Der tägliche Chumasch-Abschnitt

7. Tamus 5785

Donnerstag, 3. Juli 2025

Heute

Chukat

5. Alija

(Bamidbar 20:22 – 21:9)

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וַיִּסְע֖וּ מִקָּדֵ֑שׁ וַיָּבֹ֧אוּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֛ל כָּל־הָעֵדָ֖ה הֹ֥ר הָהָֽר׃
22
22
Sie brachen von Kadesch auf, und die Kinder Israel, die ganze Gemeinde, kamen zum Berg Hor.
die ganze Gemeinde
Alle vollzählig und und zum Einzug in das Land bereit. Es war keiner unter ihnen von jenen, über die die Strafe verhängt worden war. Die in der Wüste starben, waren nicht mehr am Leben. Und diese hier gehörten zu jenen, von denen es heißt (Dew. 4:4) חַיִּים כֻּלְּכֶם הַיּוֹם „ihr alle lebt heute“.
Raschi
Berg Hor
הֹר הָהָר, ein Berg auf einem anderen Berg; wie ein kleiner Apfel auf einem großen Apfel. Und obwohl die Wolke vor ihnen herzog und die Berge eben machte, blieben noch drei übrig: der Berg Sinai für die Torah, der Berg Newo zum Grab von Mosche und der Berg Hor zum Grab von Aharon.
Raschi
der Berg Newo zum Grab von Mosche: Die Torah hält fest, dass Mosche auf dem Berg Newo starb (Dewarim 34:1–5), nennt aber nicht seine genaue Grabstätte. Es liegt jedoch nahe, dass Mosche ebendort auf dem Berg begraben wurde, auf dem er verstorben ist.
Ibn Esra zu Dewarim 34:6
Berg Hor: sein Name war הֹר „Hor“, und die Menschen nannten ihn הָהָר „der [bekannte] Berg“ aufgrund seiner herausragenden Höhe und Ausbreitung.
Ramban
וַיֹּ֧אמֶר יְהוָ֛ה אֶל־מֹשֶׁ֥ה וְאֶֽל־אַהֲרֹ֖ן בְּהֹ֣ר הָהָ֑ר עַל־גְּב֥וּל אֶֽרֶץ־אֱד֖וֹם לֵאמֹֽר׃
23
23
Und der Ewige sprach zu Mosche und zu Aharon am Berg Hor, an der Grenze des Landes Edom, wie folgt: an der Grenze des Landes Edom
an der Grenze des Landes Edom
Das lehrt, weil sie sich hier mit dem bösen Esaw verbunden und sich ihm angeschlossen hatten, wurden ihre Unternehmungen durchbrochen, und sie verloren diesen Zaddik. So sagte auch der Prophet zu Joschafat (2 Chro. 20:37) בְּהִתְחַבֶּרְךָ עִם אֲחַזְיָהוּ פָּרַץ ה׳ אֶת מַעֲשֶׂיךָ „weil du dich mit Achasjahu verbunden hast, hat der Ewige deine Unternehmungen durchbrochen“.
Raschi
zu Joschafat: dem rechtschaffenen König von Jehuda, als dieser ein Bündnis mit Achasjahu schloss, dem frevelhaften König der zehn Stämme Israels.
יֵאָסֵ֤ף אַהֲרֹן֙ אֶל־עַמָּ֔יו כִּ֣י לֹ֤א יָבֹא֙ אֶל־הָאָ֔רֶץ אֲשֶׁ֥ר נָתַ֖תִּי לִבְנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל עַ֛ל אֲשֶׁר־מְרִיתֶ֥ם אֶת־פִּ֖י לְמֵ֥י מְרִיבָֽה׃
24
24
Aharon werde zu seinem Volk aufgenommen, denn er wird nicht in das Land kommen, das Ich den Kindern Israel gebe, weil ihr widerspenstig wart gegen Meinen Befehl bei dem Streitwasser.
Aharon werde zu seinem Volk aufgenommen
Der Ausdruck יֵאָסֵף אֶל עַמָּיו „werde zu seinem Volk aufgenommen“ bezeichnet den Tod. Durch den Tod folgt der Mensch dem Weg seiner Vorfahren und schließt sich ihnen an. [Ibn Esra zu Bereschit 25:8]
Solange die Seele sich im Körper auf dieser Welt befindet, ist sie getrennt von ihrer Quelle und Wurzel, dem Allmächtigen. Durch den Tod kehrt sie zu Ihm zurück. [Ibn Esra zu Bereschit 25:8]

Weil die Seele nach dem Tod zu ihrem Ursprung zurückkehrt und dort aufgenommen wird, nennt man den Tod des Menschen אֲסִיפָה „Aufnehmen“. So heißt es im Vers (Dew. 22:2) וַאֲסַפְתּוֹ אֶל תּוֹךְ בֵּיתֶךָ „nimm es in dein Haus auf“. [Siehe Raschi zu Bereschit 49:29]

Die übrigen Seelen Israels sind seine Familie und sein Volk, darum heißt es אֶל עַמָּיו „zu seinem Volk“.
Rabbenu Bechaje zu Bereschit 25:8
Streitwasser
Als es in Kadesch an Wasser mangelte, erhob sich das Volk gegen Mosche und Aharon. G‑tt befahl Mosche, vor den Augen der versammelten Gemeinde zum Felsen zu sprechen, um Wasser hervorzubringen. Anstatt dessen schlug Mosche im Zorn zweimal mit dem Stab gegen den Felsen, was Aharon schweigend duldete. Siehe Paraschat Chukat, Bamidbar 20:1–13.
קַ֚ח אֶֽת־אַהֲרֹ֔ן וְאֶת־אֶלְעָזָ֖ר בְּנ֑וֹ וְהַ֥עַל אֹתָ֖ם הֹ֥ר הָהָֽר׃
25
25
Nimm Aharon und seinen Sohn Elasar und führe sie auf den Berg Hor hinauf.
Nimm Aharon
קַח אֵת אַהֲרֹן, Bewege ihn durch Worte des Trostes, sage zu ihm: Wie glücklich du bist, dass du sehen darfst, dass deine Krone [der Kohenwürde] deinem Sohn verliehen wird, was mir nicht gelungen ist.
Raschi
וְהַפְשֵׁ֤ט אֶֽת־אַהֲרֹן֙ אֶת־בְּגָדָ֔יו וְהִלְבַּשְׁתָּ֖ם אֶת־אֶלְעָזָ֣ר בְּנ֑וֹ וְאַהֲרֹ֥ן יֵאָסֵ֖ף וּמֵ֥ת שָֽׁם׃
26
26
Und Aharon ziehe seine Gewänder aus und lege sie seinem Sohn Elasar an; Aharon aber soll zu seinen Vätern versammelt werden und dort sterben.
Und Aharon ziehe seine Gewänder aus: die Gewänder des Kohen Gadol. Nimm sie von ihm ab, um sie vor ihm seinem Sohn anzulegen.
G‑tt sagte zu ihm: „Geh in die Höhle“, und er ging hinein. Dort sah er eine Lagerstätte hergerichtet und ein Licht brennen. Er sagte zu ihm: „Besteige die Lagerstätte“, und er bestieg sie. „Strecke deine Hände aus“, und er streckte sie aus. „Schließe deinen Mund“, und er schloss ihn. „Schließe deine Augen“, und er schloss sie. Da wünschte sich auch Mosche diese Form des Todes. Das ist, was zu ihm gesagt wurde (Dew. 32:50) כַּאֲשֶׁר מֵת אַהֲרֹן אָחִיךָ „so wie dein Bruder Aharon gestorben ist“, die Form des Todes, die du dir erhofft hast.
Raschi
וַיַּ֣עַשׂ מֹשֶׁ֔ה כַּאֲשֶׁ֖ר צִוָּ֣ה יְהוָ֑ה וַֽיַּעֲלוּ֙ אֶל־הֹ֣ר הָהָ֔ר לְעֵינֵ֖י כָּל־הָעֵדָֽה׃
27
27
Und Mosche tat, wie der Ewige befohlen hatte; sie stiegen hinauf auf den Berg Hor vor den Augen der ganzen Gemeinde.
Und Mosche tat: obwohl ihm die Sache schmerzhaft war, zögerte er nicht.
Raschi
obwohl ihm die Sache schmerzhaft war: Obwohl es Mosche schwerfiel, seinen Bruder Aharon auf seinen bevorstehenden Tod vorzubereiten, zögerte er nicht und führte G‑ttes Befehl sofort aus. [Beer baSade, Leket Bahir]
obwohl ihm die Sache schmerzhaft war: Obwohl Mosche es schwerfiel, seinen Bruder Aharon auf seinen bevorstehenden Tod vorzubereiten, zögerte er nicht und führte G‑ttes Befehl sofort aus. [Beer baSade, Leket Bahir]

Obwohl Mosche es schwerfiel, weil Aharons Sohn Elasar die Kohenwürde seines Vaters fortführte, was Mosche selbst verwehrt blieb.
Diwre David
וַיַּפְשֵׁט֩ מֹשֶׁ֨ה אֶֽת־אַהֲרֹ֜ן אֶת־בְּגָדָ֗יו וַיַּלְבֵּ֤שׁ אֹתָם֙ אֶת־אֶלְעָזָ֣ר בְּנ֔וֹ וַיָּ֧מָת אַהֲרֹ֛ן שָׁ֖ם בְּרֹ֣אשׁ הָהָ֑ר וַיֵּ֧רֶד מֹשֶׁ֛ה וְאֶלְעָזָ֖ר מִן־הָהָֽר׃
28
28
Mosche ließ Aharon seine Kleidung ausziehen und ließ sie seinem Sohn Elasar anlegen, und Aharon starb dort auf dem Gipfel des Berges und Mosche und Elasar stiegen herab von dem Berg.
וַיִּרְאוּ֙ כָּל־הָ֣עֵדָ֔ה כִּ֥י גָוַ֖ע אַהֲרֹ֑ן וַיִּבְכּ֤וּ אֶֽת־אַהֲרֹן֙ שְׁלֹשִׁ֣ים י֔וֹם כֹּ֖ל בֵּ֥ית יִשְׂרָאֵֽל׃
29
29
Und als die ganze Gemeinde sah, dass Aharon verstorben war, da beweinten sie Aharon dreißig Tage, das ganze Haus Israel.
Und als die ganze Gemeinde sah
Als sie sahen, dass Mosche und Elasar herunterkamen und Aharon nicht herunterkam, sagten sie: Wo ist Aharon? Da sagte er zu ihnen: Er ist gestorben. Und sie sagten: Ist es möglich, dass über ihn, der dem Engel entgegentrat und das Sterben aufhielt, der Todesengel Macht hat?! Sogleich betete Mosche, und Engel des Dienstes (מַלְאֲכֵי הַשָּׁרֵת) zeigten ihnen Aharon, wie er auf der Lagerstätte lag. Als sie das sahen, glaubten sie.
Raschi
über ihn, der dem Engel entgegentrat und das Sterben aufhielt: Als nach dem Aufstand Korachs eine Seuche über das Volk kam, fasste Aharon den Todesengel und machte ihn gegen seinen Willen stillstehen. Der Engel sagte zu ihm: Lass mich meinen Auftrag ausführen. Aharon antwortete: Mosche hat mir befohlen, dich aufzuhalten. Der Engel sagte: Ich bin der Bote des Ewigen, und wer bist du? Du bist der Bote von Mosche. Da antwortete Aharon ihm: Mosche sagt nichts aus seinem Herzen, sondern nur aus dem Mund G‑ttes.
Raschi zu Bamidbar 17:13
das ganze Haus Israel
Die Männer und die Frauen. Weil Aharon unablässig dem Frieden nachjagte und Liebe herbeiführte zwischen Streitenden und zwischen Mann und Frau.
Raschi
dass Aharon verstorben war
כִּי גָוַע „dass verstorben war“. Ich meine, wer das mit דְּהָא מִית „weil“ übersetzt, irrt, außer wenn er וַיִּרְאוּ zu Beginn des Verses mit וְאִתְחֲזִיאוּ „sie wurden gesehen“ übersetzt. Denn unsere Lehrer haben nur für den Midrasch gesagt, dass die Wolken der Herrlichkeit (עַנְנֵי כָּבוֹד) gewichen waren, dass dieses כִּי „weil“ sei, und wie R. Abahu lehrte (Rosch haSchana 3a). Rabbi Abahu sagte: Lies nicht וַיִּרְאוּ „sie sahen“, sondern וַיֵּרָאוּ „sie wurden gesehen“. Zu dieser Erklärung passt die Bedeutung „weil“, da es eine Begründung für das einleitet, was vorher steht. Warum wurden sie gesehen? Weil Aharon gestorben war. Aber zum Targum וַחֲזוֹ כָּל כְּנִישְׁתָּא „die Gemeinde sah“, passt nicht „weil“; sondern אֲשֶׁר „dass“, das ähnliche Anwendung wie אִי hat. Wir finden אִם in der Bedeutung von אֲשֶׁר; wie im Vers (Ijow 21:4) וְאִם מַדּוּעַ לֹא תִקְצַר רוּחִי „dass ich keinen Grund hätte, kleinmütig zu sein“. Und viele Stellen müssen mit dieser Bedeutung erklärt werden; (Ijow 14:5) אִם חֲרוּצִים יָמָיו „dass seine Tage bestimmt sind“.
Raschi
וַיִּשְׁמַ֞ע הַכְּנַעֲנִ֤י מֶֽלֶךְ־עֲרָד֙ יֹשֵׁ֣ב הַנֶּ֔גֶב כִּ֚י בָּ֣א יִשְׂרָאֵ֔ל דֶּ֖רֶךְ הָאֲתָרִ֑ים וַיִּלָּ֙חֶם֙ בְּיִשְׂרָאֵ֔ל וַיִּ֥שְׁבְּ׀ מִמֶּ֖נּוּ שֶֽׁבִי׃
1
1
Als die Kna’anim hörten, der König von Arad, der auf der Südseite wohnte, dass Israel auf dem Weg der Kundschafter komme, kämpfte er gegen Israel und nahm eine Gefangene von ihm.
Als die Kna’anim hörten, der König von Arad
Er hörte, dass Aharon gestorben war und sich die Wolken der Herrlichkeit (עַנְנֵי כָּבוֹד) entfernt hatten, wie in Rosch haSchana (3a) steht. Amalek war immer schon eine Zuchtrute für Israel (רְצוּעַת מַרְדּוּת לְיִשְׂרָאֵל), zu jeder Zeit zur Strafe bereit.
Raschi
der auf der Südseite wohnte
יֹשֵׁב הַנֶּגֶב „der auf der Südseite wohnt“: das ist Amalek; so heißt es (Bam. 13:19) עֲמָלֵק יוֹשֵׁב בְּאֶרֶץ הַנֶּגֶב „Amalek wohnt im Land des Südens“; und er änderte seine Sprache und sprach die Sprache Kna’ans, damit die Kinder Israel zum Ewigen beteten, die Kna’anim in ihre Hand zu geben, während es in Wirklichkeit keine Kna’anim waren. Aber Israel sah, dass ihre Gewänder die der Amalekim waren und ihre Sprache die der Kna’anim, da sagten sie, so wollen beten ohne [ihre Nationalität ausdrücklich] zu benennen, wie es (im nächsten Vers) heißt אִם נָתֹן תִּתֵּן אֶת הָעָם הַזֶּה בְּיָדִי „wenn Du dieses Volk in meine Hand gibst“.
Raschi
auf dem Weg der Kundschafter
דֶּרֶךְ הָאֲתָרִים bedeutet, den Weg in den Süden [des Landes Israel], auf dem die Kundschafter [achtunddreißig Jahre zuvor] gegangen waren; so steht (Bam. 13:22) וַיַּעֲלוּ בַנֶּגֶב „sie gingen im Süden hinauf“. [Der Vers besagt, dass der König von Aharons Tod erfuhr, als Israel in Richtung Süden des Landes Israel zog. Da dies sein Gebiet war, hatte er nun einen Grund und die Gelegenheit für einen Angriff.]
Andere Erklärung: דֶּרֶךְ הָאֲתָרִים, den Weg des großen Wegweisers [הַתַּיָּר הַגָּדוֹל, d.h. die heilige Lade mit den Bundestafeln], die vor ihnen herzog, so heißt es (Bam. 10:33) דֶּרֶךְ שְׁלֹשֶׁת יָמִים לָתוּר לָהֶם מְנוּחָה „einen Weg von drei Tagen, um ihnen einen Ruheplatz auszuforschen (לָתוּר)“.
Raschi
die Kundschafter: die haTarim (הַתָּרִים, „diejenigen, die auskundschaften“, zuvor 14:6) genannt werden.
„einen Weg von drei Tagen …“: וַאֲרוֹן בְּרִית ה׳ נֹסֵעַ לִפְנֵיהֶם דֶּרֶךְ שְׁלֹשֶׁת יָמִים לָתוּר לָהֶם מְנוּחָה „… und die Truhe des Bundes des Ewigen zog vor ihnen her einen Weg von drei Tagen, um ihnen einen Ruheplatz auszuforschen“. Diese Truhe zog einen Weg von drei Tagen vor ihnen her, um für sie einen Ort zum Lagern vorzubereiten. [Raschi z.St.]

den Weg des großen Wegweisers: Nach dieser Deutung besagt der Vers, dass der König von Arad von Aharons Tod hörte und dass Israel den Weg allein den Weg der Heiligen Truhe einschlug, ohne von den Wolken geführt und geschützt zu werden. Aus diesem Grund griff er Israel an.
Misrachi
und nahm eine Gefangene: es war nur eine einzige Sklavin (שִׁפְחָה).
Raschi
Eine einzige kna’anische Sklavin gelang es ihnen, wegzuführen. Hier im Vers steht der Ausdruck שֶׁבִי, und ebenso (Schem. 12:29) עַד בְּכוֹר הַשְּׁבִי „bis zum Erstgeborenen der Gefangenen“. Dort ist eine Sklavin gemeint, wie es in der Warnung vor der Plage heißt (Schem 11:5) עַד בְּכוֹר הַשִּׁפְחָה „bis zum Erstgeborenen der Sklavin“, und so ist auch hier eine Sklavin gemeint.
Sifte Chachamim
וַיִּדַּ֨ר יִשְׂרָאֵ֥ל נֶ֛דֶר לַֽיהוָ֖ה וַיֹּאמַ֑ר אִם־נָתֹ֨ן תִּתֵּ֜ן אֶת־הָעָ֤ם הַזֶּה֙ בְּיָדִ֔י וְהַֽחֲרַמְתִּ֖י אֶת־עָרֵיהֶֽם׃
2
2
Da tat Israel dem Ewigen ein Gelübde (Neder) und sagte: Wenn Du dieses Volk in meine Hand gibst, dann will ich seine Städte als Cherem weihen.
als Cherem weihen
וְהַחֲרַמְתִּי, werde ich die Beute dem Heiligtum weihen.
Raschi
Das Wort חֵרֶם bedeutet sowohl „Vernichtung“, „Verbanntes“, „Bann“, als auch „Weihung“ (weil der Gegenstand dem Weihenden zum Genuss verboten ist).
Weil zu Beginn des Verses steht: Da tat Israel „dem Ewigen“ ein Gelübde, ist zu entnehmen, dass es sich hier um eine Weihung für G‑tt handelt. [Misrachi, Gur Arye]

Durch die g‑ttgefällige Tat der Weihung sollte ihr Gebet erhört werden und der Feind in ihre Hände fallen.
Raschi zu Eruwin 64b
וַיִּשְׁמַ֨ע יְהוָ֜ה בְּק֣וֹל יִשְׂרָאֵ֗ל וַיִּתֵּן֙ אֶת־הַֽכְּנַעֲנִ֔י וַיַּחֲרֵ֥ם אֶתְהֶ֖ם וְאֶת־עָרֵיהֶ֑ם וַיִּקְרָ֥א שֵׁם־הַמָּק֖וֹם חָרְמָֽה׃
3
3
Und der Ewige hörte auf die Stimme Israels und gab die Kna’anim in ihre Hand, man vollzog Cherem an ihnen und tötete sie und an ihren Städten und weihte die Beute dem Heiligtum; den Namen des Ortes nannte man Chorma.
man vollzog Cherem an ihnen und an ihren Städten
וַיַּחֲרֵם אֶתְהֶם „man weihte sie als Cherem“: tötete sie; וְאֶת עָרֵיהֶם „und ihre Städte“: weihte sie dem Heiligtum.
Raschi
וַיִּסְע֞וּ מֵהֹ֤ר הָהָר֙ דֶּ֣רֶךְ יַם־ס֔וּף לִסְבֹ֖ב אֶת־אֶ֣רֶץ אֱד֑וֹם וַתִּקְצַ֥ר נֶֽפֶשׁ־הָעָ֖ם בַּדָּֽרֶךְ׃
4
4
Und sie zogen vom Berg Hor den Weg zum Schilfmeer, um das Land Edom zu umgehen, und die Seele des Volkes wurde eng auf dem Weg.
den Weg zum Schilfmeer
Als Aharon gestorben war und dieser Krieg über sie kam, gingen sie rückwärts, den Weg zum Schilfmeer. Das ist derselbe Weg, auf dem sie zurückkehrten, als die Strafe wegen der Kundschafter über sie verhängt wurde, wie es dort heißt (Dew. 1:40) וּסְעוּ הַמִּדְבָּרָה דֶּרֶךְ יַם סוּף „und ziehet in die Wüste den Weg zum Schilfmeer“.
Hier zogen sie sieben Stationen zurück. [Wir wissen, dass sie dorthin zurückzogen,] wie es heißt (Dew. 10:6) וּבְנֵי יִשְׂרָאֵל נָסְעוּ מִבְּאֵרֹת בְּנֵי יַעֲקָן מוֹסֵרָה שָׁם מֵת אַהֲרֹן „die Kinder Israel zogen von Beerot Bne Jaakan nach Mosera, dort starb Aharon“. Starb er denn in Mosera, er starb doch auf dem Berg Hor? Nur, dort begannen sie noch einmal über ihn zu trauern und zu klagen, als wenn er vor ihnen wäre. Geh und sieh die Stationen nach, so wirst du von Mosera bis zum Berg Hor sieben Stationen finden.
Raschi
um das Land Edom zu umgehen: weil er ihnen nicht erlaubt hatte, durch sein Land zu ziehen.
Raschi
und die Seele des Volkes wurde eng auf dem Weg
וַתִּקְצַר נֶפֶשׁ הָעָם בַּדָּרֶךְ „und die Seele des Volkes wurde eng auf dem Weg“, durch die Mühseligkeit des Weges wurde die Seele eng. Sie sagten, jetzt waren wir nahe dran, ins Land Israel zu kommen, und ziehen wieder rückwärts; so kehrten einst unsere Väter um und blieben achtunddreißig Jahre bis zum heutigen Tag in der Wüste. Darum wurde ihre Seele eng, durch die Mühseligkeit des Weges. Auf Französisch encrot lor, es kam ihnen schwer an.
Es wäre aber nicht richtig zu sagen, die Seele wurde eng auf dem Weg, als das Volk auf dem Weg war, und der Vers erklärt nicht, wodurch der Mut abnahm. Denn überall, wo du קִצּוּר נֶפֶשׁ „Verdruss der Seele“ im Vers findest, steht dabei, wodurch diese entstand. Wie zum Beispiel (Sech. 11:8) וַתִּקְצַר נַפְשִׁי בָּהֶם „meine Seele wurde ihrer überdrüssig“; und zum Beispiel (Ri. 10:16) וַתִּקְצַר נַפְשׁוֹ בַּעֲמַל יִשְׂרָאֵל „Seine Seele duldete nicht länger die Mühseligkeit Israels“.

Auf jede Sache, die einem Menschen unangenehm ist, passt der Ausdruck קִצּוּר נֶפֶשׁ, wie wenn über einen Menschen eine Mühe kommt und sein Sinn nicht stark genug ist, diese Sache zu ertragen, und er in seinem Herzen kein Aufnahmevermögen für diesen Schmerz hat; und auf die Sache, die Mühe macht, passt der Ausdruck „Größe“, weil sie für den Menschen groß und schwer ist.

Die Regel, die sich aus dieser Erklärung ergibt: Der Ausdruck קִצּוּר נֶפֶשׁ über eine Sache bedeutet überall, dass der Mensch eine Sache nicht ertragen kann, weil sein Gemüt dem nicht gewachsen ist.
Raschi
„meine Seele wurde ihrer überdrüssig“: G‑tt bringt damit zum Ausdruck, dass Er – gleichsam gesprochen – die Geduld mit Israel verlor; Er empfand tiefen Überdruss gegen sie.
וַיְדַבֵּ֣ר הָעָ֗ם בֵּֽאלֹהִים֮ וּבְמֹשֶׁה֒ לָמָ֤ה הֶֽעֱלִיתֻ֙נוּ֙ מִמִּצְרַ֔יִם לָמ֖וּת בַּמִּדְבָּ֑ר כִּ֣י אֵ֥ין לֶ֙חֶם֙ וְאֵ֣ין מַ֔יִם וְנַפְשֵׁ֣נוּ קָ֔צָה בַּלֶּ֖חֶם הַקְּלֹקֵֽל׃
5
5
Und das Volk redete gegen G‑tt und gegen Mosche: Warum habt ihr uns heraufgeführt aus Mizraim, dass wir sterben in der Wüste? Denn da ist kein Brot und kein Wasser und uns ekelt vor der Verderben bringenden Speise.
gegen G‑tt und gegen Mosche: sie stellten den Diener seinem Herrn gleich.
Raschi
Warum habt ihr uns heraufgeführt: beide gleichmäßig.
Raschi
und uns ekelt
וְנַפְשֵׁנוּ קָצָה, auch das bedeutet „nicht ertragen können“.
Raschi
vor der Verderben bringenden Speise
Weil das Man im Körper restlos aufging, nannten sie es קְלֹקֵל „Verderben bringend“. Sie sagten, dieses Man wird noch in unserem Inneren anschwellen; gibt es denn einen Menschen, der nur aufnimmt und nicht ausscheidet? (Joma 75b)
Raschi
So ist קְלֹקֵל zu verstehen als קִלְקוּל „verdorben“, wie eine Speise, die dem Menschen den Magen verdirbt.
Misrachi, Gur Arye
vor der Verderben bringenden Speise
קְלֹקֵל bedeutet קַל הַקַל „allzu leicht“. [Targum Onkelos, Saadia Gaon]
Sie beschwerten sich, dass die Speise „allzu leicht“ sei: sie werde nicht durch den Darm ausgeschieden und stelle somit eine Gefahr für die Gesundheit dar. [Bamidbar Rabba 16:24] „allzu leicht“: trocken und ohne Gewicht. [Rabbi Jona ibn Dschanach]

„allzu leicht“: die Speise hat keinen Nährwert, keine Substanz und gibt uns keine Kraft. Wir aber sind in der Wüste unterwegs und benötigen stärkere Speise.
Bechor Schor, Abarbanel
Speise
קְלֹקֵל kommt vom Ausdruck (Jech. 21:26) קִלְקַל בַּחִצִּים „er poliert die Pfeile“. Weiß wie Bedolach war das "Man (Schem. 16:1, Bam. 1:7), es schimmerte und blitzte wie poliert.
Raschbam, Chiskuni
וַיְשַׁלַּ֨ח יְהוָ֜ה בָּעָ֗ם אֵ֚ת הַנְּחָשִׁ֣ים הַשְּׂרָפִ֔ים וַֽיְנַשְּׁכ֖וּ אֶת־הָעָ֑ם וַיָּ֥מָת עַם־רָ֖ב מִיִּשְׂרָאֵֽל׃
6
6
Da schickte der Ewige gegen das Volk die giftigen Schlangen und sie bissen das Volk und es starben viele Menschen von Israel.
die giftigen Schlangen
אֵת הַנְּחָשִׁים הַשְּׂרָפִים, die Schlangen, die den Menschen mit dem Gift ihrer Zähne den Menschen beißen (wörtl. verbrennen, שֶׁשּׂוֹרְפִים אֶת הָאָדָם בְּאֶרֶס שִׁנֵּיהֶם).
Raschi
und sie bissen das Volk
Es soll jene Schlange kommen, die ehemals wegen böser Rede geschlagen wurde, und diejenigen strafen, die böse Rede ausgesprochen haben. Es soll die Schlange kommen, für die alle Speisen denselben Geschmack haben, und die Undankbaren bestrafen, denen sich dieselbe Sache in jeden Wohlgeschmack verwandelt.
Raschi
וַיָּבֹא֩ הָעָ֨ם אֶל־מֹשֶׁ֜ה וַיֹּאמְר֣וּ חָטָ֗אנוּ כִּֽי־דִבַּ֤רְנוּ בַֽיהוָה֙ וָבָ֔ךְ הִתְפַּלֵּל֙ אֶל־יְהוָ֔ה וְיָסֵ֥ר מֵעָלֵ֖ינוּ אֶת־הַנָּחָ֑שׁ וַיִּתְפַּלֵּ֥ל מֹשֶׁ֖ה בְּעַ֥ד הָעָֽם׃
7
7
Da kam das Volk zu Mosche und sie sagten: Wir haben gesündigt, dass wir gegen den Ewigen und gegen dich geredet haben! Bete zum Ewigen, dass Er die Schlangen von uns nehme! Da betete Mosche für das Volk.
Da betete Mosche für das Volk
Von hier lernt man, dass derjenige, den man um Verzeihung bittet, nicht grausam sein soll (Midrasch Tanchuma).
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר יְהוָ֜ה אֶל־מֹשֶׁ֗ה עֲשֵׂ֤ה לְךָ֙ שָׂרָ֔ף וְשִׂ֥ים אֹת֖וֹ עַל־נֵ֑ס וְהָיָה֙ כָּל־הַנָּשׁ֔וּךְ וְרָאָ֥ה אֹת֖וֹ וָחָֽי׃
8
8
Und der Ewige sagte zu Mosche: Mache dir eine giftige Schlange und setze sie auf eine Stange, und jeder, der gebissen wird und sie ansieht, wird am Leben bleiben.
auf eine Stange
עַל נֵס „auf eine Stange“: auf einen Pfahl, perche im Französischen; ebenso (Jesch. 30:17) וְכַנֵּס עַל הַגִּבְעָה „wie eine Stange auf dem Hügel“; (Jesch. 49:22) אָרִים נִסִּי „ich will mein Banner aufrichten“; (Jesch. 13:2) שְׂאוּ נֵס „richtet ein Banner auf“. Weil die Stange hoch war, um als Zeichen zu dienen, und damit man sie ansehe, nennt der Vers sie נֵס.
Raschi
jeder, der gebissen wurde
Auch wenn ihn ein Hund oder ein Esel gebissen hatte, litt er Schaden und leidete krank dahin, nur tötete der Biss der Schlange schneller. Darum steht hier וְרָאָה „sehen“, ein einfaches Hinsehen genügte. Aber beim Biss der Schlange steht (nächster Vers) וְהִבִּיט „anblicken“, „es war, wenn eine Schlange jemanden biss, dann richtete er seinen Blick darauf“. Denn der von der Schlange Gebissene heilte nicht so schnell, wenn er nicht mit Absicht darauf blickte. Unsere Lehrer sagen (Rosch haSchana 29a): Tötete denn die Schlange oder erhielt sie am Leben? Nur, sobald Israel zur Höhe blickte und sein Herz seinem Vater im Himmel unterwarf, fand es Heilung, und wenn nicht, endeten sie.
Raschi
וַיַּ֤עַשׂ מֹשֶׁה֙ נְחַ֣שׁ נְחֹ֔שֶׁת וַיְשִׂמֵ֖הוּ עַל־הַנֵּ֑ס וְהָיָ֗ה אִם־נָשַׁ֤ךְ הַנָּחָשׁ֙ אֶת־אִ֔ישׁ וְהִבִּ֛יט אֶל־נְחַ֥שׁ הַנְּחֹ֖שֶׁת וָחָֽי׃
9
9
Da machte Mosche eine kupferne Schlange und setzte sie auf die Stange; es war, wenn eine Schlange jemanden biss, dann richtete er seinen Blick auf die kupferne Schlange und blieb am Leben.
kupferne Schlange
Es war ihm nicht gesagt worden, sie aus Kupfer zu machen. Nur, Mosche sagte: Der Ewige nannte sie נָחָשׁ (nachasch), also will ich sie aus נְחֹשֶׁת (nechoschet, „Kupfer“) herstellen, denn die beiden Worte klingen ähnlich (לָשׁוֹן נוֹפֵל עַל לָשׁוֹן).