Der tägliche Chumasch-Abschnitt

26. Schwat 5787

Mittwoch, 3. Februar 2027

Heute

Mischpatim

4. Alija

(Schemot 22:27 – 23:5)

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אֱלֹהִ֖ים לֹ֣א תְקַלֵּ֑ל וְנָשִׂ֥יא בְעַמְּךָ֖ לֹ֥א תָאֹֽר׃
27
27
Du darfst G‑tt und du darfst einen Richter nicht verfluchen, und du darfst ein Oberhaupt in deinem Volk nicht verfluchen.
Du darfst G‑tt nicht verfluchen
[In den Worten אֱלֹהִים לֹא תְקַלֵּל sind zwei Verbote umfasst:] Das ist die Verwarnung vor einem Fluchen gegen G‑tt und die Verwarnung vor dem Verfluchen eines Richters (Sanhedrin 66a).
Raschi
ein Oberhaupt in deinem Volk
נָשִׂיא בְעַמְּךָ „Oberhaupt in deinem Volk“:
Das Oberhaupt, das über dein Volk eingesetzt wurde, der König. [Ibn Esra]

Auch das Oberhaupt des Sanhedrin ist im Begriff נָשִׂיא enthalten. [Rambam: Hil. Sanhedrin 26:1, Sefer haMizwot, Verbot 316]

נָשִׂיא bezeichnet a. den König, b. das Oberhaupt über das gesamte Volk, oder c. den Vorsitzenden des Sanhedrin; nicht aber das Oberhaupt über einen einzelnen Stamm (נְשִׂיא שֵׁבֶט). [Ralbag]

ein Oberhaupt in deinem Volk

נָשִׂיא בְעַמְּךָ, ein Oberhaupt בְעַמְּךָ, dessen Taten deinem Volk würdig sind. Ist er aber ein g‑ttloser Mensch, so bist du keiner Übertretung schuldig. [Mechilta, Kaspa, Kap. 19; Bawa Batra 4a]

Beim Richter ist diese Einschränkung nicht nötig, weil er wohl seinem Amt entsprechend eingesetzt wurde, wie es heißt (Schem. 18:1) יִרְאֵי אֱלֹהִים אַנְשֵׁי אֱמֶת שֹׂנְאֵי בָצַע „g‑ttesfürchtige, wahrhafte und unbestechliche Männer“. Die Königswürde aber ist erblich. [Aderet Elijahu, Chidusche haGris]

ein Oberhaupt

Das Oberhaupt wird נָשִׂיא genannt, weil es erhaben (hebr. נִשָּׂא) über das Volk ist.
Ramban
verfluchen … verfluchen
אֱלֹהִים לֹא תְקַלֵּל „Du darfst einen Richter nicht verfluchen (tekalel)“, וְנָשִׂיא בְעַמְּךָ לֹא תָאֹר „Du darfst ein Oberhaupt in deinem Volk nicht verfluchen (taor)“.
Der Ausdruck קְלָלָה beschreibt ein Fluchen ins Angesicht. Dabei wird der Andere vor den Augen der Mitmenschen entehrt.

Der Ausdruck מְאֵרָה bzw. אֲרִירָה beschreibt ein Verwünschen ohne Beisein des Betroffenen. [Ibn Esra, Mechokeke Jehuda]

Der Ausdruck קְלָלָה beschreibt das Herabsetzen einer Person; es zielt auf die öffentliche Demütigung.

Der Ausdruck אֲרִירָה ist ein Verwünschen, dass dem Anderen schweres Unglück widerfahre.
Aderet Elijahu: Kizur Mechilta
מְלֵאָתְךָ֥ וְדִמְעֲךָ֖ לֹ֣א תְאַחֵ֑ר בְּכ֥וֹר בָּנֶ֖יךָ תִּתֶּן־לִּֽי׃
28
28
Von deinen frisch gereiften Früchten und deiner Ernte darfst du die Abgabe nicht verzögern. Den Erstgeborenen deiner Söhne sollst du Mir geben.
deinen frisch gereiften Früchten
מְלֵאָתְךָ bedeutet deine Abgaben; die Pflicht, die du hast, wenn deine Ernte voll wird, um zu reifen, das sind die Erstlingsfrüchte (בִּכּוּרִים).
Raschi
Teruma: nach der Festsetzung der Erstlingsfrüchte (בִּכּוּרִים) wird ein Teil der Ernte für die Kohanim abgetrennt.
deiner Ernte
וְדִמְעֲךָ „deine Ernte“ bezieht sich auf die Teruma. Warum der Ausdruck דֶּמַע verwendet wird, weiß ich nicht.
Raschi
Es fällt Raschi schwer, den Ausdruck דֶּמַע im Zusammenhang mit der Saat zu erklären. Denn der Ausdruck דֶּמַע bezieht sich auf die Ernte selbst und nicht auf die Teruma, die Abgabe davon. So finden wir zum Vers (Dew. 22:9) פֶּן תִּקְדַּשׁ הַמְלֵאָה הַזֶּרַע „sonst wäre verboten die Fülle der Saat“, dass Onkelos übersetzt דִּלְמָא תִסְתָּאַב דִּמְעַת זַרְעָא, d.h. die Ernte wird דֶּמַע genannt. [Misrachi]
דִמְעֲךָ לֹא תְאַחֵר bezieht sich auf die Abgabepflicht der Saat, doch fällt es Raschi schwer, den Ausdruck דֶּמַע im Zusammenhang mit der Saat zu erklären. Wenn die Ernte reif ist, wird sie מְלֵיאָה genannt, weil das Saatkorn den Halm füllt, מְמַלֵּא אֶת הַקַשׁ. Das ist der Zeitpunkt für die Erstlingsfrüchte, und so sagt der Vers מְלֵאָתְךָ, d.h. das ist die Mizwa, wenn die Ernte „in Fülle steht“. Und דִמְעֲךָ – die Mizwa, die dir obliegt, wenn das Saatkorn vom Halm getrennt wird, wie die Träne (דֶּמַע) vom Auge, das ist die Mizwa von Teruma.
Gur Arye
darfst du nicht verzögern
Ändere nicht die Reihenfolge, das Frühere aufzuschieben und das Spätere früher zu geben. Gib nicht Teruma vor Bikurim, und Ma∙asser vor Teruma.
Raschi
Den Erstgeborenen deiner Söhne sollst du Mir geben
Du sollst sie mit fünf Münzen aus echtem Silber vom Kohen auslösen. Zwar kommt diese Mizwa schon an anderer Stelle in der Torah vor (Schem. 13:13), aber hier wird es verbunden mit (nächster Vers) כֵּן תַּעֲשֶׂה לְשׁוֹרֶךָ „so sollst du auch tun mit deinen Ochsen …“. Wie man den Erstgeborenen (בְּכוֹר) des Menschen nach 30 Tagen auslöst, wie es heißt (Bam. 18:16) וּפְדוּיָו מִבֶּן חֹדֶשׁ תִּפְדֶּה „seine Auszulösenden sollst du von einem Monat an auslösen“, so halte man auch das Erstgeborene des Viehs 30 Tage lang, und erst dann gebe man es dem Kohen (Bechorot 27b).
Raschi
כֵּֽן־תַּעֲשֶׂ֥ה לְשֹׁרְךָ֖ לְצֹאנֶ֑ךָ שִׁבְעַ֤ת יָמִים֙ יִהְיֶ֣ה עִם־אִמּ֔וֹ בַּיּ֥וֹם הַשְּׁמִינִ֖י תִּתְּנוֹ־לִֽי׃
29
29
So sollst du auch tun mit deinen Ochsen, mit deinen Schafen; sieben Tage soll das erstgeborene Tier bei seiner Mutter bleiben, am achten Tag kannst du es Mir geben.
sieben Tage soll es bei seiner Mutter bleiben
Das ist eine Verwarnung für den Kohen, dass wenn er sein Opfer beschleunigen will, er es nicht vor acht Tagen beschleunigen kann, weil ihm das Alter noch fehlt.
Raschi
am achten Tag kannst du es Mir geben
Ich könnte meinen, dass es am achten Tag gegeben werden muss. Hier steht „am achten Tag“, und weiter steht (Waj. 22:27) וּמִיּוֹם הַשְּׁמִינִי וָהָלְאָה יֵרָצֶה „vom achten Tag an und weiter wird es wohlgefällig aufgenommen“. Wie der „achte Tag“ dort bedeutet: vom achten an und weiter, so bedeutet auch der „achte Tag“ hier: vom achten an und weiter. Und so ist die Bedeutung dieses Verses: am achten Tag kannst du es Mir geben.
Raschi
וְאַנְשֵׁי־קֹ֖דֶשׁ תִּהְי֣וּן לִ֑י וּבָשָׂ֨ר בַּשָּׂדֶ֤ה טְרֵפָה֙ לֹ֣א תֹאכֵ֔לוּ לַכֶּ֖לֶב תַּשְׁלִכ֥וּן אֹתֽוֹ׃ (ס)
30
30
Heilige Menschen sollt ihr Mir sein. Das Fleisch eines auf dem Feld gerissenen Tieres sollt ihr nicht essen; dem Hund sollt ihr es vorwerfen.
Heilige Menschen sollt ihr Mir sein
Wenn ihr heilig seid und euch zurückhaltet vom Gräuel gefallener Tiere (נְבֵלוֹת) und gerissener Tiere (טְרֵפוֹת), dann gehört ihr Mir, und wenn nicht, gehört ihr nicht Mir.
Raschi
Das Fleisch eines auf dem Feld gerissenen Tieres
Wenn das Tier im Haus gerissen wurde, gilt dieselbe Halacha. Nur spricht der Vers davon, wie es gewöhnlich vorkommt – auf dem Feld, wo gewöhnlich Tiere gerissen werden. Ebenso (Dew. 22:25) כִּי בַשָּׂדֶה מְצָאָהּ „denn auf dem Feld hat er sie gefunden“; ebenso (Dew. 23:11) אֲשֶׁר לֹא יִהְיֶה טָהוֹר מִקְּרֵה לָיְלָה „der infolge eines nächtlichen Vorfalles nicht rein ist“, dasselbe ist auch der Fall durch eine Unreinheit am Tag, nur spricht der Vers, wie es gewöhnlich vorkommt.
Die Worte וּבָשָׂר בַּשָּׂדֶה טְרֵפָה werden von Onkelos übersetzt als וּבְשַׁר תְּלִישׁ מִן חֵיוָא חַיָא „Fleisch, das von einem lebenden Tier abgerissen ist“, Fleisch, das durch das Anfallen eines Wolfes oder eines Löwen abgerissen wurde von einem erlaubten Wild (חַיָּה כְּשֵׁרָה) oder einem erlaubten zahmen Tier (בְּהֵמָה כְּשֵׁרָה), während es noch lebte.
Raschi
dem Hund sollt ihr es vorwerfen
Auch dem Nichtjuden darfst du es ebenso wie dem Hund geben. Oder vielleicht ist es nicht so, sondern wörtlich nur dem Hund? Bei gefallenem Fleisch (נְבֵלָה) steht deshalb אוֹ מָכֹר לְנָכְרִי „oder dem Nichtjuden verkaufen“ (Dew. 14:21); um so mehr ist von gerissenem Fleisch (טְּרֵפָה) jede Nutznießung erlaubt. Wenn es so ist, warum steht dann „dem Hund“? Um dich zu lehren, dass der Hund den Vorzug hat. Und der Vers lehrt dich, dass der Ewige den Lohn keines Geschöpfes vorenthält. So heißt es (Schem. 11:7) וּלְכֹל בְּנֵי יִשְׂרָאֵל לֹא יֶחֱרַץ כֶּלֶב לְשֹׁנוֹ „gegen alle Kinder Israel wird kein Hund seine Zunge spitzen“, darum sagt der Ewige, gebt ihm den Lohn dafür.
Raschi
לֹ֥א תִשָּׂ֖א שֵׁ֣מַע שָׁ֑וְא אַל־תָּ֤שֶׁת יָֽדְךָ֙ עִם־רָשָׁ֔ע לִהְיֹ֖ת עֵ֥ד חָמָֽס׃ (ס)
1
1
Nimm kein falsches Gerücht auf; biete deine Hand nicht einem Bösen, und sage in einer Streitsache nicht so aus, um ihm als Zeuge für eine böse Tat zu dienen.
Nimm kein falsches Gerücht auf
לֹא תִשָּׂא שֵׁמַע שָׁוְא bedeutet, wie Targum Onkelos sagt לָא תְקַבֵּיל שֵׁימַע דִּשְׁקַר „nimm kein lügenhaftes Gerücht an“. Das ist eine Verwarnung für den, der böse Rede (לָשׁוֹן הָרָע) annimmt; und eine Verwarnung für den Richter, dass er nicht die Worte der einen Streitpartei anhören darf, bevor auch die andere Streitpartei anwesend ist.
Raschi
Nimm kein falsches Gerücht auf
לֹא תִשָּׂא שֵׁמַע שָׁוְא bedeutet, sprich keine böse Rede (לָשׁוֹן הָרָע). [Ibn Esra]
לֹא תִשָּׂא שֵׁמַע שָׁוְא bedeutet, sprich keine Unwahrheit.
Chiskuni
Nimm kein falsches Gerücht auf
Wenn man hört, dass eine schlechte Sache über einen anderen Juden erzählt wird, auch wenn man ihn nicht kennt, sollte man besorgt sein. Denn eines von beiden ist sicher nicht gut: wenn es wahr ist, was man über jenen Menschen erzählt – dann ist er in einer schlechten moralischen Verfassung. Und wenn es nicht stimmt – dann ist der Erzähler in einer schlechten moralischen Verfassung.
Rabbi Israel Baal Schem Tow, HaJom Jom 12. Kislew
Biete deine Hand nicht einem Bösen: der eine lügenhafte Forderung gegen jemanden vorbringt und du ihm versprichst, für ihn als Zeuge aufzutreten.
Raschi
לֹֽא־תִהְיֶ֥ה אַחֲרֵֽי־רַבִּ֖ים לְרָעֹ֑ת וְלֹא־תַעֲנֶ֣ה עַל־רִ֗ב לִנְטֹ֛ת אַחֲרֵ֥י רַבִּ֖ים לְהַטֹּֽת׃
2
2
Folge nicht der Mehrheit zum Bösen, und sage in einer Streitsache nicht so aus, dass du das Recht verdrehst, wenn du dich der Mehrheit anschließt.
Folge nicht der Mehrheit zum Bösen
Zu diesem Vers gibt es Midraschim der Weisen Israels; aber der Wortlaut des Verses lässt sich in seinem Zusammenhang nur schwer damit vereinen. Von hier deutet man (Sanhedrin 2a), dass man nicht verurteilt, wenn nur ein einziger Richter mehr als die Hälfte die Entscheidung unterstützt. Und den Schluss des Verses deutet man אַחֲרֵי רַבִּים לְהַטֹּת „nach der Mehrheit ist zu entscheiden“: wenn zwei mehr sind, die verurteilen, als freisprechen, dann verurteile auf ihren Ausspruch hin. Der Vers spricht von Prozessen mit möglicher Todesstrafe (דִינֵי נְפָשׁוֹת). [Das Gesetz, wonach ein Angeklagter nicht durch die Mehrheit einer einzelnen Stimme schuldig gesprochen werden darf, findet einzig Anwendung in Verfahren mit möglicher Todesstrafe. In allen übrigen Rechtssachen gilt dieses Gesetz nicht, dort wird mit einfacher Stimmenmehrheit der Richter entschieden, auch wenn das Urteil auf schuldig lautet.]
Und die Mitte des Verses deutet man וְלֹא תַעֲנֶה עַל רִב „sage nicht aus in einer Rechtssache“: das Wort רִב wird gelesen als רַב, gegen den Vorsitzenden, dass man nicht dem Obersten im Gericht widerspreche. Darum beginnt man bei Prozessen über das Leben bei der Abstimmung an den Seiten, d.h. man fragt zuerst die Jüngsten, dass sie ihre Meinung sagen (Sanhedrin 32a).

Nach den Worten unserer Weisen ist die Deutung des Verses so: לֹא תִהְיֶה אַחֲרֵי רַבִּים לְרָעֹת „Folge nicht der Mehrheit zum Bösen“ wegen eines Richters, durch den die Verurteilenden mehr sind als die Freisprechenden, zum Tod zu verurteilen. וְלֹא תַעֲנֶה עַל רַב „Und sage nicht aus gegen den Vorsitzenden“: indem du von seinen Worten abweichst. Weil das Wort רב ohne den Buchstaben י (Jud) geschrieben ist, haben sie es als רַב „Vorsitzender“ gedeutet. אַחֲרֵי רַבִּים לְהַטּוֹת „nach der Mehrheit zu entscheiden“: es gibt eine Mehrheit, nach der du entscheiden sollst, und zwar wann? Wenn zwei mehr sind, die verurteilen, als freisprechen. Und weiters entnehme ich aus den Worten לֹא תִהְיֶה אַחֲרֵי רַבִּים לְרָעֹת „sei nicht nach der Mehrheit zum Bösen“: aber sei mit ihr zum Guten. Darum sagten sie, Urteile über das Leben fälle man bei einer Mehrheit durch einen Richter wohl zum Freispruch, aber nur bei einer Mehrheit von zwei Richtern zur Schuld.

Onkelos übersetzt: וְלָא תִתְמְנַע מִלְּאַלָּפָא מָא דִּבְעֵינָךְ עַל דִּינָא „Halte dich nicht zurück, deine Meinung zu sagen, wenn du in einer Rechtssache gefragt wirst“. Nach dem Targum ist der hebräische Text des Verses so zu erklären: Antworte nicht in einer Rechtssache ausweichend; wenn man dich in einer Rechtssache fragt, antworte nicht, um nach der einen Seite auszuweichen und dich dem Prozess zu entziehen, sondern urteile in wahrhafter Weise.

Ich aber sage, um nach dem einfachen Sinn dem Zusammenhang entsprechend zu erklären, dass so die Deutung ist: לֹא תִהְיֶה אַחֲרֵי רַבִּים לְרָעֹת „Sei nicht nach der Mehrheit zum Bösen“: wenn du Böse das Recht beugen siehst, sage nicht, weil sie die Mehrheit sind, schließe ich mich ihnen an.
וְלֹא תַעֲנֶה עַל רִב לִנְטֹת „Und sage in einer Rechtssache nicht aus, um abzubiegen“: wenn der Verurteilte über jenes Urteil fragt, gib ihm in der Rechtssache nicht eine Antwort, die zu jener Mehrheit neigt, wodurch du das Recht von der Wahrheit abbiegen würdest. Sondern sprich das Recht aus so, wie es ist, und die Verantwortung [קוֹלָר, wörtl. das Halseisen] liege auf dem Nacken der Mehrheit.
Raschi
וְדָ֕ל לֹ֥א תֶהְדַּ֖ר בְּרִיבֽוֹ׃ (ס)
3
3
Den Armen begünstige nicht in seiner Streitsache.
begünstige nicht: erweise ihm nicht Ehre, um ihn in der Rechtssache freizusprechen und zu sagen, er ist arm, darum will ich ihn freisprechen und ihn ehren.
Raschi
כִּ֣י תִפְגַּ֞ע שׁ֧וֹר אֹֽיִבְךָ֛ א֥וֹ חֲמֹר֖וֹ תֹּעֶ֑ה הָשֵׁ֥ב תְּשִׁיבֶ֖נּוּ לֽוֹ׃ (ס)
4
4
Wenn du den Ochsen deines Feindes oder seinen Esel triffst, der sich verirrt hat, dann sollst du ihm das Tier zurückbringen.
כִּֽי־תִרְאֶ֞ה חֲמ֣וֹר שֹׂנַאֲךָ֗ רֹבֵץ֙ תַּ֣חַת מַשָּׂא֔וֹ וְחָדַלְתָּ֖ מֵעֲזֹ֣ב ל֑וֹ עָזֹ֥ב תַּעֲזֹ֖ב עִמּֽוֹ׃ (ס)
5
5
Wenn du siehst, wie der Esel deines Hassers unter seiner Last erliegt, und du möchtest dich entziehen, ihm zu helfen? Hilf mit ihm, die Last gemeinsam abzunehmen.
Wenn du siehst
כִּי תִרְאֶה „wenn du siehst“: das Wort כִּי hat hier die Bedeutung von דִּלְמָא „vielleicht“; das ist eine der vier Bedeutungen bei der Verwendung von כִּי.
Und so ist die Erklärung: כִּי תִרְאֶה חֲמוֹר שֹׂנַאֲךָ רֹבֵץ תַּחַת מַשָּׂאוֹ „vielleicht siehst du seinen Esel unter seiner Last erliegen“, וְחָדַלְתָּ מֵעֲזֹב לוֹ „und du möchtest dich entziehen?“ – als Frage.
Raschi
Hilf ihm
עָזֹב תַּעֲזֹב עִמּוֹ, das Wort עָזֹב bedeutet hier „helfen“; ebenso (1 Kön. 14:10) עָצוּר וְעָזוּב „Verschlossenes und Verwahrtes“; ebenso (Nech. 3:8) וַיַּעַזְבוּ יְרוּשָׁלַיִם עַד הַחוֹמָה „sie befestigten Jeruschalaim bis zur Mauer“, füllten mit Erde aus, um die Stärke der Mauer zu befestigen und zu stützen. Ähnlich im Vers (Dew. 7:17–18) כִּי תֹאמַר בִּלְבָבְךָ רַבִּים הַגּוֹיִם הָאֵלֶּה מִמֶּנִּי „wenn du in deinem Herzen sprechen solltest, zu zahlreich sind diese Völker für mich“, ist כִּי תֹאמַר die Form einer Frage: Sagst du etwa so?, [und als Antwort darauf] לֹא תִירָא מֵהֶם „Fürchte dich nicht vor ihnen“.
Als Ableitung (Midrasch) haben es unsere Lehrer so erklärt: כִּי תִּרְאֶה … וְחָדַלְתָּ „wenn du siehst, kannst du dich entziehen“. In manchen Fällen kannst du dich entziehen, und in manchen Fällen musst du helfen. Wie ist das? Ein alter Mann, für dessen Ehre es nicht passt, kann sich entziehen; oder dem Tier eines Nichtjuden, wenn auch die Last einem Juden gehört, kannst du dich entziehen.
Raschi
Hilf mit ihm
עָזֹב תַּעֲזֹב עִמּוֹ „Hilf mit ihm“, die Last abzunehmen. Onkelos übersetzt מִלְּמִשְׁקַל לֵהּ „ihm abzunehmen“, die Last von ihm herunterzunehmen.
Raschi