וַיְהִ֣י ׀ בַּחֲצִ֣י הַלַּ֗יְלָה וַֽיהוָה֮ הִכָּ֣ה כָל־בְּכוֹר֮ בְּאֶ֣רֶץ מִצְרַיִם֒ מִבְּכֹ֤ר פַּרְעֹה֙ הַיֹּשֵׁ֣ב עַל־כִּסְא֔וֹ עַ֚ד בְּכ֣וֹר הַשְּׁבִ֔י אֲשֶׁ֖ר בְּבֵ֣ית הַבּ֑וֹר וְכֹ֖ל בְּכ֥וֹר בְּהֵמָֽה׃
29
29
Zehnte Plage: מַכַּת בְּכוֹרוֹת (Das Sterben der Erstgeborenen)
Und es geschah um Mitternacht, und der Ewige schlug alle Erstgeborenen im Land Mizraim, von dem Erstgeborenen Pharaos an, der auf dem Thron sitzt, bis zum Erstgeborenen, der in Haft sitzt, und alle Erstgeborenen unter dem Vieh.
und der Ewige
Überall, wo וַה׳ „und der Ewige“ steht, bedeutet es: Er und Sein Gerichtshof (Bet Din); denn der Buchstabe ו (Waw) ist der Ausdruck für eine Hinzufügung: „der und der“.
Raschi
schlug alle Erstgeborenen: auch den Erstgeborenen anderer Völker, der zu diesem Zeitpunkt in Mizraim war.
Raschi
von dem Erstgeborenen Pharaos
Pharao selbst war auch ein Erstgeborener, er blieb aber von den Erstgeborenen übrig. Und von ihm heißt es (Schem. 9:16) בַּעֲבוּר זֹאת הֶעֱמַדְתִּיךָ בַּעֲבוּר הַרְאֹתְךָ אֶת כֹּחִי „nur deswegen habe Ich dich erhalten, um dir Meine Macht zu zeigen“ am Schilfmeer.
Raschi
von dem Erstgeborenen Pharaos: der für die Königswürde nach ihm bestimmt ist, auf dem Thron zu sitzen.
Targum Onkelos, Raschbam, Ibn Esra
Thron: prunkvoller Sessel eines Königs.
bis zum Erstgeborenen in Haft: der sich über das Unglück Israels gefreut hatte. Und weiters, damit sie nicht sagen können, unsere Götze hat die Strafe gebracht. Der Erstgeborene der Sklavin (בְכוֹר הַשִּׁפְחָה) war auch miteingeschlossen; denn der Vers zählt von dem vornehmsten bis zum geringsten; und der Erstgeborene der Sklavin ist vornehmer als der Erstgeborene in Haft.
Raschi
וַיָּ֨קָם פַּרְעֹ֜ה לַ֗יְלָה ה֤וּא וְכָל־עֲבָדָיו֙ וְכָל־מִצְרַ֔יִם וַתְּהִ֛י צְעָקָ֥ה גְדֹלָ֖ה בְּמִצְרָ֑יִם כִּֽי־אֵ֣ין בַּ֔יִת אֲשֶׁ֥ר אֵֽין־שָׁ֖ם מֵֽת׃
30
30
Da stand Pharao in der Nacht auf, er und alle seine Diener und alle Mizrim, und es gab ein großes Jammergeschrei in Mizraim, denn es gab kein Haus, in dem nicht eine Leiche war.
Da stand Pharao auf von seinem Bett.
Raschi
in der Nacht: und nicht wie die Art der Könige in der dritten Stunde des Tages.
Er: Pharao zuerst, und dann seine Diener: das lehrt, dass Pharao selbst zu den Häusern seiner Diener ging und sie aufweckte.
Raschi
denn es gab kein Haus, in dem nicht eine Leiche war
Wenn ein Erstgeborener da war, so war er gestorben. Wenn kein Erstgeborener da war, so war der Älteste im Haus gestorben; denn der Älteste im Haus wird Erstgeborener genannt, wie es heißt (Teh. 89:28) אַף אָנִי בְּכוֹר אֶתְּנֵהוּ „auch mache ich ihn zum Erstgeborenen“.
Andere Erklärung: die mizrischen Frauen waren ihren Ehemännern untreu und wurden von ledigen Burschen schwanger, sodass sie viele Erstgeborenen hatten; in manchen Fällen hatte eine Frau fünf Söhne, und jeder war der Erstgeborener seines Vaters.
Raschi
וַיִּקְרָא֩ לְמֹשֶׁ֨ה וּֽלְאַהֲרֹ֜ן לַ֗יְלָה וַיֹּ֙אמֶר֙ ק֤וּמוּ צְּאוּ֙ מִתּ֣וֹךְ עַמִּ֔י גַּם־אַתֶּ֖ם גַּם־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל וּלְכ֛וּ עִבְד֥וּ אֶת־יְהוָ֖ה כְּדַבֶּרְכֶֽם׃
31
31
Da rief Pharao Mosche und Aharon in der Nacht und sagte: Steht auf, zieht von meinem Volk weg, ihr und auch die Kinder Israel und geht —dient dem Ewigen, wie ihr gesagt habt!
Da rief Pharao Mosche und Aharon in der Nacht
Das lehrt, dass Pharao selbst an den Türen der Stadt umherging und rief: „Wo wohnt Mosche? Wo wohnt Aharon?“
Raschi
ihr und auch die Kinder Israel
ihr: die Männer,
und auch die Kinder Israel: die Kinder.
Raschi
und geht — dient dem Ewigen, wie ihr gesagt habt
Ganz, wie ihr gesagt habt, und nicht, wie ich gesagt habe. Aufgehoben ist (Schem. 4:2) לֹא אֲשַׁלֵּחַ „ich werde nicht wegschicken“; aufgehoben ist (Schem. 10:8) מִי וָמִי הַהוֹלְכִים „wer sind sie, die gehen sollen“; aufgehoben ist (Schem. 10:24) רַק צֹאנְכֶם וּבְקַרְכֶם יֻצָּג „nur eure Schafe und Rinder sollen bleiben“.
Raschi
גַּם־צֹאנְכֶ֨ם גַּם־בְּקַרְכֶ֥ם קְח֛וּ כַּאֲשֶׁ֥ר דִּבַּרְתֶּ֖ם וָלֵ֑כוּ וּבֵֽרַכְתֶּ֖ם גַּם־אֹתִֽי׃
32
32
Auch eure Schafe, auch eure Rinder nehmt mit, wie ihr gesagt habt, und geht und segnet auch mich!
Auch eure Schafe, auch eure Rinder nehmt
Im vorigen Vers steht schon כְּדִבֶּרְכֶם „wie ihr gesagt habt“; was fügt dieses כַּאֲשֶׁר דִּבַּרְתֶּם „wie ihr gesagt habt“ hinzu? (Schem. 10:25) גַּם אַתָּה תִּתֵּן בְּיָדֵנוּ זְבָחִים וְעוֹלוֹת „Auch du selbst, Pharao, sollst uns Mahlopfer und Ganzopfer mitgeben“ — „nehmt, wie ihr gesagt habt“.
Raschi
und segnet auch mich
Betet für mich, sagte Pharao, dass ich nicht sterbe, denn auch ich bin ein Erstgeborener.
Raschi
וַתֶּחֱזַ֤ק מִצְרַ֙יִם֙ עַל־הָעָ֔ם לְמַהֵ֖ר לְשַׁלְּחָ֣ם מִן־הָאָ֑רֶץ כִּ֥י אָמְר֖וּ כֻּלָּ֥נוּ מֵתִֽים׃
33
33
Und die Mizrim bedrängten das Volk Israel, um sie schnell aus dem Land Mizraim zu treiben, denn sie sagten: Wir sterben alle.
Wir sterben sonst alle
Sie sagten, es ist nicht, wie Mosche verhängt hat; denn er hat gesagt (Schem. 11:5) וּמֵת כָּל בְּכוֹר „und sterben werden alle Erstgeborenen“, und hier sind auch die Nachgeborenen gestorben, fünf oder zehn in einem Haus.
Raschi
וַיִּשָּׂ֥א הָעָ֛ם אֶת־בְּצֵק֖וֹ טֶ֣רֶם יֶחְמָ֑ץ מִשְׁאֲרֹתָ֛ם צְרֻרֹ֥ת בְּשִׂמְלֹתָ֖ם עַל־שִׁכְמָֽם׃
34
34
Da nahm das Volk den Teig mit, bevor er noch gesäuert hatte; die Reste trugen sie in ihre Tücher eingebunden auf ihrer Schulter.
bevor er noch gesäuert hatte
Die Mizrim ließen ihnen keine Zeit, bis der Teig gesäuert hatte.
Raschi
die Reste
מִשְׁאֲרֹתָם „Reste“: die Überreste von Mazza und Maror (Bitterkraut).
Raschi
auf ihrer Schulter
Obwohl sie viel Vieh mit sich führten, führten sie die Gebote G‑ttes mit besonderer Liebe aus.
Raschi
וּבְנֵי־יִשְׂרָאֵ֥ל עָשׂ֖וּ כִּדְבַ֣ר מֹשֶׁ֑ה וַֽיִּשְׁאֲלוּ֙ מִמִּצְרַ֔יִם כְּלֵי־כֶ֛סֶף וּכְלֵ֥י זָהָ֖ב וּשְׂמָלֹֽת׃
35
35
Die Kinder Israel hatten zuvor getan, was ihnen Mosche gesagt hatte: sie hatten sich von den Mizrim Schmuck aus Silber und Gold und Gewänder ausgebeten.
was ihnen Mosche gesagt hatte
Was er ihnen in Mizraim gesagt hatte (Schem. 11:2): וְיִשְׁאֲלוּ אִישׁ מֵאֵת רֵעֵהוּ „sie sollen sich erbitten, ein jeder von seinem Nächsten“.
Raschi
Schmuck
כְּלֵי כֶסֶף וּכְלֵי זָהָב im Sinn von „Schmuck“.
Ibn Esra zu Schem. 3:22
und Gewänder
Diese waren ihnen noch wertvoller als Silber und Gold; denn das Spätere im Vers ist hier wertvoller als das Frühere.
Raschi
Der Umstand, dass Gold – gewöhnlich wertvoller als Silber – im Vers nach Silber genannt wird, lehrt, dass die Gegenstände so gereiht sind, dass das weniger Wertvolle zunächst genannt wird.
Misrachi
וַֽיהוָ֞ה נָתַ֨ן אֶת־חֵ֥ן הָעָ֛ם בְּעֵינֵ֥י מִצְרַ֖יִם וַיַּשְׁאִל֑וּם וַֽיְנַצְּל֖וּ אֶת־מִצְרָֽיִם׃ (פ)
36
36
Und der Ewige hatte dem Volk Israel Gunst in den Augen Mizraims gegeben, sodass sie ihnen noch mehr als das Verlangte borgten, und so leerten sie Mizraim.
sodass sie ihnen borgten
Auch, was sie nicht von ihnen verlangt hatten, gaben sie ihnen. Du sagst eines, nimm zwei und gehe nur!
Raschi
leerten sie
Das Wort וַיְנַצְּלוּ bedeutet, wie der Targum sagt וְרוֹקִינוּ „sie machten leer“.
Raschi
וַיִּסְע֧וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֛ל מֵרַעְמְסֵ֖ס סֻכֹּ֑תָה כְּשֵׁשׁ־מֵא֨וֹת אֶ֧לֶף רַגְלִ֛י הַגְּבָרִ֖ים לְבַ֥ד מִטָּֽף׃
37
37
Und es zogen die Kinder Israel von Ramses nach Sukkot, etwa 600.000 Mann zu Fuß, ohne die Frauen und Kinder.
von Ramses nach Sukkot
Das waren 120 Mil*, sie aber kamen zeitnah an. So heißt es (Schem. 19:4) וָאֶשָּׂא אֶתְכֶם עַל כַּנְפֵי נְשָׁרִים „Ich trug euch auf Adlersflügeln“.
Raschi
Mil: Längeneinheit, entspricht 2.000 amot*; umgerechnet rund 960 Meter.
600.000 Mann: von 20 Jahren an und darüber.
Raschi
וְגַם־עֵ֥רֶב רַ֖ב עָלָ֣ה אִתָּ֑ם וְצֹ֣אן וּבָקָ֔ר מִקְנֶ֖ה כָּבֵ֥ד מְאֹֽד׃
38
38
Auch viel Mischvolk zog mit ihnen, auch sehr große Herden an Schafen und Rindern.
viel Mischvolk
עֵרֶב רַב – Vermischung verschiedener Völker, die das Judentum angenommen hatten.
Raschi
Der Ausdruck עֵרֶב רַב bedeutet nicht, dass sie sich mit dem jüdischen Volk vermischten. Es waren vielmehr Menschen unterschiedlicher Herkunft – nicht nur Mizrim –, die eine eigene große Gruppe bildeten. Hätte es sich nur um Mizrim gehandelt, würde der Vers lauten: „Auch viele Mizrim zogen mit ihnen“, statt den Begriff עֵרֶב רַב „Mischvolk“ zu verwenden.
R. Jaakow Kanisal, Maskil leDavid
sehr große Herden
מִקְנֶה כָּבֵד מְאֹד, wörtl. sehr schwere Herden.
וַיֹּאפ֨וּ אֶת־הַבָּצֵ֜ק אֲשֶׁ֨ר הוֹצִ֧יאוּ מִמִּצְרַ֛יִם עֻגֹ֥ת מַצּ֖וֹת כִּ֣י לֹ֣א חָמֵ֑ץ כִּֽי־גֹרְשׁ֣וּ מִמִּצְרַ֗יִם וְלֹ֤א יָֽכְלוּ֙ לְהִתְמַהְמֵ֔הַּ וְגַם־צֵדָ֖ה לֹא־עָשׂ֥וּ לָהֶֽם׃
39
39
Und aus dem Teig, den sie aus Mizraim mitgenommen hatten, backten sie Mazza-Kuchen; denn der Teig hatte nicht gesäuert, weil sie aus Mizraim hinausgetrieben wurden und nicht warten durften, und auch Essen für den Weg machten sie nicht.
Mazza-Kuchen
עֻגוֹת מַצּוֹת – חֲרָרָה שֶׁל מַצָּה, Kuchen aus ungesäuertem Teig. Teig, der nicht gesäuert hat, wird Mazza genannt.
Raschi
Der Begriff עֻגָה im Vers ist gleichbedeutend mit חֲרָרָה „Kuchen“: ein flaches, fladenartiges Brot, das auf Kohlen gebacken wird.
Raschi zu Richter 7:13; Hoschea 7:8; Beza 21b
Essen für den Weg machten sie nicht
Das verkündet das Lob Israels, dass sie nicht sagten, wie können wir ohne Essen für den Weg in die Wüste hinausgehen? Sondern sie vertrauten auf G‑tt und gingen. Das steht deutlich im Propheten (Jirm. 2:2) זָכַרְתִּי לָךְ חֶסֶד נְעוּרַיִךְ אַהֲבַת כְּלוּלֹתָיִךְ לֶכְתֵּךְ אַחֲרַי בַּמִּדְבָּר בְּאֶרֶץ לֹא זְרוּעָה „Ich gedenke dir der Frömmigkeit deiner Jugend, der Liebe deiner Brautzeit, dass du Mir in die Wüste gefolgt bist, in unbesätes Land“. Welcher Lohn aber wird dann ausgesprochen? (Dort, Vers 3) קֹדֶשׁ יִשְׂרָאֵל לַה׳ „Heilig ist Israel dem Ewigen …“.
Raschi
וּמוֹשַׁב֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל אֲשֶׁ֥ר יָשְׁב֖וּ בְּמִצְרָ֑יִם שְׁלֹשִׁ֣ים שָׁנָ֔ה וְאַרְבַּ֥ע מֵא֖וֹת שָׁנָֽה׃
40
40
Die Aufenthaltszeit der Kinder Israel, die sie in Mizraim verbracht hatten, war 430 Jahre.
die sie in Mizraim verbracht hatten
Nach den anderen Niederlassungen, wo sie als Fremde in einem Land verweilt hatten, das nicht ihnen gehörte. Das heißt, die Gesamtzahl ihrer Jahre in der Fremde war 430 Jahre, und nicht nur in Mizraim.
Raschi
430 Jahre
430 Jahres als Gesamtzahl ihrer Jahre in der Fremde. Von der Geburt Jizchaks bis zum Auszug aus Mizraim waren 400 Jahre; als Awraham Nachkommenschaft erhalten hatte, ging in Erfüllung (Ber. 15:13) כִּי גֵר יִהְיֶה זַרְעֲךָ „ein Fremdling wird dein Nachkomme sein“; und 30 Jahre waren vom Bund zwischen den Stücken (בְּרִית בֵּין הַבְּתָרִים), wo diese Bestimmung verhängt wurde, bis zur Geburt Jizchaks.
Man kann aber nicht sagen, im Land Mizraim selbst 430 Jahre. Denn Kehat gehörte zu denen, die mit Jaakow nach Mizraim gekommen waren. Geh und rechne alle seine Jahre und alle Jahre seines Sohnes Amram und 80 Jahre von Mosche, so findest du doch nicht soviel. Und notwendigerweise hatte Kehat schon viele Jahre gelebt, bevor er nach Mizraim hinabzog, und viele Jahre von Amram sind in den Jahren von Kehat enthalten, und viele Jahre von Mosche sind in den Jahren von Amram enthalten. Du erhältst also keine 400 Jahre seit ihrer Ankunft in Mizraim bis zum Auszug, und du musst notwendigerweise sagen, dass auch die anderen Niederlassungen „Land der Fremde“ (גֵּרוּת) genannt werden, sogar Chewron, wie es heißt (Ber. 35:27) אֲשֶׁר גָּר שָׁם אַבְרָהָם וְיִצְחָק „wo sich Awraham und Jizchak als Fremde aufhielten“. Ferner heißt es (Schem. 6:4) אֵת אֶרֶץ מְגֻרֵיהֶם אֲשֶׁר גָּרוּ בָהּ „das Land ihres Aufenthalts, wo sie als Fremde geweilt hatten“. Darum musst du sagen, „Fremde werden deine Nachkommen sein“ beginnt mit dem Tag, als er einen Nachkommen erhielt. Und wenn du die 400 Jahre von der Geburt Jizchaks an rechnest, so findest du von ihrer Ankunft in Mizraim bis zu ihrem Auszug 210 Jahre.
Hier ist eine von den Stellen, an welchen die 70 Gelehrten in der vom König Ptolemäus (תַלְמַי הַמֶּלֶךְ) geforderten Übersetzung vom Text abwichen (Megilla 9a).
Raschi
וַיְהִ֗י מִקֵּץ֙ שְׁלֹשִׁ֣ים שָׁנָ֔ה וְאַרְבַּ֥ע מֵא֖וֹת שָׁנָ֑ה וַיְהִ֗י בְּעֶ֙צֶם֙ הַיּ֣וֹם הַזֶּ֔ה יָֽצְא֛וּ כָּל־צִבְא֥וֹת יְהוָ֖ה מֵאֶ֥רֶץ מִצְרָֽיִם׃
41
41
Und es war am Ende von 430 Jahren, an genau diesem Tag, da zogen alle Scharen des Ewigen aus dem Land Mizraim.
Und es war am Ende von 430 Jahren, an genau diesem Tag
Das lehrt, dass als das Ende gekommen war, der Ewige sie nicht einen einzigen Augenblick länger zurückhielt. Am 15. Nissan waren damals die Dienstengel (מַלְאֲכֵי הַשָּׁרֵת) zu Awraham gekommen, um ihm das Versprechen zu bringen, am 15. Nissan wurde Jizchak geboren und am 15. Nissan die Bestimmung zwischen den Stücken (גְּזֵרַת בֵּין הַבְּתָרִים) ausgesprochen.
Raschi
לֵ֣יל שִׁמֻּרִ֥ים הוּא֙ לַֽיהוָ֔ה לְהוֹצִיאָ֖ם מֵאֶ֣רֶץ מִצְרָ֑יִם הֽוּא־הַלַּ֤יְלָה הַזֶּה֙ לַֽיהוָ֔ה שִׁמֻּרִ֛ים לְכָל־בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל לְדֹרֹתָֽם׃ (פ)
42
42
Eine Nacht des Schutzes ist das dem Ewigen, sie aus dem Land Mizraim zu führen; das ist diese Nacht dem Ewigen, ein Schutz für alle Kinder Israel in ihren Generationen.
Eine Nacht des Schutzes
Diese Nacht heißt לֵיל שִׁמֻּרִים, die der Ewige hütete und erwartete (שׁוֹמֵר וּמְצַפֶּה לוֹ), um Sein Versprechen zu erfüllen, sie aus dem Land Mizraim zu führen.
Raschi
Eine Nacht des Schutzes
שִׁמֻּרִים ist wie שׁוֹמְרֵי הַחוֹמוֹת „Wächter der Mauern“: so wie die Wächter nicht schlafen, so beschützte der Ewige sie bei ihrem Auszug aus Mizraim.
Ibn Esra
G‑tt wartete darauf, Israel aus Mizraim herauszuführen, aber er fand sie noch nicht zur Erlösung bereit bis zu jener Nacht.
Seforno
2 Mal kommt in der ganzen Torah der Begriff שִׁמֻּרִים vor – לֵיל שִׁמֻּרִים und שִׁמֻּרִים לְכָל בְּנֵי יִשְׂרָאֵל (beide in diesem Vers), denn G‑tt teilte diese Nacht des 15. Nissan in zwei – ein Teil für den Auszug aus Mizraim, der andere Teil für die Kommende Erlösung (גְּאוּלָּה לֶעָתִיד לָבוֹא).
Baal haTurim
Eine Nacht des Schutzes ist das dem Ewigen
Das ist die Nacht, von der Er zu Awraham gesagt hatte, in dieser Nacht erlöse Ich deine Kinder.
Raschi
ein Schutz für alle Kinder Israel in ihren Generationen: geschützt vor dem Verderben, wie es heißt (Vers 23) וְלֹא יִתֵּן הַמַּשְׁחִית לָבֹא אֶל בָּתֵּיכֶם לִנְגֹּף „und Er lässt nicht das Verderben in eure Häuser kommen“.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר יְהוָה֙ אֶל־מֹשֶׁ֣ה וְאַהֲרֹ֔ן זֹ֖את חֻקַּ֣ת הַפָּ֑סַח כָּל־בֶּן־נֵכָ֖ר לֹא־יֹ֥אכַל בּֽוֹ׃
43
43
Der Ewige sagte zu Mosche und Aharon: Dieses ist das Gesetz des Pessach\-Opfers — kein Fremder darf davon essen.
Dieses ist das Gesetz des Pessach-Opfers: am 14. Nissan wurde dieser Abschnitt zu ihnen gesagt.
Raschi
Fremder
בֶּן נֵכָר „Fremder“: ein Entfremdeter, dessen Handlungen seinem Vater im Himmel entfremdet sind. Darunter ist sowohl ein Nichtjude (נָכְרִי) als auch ein abtrünniger Jude (יִשְׂרָאֵל מְשֻׁמָּד) zu verstehen.
Raschi
וְכָל־עֶ֥בֶד אִ֖ישׁ מִקְנַת־כָּ֑סֶף וּמַלְתָּ֣ה אֹת֔וֹ אָ֖ז יֹ֥אכַל בּֽוֹ׃
44
44
Und jeder Sklave eines Mannes, der für Geld gekauft wurde und du hast ihn beschnitten, dann darf er davon essen.
dann darf er davon essen
אָז יֹאכַל בּוֹ „dann darf er davon essen“, auf wen bezieht sich das – auf seinen Herren. Das lehrt, dass die Beschneidung seiner Sklaven für das Essen des Pessachopfers notwendig ist, so sagt Rabbi Jehoschua.
Rabbi Eliëser sagt: Die Beschneidung seiner Sklaven ist für das Essen des Pessachopfers nicht notwendig. Wenn es so ist, was lehrt dann אָז יֹאכַל בּוֹ „dann darf er davon essen“? Der Sklave selbst.
Raschi
תּוֹשָׁ֥ב וְשָׂכִ֖יר לֹא־יֹ֥אכַל־בּֽוֹ׃
45
45
Ein wohnhafter Fremder und ein nichtjüdischer Lohnarbeiter darf nicht davon essen.
Ein wohnhafter Fremder
תּוֹשָׁב „Wohnhafter“: damit ist ein גֵּר תּוֹשָׁב gemeint [der die sieben Gebote Noachs und nicht das ganze Judentum angenommen hat].
Raschi
ein Lohnarbeiter
שָׂכִיר „Lohnarbeiter“: damit ist ein Nichtjude gemeint. Was will das lehren, sie sind doch unbeschnitten, und es heißt (Vers 48) וְכָל עָרֵל לֹא יֹאכַל בּוֹ „ein Unbeschnittener darf nicht davon essen“? Nur, hier ist beispielsweise ein beschnittener Araber und ein beschnittener Giwoni gemeint, der wohnhaft (תּוֹשָׁב) oder ein Lohnarbeiter (שָׂכִיר) ist.
Raschi
ein Araber und ein Giwoni: Völker, die Beschneidung praktizieren.
Giwoni: Unter den Giwonim sind hier nicht jene aus Giwon zu verstehen, die sich dem jüdischen Volke anschlossen (siehe Jehoschua, Kap. 9), sondern ein anderes, nichtjüdisches Volk, das von den Nachkommen Keturas und Awrahams abstammte.
Misrachi, Ba’er Hetew, Zeda laDerech
בְּבַ֤יִת אֶחָד֙ יֵאָכֵ֔ל לֹא־תוֹצִ֧יא מִן־הַבַּ֛יִת מִן־הַבָּשָׂ֖ר ח֑וּצָה וְעֶ֖צֶם לֹ֥א תִשְׁבְּרוּ־בֽוֹ׃
46
46
In einem Haus soll es gegessen werden, du darfst von dem Fleisch des Pessach Opfers nichts aus dem Haus hinausbringen; auch dürft ihr keinen Knochen daran zerbrechen.
In einem Haus soll es gegessen werden: in einer Gesellschaft, und die darauf Gezählten dürfen nicht zwei Gesellschaften machen und es teilen. Du sagst, „in einer Gesellschaft“, vielleicht aber heißt es nicht so, sondern wörtlich „in einem Haus“, um zu lehren, dass wenn sie im Hof angefangen haben zu essen und es anfing, zu regnen, sie nicht ins Haus gehen dürfen? Darum steht (Vers 7) עַל הַבָּתִּים אֲשֶׁר יֹאכְלוּ אֹתוֹ בָּהֶם „an den Häusern [Mehrzahl], in denen sie es [das Pessach-Opfer, Einzahl] essen“. Daraus geht hervor, dass es der Essende an zwei Orten essen darf.
Raschi
du darfst nichts aus dem Haus hinausbringen: aus der Gesellschaft.
Raschi
auch dürft ihr keinen Knochen daran zerbrechen: der zum Essen geeignet ist. Für den Fall, dass ein olivengroßes Stück Fleisch (כַּזַּיִת בָּשָׂר) daran ist, besteht dabei das Verbot, den Knochen zu zerbrechen. Ist aber kein olivengroßes Stück Fleisch oder kein Mark daran, so besteht dabei nicht das Verbot, den Knochen zu zerbrechen (Pessachim 84b).
Raschi
כַּזַּיִת, wörtl. „wie eine Olive“ ist ein Hohlmaß, entspricht 27 cm3.
כָּל־עֲדַ֥ת יִשְׂרָאֵ֖ל יַעֲשׂ֥וּ אֹתֽוֹ׃
47
47
Die ganze Gemeinde Israel soll es bereiten.
Die ganze Gemeinde Israels soll es bereiten
Warum steht das? Weil der Vers beim Pessachopfer in Mizraim sagt (Schem. 12:3) שֶׂה לְבֵית אָבוֹת „ein Lamm für jedes Vaterhaus“, sie sollen nach Familien zählen, hätte ich gemeint, das gelte auch für das Pessach der späteren Generationen. Darum steht כָּל עֲדַת יִשְׂרָאֵל יַעֲשׂוּ אֹתוֹ „die ganze Gemeinde Israels [und nicht nach Familien geteilt] soll es bereiten“.
Raschi
וְכִֽי־יָג֨וּר אִתְּךָ֜ גֵּ֗ר וְעָ֣שָׂה פֶסַח֮ לַיהוָה֒ הִמּ֧וֹל ל֣וֹ כָל־זָכָ֗ר וְאָז֙ יִקְרַ֣ב לַעֲשֹׂת֔וֹ וְהָיָ֖ה כְּאֶזְרַ֣ח הָאָ֑רֶץ וְכָל־עָרֵ֖ל לֹֽא־יֹ֥אכַל בּֽוֹ׃
48
48
Und wenn sich bei dir ein Fremder aufhält und dem Ewigen das Pessach\-Opfer darbringen will, so sollen bei ihm in diesem Haushalt alle Männer beschnitten werden, dann darf er nähertreten und es darbringen, er sei gleich dem Einheimischen des Landes; ein Unbeschnittener aber darf nicht davon essen.
dem Ewigen das Pessach-Opfer darbringen will
Ich hätte meinen können, jeder, der Jude wird, bringe sogleich ein Pessach-Opfer, darum steht וְהָיָה כְּאֶזְרַח הָאָרֶץ „er sei gleich dem Einheimischen des Landes“: wie der Einheimische nur am 14. Nissan, so auch der Fremde (גֵּר) am 14. Nissan.
Raschi
ein Unbeschnittener darf nicht davon essen
Das fügt auch den hinzu, dessen Brüder durch die Beschneidung gestorben sind, der nicht aus Abtrünnigkeit unbeschnitten geblieben ist und nicht aus jenem Vers (43) zu entnehmen ist, בֶּן נֵכָר לֹא יֹאכַל בּוֹ „kein Entfremdeter darf davon essen“.
Raschi
תּוֹרָ֣ה אַחַ֔ת יִהְיֶ֖ה לָֽאֶזְרָ֑ח וְלַגֵּ֖ר הַגָּ֥ר בְּתוֹכְכֶֽם׃
49
49
Ein und dieselbe Torah gelte für den Einheimischen wie für den Fremden, der sich unter euch aufhält.
ein und dieselbe Torah
Das macht den Fremden (גֵּר) dem Einheimischen auch für die übrigen Mizwot der Torah gleich.
Raschi
Die Gleichsetzung des Fremden (גֵּר) mit dem Einheimischen (d.h. dem jüdisch Geborenen) ist bereits im Vers zuvor ausgesprochen. Wozu wiederholt es der Vers hier? Raschi erklärt, dass sowohl Fremder wie auch Einheimischer zu dem Pessach-Opfer verpflichtet sind. Dieser Vers setzt sie in Bezug auf alle übrigen Mizwot gleich.