Der tägliche Chumasch-Abschnitt

26. Nissan 5787

Montag, 3. Mai 2027

Heute

Kedoschim

2. Alija

(Wajikra 19:15 – 19:22)

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לֹא־תַעֲשׂ֥וּ עָ֙וֶל֙ בַּמִּשְׁפָּ֔ט לֹא־תִשָּׂ֣א פְנֵי־דָ֔ל וְלֹ֥א תֶהְדַּ֖ר פְּנֵ֣י גָד֑וֹל בְּצֶ֖דֶק תִּשְׁפֹּ֥ט עֲמִיתֶֽךָ׃
15
15
Ihr sollt kein Unrecht tun im Gericht. Berücksichtige nicht den Armen, und begünstige nicht das Ansehen eines Großen; mit Gerechtigkeit sollst du deinen Nächsten richten.
Ihr sollt kein Unrecht tun im Gericht
Das lehrt, dass der Richter, der das Recht verdreht, ein Übeltäter (עַוָּל), ein Gehasster (שָׂנְאוּי), ein Verabscheuter (מְשֻׁקָּץ), ein Geächteter (חֵרֶם) und ein Gräuel (תוֹעֵבָה) genannt wird. So steht (Dew. 25:16) כִּי תּוֹעֲבַת ה׳ גו׳ כֹּל עֹשֵׂה עָוֶל „denn ein Gräuel dem Ewigen ist jeder, der Unrecht tut“; und der Gräuel wird verabscheut und geächtet genannt, so steht (Dew. 7:26) וְלֹא תָבִיא תוֹעֵבָה אֶל בֵּיתֶךָ וְהָיִיתָ חֵרֶם כָּמֹהוּ שַׁקֵּץ תְּשַׁקְּצֶנּוּ „bringe keinen Gräuel in dein Haus, du wärest gleich ihm geächtet, verabscheuen sollst du ihn“.
Raschi
Berücksichtige nicht den Armen
Sage nicht, er ist arm, und der Reiche ist verpflichtet, ihn zu ernähren, darum will ich ihm im Gericht Recht geben, damit er auf schöne Weise ernährt werde.
Raschi
und begünstige nicht das Ansehen eines Großen
Sage nicht, er ist reich, ein Sohn von wichtigen Personen; wie kann ich ihn beschämen und seine Schande sehen, das wäre strafbar; darum steht „begünstige nicht das Ansehen eines Großen“.
Raschi
das Ansehen: wörtl. das Angesicht.
mit Gerechtigkeit sollst du deinen Nächsten richten: wie die einfache Bedeutung ist – mit Gerechtigkeit.
Andere Erklärung: Beurteile deinen Nächsten nach der günstigen Seite hin (הֱוֵי דָּן אֶת חֲבֵרְךָ לְכַף זְכוּת).
Raschi
Das ist eine Anweisung an den Richter, ein gerechtes Urteil zu fällen. Während die vorangehenden Versteile Verbote gegen die Rechtsbeugung aussprachen, fügt die Torah hier ein positives Gebot zur gerechten Rechtsprechung hinzu. [Tiferet Israel, Maskil leDavid]
„Mit Gerechtigkeit sollst du richten“ bezieht sich auf den Ablauf des Verfahrens. Der Richter muss den Fall „gerecht“ führen, indem er beide Prozessparteien gleichwertig behandelt. Er darf beispielsweise nicht zulassen, dass ein Beteiligter sitzt, während der andere stehen muss, oder einem freien Vortrag gewähren, während er den anderen zur Eile drängt. Der Richter darf keinerlei Parteilichkeit zeigen. Eine Benachteiligung würde den betroffenen Beteiligten verunsichern und ihn daran hindern, seine Argumente wirksam vorzubringen (Torat Kohanim, Raschi zu Schewuot 30a, ד״ה שלא יהא).
לֹא־תֵלֵ֤ךְ רָכִיל֙ בְּעַמֶּ֔יךָ לֹ֥א תַעֲמֹ֖ד עַל־דַּ֣ם רֵעֶ֑ךָ אֲנִ֖י יְהוָֽה׃
16
16
Gehe nicht als Verleumder in deinem Volk herum, stehe nicht untätig bei dem Blut deines Nächsten. Ich bin der Ewige.
Gehe nicht als Verleumder in deinem Volk herum
Ich meine, weil alle, die Streit stiften und böse Nachrede erzählen, in den Häusern der Mitmenschen umhergehen, um auszukundschaften, was sie Böses sehen oder hören könnten, um es auf der Straße zu erzählen, darum werden sie Auskundschafter genannt, die umhergehen, um zu spionieren, espiement „ausspähen“ im Französischen.
Ein Beweis für meine Worte ist, dass wir רְכִילוּת immer nur in Verbindung mit „gehen“ finden: לֹא תֵלֵךְ רָכִיל „gehe nicht als Verleumder herum“; (Jirm. 6:28) הֹלְכֵי רָכִיל נְחֹשֶׁת וּבַרְזֶל „Verleumder wie Kupfer und Eisen“.

Wenn aber sonst böse Nachrede (לָשׁוֹן הָרָע) erwähnt wird, steht nicht „gehen“ dabei: (Teh. 101:5) מְלָשְׁנִי בַסֵּתֶר רֵעֵהוּ „wer im Geheimen den Mitmenschen verleumdet“; (Teh. 120:2) לָשׁוֹן רְמִיָּה „trügerische Zunge“; (Teh. 12:4) לָשׁוֹן מְדַבֶּרֶת גְּדוֹלוֹת „eine Zunge, die Vermessenes redet“. Darum sage ich, der Ausdruck רָכִיל bedeutet הוֹלֵךְ וּמְרַגֵּל „er geht und spioniert“. Der Buchstabe כ (Kaf) tritt an die Stelle von ג (Gimel), denn alle Buchstaben, die an derselben Stelle im Mund ausgesprochen werden [d.h. entweder Kehle, Gaumen, Lippen, Zunge oder Zähne], können untereinander vertauscht werden; der Buchstabe ב (Bet) mit פ (Pe), [denn beide werden mit den Lippen ausgesprochen]; der Buchstabe ג (Gimel) mit כ (Kaf) und ק (Kuf), [denn alle drei werden mit dem Gaumen ausgesprochen]; ז (Sajin) mit צ (Zadi), [denn beide werden mithilfe der Zähne ausgesprochen].

Ebenso (2 Schmu. 19:28) וַיְרַגֵּל בְּעַבְדְּךָ „er verleumdete deinen Knecht“; (Teh. 15:3) לֹא רָגַל עַל לְשֹׁנוֹ „der mit seiner Zunge nicht verleumdet“. Ebenso ist רוֹכֵל der Kaufmann, der nach jeder Ware ausspäht. Ebenso der Händler mit guten Gerüchen, mit denen sich die Frauen schmücken. Weil er immer in den Ortschaften umhergeht, wird er רוֹכֵל von רוֹגֵל „Fußgänger“ genannt.

Der Targum übersetzt לֹא תֵלֵךְ רָכִיל als לָא תֵיכוּל קוּרְצִין „iss nicht die Stücke“; wie (Dan. 3:8) וַאֲכַלוּ קָרְצֵיהוֹן דִּי יְהוּדָיֵא „und verleumdeten die Juden“; (Berachot 58a) אֲכַל בֵּיהּ קֻרְצָא בֵּי מַלְכָּא „verleumdete ihn beim König“. Es scheint mir, ihre Art war, im Haus dessen, der ihren Worten Glauben schenkte, irgendeinen Imbiss zu essen. Das war die letzte Bestätigung, dass die Worte des Verleumders begründet seien und er sie auf Wahrheit gestellt habe. Dieser Imbiss wurde „das Essen von קוּרְצִין“ genannt, von (Misch. 6:13) קֹרֵץ בְּעֵינָיו „er zwinkert mit den Augen“. Denn so ist die Art aller Verleumder, mit den Augen zu zwinkern und die Worte ihrer Verleumdung nur anzudeuten, damit die anderen Zuhörer sie nicht verstehen würden.
Raschi
stehe nicht bei dem Blut: seinen Tod zu sehen, während du ihn retten kannst. Wenn er zum Beispiel im Fluss ertrinkt, oder ein wildes Tier oder Räuber ihn überfallen (Sanhedrin 73a).
Raschi
stehe nicht bei dem Blut: wenn du ihn vor Gericht durch deine Kenntnis der Lage entlasten könntest, aber nicht als Zeuge auftrittst.
Targum Jonathan
Ich bin der Ewige: treu, den Lohn zu bezahlen, und wahrhaft, zu strafen.
Raschi
לֹֽא־תִשְׂנָ֥א אֶת־אָחִ֖יךָ בִּלְבָבֶ֑ךָ הוֹכֵ֤חַ תּוֹכִ֙יחַ֙ אֶת־עֲמִיתֶ֔ךָ וְלֹא־תִשָּׂ֥א עָלָ֖יו חֵֽטְא׃
17
17
Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen; du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, doch lade dir seinetwegen keine Sünde auf.
Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen; du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen
Hat er sich gegen dich versündigt, so hasse ihn nicht im Verborgenen, „in deinem Herzen“ בִּלְבָבֶךָ, sondern „stelle ihn zur Rede“ הוֹכֵחַ תּוֹכִיחַ, und dadurch wird es zu Frieden kommen.
Wenn du den Hass aber im Herzen belässt, תִשָּׂא עָלָיו חֵטְא „lädst du dir durch ihn Sünde auf“.
Raschbam
lade dir seinetwegen keine Sünde auf: beschäme ihn nicht öffentlich (Erechin 16b).
Raschi
לֹֽא־תִקֹּ֤ם וְלֹֽא־תִטֹּר֙ אֶת־בְּנֵ֣י עַמֶּ֔ךָ וְאָֽהַבְתָּ֥ לְרֵעֲךָ֖ כָּמ֑וֹךָ אֲנִ֖י יְהוָֽה׃
18
18
Räche dich nicht, sei nicht nachtragend den Kindern deines Volkes sondern liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ich bin der Ewige.
Räche dich nicht
Einer sagt zum Anderen: Leihe mir deine Sense, und jener sagt, Nein. Am nächsten Tag sagt der zweite zum ersten: Leihe mir deine Axt, und er sagt: Ich leihe sie dir nicht, wie du auch mir nicht geliehen hast – das ist Rache (נְקִימָה). Und was heißt Nachtragen (נְטִירָה)? Er sagt zu ihm, Leihe mir deine Axt, und jener sagt, Nein. Am nächsten Tag sagt der zweite zum ersten, Leihe mir deine Sense, und er sagt: Hier hast du sie, ich bin nicht wie du, denn du hast mir nicht geliehen – das ist Nachtragen. Er bewahrt den Hass in seinem Herzen, wenn er sich auch nicht rächt (Joma 23a).
Raschi
liebe deinen Nächsten wie dich selbst
Rabbi Akiwa sagt: Das ist die große Regel der Torah.
Raschi
אֶֽת־חֻקֹּתַי֮ תִּשְׁמֹרוּ֒ בְּהֶמְתְּךָ֙ לֹא־תַרְבִּ֣יעַ כִּלְאַ֔יִם שָׂדְךָ֖ לֹא־תִזְרַ֣ע כִּלְאָ֑יִם וּבֶ֤גֶד כִּלְאַ֙יִם֙ שַֽׁעַטְנֵ֔ז לֹ֥א יַעֲלֶ֖ה עָלֶֽיךָ׃ (פ)
19
19
Meine Anordnungen sollt ihr beachten: Dein Vieh sollst du nicht paaren lassen in vermischten Arten, dein Feld sollst du nicht besäen mit vermischten Arten und Kleidung aus vermischten Arten, das Scha’atnes ist, soll nicht auf dich kommen.
Meine Anordnungen sollt ihr beachten
אֶת חֻקֹּתַי תִּשְׁמֹרוּ „Meine Anordnungen sollt ihr beachten“, und das sind sie: dein Vieh sollst du nicht paaren lassen in vermischten Arten … [חֻקִּים sind] Anordnungen des Königs, für die kein Grund angegeben ist.
Raschi
und Kleidung aus vermischten Arten
וּבֶגֶד כִּלְאַיִם „Kleidung aus vermischten Arten“, warum steht das? Weil es heißt (Dew. 22:11) לֹא תִלְבַּשׁ שַׁעַטְנֵז צֶמֶר וּפִשְׁתִּים יַחְדָּו „Bekleide dich nicht mit einer Verbindung aus Wolle und Leinen zusammen“, hätte ich meinen können, man bekleide sich nicht mit Wollflocken und Flachsbündeln, darum steht בֶּגֶד „Kleidung“. Woher füge ich auch Filze hinzu? Darum steht שַׁעַטְנֵז, eine Sache, die geglättet (שׁוּעַ), gesponnen (טָווּי) und gewebt (נוּז) ist.
Ich meine, נוּז bedeutet „gedreht“ und „zusammengezwirnt“, um es zu verbinden; auf Französisch mester „weben“. Wie (Moed Katan 12b) חָזְיָן לְנָאזֵי דְּאִית בְּהוֹן „man gebraucht die Körner, die darin enthalten sind“. Denn wir leiten es ab von כִּמּוּשׁ „welk“, „zusammengezogen“, auf Französisch fleistrir.

Den Ausdruck שַׁעַטְנֵז (Scha’atnes) erklärt Menachem: eine Verbindung aus Wolle und Leinen.
Raschi
וְ֠אִישׁ כִּֽי־יִשְׁכַּ֨ב אֶת־אִשָּׁ֜ה שִׁכְבַת־זֶ֗רַע וְהִ֤וא שִׁפְחָה֙ נֶחֱרֶ֣פֶת לְאִ֔ישׁ וְהָפְדֵּה֙ לֹ֣א נִפְדָּ֔תָה א֥וֹ חֻפְשָׁ֖ה לֹ֣א נִתַּן־לָ֑הּ בִּקֹּ֧רֶת תִּהְיֶ֛ה לֹ֥א יוּמְת֖וּ כִּי־לֹ֥א חֻפָּֽשָׁה׃
20
20
Wenn jemand bei einer Frau liegt, und sie ist eine Sklavin, die mit einem anderen Mann bestimmt ist und nicht losgekauft wurde, und sie hat auch sonst nicht ihre Freiheit erhalten, dann soll eine Untersuchung stattfinden, aber getötet sollen sie nicht werden, weil sie nicht freigelassen war.
die mit einem Mann verlobt ist
נֶחֱרֶפֶת לְאִישׁ, eine Frau, die für einen Mann bestimmt und versprochen ist. Ich kenne kein ähnliches Wort in der Torah.
Der Vers spricht von einer nichtjüdischen Sklavin, die zur Hälfte noch Sklavin und zur Hälfte bereits frei ist, die mit einem jüdischen Knecht verlobt ist (מְּאֹרֶסֶת), der eine Sklavin nehmen darf (Keritot 11a).
Raschi
nicht losgekauft wurde
Sie ist nicht nur zum Teil losgekauft (פְּדוּיָה וְאֵינָהּ פְּדוּיָה). Unter „Loskaufen“ ohne weitere Angabe ist „mit Geld“ gemeint.
Raschi
ihre Freiheit: durch einen Freibrief (שְׁטָר).
Raschi
es soll eine Untersuchung stattfinden
בִּקֹּרֶת תִּהְיֶה „es soll eine Untersuchung stattfinden“. Sie wird vom Gericht körperlich bestraft, er nicht. Das Gericht soll die Sache untersuchen (לְבַקֵּר), um ihn nicht zum Tod zu verurteilen. Denn sie war nicht freigelassen, und ihre Verheiratung war dadurch keine vollkommene (אֵין קִדּוּשֶׁיהָ קִדּוּשִׁין גְּמוּרִין).
Unsere Lehrer (Keritot 11a) entnehmen von hier, dass sie [nicht gänzlich von der Strafe befreit ist, sondern] Schläge als Bestrafung erhält (מַלְקוֹת). Aus dem Ausdruck בִּקֹּרֶת תִּהְיֶה lernen sie: יְהֵא בִּקְרִיאָה, die Strafe, bei der dem Bestraften vorgelesen wird. Die Richter, die die Bestrafung erteilen lassen, lesen dem, der bestraft wird, vor (Dew. 25:58) אִם לֹא תִשְׁמֹר לַעֲשׂוֹת „wenn du nicht hütest, zu erfüllen“, וְהִפְלָא ה׳ אֶת מַכֹּתֶךָ „dann wird der Ewige dich außergewöhnlich strafen“.
Raschi
weil sie nicht freigelassen war
Darum ist er nicht todesschuldig durch sie. Denn ihre Verheiratung (קִדּוּשִׁין) war nicht gültig. Wenn sie aber freigelassen war, so war ihre Verheiratung gültig, und er ist todesschuldig.
Raschi
וְהֵבִ֤יא אֶת־אֲשָׁמוֹ֙ לַֽיהוָ֔ה אֶל־פֶּ֖תַח אֹ֣הֶל מוֹעֵ֑ד אֵ֖יל אָשָֽׁם׃
21
21
Und dieser Mann bringe sein Schuldopfer dem Ewigen an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft, einen Widder zum Schuldopfer (Ascham).
וְכִפֶּר֩ עָלָ֨יו הַכֹּהֵ֜ן בְּאֵ֤יל הָֽאָשָׁם֙ לִפְנֵ֣י יְהוָ֔ה עַל־חַטָּאת֖וֹ אֲשֶׁ֣ר חָטָ֑א וְנִסְלַ֣ח ל֔וֹ מֵחַטָּאת֖וֹ אֲשֶׁ֥ר חָטָֽא׃ (פ)
22
22
Und mit dem Widder des Schuldopfers (Ascham) erwirke der Kohen ihm vor dem Ewigen Sühne für die Sünde, die er begangen hat, und es wird ihm vergeben seine Sünde, die er begangen hat.
es wird ihm vergeben seine Sünde, die er begangen hat: das fügt den mit Absicht Sündigenden (מֵּזִיד) hinzu, dass er hierbei einem irrtümlich Sündigenden (שּׁוֹגֵג) gleich sei.
Raschi