וַיַּ֣רְא יוֹסֵ֗ף כִּי־יָשִׁ֨ית אָבִ֧יו יַד־יְמִינ֛וֹ עַל־רֹ֥אשׁ אֶפְרַ֖יִם וַיֵּ֣רַע בְּעֵינָ֑יו וַיִּתְמֹ֣ךְ יַד־אָבִ֗יו לְהָסִ֥יר אֹתָ֛הּ מֵעַ֥ל רֹאשׁ־אֶפְרַ֖יִם עַל־רֹ֥אשׁ מְנַשֶּֽׁה׃
17
17
Als Josef sah, dass sein Vater seine rechte Hand legen wollte auf Efraims Kopf, da missfiel ihm das und er stützte die Hand seines Vaters, um sie von Efraims Kopf wegzuwenden auf Menasches Kopf.
er stützte die Hand seines Vaters
Der Ausdruck וַיִּתְמֹךְ יַד אָבִיו לְהָסִיר אֹתָהּ „er stützte die Hand seines Vaters, um sie wegzunehmen“ scheint sich zu widersprechen: Das „Stützen der Hand“ bedeutet, dass er sie festhielt, anstatt sie wegzunehmen.
Er hob sie vom Kopf seines Sohnes weg und stützte sie mit seiner Hand.
Raschi
und stützte sie mit seiner Hand: er nahm sie vom Kopf seines Sohnes weg und stützte sie dann in der Luft mit seiner Hand, damit sie nicht wieder auf Efraims Kopf zurückfalle.
Josef dachte, dass sein Vater Jaakow nicht bemerke, dass seine Rechte auf dem jüngeren Efraim lag, wagte es nicht, die Hand seines Vaters selbst zu wechseln. Er hob sie lediglich weg, um seinen Vater darauf aufmerksam zu machen, dass sie auf den Kopf des Älteren gelegt werden sollte.
Beer Jizchak
וַיֹּ֧אמֶר יוֹסֵ֛ף אֶל־אָבִ֖יו לֹא־כֵ֣ן אָבִ֑י כִּי־זֶ֣ה הַבְּכֹ֔ר שִׂ֥ים יְמִינְךָ֖ עַל־רֹאשֽׁוֹ׃
18
18
Und Josef sagte zu seinem Vater: Nicht so, mein Vater, denn dieser, Menasche, ist der Erstgeborene; lege deine Rechte auf seinen Kopf!
וַיְמָאֵ֣ן אָבִ֗יו וַיֹּ֙אמֶר֙ יָדַ֤עְתִּֽי בְנִי֙ יָדַ֔עְתִּי גַּם־ה֥וּא יִֽהְיֶה־לְּעָ֖ם וְגַם־ה֣וּא יִגְדָּ֑ל וְאוּלָ֗ם אָחִ֤יו הַקָּטֹן֙ יִגְדַּ֣ל מִמֶּ֔נּוּ וְזַרְע֖וֹ יִהְיֶ֥ה מְלֹֽא־הַגּוֹיִֽם׃
19
19
Sein Vater verweigerte es und sagte: Ich weiß, mein Sohn, ich weiß; auch er wird zu einem Volk werden und auch er wird groß sein, doch wird sein jüngerer Bruder größer sein als er, und der Name seiner Nachkommen genießt Geltung bei einer Fülle von Völkern.
Ich weiß, mein Sohn, ich weiß: dass [Menasche] der Erstgeborene ist,
und [ich weiß zudem, dass] auch er zu einem Volk und groß wird: denn von ihm wird Gideon abstammen, durch den der Ewige ein Wunder vollbringen wird.
Raschi
Von den ursprünglich 32.000 Mann wählte Gideon für die Schlacht 300 Mann und stattete sie nicht mit Schwertern, sondern mit Schofarhörnern, Fackeln und leeren Krügen aus. In der Nacht umstellten sie das Lager der Feinde. Auf Gideons Signal hin zerschlugen sie die Krüge, ließen die Fackeln aufleuchten und bliesen die Schofarhörner. Die riesigen Heere der Feinde – Midianim, Amalekim und die Stämme aus dem Osten – gerieten in Panik und töteten sich im Chaos gegenseitig oder flohen. Das Wunder verdeutlichte, dass nicht menschliche Stärke, sondern g‑ttliches Eingreifen die Befreiung bringt (siehe Richter, Kap. 7–8).
doch wird sein jüngerer Bruder größer sein als er: denn von ihm wird Jehoschua abstammen, der das Land zum Besitz verteilen und das Volk Israel Torah lehren wird.
Raschi
Unter der Führung Jehoschuas wurde das Land von den Kna‘anim erobert und unter den Stämmen Israels aufgeteilt (siehe Buch Jehoschua, Kap. 1–19).
Jehoschua hatte die gesamte Torah von Mosche Rabbenu gelernt und trug die Verantwortung, sie in ihrer Gesamtheit an die nächste Generation weiterzugeben.
seine Nachkommen, eine Fülle von Völkern: Die ganze Welt wird von der Verbreitung Seines Ruhmes und Seines Namens erfüllt sein, wenn Er die Sonne wird stillstehen lassen in Giwon und den Mond im Tal Ajalon (Awoda Szara 25a).
Raschi
Während Jehoschuas Kampf gegen fünf Könige der Emorim ergriffen die feindlichen Truppen die Flucht; es blieb aber nicht genug Zeit, ihr Heer gänzlich zu vernichten. Jehoschua betete daher zu G‑tt, dass Er die Sonne, die damals über Giwon stand, und dem Mond, der über dem Tal Ajalon stand, stillstehen zu lassen und damit den Tag um viele Stunden zu verlängern, damit das Heer Israels noch am selben Tag einen entscheidenden Sieg erringen konnte (Jehosch. 10:12–13). Dieses erstaunliche Wunder, das einem jeden auf der Welt ersichtlich war, brachte Jehoschua, dem Nachkommen Efraims, großes Ansehen.
Jaakow sagte damit, dass das Wunder durch Menasches Nachkommen Gideon groß sei, das Wunder jedoch, das durch Efraims Nachkommen Jehoschua vollbracht würde, in aller Welt verbreitet werde.
eine Fülle von Völkern: Damit beantwortet Raschi den Einwand, dass der Vers sagt „[Efraims] Nachkommen werden eine Fülle von Völkern sein“, wir aber nicht sehen, dass der Stamm Efraim besonders bevölkerungsreich war.
Beer Maim Chaim
Der Vers „[Efraims] Nachkommen werden eine Fülle von Völkern sein“ ist somit zu lesen als „Der Name und Ruhm von Efraims Nachkommen wird bei einer Fülle von Völkern herrschen“.
Misrachi
וַיְבָ֨רֲכֵ֜ם בַּיּ֣וֹם הַהוּא֮ לֵאמוֹר֒ בְּךָ֗ יְבָרֵ֤ךְ יִשְׂרָאֵל֙ לֵאמֹ֔ר יְשִֽׂמְךָ֣ אֱלֹהִ֔ים כְּאֶפְרַ֖יִם וְכִמְנַשֶּׁ֑ה וַיָּ֥שֶׂם אֶת־אֶפְרַ֖יִם לִפְנֵ֥י מְנַשֶּֽׁה׃
20
20
Und so segnete Jaakow sie an demselben Tag mit den Worten: Mit dir wird Israel seine Kinder segnen: „Dich mache G‑tt wie Efraim und wie Menasche!“ Damit setzte er Efraim vor Menasche.
Mit dir wird Israel segnen
Wenn einer kommt, seine Kinder zu segnen, wird er sie mit ihrem Segen segnen, und ein Mann wird zu seinem Sohn sagen „Dich mache G‑tt wie Efraim und wie Menasche“.
Raschi
Damit setzte er Efraim vor Menasche: um ihm den Vorrang zu geben bei der Aufstellung der Lager und der Einweihungsspende der Oberhäupter (חֲנֻכַּת הַנְּשִׂיאִים).
Raschi
Efraim brachte seine Spende bei der Einweihung des Mischkan am siebten Tag und Menasche am achten.
Daat Skenim
וַאֲנִ֞י נָתַ֧תִּֽי לְךָ֛ שְׁכֶ֥ם אַחַ֖ד עַל־אַחֶ֑יךָ אֲשֶׁ֤ר לָקַ֙חְתִּי֙ מִיַּ֣ד הָֽאֱמֹרִ֔י בְּחַרְבִּ֖י וּבְקַשְׁתִּֽי׃ (פ)
22
22
Außerdem, als Anerkennung für deine Bemühungen mich zu begraben, gebe ich dir die Stadt Sch’chem als Grabstätte – dieses Landerbe ist ein Anteil mehr als deine Brüder — das ich genommen habe aus der Hand des Emori mit meinem Schwert und mit meinem Bogen.
gebe ich dir
Weil du dich um mein Begräbnis bemühst, gebe auch ich dir ein Besitztum, in dem du begraben werden wirst; und welches ist das? Sch’chem; denn so heißt es (Jesch. 24:32) וְאֶת עַצְמוֹת יוֹסֵף אֲשֶׁר הֶעֱלוּ גו’ מִמִּצְרַיִם קָבְרוּ בִשְׁכֶם „und die Gebeine Josefs, die sie aus Mizraim heraufgebracht hatten, begruben sie in Sch’chem“.
Raschi
die Stadt Sch‘chem
שְׁכֶם אַחַד עַל אַחֶיךָ, die Stadt Sch’chem (שְׁכֶם) selbst, sie wird dein sein und dadurch wirst du einen Anteil (שְׁכֶם) mehr als deine Brüder haben.
Raschi
mit meinem Schwert und mit meinem Bogen
Als Schimon und Levi die Einwohner von Sch’chem getötet hatten, versammelte sich die ganze Umgebung, um sie anzugreifen, da umgürtete sich Jaakow mit seinen Waffen gegen sie.
Andere Erklärung: שְׁכֶם אַחַד „ein [zusätzlicher] Anteil“, das bezieht sich auf die Erstgeburt (בְּכוֹרָה), dass seine Söhne zwei Teile erhalten würden, [die Kinder der übrigen Stämme hingegen nur jeweils einen Anteil].
Das Wort שְׁכֶם bedeutet „Anteil“, wie es vom Targum Onkelos übersetzt wird [חוּלַק חָד, ein Anteil]. Für diese Bedeutung kommen viele ähnliche Stellen im Vers vor (Teh. 21:13) כִּי תְּשִׁיתֵמוֹ שֶׁכֶם „denn du machst sie zu einem Anteil“, du machst meine Hasser vor mir zu Teilen; (Teh. 60:8) אֲחַלְּקָה שְׁכֶם „ich verteile den Anteil“; (Hosch. 6:9) דֶּרֶךְ יְרַצְּחוּ שֶׁכְמָה „auf dem Weg morden sie vereint“, jeder seinen Anteil; (Zef. 3:9) לְעָבְדוֹ שְׁכֶם אֶחָד „Ihm vereint zu dienen“.
Raschi
da umgürtete sich Jaakow mit seinen Waffen gegen sie: Nach dieser Erklärung bedeutet „genommen habe aus der Hand des Emori“: aus der Hand von Chamor, Vater von Sch’chem. Obgleich Chamor aus dem Volk Chiwi stammte, wird auch der Volk Chiwi mitunter als „Emori“ bezeichnet.
Misrachi
da umgürtete sich Jaakow mit seinen Waffen gegen sie: Zwar steht bei der Zerstörung Sch’chems im Vers (zuvor, Ber. 35:5) וַיְהִי חִתַּת אֱלֹהִים עַל הֶעָרִים אֲשֶׁר סְבִיבֹתֵיהֶם „Und der Schrecken G‑ttes fiel auf die Städte, die rundum waren“, וְלֹא רָדְפוּ אַחֲרֵי בְּנֵי יַעֲקֹב „sodass sie den Söhnen Jaakows nicht nachjagten“. Zu jener Zeit jagten sie den Söhnen Jaakows nicht nach, doch sieben Jahre später versuchten sie, Vergeltung an den Söhnen Jaakows zu üben. [Sifte Chachamim im Namen von Nachalat Jaakow]
da umgürtete sich Jaakow mit seinen Waffen gegen sie: Nach der Zerstörung Sch’chems nahm Jaakow Schwert und Bogen und stellte sich an den Eingang Sch’chems und verkündete: Wer von den Völkern kommt, um die Hand gegen meine Söhne zu erheben, gegen den werde ich das Schwert ziehen“.
Bereschit Rabba 80:10
das ich genommen habe aus der Hand des Emori: aus der Hand Esaws, der Handlungen des Emori beging.
Andere Erklärung: der seinen Vater durch die Worte seines Mundes (אֱמֹרִי – אִמְרֵי פִיו) zu überlisten versuchte.
Raschi
der Handlungen des Emori beging: Esaw übernahm die verdorbenen Sitten der Emorim in seiner Umgebung, statt des heiligen Weges seines Vaters Jizchak. Die Völker Kna’ans werden manchmal gemeinsam als „Emorim” bezeichnet (siehe Bereschit Rabba 97:6).
das ich genommen habe aus der Hand des Emori:
אֲשֶׁר לָקַחְתִּי מִיַּד הָאֱמֹרִי, das Wort לָקַחְתִּי steht in der Vergangenheit „das ich genommen habe“: Aus der Hand Esaws hatte er das Land Israel bereits erworben.
Rabbenu Bechaje
mit meinem Schwert und mit meinem Bogen
בְּחַרְבִּי וּבְקַשְׁתִּי „mit meinem Schwert und mit meinem Bogen“: das ist, mit seiner Weisheit und seinem Gebet.
Raschi
Denn „das Schwert“ חֶֽרֶב ist scharf, ähnlich der Weisheit. Und בְקַשְׁתִּי „mit meinem Bogen“ kann gelesen werden als בַּקָּשָׁתִי „Bitte“, „Gebet“.
Gur Arye, Be’er baSade