קַ֣ח אֶת־הַמַּטֶּ֗ה וְהַקְהֵ֤ל אֶת־הָעֵדָה֙ אַתָּה֙ וְאַהֲרֹ֣ן אָחִ֔יךָ וְדִבַּרְתֶּ֧ם אֶל־הַסֶּ֛לַע לְעֵינֵיהֶ֖ם וְנָתַ֣ן מֵימָ֑יו וְהוֹצֵאתָ֨ לָהֶ֥ם מַ֙יִם֙ מִן־הַסֶּ֔לַע וְהִשְׁקִיתָ֥ אֶת־הָעֵדָ֖ה וְאֶת־בְּעִירָֽם׃
8
8
Nimm den Stab und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder Aharon, und redet zu dem Felsen vor ihren Augen, dass er sein Wasser gebe; so wirst du ihnen Wasser hervorbringen aus dem Felsen und wirst die Gemeinde und ihr Vieh tränken.
redet zu dem Felsen: das ist der Brunnen Miriams, der die Gemeinde vierzig Jahre lang mit Wasser versorgte. Er begleitete sie auf allen ihren Wanderungen, und als Miriam verstarb, war die Wasserquelle versiegt. Jetzt wandten sich Mosche und Aharon an diesen Felsen, um erneut Wasser aus ihm hervorzubringen. Deshalb steht hier הַסֶּלַע „der [bekannte] Felsen“ mit הֵ״א הַיְּדִיעָה.
Pirke deRabbi Eliëser, Kap. 31
dass er sein Wasser gebe
Der Vers verwendet den Begriff וְנָתַן מֵימָיו „dass er sein Wasser gebe“, weil נְתִינָה („Geben“) auf Fülle und Überfluss hinweist, wie im Vers (Waj. 26:4) וְנָתְנָה הָאָרֶץ יְבוּלָהּ „damit die Erde ihren Ertrag gebe“: eine Fülle an Wasser möge sogleich aus dem Felsen hervorsprudeln.
Ramban
redet zu dem Felsen … so wirst du ihnen Wasser hervorbringen
Das Wort וְדִבַּרְתֶּם ist Mehrzahl „redet“, das Wort וְהוֹצֵאתָ ist Einzahl „so wirst du hervorbringen“.
Der Befehl וְדִבַּרְתֶּם erging auch an Aharon, er möge gemeinsam mit Mosche durch den ausgesprochenen G‑ttesnamen (שֵּׁם הַמְּפֹרָשׁ) Wasser aus dem Felsen hervorbringen; wenn der Felsen sich weigern würde, וְהוֹצֵאתָ, soll Mosche allein ihn schlagen. [Ibn Esra]
Das Wort וְהוֹצֵאתָ „du sollst hervorbringen“ ist alleine als Befehl an Mosche gerichtet: er soll das Wasser aus dem Felsen auf solche Weise hervorbringen, dass alle das g‑ttliche Wunder sehen. [Ramban]
Der Befehl וְדִבַּרְתֶּם erging an Mosche und Aharon, sie sollen beide zu dem Felsen sprechen, und er würde die ihm übliche Menge an Wasser geben. Danach וְהוֹצֵאתָ, spreche Mosche alleine zu dem Felsen, damit er eine solche außergewöhnliche Fülle an Wasser gebe, dass das gesamte Volk und das Vieh versorgt werde.
Alschich
und ihr Vieh
Daraus sieht man, dass der Ewige das Vermögen Israels schont (Midrasch Tanchuma).
Raschi
וַיַּקְהִ֜לוּ מֹשֶׁ֧ה וְאַהֲרֹ֛ן אֶת־הַקָּהָ֖ל אֶל־פְּנֵ֣י הַסָּ֑לַע וַיֹּ֣אמֶר לָהֶ֗ם שִׁמְעוּ־נָא֙ הַמֹּרִ֔ים הֲמִן־הַסֶּ֣לַע הַזֶּ֔ה נוֹצִ֥יא לָכֶ֖ם מָֽיִם׃
10
10
Und Mosche und Aharon versammelten die Versammlung vor dem Felsen, und er sagte zu ihnen: Hört doch, ihr Widerspenstigen! Sollen wir euch aus diesem Felsen Wasser hervorbringen?
versammelten
Das ist eine von den Stellen, wo ein kleiner Raum viele umfasste.
Raschi
Sollen wir euch aus diesem Felsen Wasser hervorbringen?
Weil sie ihn nicht kannten; denn der Felsen hatte sich entfernt und inmitten der anderen Felsen niedergelassen, als sich der Brunnen entfernte. Und Israel hatte zu ihnen gesagt: Was liegt euch daran, aus welchem Felsen ihr uns Wasser hervorbringt? Darum sagte er zu ihnen: הַמֹּרִים – סַרְבָּנִים, ihr Widerspenstigen. Andere Erklärung: הַמֹּרִים – לְשׁוֹן יְוָנִי, שׁוֹטִים, im Griechischen „Narren“.
Andere Erklärung: מוֹרִים אֶת מוֹרֵיהֶם, die ihre Lehrer belehren wollen. Sollen wir euch aus diesem Felsen, für den wir keinen Befehl haben, Wasser hervorbringen?
Raschi
וַיָּ֨רֶם מֹשֶׁ֜ה אֶת־יָד֗וֹ וַיַּ֧ךְ אֶת־הַסֶּ֛לַע בְּמַטֵּ֖הוּ פַּעֲמָ֑יִם וַיֵּצְאוּ֙ מַ֣יִם רַבִּ֔ים וַתֵּ֥שְׁתְּ הָעֵדָ֖ה וּבְעִירָֽם׃
11
11
Und Mosche erhob seine Hand und schlug den Felsen mit seinem Stab zweimal, da kam viel Wasser hervor und es trank die Gemeinde und ihr Vieh.
zweimal
Zweimal, weil er das erste Mal nur Tropfen hervorbrachte, weil der Ewige nicht befohlen hatte, ihn zu schlagen, sondern (zuvor, Vers 8) וְדִבַּרְתֶּם אֶל הַסֶּלַע „redet zum Felsen“. Sie hatten zu einem anderen Felsen gesprochen, der brachte nichts hervor. Da sagten sie, vielleicht muss man ihn wie das erste Mal schlagen. So steht dort (Schem. 17:6) הִכִּיתָ בַּצּוּר „schlage den Felsen“. Da traf sich ihnen der richtige Felsen, und er schlug ihn.
Raschi
und schlug den Felsen
Er schlug den Felsen und alle Felsen in der Wüste zersplitterten, wie es heißt (Teh. 78:15) יְבַקַּע צֻרִים בַּמִּדְבָּר „er spaltete die Felsen in der Wüste“.
Baal haTurim
וַיֹּ֣אמֶר יְהוָה֮ אֶל־מֹשֶׁ֣ה וְאֶֽל־אַהֲרֹן֒ יַ֚עַן לֹא־הֶאֱמַנְתֶּ֣ם בִּ֔י לְהַ֨קְדִּישֵׁ֔נִי לְעֵינֵ֖י בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל לָכֵ֗ן לֹ֤א תָבִ֙יאוּ֙ אֶת־הַקָּהָ֣ל הַזֶּ֔ה אֶל־הָאָ֖רֶץ אֲשֶׁר־נָתַ֥תִּי לָהֶֽם׃
12
12
Der Ewige aber sagte zu Mosche und zu Aharon: Weil ihr nicht auf Mich vertraut habt, Mich zu heiligen vor den Augen der Kinder Israel, darum sollt ihr diese Gemeinde nicht in das Land bringen, das Ich ihnen gebe.
Weil ihr nicht auf Mich vertraut habt
Der Vers offenbart, dass sie ohne diese Sünde in das Land Israel eingezogen wären. Damit man nicht von ihnen sage, so wie die Schuld der Generation der Wüste, über die verhängt wurde, dass sie nicht hineinkommen dürfen, so war auch die Schuld von Mosche und Aharon.
War aber nicht jenes Wort (Bam. 11:22) הֲצֹאן וּבָקָר יִשָּׁחֵט „Kann man denn Schafe und Rinder für sie schlachten“, schwerer als dieses? Nur, weil es im Geheimen war, schonte ihn der Vers. Weil es aber hier in Gegenwart von ganz Israel war, schonte ihn der Vers nicht, wegen der Heiligung des g‑ttlichen Namens.
Raschi
Im dortigen Abschnitt (11:4–23) beschreibt die Torah, wie einige den Mangel an Fleisch beklagten. G‑tt befahl daraufhin Mosche, dem Volk zu verkünden, dass G‑tt es einen vollen Monat lang mit Fleisch versorgen werde. Mosche entgegnete darauf: „Sechshunderttausend Mann zu Fuß zählt das Volk ... und Du sprichst: Ich will ihnen Fleisch geben ... Kann man denn Schafe und Rinder schlachten, dass es für sie ausreicht?“ Der Wortlaut von Mosches Einwand – der G‑ttes Allmacht offen infrage zu stellen scheint – offenbart eine größere Skepsis als das spätere Schlagen des Felsens. Warum wurde Mosche für das Schlagen des Felsens bestraft und nicht für jene frühere Äußerung?
Beer baSade zu Bamidbar 11:22
Mich zu heiligen
Denn wenn ihr zum Felsen gesprochen hättet und er Wasser hervorgebracht hätte, dann wäre Ich vor den Augen der Gemeinde geheiligt worden. Und sie hätten gesagt: Wenn schon dieser Felsen, der nicht sprechen und nicht hören kann und keine Ernährung braucht, den Befehl des Ewigen erfüllt, umsomehr müssen wir es tun.
Raschi
darum sollt ihr diese Gemeinde nicht in das Land bringen
ist ein Schwur; wie (1 Schmu. 3:14) לָכֵן נִשְׁבַּעְתִּי לְבֵית עֵלִי „darum habe Ich dem Haus Eli geschworen“. Er schwor schnell, damit sie nicht so sehr ihre Bitten vermehrten.
Raschi
Der Vers verwendet bereits den Begriff יַעַן „weil“, folglich wird der zusätzliche Begriff לָכֵן „darum“ in einer Ableitung gedeutet. Zur Verbindung des Begriffes לָכֵן mit „Schwur“ könnte man sagen: Die Wurzel כֵּן hat mitunter die Bedeutung אֱמֶת „Wahrheit“, wie im Vers (Schem. 10 29) כֵּן דִּבַּרְתָּ „wahr hast du gesprochen“. So drückt das Wort לָכֵן aus: der Ewige schwört mit Seinem Siegel der Wahrheit. [Maskil leDavid]
Er schwor schnell: G‑tt schwor von sich aus. Israel war nicht zum Gebet aufgestanden, dass Er hätte schwören müssen, damit ihre Gebete nicht Seinen Entschluss aufheben würden. Jeden Schwur, der vorab und aus eigener Veranlassung geleistet wird, nennt man נִשְׁבַּע בִּקְפִיצָה oder קוֹפֵץ וְנִשְׁבַּע.
Misrachi
das Ich ihnen gebe
נָתַתִּי לָהֶם im Sinn von: das Ich ihnen mit einem Schwur zugesagt habe, zu geben. [Saadia Gaon]
נָתַתִּי לָהֶם im Sinn von שֶׁאֶתֵּן: das Ich ihnen geben werde.
Targum Jonathan
הֵ֚מָּה מֵ֣י מְרִיבָ֔ה אֲשֶׁר־רָב֥וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֖ל אֶת־יְהוָ֑ה וַיִּקָּדֵ֖שׁ בָּֽם׃
13
13
Das ist das Streitwasser, wo die Kinder Israel mit dem Ewigen stritten und durch das Er sich heilig zeigte.
Das ist das Streitwasser
Das ist das an einem anderen Ort erwähnte Wasser. Dieses Wasser sahen die Sterndeuter Pharaos, dass der Helfer Israels (מּוֹשִׁיעָן שֶׁל יִשְׂרָאֵל) durch das Wasser geschlagen würde. Darum verhängten sie (Schem. 1:22) כָּל הַבֵּן הַיִּלּוֹד הַיְאֹרָה תַּשְׁלִיכֻהוּ „jeden Sohn, der geboren wird, sollt ihr in den Fluss werfen“ (Sanh. 101b).
Raschi
und durch das Er sich heilig zeigte: indem durch dieses Wasser Mosche und Aharon starben. Denn wenn der Ewige an den Ihm Geheiligten Gericht vollzieht, wird Er von den Menschen gefürchtet und geheiligt. So heißt es (Teh. 68:36) נוֹרָא אֱלֹהִים מִמִּקְדָּשֶׁיךָ „gefürchtet bist Du, G‑tt, durch Deine Heiligen“. Und ebenso steht (Waj. 10:3) בִּקְרֹבַי אֶקָּדֵשׁ „durch die Mir Nahestehenden werde Ich geheiligt“ (Sewachim 115b).
Raschi