וַיֹּ֤אמֶר פַּרְעֹה֙ אֶל־יוֹסֵ֔ף אַחֲרֵ֨י הוֹדִ֧יעַ אֱלֹהִ֛ים אוֹתְךָ֖ אֶת־כָּל־זֹ֑את אֵין־נָב֥וֹן וְחָכָ֖ם כָּמֽוֹךָ׃
39
39
Und Pharao sagte zu Josef: Nachdem dich G‑tt alles das hat erkennen lassen, ist keiner so einsichtig und klug wie du.
ist keiner so einsichtig und klug wie du
Wenn wir einen einsichtigen und klugen Mann suchen, wie du gesagt hast, werden wir keinen gleich dir finden.
Raschi
wie du gesagt hast: siehe zuvor (Ber. 41:33) וְעַתָּה יֵרֶא פַרְעֹה אִישׁ נָבוֹן וְחָכָם וִישִׁיתֵהוּ עַל אֶרֶץ מִצְרָיִם „Und so sehe Pharao nach einem einsichtigen und klugen Mann und setze ihn über das Land Mizraim“
אַתָּה֙ תִּהְיֶ֣ה עַל־בֵּיתִ֔י וְעַל־פִּ֖יךָ יִשַּׁ֣ק כָּל־עַמִּ֑י רַ֥ק הַכִּסֵּ֖א אֶגְדַּ֥ל מִמֶּֽךָּ׃
40
40
Du sollst über mein Haus sein, und laut deiner Anweisung werde mein ganzes Volk versorgt; nur um den Thron will ich größer sein als du.
werde versorgt
יִשַּׁק, wie der Targum sagt יִתְּזָן, ernährt und erhalten werden. Alles, was mein Volk braucht, wird durch dich geschehen, wie (Ber. 15:2) וּבֶן מֶשֶׁק בֵּיתִי „der Verwalter meines Hauses“, und wie (Teh. 2:12) נַשְּׁקוּ בַר „rüstet euch mit reinem Herzen“. Auf Französisch garnison „Versorgung“.
Raschi
nur um den Thron: dass man mich König nennt.
Raschi
Thron: הַכִּסֵּא, wörtl. Stuhl [der Königswürde].
Thron: „Thron“ ist ein Ausdruck für die königliche Würde, wie (1 Kön. 1:37) וִיגַדֵּל אֶת כִּסְאוֹ מִכִּסֵּא אֲדוֹנִי הַמֶּלֶךְ „und lasse seinen Thron größer werden als den Thron meines Herrn, des Königs“.
Raschi
וַיֹּ֥אמֶר פַּרְעֹ֖ה אֶל־יוֹסֵ֑ף רְאֵה֙ נָתַ֣תִּי אֹֽתְךָ֔ עַ֖ל כָּל־אֶ֥רֶץ מִצְרָֽיִם׃
41
41
Pharao sagte weiter zu Josef: Siehe, ich habe dich gesetzt über das ganze Land Mizraim.
ich habe dich gesetzt
נָתַתִּי אֹתְךָ, der Targum sagt דְּמַנִּיתִי יָתָךְ „ich habe dich eingesetzt“.
Dennoch bedeutet es auch נְתִינָה „setzen“, zu etwas machen, wie (Dew. 26:19) וּלְתִתְּךָ עֶלְיוֹן „dich zum Höchsten zu machen“. Sowohl bei einer Würde als auch bei einer Erniedrigung passt der Ausdruck נְתִינָה, wie (Malachi 2:9) נָתַתִּי אֶתְכֶם נִבְזִים וּשְׁפָלִים „ich habe euch verachtet und niedrig gemacht“.
Raschi
Mit dem zweiten Vers, aus Malachi, belegt Raschi, dass das Verb נתן „setzen“ jede Veränderung des Standes beschreiben kann, sei es eine Erhöhung oder eine Herabsetzung.
וַיָּ֨סַר פַּרְעֹ֤ה אֶת־טַבַּעְתּוֹ֙ מֵעַ֣ל יָד֔וֹ וַיִּתֵּ֥ן אֹתָ֖הּ עַל־יַ֣ד יוֹסֵ֑ף וַיַּלְבֵּ֤שׁ אֹתוֹ֙ בִּגְדֵי־שֵׁ֔שׁ וַיָּ֛שֶׂם רְבִ֥ד הַזָּהָ֖ב עַל־צַוָּארֽוֹ׃
42
42
Und Pharao nahm seinen Ring von seiner Hand ab und gab ihn an die Hand Josefs und bekleidete ihn mit kostbaren Gewändern und legte eine goldene Kette um seinen Hals.
Und Pharao nahm seinen Ring ab
Das Verleihen des königlichen Ringes war für den, dem er ihn gab, ein Zeichen, dass er der zweite nach ihm an Würde ist.
Raschi
mit kostbaren Gewändern
בִּגְדֵי שֵׁשׁ, Gewänder aus feinem Leinen, dieser Stoff war etwas Vornehmes in Mizraim.
Raschi
In Mizraim waren Gewänder aus feinem Leinen dem Königshaus und einflussreichen Männern vorbehalten.
Chiskuni, Rabbenu Bechaje, Misrachi
Dagegen war gewöhnliches Leinen in Mizraim reichlich vorhanden, was ein Grund dafür ist, dass der Nil ursprünglich Pischon genannt wurde, da Leinen (Pischtan) an seinen Ufern wuchs.
Raschi zu Bereschit 2:11
In Paraschat Teruma (Schem. 25:4) erklärt Raschi שֵׁשׁ als „Leinen“. Hier hingegen erklärt Raschi שֵׁשׁ als „etwas Vornehmes in Mizraim“. Die hier erwähnten בִּגְדֵי שֵׁשׁ scheinen nicht die Leinengewänder des Mischkan, sondern einen vornehmen Überwurf zu beschreiben, der über den Gewändern getragen wurde und einem Mann in einflussreicher Stelle vorbehalten war.
Diwre David – Tas, in Namen von Dawek Tow
Kette
רְבִד „Halskette“; weil sie aus Ringen zusammengesetzt ist, wird sie רָבִיד genannt. Ebenso (Mischle 7:16) מַרְבַדִּים רָבַדְתִּי עַרְשִׂי „mit Polstern habe ich meine Lagerstätte belegt“, ich habe mein Lager mit Polstern überzogen; in der Sprache der Mischna (Midot 1:8) מֻקָּף רוֹבְדִין שֶׁל אֶבֶן „von Steinreihen eingefasst“; (Joma 43b) עַל הָרוֹבֶד שֶׁבָּעֲזָרָה „auf der Steinreihe im Vorhof“, das ist der Steinboden.
Raschi
וַיַּרְכֵּ֣ב אֹת֗וֹ בְּמִרְכֶּ֤בֶת הַמִּשְׁנֶה֙ אֲשֶׁר־ל֔וֹ וַיִּקְרְא֥וּ לְפָנָ֖יו אַבְרֵ֑ךְ וְנָת֣וֹן אֹת֔וֹ עַ֖ל כָּל־אֶ֥רֶץ מִצְרָֽיִם׃
43
43
Und Pharao ließ Josef auf dem zweiten Wagen fahren, den er hatte, und man rief vor ihm her: „Der Ratgeber des Königs! Bückt das Knie vor ihm!“, — Und er setzte ihn über das ganze Land Mizraim.
auf dem zweiten Wagen: der zweite nach seinem Wagen.
Raschi
Ratgeber
אַבְרֵךְ, wie der Targum übersetzt דֵּין אַבָּא לְמַלְכָּא „dieser ist der Vater des Königs“ [im Sinn von enger Vertrauter und Berater]; רֵךְ bedeutet im Aramäischen „König“. In der Gemara Bawa Batra (4a, Abschnitt ›HaSchutafin‹) לָא רֵיכָא וְלָא בַּר רֵיכָא „weder König noch Königssohn“.
In der Aggada steht: Rabbi Jehuda erklärt, אַבְרֵךְ – ״אָב״ בְּחָכְמָה וְ״רַךְ״ בַּשָּׁנִים, Josef war ein „Vater“ an Weisheit und ein „Junger“ an Jahren. Da sagte zu ihm Rabbi Josi ben Durmaskit, wie lange noch krümmst du uns die Verse? אַבְרֵךְ kommt vom Wort בִּרְכַּיִם „Knie“. Alle mussten vor ihm „auf die Knie“ gehen, unter seiner Macht ein- und ausgehen, wie es in unserem Vers heißtוְנָתוֹן אוֹתו וגו׳ „er setzte ihn …“.
Raschi
וַיֹּ֧אמֶר פַּרְעֹ֛ה אֶל־יוֹסֵ֖ף אֲנִ֣י פַרְעֹ֑ה וּבִלְעָדֶ֗יךָ לֹֽא־יָרִ֨ים אִ֧ישׁ אֶת־יָד֛וֹ וְאֶת־רַגְל֖וֹ בְּכָל־אֶ֥רֶץ מִצְרָֽיִם׃
44
44
Und Pharao sagte zu Josef: Ich bin Pharao, und ohne dich soll keiner seine Hand und seinen Fuß heben im ganzen Land Mizraim.
Ich bin Pharao
אֲנִי פַרְעֹה, ich bin Pharao: ich habe die Macht in meiner Hand, ein Gesetz für mein Reich zu erlassen. Und ich bestimme, dass keiner die Hand erhebe ohne dich, ohne deine Erlaubnis.
Andere Erklärung. ich bin Pharao: ich werde König sein, „und außer dir …“ und das ist ähnlich (zuvor, Vers 40) רַק הַכִּסֵּא אֶגְדַּל מִמֶּךָּ „nur um den Thron will ich größer sein als du“.
Raschi
seine Hand und seinen Fuß heben
אֶת יָדוֹ וְאֶת רַגְלוֹ, wie der Targum übersetzt.
Raschi
לֹא יָרִים אִישׁ אֶת יָדוֹ – לָא יְרִים גְּבַר יָת יְדֵיהּ לְמֵיחַד זֵין, „keiner soll seine Hand heben, um eine Waffe zu ergreifen“,
וְאֶת רַגְלוֹ – וְיָת רַגְלֵיהּ לְמִרְכַּב עַל סוּסְיָא, „und seinen Fuß heben, um auf einem Pferd zu reiten“.
Targum Onkelos
וַיִּקְרָ֨א פַרְעֹ֣ה שֵׁם־יוֹסֵף֮ צָֽפְנַ֣ת פַּעְנֵחַ֒ וַיִּתֶּן־ל֣וֹ אֶת־אָֽסְנַ֗ת בַּת־פּ֥וֹטִי פֶ֛רַע כֹּהֵ֥ן אֹ֖ן לְאִשָּׁ֑ה וַיֵּצֵ֥א יוֹסֵ֖ף עַל־אֶ֥רֶץ מִצְרָֽיִם׃
45
45
*Und Pharao nannte den Namen des Josef Zofnat Paneach* (Enthüller des Verborgenen) und er gab ihm Osnat zur Frau, Tochter von Poti Fera, des Wichtigen von On. Und Josef zog aus über das Land Mizraim.**
Zofnat Paneach
צָפְנַת פַּעְנֵחַ bedeutet „der das Verborgene erklärt“; in der Torah kommt kein dem Wort פַּעְנֵחַ ähnliches Wort vor.
Raschi
Poti Fera
Das ist Potifar, und er wurde „Poti Fera“ (פּוֹטִי פֶרַע) genannt, weil er auf natürliche Weise impotent wurde, als er danach verlangte, Josef zu missbrauchen (Sota 13b).
Raschi
Das Wort פֶרַע bedeutet „leer“, „fehlend“.
וַתַּ֣עַשׂ הָאָ֔רֶץ בְּשֶׁ֖בַע שְׁנֵ֣י הַשָּׂבָ֑ע לִקְמָצִֽים׃
47
47
Das Land erbrachte in den sieben Jahren der Sättigung volle Hände.
Das Land erbrachte
וַתַּעַשׂ הָאָרֶץ, wie der Targum übersetzt וּכְנַשׁוּ דָּיְרֵי אַרְעָא „die Bewohner des Landes sammelten“. Der Ausdruck וַתַּעַשׂ verliert dadurch nicht die Bedeutung von עֲשִׂיָּה „machen“.
Raschi
volle Hände
לִקְמָצִים – קוֹמֶץ עַל קוֹמֶץ, יָד עַל יָד הָיוּ אוֹצְרִים, eine Handvoll nach der anderen sammelten sie.
Raschi
Die Wurzel קמץ bedeutet „Faust“ und wird hier als Synonym für „Hand“ verwendet. „Hand in Hand“ beschreibt, dass eine Person unmittelbar auf die andere folgte. Sobald eine Person ihr Getreide abgeliefert hatte, folgte sofort eine andere Person mit ihrer Lieferung, sodass es aussah, als würde „Hand in Hand“ die Lager füllen.
Gur Arye
וַיִּקְבֹּ֞ץ אֶת־כָּל־אֹ֣כֶל ׀ שֶׁ֣בַע שָׁנִ֗ים אֲשֶׁ֤ר הָיוּ֙ בְּאֶ֣רֶץ מִצְרַ֔יִם וַיִּתֶּן־אֹ֖כֶל בֶּעָרִ֑ים אֹ֧כֶל שְׂדֵה־הָעִ֛יר אֲשֶׁ֥ר סְבִיבֹתֶ֖יהָ נָתַ֥ן בְּתוֹכָֽהּ׃
48
48
Er sammelte alle Nahrung der sieben Jahre, die im Land Mizraim waren, und gab die Nahrung in die Städte; die Nahrung des Feldes jeder Stadt, das rund um sie war, gab er in diese Städte hinein.
die Nahrung des Feldes jeder Stadt, die rund um sie lag, gab er in sie. Denn jedes Land bewahrt seine Früchte vor Fäulnis. Man streut in das Getreide von dem Staub des Ortes, das bewahrt das Getreide vor dem Verfaulen.
Raschi
וַיִּצְבֹּ֨ר יוֹסֵ֥ף בָּ֛ר כְּח֥וֹל הַיָּ֖ם הַרְבֵּ֣ה מְאֹ֑ד עַ֛ד כִּי־חָדַ֥ל לִסְפֹּ֖ר כִּי־אֵ֥ין מִסְפָּֽר׃
49
49
So häufte Josef Getreide auf wie Sand des Meeres, sehr viel, bis man aufhörte zu zählen; denn es hatte keine Zahl.
bis man aufhörte zu zählen
Die Worte עַד כִּי חָדַל לִסְפּוֹר sind kurzgefasst, in voller Länge heißt es עַד כִּי חָדַל לוֹ הַסּוֹפֵר לִסְפּוֹר „bis der Zählende aufhörte zu zählen“.
Raschi
denn es hatte keine Zahl: weil es ohne Zahl war; dieses כִי bedeutet דְּהָא „denn siehe“.
Raschi
וּלְיוֹסֵ֤ף יֻלַּד֙ שְׁנֵ֣י בָנִ֔ים בְּטֶ֥רֶם תָּב֖וֹא שְׁנַ֣ת הָרָעָ֑ב אֲשֶׁ֤ר יָֽלְדָה־לּוֹ֙ אָֽסְנַ֔ת בַּת־פּ֥וֹטִי פֶ֖רַע כֹּהֵ֥ן אֽוֹן׃
50
50
Und Josef wurden zwei Söhne geboren, bevor das Hungerjahr kam, die ihm Osnat gebar, die Tochter Poti Feras, des Wichtigen in On.
bevor das Hungerjahr kam
Von hier geht hervor, dass dem Menschen in Hungerjahren der Eheverkehr verboten ist (Taanit 11a).
Raschi