Der tägliche Chumasch-Abschnitt

22. Elul 5785

Montag, 15. September 2025

Heute

Nizawim

2. Alija

(Dewarim 29:12 – 29:14)

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לְמַ֣עַן הָקִֽים־אֹתְךָ֩ הַיּ֨וֹם ׀ ל֜וֹ לְעָ֗ם וְה֤וּא יִֽהְיֶה־לְּךָ֙ לֵֽאלֹהִ֔ים כַּאֲשֶׁ֖ר דִּבֶּר־לָ֑ךְ וְכַאֲשֶׁ֤ר נִשְׁבַּע֙ לַאֲבֹתֶ֔יךָ לְאַבְרָהָ֥ם לְיִצְחָ֖ק וּֽלְיַעֲקֹֽב׃
12
12
Damit Er dich heute als Sein Volk aufstellt und Er dein G‑tt ist, so wie Er zu dir gesprochen hat und so wie Er deinen Vätern, Awraham, Jizchak und Jaakow, zugeschworen hat.
Damit Er dich heute als Sein Volk aufstellt
So sehr richtet G‑tt Seine Aufmerksamkeit darauf, um dich als Sein Volk aufzustellen.
Raschi
und Er dein G‑tt ist
Weil Er dir versprochen und deinen Vätern mit einem Schwur zugesagt hat, ihre Nachkommen nicht mit einem anderen Volk zu vertauschen. Darum bindet Er euch mit diesen Schwüren, dass ihr Ihn nicht erzürnt, nachdem Er sich nicht von euch trennen kann. Das ist die einfache, wörtliche Bedeutung (פְּשָׁט) des Abschnittes.
Der Midrasch sagt: Warum schließt Paraschat Nizawim an die Flüche [in Paraschat Ki Tawo] an? Denn als die Kinder Israel die 100-minus-2 Flüche – außer den 49 in Sefer Wajikra – hörten, wurden ihre Gesichter blass und sie sagten: Wer kann da bestehen? Darum fing Mosche an, sie zu beruhigen: אַתֶּם נִצָּבִים הַיּוֹם „Ihr steht heute“ (zuvor, Vers 9). Viel habt ihr den Ewigen erzürnt, und Er hat euch doch nicht vernichtet. Und siehe, ihr besteht vor Ihm.
Raschi
100-minus-2: Raschi verwendet diesen Ausdruck, weil in Paraschat Ki Tawo 100 Flüche erwähnt werden, zwei davon aber nicht gezählt werden. Das sind die zwei Flüche, bei denen der Inhalt nicht erläutert wird: כָּל חֳלִי וְכָל מַכָּה אֲשֶׁר לֹא כָתוּב בְּסֵפֶר הַתּוֹרָה הַזֹּאת „Auch jede Krankheit und jede Plage, die nicht geschrieben ist im Buch dieser Torah“ (Dew. 28:61).
Diwre David – Tas
100-minus-2: Raschi verwendet diesen Ausdruck, weil zwei der Flüche bereits in Sefer Wajikra erwähnt und in Ki Tawo wiederholt werden: וְהָיוּ שָׁמֶיךָ נְחֹשֶׁת „Und es wird der Himmel zu Erz werden“, und וְהָאָרֶץ בַּרְזֶל „und die Erde zu Eisen“ (Dew. 28:23). Bei diesen zwei entschärfte Mosche den Fluch, wie dort von Raschi erklärt wird: Mosche erleichterte die Flüche, indem er sie in der Einzahl aussprach („dir“, „dich“) … Der Himmel wird schwitzen, wenn auch kein Regen herabgießt, so wird doch keine vernichtende Trockenheit in der Welt sein. Und die Erde wird nicht schwitzen, wie Eisen nicht schwitzt, dass die Früchte nicht faulen.
Maskil leDavid
heute
Wie der Tag bestehen bleibt, manchmal dunkel und dann wieder hell wird, so hat Er euch hell werden lassen, und so wird Er euch hell werden lassen. Und die Flüche und Leiden erhalten euch und lassen euch vor Ihm bestehen. Und auch der obige Abschnitt enthält Beruhigungen (Dew. 29:1) אַתֶּם רְאִיתֶם אֵת [כָּל אֲשֶׁר עָשָׂה ה׳ לְעֵינֵיכֶם] „ihr habt gesehen alles, was der Ewige getan hat vor euren Augen“.
Andere Erklärung: Ihr steht. Weil Israel von einem Führer zu einem anderen Führer überging, von Mosche zu Jehoschua. Darum ließ er sie aufstellen, um sie zu ermahnen. Ebenso tat Jehoschua, ebenso Schmuel (1 Schmu. 12:7) וְעַתָּה הִתְיַצְּבוּ וְאִשָּׁפְטָה אִתְּכֶם לִפְנֵי ה׳ „Stellt euch auf, dass ich vor G‑tt mit euch vor Gericht trete, Tadel und Warnung ausspreche“, als sie seine Hand verließen und in die Hand Scha’uls übergingen.
Raschi
so wie Er zu dir gesprochen hat
Der Ewige hatte zu ihnen gesagt, dass sie Ihm zum Volk seien, und Er ihr G‑tt, wie es heißt (Schem. 6:7) וְלָקַחְתִּי אֶתְכֶם לִי לְעָם וְהָיִיתִי לָכֶם לֵאלֹהִים „Ich nehme euch Mir zum Volk und bin euer G‑tt“.
Lekach Tow
Der Ewige hatte zu ihnen gesagt, dass sie Ihm zum Volk seien, und Er ihr G‑tt, als Er sagte (Schem. 20:2) אָנֹכִי ה׳ אֱלֹהֶיךָ „Ich bin der Ewige, dein G‑tt“.
Bechor Schor
Damit Er dich heute als Sein Volk aufstellt
Das Bestehen des jüdischen Volkes folgt dem „heute“, das bei Beginn der Schöpfung beschrieben wird (Gen. 1:5) וַיְהִי עֶרֶב וַיְהִי בֹקֶר יוֹם אֶחָד „Es wurde Abend und es wurde Morgen: Ein Tag“. So wie im hebräischen Kalender die Nacht dem Tag vorausgeht, so ist es auch mit dem jüdischen Volk: Zunächst erleidet es Verfolgung und Exil, und dann erlebt es Erlösung und Befreiung.
Noam Megadim
וְלֹ֥א אִתְּכֶ֖ם לְבַדְּכֶ֑ם אָנֹכִ֗י כֹּרֵת֙ אֶת־הַבְּרִ֣ית הַזֹּ֔את וְאֶת־הָאָלָ֖ה הַזֹּֽאת׃
13
13
Aber nicht mit euch allein schließe Ich diesen Bund und diesen Schwur,
nicht mit euch allein
Ich schließe diesen Bund nur, wenn ihr nicht allein seid, jede Person nur auf sich selbst bedacht.
Rabbi Jissachar Berisch von Dolini Sidichow
Aber nicht mit euch allein schließe Ich diesen Schwur
Mosche wollte damit ausschließen, dass die Kinder Israel behaupten, den Schwur nach ihrem eigenen Verständnis geleistet zu haben. וְלֹא אִתְּכֶם לְבַדְּכֶם – Nicht nach eurem Verständnis und eurer Interpretation, אָנֹכִי כֹּרֵת אֶת הַבְּרִית הַזֹּאת וְאֶת הָאָלָה הַזֹּאת – schließe ich diesen Bund und diesen Schwur, sondern nach meiner (Mosches) und G‑ttes Definition.
Schewuot 39a
כִּי֩ אֶת־אֲשֶׁ֨ר יֶשְׁנ֜וֹ פֹּ֗ה עִמָּ֙נוּ֙ עֹמֵ֣ד הַיּ֔וֹם לִפְנֵ֖י יְהוָ֣ה אֱלֹהֵ֑ינוּ וְאֵ֨ת אֲשֶׁ֥ר אֵינֶ֛נּוּ פֹּ֖ה עִמָּ֥נוּ הַיּֽוֹם׃
14
14
sondern mit dem, der hier ist, mit uns heute da steht vor dem Ewigen, unserem G‑tt, und mit dem, der nicht hier ist heute mit uns.
sondern
Das Wort כִּי hat hier die Bedeutung „sondern“.
Ibn Esra
und mit dem, der nicht hier ist
[Das bezieht sich nicht auf Menschen aus jener Generation, die gerade an einem anderen Ort waren, sondern:] Auch die kommenden Generationen sind bei diesem Bund einbezogen.
Raschi
und mit dem, der nicht hier ist: das sind die Personen, die künftig das Judentum annehmen. [Schewuot 39a]
Demnach ist der Vers zu lesen וְאֵת אֲשֶׁר אֵינֶנּוּ, der körperlich „nicht hier ist“, jedoch der Seele nach עִמָּנוּ הַיּוֹם „heute mit uns ist“.
Rabbenu Bechaje