Der tägliche Chumasch-Abschnitt

2. Schwat 5787

Sonntag, 10. Jänner 2027

Heute

Bo

1. Alija

(Schemot 10:1 – 10:11)

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וַיֹּ֤אמֶר יְהוָה֙ אֶל־מֹשֶׁ֔ה בֹּ֖א אֶל־פַּרְעֹ֑ה כִּֽי־אֲנִ֞י הִכְבַּ֤דְתִּי אֶת־לִבּוֹ֙ וְאֶת־לֵ֣ב עֲבָדָ֔יו לְמַ֗עַן שִׁתִ֛י אֹתֹתַ֥י אֵ֖לֶּה בְּקִרְבּֽוֹ׃
1
1
Achte Plage: אַרְבֶּה (Heuschrecken)
Und der Ewige sagte zu Mosche: Komm zu Pharao. Denn Ich habe sein Herz und das Herz seiner Diener verhärtet, um diese Meine Wunderzeichen in ihrer Mitte aufzustellen,
Und der Ewige sagte zu Mosche: Komm zu Pharao und warne ihn.
Raschi
Komm zu Pharao
בֹּא אֶל פַּרְעֹה „Komm zu Pharao“. Der Zahlenwert (Gematria) des Wortes בֹּא ergibt (2+1=) 3, als Hinweis darauf, dass noch 3 weitere Plagen über ihn kommen würden: Heuschrecken, Finsternis und der Tod der Erstgeborenen.
Baal haTurim
Denn Ich habe sein Herz verhärtet
Mosche rätselte und hatte keine Erklärung dafür, dass mit der Plage des Hagels das Herz Pharaos nicht erweicht wurde, deshalb sagte ihm der Ewige „Denn Ich habe sein Herz verhärtet“.
Raschbam
Damit Mosche nicht denke, dass all seine Anstrengungen umsonst seien, sagte ihm der Ewige: אֲנִי הִכְבַּדְתִּי „Ich bin es, der sein Herz verhärtet“.
Seforno
diese Meine Wunderzeichen: die weiteren Plagen.
Ibn Esra
aufzustellen
שִׁתִי – שׂוּמִי [שִׂימִי] „niederzulegen“; dass Ich einsetze.
Raschi
וּלְמַ֡עַן תְּסַפֵּר֩ בְּאָזְנֵ֨י בִנְךָ֜ וּבֶן־בִּנְךָ֗ אֵ֣ת אֲשֶׁ֤ר הִתְעַלַּ֙לְתִּי֙ בְּמִצְרַ֔יִם וְאֶת־אֹתֹתַ֖י אֲשֶׁר־שַׂ֣מְתִּי בָ֑ם וִֽידַעְתֶּ֖ם כִּי־אֲנִ֥י יְהוָֽה׃
2
2
und damit du deinem Kind und Enkel erzählen kannst, wie Ich den Mizrim mitgespielt habe, und welche Wunderzeichen Ich gegen sie getan habe — erkennen sollt ihr, dass Ich der Ewige bin.
mitgespielt habe
הִתְעַלַּלְתִּי – שִׂחַקְתִּי „zum Spott gemacht habe“, „gescherzt habe“; wie (Bam. 22:29) כִּי הִתְעַלַּלְתְּ בִּי „weil du mich verspottet hast“; (1 Schmu. 6:6) הֲלֹא כַּאֲשֶׁר הִתְעוֹלֵל בָּהֶם „als Er sie zum Spott machte“, das sich auf die Mizrim bezieht.
Es bedeutet aber nicht soviel wie פּוֹעַל וּמַעֲלָלִים „Werk“, „Handlungen“; denn dann hätte der Vers schreiben müssen עוֹלַלְתִּי; wie im Vers (Echa 1:22) וְעוֹלֵל לָמוֹ כַּאֲשֶׁר עוֹלַלְתָּ לִי „tue ihnen, wie Du mir getan hast“, (Echa 1:12) אֲשֶׁר עוֹלַל לִי „der mir geschehen ist“
Raschi
וַיָּבֹ֨א מֹשֶׁ֣ה וְאַהֲרֹן֮ אֶל־פַּרְעֹה֒ וַיֹּאמְר֣וּ אֵלָ֗יו כֹּֽה־אָמַ֤ר יְהוָה֙ אֱלֹהֵ֣י הָֽעִבְרִ֔ים עַד־מָתַ֣י מֵאַ֔נְתָּ לֵעָנֹ֖ת מִפָּנָ֑י שַׁלַּ֥ח עַמִּ֖י וְיַֽעַבְדֻֽנִי׃
3
3
Da gingen Mosche und Aharon zu Pharao und sagten zu ihm: So spricht der Ewige, der G‑tt der Hebräer: „Wie lange noch weigerst du dich, vor Mir demütig zu werden? Lass mein Volk ziehen, dass es Mir diene!“
demütig zu werden
לֵעָנֹת, wie der Targum sagt לְאִתְכְּנָעָא „dich zu unterwerfen“, von der Wurzel עָנִי „arm“, „demütig“. Du weigerst dich, demütig und niedrig vor Mir zu sein.
Raschi
כִּ֛י אִם־מָאֵ֥ן אַתָּ֖ה לְשַׁלֵּ֣חַ אֶת־עַמִּ֑י הִנְנִ֨י מֵבִ֥יא מָחָ֛ר אַרְבֶּ֖ה בִּגְבֻלֶֽךָ׃
4
4
„Denn wenn du dich weigerst, mein Volk ziehen zu lassen, so bringe Ich morgen Heuschrecken in deine Grenzen von Mizraim.“
in deine Grenzen
בִּגְבֻלֶךָ „in deine Grenzen“. Ein Konflikt schwelte zwischen Mizraim – dem ältesten Sohn von Cham, Sohn von Noach – und seinen Brüdern Kusch, Put und Kna’an über die genauen Grenzen des Landes Mizraim. Da kam die Plage der Heuschrecken und zeigte genau, wo die Grenzen von Mizraim verliefen.
Schemot Rabba 13:4
וְכִסָּה֙ אֶת־עֵ֣ין הָאָ֔רֶץ וְלֹ֥א יוּכַ֖ל לִרְאֹ֣ת אֶת־הָאָ֑רֶץ וְאָכַ֣ל ׀ אֶת־יֶ֣תֶר הַפְּלֵטָ֗ה הַנִּשְׁאֶ֤רֶת לָכֶם֙ מִן־הַבָּרָ֔ד וְאָכַל֙ אֶת־כָּל־הָעֵ֔ץ הַצֹּמֵ֥חַ לָכֶ֖ם מִן־הַשָּׂדֶֽה׃
5
5
„Und sie werden den Anblick der Erde bedecken, und man wird die Erde nicht sehen können, und sie werden den Rest abfressen, der noch gerettet ist, und der euch vom Hagel noch übriggeblieben ist, und sie werden alle Bäume abfressen, die euch auf dem Feld wachsen.“
den Anblick der Erde
עֵין הָאָרֶץ, wörtl. „Auge der Erde“, den Anblick der Erde.
Raschi
den Anblick der Erde
עֵין bedeutet wörtl. Quelle. Das Auge des Menschen heißt עֵין, Quelle, nicht weil der Geist des Menschen aus ihm ausströmt, sondern weil durchs Auge die Welt in ihn einströmt.
Rabbi Schimschon R. Hirsch
nicht sehen können
וְלֹא יוּכַל לִרְאֹת אֶת הָאָרֶץ ist so wie וְלֹא יוּכַל הָרוֹאֶה לִרְאוֹת אֶת הָאָרֶץ, dass derjenige, der hinsieht, die Erde nicht sehen kann. Der Vers [nennt nicht das Subjekt „der Sehende“ und] verwendet einen kurzen Ausdruck.
Raschi
וּמָלְא֨וּ בָתֶּ֜יךָ וּבָתֵּ֣י כָל־עֲבָדֶיךָ֮ וּבָתֵּ֣י כָל־מִצְרַיִם֒ אֲשֶׁ֨ר לֹֽא־רָא֤וּ אֲבֹתֶ֙יךָ֙ וַאֲב֣וֹת אֲבֹתֶ֔יךָ מִיּ֗וֹם הֱיוֹתָם֙ עַל־הָ֣אֲדָמָ֔ה עַ֖ד הַיּ֣וֹם הַזֶּ֑ה וַיִּ֥פֶן וַיֵּצֵ֖א מֵעִ֥ם פַּרְעֹֽה׃
6
6
„Und füllen werden sie deine Häuser, die Häuser aller deiner Diener und die Häuser von ganz Mizraim, wie es deine Väter und deine Vorfahren nicht erlebt haben, seit sie auf Erden waren — bis auf den heutigen Tag.“ Dann wandte Mosche sich ab und ging weg von Pharao.
וַיֹּאמְרוּ֩ עַבְדֵ֨י פַרְעֹ֜ה אֵלָ֗יו עַד־מָתַי֙ יִהְיֶ֨ה זֶ֥ה לָ֙נוּ֙ לְמוֹקֵ֔שׁ שַׁלַּח֙ אֶת־הָ֣אֲנָשִׁ֔ים וְיַֽעַבְד֖וּ אֶת־יְהוָ֣ה אֱלֹהֵיהֶ֑ם הֲטֶ֣רֶם תֵּדַ֔ע כִּ֥י אָבְדָ֖ה מִצְרָֽיִם׃
7
7
Da sagten die Diener Pharaos zu ihm: Wie lange noch soll uns dieser zur Falle sein? Lass die Menschen ziehen, dass sie dem Ewigen, ihrem G‑tt, dienen! Merkst du noch immer nicht, dass Mizraim zugrunde geht?
Wie lange soll uns dieser zur Falle sein?
זֶה „dieser“: sie zeigten mit dem Finger auf Mosche „Dieser da“. [Kli Jakar]
זֶה „dieser“ bezieht sich auf Mosche, wie es heißt (Schem. 32:1) זֶה מֹשֶׁה הָאִישׁ „dieser Mann Mosche“. [Baal haTurim]

זֶה bezieht sich auf das Volk Israel, „dieses Volk“, um derentwillen wir all diese Plagen erleiden. [Rokeach, Abarbanel]

זֶה bezieht sich auf Pharao: „dieser da“ ist der Grund, dass unser Land weiter von Plagen heimgesucht wird. [Sifte Kohen von R. Mordechai haKohen – ש״ך עה״ת]

זֶה „dieser Umstand“, dass du das Volk Israel zurückhältst und nicht ziehen lässt.
Bechor Schor
Falle
מוֹקֵשׁ, Gegenstand, der zum Fallen, Verderben bringt.
Merkst du noch immer nicht
הֲטֶרֶם תֵּדַע – הַעוֹד לֹא יָדַעְתָּ, Siehst du noch nicht ein, dass Mizraim zugrunde geht!?
Raschi
Das Wort טֶרֶם mag als „zuvor“ verstanden werden. Wie Raschi bereits feststellte (oben, 9:30) bedeutet טֶרֶם „noch nicht“. Durch die Vorsilbe ה wird es zu einer Frage, הֲטֶרֶם תֵּדַע „Weißt du noch nicht?“.
וַיּוּשַׁ֞ב אֶת־מֹשֶׁ֤ה וְאֶֽת־אַהֲרֹן֙ אֶל־פַּרְעֹ֔ה וַיֹּ֣אמֶר אֲלֵהֶ֔ם לְכ֥וּ עִבְד֖וּ אֶת־יְהוָ֣ה אֱלֹהֵיכֶ֑ם מִ֥י וָמִ֖י הַהֹלְכִֽים׃
8
8
Man brachte Mosche und Aharon zurück zu Pharao, und er sagte ihnen: Zieht los, dient dem Ewigen, eurem G‑tt! Wer aber sind die, die losziehen sollen?
Man brachte Mosche und Aharon zurück
Sie wurden durch einen Boten zurückgebracht; man schickte ihnen nach und brachte sie zu Pharao zurück.
Raschi
וַיֹּ֣אמֶר מֹשֶׁ֔ה בִּנְעָרֵ֥ינוּ וּבִזְקֵנֵ֖ינוּ נֵלֵ֑ךְ בְּבָנֵ֨ינוּ וּבִבְנוֹתֵ֜נוּ בְּצֹאנֵ֤נוּ וּבִבְקָרֵ֙נוּ֙ נֵלֵ֔ךְ כִּ֥י חַג־יְהוָ֖ה לָֽנוּ׃
9
9
Mosche antwortete: Mit unseren Jungen und mit unseren Alten wollen wir gehen, mit unseren Söhnen und Töchtern, mit unseren Schafen und Rindern wollen wir gehen; denn wir haben ein Fest des Ewigen zu feiern.
Mit unseren Jungen und mit unseren Alten: weil die Jungen voller Kraft sind und vorausgehen.
Jagel Jaakow
וַיֹּ֣אמֶר אֲלֵהֶ֗ם יְהִ֨י כֵ֤ן יְהוָה֙ עִמָּכֶ֔ם כַּאֲשֶׁ֛ר אֲשַׁלַּ֥ח אֶתְכֶ֖ם וְאֶֽת־טַפְּכֶ֑ם רְא֕וּ כִּ֥י רָעָ֖ה נֶ֥גֶד פְּנֵיכֶֽם׃
10
10
Pharao sagte zu ihnen: So soll der Ewige mit euch sein, wie ich euch mit euren Kindern ziehen lasse. Seht, ihr habt Böses vor!
wie ich euch ziehen lasse: und dass ich auch noch die Schafe und Rinder entlasse, wie ihr gesagt habt.
Raschi
Seht, ihr habt Böses vor!
רְאוּ כִּי רָעָה נֶגֶד פְּנֵיכֶם, wörtl. „seht, dass Böses vor eurem Gesicht ist“, in der Bedeutung von „seht, ihr habt Böses vor“, wie Targum Onkelos auslegt [חֲזוֹ אֲרֵי בִּישָׁא אַתּוּן סְבִירִין לְמֶעֱבַד „Seht, das Böse, das ihr vorhabt“, לֵית קֳבֵיל אַפֵּיכוֹן לְאִסְתְּחָרָא „wird dazu führen, dass ihr nicht Erlaubnis erhaltet, wegzuziehen“].
Einen Midrasch habe ich gehört: Es gibt einen Stern, der „Ra’ah“ (רָעָה, „Böses“) heißt. Da sagte Pharao zu ihnen: Ich sehe in meiner Astrologie, dass jener Stern in der Wüste vor euch aufgeht, und er ist ein Zeichen für Blut und Tötung. Als nun die Kinder Israel durch das Goldene Kalb sündigten und der Ewige sie töten wollte, sagte Mosche in seinem Gebet, warum sollen die Mizrim so sprechen, mit „Ra’ah“ hat Er sie herausgeführt. Das ist, was Pharao zu ihnen gesagt hat: Seht, ,Ra’ah‘ ist vor eurem Gesicht. Sofort änderte der Ewige die Bedeutung von „Ra’ah“ und verwandelte das Blut in das Blut der Beschneidung (בְּרִית מִילָה), als Jehoschua sie beschnitt. Das bedeutet der Vers (Jeh. 5:9) הַיּוֹם גַּלּוֹתִי אֶת חֶרְפַּת מִצְרַיִם מֵעֲלֵיכֶם „heute habe ich die Schande Mizraims von euch gewälzt“, dass sie nämlich zu euch sagten, wir sehen Blut über euch in der Wüste.
Raschi
Während der vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste unterließ das Volk Israel die Beschneidung der Neugeborenen, da die Umstände eine Heilung der Wunde nicht zuließen (vgl. Jewamot 71b). Unmittelbar nach dem Einzug in das Land Israel wurde Jehoschua von G‑tt befohlen, alle in der Wüste Geborenen zu beschneiden (Jeh. 5:2–7).
Das bei der Beschneidung vergossene Blut wird in Verbindung mit dem „Stern Ra’ah“ gebracht. Obwohl dieser Stern an sich ein Vorzeichen für Blutvergießen ist, deutet er nicht zwangsläufig auf den Tod hin, sondern kann auch auf vergossenes Blut als ein Zeichen des Segens verweisen. Indem das jüdische Volk bei der Mizwa der Beschneidung bereitwillig eigenes Blut fließen ließ, wurde die zerstörende Macht des Sterns aufgehoben. Selbst die Mizrim, die in Ra’ah ein Vorzeichen für das Unheil der Juden sahen, mussten daraufhin anerkennen, dass ihnen durch diesen Stern kein Schaden erwachsen würde.
Gur Arye
לֹ֣א כֵ֗ן לְכֽוּ־נָ֤א הַגְּבָרִים֙ וְעִבְד֣וּ אֶת־יְהוָ֔ה כִּ֥י אֹתָ֖הּ אַתֶּ֣ם מְבַקְשִׁ֑ים וַיְגָ֣רֶשׁ אֹתָ֔ם מֵאֵ֖ת פְּנֵ֥י פַרְעֹֽה׃ (פ)
11
11
Nicht so! Ihr Männer zieht los und dient dem Ewigen, denn das wollt ihr ja. Und man trieb sie von Pharao weg.
Nicht so! wie ihr gesagt habt, die Kinder mit euch zu nehmen, sondern Ihr Männer zieht los und dient dem Ewigen,
denn das wollt ihr ja: jenen Dienst habt ihr bis jetzt verlangt, wir wollen unserem G‑tt opfern, und es ist nicht die Art der Kinder, Opfer zu bringen.
Raschi
man trieb sie weg
Das ist ein kurzer Ausdruck; denn der Vers sagt nicht, wer sie vertrieb.
Raschi
Das Verb וַיְגָרֶשׁ kann sich nicht auf Pharao beziehen, da danach nicht מִפָּנָיו „aus seiner Gegenwart“ steht, sondern מֵאֵת פְּנֵי פַרְעֹה „aus der Gegenwart Pharaos“. Das bedeutet, dass jemand anderer sie vertrieb, mutmaßlich einer der Palastwachen.
Misrachi, Gur Arye