וַיֹּ֤אמֶר יְהוָה֙ אֶל־מֹשֶׁ֔ה גַּ֣ם אֶת־הַדָּבָ֥ר הַזֶּ֛ה אֲשֶׁ֥ר דִּבַּ֖רְתָּ אֶֽעֱשֶׂ֑ה כִּֽי־מָצָ֤אתָ חֵן֙ בְּעֵינַ֔י וָאֵדָעֲךָ֖ בְּשֵֽׁם׃
17
17
Und der Ewige sagte zu Mosche: Auch diese Sache, die du gesagt hast, werde Ich tun, denn du hast Gunst in Meinen Augen gefunden und Ich habe dich mit Namen ausersehen.
Auch diese Sache, dass Meine Schechina nicht weiter auf Götzendienern ruhen wird, werde Ich tun.
[Wenn G‑tt zustimmte, Seine Schechina nicht auf den anderen Völkern ruhen zu lassen, wie konnte Er dann später dem nichtjüdischen Propheten Bilam erscheinen?]
Die Worte Bilams aber kamen nicht davon, dass die Schechina auf ihm ruhte, sondern er war (Bam. 24:4) נֹפֵל וּגְלוּי עֵינָיִם „hinfallend mit offenen Augen“; wie (Ijow 4:12) וְאֵלַי דָּבָר יְגֻנָּב „und zu mir stiehlt sich ein Wort“; sie hörten nur durch einen Boten.
Raschi
hinfallend mit offenen Augen: Bilam erlebte prophetische Wahrnehmungen nur nachts im Schlaf.
„und zu mir stiehlt sich ein Wort“: die Worte von Elifas dem Temani, einem der sieben Propheten der Völker (siehe Bawa Batra 15a).
וַיֹּאמַ֑ר הַרְאֵ֥נִי נָ֖א אֶת־כְּבֹדֶֽךָ׃
18
18
Und Mosche sagte: Zeige mir doch Deine Herrlichkeit!
Und er sagte: Zeige mir doch Deine Herrlichkeit
Mosche sah, dass es eine Zeit des Wohlgefallens (עֵת רָצוֹן) war und dass seine Worte angenommen wurden, darum fuhr er fort zu bitten, ihm die Erscheinung Seiner Herrlichkeit zu zeigen.
Raschi
Und er sagte: Zeige mir doch Deine Herrlichkeit
Worum bat Mosche mit den Worten הַרְאֵנִי נָא אֶת כְּבֹדֶךָ „Zeige mir doch Deine Herrlichkeit“? Er bat, die Wahrheit der Existenz G‑ttes mit solcher Bestimmtheit zu erkennen, wie unserem Geist die Gestalt eines Menschen eingeprägt wird, den wir genau kennen.
Rambam, Hil. Jessode haTorah 1:10
Zeige mir doch Deine Herrlichkeit
Obgleich der Begriff כְּבוֹד ה׳ gewöhnlich das von G‑tt erschaffene Licht beschreibt, ist es hier eine Bezeichnung für Wesen und Essenz G‑ttes selbst.
Rambam, More Newuchim, Teil 1, Kap. 64
Zeige mir doch Deine Herrlichkeit
Der Begriff כְּבוֹד ה׳ hat vier Bedeutungen:
a. Das Herabbringen g‑ttlicher Fülle auf diese Welt, wie es beim Man heißt (Schem. 16:7) וּבֹקֶר וּרְאִיתֶם אֶת כְּבוֹד ה׳ „Und am Morgen werdet ihr die Herrlichkeit des Ewigen sehen“.
b. Das Ergehen g‑ttlicher Strafe, wie es bei Gog heißt (Jech. 39:21) וְנָתַתִּי אֶת כְּבוֹדִי בַּגּוֹיִם „Ich will Meine Herrlichkeit setzen unter die Völker [dass alle Völker Mein Strafgericht schauen, das Ich vollstreckt habe]“.
c. Das Licht der g‑ttlichen Gegenwart (Schechina), wie es heißt (Schem. 24:17) וּמַרְאֵה כְּבוֹד ה׳ כְּאֵשׁ אֹכֶלֶת בְּרֹאשׁ הָהָר „Und die Erscheinung der Herrlichkeit des Ewigen war wie ein verzehrendes Feuer auf der Spitze des Berges“.
d. Ein Hinweis auf die Zehn Gebote, wie es nach dem Geben der Torah heißt (Dew. 5:21) הֵן הֶרְאָנוּ ה׳ אֱלֹהֵינוּ אֶת כְּבֹדוֹ „Siehe, es hat uns sehen lassen der Ewige, unser G‑tt, Seine Herrlichkeit“.
Alle vier Bedeutungen sprach Mosche in seiner Bitte an, und G‑tt antwortete auf jede einzelne in den kommenden Versen.
Saadia Gaon
וַיֹּ֗אמֶר אֲנִ֨י אַעֲבִ֤יר כָּל־טוּבִי֙ עַל־פָּנֶ֔יךָ וְקָרָ֧אתִֽי בְשֵׁ֛ם יְהוָ֖ה לְפָנֶ֑יךָ וְחַנֹּתִי֙ אֶת־אֲשֶׁ֣ר אָחֹ֔ן וְרִחַמְתִּ֖י אֶת־אֲשֶׁ֥ר אֲרַחֵֽם׃
19
19
Und G‑tt sagte: Ich werde alle Meine Güte an dir vorüberziehen lassen, und Ich werde den Namen „Ewiger“ vor dir ausrufen, und Ich begnadige, wen Ich begnadigen will, und Ich erbarme mich, über wen Ich mich erbarmen will.
Ich werde vorüberziehen lassen
Die Stunde ist gekommen, dass du Meine Herrlichkeit sehen darfst, soweit Ich dir zu schauen erlaube. Weil Ich dich die Ordnung des Gebetes lehren will und es für wesentlich halte; denn als du nötig hattest, für Israel um Erbarmen zu bitten, hast du vor Mir die Verdienste der Väter (זְכוּת אָבוֹת) in Erinnerung gebracht und gemeint, wenn das Verdienst der Väter zu Ende wäre, dann würde keine Hoffnung mehr vorhanden sein. Ich werde aber die ganze Eigenschaft Meiner Güte auf dem Felsen vor dir vorüberziehen lassen, während du dich in der Höhle befindest.
Raschi
und Ich werde den Namen „Ewiger“ vor dir ausrufen
Ich werde dich die Abfolge der Bitte um Erbarmen lehren, um Erbarmen zu flehen, auch wenn das Verdienst der Väter (זְכוּת אָבוֹת) zu Ende sein sollte; und nach der Ordnung, wie du Mich eingehüllt und die dreizehn Eigenschaften (י״ג מִדּוֹת) verkünden siehst, so lehre Israel, dass sie so tun. Und dadurch, dass sie vor Mir רַחוּם וְחַנּוּן „barmherzig und gnadenvoll“ aussprechen, werden sie Erhörung finden; denn Mein Erbarmen hört niemals auf (Rosch haSchana 17b).
Raschi
Ich begnadige, wen Ich begnadigen will: in jenen Fällen, wenn Ich gnädig sein will.
Raschi
und Ich erbarme Mich: zur Zeit, wenn Ich mich erbarmen will. Bis dahin versprach Er ihm nur, manchmal werde Ich erhören, und manchmal werde Ich nicht erhören. Aber in der Stunde der Anwendung sagte Er zu ihm (Schem. 34:10) הִנֵּה אָנֹכִי כּוֹרֵת בְּרִית „siehe, Ich schließe einen Bund“, da versprach Er ihm, dass die Erwähnung der Gnade G‑ttes nie leer zurückkehren werde.
Raschi
וַיֹּ֕אמֶר לֹ֥א תוּכַ֖ל לִרְאֹ֣ת אֶת־פָּנָ֑י כִּ֛י לֹֽא־יִרְאַ֥נִי הָאָדָ֖ם וָחָֽי׃
20
20
Und der Ewige sagte: Du kannst nicht Mein Angesicht ansehen, denn kein Mensch kann Mich sehen und am Leben bleiben.
Und der Ewige sagte: Du kannst nicht: auch wenn Ich alle Meine Güte vor dir vorüberziehen lasse, gebe Ich dir doch nicht die Erlaubnis, Mein Angesicht zu sehen.
Raschi
kann Mich sehen und am Leben bleiben
Der Vers ist zu lesen als לֹא יִרְאַנִי הָאָדָם „kein Mensch kann mich sehen“, וְלֹא יִרְאַנִי הַחָי „und keiner der Engel, die ewig leben, kann mich sehen“. [Ibn Esra]
Kein Mensch sieht Mich und bleibt am Leben, deshalb sorge Ich Mich um dein Leben.
Or haChaim
וַיֹּ֣אמֶר יְהוָ֔ה הִנֵּ֥ה מָק֖וֹם אִתִּ֑י וְנִצַּבְתָּ֖ עַל־הַצּֽוּר׃
21
21
Und der Ewige sagte: Hier ist ein Ort bei Mir, da stelle dich auf den Felsen.
Hier ist ein Ort bei Mir
Auf dem Berg, auf dem Ich immer mit dir spreche, ist von Mir ein Ort für dich vorbereitet, an dem Ich dich verbergen werde, damit du nicht geschädigt werdest. Und von dort aus wirst du sehen, was du sehen darfst. Das ist der einfache Sinn.
Der Midrasch sagt, es bezieht sich auf den Raum, an dem sich die Schechina befindet. Und Er sagte, der Raum ist bei Mir. Er sagte aber nicht, Ich bin im Raum. Denn der Ewige umschließt die Welt, aber die Welt umschließt nicht Ihn.
Raschi
וְהָיָה֙ בַּעֲבֹ֣ר כְּבֹדִ֔י וְשַׂמְתִּ֖יךָ בְּנִקְרַ֣ת הַצּ֑וּר וְשַׂכֹּתִ֥י כַפִּ֛י עָלֶ֖יךָ עַד־עָבְרִֽי׃
22
22
Und es wird geschehen, wenn Meine Herrlichkeit vorüberzieht, werde Ich dich in die Felsenspalte stellen und Meine Hand über dich decken, bis Ich vorübergezogen bin.
wenn Meine Herrlichkeit vorüberzieht: wenn Ich vor dir vorüberziehe.
Raschi
in die Felsenspalte
בְּנִקְרַת הַצּוּר „in die Spalte des Felsens“, wie (Bam. 16:14) הַעֵינֵי הָאֲנָשִׁים הָהֵם תְּנַקֵּר „willst du die Augen dieser Männer ausstechen“; (Misch. 30:17) יִקְּרוּהָ עֹרְבֵי נַחַל „mögen die Raben des Baches aushacken“ (2 Kön. 18:24) אֲנִי קַרְתִּי וְשָׁתִיתִי מָיִם „ich grub und trank Wasser“; überall derselbe Wortstamm. [Raschi]
Felsenspalte
נִקְרַת הַצּוּר bedeutet soviel wie כְּרִיַּת הַצּוּר, Höhlung im Felsen.
Raschi
und Meine Hand über dich decken
וְשַׂכֹּתִי כַפִּי „Meine Hand über dich decken“: von hier geht hervor, dass den zerstörenden Kräften die Macht verliehen ist, zu zerstören. Der Targum sagt וְאַגֵּין בְּמֵימְרִי „Ich werde dich durch Mein Wort schützen“ in einer Umschreibung aus Ehre vor dem Ewigen, da Er nicht buchstäblich die Hand über ihn auszubreiten nötig hat.
Raschi