מִדְּבַר־שֶׁ֖קֶר תִּרְחָ֑ק וְנָקִ֤י וְצַדִּיק֙ אַֽל־תַּהֲרֹ֔ג כִּ֥י לֹא־אַצְדִּ֖יק רָשָֽׁע׃
7
7
Von Lügenworten halte dich fern! Einen Unschuldigen und Rechtschaffenen töte nicht, denn Ich lasse den Schuldigen nicht ungestraft.
Einen Unschuldigen und Rechtschaffenen töte nicht
Woher wissen wir, dass wenn einer vom Gericht verurteilt worden ist und einer sagt, ich weiß etwas zu seinen Gunsten (זְכוּת), man ihn zum Gericht zurückbringt? Darum heißt es „einen Unschuldigen töte nicht“; wenn er auch nicht gerecht, das heißt vom Gericht nicht für gerecht erkannt worden ist, so ist er doch vom Todesurteil frei, weil du ihn freimachen kannst.
Und woher wissen wir, dass wenn einer vom Gericht freigesprochen worden ist und einer sagt, ich weiß etwas zu seinen Ungunsten (חוֹבָה), man ihn nicht zum Gericht zurückbringt? Darum heißt es „einen Rechtschaffenen töte nicht“; dieser Rechtschaffene ist ein solcher, der vom Gericht für gerecht erkannt worden ist (Sanhedrin 33b).
Raschi
denn Ich lasse den Schuldigen nicht ungestraft
Du sollst ihn nicht zurückbringen. Denn Ich lasse ihn in Meinem Gericht nicht ungestraft; wenn er auch aus deiner Hand ohne Strafe hervorgeht, so habe Ich viele Boten, ihn mit der Todesstrafe zu töten, die er verdient.
Raschi
וְשֹׁ֖חַד לֹ֣א תִקָּ֑ח כִּ֤י הַשֹּׁ֙חַד֙ יְעַוֵּ֣ר פִּקְחִ֔ים וִֽיסַלֵּ֖ף דִּבְרֵ֥י צַדִּיקִֽים׃
8
8
Bestechung darfst du nicht annehmen; denn Bestechung macht Sehende blind und verdreht wahre Worte.
Bestechung darfst du nicht annehmen: sogar um nach der Wahrheit zu entscheiden, und umso weniger, um das Recht zu beugen. Um das Recht zu beugen, heißt es schon (Dew. 16:19) לֹא תַטֶּה מִשְׁפַּט „beuge nicht das Recht“.
Raschi
macht Sehende blind: sogar ein Torahgelehrter (חָכָם בַּתּוֹרָה), der Bestechung annimmt, wird zuletzt in seinem Geist verwirrt, sein Wissen geht ihm verloren und das Licht seiner Augen wird dunkel.
Raschi
verdreht
וִיסַלֵּף bedeutet, wie der Targum sagt וּמְקַלְקֵיל „verdirbt“.
Raschi
wahre Worte
דִּבְרִי צַדִּיקִים [bezieht sich nicht auf die Richter, um sie צַדִּיקִים „Gerechte“ zu nennen, sondern] im Sinn von דְּבָרִים הַמְּצֻדָּקִים „gerechte Worte“, wahre Urteile. So sagt auch der Targum פִּתְגָמִין תְּרִיצִין „gerade Worte“, gerechte Worte.
Raschi
וְגֵ֖ר לֹ֣א תִלְחָ֑ץ וְאַתֶּ֗ם יְדַעְתֶּם֙ אֶת־נֶ֣פֶשׁ הַגֵּ֔ר כִּֽי־גֵרִ֥ים הֱיִיתֶ֖ם בְּאֶ֥רֶץ מִצְרָֽיִם׃
9
9
Einen Fremden (Ger) darfst du nicht bedrücken. Ihr kennt die Seele des Fremden, denn Fremde wart ihr im Land Mizraim.
Einen Fremden: das ist der Ger Zedek, der die 613 Mizwot angenommen hat.
Einen Fremden (Ger) darfst du nicht bedrücken
An vielen Stellen warnt die Torah betreffend dem Fremden, weil er sich schnell abwendet (מִפְּנֵי שֶׁסּוּרוֹ רַע). (Bawa Mezia 59b)
Raschi
רַע kommt vom Begriff שְׂאוֹר שֶׁבָּעִיסָּה „das Saure im Teig“, ein Begriff für den bösen Trieb im Herzen, d.h. sein böser Trieb ist leicht zu reizen und zu verführen. Andere Erklärung: Wenn er vom rechten Weg abkommt, יָסוּר מִן הַדֶּרֶךְ, ist er nicht mehr zurückzubewegen.
Minchat Jehuda
Ein Mensch, der neu in die jüdische Gemeinschaft gekommen ist kann noch stark von seinem Drang zum Bösen getrieben sein. Da er früher vielen Versuchungen nachgegeben hat, wirken alten Gewohnheiten noch in ihm nach, und er muss besonders wachsam sein. Wer einem solchen Menschen mit Härte begegnet, trägt dazu bei, dass er vom rechten Weg abkommt.
Gur Arye
die Seele des Fremden
יְדַעְתֶּם אֶת נֶפֶשׁ הַגֵּר, wörtl. ihr kennt die Seele eines Ger. Wie weh es ihm tut, wenn man ihn bedrückt.
Raschi
Ein Mensch, der zum Judentum übertritt, lässt alles hinter sich, was ihm vertraut war. Er fühlt sich deshalb oft einsam und ohne Beistand, wie ein Fremder in einem neuen Land. Die Torah erinnert daran, dass das jüdische Volk selbst als Schutzsuchende in Mizraim lebte. Die Erinnerung an jenes Erleben soll helfen, die Herzenslage und Seelennot des Fremden zu begreifen und ihm mit Mitgefühl zu begegnen.
die Seele des Fremden
נֶפֶשׁ הַגֵּר im Sinn von מוּעָקָת נֶפֶשׁ הַגֵר, Beklemmung und Bedrängnis der Seele.
Ibn Esra
וְהַשְּׁבִיעִ֞ת תִּשְׁמְטֶ֣נָּה וּנְטַשְׁתָּ֗הּ וְאָֽכְלוּ֙ אֶבְיֹנֵ֣י עַמֶּ֔ךָ וְיִתְרָ֕ם תֹּאכַ֖ל חַיַּ֣ת הַשָּׂדֶ֑ה כֵּֽן־תַּעֲשֶׂ֥ה לְכַרְמְךָ֖ לְזֵיתֶֽךָ׃
11
11
Im siebten Jahr sollst du das Feld freigeben und es überlassen, und es sollen die Bedürftigen in deinem Volk davon essen, und den Rest esse das Wild des Feldes; dasselbe sollst du mit deinem Weinberg und Ölbäumen tun.
sollst du freigeben
תִּשְׁמְטֶנָּה „sollst du freigeben“ von der Arbeit.
Raschi
und es überlassen
וּנְטַשְׁתָּהּ „und es überlassen“: nach der Zeit des Wegräumens nicht davon zu essen.
Andere Erklärung: freigeben von vollkommener Arbeit wie Pflügen und Säen, und überlassen, nicht zu düngen und Bäume zu pflegen.
Raschi
und den Rest esse das Wild des Feldes: der Vers vergleicht die Speise des Armen mit der Nahrung des Wildes. Wie das Wild isst, ohne Ma∙asser zu geben, so dürfen auch die Bedürftigen davon essen, ohne Ma∙asser zu geben. Aus diesem Vers leiteten die Weisen ab: im siebten Jahr wird kein Ma∙asser gegeben.
Raschi
Ma∙asser: vom Wort עֶשֶׂר (esser) „zehn“, die Zehntabgabe.
dasselbe sollst du mit deinem Weinberg tun: der Anfang des Verses spricht von einem Getreidefeld, wie es im Vers zuvor heißt: „besäe das Land“.
Raschi
שֵׁ֤שֶׁת יָמִים֙ תַּעֲשֶׂ֣ה מַעֲשֶׂ֔יךָ וּבַיּ֥וֹם הַשְּׁבִיעִ֖י תִּשְׁבֹּ֑ת לְמַ֣עַן יָנ֗וּחַ שֽׁוֹרְךָ֙ וַחֲמֹרֶ֔ךָ וְיִנָּפֵ֥שׁ בֶּן־אֲמָתְךָ֖ וְהַגֵּֽר׃
12
12
Sechs Tage verrichte deine Arbeit, aber am siebten Tag sollst du ruhen, damit dein Ochse und dein Esel ruhe, und der Sohn deiner Sklavin und der Fremde.
am siebten Tag sollst du ruhen: auch im siebten Jahr sollst du den wöchentlichen Schabbat nicht von der Stelle rücken. Damit du nicht sagest, weil das ganze Jahr „Schabbat“ genannt wird, brauchst du den wöchentlichen Schabbat nicht zu beachten.
Raschi
damit dein Ochs und dein Esel ruhe: gib ihm Erholung. Er erlaubt damit, dass das Tier Gräser von der Erde abreiße und fresse. Oder viellleicht nicht, sondern er sperre es im Haus ein? Dann musst du aber zugeben, dass dies keine Erholung, sondern eine Qual wäre.
Raschi
der Sohn deiner Sklavin
Vom unbeschnittenen Sklaven (עֶבֶד עָרֵל) spricht der Vers.
Raschi
Zuvor bei den Zehn Geboten steht (20:10) „Aber der siebte Tag ist ein Schabbat für den Ewigen, deinen G‑tt. An diesem Tag sollst du keine Arbeit tun – du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave, deine Sklavin …“ Warum wird das hier wiederholt?]
Solange der Übertritt zum Judentum noch nicht vollzogen ist, bindet ihn das Schabbatgesetz noch nicht persönlich. Der Vers lehrt, dass sein Herr ihm dennoch die Schabbatruhe zugestehen muss. Er darf von ihm an diesem Tag keine Arbeit fordern, die den heiligen Ruhetag bricht.
der Fremde: das ist der Ger Toschaw.
Raschi
Ger Toschaw: ein Nichtjude, der im Land Israel lebt und die Sieben Gebote Noachs auf sich genommen hat.
וּבְכֹ֛ל אֲשֶׁר־אָמַ֥רְתִּי אֲלֵיכֶ֖ם תִּשָּׁמֵ֑רוּ וְשֵׁ֨ם אֱלֹהִ֤ים אֲחֵרִים֙ לֹ֣א תַזְכִּ֔ירוּ לֹ֥א יִשָּׁמַ֖ע עַל־פִּֽיךָ׃
13
13
In allem, was Ich euch gesagt habe, hütet euch; den Namen der Götter anderer Völker dürft ihr nicht erwähnen, er soll nicht durch deine Veranlassung gehört werden.
In allem, was Ich euch gesagt habe, hütet euch
וּבְכֹל אֲשֶׁר אָמַרְתִּי אֲלֵיכֶם תִּשָּׁמֵרוּ „In allem, was Ich euch gesagt habe, hütet euch“: Der Vers verbindet damit jedes Gebot auch mit einer Verwarnung (einem Verbot). Denn der Ausdruck שְׁמִירָה in der Torah bedeutet überall eine Verwarnung an Stelle eines Verbotes (Menachot 6b).
Raschi
den Namen fremder Götter dürft ihr nicht erwähnen
Man darf nicht zu einem anderen sagen: Warte auf mich neben der und der Götze (עֲבוֹדָה זָרָה), oder komm zu mir an dem Tag des Götzen (Sanhedrin 63b).
Andere Erklärung: In allem, was Ich euch gesagt habe, sollt ihr euch hüten, und den Namen fremder Götter dürft ihr nicht erwähnen – das lehrt dich, dass Götzendienst alle Gebote (Verbote) aufwiegt, und wer sich davor hütet, ist, als ob er alle Gebote hüte.
Raschi
den Namen fremder Götter dürft ihr nicht erwähnen
Man darf den Namen von Götzen (falsche Götter, עֲבוֹדָה זָרָה) nicht aussprechen, egal ob es einen Grund gibt – zum Beispiel um zu einem Freund zu sagen: Warte auf mich neben dem und dem Götzenbild. Und auch ohne Grund, einfach so, ist es verboten, den Namen von Götzen auszusprechen. Denn es heißt „Den Namen fremder Götter dürft ihr nicht erwähnen“.
Kizzur Schulchan Aruch §167:9
er soll nicht durch deine Veranlassung gehört werden
לֹא יִשָּׁמַע „er soll nicht gehört werden“, auch aus dem Mund eines Nichtjuden, עַל פִּיךָ „durch deine Veranlassung“. Verbinde dich nicht mit einem Heiden. Er würde dir bei seinem Götzen schwören, und es ergäbe sich, dass du die Veranlassung bist, dass der Götze durch dich erwähnt wird (Sanhedrin 63b).
Raschi
אֶת־חַ֣ג הַמַּצּוֹת֮ תִּשְׁמֹר֒ שִׁבְעַ֣ת יָמִים֩ תֹּאכַ֨ל מַצּ֜וֹת כַּֽאֲשֶׁ֣ר צִוִּיתִ֗ךָ לְמוֹעֵד֙ חֹ֣דֶשׁ הָֽאָבִ֔יב כִּי־ב֖וֹ יָצָ֣אתָ מִמִּצְרָ֑יִם וְלֹא־יֵרָא֥וּ פָנַ֖י רֵיקָֽם׃
15
15
Das Fest der Mazzot sollst du hüten; sieben Tage sollst du Mazzot essen, wie Ich es dir befohlen habe, zur Zeit des Frühlingsmonats Nissan, denn in diesem Monat bist du aus Mizraim gezogen. Und man erscheine nicht leer vor Meinem Angesicht.
Fest der Mazzot: Pessach.
des Frühlingsmonats
חֹדֶשׁ הָאָבִיב, der Monat, in dem das Getreide in den Halmen voll wird. (Andere Worterklärung:) אָבִיב kommt von אָב, der Früheste und Erste, die Früchte reifen zu lassen.
Raschi
Und man erscheine nicht leer vor Meinem Angesicht
Wenn ihr kommt, an den Festen vor Meinem Angesicht zu erscheinen, bringt mir Ganzopfer (עוֹלוֹת) dar. (Chagiga 7a)
Raschi
וְחַ֤ג הַקָּצִיר֙ בִּכּוּרֵ֣י מַעֲשֶׂ֔יךָ אֲשֶׁ֥ר תִּזְרַ֖ע בַּשָּׂדֶ֑ה וְחַ֤ג הָֽאָסִף֙ בְּצֵ֣את הַשָּׁנָ֔ה בְּאָסְפְּךָ֥ אֶֽת־מַעֲשֶׂ֖יךָ מִן־הַשָּׂדֶֽה׃
16
16
Und das Fest der Ernte sollst du halten mit den ersten Erträgen deines Ertrages, was du auf dem Feld gesät hast, und das Fest des Einsammelns am Ausgang des Jahres, wenn du deinen Ertrag vom Feld einsammelst.
Fest der Ernte
חַג הַקָּצִיר „Fest der Ernte“, das ist Schawuot.
Raschi
den ersten Ertägen deines Ertrages: das ist die Zeit, wenn man die Erstlingsfrüchte (בִּכּוּרִים) bringt. Denn in Folge der beiden Brote, die an Schawuot gebracht wurden, durfte man vom neuen Getreide Mehlopfer (מְנָחוֹת) darbringen und die Erstlingsfrüchte ins Heiligtum bringen. So heißt es (Bam. 28:26) וּבְיוֹם הַבִּכּוּרִים [בְּהַקְרִיבְכֶם מִנְחָה חֲדָשָׁה לַה׳] „am Tag der Erstlingsfrüchte …“ (Menachot 68b).
Raschi
Fest des Einsammelns
חַג הָאָסִיף „Fest des Einsammelns“, das ist Sukkot.
Raschi
wenn du deinen Ertrag einsammelst: denn den ganzen Sommer hindurch trocknet das Getreide auf den Feldern, und um Sukkot bringt man es vor dem Regen ins Haus.
Raschi
שָׁלֹ֥שׁ פְּעָמִ֖ים בַּשָּׁנָ֑ה יֵרָאֶה֙ כָּל־זְכ֣וּרְךָ֔ אֶל־פְּנֵ֖י הָאָדֹ֥ן ׀ יְהוָֽה׃
17
17
Dreimal im Jahr sollen alle deine Männer vor dem Angesicht des Herren, des Ewigen, erscheinen.
Dreimal
Weil der Abschnitt vom siebten Jahr spricht, muss das stehen: dass nämlich die Feste (Chagim) in diesem Jahre nicht von der Stelle gerückt werden.
Raschi
deine Männer
זְכוּרְךָ, die Männlichen unter dir.
Raschi
Raschi lehrt, dass der Ausdruck זְכוּרְךָ „deine Männer“ nicht kna’anische Sklaven meint, die in deinem Besitz sind. Ein Sklave ist nicht verpflichtet, an den Festen (Chagim) im Bet HaMikdasch zu erscheinen. Vielmehr richtet sich das Gebot an das jüdische Volk und meint „die Männer unter euch“.
Gur Arye hier und weiter, 34:23
לֹֽא־תִזְבַּ֥ח עַל־חָמֵ֖ץ דַּם־זִבְחִ֑י וְלֹֽא־יָלִ֥ין חֵֽלֶב־חַגִּ֖י עַד־בֹּֽקֶר׃
18
18
Du sollst das Blut Meines Opfers nicht bei gesäuertem Brot (Chametz) opfern, und das Fett Meines Festopfers übernachte nicht bis zum Morgen.
nicht bei gesäuertem Brot opfern
Schlachte das Pessach-Opfer am 14. Nissan erst, nachdem du das Gesäuerte (Chametz) weggeräumt hast (Pessachim 63a).
Raschi
das Fett Meines Festopfers übernachte nicht bis zum Morgen: außerhalb des Altares.
Raschi
bis zum Morgen
Ich hätte meinen können, dass es auch auf der Brandstätte (מַּעֲרָכָה) durch Übernachten untauglich werde. Darum heißt es (Waj. 6:2) עַל מוֹקְדָה עַל הַמִּזְבֵּחַ כָּל הַלַּיְלָה „auf der Brandstätte, auf dem Altar, die ganze Nacht“.
Raschi
übernachte nicht
לִינָה „Übernachten“ ist erst mit Tagesanbruch. Denn so steht, bis zum Morgen. Aber die ganze Nacht hindurch kann er es vom Steinboden des Vorhofes auf den Altar bringen (Sewachim 87a).
Raschi
רֵאשִׁ֗ית בִּכּוּרֵי֙ אַדְמָ֣תְךָ֔ תָּבִ֕יא בֵּ֖ית יְהוָ֣ה אֱלֹהֶ֑יךָ לֹֽא־תְבַשֵּׁ֥ל גְּדִ֖י בַּחֲלֵ֥ב אִמּֽוֹ׃ (ס)
19
19
Das Beste der ersten Erträge deines Bodens, sollst du in das Haus des Ewigen, deines G‑ttes, bringen. Du sollst ein Jungtier nicht in der Milch seiner Mutter kochen.
das Haus des Ewigen: Bet ha Mikdasch.
Das Beste der ersten Erträge deines Bodens: auch das siebte Jahr ist zu Erstlingsfrüchten [Omer und zwei Broten] verpflichtet. Darum steht auch hier „der ersten Erträge deines Bodens“. Wie sonderte man die Erstlingsfrüchte ab? Wenn jemand auf sein Feld kam und eine frühreife Feige sah, umwickelte er sie zum Zeichen mit einem Schilfgras und erklärte sie für heilig. Erstlingsfrüchte waren nur von den sieben Arten, die in dem Vers stehen (Dew. 8:8) אֶרֶץ חִטָּה וּשְׂעוֹרָה וגו׳ „Land des Weizens und der Gerste, [des Weinstockes, des Feigenbaumes und des Granatapfels, ein Land mit ölreichen Olivenbäumen und Honig]“.
Raschi
Du sollst ein Jungtier nicht in der Milch seiner Mutter kochen
Auch Kalb und Lamm sind unter גְּדִי „Jungtier“ zu verstehen; denn גְּדִי bedeutet nur ein zartes Junges; da du an vielen Stellen in der Torah findest, dass גְּדִי steht und es dann durch עִזִּים näher erklärt werden muss, wie (Ber. 38:17, 20) אָנֹכִי אֲשַׁלַּח גְּדִי עִזִּים „ich werde ein Ziegenböcklein schicken“, אֶת גְּדִי הָעִזִּים „das Ziegenböcklein“; (Ber. 27:9) שְׁנֵי גְּדָיֵי עִזִּים „zwei Ziegenböcklein“; um dich zu lehren, dass überall, wo nur גְּדִי steht, auch Kalb und Lamm darunter zu verstehen sind.
An drei Stellen in der Torah steht dieses Verbot,
einmal: um das Essen zu verbieten,
einmal: um den Nutzen zu verbieten,
einmal: um das Kochen zu verbieten (Chulin 113b, 115b).
Raschi