Der tägliche Chumasch-Abschnitt

12. Schwat 5787

Mittwoch, 20. Jänner 2027

Heute

Beschallach

4. Alija

(Schemot 14:26 – 15:26)

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וַיֹּ֤אמֶר יְהוָה֙ אֶל־מֹשֶׁ֔ה נְטֵ֥ה אֶת־יָדְךָ֖ עַל־הַיָּ֑ם וְיָשֻׁ֤בוּ הַמַּ֙יִם֙ עַל־מִצְרַ֔יִם עַל־רִכְבּ֖וֹ וְעַל־פָּרָשָֽׁיו׃
26
26
Der Ewige sagte zu Mosche: Strecke deine Hand zum Meer aus, und es soll das Wasser zurückfluten über die Kriegswagen und die Reiter Mizraims.
und es soll das Wasser zurückfluten, das wie eine Mauer aufgerichtet dastand; es sollte an seine Stelle zurückkehren und die Mizrim bedecken.
Raschi
וַיֵּט֩ מֹשֶׁ֨ה אֶת־יָד֜וֹ עַל־הַיָּ֗ם וַיָּ֨שָׁב הַיָּ֜ם לִפְנ֥וֹת בֹּ֙קֶר֙ לְאֵ֣יתָנ֔וֹ וּמִצְרַ֖יִם נָסִ֣ים לִקְרָאת֑וֹ וַיְנַעֵ֧ר יְהוָ֛ה אֶת־מִצְרַ֖יִם בְּת֥וֹךְ הַיָּֽם׃
27
27
Mosche streckte seine Hand über das Meer aus, da flutete das Meer zurück um die Morgenwende zu seiner Kraft, aber die Mizrim flohen dem Wasser entgegen, und der Ewige stürzte die Mizrim mitten in das Meer.
um die Morgenwende
לִפְנוֹת בֹּקֶר, um die Zeit, wenn der Morgen beginnt anzubrechen.
Raschi
zu seiner Kraft
[Was bedeutet das Wort אֵיתָנוֹ? Und was wird im Vers damit ausgedrückt, dass das Meer „zurückkehrte“ (וַיָּשׇׁב)?]
לְאֵיתָנוֹ, zu seiner früheren Stärke.
Raschi
Das Meer kehrte zu seiner ursprünglichen Kraft zurück und strömte wieder mit derselben Stärke wie vor der Teilung.
flohen entgegen: sie waren verwirrt und bestürzt und liefen dem Wasser entgegen.
Raschi
und der Ewige stürzte
וַיְנַעֵר ה׳, der Ewige stürzte, schüttete. Wie ein Mensch, der einen Topf ausschüttet und das Obere nach unten und das Untere nach oben wendet. So stiegen sie auf und sanken hinab und zerschellten im Meer. Und der Ewige gab ihnen Leben, die Schmerzen zu erdulden.
Raschi
stürzte
וַיְנַעֵר „Er stürzte“, Targum וְשַׁנֵּיק, ist ein Ausdruck für hin- und herwerfen im Aramäischen und kommt häufig in den Midraschim vor.
Raschi
וַיָּשֻׁ֣בוּ הַמַּ֗יִם וַיְכַסּ֤וּ אֶת־הָרֶ֙כֶב֙ וְאֶת־הַפָּ֣רָשִׁ֔ים לְכֹל֙ חֵ֣יל פַּרְעֹ֔ה הַבָּאִ֥ים אַחֲרֵיהֶ֖ם בַּיָּ֑ם לֹֽא־נִשְׁאַ֥ר בָּהֶ֖ם עַד־אֶחָֽד׃
28
28
So flutete das Wasser zurück und bedeckte die Kriegswagen und die Reiter, Pharaos ganzes Heer, das hinter ihnen in das Meer hineingegangen war; nicht einer von ihnen blieb zurück.
und bedeckte die Reiter, Pharaos ganzes Heer
לְכֹל חֵיל פַּרְעֹה. So ist die Art der Verse, ein übriges ל (Lamed) zu schreiben, wie im Vers (Schem. 27:3) לְכָל כֵּלָיו תַּעֲשֶׂה נְחֹשֶׁת „alle seine Geräte mache aus Kupfer“; ebenso (Schem. 27:19) לְכֹל כְּלֵי הַמִּשְׁכָּן בְּכֹל עֲבֹדָתוֹ „alle Geräte des Mischkan bei seinem ganzen Dienst“; (Bam. 4:32) וִיתֵדֹתָם וּמֵיתְרֵיהֶם לְכָל כְּלֵיהֶם „ihre Pflöcke und ihre Seile, alle ihre Geräte“. Und es hat nur stilistische Bedeutung.
Raschi
וּבְנֵ֧י יִשְׂרָאֵ֛ל הָלְכ֥וּ בַיַּבָּשָׁ֖ה בְּת֣וֹךְ הַיָּ֑ם וְהַמַּ֤יִם לָהֶם֙ חֹמָ֔ה מִֽימִינָ֖ם וּמִשְּׂמֹאלָֽם׃
29
29
Die Kinder Israel gingen mitten im Meer auf trockenem Boden, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.
Die Kinder Israel gingen mitten im Meer auf trockenem Boden
Gewöhnlich sind die Menschen nur von offenkundigen Wundern beeindruckt. Sie nehmen nicht zur Kenntnis, dass die Natur selbst ein hervorragendes Wunder ist, durch das die Wunder G‑ttes sich täglich offenbaren. Die Kinder Israel jedoch begehen diesen Fehler nicht: „auf dem Trockenen“ gehen sie wie „inmitten des Meeres“; sie leben im Bewusstsein, dass das Gehen auf trockenem Land nicht weniger wundersam ist als das Durchqueren des Meeres.
Noam Elimelech: Likute Schoschana
וַיּ֨וֹשַׁע יְהוָ֜ה בַּיּ֥וֹם הַה֛וּא אֶת־יִשְׂרָאֵ֖ל מִיַּ֣ד מִצְרָ֑יִם וַיַּ֤רְא יִשְׂרָאֵל֙ אֶת־מִצְרַ֔יִם מֵ֖ת עַל־שְׂפַ֥ת הַיָּֽם׃
30
30
Der Ewige rettete an diesem Tag Israel aus der Hand der Mizrim, und Israel sah die Mizrim tot am Ufer des Meeres liegen.
Israel sah die Mizrim tot
Das Meer warf sie ans Ufer, damit nicht Israel sage, wie wir auf dieser Seite heraufgekommen sind, so steigen sie auf der anderen Seite, von uns entfernt, wieder hinauf und werden uns nachjagen.
Raschi
וַיַּ֨רְא יִשְׂרָאֵ֜ל אֶת־הַיָּ֣ד הַגְּדֹלָ֗ה אֲשֶׁ֨ר עָשָׂ֤ה יְהוָה֙ בְּמִצְרַ֔יִם וַיִּֽירְא֥וּ הָעָ֖ם אֶת־יְהוָ֑ה וַיַּֽאֲמִ֙ינוּ֙ בַּֽיהוָ֔ה וּבְמֹשֶׁ֖ה עַבְדּֽוֹ׃ (פ)
31
31
Israel sah die große Macht, die der Ewige an Mizraim getan hatte. Da fürchtete das Volk den Ewigen und glaubte an den Ewigen und an Seinen Diener Mosche.
Israel sah die große Macht
וַיַּרְא יִשְׂרָאֵל אֶת הַיָּד הַגְּדֹלָה, wörtl. Israel sah die große Hand – die große Tat, die die Hand des Ewigen vollbracht hatte. Viele Bedeutungen sind in dem Wort „Hand“ enthalten, und alle decken sich mit dem eigentlichen Begriff Hand, nur muss der Erklärer den Ausdruck nach dem Zusammenhang des Satzes wählen.
Raschi
Da fürchtete das Volk: das Mischvolk (עֵרֶב רָב), das an G‑tt erst glaubte, als es die Wunder am Meer sah. Das Volk Israel hingegen war voll starken Glaubens schon in Mizraim gewesen. So sagt der Vers hier וַיַּרְא יִשְׂרָאֵל אֶת הַיָּד הַגְּדֹלָה „Israel sah die große Macht“, אֲשֶׁר עָשָׂה ה׳ בְּמִצְרַיִם „die der Ewige in Mizraim“, im Land Mizraim, „getan hatte“.
Sifte Kohen von R. Mordechai haKohen – ש״ך עה״ת
אָ֣ז יָשִֽׁיר־מֹשֶׁה֩ וּבְנֵ֨י יִשְׂרָאֵ֜ל אֶת־הַשִּׁירָ֤ה הַזֹּאת֙ לַֽיהוָ֔ה וַיֹּאמְר֖וּ לֵאמֹ֑ר אָשִׁ֤ירָה לַֽיהוָה֙ כִּֽי־גָאֹ֣ה גָּאָ֔ה ס֥וּס וְרֹכְב֖וֹ רָמָ֥ה בַיָּֽם׃
1
1
Damals sang Mosche mit den Kindern Israel dieses Lied für den Ewigen, sie sagten: Ich singe für G‑tt, denn Er ist hoch erhaben, das Pferd und seinen Reiter schleuderte Er ins Meer.
Damals sang Mosche
אָז „Damals“, als er das Wunder sah, יָשִׁיר מֹשֶׁה, fasste Mosche den Entschluss, das Lied zu singen (Zukunft). Ebenso (Jos. 10:12) אָז יְדַבֵּר יְהוֹשֻׁעַ „damals sagte Jehoschua“; ebenso (1 Kön. 7:8) וּבַיִת יַעֲשֶׂה לְבַת פַּרְעֹה „ein Haus baute er für die Tochter Pharaos“, er dachte in seinem Herzen, es für sie zu bauen. Auch hier יָשִׁיר (Zukunft), sein Herz sagte ihm zu singen, und er führte es aus [wie es weiter heißt:] וַיֹּאמְרוּ לֵאמֹר אָשִׁירָה לַה׳ „sie sagten: Ich singe für G‑tt“.
Ebenso bei Jehoschua, als er das Wunder sah, sagte ihm sein Herz, dass er spreche, und das tat er, er sprach vor den Augen Israels. Ebenso beim Lied am Brunnen (שִׁירַת הַבְּאֵר), wo der Vers beginnt (Bam. 21:17) אָז יָשִׁיר יִשְׂרָאֵל „Damals sang Israel“, erklärt er nachher, עֲלִי בְאֵר עֱנוּ לָהּ „steige empor, Brunnen, ruft ihm zu“. Beim Vers (1 Kön. 11:7) אָז יִבְנֶה שְׁלֹמֹה בָּמָה „Damals baute Schlomo eine Opferhöhe“ erklären die Weisen Israels (Schabbat 56b), er wollte bauen, aber er baute nicht. Daraus lernen wir, dass der Buchstabe י (Jud) der Zukunftsform – die Absicht wiedergibt. Das Gesagte erklärt den einfachen Sinn.

Aber als Midrasch sagen unsere Lehrer (Sanhedrin 91b), hier ist in der Torah eine Andeutung für die Wiederbelebung der Toten (תְחִיַּת הַמֵּתִים), ebenso in allen diesen Beispielen, außer dem von Schlomo, das sie erklären, er wollte bauen, aber er baute nicht.

Man soll aber nicht sagen, dass man diesen Ausdruck יָשִׁיר wie andere Stellen erklärt, wo die Zukunft steht und doch die Gegenwart gemeint ist; wie (Ijow 1:5) כָּכָה יַעֲשֶׂה אִיּוֹב „so pflegte Ijow zu tun“; (Bam. 9:18 und 20) עַל פִּי ה׳ יַחֲנוּ „auf Ausspruch des Ewigen lagerten sie“, וְיֵשׁ אֲשֶׁר יִהְיֶה הֶעָנָן „manchmal blieb die Wolke“. Denn dort handelt es sich um Dinge, die sich immer wiederholten und auf die sowohl die Form der Zukunft als auch die der Vergangenheit passt; aber unsere Begebenheit, die nur damals vorkam, kann man nicht mit dieser Regel erklären.
Raschi
denn Er ist hoch erhaben
גָאֹה גָּאָה bedeutet, wie der Targum sagt [אֲרֵי אִתְגְּאִי עַל גֵּיוְתָנַיָּא, Er ist erhaben über den Hohen, וְגֵיאוּתָא דִּילֵיהּ הִיא, und Sein ist die Hoheit].
Andere Erklärung: der doppelte Ausdruck גָאֹה גָּאָה will uns sagen, dass Er eine Sache vollbrachte, die Fleisch und Blut nicht imstande sind zu tun. Wenn ein Mensch mit dem anderen kämpft und ihn besiegt, stürzt er ihn vom Pferd, hier aber schleuderte Er das Pferd und seinen Reiter ins Meer.

Und auf alles, was von keinem anderen vollbracht werden kann, passt der Ausdruck גֵּאוּת „Erhabenheit“, wie (Jesch. 12:5) כִּי גֵּאוּת עָשָׂה „Er hat Erhabenes vollbracht“. Und so findest du im ganzen Lied doppelte Ausdrücke, עָזִּי וְזִמְרָת יָהּ וַיְהִי לִי לִישׁוּעָה „Mein Stolz und mein Gesang ist G‑tt, und Er wurde mir zur Hilfe“; ה׳ אִישׁ מִלְחָמָה ה׳ שְׁמוֹ „der Ewige ist der Mann des Krieges, Ewiger ist Sein Name“; und so alle.

Andere Erklärung: denn Er ist hoch erhaben, über alle Lieder, und zu allem, was ich von Ihm rühme, möchte man noch hinzufügen, nicht wie bei einem irdischen König, den man rühmt, ohne dass er es verdient.
Raschi
das Pferd und seinen Reiter: beide waren miteinander verbunden, und das Wasser hob sie nach oben und schleuderte sie in die Tiefe, ohne dass sie getrennt wurden.
Raschi
schleuderte Er
רָמָה „schleuderte Er“: warf Er. Ebenso (Dan 3:21) וּרְמִיו לְגוֹ אַתּוּן נוּרָא „und man warf sie in den Feuerofen“.
Der Midrasch sagt, ein Vers sagt [רָמָה im Sinn von] „Er erhob sie“, und ein Vers (4) sagt יָרָה „Er schleuderte“. Das lehrt, dass sie zur Höhe aufstiegen und zur Tiefe hinuntersanken, wie (Ijow 38:6) מִי יָרָה אֶבֶן פִּנָּתָהּ „wer hat ihren Grundstein hinabgesenkt“, von oben nach unten.
Raschi
עָזִּ֤י וְזִמְרָת֙ יָ֔הּ וַֽיְהִי־לִ֖י לִֽישׁוּעָ֑ה זֶ֤ה אֵלִי֙ וְאַנְוֵ֔הוּ אֱלֹהֵ֥י אָבִ֖י וַאֲרֹמְמֶֽנְהוּ׃
2
2
Macht und Vergeltung G‑ttes wurden mir zur Hilfe. Dieser ist mein G‑tt, und Ihn will ich rühmen. Der G‑tt meines Vaters, Ihn will ich erheben.
Macht und Vergeltung G‑ttes
Die Worte עָזִּי וְזִמְרָת übersetzt Onkelos als תּוּקְפִי וְתוּשְׁבַּחְתִּי „meine Macht und mein Lobgesang“, עָזִּי ist bei ihm so wie עֻזִּי mit Schuruk [Kubutz], und וְזִמְרָת ist so wie וְזִמְרָתִי. Ich wundere mich über den Ausdruck des Verses. Denn du findest eine ähnliche Punktierung im Vers nur an drei Stellen, immer in Verbindung mit וְזִמְרָת. An allen anderen Stellen ist mit Schuruk punktiert: (Jirm. 16:19) ה׳ עֻזִּי וּמָעֻזִּי „der Ewige ist meine Macht und meine Zuversicht“; (Teh. 59:10) עֻזִּי אֵלֶיךָ אֶשְׁמֹרָה „bei Seiner Macht harre ich auf Dich“. Und so wird bei jedem Wort aus zwei Buchstaben, das mit Melapum [= Cholam] punktiert ist, wenn es noch einen dritten Buchstaben erhält und der zweite kein Schwa hat, der erste Buchstabe mit Schuruk punktiert, wie עֹז – עֻזִּי, רֹק – רֻקִּי, חֹק – חֻקִּי, עֹל – עֻלּוֹ; (Jesch. 14:25) יָסוּר עֻלּוֹ „sein Joch wird von ihnen weichen“; כֹּל – כֻּלּוֹ, (Schem. 14:7) וְשָׁלִשִׁם עַל כֻּלּוֹ „Anführer auf allen“. Diese drei aber: hier im Vers עָזִּי וְזִמְרָת, und in Jeschajahu (12:2) und in Tehillim (118:14) sind mit kurzem Kamatz (חֲטַף קָמָץ) punktiert. Ferner steht an keiner dieser drei Stellen וְזִמְרָתִי, sondern nur וְזִמְרָת, und an alle schließt sich an, וַיְהִי לִי לִישׁוּעָה „und sie wurden mir zur Hilfe“.
Darum meine ich, um den Ausdruck des Verses zu erklären, dass עָזִּי nicht so wie עֻזִּי ist, und וְזִמְרָת nicht so wie וְזִמְרָתִי. Sondern dass עָזִּי ein Hauptwort ist wie (Teh. 123:1) הַיֹּשְׁבִי בַשָּׁמָיִם „Du, im Himmel Thronender“; (Owad. 3) שֹׁכְנִי בְחַגְוֵי סֶלַע „in Felsenklüften Wohnendes“; (Dew. 33:16) שֹׁכְנִי סְנֶה „des im Dornbusch Thronenden“. Und das ist die Bedeutung dieser Verherrlichung, die Macht und die Vergeltung des Ewigen wurden mir zur Rettung.

Das Wort וְזִמְרָת ist mit dem Namen des Ewigen verbunden, wie (Richt. 5:23) לְעֶזְרַת ה׳ „zur Hilfe des Ewigen“; (Jesch. 9:18) בְּעֶבְרַת ה׳ „durch den Zorn des Ewigen“; (Koh. 3:18) עַל דִּבְרַת בְּנֵי הָאָדָם „was die Menschen betrifft“.

Und das Wort וְזִמְרָת kommt von (Waj. 25:4) לֹא תִזְמֹר „sollst du nicht beschneiden“; (Jesch. 25:5) זְמִיר עָרִיצִים „die Vernichtung der Gewalttätigen“, in der Bedeutung von „niederhauen“ und „abschneiden“. Die Macht und Vergeltung unseres G‑ttes wurden uns zur Rettung.

Und wundere dich nicht über den Ausdruck וַיְהִי, dass nicht הָיָה steht. Denn es gibt noch mehr Verse, die diese Form anwenden. Folgendes ist dafür ein Besipiel (1 Kön. 6:5) אֶת קִירוֹת הַבַּיִת סָבִיב לַהֵיכָל וְלַדְּבִיר וַיַּעַשׂ צְלָעוֹת סָבִיב „an den Wänden des Hauses ringsum, am Heiligtum und am Allerheiligsten, macht er (וַיַּעַשׂ) ringsum Anbauten“, wo er hätte עָשָׂה sagen müssen. Ebenso (2 Chron. 10:17) וּבְנֵי יִשְׂרָאֵל הַיֹּשְׁבִים בְּעָרֵי יְהוּדָה וַיִּמְלֹךְ עֲלֵיהֶם רְחַבְעָם „über die Kinder Israel, die in den Städten Jehudas wohnen, regierte (וַיִּמְלֹךְ) Rechawam“, wo er hätte מָלַךְ sagen müssen; (Bam. 14:16) מִבִּלְתִּי יְכֹלֶת ה׳ גו׳ וַיִּשְׁחָטֵם „Weil dem Ewigen die Macht fehlt, hat er sie dahingeschlachtet (וַיִּשְׁחָטֵם)“, wo er hätte שְׁחָטָם sagen müssen; (Bam. 14:36) וְהָאֲנָשִׁים אֲשֶׁר שָׁלַח מֹשֶׁה גו׳ וַיָּמֻתוּ „und die Männer, die Mosche schickte, starben (וַיָּמֻתוּ)“, wo er hätte מֵתוּ sagen müssen; (Schem. 9:21) וַאֲשֶׁר לֹא שָׂם לִבּוֹ

אֶל דְּבַר ה׳ וַיַּעֲזֹב „wer aber auf das Wort des Ewigen nicht achtete, der ließ (וַיַּעֲזֹב)“, wo er hätte עָזַב sagen müssen.
Raschi
Dieser ist mein G‑tt
In Seiner Herrlichkeit erschien Er ihnen, und sie zeigten auf Ihn mit dem Finger; eine Magd am Meer sah, was die Propheten nicht sahen.
Raschi
Ihn will ich rühmen
Das Wort וְאַנְוֵהוּ übersetzt Onkelos im Sinne von נָוֶה „Stätte“, so wie im Vers (Jesch. 33:20) נָוֶה שַׁאֲנָן „eine ruhige Stätte“; (Jesch. 65:10) לִנְוֵה צֹאן „eine Stätte für die Schafe“.
Andere Erklärung: וְאַנְוֵהוּ vom Begriff נוֹי „Schönheit“, ich will Seine Herrlichkeit und Seinen Ruhm den Menschen verkünden, wie (Schir 5:9) מַה דּוֹדֵךְ מִדּוֹד, דּוֹדִי צַח וְאָדֹם „Was hat dein Geliebter einem (anderen) Geliebten voraus? … Mein Geliebter ist weiß und rot“, und der ganze Abschnitt.
Raschi
Der G‑tt meines Vaters ist dieser, Ihn will ich erheben. Der G‑tt meines Vaters: nicht erst bei mir beginnt die Heiligkeit, sondern die Heiligkeit ruhte schon längst bei mir, und Seine G‑ttlichkeit ist seit den Tagen meiner Väter über mir.
Raschi
יְהוָ֖ה אִ֣ישׁ מִלְחָמָ֑ה יְהוָ֖ה שְׁמֽוֹ׃
3
3
Der Ewige ist der Mann des Krieges, Sein Name: der Ewige.
Der Ewige ist der Mann des Krieges
ה׳ אִישׁ מִלְחָמָה im Sinn von „der Herr der Kriege“, wie (Ruth 1:3) אִישׁ נָעֳמִי „der Mann Naomis“. Überall, wo אִישׁ oder אִישֵׁךְ steht, werden sie mit בַּעַל übersetzt. Ebenso (1 Kön. 2:2) וְחָזַקְתָּ וְהָיִיתָ לְאִישׁ „sei stark und werde ein Mann“, ein Held.
Raschi
Sein Name: der Ewige
Seine Kriege führt Er nicht mit Waffen, sondern mit Seinem Namen, wie es heißt (1 Schmu. 17:45)וְאָנֹכִי בָא אֵלֶיךָ בְּשֵׁם ה׳ צְבָאוֹת „und ich komme zu dir im Namen des Ewigen der Heerscharen“.
Andere Erklärung: Ewiger ist Sein Name, auch in der Stunde, da Er kämpft und an Seinen Feinden Vergeltung übt, hält Er an Seiner Eigenschaft fest, sich über Seine Geschöpfe zu erbarmen und alle Menschen zu ernähren, nicht wie die Eigenschaft der Könige der Erde; wenn ein solcher König Krieg führt, wendet er sich von allen anderen Aufgaben ab, denn er hat nicht die Kraft, beides zugleich zu tun.
Raschi
מַרְכְּבֹ֥ת פַּרְעֹ֛ה וְחֵיל֖וֹ יָרָ֣ה בַיָּ֑ם וּמִבְחַ֥ר שָֽׁלִשָׁ֖יו טֻבְּע֥וּ בְיַם־סֽוּף׃
4
4
Die Wagen Pharaos und sein Heer schleuderte Er ins Meer, die Auserwählten seiner Kämpfer wurden im Schilfmeer versenkt.
schleuderte Er ins Meer
Die Worte יָרָה בַיָּם werden von Onkelos übersetzt als שְׁדִי בְיַמָּא „schleuderte Er ins Meer“, שְׁדִי bedeutet „schleudern“. Ebenso wird der Vers (Schem 19:13) אוֹ יָרֹה יִיָּרֶה „oder wird herabgeschleudert“ von Onkelos übersetzt als אוֹ אִשְׁתְּדָאָה יִשְׁתְּדֵי. Der Buchstabe ת dient bei diesen Worten der Form הִתְפַּעֵל.
Raschi
die Auserwählten
Das Wort מִבְחַר ist ein Hauptwort wie מֶרְכָּב „Reitzeug“ (Waj. 15:9); מִשְׁכָּב „Lager“ (Waj. 15:4); מִקְרָא קֹדֶשׁ „heilige Berufung“ (Waj. 23:3).
Raschi
versenkt
טֻבְּעוּ „sie versanken“. „Versinken“ sagt man nur von einer schlammigen Stelle, wie (Teh. 69:3) טָבַעְתִּי בִּיוֵן מְצוּלָה „ich versinke in der schlammigen Tiefe“; (Jirm. 38:6) וַיִּטְבַּע יִרְמְיָהוּ בַּטִּיט „da versank Jirmijahu im Lehm“. Das lehrt, dass das Meer zu Lehm wurde, um ihnen nach ihrem Maß zu vergelten (מִדָּה כְנֶגֶד מִדָּה), weil sie Israel mit Lehm und Ziegeln geknechtet hatten.
Raschi
תְּהֹמֹ֖ת יְכַסְיֻ֑מוּ יָרְד֥וּ בִמְצוֹלֹ֖ת כְּמוֹ־אָֽבֶן׃
5
5
Die Fluten haben sie zugedeckt, gesunken in die Tiefen sind sie wie ein Stein.
haben sie zugedeckt
יְכַסְיֻמוּ „haben sie zugedeckt“; der Buchstabe י (Jud) in der Mitte des Wortes ist hinzugefügt, wie es manchmal in Versen vorkommt, wie (Dew. 8:13) וְצֹאנְךָ יִרְבְּיֻן „deine Schafe vermehren sich“; (Teh. 36:9) יִרְוְיֻן מִדֶּשֶׁן בֵּיתֶךָ „sie laben sich an der Fülle deines Hauses“. Den Buchstaben י (Jud) am Beginn des Wortes, der auf die Form der Zukunft hinweist, erkläre so: sie versanken im Schilfmeer, damit das Wasser zurückkehre und sie bedecke.
Für die Punktierung von יְכַסְיֻמוּ finden wir nichts Ähnliches im Vers. Nach der Regel müsste es יְכַסְיֻמוֹ punktiert sein, mit Melapum [= Cholam] am Ende.
Raschi
wie ein Stein
כְּמוֹ אָבֶן „wie ein Stein“. An anderer Stelle steht (Vers 10) צָלְלוּ כַּעוֹפֶרֶת „sie wirbelten wie Blei“, und an einer dritten Stelle steht (Vers 7) יֹאכְלֵמוֹ כַּקַּשׁ „er verzehrte sie wie Stroh“. Die Bösen wurden wie Stroh lange hin- und hergeschleudert, stiegen empor und sanken hinab; die Mittelmäßigen nur wie ein Stein, und die Guten wie Blei, sie hatten sofort Ruhe.
Raschi
יְמִֽינְךָ֣ יְהוָ֔ה נֶאְדָּרִ֖י בַּכֹּ֑חַ יְמִֽינְךָ֥ יְהוָ֖ה תִּרְעַ֥ץ אוֹיֵֽב׃
6
6
Deine Rechte, G‑tt, so herrlich an Kraft, Deine Rechte, G‑tt, zerschmettert den Feind.
Deine Rechte … Deine Rechte: zweimal. Wenn Israel den Willen des Ewigen erfüllt, wird auch die Linke zu einer Rechten.
[Der Vers ist somit zu lesen:] Deine Rechte, G‑tt, so herrlich an Kraft: Israel zu retten, und Deine zweite Rechte zerschmettert den Feind.
Und mir scheint, dieselbe Rechte [mit der das Volk Israel gerettet wird,] zerschmettert den Feind, was einem Menschen nicht möglich ist, zwei Arbeiten mit einer Hand zu tun.

Der einfache Sinn des Verses ist, Deine Rechte, die herrlich an Kraft ist, was vollbringt sie? Deine Rechte, sie zerschmettert den Feind. Es gibt viele ähnliche Verse; (Teh. 92:10) כִּי הִנֵּה אֹיְבֶיךָ ה׳ כִּי הִנֵּה אֹיְבֶיךָ יֹאבֵדוּ „denn siehe, Deine Feinde, Ewiger; denn siehe, Deine Feinde gehen unter“; und ähnliche Stellen (Teh. 94:3) עַד מָתַי רְשָׁעִים ה׳ עַד מָתַי רְשָׁעִים יַעֲלֹזוּ „Bis wann die Bösen, Ewiger, bis wann sollen sie, die Bösen jubeln“, (Teh. 93:3) נָשְׂאוּ נְהָרוֹת ה׳ נָשְׂאוּ נְהָרוֹת קוֹלָם „Es hoben Ströme, Ewiger, es hoben Ströme ihren Schall“, (Teh. 115:1) לֹא לָנוּ ה׳ לֹא לָנוּ „Nicht uns, oh Ewiger, nicht uns …“, (Hosch. 2:23) אֶעֱנֶה נְאֻם ה׳ אֶעֱנֶה אֶת הַשָּׁמָיִם „da erhöre Ich, spricht der Ewige, erhöre Ich die Himmel“, (Richt. 5:3) אָנֹכִי לַה׳ אָנֹכִי אָשִׁירָה „ich will dem Ewigen, ich will Ihm singen“, (Teh. 124:1–2) לוּלֵי ה׳ גו׳ לוּלֵי ה׳ שֶׁהָיָה לָנוּ בְּקוּם עָלֵינוּ אָדָם „Wäre nicht der Ewige … wäre nicht der Ewige, der für uns gewesen ist, als Menschen gegen uns erstanden“, (Richt. 5:12) עוּרִי עוּרִי דְּבוֹרָה עוּרִי עוּרִי דַּבְּרִי שִׁיר „Auf, auf, Dewora! Auf, auf, sage Gesang“, (Jesch. 26:6) תִּרְמְסֶנָּה רָגֶל רַגְלֵי עָנִי „dass sie der Fuß zertritt, die Füße des Armen“, (Teh. 135:12) וְנָתַן אַרְצָם נַחֲלָה נַחֲלָה לְיִשְׂרָאֵל עַמּוֹ „und gab ihr Land zum Erbe, zum Erbe für Israel, Sein Volk“.
Raschi
Herrlich: der Buchstabe י (Jud) ist hinzugefügt, wie bei (Echa 1:1) שָׂרָתִי בַּמְּדִינוֹת „zahlreich an Volk, Fürstin unter den Ländern“; (Ber. 31:39) גְּנֻבְתִי יוֹם „am Tag Gestohlenes“.
Raschi
zerschmettert den Feind
Das Wort תִּרְעַץ ist Zukunft, immer zerschmettert und zerbricht sie den Feind. Ähnlich (Richt. 10:8) וַיִּרְעֲצוּ וַיְרֹצְצוּ אֶת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל „sie bedrückten und traten die Kinder Israel nieder“.
Andere Erklärung: Deine Rechte, die herrlich an Kraft ist, zerbricht und schlägt den Feind.
Raschi
וּבְרֹ֥ב גְּאוֹנְךָ֖ תַּהֲרֹ֣ס קָמֶ֑יךָ תְּשַׁלַּח֙ חֲרֹ֣נְךָ֔ יֹאכְלֵ֖מוֹ כַּקַּֽשׁ׃
7
7
In der Fülle Deiner Hoheit wirfst Du die Gegner nieder, Du schickst Zorn, er verzehrt sie wie Spreu.
In der Fülle Deiner Hoheit: wenn die Hand allein den Feind zerbricht, so reißt Er, wenn Er sich in der Fülle Seiner Hoheit erhebt, Seine Gegner völlig nieder. Und wenn schon durch die Fülle Seiner Hoheit allein Seine Feinde niedergeworfen werden, um so mehr, wenn Er Seinen Zorn gegen sie schickt, verzehrt er diese.
Raschi
wirfst Du nieder
תַּהֲרֹס „wirfst Du nieder“: immer wirfst Du Deine Gegner nieder, die sich gegen Dich erheben. Und wer sind diejenigen, die sich gegen Ihn erheben? Die sich gegen Israel erheben. Und so sagt der Vers (Teh. 83:3) כִּי הִנֵּה אוֹיְבֶיךָ יֶהֱמָיוּן „denn siehe, Deine Feinde lärmen“, und was ist das Lärmen? עַל עַמְּךָ יַעֲרִימוּ סוֹד „Gegen Dein Volk schmieden sie einen Plan“. Und darum nennt der Vers sie „Feinde des Ewigen“.
Raschi
Spreu: Abfall, der beim Dreschen von Getreide übrigbleibt, die leeren Getreidehülsen.
וּבְר֤וּחַ אַפֶּ֙יךָ֙ נֶ֣עֶרְמוּ מַ֔יִם נִצְּב֥וּ כְמוֹ־נֵ֖ד נֹזְלִ֑ים קָֽפְא֥וּ תְהֹמֹ֖ת בְּלֶב־יָֽם׃
8
8
Mit Deinem Hauch türmte sich das Wasser, aufrecht wie eine Mauer stand das flüssige Wasser, die Fluten erstarrten im Herzen des Meeres.
Mit Deinem Hauch
וּבְרוּחַ אַפֶּיךָ, wörtl. mit dem Hauch Deines Angesichts; mit dem Hauch, der aus den beiden Öffnungen der Nase kommt.
Der Vers spricht, wenn der Ausdruck erlaubt ist, vom Ewigen wie von einem menschlichen König, um das Ohr der Menschen etwas hören zu lassen, das häufig vorkommt, damit sie die Sache begreifen können. Wenn ein Mensch zürnt, kommt starker Hauch aus seiner Nase. Ebenso im Vers (2 Schm. 22:9) עָלָה עָשָׁן בְּאַפּוֹ „Dampf steigt auf in Seiner Nase“; ebenso (Ijow 4:9) וּמֵרוּחַ אַפּוֹ יִכְלוּ „durch den Hauch Seines Angesichts schwinden sie dahin“.

Das bedeutet auch der Vers (Jesch. 48:9) לְמַעַן שְׁמִי אַאֲרִיךְ אַפִּי „um Meines Namens willen verlängere ich [den Atem] meiner Nasenöffnungen“. Wenn der Zorn nachlässt, wird der Atem lang; beim Zornigen aber ist der Atem kurz. [Dass die Beherrschung des Atems den Zorn überwindet, wird im nächsten Abschnitt des Verses Jesch. 48:9 weiter aufgegriffen:] וּתְהִלָּתִי אֶחֱטָם לָךְ „und um Meines Ruhmes willen bin ich langmütig gegen dich“, um Meines Ruhmes willen lege ich einen Ring an meine Nase, die Öffnungen vor dem Zorn und dem Hauch zu schließen, dass sie nicht herauskommen; לָךְ „gegen dich“ in der Bedeutung von בִּשְׁבִילְךָ „für dich“; Das Wort אֶחֱטָם ist wie der Ausdruck in Schabbat (51b) נָאקָה בַּחֲטָם „das Dromedar mit dem Nasenring“. So scheint es mir.

Und überall, wo אַף „Zorn“ und חָרוֹן „Glut“ im Vers vorkommt, erkläre ich so. „Der Zorn entbrennt“, wie im Vers (Ijow 30:30) וְעַצְמִי חָרָה מִנִּי חֹרֶב „mein Gebein glüht von der Hitze“, soviel wie Brand und Glut; die Öffnungen der Nase werden heiß und glühen zur Zeit des Zornes. Das Wort חָרוֹן kommt von der Wurzel חָרָה, wie רָצוֹן von der Wurzel רָצָה; ebenso bedeutet חֵמָה „Hitze“. Darum sagt der Vers (Esther 1:12) וַחֲמָתוֹ בָּעֲרָה בּוֹ „sein Zorn brannte in ihm“; und wenn der Zorn nachlässt, wird [im Talmud] der Ausdruck verwendet נִתְקָרְרָה דַּעְתּוֹ „sein Sinn kühlte ab“, beruhgt sich.
Raschi
türmte sich das Wasser
נֶעֶרְמוּ מַיִם „türmten sich die Wasser“; Onkelos übersetzt mit „List“. Die stilistische Feinheit des Ausdrucks aber ist so wie (Schir 7:3) עֲרֵמַת חִטִּים „ein Weizenhügel“. „Es stand aufrecht wie eine Mauer“ ist ein Beweis dafür. „Türmte sich“: durch den Gluthauch, der aus Deinem Angesicht kam, vertrocknete das Wasser und wurde gleich hohen Wellen und Hügeln von Getreide.
Raschi
wie eine Mauer
כְמוֹ נֵד bedeutet, wie vom Targum übersetzt כְשׁוּר „wie eine Mauer“.
Das Wort נֵד bedeutet „gesammelt“, „aufgehäuft“; wie (Jesch. 17:11) נֵד קָצִיר בְּיוֹם נַחֲלָה „hoch ist die Ernte für den Tag des Schmerzes“; (Teh. 33:7) כֹּנֵס כַּנֵּד „Er häuft wie eine Mauer“. Es steht nicht כּוֹנֵס כַּנֹּאד „Er sammelt wie in einem Schlauch“, sondern כֹּנֵס כַּנֵּד, wenn aber כַּנֵּד gleichbedeutend mit כַּנֹּאד wäre und כוֹנֵס „sammeln“ bedeutete, so hätte der Vers schreiben müssen מַכְנִיס כַּנֹּאד מֵי הַיָּם. Vielmehr bedeutet כּוֹנֵס „einsammeln“, „aufhäufen“. Ebenso im Vers (Josch. 3:13, 16) קָמוּ נֵד אֶחָד „es wird wie eine Mauer stehen“, und וַיַּעַמְדוּ נֵד אֶחָד „stand wie eine Mauer“. Man verwendet auch nicht bei Schläuchen den Ausdruck „sich erheben“, „stehen“, sondern bei Mauern und Haufen. Wir finden weiters נֹאד nur mit Melapum [= Cholam] punktiert, wie (Teh. 56:9) שִׂימָה דִמְעָתִי בְנֹאדֶךָ „lege meine Träne in deinen Schlauch“; (Richt. 4:19) אֶת נֹאד הֶחָלָב „den Schlauch mit Milch“.
Raschi
erstarrten
קָפְאוּ „erstarrten“, wie im Vers (Ijow 10:10) וְכַגְּבִנָּה תַּקְפִּיאֵנִי „gleich Käse ließt Du mich festwerden“. Sie wurden hart und gleich Steinen, und das Wasser warf die Mizrim mit Gewalt auf die Steine und bekämpfte sie mit allen Arten von Mühseligkeit.
Raschi
im Herzen des Meeres: in der Stärke des Meeres. Es ist die Art der Verse, so zu sprechen. Ebenso im Vers (Dew. 4:11) עַד לֵב הַשָּׁמַיִם „bis zum Herzen des Himmels“; (2 Schmu. 18:14) בְּלֵב הָאֵלָה „im Herzen der Eiche“, in der Bedeutung von Stamm und Stärke einer Sache.
Raschi
אָמַ֥ר אוֹיֵ֛ב אֶרְדֹּ֥ף אַשִּׂ֖יג אֲחַלֵּ֣ק שָׁלָ֑ל תִּמְלָאֵ֣מוֹ נַפְשִׁ֔י אָרִ֣יק חַרְבִּ֔י תּוֹרִישֵׁ֖מוֹ יָדִֽי׃
9
9
Es sagte der Feind: Ich jage nach, ich hole ein, ich teile die Beute, daran soll satt werden meine Gier. Ich ziehe mein Schwert, dass meine Hand sie aufreibe.
Es sagte der Feind: zu seinem Volk, als er sie überredete, Ich jage nach, ich hole sie ein und teile die Beute mit meinen Fürsten und Dienern.
Raschi
daran soll satt werden: es soll sich füllen meine Seele, mein Geist und mein Verlangen. Wundere dich nicht, dass ein Wort von zwei Personen spricht, תִּמְלָאֵמוֹ ist so wie תִּמָּלֵא מֵהֶם. Diese Form kommt häufig vor; im Vers (Richt. 1:15) כִּי אֶרֶץ הַנֶּגֶב נְתַתָּנִי „denn ein trockenes Land hast du mir gegeben“ ist so wie נָתַתָּ לִי; (Ber. 37:4) וְלֹא יָכְלוּ דַּבְּרוֹ לְשָׁלֹם „sie vermochten nicht, friedlich mit ihm sprechen“ ist so wie דַּבֵּר עִמּוֹ; (Jirm. 10:20) בָּנַי יְצָאוּנִי „meine Kinder haben mich verlassen“ ist so wie יָצְאוּ מִמֶּנִּי; (Ijow 31:37) מִסְפַּר צְעָדַי אַגִּידֶנּוּ „die Anzahl meiner Schritte will ich Ihm verkünden“ ist so wie אַגִּיד לוֹ. Auch hier, תִּמְלָאֵמוֹ „es sättige sich [meine Seele] an ihnen“ ist so wie תִּמָּלֵא מֵהֶם.
Raschi
Ich ziehe mein Schwert
אָרִיק חַרְבִּי bedeutet „ich ziehe mein Schwert“. Weil durch das Herausziehen die Scheide leer zurückbleibt, passt darauf der Ausdruck הֲרָקָה „ausleeren“. Wie im Vers (Ber. 42:35) מְרִיקִים שַׂקֵּיהֶם „als sie ihre Säcke leerten“; (Jirm. 48:12) וְכֵלָיו יָרִיקוּ „seine Gefäße leeren sie aus“.
Wende aber nicht ein, den Ausdruck „ausleeren“ könne man nicht auf das, was herauskommt, sondern nur auf den Behälter anwenden, auf den Sack oder das Gefäß, aus dem Inhalt herauskommt, aber nicht auf das Schwert und auf den Wein, und wir müssten erklären „ich zücke mein Schwert“ ist gleich dem Ausdruck (Ber. 14:14) וַיָּרֶק אֶת חֲנִיכָיו „er bewaffnete seine Geübten“, und bedeutet in unserem Vers, ich bewaffne mich mit meinem Schwert. Wir finden aber, dass sich der Ausdruck auch auf das bezieht, was herauskommt. So im Vers (Schir 1:3) שֶׁמֶן תּוּרַק „wie Öl ergießt sich“; (Jirm 48:11) וְלֹא הוּרַק מִכְּלִי אֶל כֶּלִי „und wurde nicht von Gefäß in Gefäß geleert“. Es steht hier nicht „das Gefäß wurde nicht ausgeleert“, sondern der Wein wurde nicht von einem Gefäß ins andere geleert. Wir finden also, dass sich der Ausdruck auf den Wein bezieht. Ebenso (Jech. 28:7) וְהֵרִיקוּ חַרְבוֹתָם עַל יְפִי חָכְמָתֶךָ „dass sie ihre Schwerter ziehen über die Pracht Deiner Weisheit“, bei Chiram.
Raschi
Chiram, König von Tzor, unterhielt freundschaftliche Beziehungen mit König David und Schlomo; unterstützte als „treuer Freund“ die Errichtung des Heiligtums in Jeruschalaim mit Baumaterialien und Fachwissen.
dass sie aufreibe
Das Wort תּוֹרִישֵׁמוֹ kommt von רִישׁוּת „Dürftigkeit“, „Armut“. Wie im Vers (1 Schmu. 2:7) מוֹרִישׁ וּמַעֲשִׁיר „macht arm und macht reich“.
Raschi
נָשַׁ֥פְתָּ בְרוּחֲךָ֖ כִּסָּ֣מוֹ יָ֑ם צָֽלֲלוּ֙ כַּֽעוֹפֶ֔רֶת בְּמַ֖יִם אַדִּירִֽים׃
10
10
Du ließt mit Deinem Hauch wehen, schon deckt das Meer die Mizrim, sie sanken wie Blei in das tosende Wasser.
Du ließt wehen
נָשַׁפְתָּ bedeutet „anwehen“. Ebenso (Jesch. 40:24) וְגַם נָשַׁף בָּהֶם „auch weht sie der Wind an“.
Raschi
sie sanken
צָלְלוּ „sie versanken“, gerieten in die Tiefe, vom Ausdruck (Teh. 69:3) מְצוּלָה „die Tiefe“.
Raschi
Blei
כָּעוֹפֶרֶת „Blei“; auf Französisch plomb.
Raschi
מִֽי־כָמֹ֤כָה בָּֽאֵלִם֙ יְהוָ֔ה מִ֥י כָּמֹ֖כָה נֶאְדָּ֣ר בַּקֹּ֑דֶשׁ נוֹרָ֥א תְהִלֹּ֖ת עֹ֥שֵׂה פֶֽלֶא׃
11
11
Wer ist gleich dir unter den Mächtigen, G‑tt? Wer ist gleich dir, so herrlich in Heiligkeit, Ehrfurcht einflößend an Preisungen, Ausführer von Wunder?
unter den Mächtigen
בָּאֵלִם „unter den Mächtigen“: unter den Starken. Wie im Vers (Jech. 17:13) וְאֶת אֵילֵי הָאָרֶץ לָקָח „die Starken des Landes nahm er mit“; (Teh. 22:20) אֱיָלוּתִי לְעֶזְרָתִי חוּשָׁה „Du, meine Stärke, zu meiner Hilfe eile herbei“.
Raschi
Ehrfurcht einflößend an Preisungen
נוֹרָא תְהִלּוֹת „Ehrfurcht einflößend an Preisungen“ bedeutet: [Man wagt nicht,] Deine Preisungen zu verkünden, weil sie dadurch verringert werden könnten, wie es heißt (Teh. 65:2) לְךָ דֻמִיָּה תְהִלָּה „vor dir ist Schweigen Ruhmesverkündung“.
Raschi
נָטִ֙יתָ֙ יְמִ֣ינְךָ֔ תִּבְלָעֵ֖מוֹ אָֽרֶץ׃
12
12
Du neigst Deine Rechte, die Erde verschlingt sie.
Du neigst Deine Rechte
Wenn der Ewige Seine Hand neigt, hören die Bösen auf und sinken hinab, weil alles in Seiner Hand ruht und durch deren Neigen sie hinabsinken. So sagt auch der Vers (Jesch. 31:3) וַה׳ יַטֶּה יָדוֹ וְכָשַׁל עוֹזֵר וְנָפַל עָזֻר „der Ewige neigt Seine Hand, und es strauchelt, der helfen will, und stürzt, dem geholfen wird“. Wie bei Glasgefäßen, die in den Händen eines Menschen ruhen, neigt er nur ein bisschen seine Hand, so fallen sie zur Erde und zerbrechen.
Raschi
die Erde verschlingt sie
Von hier lernen wir, dass sie das Glück hatten, begraben zu werden, als Lohn dafür, dass sie gesagt hatten (Schem. 9:27) ה׳ הַצַּדִּיק „der Ewige ist der Gerechte“.
Raschi
נָחִ֥יתָ בְחַסְדְּךָ֖ עַם־ז֣וּ גָּאָ֑לְתָּ נֵהַ֥לְתָּ בְעָזְּךָ֖ אֶל־נְוֵ֥ה קָדְשֶֽׁךָ׃
13
13
Du führst in Liebe dieses Volk, das Du jetzt erlöst. Geleitest sie mit Deiner Macht zu Deiner heiligen Stätte.
Geleitest
Das Wort נֵהַלְתָּ „geleitest“ kommt vom Begriff מְנַהֵל, wie im Vers (Jesch. 51:18) אֵין מְנַהֵל לָהּ „niemand führt sie“, „leitet sie“.
Onkelos übersetzt [in der Version סוֹבַרְהִי] mit dem Ausdruck „tragen“, „bringen“ und übersetzt damit nicht wörtlich den hebräischen Ausdruck. [Raschi]
In der Onkelos-Version דַּבַּרְהִי ist das Wort נֵהַלְתָּ als „führen“, „leiten“ übersetzt.
שָֽׁמְע֥וּ עַמִּ֖ים יִרְגָּז֑וּן חִ֣יל אָחַ֔ז יֹשְׁבֵ֖י פְּלָֽשֶׁת׃
14
14
Es hören das die Völker und erzittern, Taumel erfasst die Bewohner von Pleschet.
erzittern
יִרְגָּזוּן bedeutet „wurden unruhig“.
Raschi
Bewohner von Pleschet: weil sie die Söhne Efraims getötet hatten, die das Ende der Verbannung hatten beschleunigen wollen und mit Gewalt ausgezogen waren, wie in der Chronik (I Chron. 7:21) steht וַהֲרָגוּם אַנְשֵׁי גַת „es töteten sie die Einwohner von Gat“.
Raschi
אָ֤ז נִבְהֲלוּ֙ אַלּוּפֵ֣י אֱד֔וֹם אֵילֵ֣י מוֹאָ֔ב יֹֽאחֲזֵ֖מוֹ רָ֑עַד נָמֹ֕גוּ כֹּ֖ל יֹשְׁבֵ֥י כְנָֽעַן׃
15
15
Es erschrecken die Fürsten von Edom, die Mächtigen von Moaw werden von Angst gepackt. Es lösen sich auf alle Einwohner von Kna’an.
die Fürsten von Edom, die Mächtigen von Moaw: Doch brauchten sich diese gar nicht zu fürchten, denn Israel zog nicht gegen sie zu Feld. Vielmehr war es nur Trauer, sie trauerten und grämten sich über die Ehre Israels.
Raschi
Es lösen sich auf
נָמֹגוּ bedeutet „sie zerschmolzen“, wie im Vers (Teh. 65:11) בִּרְבִיבִים תְּמֹגְגֶנָּה „durch reichen Regen machst Du sie schmelzen“. Sie dachten, sie kommen über uns, uns zu vernichten und unser Land einzunehmen.
Raschi
תִּפֹּ֨ל עֲלֵיהֶ֤ם אֵימָ֙תָה֙ וָפַ֔חַד בִּגְדֹ֥ל זְרוֹעֲךָ֖ יִדְּמ֣וּ כָּאָ֑בֶן עַד־יַעֲבֹ֤ר עַמְּךָ֙ יְהוָ֔ה עַֽד־יַעֲבֹ֖ר עַם־ז֥וּ קָנִֽיתָ׃
16
16
Es möge sie befallen Furcht und Schrecken, vor Deinem gewaltigen Arm mögen sie stumm werden wie Stein. Bis durchgegangen ist Dein Volk, Ewiger, bis durchgegangen ist dieses Volk, das Du erworben hast.
Es möge sie befallen: auf die Fernen,
und Schrecken auf die Nahen, wie es heißt (Jehosch. 2:10) כִּי שָׁמַעְנוּ אֵת אֲשֶׁר הוֹבִישׁ „denn wir vernahmen, dass trocken werden ließ“.
Raschi
Bis durchgegangen ist … bis durchgegangen ist: wie der Targum sagt. [Das erste „Durchgehen“ bezieht sich auf den Fluss Arnon, das zweite „Durchgehen“ auf den Fluss Jarden.]
Raschi
erworben hast: das Du liebst mehr als die übrigen Völker, wie ein Gegenstand, der für einen hohen Preis erworben wird, dem Menschen lieb ist.
Raschi
תְּבִאֵ֗מוֹ וְתִטָּעֵ֙מוֹ֙ בְּהַ֣ר נַחֲלָֽתְךָ֔ מָכ֧וֹן לְשִׁבְתְּךָ֛ פָּעַ֖לְתָּ יְהוָ֑ה מִקְּדָ֕שׁ אֲדֹנָ֖י כּוֹנְנ֥וּ יָדֶֽיךָ׃
17
17
Sie bringst Du dorthin, pflanzt sie ein auf dem Berg Deines Eigentums, der Stätte, die zum Sitz Du bereitest, G‑tt, das Heiligtum, mein Herr, das Deine Hände gründen.
bringst sie
Wie es in Vers 1 heißt, „sang Mosche mit den Kindern Israel dieses Lied für den Ewigen“. Über den Eintritt ins Land Israel sollte es demnach heißen „Uns bringst Du, G‑tt, dorthin“.
תְּבִאֵמוֹ „bringst sie“: Mosche prophezeite, dass er selbst nicht ins Land kommen werde, darum heißt es nicht תְּבִיאֵנוּ „Uns bringst du“.
Raschi
Stätte zum Sitz
מָכוֹן לְשִׁבְתְּךָ „Stätte zu Deinem Sitz“: das Heiligtum auf Erden befindet sich gegenüber dem Thron im Himmel, den Du geschaffen hast.
Raschi
das Heiligtum, mein Herr
Das Melodiezeichen (Ta’am haMikra) auf dem Wort מִקְּדָשׁ „Heiligtum“ ist ein Sakef Gadol (◌֔), um es von dem darauffolgenden Wort Haschem zu trennen. [Die zwei Worte מִקְּדָשׁ אֲדֹנָי bedeuten nicht „Heiligtum des Herren“, sondern werden mit einer kleinen Pause als מִקְּדָשׁ und אֲדֹנָי gelesen. Der Versteil מִקְּדָשׁ אֲדֹנָי כּוֹנְנוּ יָדֶיךָ ist somit zu verstehen als:] הַ״מִּקְדָּשׁ״ אֲשֶׁר ״כּוֹנְנוּ יָדֶיךָ״, ה׳ „das Heiligtum, das Deine Hände gründen, mein Herr“.
Lieb ist das Heiligtum, denn die ganze Welt ist nur mit einer Hand erschaffen worden, wie es heißt (Jesch. 48:13) אַף יָדִי יָסְדָה אָרֶץ „auch gründete Meine Hand die Erde“. Das Heiligtum aber wird mit beiden Händen erschaffen. Und wann wird es mit beiden Händen erbaut werden? Zur Zeit, wenn (nächster Vers) „der Ewige regieren wird für immer und ewig“, einst, wenn das ganze Reich Ihm gehören wird.
Raschi
Sakef Gadol: ein Trennzeichen, das eine kurze Pause nach dem Wort anzeigt. Es schließt die Verwendung mit Bindungsform (hebr. סְמִיכוּת) aus, die in enger Verbindung zum nachfolgenden Begriff stehen muss.
יְהוָ֥ה ׀ יִמְלֹ֖ךְ לְעֹלָ֥ם וָעֶֽד׃
18
18
Der Ewige wird regieren für immer und ewig!
immer und ewig
[Da das Wort לְעֹלָם „immerwährend“ bedeutet, könnte man das Wort וָעֶד verstehen als „und ewig“; der Buchstabe ו (Waw) wäre damit eine Vorsilbe mit der Bedeutung „und“. Raschi widerlegt diese Ansicht:
וָעֶד bedeutet „Ewigkeit“, und der Buchstabe ו (Waw) gehört zum Stamm, darum hat das Wort ein Patach. Aber im Vers (Jirm. 29:23) וְאָנֹכִי הַיּוֹדֵעַ וָעֵד „ich weiß und bin Zeuge“, wo der Buchstabe ו ein Bedienungsbuchstabe ist (שִׁמּוּשׁ), hat das Wort ein Kamatz.
Raschi
darum hat das Wort ein Patach: Viele Kommentare nehmen an, dass nach Raschi das Wort ועד im Vers als וַעֶד punktiert ist, mit einem Patach unter dem Buchstaben ו, auch wenn das in unseren heutigen Chumasch-Ausgaben nicht der Fall ist.
Jeriot Schlomo, Diwre David, Beer Rechowot
כִּ֣י בָא֩ ס֨וּס פַּרְעֹ֜ה בְּרִכְבּ֤וֹ וּבְפָרָשָׁיו֙ בַּיָּ֔ם וַיָּ֧שֶׁב יְהוָ֛ה עֲלֵהֶ֖ם אֶת־מֵ֣י הַיָּ֑ם וּבְנֵ֧י יִשְׂרָאֵ֛ל הָלְכ֥וּ בַיַּבָּשָׁ֖ה בְּת֥וֹךְ הַיָּֽם׃ (פ)
19
19
Als Pharaos Pferde mit seinen Kriegswagen und Reitern ins Meer hineingegangen waren, da ließ der Ewige das Wasser des Meeres über sie zurückfluten. Die Kinder Israel aber gingen mitten im Meer auf trockenem Boden.
Als Pharaos Pferde hineingegangen waren: nachdem sie hineingegangen waren.
Raschi
וַתִּקַּח֩ מִרְיָ֨ם הַנְּבִיאָ֜ה אֲח֧וֹת אַהֲרֹ֛ן אֶת־הַתֹּ֖ף בְּיָדָ֑הּ וַתֵּצֶ֤אןָ כָֽל־הַנָּשִׁים֙ אַחֲרֶ֔יהָ בְּתֻפִּ֖ים וּבִמְחֹלֹֽת׃
20
20
Es nahm Miriam die Prophetin, Aharons Schwester, die Trommel in ihre Hand, und alle Frauen zogen hinter ihr her mit Trommeln und Tanz.
Miriam die Prophetin
Wann hatte sie Prophetie gesagt? Als sie Aharons Schwester war, bevor Mosche geboren war, damals sagte sie, meine Mutter wird einen Sohn gebären [der das Volk einst zur Erlösung führen wird]. [Das ist die Erklärung,] wie sie in Sota (12b) vorkommt.
Andere Erklärung. Aharons Schwester: weil er sich für sie einsetzte, als sie aussätzig war (Bam. 12:11), wird sie nach seinem Namen genannt.
Raschi
die Trommel: ein Musikinstrument.
Raschi
mit Trommeln und Tanz: die frommen Frauen in jener Generation waren voll Vertrauen gewesen, dass der Ewige ihnen Wunder erweisen würde, darum hatten sie Trommeln aus Mizraim mitgenommen.
Raschi
וַתַּ֥עַן לָהֶ֖ם מִרְיָ֑ם שִׁ֤ירוּ לַֽיהוָה֙ כִּֽי־גָאֹ֣ה גָּאָ֔ה ס֥וּס וְרֹכְב֖וֹ רָמָ֥ה בַיָּֽם׃ (ס)
21
21
Miriam sang ihnen vor: Singt für G‑tt, Er ist hoch und erhaben! Das Pferd und Reiter warf Er ins Meer.
Miriam sang ihnen vor
וַתַּעַן לָהֶם מִרְיָם „Miriam sang ihnen vor“. Mosche sagte das Lied zu den Männern, er sprach vor, und sie antworteten nach ihm. Und Miriam sprach das Lied zu den Frauen (Sota 30b).
Raschi
וַיַּסַּ֨ע מֹשֶׁ֤ה אֶת־יִשְׂרָאֵל֙ מִיַּם־ס֔וּף וַיֵּצְא֖וּ אֶל־מִדְבַּר־שׁ֑וּר וַיֵּלְכ֧וּ שְׁלֹֽשֶׁת־יָמִ֛ים בַּמִּדְבָּ֖ר וְלֹא־מָ֥צְאוּ מָֽיִם׃
22
22
Mosche ließ Israel von dem Schilfmeer aufbrechen, und sie zogen in die Wüste Schur. Sie wanderten drei Tage lang in der Wüste herum und fanden kein Wasser.
ließ aufbrechen
Er befahl ihnen, gegen ihren Willen weiterzuziehen. Denn die Mizrim hatten ihre Pferde mit Verzierungen aus Gold und Silber und Edelsteinen geschmückt, und Israel fand all das am Meer, sodass die Beute am Meer größer war als die Beute in Mizraim; so heißt es (Schir haSchirm 1:11) תּוֹרֵי זָהָב נַעֲשֶׂה לָּךְ עִם נְקֻדּוֹת הַכָּסֶף „goldenen Schmuck wollen wir für dich machen mit silbernen Punkten“. Darum musste sie Mosche gegen ihren Willen zum Aufbruch drängen.
Raschi
וַיָּבֹ֣אוּ מָרָ֔תָה וְלֹ֣א יָֽכְל֗וּ לִשְׁתֹּ֥ת מַ֙יִם֙ מִמָּרָ֔ה כִּ֥י מָרִ֖ים הֵ֑ם עַל־כֵּ֥ן קָרָֽא־שְׁמָ֖הּ מָרָֽה׃
23
23
Da kamen sie nach Marah, konnten aber das Wasser von Marah nicht trinken, denn es war bitter; daher nannte man den Ort Marah.
Marah: „Bitterkeit“.
Da kamen sie nach Marah
וַיָּבֹאוּ מָרָתָה ist so wie וַיָּבֹאוּ לְמָרָה; der Buchstabe ה (He) am Ende des Wortes ist gleich einem ל (Lamed) am Anfang; und der Buchstabe ת (Taw) ist an Stelle des Buchstabens ה (He), der zur Wurzel des Wortes מָרָה gehört. Durch die Verbindung, da es mit dem ה, das der Vers an Stelle des ל hinzugefügt hat, verbunden ist, verwandelt sich das ה der Wurzel in ת. Und so verwandelt sich jedes ה, das zur Wurzel des Wortes gehört, durch seine Verbindung in ת. Wie im Vers (Jesch. 27:4) חֵמָה אֵין לִי „ich habe keinen Grimm“; dagegen im Vers (Esth. 1:12) וַחֲמָתוֹ בָּעֲרָה בוֹ „und sein Grimm brannte ihn ihm“; da verwandelte sich das ה der Wurzel in ת, weil es sich mit dem hinzugefügten Buchstaben ו verbindet. Ebenso im Vers (Waj. 25:44) עֶבֶד וְאָמָה „Knecht oder Magd“, und (Ber. 30:3) הִנֵּה אֲמָתִי בִלְהָה „siehe, meine Magd Bilha“; (Ber. 2:2) לְנֶפֶשׁ חַיָּה „zum lebenden Geschöpf“, und (Ijow 33:20) וְזִהֲמַתּוּ חַיָּתוֹ לָחֶם „seine Seele verwirft jede Speise“; (Richt. 4:5) בֵּין הָרָמָה „zwischen Rama“, und (1 Schmu. 7:17) וּתְשֻׁבָתוֹ הָרָמָתָה „und seine Rückkehr war nach Rama“.
Raschi
וַיִּלֹּ֧נוּ הָעָ֛ם עַל־מֹשֶׁ֥ה לֵּאמֹ֖ר מַה־נִּשְׁתֶּֽה׃
24
24
Das Volk murrte gegen Mosche und sagte: Was sollen wir trinken?
murrte: beschwerte sich.
murrte
Das Wort וַיִּלֹּנוּ ist die Form נִפְעַל. Ebenso ist der Targum וְאִתְרָעַמוּ die Form נִפְעַל, „sie murrten“. Das ist die Art des Ausdrucks תְּלוּנָה, dass man die reflexive Form auf das Subjekt anwendet, „er beklagt sich“ – מִתְלוֹנֵן, מִתְרוֹעֵם, und man sagt nicht לוֹנֵן, רוֹעֵם. So sagt man auch auf Französisch decompleinst sei, „sich beklagen“, das ist die reflexive Form, indem man „sich“ hinzufügt.
Raschi
וַיִּצְעַ֣ק אֶל־יְהוָ֗ה וַיּוֹרֵ֤הוּ יְהוָה֙ עֵ֔ץ וַיַּשְׁלֵךְ֙ אֶל־הַמַּ֔יִם וַֽיִּמְתְּק֖וּ הַמָּ֑יִם שָׁ֣ם שָׂ֥ם ל֛וֹ חֹ֥ק וּמִשְׁפָּ֖ט וְשָׁ֥ם נִסָּֽהוּ׃
25
25
Mosche schrie zum Ewigen, da zeigte ihm der Ewige ein Holz, das warf er ins Wasser und das Wasser wurde süß. Dort gab der Ewige dem Volk Anordnungen und Recht, und dort prüfte Er es.
gab der Ewige dem Volk Anordnungen und Recht
In Marah gab Er ihnen einen Teil der Abschnitte der Torah, dass sie sich mit ihnen beschäftigten: den Schabbat, das Gesetz über die Rote Kuh (פָּרָה אֲדֻמָּה) und Rechtsvorschriften (דִינִין).
Raschi
und dort prüfte Er es: das Volk, und sah seine Hartnäckigkeit, dass sie sich nicht mit Mosche mit würdigen Worten berieten, bete für uns, dass wir Wasser zum Trinken erhalten, sondern murrten.
Raschi
וַיֹּאמֶר֩ אִם־שָׁמ֨וֹעַ תִּשְׁמַ֜ע לְק֣וֹל ׀ יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֗יךָ וְהַיָּשָׁ֤ר בְּעֵינָיו֙ תַּעֲשֶׂ֔ה וְהַֽאֲזַנְתָּ֙ לְמִצְוֺתָ֔יו וְשָׁמַרְתָּ֖ כָּל־חֻקָּ֑יו כָּֽל־הַמַּֽחֲלָ֞ה אֲשֶׁר־שַׂ֤מְתִּי בְמִצְרַ֙יִם֙ לֹא־אָשִׂ֣ים עָלֶ֔יךָ כִּ֛י אֲנִ֥י יְהוָ֖ה רֹפְאֶֽךָ׃ (ס)
26
26
Und er sagte: Wenn du auf die Stimme hörst des Ewigen, deines G‑ttes, und tust, was richtig ist in Seinen Augen, wenn du sorgfältig auf Seine Gebote hörst und all Seine Anordnungen beachtest, so werde Ich keine der Krankheiten auf dich legen, die Ich auf Mizraim gelegt habe, denn Ich, der Ewige, bin dein Heiler.
Wenn du auf die Stimme hörst: das ist die Bereitwilligkeit, die Torah anzunehmen.
Raschi
tust: das ist die Ausführung.
Raschi
auf Seine Gebote hörst: du neigst das Ohr, um die Gebote in allen Einzelheiten zu verstehen und sorgfältig auszuführen.
Raschi
all Seine Anordnungen
Worte, die Verordnungen des Königs sind, ohne dass uns eine Begründung dafür bekannt ist, und gegen die der böse Trieb (יֵצֶר הָרַע) einwendet: Warum sollen diese verboten sein?, wie etwa das Anziehen einer Mischung von Wolle und Leinen (כִּלְאַיִם), das Essen von Schweinefleisch, das Gesetz der Roten Kuh (פָּרָה אֲדֻמָּה) und ähnliche (Joma 67b).
Raschi
tust, was richtig ist … wenn du sorgfältig auf Seine Gebote hörst
וְהַיָּשָׁר בְּעֵינָיו תַּעֲשֶׂה „wenn du tust, was richtig ist“: das sind die Gebote (מִצְווֹת עֲשֵׂה). וְהַאֲזַנְתָּ לְמִצְו‍ֹתָיו „sorgfältig auf Seine Gebote hörst“: das sind die Verbote (מִצְווֹת לֹא תַעֲשֶׂה).
Ibn Esra
Wenn du auf die Stimme hörst des Ewigen, deines G‑ttes …
לְקוֹל ה׳ אֱלֹהֶיךָ „auf die Stimme des Ewigen, deines G‑ttes“: das sind die Zehn Gebote, die sie mit ihren eigenen Ohren hörten. וְהַיָּשָׁר בְּעֵינָיו „was richtig ist“: das sind die Gesetze, die von jedermann in ihrem Wert und ihrer Wichtigkeit begriffen werden. וְהַאֲזַנְתָּ לְמִצְוֺתָיו „auf Seine Gebote hörst“: das sind die Gebote, die nicht jederman begreift, so „neige dein inneres Ohr“ und vertiefe deine Seele in diese Gebote. כָּל חֻקָּיו „all Seine Anordnungen“: das sind die Gebote G‑ttes, deren Hintergrund niemals vom beschränkten menschlichen Intellekt erfasst werden kann.
Rabbenu Bechaje
was richtig ist in Seinen Augen: in den Augen G‑ttes, auch wenn es nicht ausdrücklich in der Torah angeführt ist. Das ist ein Vergleich durch Nachgiebigkeit, das freiwillige Entgegenkommen, ohne dass dazu eine Rechtspflicht besteht (לִפְנִים מִשּׁוּרַת הַדִּין).
Ramban; s. Raschi zu Dew. 6:18
so werde Ich keine der Krankheiten auf dich legen: und wenn Ich sie lege, wird es sein, als wären sie nicht auf dich gelegt, denn Ich, der Ewige, bin dein Heiler. Das ist der Midrasch.
Nach dem einfachen Sinn: denn Ich, der Ewige, bin dein Heiler und lehre dich Torah und Gebote, damit du vor jenen Krankheiten bewahrt bleibest. Wie ein Arzt zu einem Menschen spricht: Iss dies nicht, es könnte dich krank machen (das ist das Hören auf die Gebote); und so heißt es auch (Misch. 3:8) רִפְאוּת תְּהִי לְשָׁרֶּךָ „das wird Heilung sein für deinen Körper“.
Raschi
Ich, der Ewige, bin dein Heiler
Die Mizwot sind die Heilung für die Krankheit der Begierden und die schädlichen Anschauungen.
Seforno