וַיָּ֥לֶן שָׁ֖ם בַּלַּ֣יְלָה הַה֑וּא וַיִּקַּ֞ח מִן־הַבָּ֧א בְיָד֛וֹ מִנְחָ֖ה לְעֵשָׂ֥ו אָחִֽיו׃
14
14
Jaakow blieb dort in jener Nacht und als er erwachte, nahm von dem, was er in seiner Hand hatte, als Geschenk für seinen Bruder Esaw:
von dem, was er in seiner Hand hatte
הַבָּא בְיָדוֹ „von dem, was er seiner Hand hatte“: in seinem Besitz. So finden wir (Bam. 21:26) וַיִּקַּח אֶת כָּל אַרְצוֹ מִיָּדוֹ „er nahm sein ganzes Land aus seiner Hand“.
Der Midrasch sagt, „von dem, was er in seiner Hand hatte“: Edelsteine und Perlen, die man in einem Beutel verwahrt und in der Hand trägt.
Andere Erklärung: von dem, was ihm gehörte und nicht heilig war, weil er Ma∙asser abgesondert hatte, wie es zuvor heißt (Ber. 28:22) עַשֵּׂר אֲעַשְּׂרֶנּוּ לָךְ „[von allem, was Du mir gibst,] werde ich ein Zehntel (Ma∙asser) für Dich beiseite legen“, und dann erst nahm er das Geschenk.
Raschi
עִזִּ֣ים מָאתַ֔יִם וּתְיָשִׁ֖ים עֶשְׂרִ֑ים רְחֵלִ֥ים מָאתַ֖יִם וְאֵילִ֥ים עֶשְׂרִֽים׃
15
15
200 Ziegen und 20 Böcke, 200 Schafe und 20 Widder,
200 Ziegen und 20 Böcke
200 Ziegen brauchen 20 Böcke. Und so bei allen: soviel Männchen, wie für die Weibchen nötig waren.
In Bereschit Rabba (76:7) wird erklärt: von hier lernen wir die in der Torah vorgeschriebene Ehepflicht (עוֹנָה). Für diejenigen, die nicht nötig haben, zu arbeiten, ist sie täglich. Für Arbeiter zwei Mal in der Woche. Für diejenigen, die mit ihrem Esel Lasten transportieren, einmal in der Woche. Die mit Kamelen weiter liegende Transporte besorgen, ein Mal in 30 Tagen. Für Schiffer ein Mal in sechs Monaten.
Doch verstehe ich nicht, wie man den Midrasch dieser Halacha genau anpassen kann. Darum scheint mir, dass wir von hier nur herauslernen, dass die Ehepflicht nicht bei allen Menschen gleich ist, sondern von der Mühe der Arbeit abhängt. So finden wir hier, dass er jedem Bock zehn Ziegen gab, und ebenso jedem Widder. Weil diese frei von Arbeit sind, ist ihre Art, viel zu zeugen und zehn Weibchen trächtig zu machen. Ein Tier aber, das trächtig ist, meidet das Männchen. Bei den Stieren, die mit Arbeit beschäftigt sind, gab er dem Männchen nur vier Weibchen. Beim Esel, der weite Reisen macht, nur zwei Weibchen für ein Männchen. Und bei den Kamelen, die noch weitere Reisen machen, ein Weibchen für ein Männchen.
Raschi
גְּמַלִּ֧ים מֵינִיק֛וֹת וּבְנֵיהֶ֖ם שְׁלֹשִׁ֑ים פָּר֤וֹת אַרְבָּעִים֙ וּפָרִ֣ים עֲשָׂרָ֔ה אֲתֹנֹ֣ת עֶשְׂרִ֔ים וַעְיָרִ֖ם עֲשָׂרָֽה׃
16
16
30 säugende Kamele mit ihren Jungen, 40 Kühe und 10 Stiere, 20 Eselinnen und 10 Esel.
30 säugende Kamele mit ihren Jungen
[Lies nicht גְּמַלִּים מֵינִיקוֹת, וּבְנֵיהֶם שְׁלֹשִׁים „Säugende Kamele, und mit ihnen 30 Jungtiere“, sondern] גְּמַלִּים מֵינִיקוֹת שְׁלֹשִׁים, וּבְנֵיהֶם – עִמָּהֶם „dreissig säugende Kamele mit ihren Jungen“.
Der Midrasch sagt: Lies das Wort בְנֵיהֶם („Jungen“) hier als בָּנְאֵיהֶם („Erbauer“, „Gatte“), ein Männchen für jedes Weibchen; weil das Kamel in seinem Eheleben sehr verschämt ist, hat die Torah nicht offen davon gesprochen (Bereschit Rabba 76:7).
Raschi
und 10 Esel
עְיָרִם – männliche Esel.
Raschi
וַיִּתֵּן֙ בְּיַד־עֲבָדָ֔יו עֵ֥דֶר עֵ֖דֶר לְבַדּ֑וֹ וַ֤יֹּאמֶר אֶל־עֲבָדָיו֙ עִבְר֣וּ לְפָנַ֔י וְרֶ֣וַח תָּשִׂ֔ימוּ בֵּ֥ין עֵ֖דֶר וּבֵ֥ין עֵֽדֶר׃
17
17
Und er übergab sie seinen Dienern, jede Herde besonders, und sagte zu seinen Dienern: Zieht vor mir her und legt Abstand zwischen Herde und Herde.
jede Herde besonders
עֵדֶר עֵדֶר לְבַדּוֹ, wörtl. Herde um Herde besonders.
jede Herde besonders: jede Art für sich.
Raschi
Zieht vor mir her: eine Tagesreise oder weniger, und ich werde hinter euch herkommen.
Raschi
legt Abstand zwischen Herde und Herde
Jede Herde sei, soweit ein Auge sehen kann, vor der anderen, um das Auge [die Gier] des bösen Esaw zu sättigen und in Staunen zu versetzen über die Größe des Geschenks.
Raschi
וַיְצַ֥ו אֶת־הָרִאשׁ֖וֹן לֵאמֹ֑ר כִּ֣י יִֽפְגָּשְׁךָ֞ עֵשָׂ֣ו אָחִ֗י וִשְׁאֵֽלְךָ֙ לֵאמֹ֔ר לְמִי־אַ֙תָּה֙ וְאָ֣נָה תֵלֵ֔ךְ וּלְמִ֖י אֵ֥לֶּה לְפָנֶֽיךָ׃
18
18
Und er befahl dem ersten Diener und sagte: Wenn dich mein Bruder Esaw trifft und dich fragt: Zu wem gehörst du? Wohin gehst du? Für wen sind diese, die vor dir sind?
Zu wem gehörst du?
לְמִי אַתָּה „zu wem gehörst du“, wer hat dich geschickt? Der Targum übersetzt דְּמַאן אַתְּ „zu wem gehörst du“?
Raschi
Die Worte לְמִי אַתָּה können nicht „zu wem gehst du?“ bedeuten, denn die richtige Antwort auf eine solche Frage wäre „zu meinem Herrn Esaw“. Im nächsten Vers aber heißt es, dass die Boten antworten sollen: לְעַבְדְּךָ לְיַעֲקֹב „Zu deinem Diener Jaakow [gehöre ich]“. Vielmehr würde Esaw ihnen die Frage stellen לְמִי אַתָּה „Wem gehörst du?“, wer hat dich geschickt, worauf die richtige Antwort tatsächlich lautet: לְעַבְדְּךָ לְיַעֲקֹב „Zu deinem Diener Jaakow [gehöre ich]“.
Misrachi
Außerdem kann לְמִי אַתָּה nicht „zu wem gehst du“ bedeuten, denn dies ist die letzte Frage, die Yaakov erwähnt: וּלְמִי אֵלֶּה לְפָנֶיךָ „Für wen sind diese, die vor dir sind?“
Sikaron
Für wen sind diese, die vor dir sind?
Wem wird dieses Geschenk geschickt? Der Buchstabe ל (Lamed) am Anfang des Wortes hat die Bedeutung von שֶׁל; wie (Ber. 31:43) וְכֹל אֲשֶׁר אַתָּה רוֹאֶה לִי הוּא „und alles, was du siehst, gehört mir“ – so wie שֶׁלִּי; (Teh. 24:1) לַה׳ הָאָרֶץ וּמְלוֹאָהּ „dem Ewigen gehört die Erde und was sie füllt“ – so wie שֶׁל ה׳.
Raschi
וְאָֽמַרְתָּ֙ לְעַבְדְּךָ֣ לְיַעֲקֹ֔ב מִנְחָ֥ה הִוא֙ שְׁלוּחָ֔ה לַֽאדֹנִ֖י לְעֵשָׂ֑ו וְהִנֵּ֥ה גַם־ה֖וּא אַחֲרֵֽינוּ׃
19
19
Dann antworte: Zu deinem Diener Jaakow gehöre ich. Ein Geschenk ist es, geschickt an meinen Herrn, an Esaw; und auch er selbst kommt hinter uns.
Dann antworte: Zu deinem Diener Jaakow gehöre ich
Auf das Erste antworte zuerst und auf das Letzte zuletzt. Du hast gefragt, wem gehörst du: Zu deinem Diener Jaakow gehöre ich. Der Targum übersetzt דְּעַבְדָּךְ דְּיַעֲקֹב „ich bin von deinem Diener, von Jaakow“. Und zu deiner Frage, wem gehören diese vor dir: Ein Geschenk ist es, geschickt …
Raschi
und auch er selbst, Jaakow, kommt hinter uns.
Raschi
וַיְצַ֞ו גַּ֣ם אֶת־הַשֵּׁנִ֗י גַּ֚ם אֶת־הַשְּׁלִישִׁ֔י גַּ֚ם אֶת־כָּל־הַהֹ֣לְכִ֔ים אַחֲרֵ֥י הָעֲדָרִ֖ים לֵאמֹ֑ר כַּדָּבָ֤ר הַזֶּה֙ תְּדַבְּר֣וּן אֶל־עֵשָׂ֔ו בְּמֹצַאֲכֶ֖ם אֹתֽוֹ׃
20
20
So befahl er auch dem zweiten Diener, auch dem dritten, so allen, die hinter den Herden gingen: in dieser Weise sprechet zu Esaw, wenn ihr ihn trefft,
וַאֲמַרְתֶּ֕ם גַּ֗ם הִנֵּ֛ה עַבְדְּךָ֥ יַעֲקֹ֖ב אַחֲרֵ֑ינוּ כִּֽי־אָמַ֞ר אֲכַפְּרָ֣ה פָנָ֗יו בַּמִּנְחָה֙ הַהֹלֶ֣כֶת לְפָנָ֔י וְאַחֲרֵי־כֵן֙ אֶרְאֶ֣ה פָנָ֔יו אוּלַ֖י יִשָּׂ֥א פָנָֽי׃
21
21
und ihr sollt sagen: Auch dein Diener Jaakow ist hinter uns, denn er sagte: Ich will ihn versöhnen durch das Geschenk, das vor mir hergeht, und nachher will ich sehen sein Gesicht, vielleicht nimmt er mich freundlich auf.
Ich will ihn versöhnen
אֲכַפְּרָה פָנָיו, ich will seinen Zorn aufheben. Ebenso (Jesch. 28:18) וְכֻפַּר בְּרִיתְכֶם אֶת מָוֶת „euer Bund mit dem Tod wird aufgehoben“; (Jesch. 47:11) לֹא תוּכְלִי כַּפְּרָהּ „du kannst es nicht abwenden“.
Es scheint mir, dass der Ausdruck כַּפָּרָה überall, wo er neben „Schuld“ (עָוֹן) und „Sünde“ (חֵטְא), und neben „Zorn“ (פָּנִים) vorkommt, immer soviel wie Abwischen und Entfernen bedeutet. Der Ausdruck kommt im Aramäischen vor, und im Talmud finden wir ihn häufig, וְכַפַּר יְדֵיהּ „die Hand abwischen“ (Bawa Mezia 24a), בָּעִי לְכַפּוּרֵי יְדֵיהּ בְּהַהוּא גַבְרָא „er will die Hand an diesem Mann abwischen“ (Gittin 56a). Und auch im Sprachgebrauch der Torah werden die Gefäße für das Spritzen des Blutes im Heiligtum כְּפוֹרֵי זָהָב genannt (Esra 1:10), weil der Kohen seine Hände daran abwischt, am Rand des Gefäßes.
Raschi
Bawa Mezia 24a] Als Mar Sutra der Chassid einst zu Gast in einem Haus war, wurde ein silberner Becher vom Gastgeber gestohlen. Nach einiger Zeit bemerkte Mar Sutra, wie sich ein Schüler des Bet Midrasch die Hände wusch und daraufhin am Gewand eines anderen abwischte (דְּכַפַּר יְדֵיהּ בִּגְלִימָא דְחַבְרֵיהּ, siehe Version in Dikduke Sofrim und Rosch). Da sagte Mar Sutra: Das ist der Dieb, denn er ehrt nicht das Eigentum seines Nächsten. Man band ihn, und er gestand es ein.
[Gittin 56a] Die Römer sandten Nero gegen Jeruschalaim, und als er kam, schoss er einen Pfeil gegen Osten, und er fiel nach Jeruschalaim hin, gegen Westen, und er fiel gegen Jeruschalaim hin, nach allen vier Himmelsrichtungen, und er fiel nach Jeruschalaim hin. Da traf er auf einen Jungen und fragte ihn: Sage mir den Vers, den du heute in der Schule gelernt hast [als Wahrsagung]. Der Junge antwortete: וְנָתַתִּי אֶת נִקְמָתִי בֶּאֱדוֹם בְּיַד עַמִּי יִשְׂרָאֵל „Ich vollführe Meine Rache über Edom durch Mein Volk Israel“ (Jech. 25:14). Da sagte Nero: Der Ewige will Sein Haus zerstören und Seine Hände will Er an mir abwischen (בָּעֵי לְכַפּוֹרֵי יְדֵיהּ בְּהָהוּא גַּבְרָא). Da floh er und nahm das Judentum auf sich. Von ihm stammt Rabbi Meir ab.
וַתַּעֲבֹ֥ר הַמִּנְחָ֖ה עַל־פָּנָ֑יו וְה֛וּא לָ֥ן בַּלַּֽיְלָה־הַה֖וּא בַּֽמַּחֲנֶֽה׃
22
22
Das Geschenk zog vorüber vor seinem Gesicht, und Jaakow übernachtete in dieser Nacht im Lager.
vor seinem Gesicht
עַל פָּנָיו ist so wie לְפָנָיו, vor ihm. Ebenso (Jirm. 6:7) חָמָס וָשׁוֹד יִשָּׁמַע בָּהּ עַל פָּנַי תָּמִיד „von Gewalttat und Zerstörung hört man in ihr ständig vor meinem Angesicht“. Ebenso (Jesch. 65:3) הַמַּכְעִיסִים אוֹתִי עַל פָּנַי „die Leute, die mich beständig ins Angesicht reizen“.
Der Midrasch deutet עַל פָּנָיו „zu seinem Zorn“: auch er befand sich im Zorn, weil er all das nötig hatte.
Raschi
וַיָּ֣קָם ׀ בַּלַּ֣יְלָה ה֗וּא וַיִּקַּ֞ח אֶת־שְׁתֵּ֤י נָשָׁיו֙ וְאֶת־שְׁתֵּ֣י שִׁפְחֹתָ֔יו וְאֶת־אַחַ֥ד עָשָׂ֖ר יְלָדָ֑יו וַֽיַּעֲבֹ֔ר אֵ֖ת מַעֲבַ֥ר יַבֹּֽק׃
23
23
Und er stand auf in dieser Nacht, nahm seine zwei Frauen und seine zwei Mägde und seine elf Kinder und zog durch die Furt des Jabok.
seine elf Kinder
Und wo war Dina? Er hatte sie in einem Kasten versteckt, damit Esaw sie nicht sähe. Dafür wurde Jaakow bestraft, dass er sie seinem Bruder verweigert hatte. Denn vielleicht hätte sie ihn zum Guten zurückgeführt. Und so fiel sie in die Hand von Sch’chem.
Raschi
des Jabok: so heißt der Fluss.
Raschi
וַיִּקָּחֵ֔ם וַיַּֽעֲבִרֵ֖ם אֶת־הַנָּ֑חַל וַֽיַּעֲבֵ֖ר אֶת־אֲשֶׁר־לוֹ׃
24
24
Er nahm sie und führte sie über den Bach und führte hinüber, was ihm gehörte.
was ihm gehörte: die Tiere und die beweglichen Gegenstände (מִּטַּלְטְּלִים). Er machte sich wie eine Brücke, hob auf dieser Seite auf und legte es auf der anderen Seite wieder nieder.
Raschi
וַיִּוָּתֵ֥ר יַעֲקֹ֖ב לְבַדּ֑וֹ וַיֵּאָבֵ֥ק אִישׁ֙ עִמּ֔וֹ עַ֖ד עֲל֥וֹת הַשָּֽׁחַר׃
25
25
Es blieb Jaakow allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte heraufkam.
Es blieb Jaakow allein zurück
Er hatte kleine Krüge (פַּכִּים קְטַנִּים) vergessen und kehrte wegen ihnen zurück (Chulin 91a).
Raschi
Jaakow kehrte für die kleinen Krüge zurück, obwohl es Nacht war und gefahrvoll, alleine zurückzugehen. Die Krüge enthielten Öl, das Jaakow als Gussopfer (נְסָכִים) darbringen wollte, um sein Gelübde zu erfüllen, als er das Land Israel verließ (siehe Ber. 28:22, וְהָאֶבֶן הַזֹּאת אֲשֶׁר שַׂמְתִּי מַצֵּבָה יִהְיֶה בֵּית אֱלֹהִים „dann soll dieser Stein, den ich als Denkmal aufgestellt habe, ein Haus G‑ttes werden“; siehe weiter 35:14). Die Krüge waren somit nicht sein Privatbesitz, sondern dem Himmel geweiht.
Jeriot Schlomo
Jaakow hatte bereits all die Seinigen und das Seine über den Fluss gebracht. So erklärt sich וַיִּוָּתֵר יַעֲקֹב לְבַדּוֹ „Es blieb Jaakow allein zurück“ nur damit: nachdem er bereits alles hinüber gebracht hatte, kehrte er noch einmal zurück, um nachzusehen, ob er nichts vergessen habe. Daraus ist zu lernen, wie wichtig den Gerechten ihr Besitz ist. – Weshalb das? – Weil sie ihre Hand nicht nach Raub ausstrecken.
Chulin 91a
Der Gerechte erblickt auch in dem kleinsten Wert rechtlich erworbenen Vermögens ein Heiligtum, das er weder vergeuden, noch nutzlos umkommen lassen dürfe, für dessen Verwendung er Rechenschaft zu geben habe. Eine Million hat für ihn den Wert einer Stecknadel, wenn es gilt, sie für g‑ttgefällige Zwecke zu verausgaben, eine Stecknadel den Wert einer Million, wenn sie nutz- und zwecklos umkommen soll. Das geringste erworbene Gut ist dem, der nur das sein eigen nennt, was seinem redlichen Bemühen zu erwerben gelungen ist, ein Zeichen der ihm fürsorgenden Allmacht und Güte G‑ttes und darum von unnennbarem Wert.
Rabbi Schimschon R. Hirsch
Der Begriff פַּכִּים קְטַנִּים bezieht sich auf Jaakows materiellen Besitz. Neben seinen Frauen und Kindern war ihm der Besitz wie פַּכִּים קְטַנִּים „kleine Krüge“.
Abarbanel
ringen: mit körperlichem Einsatz gegen jemanden kämpfen.
Da rang ein Mann
Menachem ben Seruk erklärt: וַיֵּאָבֵק אִישׁ – וַיִּתְעַפֵּר אִישׁ, vom Wort אָבָק „Staub“; durch ihre Bewegungen mit den Füßen stieg der Staub auf.
Mir aber scheint, es bedeutet וַיִּתְקַשֵּׁר „er verband sich“; der Ausdruck kommt auch im Aramäischen vor. בָּתַר דַּאֲבִיקוּ בֵיהּ (Sanhedrin 63b) „nachdem sie sich der Sache angeschlossen hatten“; וַאֲבֵיק לֵיהּ מֵיבַק (Menachot 42a) „und befestigt sie daran“, soviel wie Schleife. Denn so pflegen zwei Menschen zu tun, die sich anstrengen, einander zu Boden zu werfen, dass einer den anderen umschlingt und mit seinen Armen bindet.
Unsere Lehrer sel.A. (Bereschit Rabba 76:3) erklären, es war der Engelfürst von Esaw (שָׂרוֹ שֶׁל עֵשָׂו).
Raschi
וַיַּ֗רְא כִּ֣י לֹ֤א יָכֹל֙ ל֔וֹ וַיִּגַּ֖ע בְּכַף־יְרֵכ֑וֹ וַתֵּ֙קַע֙ כַּף־יֶ֣רֶךְ יַעֲקֹ֔ב בְּהֵֽאָבְק֖וֹ עִמּֽוֹ׃
26
26
Als er sah, dass er ihn nicht bezwingen konnte, da berührte er sein Hüftgelenk, und es verrenkte sich das Hüftgelenk Jaakows, während er mit ihm rang.
da berührte er sein Hüftgelenk
בְּכַף יְרֵכוֹ „sein Hüftgelenk“: seine Hüftpfanne. Der Hüftknochen, der in der Hüfte steckt, wird Pfanne (כַּף) genannt, weil das Fleisch darauf hohl wie ein Kochlöffel geformt ist.
Raschi
und es verrenkte sich
וַתֵּקַע, es wich von der Stelle, wurde von der Stelle ihrer Verbindung gerissen. Ähnlich (Jirm. 6:8) פֶּן תֵּקַע נַפְשִׁי מִמֵּךְ „dass meine Seele nicht von Dir weiche“, in der Bedeutung von sich entfernen. In der Mischna לְקַעְקֵעַ בֵּיצָתָן „ihre Brut zu vernichten“, ihre Wurzeln auszureißen.
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר שַׁלְּחֵ֔נִי כִּ֥י עָלָ֖ה הַשָּׁ֑חַר וַיֹּ֙אמֶר֙ לֹ֣א אֲשַֽׁלֵּחֲךָ֔ כִּ֖י אִם־בֵּרַכְתָּֽנִי׃
27
27
Dann sagte er: Entlasse mich, denn die Morgenröte ist aufgegangen! Aber Jaakow sagte: Ich entlasse dich nicht, außer du hast mich vorher gesegnet.
die Morgenröte ist aufgegangen: und bei Tag muss ich das Lob G‑ttes singen.
Raschi
außer du hast mich gesegnet
Erkenne mir die Segnungen an, mit denen mein Vater Jizchak mich gesegnet hat und gegen die Esaw Einspruch erhebt.
Raschi
וַיֹּ֗אמֶר לֹ֤א יַעֲקֹב֙ יֵאָמֵ֥ר עוֹד֙ שִׁמְךָ֔ כִּ֖י אִם־יִשְׂרָאֵ֑ל כִּֽי־שָׂרִ֧יתָ עִם־אֱלֹהִ֛ים וְעִם־אֲנָשִׁ֖ים וַתּוּכָֽל׃
29
29
*Da sagte er: Dein Name soll nicht mehr Jaakow sein, sondern Israel. Denn du hast gestritten (sarita) mit g‑ttlichen Wesen und mit Menschen und hast sie bezwungen.*
Dein Name soll nicht mehr Jaakow sein
יַעֲקֹב „Jaakow“: es soll nicht mehr gesagt werden, dass die Segnungen dir nur durch Nachstellung (עָקְבָה, akwa) und List zuteil geworden sind. Sondern durch Adel und Offenheit. Und zuletzt wird der Ewige dir in Bet El erscheinen und deinen Namen ändern. Dort segnet Er dich, und ich werde dort sein und sie dir anerkennen. Das ist, was geschrieben steht (Hosch. 12:5) וַיָּשַׂר אֶל מַלְאָךְ וַיֻּכָל בָּכָה וַיִּתְחַנֶּן לוֹ „er rang mit dem Engel und siegte, er weinte und flehte zu ihm“. Der Engel weinte und flehte zu ihm. Was flehte er zu ihm? בֵּית אֵל יִמְצָאֶנּוּ וְשָׁם יְדַבֵּר עִמָּנוּ „In Bet El wird Er uns finden und dort mit uns reden.“ Gib mir Zeit, bis Er dort mit uns reden wird. Aber Jaakow wollte nicht, und gegen seinen Willen musste er sie ihm gleich anerkennen. Das bedeutet (nächster Vers) וַיְבָרֶךְ אוֹתוֹ שָׁם „und er segnete ihn dort“. Er hatte gefleht, er solle ihm Zeit geben, aber er wollte nicht.
Raschi
mit Menschen: Esaw und Lawan,
und hast sie besiegt.
Raschi
וַיִּשְׁאַ֣ל יַעֲקֹ֗ב וַיֹּ֙אמֶר֙ הַגִּֽידָה־נָּ֣א שְׁמֶ֔ךָ וַיֹּ֕אמֶר לָ֥מָּה זֶּ֖ה תִּשְׁאַ֣ל לִשְׁמִ֑י וַיְבָ֥רֶךְ אֹת֖וֹ שָֽׁם׃
30
30
Dann fragte Jaakow und sagte: Sage doch deinen Namen! Er sagte: Wozu fragst du nach meinem Namen? Und er segnete ihn dort.
Wozu fragst du nach meinem Namen?
Wir haben keinen bestimmten Namen, unsere Namen ändern sich stets nach dem Gebot des Dienstauftrages, zu dem wir geschickt werden.
Raschi