וַיֹּ֤אמֶר יְהוָה֙ אֶל־מֹשֶׁ֔ה מַה־תִּצְעַ֖ק אֵלָ֑י דַּבֵּ֥ר אֶל־בְּנֵי־יִשְׂרָאֵ֖ל וְיִסָּֽעוּ׃
15
15
Und der Ewige sagte zu Mosche: Was rufst du zu Mir? Sprich zu den Kindern Israel und zieht weiter.
Was rufst du zu Mir?
Daraus lernen wir, dass Mosche stand und betete. Da sagte G‑tt zu ihm: Jetzt ist nicht die Zeit, lange zu beten, denn das Volk Israel befindet sich in Not. [Du hast bereits in ausreichendem Maß für das Volk gebetet und weitere Gebete sind nicht mehr erforderlich.]
Andere Erklärung: מַה תִּצְעַק אֵלָי, Was rufst du zu Mir, die Sache ist Meine Aufgabe (עָלַי הַדָּבָר) und nicht deine, wie an anderer Stelle steht (Jesch. 45:11) עַל בָּנַי וְעַל פֹּעַל יָדַי תְּצַוֻּנִי „wollt ihr Mir für Meine Kinder, das Werk Meiner Hände, Befehle geben?“.
Raschi
Was rufst du zu Mir, die Sache ist Meine Aufgabe: Damit werden die Worte מַה תִּצְעַק אֵלָי in zwei geteilt: eine Frage מַה תִּצְעַק „Warum rufst du?“, und eine Zusicherung אֵלָי „Es ist an mir“, das Volk zu retten. Dabei wird das Wort אֵלָי als עָלַי „an mir“ gelesen.
Misrachi
Was rufst du zu Mir?
מ״ה תִּצְעַק אֵלָי – G‑tt gab Mosche ein Zeichen, dass er zukünftig מ״ה (45) beten würde – 40 Tage am Berg, um für Israel zu beten, und 5 Worte, um für seine Schwester Miriam zu beten, als sie mit Aussatz (צָרַעַת) gestraft wurde: אֵל נָא רְפָא נָא לָהּ „G‑tt, oh heile sie doch!“ (Bam. 12:13), denn es gibt Zeiten, um das Gebet zu verlängern und Zeiten, um das Gebet zu verkürzen, jetzt aber ist überhaupt keine Zeit zu beten, sondern „Sprich zu den Kindern Israel und zieht weiter“.
Baal haTurim
Sage den Kindern Israel, dass sie weiter ziehen
Sie sollen nur aufbrechen, denn das Meer hält vor ihnen nicht stand. Die Frömmigkeit ihrer Väter, und ihre eigene Frömmigkeit und das Vertrauen (Emuna), das sie in Mich setzten, als sie auszogen, sind genug – um ihnen das Meer zu spalten.
Raschi
וְאַתָּ֞ה הָרֵ֣ם אֶֽת־מַטְּךָ֗ וּנְטֵ֧ה אֶת־יָדְךָ֛ עַל־הַיָּ֖ם וּבְקָעֵ֑הוּ וְיָבֹ֧אוּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֛ל בְּת֥וֹךְ הַיָּ֖ם בַּיַּבָּשָֽׁה׃
16
16
Du hebe deinen Stab in die Höhe, strecke deine Hand zum Meer aus und teile es, so werden die Kinder Israel mitten im Meer auf trockenem Boden gehen.
Du hebe deinen Stab in die Höhe, strecke deine Hand zum Meer aus
Der Ewige sagte zu Mosche „Hebe deinen Stab in die Höhe“ und wirf ihn auf die Seite; und dann „strecke deine Hand zum Meer aus“ – mit deiner eigenen Hand sollst du das Meer teilen, damit die Kinder Israel nicht irrtümlich glauben, dass es die Kraft des Stabes sei, die das Meer teilt.
Rabbenu Bechaje
וַאֲנִ֗י הִנְנִ֤י מְחַזֵּק֙ אֶת־לֵ֣ב מִצְרַ֔יִם וְיָבֹ֖אוּ אַחֲרֵיהֶ֑ם וְאִכָּבְדָ֤ה בְּפַרְעֹה֙ וּבְכָל־חֵיל֔וֹ בְּרִכְבּ֖וֹ וּבְפָרָשָֽׁיו׃
17
17
Und Ich — siehe, Ich stärke das Herz der Mizrim, dass sie hinter den Kindern Israel in das Meer hineingehen. So werde Ich mich verherrlichen an Pharao und an seinem ganzen Heer, an seinen Kriegswagen und an seinen Reitern.
וַיִּסַּ֞ע מַלְאַ֣ךְ הָאֱלֹהִ֗ים הַהֹלֵךְ֙ לִפְנֵי֙ מַחֲנֵ֣ה יִשְׂרָאֵ֔ל וַיֵּ֖לֶךְ מֵאַחֲרֵיהֶ֑ם וַיִּסַּ֞ע עַמּ֤וּד הֶֽעָנָן֙ מִפְּנֵיהֶ֔ם וַיַּֽעֲמֹ֖ד מֵאַחֲרֵיהֶֽם׃
19
19
Und der Engel G‑ttes, der vor dem Lager Israels zog, brach auf und trat hinter sie, und die Wolkensäule vor ihnen brach auf und stellte sich hinter sie.
und trat hinter sie: um zwischen dem Lager Mizraims und dem Lager Israels zu trennen und die Pfeile und Wurfgeschosse Mizraims abzufangen.
Überall sagt der Vers מַלְאַךְ ה׳ „der Engel von Haschem“ [dem Barmherzigen], und hier מַלְאַךְ הָאֱלֹהִים „der Engel von Elokim“ [des Richters]; dieser Name אֱלֹהִים weist immer auf das Gericht. Das lehrt, dass Israel in jener Stunde gerichtet wurden, ob sie gerettet oder mit Mizraim vernichtet werden sollten.
Raschi
und die Wolkensäule brach auf
Als es Nacht wurde und die Wolkensäule das Lager der Feuersäule übergab, entfernte sich die Wolke nicht vollkommen [wie an den übrigen Tagen], sondern sie brach auf und stellte sich hinter Israel, um den Mizrim dunkel zu machen [indem sie das Licht der Feuersäule verstellte].
Raschi
und stellte sich hinter sie
Nicht vor dem Engel, vor dem G‑tt vertrauenden Menschen soll das Meer zurückweichen.
Rabbi Schimschon R. Hirsch
וַיָּבֹ֞א בֵּ֣ין ׀ מַחֲנֵ֣ה מִצְרַ֗יִם וּבֵין֙ מַחֲנֵ֣ה יִשְׂרָאֵ֔ל וַיְהִ֤י הֶֽעָנָן֙ וְהַחֹ֔שֶׁךְ וַיָּ֖אֶר אֶת־הַלָּ֑יְלָה וְלֹא־קָרַ֥ב זֶ֛ה אֶל־זֶ֖ה כָּל־הַלָּֽיְלָה׃
20
20
Und die Wolkensäule trat zwischen das Lager von Mizraim und das Lager von Israel; dort waren Wolken und Finsternis, und hier bei den Kindern Israel erhellte die Feuersäule die Nacht; und ein Lager näherte sich nicht dem anderen Lager die ganze Nacht hindurch.
trat zwischen das Lager von Mizraim und das Lager von Israel: Das gleicht einem Wanderer, vor dem sein Sohn hergeht; da kommen Räuber, um den Sohn zu entführen – der Vater nimmt ihn vorn weg und stellt ihn hinter sich; da kommt ein Wolf von hinten, und der Vater stellt den Sohn wieder vor sich hin; da kommen Räuber von vorn und Wölfe von hinten – da nimmt der Vater das Kind auf den Arm und wehrt beide ab. So heißt es im Vers (Hosch. 11:3) וְאָנֹכִי תִרְגַּלְתִּי לְאֶפְרַיִם קָחָם עַל זְרוֹעֹתָיו „ich habe Efraim geleitet, auf die Arme genommen“.
Raschi
Wolken und Finsternis: für Mizraim.
Raschi
erhellte: die Feuersäule die Nacht für Israel und zog wie gewöhnlich vor ihnen her, sodass sie die ganze Nacht gehen konnten, und die Finsternis der Wolke war den Mizrim zugewandt.
Raschi
und eines näherte sich nicht dem anderen
וְלֹא קָרַב זֶה אֶל זֶה bedeutet: ein Lager [näherte sich nicht] dem anderen.
Raschi
Obgleich jedes Lager eine Vielzahl von Menschen umfasste, könnte man annehmen, die in der Einzahl stehende Wendung זֶה אֶל זֶה „dieser zu jenem“ beziehe sich nicht auf sie. Raschi stellt klar, dass damit in der Tat das Volk im Lager gemeint ist; die Verwendung der Einzahl זֶה „dieses“ bezeichnet das Lager als eine Einheit.
Gur Arye
וַיֵּ֨ט מֹשֶׁ֣ה אֶת־יָדוֹ֮ עַל־הַיָּם֒ וַיּ֣וֹלֶךְ יְהוָ֣ה ׀ אֶת־הַ֠יָּם בְּר֨וּחַ קָדִ֤ים עַזָּה֙ כָּל־הַלַּ֔יְלָה וַיָּ֥שֶׂם אֶת־הַיָּ֖ם לֶחָרָבָ֑ה וַיִּבָּקְע֖וּ הַמָּֽיִם׃
21
21
Da streckte Mosche seine Hand gegen das Meer aus, und der Ewige trieb das Meer durch den heftigen Ostwind die ganze Nacht zurück und machte das Meer zum trockenen Boden, und das Wasser teilte sich.
durch den heftigen Ostwind
Der Ostwind ist der stärkste der Winde.
Das ist der Wind, mit dem G‑tt die Bösen bestraft. So heißt es (Jirm. 18:17) בְּרוּחַ קָדִים אֲפִיצֵם „wie der Ostwind zerstreue Ich sie“; (Hosch. 13:15) יָבוֹא קָדִים רוּחַ ה׳ „der Ostwind wird kommen, der Wind des Ewigen“; (Jech. 27:26) רוּחַ הַקָּדִים שְׁבָרֵךְ בְּלֵב יַמִּים „der Ostwind hat dich zerbrochen im Herzen der Meere“; (Jesch. 27:8) הָגָה בְּרוּחוֹ הַקָּשָׁה בְּיוֹם קָדִים „Er trieb es fort durch Seinen harten Sturm am Tag des Ostwindes“.
Raschi
Der Ostwind ist der stärkste der Winde: Der Ausdruck בְּרוּחַ קָדִים עַזָּה ist nicht zu verstehen als „ein Ostwind, der heftig war“. Sondern der Ostwind ist im allgemeinen der heftigste der Winde.
Gur Arye
und das Wasser teilte sich
[Da der Vers die Teilung des Meeres beschreibt („Er machte das Meer zum trockenen Boden“), ist zu erwarten, dass das Ende des Verses lautet וַיִּבָּקְעוּ הַיָּם „das Meer teilte sich“. Warum sagt der Vers וַיִּבָּקְעוּ הַמָּיִם „das Wasser teilte sich“?]
וַיִּבָּקְעוּ הַמָּיִם „und das Wasser teilte sich“: alles Wasser in der Welt.
Raschi
alles Wasser in der Welt: Das erstreckte sich auf sämtliche Gewässer, bis hin zu Fässern und Trinkbechern. [Mechilta]
Dadurch wurde das Wunder in aller Welt offenkundig. Zudem schloss es eine natürliche Ursache für die Teilung des Meeres aus, da kein Naturereignis das gleichzeitige Spalten aller Wasserbestände erklären kann.
Jefe To’ar; siehe Maharal in Gur Arye, Gewurot Haschem, Abschn. 40–42
וַיִּרְדְּפ֤וּ מִצְרַ֙יִם֙ וַיָּבֹ֣אוּ אַחֲרֵיהֶ֔ם כֹּ֚ל ס֣וּס פַּרְעֹ֔ה רִכְבּ֖וֹ וּפָרָשָׁ֑יו אֶל־תּ֖וֹךְ הַיָּֽם׃
23
23
Die Mizrim verfolgten sie und kamen hinter ihnen her, alle Pferde Pharaos, seine Kriegswagen und seine Reiter, mitten in das Meer hinein.
alle Pferde Pharaos
כָּל סוּס פַּרְעֹה, wörtl. „alles Pferd Pharaos“. War es denn nur ein einziges Pferd (Einzahl – סוּס)? Das lehrt, dass alle vor dem Ewigen wie ein einziges Pferd gleichgeachtet waren.
Raschi
וַֽיְהִי֙ בְּאַשְׁמֹ֣רֶת הַבֹּ֔קֶר וַיַּשְׁקֵ֤ף יְהוָה֙ אֶל־מַחֲנֵ֣ה מִצְרַ֔יִם בְּעַמּ֥וּד אֵ֖שׁ וְעָנָ֑ן וַיָּ֕הָם אֵ֖ת מַחֲנֵ֥ה מִצְרָֽיִם׃
24
24
Es geschah in der Morgenwache, dass der Ewige auf das Lager der Mizrim schaute in einer Säule von Feuer und Wolke und das Lager der Mizrim verwirrte.
in der Morgenwache
בְּאַשְׁמֹרֶת הַבֹּקֶר „Morgenwache“. Die drei Drittel der Nacht werden Nachtwache (אַשְׁמוּרָה) genannt, und die Nachtwache unmittelbar vor dem Morgen nennt der Vers אַשְׁמֹרֶת הַבֹּקֶר „Morgenwache“. Ich meine, weil die Nacht für die Abteilungen des Gesanges der Dienstengel, für eine Abteilung nach der anderen, in drei Teile geteilt ist, darum wird jeder Teil eine Wache genannt. So übersetzt auch Onkelos בְּמַטְּרַת „Wache“.
Raschi
schaute
וַיַּשְׁקֵף bedeutet soviel wie וַיַּבֵּט „schaute“, „blickte“, das heißt, Er wandte sich ihnen zu, um sie zu vernichten. Der Targum sagt וְאִסְתַּכִי, das bedeutet ebenfalls schauen, wie (Bam. 23:14) שְׂדֵה צֹפִים „Feld der Wächter“, was der Targum übersetzt als „Feld des Schauens“, חֲקַל סָכוּתָא.
Raschi
in einer Säule von Feuer und Wolke
Die Wolkensäule senkte sich herab und macht es weich wie Lehm, und die Feuersäule erhitzte es, dass die Hufe ihrer Pferde abfielen.
Raschi
und verwirrte
וַיָּהָם kommt vom Wort מְהוּמָה „Betäubung“, „Verwirrung“ (estordison auf Französisch). Er verwirrte sie, nahm ihnen die Feldzeichen fort.
Wir lernen in den Kapiteln von R. Eliëser, Sohn von R. Jose haGelili [eine andere Erklärung]: Überall, wo der Ausdruck מְהוּמָה „Verwirrung“ vorkommt, bedeutet er lauten Donner; und das ist die Beweisstelle für alle (1 Schmu. 7:10) וַיַּרְעֵם ה׳ בְּקוֹל גָּדוֹל גו׳ עַל פְּלִשְׁתִּים וַיְהֻמֵּם „und der Ewige ließ lauten Donner über den Plischtim erschallen und verwirrte sie“.
Raschi
in den Kapiteln von R. Eliëser, Sohn von R. Jose haGlili: damit ist nicht das Werk „Pirke deRabbi Eliëser“ gemeint, das die Lehren von R. Eliëser ben Horkenos enthält. Vielmehr bezieht es sich offenbar auf die Baraita von R. Eliëser ben R. Jose haGelili über die zweiunddreißig Regeln der Tora-Auslegung (oft in Talmudausgaben im Band Berachot abgedruckt). In der heutzutage vorliegenden Version dieser Baraita ist diese Lehre allerdings nicht zu finden.
וַיָּ֗סַר אֵ֚ת אֹפַ֣ן מַרְכְּבֹתָ֔יו וַֽיְנַהֲגֵ֖הוּ בִּכְבֵדֻ֑ת וַיֹּ֣אמֶר מִצְרַ֗יִם אָנ֙וּסָה֙ מִפְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל כִּ֣י יְהוָ֔ה נִלְחָ֥ם לָהֶ֖ם בְּמִצְרָֽיִם׃ (פ)
25
25
Er löste die Räder von Mizraims Kriegswagen und führte das Lager der Mizrim mit Beschwerlichkeit. Da sagte Mizraim: Ich will vor Israel fliehen, denn der Ewige kämpft für sie gegen Mizraim.
Räder
אֹפַן bedeutet „Räder“.
Targum Onkelos, Ibn Esra, Radak, שורש אפן, Rabbenu Bechaje
Er löste die Räder
Durch die Kraft des Feuers verbrannten die Räder, dass die Wagen geschleift und die Insassen hin- und hergeworfen und ihre Glieder erschüttert wurden.
Raschi
Er löste die Räder
Die Mizrim selbst lösten die Verbindung zwischen Kriegswagen und Pferden, um auf den Pferden reitend schneller fliehen zu können.
Ibn Esra
וַיָּסַר in der Bedeutung „abkehren“, wie im Vers (Ri. 4:18) וַיָּסַר אֵלֶיהָ הָאֹהֱלָה „und er kehrte ab, zu ihr ins Zelt“. וַיָּסַר אֵת אֹפַן מַרְכְּבֹתָיו, die Mizrim wollten die Kriegswagen herumreißen, um zu fliehen.
Raschbam, Chiskuni, R. Jizchak von Wien
Und führte es mit Beschwerlichkeit: mit Führung, die schwer und schmerzhaft für sie war. Mit dem Maß, mit dem sie gemessen hatten, wie es heißt (Schem. 9:34) וַיַּכְבֵּד לִבּוֹ הוּא וַעֲבָדָיו „da machte er sein Herz fest וַיַּכְבֵּד, er und seine Diener“, dafür hier „führte G‑tt sie בִּכְבֵדֻת, mit Beschwerlichkeit“.
Raschi
kämpft für sie gegen Mizraim
נִלְחָם לָהֶם בְּמִצְרָיִם – בַּמִּצְרִיִּים, kämpft gegen die Mizrim.
Andere Erklärung: נִלְחָם בְּמִצְרָיִם, im Land Mizraim. Wie diese am Meer geschlagen wurden, so wurden auch jene geschlagen, die in Mizraim geblieben waren.
Raschi