וְכִי־תָבֹ֣אוּ אֶל־הָאָ֗רֶץ וּנְטַעְתֶּם֙ כָּל־עֵ֣ץ מַאֲכָ֔ל וַעֲרַלְתֶּ֥ם עָרְלָת֖וֹ אֶת־פִּרְי֑וֹ שָׁלֹ֣שׁ שָׁנִ֗ים יִהְיֶ֥ה לָכֶ֛ם עֲרֵלִ֖ים לֹ֥א יֵאָכֵֽל׃
23
23
Wenn ihr in das Land Israel kommt und allerlei Bäume zur Speise pflanzt, dann sei diese Frucht für euch *als Orlah versperrt; drei Jahre sei sie euch versperrt und werde nicht gegessen.*
Orlah
וַעֲרַלְתֶּם עָרְלָתוֹ bedeutet וַאֲטַמְתֶּם אֲטִימָתוֹ, du sollst seine Versperrung versperren“. Es sei diese Frucht für euch verschlossen und versperrt, keinen Nutzen davon zu haben.
Raschi
Orlah: In den ersten drei Jahren sind die Früchte eines Baumes sowohl für den Genuss als auch für jegliche Nutznießung verboten. Im vierten Jahr sind die Früchte heilig und dürfen nur in Jeruschalaim gegessen werden. Ab dem fünften Jahr sind die Früchte erlaubt. Diese Vorschriften gelten nur für das Land Israel (מִּצְווֹת הַתְּלוּיוֹת בָּאָרֶץ), wie es heißt: „Wenn ihr in das Land Israel kommt …“.
drei Jahre sei sie euch versperrt
Ab wann zählt man für den Baum? Von der Stunde an, da man ihn eingepflanzt hat. Ich hätte meinen können, dass wenn man die Früchte bis nach den drei Jahren aufbewahrt, sie erlaubt seien, darum steht יִהְיֶה, בַּהֲוָיָתוֹ יְהֵא „seien sie“: sie bleiben, so wie sie sind.
Raschi
וּבַשָּׁנָה֙ הָרְבִיעִ֔ת יִהְיֶ֖ה כָּל־פִּרְי֑וֹ קֹ֥דֶשׁ הִלּוּלִ֖ים לַיהוָֽה׃
24
24
Im vierten Jahr sei seine ganze Frucht heilig, eine Lobpreisung dem Ewigen.
sei seine ganze Frucht heilig: gleich dem Maaser Scheni, bei dem steht (Waj. 27:30) וְכָל מַעֲשַׂר הָאָרֶץ גו׳ קֹדֶשׁ לַה׳ „aller Maasser des Landes … heilig dem Ewigen“. Wie Maasser Scheni nicht außerhalb der Mauern Jeruschalaims gegessen werden darf, außer wenn er ausgelöst wird, so ist es auch hiermit. Und diese Sache ist eine Lobpreisung dem Ewigen: man trägt die Früchte dahin, um den Ewigen zu loben und zu preisen.
Raschi
וּבַשָּׁנָ֣ה הַחֲמִישִׁ֗ת תֹּֽאכְלוּ֙ אֶת־פִּרְי֔וֹ לְהוֹסִ֥יף לָכֶ֖ם תְּבוּאָת֑וֹ אֲנִ֖י יְהוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
25
25
Und im fünften Jahr erst dürft ihr seine Früchte genießen — damit sein Ertrag sich mehren soll für euch; ich bin der Ewige, euer G‑tt.
damit sein Ertrag sich mehren soll für euch
Wenn ihr diese Mizwa hütet, wird es euch den Ertrag des Baumes vermehren; denn als Lohn dafür segne Ich euch die Früchte des jungen Baumes.
Rabbi Akiwa sagte, die Torah spricht hier zur Abwehr des bösen Triebes; dass der Mensch nicht sage, vier Jahre habe ich mich umsonst damit gemüht; darum steht לְהוֹסִיף לָכֶם תְּבוּאָתוֹ „damit sein Ertrag sich mehren soll“.
Raschi
ich bin der Ewige: Ich bin der Ewige, der das verspricht und der Ich treu bin, Mein Versprechen zu erfüllen.
Raschi
לֹ֥א תֹאכְל֖וּ עַל־הַדָּ֑ם לֹ֥א תְנַחֲשׁ֖וּ וְלֹ֥א תְעוֹנֵֽנוּ׃
26
26
Ihr sollt nicht beim Blut essen, haltet nicht auf Wahrsagungen und Zeitenwahl.
Ihr sollt nicht beim Blut essen
לֹא תֹאכְלוּ עַל הַדָּם „Ihr sollt nicht beim Blut essen“ wird in Sanhedrin (63a) auf vielfache Weise erklärt. Man esse nicht vom Opferfleisch (בְּשַׂר קָדָשִׁים) vor der Sprengung des Blutes. Weiter, es ist verboten, auch von allgemeinen Tieren (בֶּהֱמַת חֻלִּין) zu essen, bevor das Leben entwichen ist; und noch viele andere Erklärungen.
Raschi
haltet nicht an Wahrsagungen: wie jene Menschen, die ein Wiesel oder Vögel für eine Vorbedeutung halten, oder wenn ihm das Brot aus dem Mund gefallen ist oder ihm ein Hirsch über den Weg läuft, und er das für ein Zeichen hält (Sanhedrin 65b–66a).
Raschi
haltet nicht auf Zeitenwahl
וְלֹא תְעוֹנֵנוּ „haltet nicht auf Zeitenwahl“: das Wort תְעוֹנֵנוּ kommt von עוֹנוֹת „Zeiten“, Stunden, dass der eine sagt: der und der Tag ist gut, an ihm eine Arbeit zu beginnen; die und die Stunde ist ungünstig, um aus dem Haus zu gehen (Sanhedrin 65b).
Raschi
לֹ֣א תַקִּ֔פוּ פְּאַ֖ת רֹאשְׁכֶ֑ם וְלֹ֣א תַשְׁחִ֔ית אֵ֖ת פְּאַ֥ת זְקָנֶֽךָ׃
27
27
Ihr sollt nicht rundum abscheren die Seitenecken eures Haares am Kopf und du sollst nicht zerstören die Ecke deines Bartes.
Ihr sollt nicht rundum abscheren die Seitenecken eures Haares am Kopf: das ist derjenige, der seine Schläfen gleichmacht mit dem Haar hinter den Ohren und an der Stirn, sodass [der Haaransatz] um den gesamten Kopf einen gleichmäßigen Kreis bildet. [Der natürliche Haaransatz bildet keinen gleichmäßigen Kreis,] denn der Haaransatz hinter den Ohren ist viel höher als an den Schläfen (Makot 20b).
Raschi
die Ecke deines Bartes: das Ende des Bartes und seine Grenzen. Das sind fünf, zwei an jeder Backe oben neben dem Kopf, da ist sie breit und hat zwei Ecken, und eine Ecke unten am Kinn, wo die beiden Backenseiten miteinander verbunden sind (Makot 20b).
Raschi
וְשֶׂ֣רֶט לָנֶ֗פֶשׁ לֹ֤א תִתְּנוּ֙ בִּבְשַׂרְכֶ֔ם וּכְתֹ֣בֶת קַֽעֲקַ֔ע לֹ֥א תִתְּנ֖וּ בָּכֶ֑ם אֲנִ֖י יְהוָֽה׃
28
28
Und einen Einschnitt wegen eines Toten sollt ihr nicht machen an eurem Fleisch, und eingeätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen. Ich bin der Ewige.
Und einen Einschnitt wegen eines Toten: so war die Art der Emorim, Einschnitte in ihr Fleisch zu machen, wenn ihnen jemand gestorben war.
Raschi
wegen eines Toten
נֶפֶשׁ in der Bedeutung von „ein Toter“.
Targum Onkelos
eingeätzte Schrift: eingegrabene und eingesenkte Schrift, die niemals ausgelöscht werden kann.
Er ätzt sie mit der Nadel ein, sodass sie immer schwarz bleibt. Das Wort קַעֲקַע „eingeätzt“ kommt von (Bam. 25:4) וְהוֹקַע אוֹתָם „hänge sie an Pfähle“; (2 Schmu. 21:6) וְהוֹקַעְנוּם „dass wir sie an Pfähle hängen“. Man schlug ein Holz in die Erde und hing sie daran, sodass sie in die Erde geschlagen und an ihr befestigt waren; porpoint „einstechen“ auf Französisch.
Raschi
אַל־תְּחַלֵּ֥ל אֶֽת־בִּתְּךָ֖ לְהַזְנוֹתָ֑הּ וְלֹא־תִזְנֶ֣ה הָאָ֔רֶץ וּמָלְאָ֥ה הָאָ֖רֶץ זִמָּֽה׃
29
29
Entweihe deine Tochter nicht, indem du sie der Prostitution hingibst, damit es keine Prostitution im Land gebe und voller Schandtaten sei.
Entweihe deine Tochter nicht, indem du sie der Prostitution hingibst: wenn jemand seine ledige Tochter dem geschlechtlichen Umgang ohne Eheschließung hingibt (Sanhedrin 76a).
Raschi
entweihen: die Heiligkeit einer Sache verletzen, zerstören.
damit es keine Prostitution im Land gebe
וְלֹא תִזְנֶה הָאָרֶץ, wörtl. „damit das Land nicht hure“. Wenn du solches tust, hurt das Land mit seinen Früchten, indem es sie an einem anderen Ort und nicht in eurem Land hervorbringt. So sagt der Vers auch (Jirm. 3:3) וַיִּמְנְעוּ רְבִבִים „der Regen blieb aus“.
Raschi
אֶת־שַׁבְּתֹתַ֣י תִּשְׁמֹ֔רוּ וּמִקְדָּשִׁ֖י תִּירָ֑אוּ אֲנִ֖י יְהוָֽה׃
30
30
Meine Schabbattage sollt ihr hüten, und vor Meinem Heiligtum sollt ihr Ehrfurcht haben, Ich bin der Ewige.
vor Meinem Heiligtum sollt ihr Ehrfurcht haben
Der Mensch gehe nicht in das Heiligtum hinein mit seinem Stab, seinem Schuh, seinem Geldgurt und dem Staub auf seinen Füßen.
Obgleich Ich euch für das Heiligtum ermahne, sollt ihr Meine Schabbattage hüten, der Bau des Bet haMikdasch verdrängt nicht den Schabbat (Jewamot 6a–b).
Raschi
אַל־תִּפְנ֤וּ אֶל־הָאֹבֹת֙ וְאֶל־הַיִּדְּעֹנִ֔ים אַל־תְּבַקְשׁ֖וּ לְטָמְאָ֣ה בָהֶ֑ם אֲנִ֖י יְהוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
31
31
Wendet euch nicht an die Totenbeschwörer und an Wahrsager; sucht sie nicht auf, euch zu verunreinigen durch sie. Ich bin der Ewige, euer G‑tt.
Wendet euch nicht an die Totenbeschwörer und an Wahrsager: ist das Verbot für den Totenbeschwörer und Wahrsager selbst. Beim בַּעַל אוֹב spricht der Totenbeschwörer aus seiner Achselhöhle. Der יִדְּעוֹנִי nimmt den Knochen eines Tieres, dessen Name יִדּוּעַ ist, in den Mund, und der Knochen redet (Sanhedrin 65b).
Raschi
sucht sie nicht auf, euch zu verunreinigen
Denn wenn ihr euch mit ihnen beschäftigt, verunreinigt ihr euch vor Mir, und Ich verabscheue euch.
Raschi
Ich bin der Ewige, euer G‑tt
Erkennt, wen ihr vertauscht und womit!
Raschi
מִפְּנֵ֤י שֵׂיבָה֙ תָּק֔וּם וְהָדַרְתָּ֖ פְּנֵ֣י זָקֵ֑ן וְיָרֵ֥אתָ מֵּאֱלֹהֶ֖יךָ אֲנִ֥י יְהוָֽה׃ (פ)
32
32
Vor dem Alter sollst du aufstehen, und achte das Ansehen eines Alten und fürchte deinen G‑tt. Ich bin der Ewige.
Vor dem Alter
מִפְּנֵי שֵׂיבָה, das Wort שֵׂיבָה ist kein Adjektiv, wie in אָדָם זָקֵן „ein alter Mensch“, sondern ein Hauptwort für „das Alter“. [Meschiwat Nefesch]
Nicht vor dem Menschen stehst du auf, sondern vor dem Alter, das ihm G‑tt gewährt hat.
Malbim
Vor dem Alter sollst du aufstehen,
Ich hätte meinen können, auch vor einem sündhaften Alten sollst du aufstehen; darum steht זָקֵן – זֶה שֶׁקָּנָה חָכְמָה, „alt“ ist derjenige, der Weisheit erworben hat.
Raschi
und ehre das Ansehen eines Alten
Worin besteht die Ehrung? Man setze sich nicht auf seinen Platz und widerspreche nicht seinen Worten. Ich hätte meinen können, man könne die Augen verschließen und so tun, als ob man die alte Person nicht sähe. Darum steht וְיָרֵאתָ מֵּאֱלֹהֶיךָ „fürchte deinen G‑tt“: diese Sache ist dem Herzen des Menschen übergeben, da nur er sie kennt; und bei jeder Sache, die dem Herzen übergeben ist, steht „fürchte deinen G‑tt“ (Bawa Mezia 59a–b).
Raschi
fürchte deinen G‑tt
Bei jeder Sache, die dem Herzen übergeben ist, steht „fürchte deinen G‑tt“ (Raschi): durch die G‑ttesfurcht ist der Mensch imstande, dem bösen Trieb zu widerstehen und die Mizwot G‑ttes auszuführen. Und auch: durch die Erfüllung der Mizwot, die dem Herzen übergeben sind, gelangt der Mensch zu G‑ttesfurcht. Jede Mizwa in praktischer Tat heiligt die Tat und die Instrumente der Tat; und jede Mizwa, die von den Gedanken des Herzens abhängig ist, heiligt des Menschen Herz.
Sefat Emet 5636, ד״ה ברש״י דבר המסור ללבו
Vor dem Alter sollst du aufstehen, und ehre das Ansehen eines Alten
Man ist verpflichtet, seinen Raw und seinen Torah-Lehrer zu ehren und zu fürchten mehr als seinen eigenen Vater; denn sein Vater hat ihn in das Leben dieser Welt gebracht, sein Lehrer aber bringt ihn in das Leben der zukünftigen Welt (עוֹלָם הַבָּא).
Es steht geschrieben: „Vor dem Alter sollst du aufstehen, und achte das Ansehen eines Alten.“ Hier ist mit einem „Alten“ ein Torah Gelehrter zu verstehen. Darum ist es eine Mizwa, vor einem Torah-Gelehrten (תַּלְמִיד חָכָם) aufzustehen, auch wenn er nicht alt an Jahren ist, und auch wenn er nicht sein Lehrer ist. Ebenso ist es eine Mizwa, vor einem aufzustehen, der siebzig Jahre oder älter ist, wenn er auch nicht viel Torah weiß, nur darf er kein böser Mensch (רָשָׁע) sein. Auch eine nichtjüdische ältere Person ehrt man mit Worten und reicht ihm die Hand, um ihn zu stützen.
Kizzur Schulchan Aruch §144:1–2
Vor dem Alter sollst du aufstehen … Ich bin der Ewige
אֲנִי ה׳, auch „Ich, der Ewige“ ehre die Alten, wie es heißt (Jesch. 24:23) וְנֶגֶד זְקֵנָיו כָּבוֹד „und vor Seinen Greisen Ehre“.
Rokeach, Moschaw Skenim