גָּ֖ד גְּד֣וּד יְגוּדֶ֑נּוּ וְה֖וּא יָגֻ֥ד עָקֵֽב׃ (ס)
19
19
Gad, Scharen ziehen von ihm aus, und er zieht wieder heimwärts.
Gad, Scharen ziehen von ihm aus
All diese Ausdrücke (יָגֻד, יְגוּדֶנּוּ) kommen von גְּדוּד („Scharen“); so verbindet sie auch Menachem ben Seruk.
Wirst du aber sagen, גְּדוּד hat immer zwei Buchstaben ד (Dalet), so ist die Antwort, das Hauptwort גְּדוּד braucht zwei Buchstaben ד. Denn so ist die Art eines Wortes, das nur zwei Wurzelbuchstaben hat, den letzten zu verdoppeln; die Wurzel selbst aber besteht aus nur zwei Buchstaben. So sagt der Vers (Misch. 26:2) כַּצִּפּוֹר לָנוּד „wie ein Vogel dahin fliegt“, dieselbe Wurzel wie (Ijow 7:4) וְשָׂבַעְתִּי נְדֻדִים „ich bin der Unruhe satt“; (Richt. 5:27) שָׁם נָפַל שָׁדוּד „dort stürzte er hingestreckt“, dieselbe Wurzel wie (Teh. 91:6) יָשׁוּד צָהֳרָיִם „die am Mittag herabstürzt“. Auch die Worte יָגֻד, יְגוּדֶנּוּ und גְדוּד sind von einer gemeinsamen Wurzel.
Wenn der Vers das Zeitwort in der Form יִפְעַל anwendet, ist der Buchstabe nicht verdoppelt, wie יָגוּד, יָנוּד, יָרוּם, יָשׁוּד, יָשׁוּב, aber in der Form הִתְפַּעֵל oder in der Form פִּעֵל [andere veranlassend] ist er doppelt. Worte der Form הִתְפַּעֵל sind יִתְגּוֹדֵד, יִתְרוֹמֵם, יִתְבּוֹלֵל, יִתְעוֹדֵד. Worte der Form פִּעֵל [andere veranlassend] sind (Teh. 146:9) יָתוֹם וְאַלְמָנָה יְעוֹדֵד „Waise und Witwe gibt Er Bestand“; (Jesch. 49:5) לְשׁוֹבֵב יַעֲקֹב אֵלָיו „Jaakow zu Ihm zurückzuführen“; (Jesch. 58:12) מְשׁוֹבֵב נְתִיבוֹת „der Wege wiederherstellt“.
Das Wort יְגוּדֶנּוּ, das hier steht, bedeutet nicht, andere wirken auf ihn ein, sondern wie יָגוּד הֵימֶנּוּ „zieht von ihm aus“; wie (Jirm. 10:20) בָּנַי יְצָאוּנִי „meine Kinder haben mich verlassen“, sind von mir weggezogen. גָּד גְּדוּד יְגוּדֶנּוּ „Scharen ziehen von ihm aus“, sie überschreiten den Jarden mit ihren Brüdern, alle Gerüsteten ziehen in den Krieg, bis das Land eingenommen ist.
Raschi
und er zieht wieder heimwärts
וְהוּא יָגֻד עָקֵב „er zieht wieder heimwärts“: alle seine Scharen kehren wieder zu ihrem Besitz zurück, den sie auf der anderen Seite des Jarden erhalten haben, und kein Mann fehlt von ihnen.
עָקֵב, den Weg und die Bahn, die sie gegangen sind, kehren sie zurück. Wie (Teh. 77:20) וְעִקְּבוֹתֶיךָ לֹא נֹדָעוּ „und Deine Schritte werden nicht erkannt“; ebenso (Schir 1:8) בְּעִקְּבֵי הַצֹּאן „den Spuren der Schafe“, auf Französisch traces „Spuren“.
Raschi
מֵאָשֵׁ֖ר שְׁמֵנָ֣ה לַחְמ֑וֹ וְה֥וּא יִתֵּ֖ן מַֽעֲדַנֵּי־מֶֽלֶךְ׃ (ס)
20
20
Von Ascher kommt fette Speise und er gibt Leckerbissen des Königs.
Von Ascher kommt fette Speise
Die Speise, die vom Anteil Aschers kommt, wird fett sein; es werden viele Olivenbäume in seinem Anteil sein; Öl wird für ihn fließen wie eine Quelle. Ebenso segnete ihn Mosche Rabbenu (Dew. 33:24) טֹבֵל בַּשֶּׁמֶן רַגְלוֹ „er taucht in Öl seinen Fuß“, wie wir in Menachot (85b) lernen, einst brauchten die Leute von Laodikeia Öl …
Raschi
[Menachot 85b] Einst brauchten die Leute von Laodikeia (in der heutigen Türkei) Öl und schickten einen Mann mit dem Auftrag, für 1 Million Goldmünzen Öl zu kaufen. Da ging er nach Jeruschalaim, und dort sagte man ihm, er solle nach Zor gehen; als er nach Zor kam, sagte man ihm, er solle nach Gusch Chalaw (im Gebiet von Ascher) gehen, und als er nach Gusch Chalaw kam, sagte man ihm, er soll sich an jenen Olivenbauern auf jenem Feld wenden.
Als er den Bauern auf dem Feld fand, war er gerade beschäftigt, die Erde um seine Olivenbäume umzugraben. Er fragte ihn: Hast du so viel Öl, wie ich brauche? Der Bauer antwortete: Warte, bis ich meine Arbeit beendet habe. Nachdem er seine Arbeit beendet hatte, nahm er seine Arbeitsgeräte und trug sie selbst am Rücken (wie ein einfacher Arbeiter) und ging den Weg entlang, und wenn er einen Stein am Weg sah, räumte er ihn auf die Seite. Der Käufer war verunsichert und fragte sich: Hat er wirklich soviel Öl? Ich glaube, die Juden haben mich getäuscht (indem sie mich zu einem armen Bauern geschickt haben).
Als der Bauer zu Hause angelangt war, brachte ihm seine Magd eine Schüssel warmes Wasser und er wusch Hände und Füße; dann holte sie ein goldenes Becken mit Öl und er tauchte Hände und Füße darin ein. Damit gingen die Worte in Erfüllung טֹבֵל בַּשֶּׁמֶן רַגְלוֹ „er taucht in Öl seinen Fuß“. Nachdem er dem Käufer zu essen und zu trinken gegeben hatte, maß der Bauer Öl für 1 Million Goldtaler ab, und fragte, ob er noch mehr brauche. Dieser sagte: Ja, nur habe ich kein Geld mehr. Der Ölbauer sagte: Wenn du willst, nehmen wir mehr Öl, und ich gehe dann mit dir, um das Geld in Empfang zu nehmen. Dann maß er ihm Öl für weitere 180.000 Goldstücke ab. Man erzählt, dass dieser Käufer kein einziges Pferd, kein Maultier, kein Kamel und keinen Esel in Eretz Israel zurückließ, die er nicht gemietet hätte (um die enorme Menge an Öl nach Hause zu transportieren).
Als sie in seiner Stadt angelangt waren, kamen ihm die Menschen der Stadt entgegen, um ihm zu danken. Er aber sagte: Dankt nicht mir. Dankt diesem Mann, der mit mir gekommen ist! Er maß mir für 1 Million Öl ab und bringt hier noch zusätzlich Öl für 180.000 Goldstücke. Damit gehen die Worte von Mischle (13:7) in Erfüllung יֵשׁ מִתְעַשֵּׁר וְאֵין כֹּל „Mancher zeigt sich reich und hat nichts“, מִתְרוֹשֵׁשׁ וְהוֹן רָב „mancher zeigt sich arm und hat großes Vermögen“.
נַפְתָּלִ֖י אַיָּלָ֣ה שְׁלֻחָ֑ה הַנֹּתֵ֖ן אִמְרֵי־שָֽׁפֶר׃ (ס)
21
21
Naftali, eine dahineilende Hirschkuh, er spricht schöne Worte aus.
eine dahineilende Hirschkuh: das ist die Ebene von Ginosar (am Nordende des Kineret-Sees), die so schnell ihre Früchte reif werden lässt, wie die Hirschkuh schnell dahineilt.
„Eine dahineilende Hirschkuh“ (אַיָּלָה שְׁלֻחָה): eine Hirschkuh, die freigelassen wird, um zu laufen.
Raschi
die Ebene von Ginosar: Ginosar war eine Stadt neben Tiweria, am Westufer des Kineret-Sees. Nördlich davon erstreckt sich ein Tal, das für seine außergewöhnlichen Früchte bekannt war.
Berachot 44a und Raschi z.St., ד״ה פירות גנוסר
eine Hirschkuh, die freigelassen wird, um zu laufen: Die Wurzel שלח (senden) hat hier nicht die Bedeutung „losschicken“, sondern „freilassen“, wie in dem Vers (zuvor, 32:27) לֹא אֲשַׁלֵּחֲךָ „Ich werde dich nicht gehen lassen“.
Sefer Sikaron
Der Vers bezieht sich auf eine Hirschkuh, die gerade erst freigelassen wurde und in diesem Augenblick läuft sie besonders schnell.
Daat Skenim
er spricht schöne Worte aus
הַנֹּתֵן אִמְרֵי שָׁפֶר, wie der Targum übersetzt [יְהוֹן מוֹדַן וּמְבָרְכִין עֲלֵיהוֹן, sie danken und segnen dafür].
Andere Erklärung: auf den Kampf [des Volkes Israel gegen] Sisra bezieht sich seine Prophezeiung (Richt. 4:6) וְלָקַחְתָּ עִמְּךָ עֲשֶׂרֶת אֲלָפִים אִישׁ מִבְּנֵי נַפְתָּלִי וגו׳ „nimm mit dir 10.000 Mann von den Söhnen Naftalis …“ und sie gingen eilig dahin, so steht dort der Ausdruck שִׁלּוּחַ, (Richt. 5:15) בָּעֵמֶק שֻׁלַּח בְּרַגְלָיו „ins Tal eilten seine Füße“. Er spricht Dankesworte aus, durch sie sangen Dewora und Barak den Lobgesang.
Unsere Lehrer beziehen den Vers auf den Tag, an dem Jaakow begraben wurde, als Esaw auf die Grabeshöhle Anspruch erhob, in der Gemara Sota (13a).
Der Targum sagt יִתְרְמֵי עַדְבֵהּ „fällt sein Los“, und er dankt für seinen Anteil mit schönen Worten und Lobeserhebung.
Raschi
Sota 13a] Als Jaakow Awinu verstorben war und sie zur Höhle von Machpela kamen, um ihn zu begraben, trat Esaw vor und hinderte sie daran, indem er sagte (Ber. 35:27) מַמְרֵא קִרְיַת הָאַרְבַּע הִיא חֶבְרוֹן „Mamre, Kirjat Arba, das ist Chewron“ – Kirjat Arba (die Stadt der Vier), da sind vier Paare begraben: Adam und Chawa, Awraham und Sara, Jizchak und Riwka, Jaakow und Leah. Jaakow hat Leah auf seinem Platz begraben, und was übrigbleibt, gehört mir – denn die Höhle von Machpela hat Platz für nur acht Gräber, und ich habe ebenfalls Anspruch auf einen Platz.
Sie sagten zu ihm: Du hast durch den Verkauf der Erstgeburt (בְּכוֹרָה) auch den Begräbnisplatz verkauft.
Er sagte: Zugegeben, dass ich ihm meinen Anteil der Erstgeburt verkauft habe, aber habe ich ihm etwa auch meinen einfachen Anteil verkauft!?
Sie sagten: Ja. Es heißt (Ber. 50:5) בְּקִבְרִי אֲשֶׁר כָּרִיתִי לִי „in meinem Grab, das ich mir gekauft [kariti] habe“ – kira heißt „Verkauf“, denn in den fernen Ländern sagt man kira für Verkauf.
Da sagte er zu ihnen: Zeigt mir den Kaufvertrag.
Sie sagten ihm: Der Kaufvertrag ist in Mizraim. Wer geht nun hin? Naftali soll gehen, er ist schnell wie eine Hirschkuh, wie es heißt (Ber. 49:21) נַפְתָּלִי אַיָּלָה שְׁלוּחָה הַנּוֹתֵן אִמְרֵי שָׁפֶר „Naftali, eine dahineilende Hirschkuh, er bringt schöne Worte“. Lies nicht imre schefer (schöne Worte), sondern imre sefer (Worte des Vertrages).
Unter den Trauernden befand sich Chuschim, der Sohn von Dan, der schwerhörig war, und er fragte: Was ist los? Man sagte ihm: Dieser hindert uns solange, bis Naftali aus dem Land Mizraim zurückgekehrt ist. Er sagte zu ihnen: Und bis Naftali aus dem Land Mizraim zurückgekommen ist, soll der Großvater Jaakow in Erniedrigung daliegen!? Da nahm er eine Keule und schlug Esaw mit solcher Wucht auf den Kopf, dass ihm die Augen ausfielen und zu den Füßen Jaakows rollten.
בֵּ֤ן פֹּרָת֙ יוֹסֵ֔ף בֵּ֥ן פֹּרָ֖ת עֲלֵי־עָ֑יִן בָּנ֕וֹת צָעֲדָ֖ה עֲלֵי־שֽׁוּר׃
22
22
Ein herrlicher Sohn, Josef, herrlich für das Auge; die mizrischen Töchter strebten hin, um seine Schönheit zu sehen.
Ein herrlicher Sohn
בֵּן פֹּרָת bedeutet: ein Sohn voller Anmut (חֵן). Der Ausdruck kommt im Aramäischen vor אַפִּרְיוֹן נִמְטְיֵהּ לְרַבִּי שִׁמְעוֹן „Huldigung darbringen wollen wir Rabbi Schimon“, am Ende von Bawa Mezia (119a).
Raschi
Ein herrlicher Sohn: ein herrlicher Anblick, seine Anmut ist vor dem Auge ausgebreitet, das ihn sieht.
Raschi
Töchter strebten hin
Die Töchter Mizraims schritten auf der Mauer dahin [עֲלֵי „auf“, שׁוּר „Mauer“], um seine Schönheit zu sehen. בָּנוֹת צָעֲדָה, viele Töchter [„Töchter“ בָּנוֹת in der Mehrzahl, das Verb „schritten“ צָעֲדָה allerdings in der Einzahl, denn] eine jede von ihnen schritt dahin, von wo aus sie ihn sehen konnte.
עֲלֵי שׁוּר, um ihn zu sehen; wie (Bam. 24:17) אֲשׁוּרֶנּוּ וְלֹא קָרוֹב „ich schaue es, aber nicht nahe“. Midraschim gibt es viele dazu, das aber neigt zur einfachen Erklärung des Verses.
Im Wort פֹּרָת gehört der Buchstabe ת zur Wortbildung; wie (Koh. 3:18) עַל דִּבְרַת בְּנֵי הָאָדָם „was die Menschen anlangt“.
שׁוּר – כְּמוֹ לְשׁוּר „um zu schauen“, עֲלֵי שׁוּר – בִּשְׁבִיל לָשׁוּר „um zu schauen“. Targum Onkelos übersetzt תְּרֵין שִׁבְטִין יִפְּקוּן מִבְּנוֹהִי יְקַבְּלוּן חוּלָקָא וְאַחְסָנְתָא, zwei Stämme gehen aus seinen Söhnen hervor, die einen Anteil erhalten; der Vers schreibt בָּנוֹת „Töchter“ in der weiblichen Form wegen der Töchter Menasches – das sind die Töchter von Zlofchad, die einen Anteil auf beiden Seiten des Jarden erhielten. Und den Beginn des Verses בֵּן פֹּרָת יוֹסֵף übersetzt Onkelos mit בְּרִי דְּיִסְגֵּי יוֹסֵף, mein Sohn, der sich vermehrt, Josef, das heißt פֹּרָת im Sinne von Fruchtbarkeit und Vermehrung.
Es gibt Midraschim, die auch dem Wortlaut entsprechen und den Begriff פֹּרָת im Sinne von גְדֻלָּה „Größe“ erklären. In der Stunde, als Esaw dem Jaakow entgegenging, da gingen bei allen die Mütter vor den Söhnen hin, um sich zu verneigen; nur bei Rachel steht (Ber. 33:7) נִגַּשׁ יוֹסֵף וְרָחֵל וַיִּשְׁתַּחֲווּ „Josef und Rachel traten hin und bückten sich“; denn Josef sagte, dieser Bösewicht hat einen hochmütigen Blick, er könnte seine Augen auf meine Mutter richten, und er ging vor ihr her und reckte seine Gestalt, um sie zu verbergen. Darum segnete ihn sein Vater בֵּן פֹּרָת „du hast dich aufgerichtet“, יוֹסֵף „Josef“, עֲלֵי עַיִן „über das Auge“ von Esaw, und aufgrund dieser Tat [dass du dich groß gemacht hast, um zu verhindern, dass deine Mutter gesehen wird] hast du dir Größe und Würde erworben,
בָּנוֹת צָעֲדָה עֲלֵי שׁוּר, dass „die Töchter schreiten, um dich zu betrachten“ als Herrn über Mizraim (Bereschit Rabba 78:10).
Ferner erklären unsere Lehrer (Sota 36b): בֵּן פֹּרָת עֲלֵי עָיִן, über seine Nachkommen wird nicht das böse Auge herrschen; und auch als er Menasche und Efraim segnete, segnete er sie, dass sie gleich Fischen sein mögen, über die das böse Auge nicht herrscht.
Raschi
Darum segnete ihn sein Vater „Du hast dich aufgerichtet, Josef“: Nach dieser Auslegung besagt der Vers nicht, dass die Töchter Mizraims herbeieilten, um Josef wegen seiner Schönheit zu sehen, sondern vielmehr wegen seiner Geltung und seines Ansehens, voll staunender Ehrfurcht und hingerissen von seiner neuen Stellung als Gebieter des Landes. Diese Belohnung gebührte Josef Maß für Maß (מִדָּה כְּנֶגֶד מִדָּה): Josef hatte sich groß gemacht, um seine Mutter davor zu schützen, gesehen zu werden, so wurde er so groß und bedeutend gemacht, dass die Töchter Mizraims kamen, um ihn zu sehen.
auch als er Menasche und Efraim segnete: siehe zuvor (Ber. 48:16) הַמַּלְאָךְ הַגֹּאֵל אֹתִי גו׳ וְיִדְגּוּ לָרֹב „Der Engel, der mich erlöst hat … und mehren sollen sie sich zur Menge“ – dass sie sich wie die Fische (דָּגִים) vermehren, die fruchtbar sind und sich vermehren, ohne dass der böse Blick (עַיִן הָרָע) Macht über sie hat.
וַֽיְמָרֲרֻ֖הוּ וָרֹ֑בּוּ וַֽיִּשְׂטְמֻ֖הוּ בַּעֲלֵ֥י חִצִּֽים׃
23
23
Seine Brüder machten ihn bitter, führten Streit mit ihm und hassten ihn, ihre Zungen wie Pfeile.
machten ihn bitter
וַיְמָרְרֻהוּ „sie“ – seine Brüder – „verbitterten ihn“; „sie“ – Potifar und seine Frau – „verbitterten ihn“, ins Gefängnis zu bringen. Vom Ausdruck (Schem. 1:14) וַיְמָרְרוּ אֶת חַיֵּיהֶם „sie verbitterten ihr Leben“.
Raschi
führten Streit mit ihm
וָרֹבּוּ „bekämpften ihn“: seine Brüder wurden seine Gegner im Kampf. Die Verbform ist nicht die aktive Form פָּעֲלוּ. Denn dann müsste das Wort mit Kamatz punktiert sein – וָרָבוּ. Wie (Bam. 20:13) הֵמָּה מֵי מְרִיבָה אֲשֶׁר רָבוּ „das sind die Streitwasser, wo sie stritten“. Und auch wenn das Wort וָרֹבּוּ „Schießen von Pfeilen“ bedeuten würde, müsste es ebenso punktiert werden. Sondern es ist die passive Form פֻּעֲלוּ. Wie (Jirm. 2:12) שֹׁמּוּ שָׁמַיִם „Entsetzt euch, ihr Himmel“, das eine Passivform ist wie הוּשַׁמּוּ („sie wurden entsetzt“). Ebenso (Ijow 24:24) רוֹמּוּ מְעַט „sie erheben sich etwas“, das eine Passivform ist wie הוּרְמוּ („sie wurden erhoben“).
Nur bedeuten die Formen הוּרְמוּ und הוּשַׁמּוּ, dass die Sache durch andere getan wird. Dagegen bedeuten die Formen שֹׁמּוּ und רוֹמּוּ und רֹבּוּ, dass die Sache von selbst geschieht. שֹׁמּוּ – (die Himmel) entsetzen sich selbst, רֹמּוּ – sie erheben sich selbst, רֹבּוּ – sie werden seine Gegner. Ebenso (Jesch. 23:2) דֹּמּוּ יֹשְׁבֵי אִי „verstummet, Bewohner der Insel“, das Wort דֹּמּוּ ist in der passiven Form פֻּעַל, so wie נָדַמּוּ „sie werden stumm“. So übersetzt auch Onkelos וְנַקְּמוֹהִי, sie vergalten ihm.
Raschi
wie Pfeile
בַּעֲלֵי חִצִּים „Herren der Pfeile“, die Zunge [seiner Hasser] war einem Pfeil gleich.
Der Targum übersetzt mit מָרֵי פַלְגּוּתָא, vom Ausdruck (Bam. 31:36) וַתְּהִי הַמֶּחֱצָה „es betrug die Hälfte“: jene, die berechtigt waren, mit ihm das Erbe zu teilen.
Raschi
Ausgerechnet seine Brüder („jene, die mit ihm das Erbe teilen“), die ihm mit größerer Liebe als fremde Menschen hätten begegnen müssen, begegneten ihm mit Hass.
Mesiach Ilmim
וַתֵּ֤שֶׁב בְּאֵיתָן֙ קַשְׁתּ֔וֹ וַיָּפֹ֖זּוּ זְרֹעֵ֣י יָדָ֑יו מִידֵי֙ אֲבִ֣יר יַעֲקֹ֔ב מִשָּׁ֥ם רֹעֶ֖ה אֶ֥בֶן יִשְׂרָאֵֽל׃
24
24
Mit Festigkeit saß sein Bogen und Gold wurde an die Glieder seiner Hände gelegt, durch die Hand G‑ttes, des Mächtigen Jaakows, von dort wurde er der Hirte, der Felsen Israels.
Mit Festigkeit saß sein Bogen
וַתֵּשֶׁב בְּאֵיתָן קַשְׁתּוֹ „Mit Festigkeit saß sein Bogen“: saß mit Festigkeit.
Raschi
Das Wort אֵיתָן kann sowohl als Eigenschaftswort („fest“) und auch als Hauptwort („die Festigkeit“) verstanden werden. Raschi unterstreicht, dass אֵיתָן hier ein Hauptwort ist: וַתֵּשֶׁב בְּאֵיתָן קַשְׁתּוֹ „Mit Festigkeit …“.
sein Bogen: seine Stärke.
Raschi
Gold wurde an die Glieder seiner Hände gelegt
וַיָּפֹזּוּ זְרֹעֵי יָדָיו „Gold wurde an die Glieder seiner Hände gelegt“, goldgeschmückt waren die Glieder seiner Hände: das ist, dass der Ring an seine Hand gesteckt wurde, vom Ausdruck (1 Kön. 10:18) זָהָב מוּפָז „mit seinem Gold“. Das geschah ihm von der Hand G‑ttes, der der Mächtige Jaakows ist, und dadurch stieg er empor und wurde der Hirte, der Felsen Israels, des Stammes Israels. Vom Ausdruck (Sech. 4:7) הָאֶבֶן הָרֹאשָׁה „der Grundstein“, was soviel wie Regierung bedeutet.
Auch Onkelos übersetzt so: וַתֵּשֶׁב, es blieb fest, es erfüllte sich an ihnen seine Weissagung, die Träume, die er für sie geträumt hatte. Die Worte bei Onkelos עַל דְּקַיֵּם אוֹרַיְתָא בְּסִתְרָא „weil er die Torah im Verborgenen beachtete“, ist ein Zusatz und steht nicht im hebräischen Text des Verses.
בְּאֵיתָן קַשְׁתּוֹ übersetzt Onkelos als „er setzte auf den Mächtigen Vertrauen“. In folgender Weise ist der Ausdruck des Targum mit dem hebräischen Text zu verbinden: seine Weissagung erfüllte sich, weil die Macht des Ewigen ihm zum Bogen und zur Zuversicht war. Darum wurde Goldschmuck an seine Arme gelegt, וַיָּפֹזּוּ זְרֹעֵי יָדָיו, vom Wort פָּז „Gold“.
אֶבֶן יִשְׂרָאֵל ist nach dem Targum ein zusammengesetztes Wort, ״אָב וּבֵן״ [אֲבָהָן וּבְנִין], Vater und Söhne, Jaakow und seine Söhne.
Raschi
מֵאֵ֨ל אָבִ֜יךָ וְיַעְזְרֶ֗ךָּ וְאֵ֤ת שַׁדַּי֙ וִיבָ֣רְכֶ֔ךָּ בִּרְכֹ֤ת שָׁמַ֙יִם֙ מֵעָ֔ל בִּרְכֹ֥ת תְּה֖וֹם רֹבֶ֣צֶת תָּ֑חַת בִּרְכֹ֥ת שָׁדַ֖יִם וָרָֽחַם׃
25
25
All das kam vom G‑tt deines Vaters, Er wird auch weiter noch deine Hilfe sein. Und der Allgenügende möge dich segnen mit Segnungen des Himmels oben, mit Segnungen der Tiefe unten, mit Segnungen der Zeugung und glücklichen Entbindung.
vom G‑tt deines Vaters: „vom G‑tt deines Vaters“ kam all das, und Er wird auch weiter „deine Hilfe sein“.
Raschi
Und der Allgenügende: und mit dem Ewigen, gelobt sei Er, war dein Herz, als du auf die Worte deiner Herrin nicht hörtest, und Er wird dich segnen.
Raschi
Segnungen der Zeugung und glücklichen Entbindung
בִּרְכֹת שָׁדַיִם וָרָחַם, wörtl. „mit Segnungen der Brust und des Mutterschoßes“.
Targum Onkelos übersetzt „mit dem Segen für Vater und Mutter“ (בִּרְכָתָא דְּאַבָּא וּדְאִמָּא). Das heißt, die Väter und die Mütter werden gesegnet. Die Väter werden die Kraft haben zu zeugen, und die Mütter werden das Kind ihres Schoßes nicht verlieren, fehlzugebären.
Raschi
Zeugung
[Die herkömmliche Bedeutung von שָׁדַיִם ist „Brüste“, doch hier] hat das Wort שָׁדַיִם die Bedeutung wie (Schem. 19:13) יָרֹה יִיָּרֶה „wird vom Pfeil getroffen“, das wir im Targum mit אִשְׁתְּדָאָה יִשְׁתְּדִי übersetzen, „hinabgeschleudert werden“. Auch hier bezieht sich שָׁדַיִם auf [die Zeugung durch den Samenerguss, denn] der Same schießt hervor gleich einem Pfeil.
Raschi
בִּרְכֹ֣ת אָבִ֗יךָ גָּֽבְרוּ֙ עַל־בִּרְכֹ֣ת הוֹרַ֔י עַֽד־תַּאֲוַ֖ת גִּבְעֹ֣ת עוֹלָ֑ם תִּֽהְיֶ֙ין֙ לְרֹ֣אשׁ יוֹסֵ֔ף וּלְקָדְקֹ֖ד נְזִ֥יר אֶחָֽיו׃ (פ)
26
26
Die Segnungen deines Vaters übertreffen den Segen meiner Vorväter bis ans Ende der Hügel der Welt. Sie mögen kommen auf Josefs Haupt, auf den Scheitel des Mannes, der von seinen Brüdern getrennt war.
Die Segnungen deines Vaters übertreffen
Die Segnungen, mit denen mich der Ewige gesegnet hat, sind größer und gehen über die Segnungen hinaus, mit denen Er meine Erzeuger gesegnet hat.
Raschi
bis ans Ende der Hügel der Welt
Weil sich meine Segnungen bis zum Ende der Grenzen der Hügel erstrecken. Denn Er gab mir einen offenen, unbegrenzten Segen, der bis zu den vier Enden der Welt reicht (Schabbat 118b). So heißt es (Ber. 28:14) וּפָרַצְתָּ יָמָּה וָקֵדְמָה וגו׳ „breite dich aus nach Westen und nach Osten …“, was Er nicht zu unserem Vater Awraham und zu Jizchak gesprochen hatte.
Zu Awraham sagte Er (Ber. 13:14–15) שָׂא נָא עֵינֶיךָ וּרְאֵה צָפוֹנָה גו׳ כִּי אֶת כָּל הָאָרֶץ אֲשֶׁר אַתָּה רוֹאֶה לְךָ אֶתְּנֶנָּה „erhebe doch deine Augen und schaue nach Norden … denn das ganze Land, das du siehst, werde Ich dir geben“, und Er zeigte ihm nur das Land Israel allein. Zu Jizchak sagte Er (Ber. 26:3) כִּי לְךָ וּלְזַרְעֲךָ אֶתֵּן אֶת כָּל הָאֲרָצוֹת הָאֵל וַהֲקִימוֹתִי אֶת הַשְּׁבוּעָה „denn dir und deinen Nachkommen werde Ich alle diese Länder geben und den Schwur in Erfüllung bringen …“, und das ist, was Jeschajahu (58:14) sagte וְהַאֲכַלְתִּיךָ נַחֲלַת יַעֲקֹב אָבִיךָ „Ich werde dich den Anteil deines Vaters Jaakow genießen lassen“, und er sagt nicht „den Anteil Awrahams“.
תַּאֲוַת „Ende“, „Grenze“, auf Franzöisisch asomeil.
Raschi
und das ist, was Jeschajahu sagte: „Ich werde dich dich den Anteil deines Vaters Jaakow genießen lassen“, und er sagt nicht „den Anteil Awrahams“, denn Awraham erhielt nur das Land Israel, Jaakow dagegen – ein grenzenloses Erbe.
Schabbat 118b
meiner Vorväter
Das Wort הוֹרַי „meine Vorväter“ kommt vom Ausdruck הֵרָיוֹן „Schwangerschaft“. [Obwohl es die Mutter ist, die eine Schwangerschaft austrägt, ist hier mit dem Begriff הוֹרַי gemeint:] Jene, die meine Empfängnis im Mutterleib bewirkt haben, [d.h. meine Vorväter Jizchak (Jaakows Vater) und Awraham (der Vater seines Vaters), meine Vorfahren väterlicherseits]. So wie im Vers (Ijow 3:3) הוֹרָה גָבֶר „ein Mann hat die Empfängnis bewirkt“.
Raschi
bis ans Ende
עַד תַּאֲוַת „bis zu den Grenzen“, wie (Bam. 34:10) וְהִתְאַוִּיתֶם לָכֶם לִגְבוּל קֵדְמָה „Wendet euch zur Ostgrenze“; (Bam. 34:8) תְּתָאוּ לְבֹא חֲמָת „Wendet euch nach Lewo Chamat“, so verbindet es Menachem ben Seruk.
Raschi
sie mögen kommen: alle, auf das Haupt Josefs.
Raschi
der von seinen Brüdern getrennt war
Die Worte נְזִיר אֶחָיו werden vom Targum übersetzt „des von seinen Brüdern Abgesonderten“ (פְּרִישָׁא דַּאֲחוֹהִי), der von seinen Brüdern getrennt wurde. Wie (Waj. 22:2) וְיִנָּזְרוּ מִקָּדְשֵׁי בְנֵי יִשְׂרָאֵל „dass sie sich von den Heiligtümern der Kinder Israel zurückhalten“; (Jesch. 1:4) נָזֹרוּ אָחוֹר „sie sind abgewichen“.
Unsere Lehrer erklären, וַתֵּשֶׁב בְּאֵיתָן קַשְׁתּוֹ „fest saß sein Bogen“ (Vers 24) bezieht sich auf die Bezwingung seines Triebes der Frau seines Herrn gegenüber, und die Bezeichnung „Bogen“ beruht darauf, weil die Zeugung mit einem Pfeilschuss verglichen wird. וַיָּפֹזּוּ זְרֹעֵי יָדָיו ist so wie וַיָּפוּצוּ „zerteilt werden“, seine Finger wurden von dem Kampf mit dem Treib zerteilt. מִידֵי אֲבִיר יַעֲקֹב „von der Hand des Mächtigen Jaakows“, es erschien ihm das Bild des Angesichts seines Vaters, wie in Sota (36b) vorkommt.
Onkelos übersetzt תַּאֲוַת גִּבְעֹת עוֹלָם mit „Verlangen“ und Sehnsucht“, und גִבְעוֹת vom Ausdruck מְצֻקֵי אֶרֶץ (1 Schmu. 2:8) „die Grundfesten der Erde“, die Großen. Seine Mutter Riwka hatte nach den Segnungen verlangt und ihn gezwungen, sie zu empfangen.
Raschi
Sota 36b] Es heißt (Ber. 39:11) וַיְהִי כְּהַיּוֹם הַזֶּה וַיָּבֹא הַבַּיְתָה לַעֲשׂוֹת מְלַאכְתּוֹ „Es war an einem solchen Tag, dass er ins Haus kam, seine Arbeit zu erledigen“, וְאֵין אִישׁ מֵאַנְשֵׁי הַבַּיִת שָׁם בַּבָּיִת „und keiner von den Leuten des Hauses war dort im Haus“. Ist es denn möglich, dass in einem so großen Haus niemand da war? Jener Tag war ein Festtag, und alle gingen in den Götzen¬tempel. Die Frau Potifars aber sagte, ich bin krank, denn sie dachte, ich finde keinen geeigneteren Tag, um mich mit Josef einzulassen als diesen, „und sie ergriff ihn bei seinem Gewand und sagte, ,Liege bei mir‘“.
In diesem Augenblick erschien ihm im Fenster die Gestalt seines Vaters und sagte zu ihm: Josef, deine Brüder werden in Zukunft auf den Steinen des Efod geschrieben werden und auch du unter ihnen. Möchtest du, dass dein Name aus ihrer Mitte gelöscht wird? Darauf stemmte Josef die Hände gegen den Boden und bezwang die Leidenschaft der Triebe.