Der tägliche Chumasch-Abschnitt

23. Schwat 5787

Sonntag, 31. Jänner 2027

Heute

Mischpatim

1. Alija

(Schemot 21:1 – 21:19)

Optionen
וְאֵ֙לֶּה֙ הַמִּשְׁפָּטִ֔ים אֲשֶׁ֥ר תָּשִׂ֖ים לִפְנֵיהֶֽם׃
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Und diese sind die Rechtsvorschriften, die du (Mosche) ihnen vorlegen sollst:
Und diese sind die Rechtsvorschriften
Überall, wo אֵלֶּה („diese“) steht, bildet es einen Gegensatz zum Früheren; וְאֵלֶּה mit dem Buchstaben ו („und diese“) fügt zum Früheren hinzu. Wie das Frühere vom Sinai kam, so kamen auch diese Rechtsvorschriften vom Sinai. Und warum ist der Abschnitt der Rechtsvorschriften an den Abschnitt des Altars [פָרָשָׁת מִזְבֵּחַ, am Ende von Paraschat Jitro] angeschlossen? Um dir zu sagen, dass du das Sanhedrin neben das Heiligtum setzen sollst (andere Version: neben den Altar).
Raschi
die du ihnen vorlegen sollst
Der Ewige sagte zu Mosche: Du sollst nicht planen, mit ihnen den Abschnitt und die Halacha zwei- oder dreimal zu lernen, bis sie in ihrem Mund geläufig sind, und dich nicht bemühen, ihnen die Gründe und die Erklärung der Sache begreiflich zu machen; darum heißt es אֲשֶׁר תָּשִׂים לִפְנֵיהֶם „die du ihnen vorlegen sollst“, gleich einem gedeckten Tisch (שֻׁלְחָן עָרוּךְ), der vor dem Menschen zum Essen bereit steht.
Raschi
Vor sie: und nicht vor Nichtjuden. Und sogar, wenn du von einer Rechtssache weißt, dass sie diese ebenso beurteilen wie die jüdischen Gerichte, bringe sie doch nicht vor ihren Gerichtshof. Denn, wer Rechtssachen eines Juden vor Nichtjuden bringt, entweiht den g‑ttlichen Namen und ehrt den Namen der Götzen, indem er ihnen Ruhm verschafft. So heißt es (Dew. 32:31) כִּי לֹא כְצוּרֵנוּ צוּרָם וְאוֹיְבֵינוּ פְּלִילִים „nicht gleich unserem Fels ist ihr Fels, und unsere Feinde sind Richter“, wenn unsere Feinde Richter sind, ist das ein Beweis für die Erhebung ihrer Götzen.
Raschi
כִּ֤י תִקְנֶה֙ עֶ֣בֶד עִבְרִ֔י שֵׁ֥שׁ שָׁנִ֖ים יַעֲבֹ֑ד וּבַ֨שְּׁבִעִ֔ת יֵצֵ֥א לַֽחָפְשִׁ֖י חִנָּֽם׃
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Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst, dann diene er sechs Jahre, und im siebten Jahr gehe er in die Freiheit gehen umsonst.
Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst
עֶבֶד עִבְרִי bedeutet „ein Sklave, der ein Hebräer ist“. Oder vielleicht nicht so, sondern עַבְדּוֹ שֶׁל עִבְרִי „der Sklave eines Hebräers“, ein kna’anischer Sklave, den du von einem Juden gekauft hast, und von ihm sagt der Vers „sechs Jahre diene er“; und wie erfülle ich (Waj. 25:46) וְהִתְנַחַלְתֶּם אוֹתָם „ihr sollt sie vererben“? Wenn er von einem Nichtjuden gekauft ist; wenn er aber von einem Juden gekauft ist, gehe er nach sechs Jahren von ihm fort? Darum heißt es (Dew. 15:12) כִּי יִמָּכֵר לְךָ אָחִיךָ הָעִבְרִי „wenn sich dir dein hebräischer Bruder verkauft“, ich spreche nur von deinem Bruder.
Raschi
lorem ipsum
in die Freiheit
לַחָפְשִׁי – לְחֵירוּת, in die Freiheit.
Raschi
umsonst: ohne etwas zahlen zu müssen.
אִם־בְּגַפּ֥וֹ יָבֹ֖א בְּגַפּ֣וֹ יֵצֵ֑א אִם־בַּ֤עַל אִשָּׁה֙ ה֔וּא וְיָצְאָ֥ה אִשְׁתּ֖וֹ עִמּֽוֹ׃
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3
Ist er zu seinem Herrn allein gekommen, dann soll er auch allein entlassen werden; ist er der Ehemann einer Frau, dann soll seine Frau mit ihm entlassen werden.
Ist er allein gekommen
אִם בְּגַפּוֹ יָבֹא bedeutet: er war nicht mit einer Frau verheiratet, wie der Targum sagt בִּלְחוֹדוֹהִי „alleine“; das Wort בְּגַפּוֹ bedeutet „mit seinem Gewand“; er ist so gekommen, wie er ist, allein in seinem Gewand, mit der Ecke seines Gewandes.
Raschi
Ist er allein gekommen
בְּגַפּוֹ bedeutet בְּגוּפּוֹ „mit seinem Körper“: er kam nur „mit seinem eigenen Körper“, und nicht mit einem weiteren Körper – seiner Ehefrau.
Radak
soll er allein entlassen werden
Das lehrt, dass wenn er vorher nicht verheiratet war, sein Herr ihm keine kna‘anische Sklavin geben darf, um mit ihr Sklaven zu zeugen (Kiduschin 20a).
Raschi
lorem ipsum
dann soll seine Frau mit ihm entlassen werden
Wer hat sie denn hingebracht, dass sie entlassen werden soll? Nur, der Vers lehrt, dass wer einen hebräischen Sklaven kauft, dessen Frau und Kinder ernähren muss.
Raschi
אִם־אֲדֹנָיו֙ יִתֶּן־ל֣וֹ אִשָּׁ֔ה וְיָלְדָה־ל֥וֹ בָנִ֖ים א֣וֹ בָנ֑וֹת הָאִשָּׁ֣ה וִילָדֶ֗יהָ תִּהְיֶה֙ לַֽאדֹנֶ֔יהָ וְה֖וּא יֵצֵ֥א בְגַפּֽוֹ׃
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Wenn der Sklave eine jüdische Frau hat und sein Herr ihm eine nicht-jüdische Sklavin als Frau gibt, und diese ihm Söhne oder Töchter geboren hat, so bleibt die nicht-jüdische Frau mit ihren Kindern ihrem Herrn, und der Sklave wird allein entlassen.
Wenn sein Herr ihm eine Frau gibt
Von hier geht hervor, dass sein Herr das Recht hat, ihm eine kna’anische Sklavin zu geben, um mit ihr Sklaven zu zeugen. Oder vielleicht spricht der Vers nur von einer jüdischen Frau? Darum heißt es „die Frau mit ihren Kindern bleibt ihrem Herrn“. Daraus siehst du, dass er nur von der kna’anischen spricht. Denn die hebräische Sklavin geht auch mit sechs Jahren von ihm weg, und sogar noch vor sechs geht sie weg, wenn sie die Zeichen der Großjährigkeit gebracht hat. Denn so heißt es (Dew. 15:12) אָחִיךָ הָעִבְרִי אוֹ הָעִבְרִיָּה „dein Bruder, der Hebräer oder die Hebräerin“, das lehrt, dass auch die Hebräerin nach sechs Jahren frei wird.
Raschi
wird allein entlassen: ohne die nicht-jüdische Frau, und er kehrt zu seiner jüdischen Frau und Familie zurück.
וְאִם־אָמֹ֤ר יֹאמַר֙ הָעֶ֔בֶד אָהַ֙בְתִּי֙ אֶת־אֲדֹנִ֔י אֶת־אִשְׁתִּ֖י וְאֶת־בָּנָ֑י לֹ֥א אֵצֵ֖א חָפְשִֽׁי׃
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5
Wenn aber in einem solchen Fall der Sklave wiederholt sagt: ,Ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder, ich will nicht freigelassen werden‘,
meine Frau: die Sklavin.
Raschi
Wenn der Sklave sagt …
Aus dem doppelten Ausdruck וְאִם אָמֹר יֹאמַר הָעֶבֶד „wenn der Sklave sagt und sagt“ lernen unsere Weisen: der Sklave muss es sagen und dann ein zweites Mal wiederholen, damit es Gültigkeit erreicht.
Rabbenu Bechaje
וְהִגִּישׁ֤וֹ אֲדֹנָיו֙ אֶל־הָ֣אֱלֹהִ֔ים וְהִגִּישׁוֹ֙ אֶל־הַדֶּ֔לֶת א֖וֹ אֶל־הַמְּזוּזָ֑ה וְרָצַ֨ע אֲדֹנָ֤יו אֶת־אָזְנוֹ֙ בַּמַּרְצֵ֔עַ וַעֲבָד֖וֹ לְעֹלָֽם׃ (ס)
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6
dann führe ihn sein Herr vor den Richter und führe ihn zur Tür oder zum Pfosten hin, und es durchsteche sein Herr ihm das Ohr mit der Ahle, und er diene ihm für immer.
Ahle, die: Ein spitzer Metallstift mit Griff zum Stechen von Löchern.
vor den Richter
אֶל הָאֱלֹהִים „vor den Richter“, zum Gerichtshof. Er soll seine Verkäufer fragen, die ihn ihm verkauft haben.
Raschi
vor den Richter
אֶל הָאֱלֹהִים bedeutet zum Gerichtsverfahren. Und הָאֱלֹהִים „G‑tt“ sei mit ihnen bei der Entscheidungsfindung.
Ramban
zur Tür oder zum Pfosten
אֶל הַדֶּלֶת אוֹ אֶל הַמְּזוּזָה „zur Tür oder zum Pfosten“: ich hätte meinen können, dass der Pfosten geeignet sei, darauf das Ohr zu durchstechen, darum heißt es (Dew. 15:17) וְנָתַתָּה בְאָזְנוֹ וּבַדֶּלֶת „und setze sie auf sein Ohr und auf die Tür“, auf die Tür und nicht auf den Pfosten. Was lehrt uns also אוֹ אֶל הַמְּזוּזָה „oder zum Pfosten“? Der Vers vergleicht die Tür mit dem Pfosten: wie der Pfosten aufrecht steht, so muss auch die Tür aufrecht stehen (Kiduschin 22b).
Raschi
und es durchsteche sein Herr ihm das Ohr: das rechte. Oder vielleicht ist es das linke? Darum steht ״אֹזֶן״-״אֹזֶן״ als gleicher Ausdruck. Hier steht וְרָצַע אֲדוֹנָיו אֶת אָזְנוֹ „es durchsteche sein Herr ihm das Ohr mit der Ahle“, und beim Aussätzigen steht (Waj. 14:14) תְּנוּךְ אֹזֶן הַמִּטַּהֵר הַיְמָנִית „Knorpel des rechten Ohres des zu Reinigenden“. So wie dort das rechte Ohr, ist auch hier das rechte gemeint.
Und aus welchem Grund sollte das Ohr eher als alle anderen Körperglieder durchstochen werden? Rabbi Jochanan b. Sakkai sagt: Das Ohr, das am Berg Sinai gehört hat (zuvor, 20:13) לֹא תִגְנֹב „du sollst nicht stehlen“, und ging und stahl, soll durchstochen werden. Und wenn er sich selbst verkauft hat, das Ohr, das am Berg Sinai gehört hat (Waj. 25:55) כִּי לִי בְנֵי יִשְׂרָאֵל עֲבָדִים „denn Mir sind die Kinder Israel Knechte“, und ging und erwarb sich einen anderen Herrn, soll durchstochen werden.

Rabbi Schimon erklärte diesen Vers wie einen duftenden Halsschmuck. Warum werden Tür und Pfosten vor allen Geräten am Haus ausgezeichnet? Weil der Ewige spricht, vor Tür und Pfosten, die in Mizraim Zeugen waren, als Ich über der Oberschwelle und über den beiden Pfosten hinwegschritt und sprach, כִּי לִי בְנֵי יִשְׂרָאֵל עֲבָדִים „denn Mir sollen die Kinder Israel Knechte sein“, Meine Knechte seien sie, und nicht Knechte von Knechten, während dieser hinging und sich einen Herren erwarb, vor ihnen soll er durchstochen werden (Kiduschin 22b).
Raschi
wie einen duftenden Halsschmuck: Ein kleines Säckchen mit Perlen oder Gewürzen wurde als Schmuck um den Hals getragen. Dieses Beutelchen hielt Perlen oder Kräuter zusammen, die einander ergänzten und so ein schönes Schmuckstück oder einen Duftbeutel ergaben. Ebenso verknüpfte R. Schimon die Einzelheiten des Gesetzes über das Durchbohren des Ohres mit den Aussagen der Torah über die Knechtschaft. Er fügte sie so ineinander, dass sie einander vervollständigten wie die Bestandteile eines Schmuckanhängers.
er diene ihm für immer
וַעֲבָדוֹ לְעֹלָם bedeutet: bis zum Jowel ist dient er ihm als Sklave. Order vielleicht nicht, so sondern לְעוֹלָם im wörtlichen Sinn: für immer? Darum heißt es (Waj. 25:10) וְאִישׁ אֶל מִשְׁפַּחְתּוֹ תָּשֻׁבוּ „Jeder kehre zu seiner Familie zurück“. Das lehrt, dass 50 Jahre עוֹלָם „ewig“, „für immer“ genannt werden. Aber nicht, dass er ihm ganze 50 Jahre dienen muss, sondern nur bis das nächste Jowel kommt, egal ob dieses bald oder in weiter Zukunft kommt.
Raschi
mit einem spitzen Werkzeug
Das Werkzeug heißt מַרְצֵעַ „Ahle“; dieses Wort hat den Zahlenwert (40+200+90+70=) 400. Denn dieser Mensch möchte weiterhin ein Sklave sein und damit hinzufügen zu den 400 Jahren der Sklaverei in Mizraim.
Rabbenu Bechaje
וְכִֽי־יִמְכֹּ֥ר אִ֛ישׁ אֶת־בִּתּ֖וֹ לְאָמָ֑ה לֹ֥א תֵצֵ֖א כְּצֵ֥את הָעֲבָדִֽים׃
7
7
Wenn jemand seine Tochter als Sklavin verkauft, dann soll sie nicht entlassen werden, wie die männlichen Sklaven entlassen werden.
Wenn jemand seine Tochter
Wenn jemand zu arm ist, um seine Tochter zu verheiraten, darf er sie für eine Dienstzeit an eine reichere Familie verkaufen, mit der Absicht, dass sie schlussendlich ein Mitglied dieser Familie heiraten wird: entweder den Vater, oder wenn das unangemessen ist, den Sohn. In einem solchen Fall wird das Geld, das der Vater des Mädchens erhalten hat, retroaktiv ihre Mitgift. Für die Dauer der Dienstzeit gibt es drei Optionen: das Mädchen muss ihrem Herrn entweder sechs Jahre lang dienen; oder bis zum Jowel; oder bis sie Zeichen der Pubertät zeigt – was von diesen drei Optionen als erstes eintritt.
Wenn jemand seine Tochter
Von einer minderjährigen Tochter spricht der Vers. Ich hätte meinen können, auch von einer solchen, die bereits die Zeichen der Großjährigkeit gebracht hat. Da wendest du den Schluss vom Leichten zum Schweren an (קַל וָחוֹמֶר): wenn schon diejenige, die bereits verkauft war, durch die Zeichen der Großjährigkeit frei wird, wie steht (Vers 11) וְיָצְאָה חִנָּם אֵין כָּסֶף „sie geht frei weg“, ohne Lösegeld, was wir auf die Zeichen der Großjährigkeit beziehen. Ist es dann nicht eine einfache Folgerung, dass diejenige, die noch nicht verkauft ist, nicht verkauft werden darf!
Raschi
dann soll sie nicht entlassen werden, wie die Sklaven entlassen werden: wie kna’anische Sklaven entlassen werden, die beim Verlust von Zahn und Auge entlassen werden. Diese aber geht nicht wegen Zahn und Auge weg, sondern sie dient sechs Jahre oder bis zum Jowel, oder bis sie die Zeichen der Großjährigkeit gebracht hat. Was dabei zuerst kommt, bringt ihr die Freiheit. Und den Wert ihres Auges oder den Wert ihres Zahnes ersetzt er ihr.
Oder vielleicht nicht so, sondern sie soll nicht entlassen werden, wie die Sklaven entlassen werden, nach sechs Jahren und im Jowel? Darum heißt es (Dew. 15:12) כִּי יִמָּכֵר לְךָ אָחִיךָ הָעִבְרִי אוֹ הָעִבְרִיָּה „wenn sich dir dein Bruder verkauft, der Hebräer oder die Hebräerin“. Der Vers vergleicht die Hebräerin mit dem Hebräer bezüglich jeder Art des Weggehens; wie der Hebräer nach sechs Jahren und im Jowel weggeht, so geht auch die Hebräerin nach sechs Jahren und Jowel weg. Was bedeutet also „sie soll nicht entlassen werden, wie die Sklaven entlassen werden“? Sie gehe nicht weg beim Verlust einer Gliedspitze (רָאשֵׁי אֵבָרִים) wie die kna’anischen Sklaven. Ich hätte nun meinen können, dass der hebräische Knecht beim Verlust einer Gliedspitze weggehe. Darum heißt es הָעִבְרִי אוֹ הָעִבְרִיָּה „der Hebräer oder die Hebräerin“, er vergleicht den Hebräer mit der Hebräerin: wie die Hebräerin nicht wegen der Gliedspitzen weggeht, so geht auch er nicht wegen der Gliedspitzen weg.
Raschi
אִם־רָעָ֞ה בְּעֵינֵ֧י אֲדֹנֶ֛יהָ אֲשֶׁר־לא [ל֥וֹ] יְעָדָ֖הּ וְהֶפְדָּ֑הּ לְעַ֥ם נָכְרִ֛י לֹא־יִמְשֹׁ֥ל לְמָכְרָ֖הּ בְּבִגְדוֹ־בָֽהּ׃
8
8
Wenn sie missfällt in den Augen ihres Herren, während er sie für sich hätte bestimmen sollen, so soll er ihr zum Loskauf verhelfen. Er hat nicht die Befugnis, sie an fremde Leute zu verkaufen, weil er treulos gegen sie war.
Wenn sie missfällt in den Augen ihres Herren: wenn sie keine Gunst in seinen Augen gefunden hat, dass er sie zur Frau nehme.
Raschi
während er sie für sich hätte bestimmen: und sich zur Frau hätte nehmen sollen, und das Geld, mit dem er sie erworben hat, wäre dann das Geld ihrer Eheschließung (כֶסֶף קִדּוּשֶׁיהָ). Hier deutet dir der Vers an, dass es ein Gebot ist, sie sich zur Frau zu bestimmen (מִצְוָה בְּיִעוּד). Weiters deutet er dir an, dass sie keine weitere Eheschließung (קִדּוּשִׁין) braucht (Kiduschin 19b).
Raschi
So soll er ihr zum Loskauf verhelfen: er gebe ihr Gelegenheit, sich loszukaufen und wegzugehen. Denn auch er helfe bei ihrem Loskauf mit. Und worin besteht die Gelegenheit, die er ihr gibt? Er ziehe von ihrem Lösegeld entsprechend der Anzahl der Jahre ab, die sie bei ihm gearbeitet hat, als hätte sie bei ihm Dienst verrichtet. Wie ist das? Wenn er sie beispielsweie für eine Währungseinheit (מָּנֶה) erworben hat, und sie hat bei ihm zwei Jahre gedient, so sagt man zu ihm: du wusstest, dass sie am Ende von sechs Jahren weggehen würde, daraus ergibt sich, dass du die Arbeit eines jeden Jahres für 1/6 Einheit erworben hast. Sie hat zwei Jahre bei dir gearbeitet, das ist für 1/3 Einheit. Nimm also 2/3 Einheit von ihr, und sie gehe von dir weg.
Raschi
Er hat nicht die Befugnis …
לְעַם נָכְרִי לֹא יִמְשֹׁל bedeutet: er darf sie keinem anderen verkaufen, weder der Herr noch der Vater (Kiduschin 18b).
Raschi
weil er treulos gegen sie war: wenn er treulos gegen sie handelt, indem er das Gebot, sie für sich zu bestimmen (מִצְוַת יִעוּד), nicht erfüllt. Und ebenso ihr Vater, weil er treulos gegen sie war und sie diesem verkauft hat.
Raschi
וְאִם־לִבְנ֖וֹ יִֽיעָדֶ֑נָּה כְּמִשְׁפַּ֥ט הַבָּנ֖וֹת יַעֲשֶׂה־לָּֽהּ׃
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9
Wenn er sie für seinen Sohn bestimmt, so muss er sie nach dem Eherecht behandeln.
Wenn er: der Herr, sie für seinen Sohn bestimmt: das lehrt, dass auch sein Sohn für ihn eintreten kann, sie für sich zu bestimmen, wenn der Vater will. Und auch er braucht keine weitere Eheschließung (קִדּוּשִׁין) vollziehen, sondern er sagt zu ihr: Siehe, du bist für mich bestimmt für das Geld, das dein Vater für deinen Wert erhalten hat.
Raschi
nach dem Eherecht
כְּמִשְׁפַּט הַבָּנוֹת, wörtl. nach dem Recht der Töchter: Ernährung, Bekleidung und Eherecht.
Raschi
אִם־אַחֶ֖רֶת יִֽקַּֽח־ל֑וֹ שְׁאֵרָ֛הּ כְּסוּתָ֥הּ וְעֹנָתָ֖הּ לֹ֥א יִגְרָֽע׃
10
10
Wenn er eine andere Frau nimmt, darf er nicht ihre Ernährung, ihre Kleidung und ihr Eherecht kürzen.
Wenn er eine andere Frau nimmt: zusätzlich zu ihr. [Raschi]
darf er nicht … kürzen: der Sklavin, die er sich bereits bestimmt hat.
Raschi
ihre Ernährung: שְׁאֵרָהּ bedeutet מְזוֹנוֹת, Ernährung; ihre Kleidung: so wie der einfache Wortsinn; ihr Eherecht: Eheverkehr.
Raschi
lorem ipsum
lorem ipsum
lorem ipsum
Ernährung
Die wörtliche Bedeutung von שְׁאֵרָהּ ist „ihr Fleisch“; das bezieht sich auf die Nahrung, die ihren Körper erhält.
Ibn Esra
וְאִם־שְׁלָ֨שׁ־אֵ֔לֶּה לֹ֥א יַעֲשֶׂ֖ה לָ֑הּ וְיָצְאָ֥ה חִנָּ֖ם אֵ֥ין כָּֽסֶף׃ (ס)
11
11
Wenn er eine dieser drei Möglichkeiten nicht für sie tut, so gehe die Sklavin umsonst, ohne Zahlung von Geld, frei fort.
Wenn er aber diese drei nicht für sie tut: wenn er ihr eine von diesen dreien nicht erbringt. Und was sind die drei? Er bestimme sie für sich oder bestimme sie für seinen Sohn, oder ziehe von ihrem Lösegeld ab, dass sie weggehen kann. Und dieser hat sie nicht für sich und nicht für seinen Sohn bestimmt, und sie selbst hatte nicht das Vermögen, um sich loszukaufen.
Raschi
so gehe sie fort: der Vers hat für diese Sklavin ein Fortgehen mehr hinzugefügt, als er für die Knechte hinzugefügt hat. Und was ist das für ein Fortgehen? Er lehrt dich, dass sie durch die Zeichen der Großjährigkeit weggeht. Sie bleibe bei ihm, bis sie diese Zeichen gebracht hat. Wenn sechs Jahre um sind vor dem Eintreffen der Zeichen, so haben wir schon gelernt, dass sie dann weggeht. So heißt es (Dew. 15:12) הָעִבְרִי אוֹ הָעִבְרִיָּה וַעֲבָדְךָ שֵׁשׁ שָׁנִים „der Hebräer oder die Hebräerin, er diene dir sechs Jahre“. Was bedeutet also, was hier steht „sie gehe umsonst fort“? Wenn die Zeichen früher kommen, bevor sechs Jahre um sind, so geht sie durch sie fort. Oder vielleicht sagt er, dass sie erst durch das Eintreten von Volljährigkeit fortgehe [בַּגְרוּת, sechs Monate nach dem Eintreffen der Zeichen]? Darum heißt es, ohne Lösegeld, das fügt das Weggehen durch Volljährigkeit hinzu. Würde aber nicht beides stehe, so hätte ich gesagt, „sie gehe umsonst fort“, das ist durch Volljährigkeit. Darum steht beides, um keinem Gegner Gelegenheit zu geben, das zu bestreiten.
Raschi
מַכֵּ֥ה אִ֛ישׁ וָמֵ֖ת מ֥וֹת יוּמָֽת׃
12
12
Wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt, der soll getötet werden.
Wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt: viele Verse stehen im Abschnitt über die Mörder. Soweit ich zu erklären vermag, warum sie alle stehen, will ich sie erklären.
Raschi
Wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt
Warum steht das? Weil es heißt (Waj. 24:17) וְאִישׁ כִּי יַכֶּה כָּל נֶפֶשׁ אָדָם מוֹת יוּמָת „wenn jemand irgendeinen Menschen erschlägt, so soll er getötet werden“, daraus hätte ich entnommen: schlagen, ohne zu töten. Darum heißt es „wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt“. Er ist nur bei einem tödlichen Schlag schuldig.
Wenn nur stehen würde מַכֵּה אִישׁ „wer einen Mann schlägt“, und nicht stehen würde (Waj. 24:17) וְאִישׁ כִּי יַכֶּה „ein Mann, der schlägt“, so hätte ich gesagt, er sei nur dann schuldig, wenn er einen Mann erschlägt. Hat er eine Frau oder ein Kind erschlagen, woher weiß ich, dass er schuldig ist? Darum steht כִּי יַכֶּה כָּל נֶפֶשׁ אָדָם „wer irgendeinen Menschen erschlägt“, auch ein Kind, auch eine Frau. Und weiters, wenn nur stehen würde מַכֵּה אִישׁ „wer einen Mann schlägt“, hätte ich verstanden, selbst ein Kind, das geschlagen und getötet hat, sei schuldig. Darum heißt es וְאִישׁ כִּי יַכֶּה „ein Mann, der schlägt“, aber nicht ein Kind, das geschlagen hat.

Und weiters, im Vers כִּי יַכֶּה כָּל נֶפֶשׁ אָדָם „wer irgendeinen Menschen erschlägt“, wäre auch das ungeborene Kind enthalten. Darum steht מַכֵּה אִישׁ „wer einen Mann schlägt“: er ist nur dann todesschuldig, wenn er einen lebensfähigen Menschen, der bestimmt geeignet ist, ein Mann zu werden, tötet.
Raschi
וַאֲשֶׁר֙ לֹ֣א צָדָ֔ה וְהָאֱלֹהִ֖ים אִנָּ֣ה לְיָד֑וֹ וְשַׂמְתִּ֤י לְךָ֙ מָק֔וֹם אֲשֶׁ֥ר יָנ֖וּס שָֽׁמָּה׃ (ס)
13
13
Wenn er ihm aber nicht nachgestellt hat, sondern G‑tt hat es so seiner Hand geschehen lassen, so werde Ich dir einen Ort festlegen, wohin er fliehen soll.
nicht nachgestellt hat
וַאֲשֶׁר לֹא צָדָה „nicht nachgestellt hat“: er hatte ihm nicht aufgelauert und nicht die Absicht gehabt.
צָדָה bedeutet „auflauern“. Und so sagt der Vers auch (1 Schmu. 24:12) וְאַתָּה צֹדָה אֶת נַפְשִׁי לְקַחְתָּהּ „du trachtest mir nach dem Leben, es zu nehmen“.
Es wäre aber nicht richtig zu sagen, dass צָדָה von (Ber. 27:33) הַצָּד צַיִד „der das Wild gejagt hat“ komme. Denn die Wurzel von צֵּידַת חַיּוֹת (Erjagung von Wild) erhält im Zeitwort nicht den Buchstaben ה (He), und das Hauptwort davon heißt צַיִד. Hier aber heißt das Hauptwort צְדִיָּה und das Zeitwort צוֹדֶה. Beim „Jagen“ aber heißt das Zeitwort צָד. Ich sage darum, dass wie der Targum zu erklären ist: וּדְלָא כְמַן לֵיהּ, wenn er ihm nicht aufgelauert hat.

Menachem verbindet es mit der Wurzel צָד צַיִד. Ich stimme ihm aber nicht zu. Wenn es mit einem der Stämme צָד zu verbinden ist, so wollen wir es mit dem Ausdruck verbinden עַל צַד תִּנָּשֵׂאוּ „auf der Seite werdet ihr getragen werden“ (Jesch. 66:12); צִדָּה אוֹרֶה „ich werde seitwärts schießen“ (1 Schmu. 20:20); וּמִלִּין לְצַד עִלָּאָה יְמַלֵּל „und Worte, die zur Höhe gerichtet sind, spricht er“ (Dan. 7:25). Auch hier, אֲשֶׁר לֹא צָדָה – der nicht danach trachtete, sich nicht danach wandte, irgendeine Seite zur Tötung jenes zu finden. Auch diese Erklärung lässt sich bezweifeln. Jedenfalls aber deckt sie sich mit der Bedeutung „auflauern“.
Raschi
G‑tt hat es so seiner Hand geschehen lassen: für seine Hand vorbereitet, von (Teh. 91:10) לֹא תְאֻנֶּה אֵלֶיךָ רָעָה „nichts Böses wird dir widerfahren“; (Misch. 12:21) לֹא יְאֻנֶּה לַצַּדִּיק כָּל אָוֶן „dem Rechtschaffenen wird kein Unrecht zustoßen“; (2 Kön. 5:7) מִתְאַנֶּה הוּא לִי „er sucht einen Vorwand gegen mich“, er bemüht sich, einen Vorwand zu finden.
Raschi
G‑tt hat es so seiner Hand geschehen lassen
Warum aber sollte solches von ihm ausgehen? Das ist, was David gesagt hat (1 Schmu. 24:14) כַּאֲשֶׁר יֹאמַר מְשַׁל הַקַּדְמֹנִי מֵרְשָׁעִים יֵצֵא רֶשַׁע „wie das alte Gleichnis sagt, von den Bösen kommt Böses“. Das alte Gleichnis, damit ist die Torah gemeint. Sie enthält die Gleichnisrede des Ewigen, der vor der Welt schon da war. Und wo sagt die Torah, „von den Bösen kommt Böses“? G‑tt hat es so seiner Hand geschehen lassen, „seiner Hand“: der Hand eines Bösen. Wovon spricht der Vers? Von zwei Menschen, von denen der eine aus Versehen und der andere vorsätzlich getötet hat, ohne dass Augenzeugen es sahen, die Zeugnis ablegen könnten. Der eine wurde darum nicht hingerichtet und der andere nicht in die Verbannung geschickt. Der Ewige aber führt sie in einer Herberge zusammen. Derjenige, der vorsätzlich getötet hat, setzt sich am Fuß der Treppe hin, und derjenige, der aus Versehen getötet hat, geht die Treppe hinauf, fällt aus Versehen auf diesen, der vorsätzlich getötet hat, und tötet ihn. Und Zeugen sagen gegen ihn aus und führen seine Verurteilung zur Verbannung herbei. Es ergibt sich also, dass derjenige, der aus Versehen getötet hat, verbannt wird, und derjenige, der vorsätzlich getötet hat, getötet wird.
Raschi
so werde Ich dir einen Ort festlegen: auch in der Wüste, wohin er fliehe. Und welcher Ort nahm damals auf? Das Lager der Leviim (Makot 12b).
Raschi
וְכִֽי־יָזִ֥ד אִ֛ישׁ עַל־רֵעֵ֖הוּ לְהָרְג֣וֹ בְעָרְמָ֑ה מֵעִ֣ם מִזְבְּחִ֔י תִּקָּחֶ֖נּוּ לָמֽוּת׃ (ס)
14
14
Wenn aber jemand absichtlich seinem Nächsten auflauert, ihn mit Hinterlist zu töten, dann sollst du ihn sogar von Meinem Altar wegholen, damit er sterbe.
Wenn aber jemand absichtlich …: Warum steht das? Weil zuvor steht (Vers 12) מַכֵּה אִישׁ וגו׳ „wer einen anderen schlägt“, hätte ich gemeint, damit ist selbst ein Heide gemeint, oder ein Arzt, der getötet hat, oder ein Bote des Gerichts, der bei der Verabreichung der 40 Schläge getötet hat, oder ein Vater, der seinen Sohn schlägt, oder ein Lehrer, der seinen Schüler züchtigt, oder einer, der aus Versehen gehandelt hat. Darum heißt es „wenn jemand absichtlich“, aber nicht aus Versehen getroffen hat. Seinem Nächsten auflauert: und nicht einem Heiden. Ihn mit Hinterlist zu töten: aber nicht der Bote des Gerichts und der Arzt, und wer seinen Sohn und seinen Schüler züchtigt. Denn, wenn diese auch absichtlich handeln, so haben sie doch keinen bösen Hintergedanken dabei.
Raschi
Somit lehrt der Vers, dass jemand nicht mit dem Tod bestraft wird, außer er handelt sowohl mit Absicht (mit der Absicht, den Schlag auszuführen) als auch mit Hinterlist (mit der Absicht zu töten).
von Meinem Altar: wenn es ein Kohen ist, der gerade den Opferdienst ausführen will, nimm ihn zum Tod hinweg (Joma 85a).
Raschi
וּמַכֵּ֥ה אָבִ֛יו וְאִמּ֖וֹ מ֥וֹת יוּמָֽת׃
15
15
Wer seinen Vater oder seine Mutter schlägt, soll getötet werden.
Wer seinen Vater oder seine Mutter schlägt
Weil wir gelernt haben, dass derjenige, der seinen Nächsten verletzt, zu einer Zahlung, aber nicht zum Tod verurteilt wird, muss der Vers sagen, dass derjenige, der seinen Vater verletzt, todesschuldig ist. Er ist aber nur bei einem Schlag schuldig, der eine Beule herbeiführte.
Raschi
Wer seinen Vater …
וּמַכֵּה אָבִיו וְאִמּוֹ, wörtl. „wer seinen Vater und seine Mutter schlägt“, im Sinn von „oder“: entweder seinen Vater oder seine Mutter.
Raschi
er soll getötet werden: durch Erwürgen (Sanhedrin 84b).
Raschi
וְגֹנֵ֨ב אִ֧ישׁ וּמְכָר֛וֹ וְנִמְצָ֥א בְיָד֖וֹ מ֥וֹת יוּמָֽת׃ (ס)
16
16
Wer einen Menschen stiehlt und verkauft, und das Opfer wurde rechtzeitig bei ihm gefunden, der soll getötet werden.
einen Menschen stiehlt: entführt.
Wer einen Menschen stiehlt und verkauft
Warum steht das? Weil es heißt (Dew. 24:7) כִּי יִמָּצֵא אִישׁ גֹּנֵב נֶפֶשׁ מֵאֶחָיו „wenn ein Mann betroffen wird, wie er eine Person von seinen Brüdern stiehlt“, so hätte ich nur gewusst, wenn ein Mann eine Person stiehlt. Woher weiß ich dasselbe, wenn eine Frau oder solche, die zweifelhaften Geschlechtes sind (טוּמְטוּם אוֹ אַנְדְּרוֹגִינוּס), stehlen? Darum heißt es hier, „wer einen Mann stiehlt und verkauft“. Und weil hier steht, wer einen Mann stiehlt, hätte ich nur gewusst, einen Mann. Woher weiß ich dasselbe, wenn er eine Frau stiehlt? Darum heißt es dort, „wer eine Person stiehlt“. Aus diesem Grund muss beides stehen. Was die eine Stelle fehlen lässt, teilt die andere mit (Sanhedrin 85b).
Raschi
wurde bei ihm gefunden
וְנִמְצָא בְיָדוֹ, wörtl. und er wird in seiner Hand gefunden. Zeugen haben ihn gesehen, wie er ihn gestohlen und verkauft hat, und er war bereits vor dem Verkauf in seiner Hand getroffen worden (Sanhedrin 85b).
Raschi
der soll getötet werden: durch Erwürgen (חֶנֶק). Überall in der Torah, wo eine Hinrichtung ohne weitere Informationen erwähnt wird, ist es Erwürgen (Sanhedrin 84b). Der Vers hat den Zusammenhang unterbrochen und stellt „wer einen Menschen stiehlt“ zwischen „wer seinen Vater oder seine Mutter schlägt“ und „wer seinen Vater verflucht“. Daher, scheint mir, kommt die Meinungsverschiedenheit im Talmud (Sanhedrin 85b), dass der eine lernt, wir vergleichen Schlagen mit Verfluchen, und der andere lernt, wir vergleichen sie nicht miteinander.
Raschi
וּמְקַלֵּ֥ל אָבִ֛יו וְאִמּ֖וֹ מ֥וֹת יוּמָֽת׃ (ס)
17
17
Wer seinen Vater oder seine Mutter verflucht, der soll getötet werden.
Wer seinen Vater oder seine Mutter verflucht
Warum steht das? Weil er sagt (Waj. 20:9) אִישׁ אִישׁ אֲשֶׁר יְקַלֵּל אֶת אָבִיו „ein jeder Mann, der seinen Vater verflucht,“, hätte ich nur einen Mann gewusst, der seinen Vater verflucht. Woher weiß ich dasselbe für eine Frau, die ihren Vater verflucht? Darum heißt es, wer seinen Vater oder seine Mutter verflucht, ohne weitere Bestimmung, sei es Mann oder Frau. Wenn es so ist, warum steht dann אִישׁ אֲשֶׁר יְקַלֵּל „ein Mann, der verflucht“? Das will ein Kind ausschließen.
Raschi
soll getötet werden: durch Steinigung. Überall, wo steht דָּמָיו בּוֹ „seine Blutschuld ruht auf ihm“, ist Steinigung gemeint, und die Quelle für alle Stellen ist (Waj. 20:27) בָּאֶבֶן יִרְגְּמוּ אוֹתָם דְּמֵיהֶם בָּם „mit Steinen töte man sie“, ihre Blutschuld ruht auf ihnen. Und bei dem, der Vater oder Mutter verflucht, steht (Waj. 20:9) דָּמָיו בּוֹ „seine Blutschuld ruht auf ihm“.
Raschi
וְכִֽי־יְרִיבֻ֣ן אֲנָשִׁ֔ים וְהִכָּה־אִישׁ֙ אֶת־רֵעֵ֔הוּ בְּאֶ֖בֶן א֣וֹ בְאֶגְרֹ֑ף וְלֹ֥א יָמ֖וּת וְנָפַ֥ל לְמִשְׁכָּֽב׃
18
18
Wenn Menschen streiten, und einer den anderen mit einem Stein oder mit der Faust schlägt, und er stirbt zwar nicht, liegt aber verletzt im Bett:
Wenn Menschen streiten
Warum steht das? Weil es heißt (zuvor, Vers 24) עַיִן תַּחַת עַיִן „Auge für Auge“, hätte ich nur gewusst, dass er den Wert der Gliedmaßen bezahlen muss, aber die Versäumnis (שֶׁבֶת) und die Heilung (רִפּוּי) hätten wir nicht gewusst. Darum steht dieser Abschnitt.
Raschi
liegt im Bett
וְנָפַל לְמִשְׁכָּב, wörtl. fällt aufs Lager. Wie der Targum sagt וְיִפּוֹל לְבוּטְלָן „er fällt in Untätigkeit“; in eine Krankheit, die ihn zur Unterbrechung der Arbeit zwingt.
Raschi
אִם־יָק֞וּם וְהִתְהַלֵּ֥ךְ בַּח֛וּץ עַל־מִשְׁעַנְתּ֖וֹ וְנִקָּ֣ה הַמַּכֶּ֑ה רַ֥ק שִׁבְתּ֛וֹ יִתֵּ֖ן וְרַפֹּ֥א יְרַפֵּֽא׃ (ס)
19
19
Wenn er wieder aufsteht und mit eigener Kraft draußen herumgehen kann, dann geht der Schläger frei; nur seine versäumten Arbeitstage erstatte der Täter und lasse ihn heilen.
mit eigener Kraft
עַל מִשְׁעַנְתּוֹ, auf seine Gesundheit und Kraft gestützt.
Raschi
Nicht „auf seinen Stock gestützt“ ist hier mit עַל מִשְׁעַנְתּוֹ gemeint, denn eine solche Person ist noch nicht geheilt. Sondern dieser Vers beschreibt mit מִשְׁעַנְתּוֹ die Gesundheit und Kraft des Menschen: so wie ein Stock den Menschen in seinem Gehen stützt, so trägt ihn hier die eigene körperliche Kraft und Gesundheit.
Misrachi
geht der Schläger frei
וְנִקָּה הַמַּכֶּה, wörtl. dann ist der Schläger frei. Konntest du denn meinen, dass dieser getötet werde, nachdem er nicht selbst getötet hat? Nur, der Vers lehrt dich, dass man ihn einsperrt, bis wir sehen, ob der andere geheilt wird. Und so ist der Sinn, wenn der eine wieder aufsteht und aus seiner eigenen Kraft umhergeht, dann ist frei, der ihn geschlagen hat. Aber solange jener nicht aufsteht, ist nicht frei, der ihn geschlagen hat (Ketubot 33b).
Raschi
seine versäumten Arbeitstage
שִׁבְתּוֹ, wörtl. sein Ruhen.
nur seine versäumten Arbeitstage: die Versäumnis seiner Arbeit während seiner Krankheit. Wenn er ihm seine Hand oder seinen Fuß abgehauen hat, betrachtet man die Versäumnis seiner Arbeit während seiner Krankheit, als wenn er ein Hüter von Kürbissen wäre. Denn auch nach der Krankheit wird er zu einer Arbeit mit der Hand oder dem Fuß nicht mehr fähig sein. Im Schadenersatz hat er ihm aber bereits den Wert seiner Hand oder seines Fußes ersetzt. So steht (Vers 24) יָד תַּחַת יָד רֶגֶל תַּחַת רָגֶל „Hand für Hand, Fuß für Fuß“ (Bawa Kama 83b).
Raschi
lasse ihn heilen
וְרַפֹּא יְרַפֵּא, wörtl. er heile ihn. Wie der Targum sagt [וַאֲגַר אַסְיָא יְשַׁלֵּים] „zahle ihm den Lohn des Arztes“.
Raschi