Der tägliche Chumasch-Abschnitt

18. Adar I 5787

Donnerstag, 25. Februar 2027

Heute

Ki Tissa

5. Alija

(Schemot 34:1 – 34:9)

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וַיֹּ֤אמֶר יְהוָה֙ אֶל־מֹשֶׁ֔ה פְּסָל־לְךָ֛ שְׁנֵֽי־לֻחֹ֥ת אֲבָנִ֖ים כָּרִאשֹׁנִ֑ים וְכָתַבְתִּי֙ עַל־הַלֻּחֹ֔ת אֶת־הַדְּבָרִ֔ים אֲשֶׁ֥ר הָי֛וּ עַל־הַלֻּחֹ֥ת הָרִאשֹׁנִ֖ים אֲשֶׁ֥ר שִׁבַּֽרְתָּ׃
1
1
Und der Ewige sagte zu Mosche: Behaue dir zwei steinerne Tafeln, so wie die ersten waren, dann will Ich auf die Tafeln die Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln waren, die du zerbrochen hast.
Behaue dir zwei steinerne Tafeln
Der Ewige zeigte ihm einen Steinbruch von Sanpirinon in seinem Zelt und sagte zu ihm: Der Abfall soll dir gehören; und dadurch wurde Mosche sehr reich.
Raschi
Sanpirinon: eine Art von Edelstein.
Behaue dir zwei steinerne Tafeln
Du hast die ersten Tafeln zerbrochen, darum sollst du die zweiten selbst behauen. Das ist mit einem König zu vergleichen, der sich in ein fernes Land (am Meer) begab und seine Verlobte (אֲרוּסָתוֹ) mit den Mägden zu Hause ließ. Wegen der verdorbenen Wege der Mägde verbreitete sich ein böses Gerücht über die Verlobte des Königs. Da ging ihr fürsorgender Unterführer (שּׁוֹשְׁבִין) und zerriss ihre Heiratsurkunde (כְתוּבָה) und sagte: Sollte der König sie zum Tod verurteilen wollen, werde ich zu ihm sagen, sie ist noch nicht deine Frau. Der König untersuchte die Sache und fand, dass die Verdorbenheit nur unter den Mägden gewesen war und versöhnte sich mit ihr. Da sagte ihr Unterführer zu ihm: Schreibe ihr eine neue Heiratsurkunde, denn die erste ist zerrissen. Der König antwortete ihm: Du hast sie zerrissen, so sollst du für sie neues Papier kaufen, und ich werde eigenhändig darauf schreiben. So auch hier: der König ist G‑tt; die Mägde sind das Mischvolk (עֵרֶב רַב); der Unterführer – das ist Mosche; und die Verlobte des Ewigen ist das Volk Israel; darum steht פְּסָל לְךָ „behaue dir“.
Raschi
Unterführer: Der Begriff שּׁוֹשְׁבִין (Schuschwin) bezeichnet jemanden, der sich für das Paar und dessen Ehe einsetzt und in allen die Hochzeit betreffenden Belangen als Vermittler zwischen Braut und Bräutigam beisteht. [Raschi zu Berachot 61a, Beer Majim Chaim, Leket Bahir]
Heiratsurkunde: Die Heiratsurkunde (כְתוּבָה, Ketuba) ist der Ehevertrag, der die halachischen Pflichten des Ehemannes gegenüber seiner Frau festlegt. Das Dokument sichert finanzielle Ansprüche der Frau bei Beendigung der Ehe ab und ist Voraussetzung für eine rechtmäßige Trauung.
וֶהְיֵ֥ה נָכ֖וֹן לַבֹּ֑קֶר וְעָלִ֤יתָ בַבֹּ֙קֶר֙ אֶל־הַ֣ר סִינַ֔י וְנִצַּבְתָּ֥ לִ֛י שָׁ֖ם עַל־רֹ֥אשׁ הָהָֽר׃
2
2
Sei bereit für den Morgen und steige am Morgen auf den Berg Sinai und stelle dich dort bei Mir auf den Gipfel des Berges hin.
Sei bereit
נָכוֹן bedeutet מְזֻמָּן „vorbereitet“.
Raschi
וְאִישׁ֙ לֹֽא־יַעֲלֶ֣ה עִמָּ֔ךְ וְגַם־אִ֥ישׁ אַל־יֵרָ֖א בְּכָל־הָהָ֑ר גַּם־הַצֹּ֤אן וְהַבָּקָר֙ אַל־יִרְע֔וּ אֶל־מ֖וּל הָהָ֥ר הַהֽוּא׃
3
3
Niemand darf mit dir hinaufsteigen, auch darf niemand auf dem ganzen Berg gesehen werden; auch Schafe und Rinder dürfen nicht in der Nähe dieses Berges weiden.
Niemand darf mit dir hinaufsteigen
Über die ersten Tafeln, weil sie unter lautem Zurufen und in öffentlicher Versammlung gekommen waren, hatte der böse Blick (עַיִן רָעָה) Macht gehabt; es gibt nichts Besseres als Zurückhaltung (אֵין לְךָ יָפֶה מִן הַצְּנִיעוּת).
Raschi
es gibt nichts Besseres als die Zurückhaltung: Um die zweiten Tafeln vor dem bösen Blick zu bewahren, befahl G‑tt Mosche, auf den Berg zu steigen und sie alleine entgegenzunehmen.
וַיִּפְסֹ֡ל שְׁנֵֽי־לֻחֹ֨ת אֲבָנִ֜ים כָּרִאשֹׁנִ֗ים וַיַּשְׁכֵּ֨ם מֹשֶׁ֤ה בַבֹּ֙קֶר֙ וַיַּ֙עַל֙ אֶל־הַ֣ר סִינַ֔י כַּאֲשֶׁ֛ר צִוָּ֥ה יְהוָ֖ה אֹת֑וֹ וַיִּקַּ֣ח בְּיָד֔וֹ שְׁנֵ֖י לֻחֹ֥ת אֲבָנִֽים׃
4
4
Da behaute Mosche zwei steinerne Tafeln so, wie die ersten waren. Und Mosche stand frühmorgens auf und stieg auf den Berg Sinai, so wie der Ewige ihm befohlen hatte, und nahm in seine Hand zwei steinerne Tafeln.
וַיֵּ֤רֶד יְהוָה֙ בֶּֽעָנָ֔ן וַיִּתְיַצֵּ֥ב עִמּ֖וֹ שָׁ֑ם וַיִּקְרָ֥א בְשֵׁ֖ם יְהוָֽה׃
5
5
Der Ewige kam in der Wolke herab und stellte sich dort neben ihn und rief mit Namen: Ewiger!
und rief mit Namen: Ewiger!
Die Worte וַיִּקְרָא בְשֵׁם ה׳ übersetzt der Targum mit וּקְרָא בִשְׁמָא דַּה׳ „Er verkündete den Namen des Ewigen“.
Raschi
וַיַּעֲבֹ֨ר יְהוָ֥ה ׀ עַל־פָּנָיו֮ וַיִּקְרָא֒ יְהוָ֣ה ׀ יְהוָ֔ה אֵ֥ל רַח֖וּם וְחַנּ֑וּן אֶ֥רֶךְ אַפַּ֖יִם וְרַב־חֶ֥סֶד וֶאֱמֶֽת ׀
6
6
Und der Ewige zog an ihm vorbei und rief: Ewiger, Ewiger, G‑tt, barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Gnade und Treue,
und rief: der Ewige rief die 13 Eigenschaften aus.
Ibn Esra
Ewiger, Ewiger
ה׳ ה׳ – das ist die Eigenschaft des Erbarmens (מִדַּת הָרַחֲמִים). Einmal, bevor der Mensch gesündigt hat, und einmal, nachdem er gesündigt hat und umgekehrt ist (Rosch haSchana 17b).
Raschi
G‑tt
אֵל ist auch eine Eigenschaft des Erbarmens; so heißt es (Teh. 22:2) אֵלִי אֵלִי לָמָה עֲזַבְתָּנִי „Mein G‑tt, mein G‑tt, warum hast Du mich verlassen?“ Man sagt aber nicht zur Eigenschaft des Gerichts (מִדַּת הַדִּין), warum hast du mich verlassen. So habe ich in Mechilta (15:2) gefunden.
Raschi
barmherzig und gnädig
רַחוּם „barmherzig“: der Ewige erbarmt sich Seiner Geschöpfe.
וְחַנּוּן „gnädig“: der Ewige begnadet den Menschen mit Erkenntnis. [Abarbanel]

barmherzig und gnädig

רַחוּם „barmherzig“: der Ewige sieht das Verborgene und erbarmt sich des Menschen.

וְחַנּוּן „gnädig“: der Ewige hört das Flehen des Geplagten. [Ibn Esra]

barmherzig und gnädig

רַחוּם „barmherzig“: der Ewige erbarmt sich aus dem Schmerz heraus über die Last und Not des Menschen.

וְחַנּוּן „gnädig“: der Ewige ist dem Menschen gnädig aus der Liebe heraus, wie ein Vater zu seinem Kind.
Gaon von Wilna
langmütig: geduldig.
langmütig
G‑tt hält Seinen Zorn zurück und straft nicht schnell, vielleicht kehrt der Sünder um.
Raschi
reich an Gnade: für diejenigen, die Gnade brauchen, die nicht so viele Verdienste (זְכֻיּוֹת) haben (Rosch haSchana 17a).
Raschi
und Treue
וֶאֱמֶת „und Treue“: guten Lohn zu zahlen denen, die Seinen Willen ausführen.
Raschi
נֹצֵ֥ר חֶ֙סֶד֙ לָאֲלָפִ֔ים נֹשֵׂ֥א עָוֺ֛ן וָפֶ֖שַׁע וְחַטָּאָ֑ה וְנַקֵּה֙ לֹ֣א יְנַקֶּ֔ה פֹּקֵ֣ד ׀ עֲוֺ֣ן אָב֗וֹת עַל־בָּנִים֙ וְעַל־בְּנֵ֣י בָנִ֔ים עַל־שִׁלֵּשִׁ֖ים וְעַל־רִבֵּעִֽים׃
7
7
Er bewahrt Gnade tausenden Generationen, vergibt Schuld und Missetat und Sünde, lässt ungestraft und lässt nicht ungestraft, der die Schuld der Väter heimsucht an Kindern und Kindeskindern, bis in die dritte und vierte Generation.
bewahrt Gnade
G‑tt bewahrt die guten Taten auf, die der Mensch tut.
Raschi
tausenden Generationen: 2.000 Generationen lang.
Raschi
Schuld und Missetat
נֹשֵׂא עָו‍ֹן „der Schuld vergibt“. Der Begriff עֲוֹנוֹת bezeichnet absichtliche Sünden [die der Mensch im Wissen um ihr Verbot begeht].
Der Begriff פְּשָׁעִים („Missetaten“) bezeichnet Taten der Auflehnung, die ein Mensch ausführt, um zu erzürnen.
Raschi
Die „Missetaten“ (פְּשָׁעִים) führt der Mensch nicht aus Verlangen aus, trotz des Verbots, sondern aus bloßem Trotz, weil sie verboten sind.
lässt ungestraft und lässt nicht ungestraft
וְנַקֵּה לֹא יְנַקֶּה „lässt ungestraft und lässt nicht ungestraft“. Nach dem einfachen Sinn bedeutet es, dass Er die Schuld nicht ganz erlässt, sondern den Menschen allmählich abtragen lässt. Unsere Weisen erklären (Joma 86a), Er lässt straflos ausgehen diejenigen, die umkehren, aber nicht diejenigen, die nicht umkehren.
Raschi
der die Schuld der Väter heimsucht: wenn sie das Werk ihrer Väter fortsetzen; so ist schon in einem anderen Vers erklärt (Schem. 20:5) לְשֹׂנְאָי „denen, die Mich hassen“. (Berachot 7a)
Raschi
bis in die dritte und vierte Generation
וְעַל רִבֵּעִים – דּוֹר רְבִיעִי „die vierte Generation“. Daraus ergibt sich, dass die Eigenschaft der Belohnung 500 Mal größer ist als die Eigenschaft der Bestrafung; denn bei der Belohnung sagt der Vers נוֹצֵר חֶסֶד לָאֲלָפִים „Er bewahrt die Gnade tausenden Generationen“.
Raschi
וַיְמַהֵ֖ר מֹשֶׁ֑ה וַיִּקֹּ֥ד אַ֖רְצָה וַיִּשְׁתָּֽחוּ׃
8
8
Mosche eilte, neigte sich zur Erde und bückte sich hin.
Mosche eilte
וַיְמַהֵר מֹשֶׁה „Mosche eilte“: Als Mosche die Schechina vorüberziehen sah und die Stimme der Verkündung hörte, וַיִּשְׁתָּחוּ „bückte er sich“ sofort.
Raschi
וַיֹּ֡אמֶר אִם־נָא֩ מָצָ֨אתִי חֵ֤ן בְּעֵינֶ֙יךָ֙ אֲדֹנָ֔י יֵֽלֶךְ־נָ֥א אֲדֹנָ֖י בְּקִרְבֵּ֑נוּ כִּ֤י עַם־קְשֵׁה־עֹ֙רֶף֙ ה֔וּא וְסָלַחְתָּ֛ לַעֲוֺנֵ֥נוּ וּלְחַטָּאתֵ֖נוּ וּנְחַלְתָּֽנוּ׃
9
9
Und er sagte: Wenn ich Gunst in Deinen Augen gefunden habe, oh Herr, so gehe doch der Herr in unserer Mitte, wenn es auch ein hartnäckiges Volk ist, mögest Du unsere Schuld und unsere Sünde verzeihen und uns zu Deinem Eigentum annehmen.
so gehe doch der Herr in unserer Mitte: wie Du versprochen hast. Weil Du die Schuld verzeihst, und wenn es auch ein hartnäckiges Volk ist und sie widerspenstig gegen Dich handeln werden, und Du darum gesagt hast (Schem. 33:3) פֶּן אֲכֶלְךָ בַּדָּרֶךְ „dass Ich dich nicht auf dem Weg aufreibe“, so wirst Du unsere Schuld verzeihen. Das Wort כִּי hat manchmal die Bedeutung אִם „wenn“.
Raschi
Das Wort כִּי hat manchmal die Bedeutung אִם „wenn“: Hier bedeutet es „wenn auch“, „sogar wenn“, „obwohl“.
Beer Jizchak
und uns zum Eigentum annehmen
וּנְחַלְתָּנוּ „mache uns zu Deinem Anteil“, mache uns zu dem Dir geweihten Anteil. Das ist die Bitte (Schem. 33:16) וְנִפְלִינוּ אֲנִי וְעַמְּךָ „dass wir ausgezeichnet werden, ich und Dein Volk“, dass Du deine Schechina nicht auf den Völkern der Welt ruhen lässt.
Raschi