵ֛לֶּה תּוֹלְדֹ֥ת יִצְחָ֖ק בֶּן־אַבְרָהָ֑ם אַבְרָהָ֖ם הוֹלִ֥יד אֶת־יִצְחָֽק׃
19
19
Und das sind die Nachkommen des Jizchak, Sohn von Awraham: Awraham zeugte Jizchak.
Und das sind die Nachkommen des Jizchak
וְאֵלֶּה תּוֹלְדֹת, Toldot im Sinn von „Nachkommen des Jizchak“, Jaakow und Esaw, die im Abschnitt genannt sind.
Raschi
Awraham zeugte Jizchak
Nachdem der Ewige ihm den Namen „Awraham“ gegeben hatte, zeugte er Jizchak.
Andere Erklärung: Dadurch, dass der Vers geschrieben hat „Nachkommen des Jizchak, Sohn von Awraham“, musste er sagen „Awraham zeugte Jizchak“, weil die Spötter jenes Zeitalters sagten, durch Awimelech ist Sara Mutter geworden. Denn so viele Jahre wohnte sie mit Awraham zusammen und wurde nicht Mutter durch ihn. Was tat der Ewige? Er formte die Gesichtszüge Jizchaks gleich denen Awrahams, sodass jeder bezeugte: „Awraham zeugte Jizchak“. Das bedeuten hier die Worte „Jizchak, Sohn von Awraham“: es wird bezeugt, dass Awraham der Vater von Jizchak war.
Raschi
וַיְהִ֤י יִצְחָק֙ בֶּן־אַרְבָּעִ֣ים שָׁנָ֔ה בְּקַחְתּ֣וֹ אֶת־רִבְקָ֗ה בַּת־בְּתוּאֵל֙ הָֽאֲרַמִּ֔י מִפַּדַּ֖ן אֲרָ֑ם אֲח֛וֹת לָבָ֥ן הָאֲרַמִּ֖י ל֥וֹ לְאִשָּֽׁה׃
20
20
Es war Jizchak 40 Jahre alt, als er Riwka — die Tochter von Betuel dem Arami, aus Padan Aram, die Schwester von Lawan dem Arami — zur Ehefrau nahm.
40 Jahre alt
Als Awraham vom Berg Moriah kam, wurde ihm verkündet, dass Riwka geboren sei; und Jizchak war damals 37 Jahre alt, da in jener Zeit Sara starb und zwischen der Geburt Jizchaks und der Bindung (עֲקֵדַת יִצְחָק), als Sara starb, 37 Jahre lagen. Sara war 90 Jahre alt, als Jizchak geboren wurde, und 127, als sie starb, wie es heißtוַיִּהְיוּ חַיֵּי שָׂרָה מֵאָה שָׁנָה וְעֶשְׂרִים שָׁנָה וְשֶׁבַע שָׁנִים „das Lebensalter der Sara war 127 Jahre“ (Ber. 23:1), somit war Jizchak 37 Jahre alt, und damals wurde Riwka geboren. Er wartete drei Jahre auf sie, bis sie zur Heirat fähig war, und heiratete sie.
Raschi
die Tochter von Betuel aus Padan Aram, die Schwester von Lawan
Steht denn bis jetzt noch nicht, dass sie die „Tochter Betuels“ und die „Schwester Lawans“ und „aus Padan Aram“ war? Nur, um ihr Lob zu verkünden, dass sie die Tochter eines Bösen (רָשָׁע) und die Schwester eines Bösen war und ihr Heimatort aus Bösen bestand und sie dennoch nicht von ihren Taten lernte.
Raschi
von Padan Aram
Es gab zwei Orte namens Aram. „Aram Naharaim“ אֲרַם נַהֲרַיִם, das zwischen zwei Flüssen lag; und „Aram Zowa“ אֲרַם צוֹבָה. Deshalb nennt der Vers das Land „Padan“, vom Ausdruck (1 Schmu. 11:7) צֶמֶד בָּקָר „ein Gespann Rinder“, was der Targum mit פַּדַּן תּוֹרַיָא übersetzt.
Manche erklären „Padan Aram“ mit „Feld von Aram“; im Arabischen nennt man ein Feld „Padan“.
Raschi
וַיֶּעְתַּ֨ר יִצְחָ֤ק לַֽיהוָה֙ לְנֹ֣כַח אִשְׁתּ֔וֹ כִּ֥י עֲקָרָ֖ה הִ֑וא וַיֵּעָ֤תֶר לוֹ֙ יְהוָ֔ה וַתַּ֖הַר רִבְקָ֥ה אִשְׁתּֽוֹ׃
21
21
Jizchak betete zum Ewigen seiner Frau gegenüber, denn sie war unfruchtbar. Und der Ewige ließ sich von ihm erbitten und seine Frau Riwka sollte schwanger werden.
betete
וַיֶּעְתַּר, er mehrte und wiederholte sein Gebet.
Raschi
ließ sich erbitten
וַיֵּעָתֶר לוֹ, G‑tt ließ sich erflehen, nahm wohlgefällig auf und gewährte.
Ich meine, jeder Ausdruck עֶתֶר bedeutet wiederholen und mehren. Ebenso (Jech. 8:11) וַעֲתַר עֲנַן הַקְּטֹרֶת „eine dichte Wolke von Räucherwerk“, viel Rauch stieg empor. Ebenso (Jech. 35:13) וְהַעְתַּרְתֶּם עָלַי דִּבְרֵיכֶם „ihr habt eure Worte gegen mich gemehrt“. Ebenso (Mischle 27:6) וְנַעְתָּרוֹת נְשִׁיקוֹת שׂוֹנֵא „zuviel sind die Küsse des Feindes“, sie erscheinen zuviel und sind zur Last. Auf Französisch encreisement.
Raschi
seiner Frau gegenüber
לְנֹכַח אִשְׁתּוֹ „seiner Frau gegenüber“: er stand in dieser Ecke und betete, und sie stand in jener Ecke und betete.
Raschi
ließ sich von ihm erbitten: von ihm und nicht von ihr; denn es gleicht nicht das Gebet des Zaddik ben Zaddik dem Gebet eines Zaddik ben Rascha, darum erhörte G‑tt ihn und nicht sie (Jewamot 64a).
Raschi
וַיִּתְרֹֽצֲצ֤וּ הַבָּנִים֙ בְּקִרְבָּ֔הּ וַתֹּ֣אמֶר אִם־כֵּ֔ן לָ֥מָּה זֶּ֖ה אָנֹ֑כִי וַתֵּ֖לֶךְ לִדְרֹ֥שׁ אֶת־יְהוָֽה׃
22
22
Es bewegten sich die Kinder in ihrem Inneren und Riwka sagte: Wenn es so ist, warum dann ich? Und sie ging, um zu befragen den Ewigen.
Es bewegten sich
Dieser Vers verlangt nach einer Erklärung, denn er lässt verschlossen, was dieses „Bewegen“ וַיִּתְרֹצְצוּ bedeutet, und was es am Ende des Verses bedeutet אִם כֵּן לָמָּה זֶה אָנֹכִי „wenn es so ist, warum dann ich“. Unsere Lehrer erklären das Wort וַיִּתְרֹצְצוּ als רִיצָה „Laufen“: wenn ihre Mutter am Eingang der Torah-Lehrhäuser von Schem und Ewer vorüberging, lief Jaakow und bewegte sich, um hinauszukommen; wenn sie aber am Eingang des Götzendienstes vorüberging, bewegte sich Esaw, um hinauszukommen.
Andere Erklärung: מִתְרוֹצְצִים זֶה עִם זֶה, sie stießen einander und stritten um den Besitz der beiden Welten.
Raschi
Und sie sprach, wenn es so ist: Wenn so groß der Schmerz der Mutterschaft ist;
warum dann ich: warum habe ich die Mutterschaft gewünscht und dafür gebetet;
und sie ging ins Lehrhaus von Schem (von Schem und Ewer);
zu befragen den Ewigen: dass er ihr verkünde, was zuletzt für sie sein werde.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר יְהוָ֜ה לָ֗הּ שְׁנֵ֤י גיים [גוֹיִם֙] בְּבִטְנֵ֔ךְ וּשְׁנֵ֣י לְאֻמִּ֔ים מִמֵּעַ֖יִךְ יִפָּרֵ֑דוּ וּלְאֹם֙ מִלְאֹ֣ם יֶֽאֱמָ֔ץ וְרַ֖ב יַעֲבֹ֥ד צָעִֽיר׃
23
23
Und der Ewige ließ ihr sagen: Zwei Völker sind in deinem Bauch und zwei Nationen werden sich aus deinem Inneren teilen. Und eine Nation wird stärker sein als die andere Nation, und der Ältere wird dienen dem Jüngeren.
ließ ihr sagen: durch einen Boten. Zu Schem wurde es gesagt in g‑ttlichem Geist (רוּחַ הַקֹּדֶשׁ), und er sagte es ihr.
Raschi
Zwei Völker sind in deinem Bauch
גֵּיִים „Stolze“ steht geschrieben [und wir lesen גֹיִים „Völker“], das sind Antoninus und Rabbi [Jehuda], auf deren Tisch niemals Rettich noch Kopfsalat fehlte, weder im Sommer noch im Winter (Awoda Szara 11a).
Raschi
Rabbi Jehuda war ein Nachkomme Jaakows, Antoninus war ein Nachkomme Esaws.
Misrachi
zwei Nationen
Unter לְאוֹם ist „Herrschaft“ zu verstehen.
Raschi
werden sich aus deinem Inneren teilen: vom Mutterschoß an trennen sie sich, dieser zu seiner Bosheit und jener zu seiner Aufrichtigkeit.
Raschi
eine Nation wird stärker sein als die andere
וּלְאֹם מִלְאֹם יֶאֱמָץ „eine Nation wird stärker sein als die andere“: sie werden nicht gleich sein an Größe und Macht; wenn der eine sich erhebt, sinkt der andere. So heißt es (Jech. 26:2) [אֲשֶׁר אָמְרָה צֹּר עַל יְרוּשָׁלַ͏ִם גו׳] אִמָּלְאָה הָחֳרָבָה „ich fülle mich von der zerstörten“ – Zor füllte sich nur an der Zerstörung von Jeruschalaim (Megilla 6a).
Raschi
Der Buchstabe מ (Mem) im Wort מִלְאֹם bedeutet nicht „stärker als“, sondern „von“: וּלְאֹם „eine Nation“ nimmt מִלְאֹם „von der anderen Nation“. Niemals in der Geschichte gab es eine Lage, dass Jaakow und Esaw gleich stark waren und man sie vergleichen könne, dieser sei stärker als der andere.
Misrachi
ich fülle mich von der zerstörten“: „Zor“ ist das Königreich Esaws, „Jeruschalaim“ ist das Königreich Jaakows.
Misrachi
וַיִּמְלְא֥וּ יָמֶ֖יהָ לָלֶ֑דֶת וְהִנֵּ֥ה תוֹמִ֖ם בְּבִטְנָֽהּ׃
24
24
Als voll waren ihre Tage zur Geburt, da waren Zwillinge in ihrem Bauch.
Als voll waren ihre Tage
וַיִּמְלְאוּ יָמֶיהָ לָלֶדֶת „Als voll waren ihre Tage zur Geburt“. Aber bei Tamar steht (Ber. 38:27) וַיְהִי בְּעֵת לִדְתָּהּ „es war zur Zeit, da sie gebar“, ihre Tage waren nicht voll, denn sie gebar ihre Zwillinge mit sieben Monaten.
Raschi
Und siehe, Zwillinge
Das Wort תוֹמִם steht hier ohne den Buchstaben א (Alef); bei Tamar aber תְּאוֹמִים mit א, weil beide Kinder Zaddikim waren. Hier aber war der eine ein Gerechter (Zaddik) und der andere ein Böser (Rascha).
Raschi
וַיֵּצֵ֤א הָרִאשׁוֹן֙ אַדְמוֹנִ֔י כֻּלּ֖וֹ כְּאַדֶּ֣רֶת שֵׂעָ֑ר וַיִּקְרְא֥וּ שְׁמ֖וֹ עֵשָֽׂו׃
25
25
Es kam heraus das erste Kind — ganz rot, wie ein haariger Mantel und man nannte ihn Esaw.
rot: das war ein Zeichen, dass er Blut vergießen würde.
Raschi
wie ein haariger Mantel: voller Haare, wie ein wollenes Tuch, das voller Haare ist.
Raschi
man nannte ihn Esaw
Alle nannten ihn so, weil er vollständig entwickelt war und Haare hatte wie einer, der viele Jahre alt ist.
Raschi
וְאַֽחֲרֵי־כֵ֞ן יָצָ֣א אָחִ֗יו וְיָד֤וֹ אֹחֶ֙זֶת֙ בַּעֲקֵ֣ב עֵשָׂ֔ו וַיִּקְרָ֥א שְׁמ֖וֹ יַעֲקֹ֑ב וְיִצְחָ֛ק בֶּן־שִׁשִּׁ֥ים שָׁנָ֖ה בְּלֶ֥דֶת אֹתָֽם׃
26
26
Und danach kam sein Bruder zur Welt und seine Hand hielt sich an der Ferse (ekew) von Esaw fest. Er nannte ihn ,Jaakow‘. Und Jizchak war 60 Jahre alt, als Riwka die Zwillinge gebar.
Und danach kam sein Bruder zur Welt
וְאַחֲרֵי כֵן יָצָא אָחִיו „und danach kam sein Bruder zur Welt“. Ich habe einen Midrasch gehört, der den Vers nach dem einfachen Sinn erklärt. Mit Recht hielt er ihn fest, um ihn zurückzuhalten; denn Jaakow war zuerst gezeugt worden und Esaw nach ihm. Lerne das von einer Röhre, die eine enge Öffnung hat, lege zwei Steine hinein, einen nach dem anderen. Der zuerst hineingekommen ist, kommt zuletzt wieder heraus, und der zuletzt hineingekommen ist, kommt zuerst heraus. Daraus ergibt sich: Esaw, der zuletzt geschaffen wurde, kam zuerst zur Welt; und Jaakow, der zuerst geschaffen wurde, kam zuletzt zur Welt. Darum wollte Jaakow ihn zurückhalten, damit er zuerst geboren werde, wie er auch zuerst geschaffen wurde, dass er den Mutterschoß öffne und die Erstgeburt mit Recht erhalte.
Raschi
Ferse von Esaw
Ein Zeichen, dass der eine (Esaw) nicht Zeit haben werde, seine Herrschaft zu vollenden, da werde sich schon der andere (Jaakow) erheben und sie ihm nehmen.
Raschi
Er nannte ihn Jaakow
Der Ewige gab ihm diesen Namen. Er sagte, ihr habt eurem Erstgeborenen einen Namen gegeben, so will auch Ich Meinem Erstgeborenen einen Namen geben. Das bedeuten die Worte וַיִּקְרָא שְׁמוֹ יַעֲקֹב „Er nannte ihn Jaakow“.
Andere Erklärung: sein Vater nannte ihn „Jaakow“ nach dem Anfassen der Ferse (hebr. Ekew, ״יַעֲקֹב״ עַל שֵׁם אֲחִיזַת הֶעָקֵב).
Raschi
Jizchak war 60 Jahre alt: zehn Jahre, nachdem er sie geheiratet hatte, bis sie 13 Jahre alt und zur Schwangerschaft fähig war; und noch zehn Jahre wartete er auf sie, wie sein Vater Sara gegenüber getan hatte. Als sie nicht schwanger wurde, wusste er, dass sie unfruchtbar war, und er betete für sie. Aber eine Magd wollte er nicht nehmen, weil er auf dem Berg Moriah zum fehlerlosen Ganzopfer (עוֹלָה תְמִימָה) geheiligt worden war.
Raschi
וַֽיִּגְדְּלוּ֙ הַנְּעָרִ֔ים וַיְהִ֣י עֵשָׂ֗ו אִ֛ישׁ יֹדֵ֥עַ צַ֖יִד אִ֣ישׁ שָׂדֶ֑ה וְיַעֲקֹב֙ אִ֣ישׁ תָּ֔ם יֹשֵׁ֖ב אֹהָלִֽים׃
27
27
Die Jungen wuchsen heran, und es wurde Esaw ein Mann, der zu Jagen wusste, ein Mann des Feldes. Jaakow aber war ein grundehrlicher Mann, der in den Zelten des Torahlernens wohnte.
wuchsen heran
Solange sie klein waren, konnten ihre Handlungen noch nicht unterschieden werden, und keiner achtete auf ihren Charakter. Als sie aber 13 Jahre alt wurden, da ging der eine ins Bet Midrasch, und der andere widmete sich dem Götzendienst (עֲבוֹדָה זָרָה).
Raschi
der zu Jagen wusste: der seinen Vater mit seinem Mund zu fangen und betrügen wusste. Er fragte ihn: Vater, wie nimmt man Ma∙asser von Salz und Stroh? Da dachte der Vater, dass er es mit den Mizwot sehr genau nehme.
Raschi
ein Mann des Feldes
Wie der einfache Sinn ist (פְּשׁוּטוֹ שֶׁל מִקְרָא): ein Mensch, der müßig geht und mit seinem Bogen Wild und Vögel jagt.
Raschi
grundehrlicher Mann
וְיַעֲקֹב אִישׁ תָּם „Jaakow war ein grundehrlicher Mann“: Jaakow war nicht erfahren in all diesen Intrigen und Betrügereien seines Bruders. Wie sein Herz, so war sein Mund. Wer nicht scharfsinnig zum Betrügen ist, wird תָּם genannt.
Raschi
der in Zelten wohnte: im Zelt von Schem und im Zelt von Ewer, wo man Torah lernte.
Raschi
וַיֶּאֱהַ֥ב יִצְחָ֛ק אֶת־עֵשָׂ֖ו כִּי־צַ֣יִד בְּפִ֑יו וְרִבְקָ֖ה אֹהֶ֥בֶת אֶֽת־יַעֲקֹֽב׃
28
28
Jizchak liebte Esaw, denn Wild brachte er in seinen Mund. Riwka aber liebte Jaakow.
in seinen Mund
צַיִד בְּפִיו, nach dem Targum אֲרֵי מִצֵּידֵיהּ הֲוָה אָכֵיל „Wild brachte er in seinen (Jaakows) Mund“.
Der Midrasch sagt צַיִד בְּפִיו, „in seinem Mund“, im Mund von Esaw waren Worte, um seinen Vater zu fangen und zu betrügen.
Raschi
וַיָּ֥זֶד יַעֲקֹ֖ב נָזִ֑יד וַיָּבֹ֥א עֵשָׂ֛ו מִן־הַשָּׂדֶ֖ה וְה֥וּא עָיֵֽף׃
29
29
Und Jaakow kochte eine Speise, und Esaw kam vom Feld und er war erschöpft.
kochte
וַיָּזֶד ist ein Ausdruck für „kochen“, wie der Targum übersetzt וּבַשֵּׁיל.
Raschi
er war erschöpft: vom Morden, wie es heißt (Jirm. 4:31) כִּי עָיְפָה נַפְשִׁי לְהֹרְגִים „meine Seele ist erschöpft wegen der Erschlagenen“.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר עֵשָׂ֜ו אֶֽל־יַעֲקֹ֗ב הַלְעִיטֵ֤נִי נָא֙ מִן־הָאָדֹ֤ם הָאָדֹם֙ הַזֶּ֔ה כִּ֥י עָיֵ֖ף אָנֹ֑כִי עַל־כֵּ֥ן קָרָֽא־שְׁמ֖וֹ אֱדֽוֹם׃
30
30
Da sagte Esaw zu Jaakow: Lass mich doch verschlingen von dem Roten, diesem Roten da, denn ich bin erschöpft! Darum nannte man seinen Namen auch Edom (der Rote).
Lass mich verschlingen
הַלְעִיטֵנִי, ich öffne den Mund, und du gieße mir viel hinein.
Wie wir lernen (Schabbat 155b) אֵין אוֹבְסִין אֶת הַגָּמָל אֲבָל מַלְעִיטִין אוֹתוֹ, man darf das Kamel nicht stopfen, aber es schlingen machen.
Raschi
von dem Roten: rote Linsen. An jenem Tag war Awraham verstorben, damit er nicht sehen müsse, wie sein Enkel Esaw einen verkommenen Lebenswandel führt; und das wäre kein „gutes Greisenalter“ (שֵׂיבָה טוֹבָה) für ihn gewesen, wie es ihm der Ewige versprochen hatte. Darum verkürzte der Ewige seine Jahre um fünf Jahre. Jizchak lebte 180 Jahre, und er nur 175. Und da kochte Jaakow Linsen, um dem trauernden Jizchak die erste Mahlzeit zu geben.
Warum aber Linsen? Weil sie einem Rad gleichen; denn die Trauer ist ein Rad, das in der Welt umhergeht. Und ferner, wie Linsen keinen Mund haben [kreisrund und ohne Einschnitt sind], so hat auch der Trauernde (אָבֵל) keinen Mund, da er nicht sprechen darf. Darum ist es Brauch, dem Trauernden zur ersten Mahlzeit Eier zu reichen, weil sie rund sind und keinen Mund haben. Denn auch der Trauernde hat keinen Mund, wie wir in Moed Katan (21b) sagen: Der Trauernde antwortet keinem Menschen auf den Gruß während der ersten drei Tage, und umso mehr grüße er nicht selbst zuerst; von drei bis sieben Tagen darf er antworten, aber nicht zuerst grüßen.
Raschi
וַיֹּ֖אמֶר יַעֲקֹ֑ב מִכְרָ֥ה כַיּ֛וֹם אֶת־בְּכֹֽרָתְךָ֖ לִֽי׃
31
31
Und es sagte Jaakow: Verkaufe mir heute deine Rechte des Erstgeborenen.
Verkaufe mir heute
מִכְרָה כַיּוֹם „Verkaufe mir heute“. Nach dem Targum כְּיוֹם דִּלְהֵן „gleich dem heutigen Tag“; wie der Tag klar ist, so verkaufe mir mit einem klaren Verkauf.
Raschi
Rechte des Erstgeborenen
בְּכֹרָתְךָ „Erstgeburt“. Weil der Opferdienst durch den Erstgeborenen ausgeführt wurde, sagte Jaakow: Dieser Böse ist nicht würdig, dem Ewigen Opfer darzubringen.
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר עֵשָׂ֔ו הִנֵּ֛ה אָנֹכִ֥י הוֹלֵ֖ךְ לָמ֑וּת וְלָמָּה־זֶּ֥ה לִ֖י בְּכֹרָֽה׃
32
32
Und Esaw sagte: Siehe, ich gehe doch zum Tod, wozu brauche ich die Erstgeburt?
Siehe, ich gehe doch zum Tod
Es wankt und weicht das Recht der Erstgeburt. Der Opferdienst wird nicht für immer bei den Erstgeborenen sein, sondern der Stamm Levi wird ihn erhalten.
Weiters sagte Esaw: Was ist die Eigenschaft dieses Opferdienstes? Da antwortete er ihm: So viel Verwarnungen, Strafen und Todesverschuldungen sind damit verbunden. Wie wir gelernt haben (Sanh. 22b): Folgende sind todesschuldig: die Wein getrunken haben, die ihr Haar wild wachsen haben lassen. Da sagte Esaw: Ich gehe doch zum Tod dadurch, wie sollte ich daran Wohlgefallen haben?
Raschi
וְיַעֲקֹ֞ב נָתַ֣ן לְעֵשָׂ֗ו לֶ֚חֶם וּנְזִ֣יד עֲדָשִׁ֔ים וַיֹּ֣אכַל וַיֵּ֔שְׁתְּ וַיָּ֖קָם וַיֵּלַ֑ךְ וַיִּ֥בֶז עֵשָׂ֖ו אֶת־הַבְּכֹרָֽה׃ (ס)
34
34
Und Jaakow gab Esaw Brot und eine Speise aus Linsen und er aß und trank, machte sie auf und ging. So verachtete Esaw die Erstgeburt.
So verachtete Esaw die Erstgeburt
Der Vers bezeugt seine Bosheit, dass er den Dienst des Ewigen verachtete.
Raschi
וַיְהִ֤י רָעָב֙ בָּאָ֔רֶץ מִלְּבַד֙ הָרָעָ֣ב הָרִאשׁ֔וֹן אֲשֶׁ֥ר הָיָ֖ה בִּימֵ֣י אַבְרָהָ֑ם וַיֵּ֧לֶךְ יִצְחָ֛ק אֶל־אֲבִימֶּ֥לֶךְ מֶֽלֶךְ־פְּלִשְׁתִּ֖ים גְּרָֽרָה׃
1
1
Es war Hungersnot im Land, außer der ersten Hungersnot, die in den Tagen von Awraham war, da ging Jizchak zu Awimelech, dem König der Plischtim nach Gerar.
וַיֵּרָ֤א אֵלָיו֙ יְהוָ֔ה וַיֹּ֖אמֶר אַל־תֵּרֵ֣ד מִצְרָ֑יְמָה שְׁכֹ֣ן בָּאָ֔רֶץ אֲשֶׁ֖ר אֹמַ֥ר אֵלֶֽיךָ׃
2
2
Der Ewige erschien ihm und sagte: Ziehe nicht hinunter nach Mizraim, wohne in dem Land, das Ich dir sagen werde.
Ziehe nicht hinunter nach Mizraim
Denn seine Absicht war, nach Mizraim hinunterzuziehen, wie sein Vater in den Tagen der Hungersnot dorthin gezogen war. Da sagte G‑tt zu ihm: Ziehe nicht nach Mizraim hinunter. Denn du bist ein fehlerloses Ganzopfer (עוֹלָה תְּמִימָה), und das Ausland ist nicht passend für dich.
Raschi
גּ֚וּר בָּאָ֣רֶץ הַזֹּ֔את וְאֶֽהְיֶ֥ה עִמְּךָ֖ וַאֲבָרְכֶ֑ךָּ כִּֽי־לְךָ֣ וּֽלְזַרְעֲךָ֗ אֶתֵּן֙ אֶת־כָּל־הָֽאֲרָצֹ֣ת הָאֵ֔ל וַהֲקִֽמֹתִי֙ אֶת־הַשְּׁבֻעָ֔ה אֲשֶׁ֥ר נִשְׁבַּ֖עְתִּי לְאַבְרָהָ֥ם אָבִֽיךָ׃
3
3
Wohne in diesem Land, Ich werde mit dir sein und werde dich segnen. Denn dir und deinen Nachkommen werde Ich geben alle diese Länder und werde bestätigen den Schwur, den Ich mit einem Schwur zugesagt habe deinem Vater Awraham.
diese Länder
Das Wort הָאֵל ist so wie הָאֵלֶּה zu lesen.
Raschi
וְהִרְבֵּיתִ֤י אֶֽת־זַרְעֲךָ֙ כְּכוֹכְבֵ֣י הַשָּׁמַ֔יִם וְנָתַתִּ֣י לְזַרְעֲךָ֔ אֵ֥ת כָּל־הָאֲרָצֹ֖ת הָאֵ֑ל וְהִתְבָּרֲכ֣וּ בְזַרְעֲךָ֔ כֹּ֖ל גּוֹיֵ֥י הָאָֽרֶץ׃
4
4
Ich werde viel sein lassen deine Nachkommen, wie die Sterne des Himmels und werde geben deinen Nachkommen alle diese Länder. Es sollen sich segnen mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde,
Es sollen sich segnen mit deinen Nachkommen
Ein Mensch sagt zu seinem Sohn: Deine Nachkommen sollen wie die Nachkommen von Jizchak sein! Das bedeutet es überall in der Torah, und folgendes ist die Quelle für alle Stellen: בְּךָ יְבָרֵךְ יִשְׂרָאֵל לֵאמֹר [יְשִׂמְךָ אֱלֹהִים כְּאֶפְרַיִם וְכִמְנַשֶּׁה] „mit dir wird Israel segnen, sagend, es mache dich …“ (Ber. 48:20).
Und auch bei der Verwünschung finden wir so וְהָיְתָה הָאִשָּׁה לְאָלָה „die Frau werde zur Verwünschung“ (Bam. 5:27). Wer seinen Feind verwünscht, sagt: „Werde wie jene!“.
Ebenso (Jesch. 65:15) וְהִנַּחְתֶם שִׁמְכֶם לִשְׁבוּעָה לִבְחִירַי „ihr macht euren Namen zum Schwur“. Denn wer schwört, sagt: Ich will wie jener sein, wenn ich so und so getan habe.
Raschi
עֵ֕קֶב אֲשֶׁר־שָׁמַ֥ע אַבְרָהָ֖ם בְּקֹלִ֑י וַיִּשְׁמֹר֙ מִשְׁמַרְתִּ֔י מִצְוֺתַ֖י חֻקּוֹתַ֥י וְתוֹרֹתָֽי׃
5
5
weil Awraham gehört hat auf Meine Stimme und bewahrt hat Meine Maßnahmen, Meine Gebote, Meine Anordnungen und Meine Lehren.
weil Awraham gehört hat auf Meine Stimme: als Ich ihn prüfte.
Raschi
und bewahrt hat Meine Maßnahmen: Verbote, die von der Übertretung der Verwarnungen der Torah fernhalten. Wie die zweiten Grade der verbotenen Ehen (שְׁנִיּוֹת לָעֲרָיוֹת), und die rabbinischen Bestimmungen für den Schabbat (שְׁבוּת לַשַּׁבָּת). (Jewamot 21a)
Raschi
Meine Gebote: Dinge, die, wenn sie nicht geschrieben wären, dennoch verboten werden müssten, wie Raub und Blutvergießen (Joma 67b).
Raschi
Meine Anordnungen: Dinge, gegen die der böse Trieb (יֵּצֶר הָרָע) und die Völker der Welt Einwendungen machen, wie den Genuss von Schweinefleisch und das Anziehen einer Verbindung von Wolle und Leinen (שַׁעְטְנֵז), für die uns keine Begründung bekannt ist; sondern die eine Anordnung des Königs und seine Erlässe für seine Diener sind (Joma 67b).
Raschi
und Meine Lehren: das fügt die Mündliche Torah (תּוֹרָה שֶׁבְּעַל פֶּה) hinzu, die Überlieferung an Mosche vom Sinai.
Raschi