וְכָל־הָעָם֩ רֹאִ֨ים אֶת־הַקּוֹלֹ֜ת וְאֶת־הַלַּפִּידִ֗ם וְאֵת֙ ק֣וֹל הַשֹּׁפָ֔ר וְאֶת־הָהָ֖ר עָשֵׁ֑ן וַיַּ֤רְא הָעָם֙ וַיָּנֻ֔עוּ וַיַּֽעַמְד֖וּ מֵֽרָחֹֽק׃
15
15
Das ganze Volk sah die Stimmen und die Feuerflammen, den Schofarton und den rauchenden Berg. Das Volk sah, da zitterten sie und standen von fern.
Das ganze Volk sah
וְכָל הָעָם רֹאִים „Das ganze Volk sah“: das lehrt, dass keiner unter ihnen blind war. Und woher weiß ich, dass auch keiner unter ihnen stumm war? Darum steht (Schem. 19:8) וַיַּעֲנוּ כָל הָעָם „das ganze Volk antwortete“. Und woher weiß ich, dass auch keiner unter ihnen taub war? Darum steht (Schem. 24:7) נַעֲשֶׂה וְנִשְׁמָע „wir wollen tun und hören“.
Raschi
sah die Stimmen: sah das Hörbare, das man sonst nicht sehen kann.
Raschi
die Stimmen: die aus dem Mund des Allmächtigen kamen.
Raschi
zitterten sie
וַיָּנֻעוּ bedeutet „beben“, „zittern“.
Raschi
Das Wort וַיָּנֻעוּ kommt nicht vom Begriff נָע וָנָד „sich bewegen“.
Nachalat Jaakow
Das Wort וַיָּנֻעוּ bedeutet „sie bewegten sich“, doch nicht das Volk ist der Mittelpunkt des Verses, sondern die vor Ehrfurcht zitternden Glieder der Menschen. Das erklärt den Wandel von der Einzahl des Zeitworts וַיַּרְא „es sah“ zur Mehrzahl וַיָּנֻעוּ „sie zitterten“. Satzgegenstand zu וַיַּרְא ist das Wort הָעָם „das Volk“; dagegen bezieht sich וַיָּנֻעוּ ohne ausdrückliche Nennung auf die Körperglieder.
Beer Jizchak
zitterten sie
Der Grund für die stetige Hin- und Herwiegen des Körpers beim Lernen der Torah liegt darin, dass die heiligen Worte einst unter Ehrfurcht, Zittern und Beben empfangen wurden.
Baal haTurim
und standen von fern
Sie erschraken 12 Mil zurück, gleich der Länge ihres Lagers, und die Engel des Dienstes kamen und halfen ihnen, um sie wieder hinzuführen, so heißt es (Teh. 68:13) מַלְאֲכֵי צְבָאוֹת יְדַדּוּן יְדַדּוּן „die Engel der Heerscharen führten sie herbei“.
Raschi
Mil: Längeneinheit, entspricht 2.000 amot; umgerechnet rund 960 Meter.
וַיֹּ֨אמֶר מֹשֶׁ֣ה אֶל־הָעָם֮ אַל־תִּירָאוּ֒ כִּ֗י לְבַֽעֲבוּר֙ נַסּ֣וֹת אֶתְכֶ֔ם בָּ֖א הָאֱלֹהִ֑ים וּבַעֲב֗וּר תִּהְיֶ֧ה יִרְאָת֛וֹ עַל־פְּנֵיכֶ֖ם לְבִלְתִּ֥י תֶחֱטָֽאוּ׃
17
17
Mosche sagte zum Volk: Fürchtet euch nicht! Denn um euch zu erheben, ist G‑tt gekommen, und damit die Ehrfurcht vor Ihm immer auf euch sei, damit ihr nicht sündigt.
um euch zu erheben
נַסּוֹת kommt vom Begriff הֲרָמָה „erheben“, „großmachen“, wie (Jesch. 62:10) הָרִימוּ נֵס „hebt das Banner empor“; (Jesch. 49:22) אָרִים נִסִּי „Ich will Mein Banner aufrichten“; (Jesch. 30:17) וְכַנֵּס עַל הַגִּבְעָה „und wie ein Banner auf einem Hügel“.
לְבַעֲבוּר נַסּוֹת אֶתְכֶם – um euch großzumachen in der Welt, dass von euch unter den Völkern erzählt werde, dass Er in Seiner Herrlichkeit euch erschienen ist.
Raschi
um euch zu erheben
נַסּוֹת kommt vom Begriff נׅסָּיוׄן „Versuchung“, „Prüfung“. Der Ewige wird später das Volk Israel versuchen durch falsche Propheten, welche die Torah als überholt und aufgehoben bezeichnen werden. [Rambam]
נַסּוֹת kommt vom Begriff נׅסָּיוׄן „Versuchung“, „Prüfung“. Wollt ihr wirklich die Torah erfüllen, wie ihr gesagt habt כֹּל אֲשֶׁר דִּבֶּר ה׳ נַעֲשֶׂה „Alles, was der Ewige gesagt hat, werden wir tun“? [Ibn Esra]
נַסּוֹת kommt vom Begriff רְגִילוּת „Gewöhnung“, „Übung“. Weil Er dem Volk die Offenbarung der Schechina gezeigt hatte, drang der G‑ttesglaube in ihre Herzen.
Ramban
und damit die Ehrfurcht vor Ihm immer auf euch sei
Dadurch, dass ihr gesehen habt, wie furchtbar Er ist und Er Angst einflößt, werdet ihr erkennen, dass es keinen außer Ihm gibt, und ihr werdet Ihn fürchten.
Raschi
und in der Absicht, daß seine Furcht dadurch, dass ihr Ihn gesehen habt – wie furchterregend und angsteinflößend Er ist; erkennt ihr, dass es Keinen außer Ihn gibt und vor Ihm Ehrfurcht habt.
וַיַּעֲמֹ֥ד הָעָ֖ם מֵרָחֹ֑ק וּמֹשֶׁה֙ נִגַּ֣שׁ אֶל־הָֽעֲרָפֶ֔ל אֲשֶׁר־שָׁ֖ם הָאֱלֹהִֽים׃ (פ)
18
18
So stand das Volk von ferne, Mosche aber trat an die dichte Wolke heran, in der G‑tt war.
trat an die dichte Wolke heran
עֲרָפֶל ist das dichte Gewölk, von dem zu ihm gesagt wurde (Schem. 19:9) הִנֵּה אָנֹכִי בָּא אֵלֶיךָ בְּעַב הֶעָנָן „siehe, Ich komme zu dir in der Dichte der Wolke“.
Innerhalb der drei Grenzen: Finsternis (חֹשֶׁךְ), Wolke (עָנָן) und dichter Wolke (עֲרָפֶל); so heißt es (Dew. 4:11) וְהָהָר בֹּעֵר בָּאֵשׁ עַד לֵב הַשָּׁמַיִם חֹשֶׁךְ עָנָן וַעֲרָפֶל „und der Berg brannte im Feuer bis ins Herz des Himmels bei Finsternis, Wolke und dichter Wolke“.
Raschi
dichte Wolke
עֲרָפֶל bedeutet „dichte Wolken“. [Rabbenu Meyuchas]
עֲרָפֶל bedeutet „Finsternis“. [Radak]
עֲרָפֶל bedeutet das Innerste der Heiligkeit, und dort findet sich das höchste Verständnis der G‑ttlichkeit.
Malbim
וַיֹּ֤אמֶר יְהוָה֙ אֶל־מֹשֶׁ֔ה כֹּ֥ה תֹאמַ֖ר אֶל־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל אַתֶּ֣ם רְאִיתֶ֔ם כִּ֚י מִן־הַשָּׁמַ֔יִם דִּבַּ֖רְתִּי עִמָּכֶֽם׃
19
19
Und der Ewige sagte zu Mosche: So sage den Kindern Israel: Ihr habt gesehen, dass Ich vom Himmel mit euch geredet habe.
So sage den Kindern Israel: mit diesen Worten.
Raschi
Ihr habt gesehen
Es ist ein Unterschied zwischen dem, was ein Mensch sieht, und dem, was andere ihm erzählen; denn an dem, was andere ihm erzählen, zweifelt sein Herz manchmal, ob er das glauben soll.
Raschi
dass Ich vom Himmel mit euch geredet habe
כִּי מִן הַשָּׁמַיִם דִּבַּרְתִּי עִמָּכֶם „Dass Ich vom Himmel mit euch geredet habe“. Und ein anderer Vers sagt (Schem. 19:20) וַיֵּרֶד ה׳ עַל הַר סִינַי „der Ewige ließ sich auf den Berg Sinai herab“; darum kommt der dritte Vers und gleicht zwischen ihnen aus (Dew. 4:36) מִן הַשָּׁמַיִם הִשְׁמִיעֲךָ אֶת קֹלוֹ לְיַסְּרֶךָּ וְעַל הָאָרֶץ הֶרְאֲךָ אֶת אִשּׁוֹ הַגְּדוֹלָה „vom Himmel aus ließ Er dich Seine Stimme hören, um dich zurechtzuweisen, und auf der Erde zeigte Er dir Sein großes Feuer“ – Seine Herrlichkeit war im Himmel, und Sein Feuer und Seine Allmacht waren auf der Erde.
Andere Erklärung: Er bog die Himmel und die Höhen des Himmels herab und breitete sie auf dem Berg aus; so heißt es auch (Teh. 18:10) וַיֵּט שָׁמַיִם וַיֵּרַד „Er neigte den Himmel und ließ sich herab“.
Raschi
לֹ֥א תַעֲשׂ֖וּן אִתִּ֑י אֱלֹ֤הֵי כֶ֙סֶף֙ וֵאלֹהֵ֣י זָהָ֔ב לֹ֥א תַעֲשׂ֖וּ לָכֶֽם׃
20
20
Ihr dürft nichts neben Mir machen, macht euch keine falschen Götter aus Silber und keine falschen Götter aus Gold!
Ihr dürft nichts neben Mir machen
לֹא תַעֲשׂוּן אִתִּי, Ihr dürft nicht ein Bild Meiner Diener machen, die „vor Mir“ (אִתִּי) im Himmel dienen.
Raschi
Ihr dürft nichts neben Mir machen
Wenn ihr im Gebet steht „vor Mir“ (אִתִּי), denkt nicht an euer Silber und Gold.
Rabbenu Bechaje
macht euch keine Götter aus Silber und keine Götter aus Gold: Deshalb ist es verboten, Ebenbilder der Serafim, Ofanim und Engel des Dienstes (מַלְאֲכֵי הַשָּׁרֵת) zu machen. Ebenso ist es verboten, Figuren der Sonne, des Mondes und der Sterne nachzubilden; auch wenn sie nicht dreidimensional sind, darf man sie nicht machen.
Ebenso ist es verboten, die Gestalt eines Menschen zu formen. Sogar nur den Kopf oder das Gesicht eines Menschen zu formen, ist auch verboten. Eine solche Gestalt zu besitzen (ohne sie selbst gemacht zu haben), ist auch verboten, außer er beschädigt die Gestalt ein bisschen.
Kizzur Schulchan Aruch §168:1
Götter aus Silber
Der Vers kommt damit zu verbieten, dass die [goldenen] Cheruwim, die du machst, damit sie „vor Mir“ [אִתִּי, im Mikdasch] stehen, aus Silber gemacht werden. Denn wenn ihr [Meine Anordnung] abändert und sie aus Silber macht [statt aus Gold], dann sind sie vor Mir wie falsche Götter.
Raschi
[Die Anfertigung von Götzen aus jedem Material ist verboten (siehe zuvor, Vers 4). Weshalb nennt der Vers ausdrücklich „Silber“ und „Gold“?]
Auch wenn das Wort אִתִּי im vorangehenden Kommentar Raschis auf die himmlischen Wesen bezogen wurde, die im Himmel „mit Mir“ sind, wird es ebenso auf die Cheruwim im Allerheiligsten angewandt. Das Wort אִתִּי umfasst beide Satzteile: לֹא תַעֲשׂוּן אִתִּי „Macht nicht ein Bild der himmlischen Wesen, die ,mit Mir‘ im Himmel sind“, und אִתִּי אֱלֹהֵי כֶסֶף וֵאלֹהֵי זָהָב לֹא תַעֲשׂוּ לָכֶם, die Cheruwim, die „vor Mir“ im Heiligtum sind, dürft ihr laut der g‑ttlichen Anordnung ausschließlich aus Gold fertigen.
Misrachi
und Götter aus Gold
Der Vers kommt damit zu verbieten, zu den zwei Cheruwim noch weitere hinzuzufügen; würdest du vier machen, so wären sie vor Mir wie falsche Götter aus Gold.
Raschi
macht euch keine Götter
Sage nicht, ich will Cheruwim für die Synagoge (בֵית הַכְּנֶסֶת) und das Lehrhaus (בֵּית הַמִּדְרָשׁ) machen, wie man für das Bet haMikdasch macht. Darum steht לֹא תַעֲשׂוּ לָכֶם „ihr sollt für euch nicht machen“.
Raschi
Weil G‑ttes Gegenwart im Allerheiligsten ruht, dem Ort der Cheruwim, könnte die Aufgabe der Cheruwim fälschlich als eine Form der „Vermittlung“ zwischen G‑tt und Menschen gedeutet werden. Man könnte folglich meinen, es sei sinnvoll, einen solchen Vermittler auch in der Synagoge und dem Lehrhaus einzusetzen. Die Torah warnt hier vor diesem Fehlschluss, dessen praktische Ausführung eine Form des Götzendienstes wäre.
Biurim lePirusch Raschi
Zusammenfassend ist dieser Vers wie folgt zu verstehen:
a. Ihr sollt euch kein Bildnis von den Wesen machen, die „bei Mir“ (אִתִּי) im Himmel sind.
b. Ihr sollt die Cheruwim, die „bei Mir“ (אִתִּי) im Bet haMikdasch sind, nicht zu „Göttern aus Silber“ machen, indem ihr sie aus Silber fertigt.
c. Ihr sollt die Cheruwim nicht zu „Göttern aus Gold“ machen, indem ihr deren Zahl über zwei hinaus vermehrt.
d. Ihr dürft keine Cheruwim „für euch selbst“ (לָכֶם) in der Synagoge einsetzen.
מִזְבַּ֣ח אֲדָמָה֮ תַּעֲשֶׂה־לִּי֒ וְזָבַחְתָּ֣ עָלָ֗יו אֶת־עֹלֹתֶ֙יךָ֙ וְאֶת־שְׁלָמֶ֔יךָ אֶת־צֹֽאנְךָ֖ וְאֶת־בְּקָרֶ֑ךָ בְּכָל־הַמָּקוֹם֙ אֲשֶׁ֣ר אַזְכִּ֣יר אֶת־שְׁמִ֔י אָב֥וֹא אֵלֶ֖יךָ וּבֵרַכְתִּֽיךָ׃
21
21
Einen Altar aus Erde sollst du Mir machen, und neben ihm deine Ganzopfer und deine Friedensopfer schlachten, deine Schafe und deine Rinder. An jedem Ort, wo Ich will, dass Mein Name erwähnt wird, dort will Ich zu dir kommen und dich segnen.
Einen Altar aus Erde: mit der Erde verbunden, dass man ihn nicht auf Säulen oder auf einem Gestell erbaut.
Andere Erklärung: Man füllte den Hohlraum des kupfernen Altars (מִזְבֵּחַ הַנְּחוֹשֶׁת) mit Erde, während sie lagerten.
Raschi
sollst du Mir machen: der Anfang seiner Herstellung sei schon in Meinem Namen.
Raschi
und neben ihm schlachten
וְזָבַחְתָּ עָלָיו – אֶצְלוֹ „neben ihm“, wie (Bam. 2:20) עָלָיו מַטֵּה מְנַשֶּׁה „neben ihm der Stamm Menasche“; oder vielleicht wörtlich עָלָיו „darauf“? Darum heißt es (Dew. 12:27) הַבָּשָׂר וְהַדָּם עַל מִזְבַּח ה׳ אֱלֹהֶיךָ „das Fleisch und das Blut auf dem Altar des Ewigen, deines G‑ttes“, aber nicht die Schlachtung oben auf dem Altar.
Raschi
deine Ganzopfer und deine Friedensopfer: von deinen Schafen und deinen Rindern. [Raschi]
deine Schafe und deine Rinder: ist die Erklärung von אֶת עֹלֹתֶיךָ וְאֶת שְׁלָמֶיךָ „deine Ganzopfer und deine Friedensopfer“.
Raschi
An jedem Ort, wo Mein Name erwähnt wird
An jedem Ort, wo Ich dir erlaube, Meinen ausgesprochenen Namen (שֵׁם הַמְּפֹרָשׁ) zu erwähnen, will Ich zu dir kommen und dich segnen, was von Onkelos übersetzt wird als אַשְׁרֶה שְׁכִינָתִי עָלֶיךָ „werde Ich Meine Schechina bei dir ruhen lassen“. Von hier lernst du, dass es nur erlaubt ist, den ausgesprochenen G‑ttesnamen an einem Ort zu erwähnen, zu dem die Schechina kommt, und das ist der Heilige Tempel (בֵּית הַבְּחִירָה, wörtl. das Haus der Erwählung); dort ist den Kohanim erlaubt, beim Segnen des Volkes den aus¬gesprochenen G‑ttesnamen (שֵׁם הַמְּפֹרָשׁ) zu erwähnen.
Raschi
Meinen ausgesprochenen Namen: Das ist der G‑ttesname mit vier Buchstaben י־ה־ו־ה, der gewöhnlich nicht so ausgesprochen werden darf, wie er geschrieben steht. Vielmehr lautet die Aussprache „Ado nai“, als ob die Buchstaben א־ד־נ־י stünden. Eine einzige Ausnahme hiervon bildet der Kohanim-Segen im Heiligtum in Jerusalem; dort wird der Name, wie Raschi ausführt, so ausgesprochen, wie er geschrieben ist.
will Ich zu dir kommen und dich segnen
Der Zahlenwert (Gematria) des Wortes אָבוֹא „will Ich kommen“ ergibt [1+2+6+1=] 10: Wenn Ich 10 Personen im Bet Knesset vorfinde, אָבוֹא אֵלֶיךָ וּבֵרַכְתִּיךָ „will Ich zu dir kommen und dich segnen“.
Baal haTurim
וְאִם־מִזְבַּ֤ח אֲבָנִים֙ תַּֽעֲשֶׂה־לִּ֔י לֹֽא־תִבְנֶ֥ה אֶתְהֶ֖ן גָּזִ֑ית כִּ֧י חַרְבְּךָ֛ הֵנַ֥פְתָּ עָלֶ֖יהָ וַתְּחַֽלְלֶֽהָ׃
22
22
Wenn du Mir einen Altar aus Steinen machst, so darfst du ihn nicht aus behauenen Steinen erbauen; wenn du dein Eisen über den Stein geschwungen hast, hast du ihn entweiht.
entweihen: die Heiligkeit einer Sache verletzen, zerstören.
Wenn du Mir einen Altar aus Steinen machst
Rabbi Ischmael sagt: Jedes אִם „wenn“ in der Torah ist freiwillig, außer an drei Stellen. וְאִם מִזְבַּח אֲבָנִים תַּעֲשֶׂה לִּי „wenn du Mir einen Altar aus Steinen baust“; dieses אִם hat die Bedeutung von כַּאֲשֶׁר „sobald“; sobald du Mir einen Altar von Steinen baust, verwende nicht dazu behauene Steine; denn es ist ja deine Pflicht, einen Altar aus Steinen zu bauen, so heißt es (Dew. 27:6) אֲבָנִים שְׁלֵמוֹת תִּבְנֶה „aus ganzen Steinen sollst du bauen“.
Ebenso (Schem. 22:24) אִם כֶּסֶף תַּלְוֶה „wenn du Geld leihst“ – es ist aber eine Pflicht; denn so heißt es (Dew. 15:8) וְהַעֲבֵט תַּעֲבִיטֶנּוּ „und du sollst ihm leihen“, auch dieses אִם hat die Bedeutung von כַּאֲשֶׁר „wenn“.
Ebenso (Waj. 2:14) וְאִם תַּקְרִיב מִנְחַת בִּכּוּרִים „wenn du das Mehlopfer der Erstlingsfrüchte darbringst“ – das ist das Mehlopfer des Omer, das eine Pflicht ist. Und notwendiger¬weise sind diese אִם nicht fraglich, konditionell „wenn“, sondern bestimmt und haben die Bedeutung von כַּאֲשֶׁר , temporal „sobald“.
Raschi
aus behauenen Steinen
גָּזִית – לְשׁוֹן גְּזִיזָה „behauen“; Steine, die man mit dem Eisen behaut und meißelt.
Raschi
wenn du dein Eisen darüber geschwungen hast
Dieses כִּי hat die Bedeutung von פֶּן und דִּילְמָא „vielleicht“: פֶּן תָּנִיף חַרְבְּךָ עָלֶיהָ, du könntest dein Schwert darüber geschwungen haben.
Raschi
hast du ihn entweiht
Daraus lernst du, dass, wenn du Eisen darüber geschwungen hast, du ihn entweiht hast. Denn der Altar ist geschaffen, die Tage des Menschen zu verlängern, und das Eisen ist geschaffen, die Tage des Menschen zu verkürzen; darum ist es nicht recht, dass der Verkürzer über den Verlängerer geschwungen wird (Midot 3:4).
Und weiters stiftet der Altar Frieden zwischen Israel und seinem Vater im Himmel; darum komme kein Zerstörer und Verwüster über ihn.
Und die Worte enthalten einen Schluss vom Leichten zum Schweren (קַל וָחֹמֶר): wenn schon über Steine, die nicht sehen und nicht hören und nicht reden, weil sie aber Frieden stiften, die Torah dir verbietet, das Eisen zu schwingen; wer Frieden stiftet zwischen Mann und Frau, zwischen Familie und Familie, zwischen Mensch und Nebenmensch, um wieviel weniger wird ihn Schmerzliches treffen.
Raschi
וְלֹֽא־תַעֲלֶ֥ה בְמַעֲלֹ֖ת עַֽל־מִזְבְּחִ֑י אֲשֶׁ֛ר לֹֽא־תִגָּלֶ֥ה עֶרְוָתְךָ֖ עָלָֽיו׃ (פ)
23
23
Du darfst nicht auf Stufen zu Meinem Altar steigen, damit deine Blöße nicht vor ihm sichtbar ist.
Du darfst nicht auf Stufen zu Meinem Altar steigen: Wenn du eine Anhöhe zum Altar baust, mache sie nicht aus Stufen, (eschelons auf Französisch), sondern sie sei glatt und schräg,
damit deine Blöße nicht vor ihm sichtbar ist: denn durch die Stufen müsstest du deine Schritte weit machen; und obwohl die Blöße nicht wirklich sichtbar wäre, weil die Kohanim Hosen aus Leinen trugen, so ist das Weitmachen der Schritte fast ein Zeigen der Blöße, und du würdest die Steine des Altars geringschätzig behandeln (מִנְהַג בִּזָּיוֹן).
Dies betont: Wenn für diese Steine, die kein Bewusstsein haben, um auf ihre Geringschätzung achten zu können, die Torah vorschreibt – weil man sie braucht, sollst du sie nicht verächtlich behandeln, um wieviel weniger darfst du deinen Mitmenschen verächtlich behandeln, der im Ebenbild G‑ttes erschaffen ist und deine Geringschätzung schmerzlich empfindet!
Raschi