דַּבֵּר֙ אֶל־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל וְאָמַרְתָּ֖ אֲלֵהֶ֑ם בְּבֹֽאֲכֶם֙ אֶל־הָאָ֔רֶץ אֲשֶׁ֥ר אֲנִ֛י מֵבִ֥יא אֶתְכֶ֖ם שָֽׁמָּה׃
18
18
Sprich zu den Kindern Israel und sage zu ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, wohin Ich euch bringe,
Wenn ihr in das Land kommt
בְּבֹאֲכֶם אֶל הָאָרֶץ „bei eurem Eintreten in das Land“. Anders ist diese Erwähnung ihres Eintrittes ins Land Israel als alle anderen in der Torah, wo der Eintritt ins Land erwähnt ist.
Bei allen heißt es כִּי תָבֹא „wenn du kommst“, כִּי תָבֹאוּ „wenn ihr kommt“. Darum können sie alle voneinander abgeleitet werden [was als Eintritt in das Land Israel gilt.]: sobald bei einer dieser Stellen ausgeführt wurde, dass es sich um die Phase nach Einnahme und Niederlassung handelt (אַחַר יְרֻשָּׁה וִישִׁיבָה), sind alle ähnlichen Stellen so aufzufassen.
Hier aber steht בְּבֹאֲכֶם „bei eurem Eintritt“: sobald sie das Land betraten und von seinem Brot aßen, waren sie zur Abgabe der Challa verpflichtet.
Raschi
sobald bei einer dieser Stellen ausgeführt wurde: Bei der Mizwa zur Einsetzung eines Königs bestimmt die Torah, dass dieses Gebot erst nach der Einnahme und Niederlassung im Land Israel in Kraft tritt. So heißt es (Dew. 17:14–15) כִּי תָבֹא אֶל הָאָרֶץ אֲשֶׁר ה׳ אֱלֹקֶיךָ נֹתֵן לָךְ וִירִשְׁתָּהּ וְיָשַׁבְתָּה בָּהּ „Wenn du in das Land kommst, das der Ewige, dein G‑tt, dir gibt, wenn du es in Besitz nimmst und darin wohnst [...]“,שׂוֹם תָּשִׂים עָלֶיךָ מֶלֶךְ „dann setze, setze einen König über dich,“ In diesem Fall verlangt die Torah nicht nur die Ankunft im Land Israel, sondern ausdrücklich dessen Einnahme und Bewohnung. Die Mizwa der Königseinsetzung fand keine Anwendung, bevor das jüdische Volk das Land erobert und unter die Stämme aufgeteilt hatte und jeder Stamm in seinem zugewiesenen Gebiet ansässig geworden war. [Raschi zu Kidduschin 37b, ד״ה ופרט לך]
Sind alle ähnlichen Stellen so aufzufassen: Die Eroberung des Landes Israel und die Aufteilung unter die Stämme dauerten vierzehn Jahre ab dem Einzug des jüdischen Volkes unter Jehoschua. Jede Mizwa, bei der die Torah den Ausdruck כִּי תָבֹא „wenn du kommst“ oder כִּי תָבֹאוּ „wenn ihr kommt“. verwendet, trat erst nach diesem Zeitraum von vierzehn Jahren in Kraft (siehe Bawa Mezia 89a).
רֵאשִׁית֙ עֲרִסֹ֣תֵכֶ֔ם חַלָּ֖ה תָּרִ֣ימוּ תְרוּמָ֑ה כִּתְרוּמַ֣ת גֹּ֔רֶן כֵּ֖ן תָּרִ֥ימוּ אֹתָֽהּ׃
20
20
Als Erstling eures Teiges erhebt ein Brot als Abgabe; wie die Abgabe von der Tenne, so sollt ihr sie erheben.
Erstling eures Teiges
רֵאשִׁית עֲרִסֹתֵכֶם, wörtl. „Erstling eures Backtroges“. Wenn ihr soviel knetet, wie euer Teig beträgt, den ihr in der Wüste zu kneten gewohnt wart. Wieviel war das? וַיָּמֹדוּ בָעֹמֶר „sie maßen es im Omer“ (Schem. 16:18); ein Omer für den Kopf (dessen Maß = 43 1/5 Hühnerei). [Raschi]
erhebt vom Ersten, das heißt, bevor ihr davon esst; ein Brot erhebt als Abgabe zu Ehren des Ewigen.
Raschi
ein Brot
חַלָּה, auf Französisch tortel, ein kleines, rundes Brot.
Raschi
Tenne: der befestigte Boden einer Scheune, auf dem das Getreide nach der Ernte mit Dreschflegeln gedroschen wird.
Raschi
wie die Abgabe von der Tenne: bei der kein Maß steht; nicht wie die Abgabe vom Zehnten [תְרוּמַת מַעֲשֵׂר des Levi, siehe Bam. 18:26], bei dem ein Maß steht. Aber die Weisen haben ein Maß dafür bestimmt: für den Hausbesitzer 1/24 des Teiges und für den Bäcker 1/48. (Challa 2:7)
Raschi
מֵרֵאשִׁית֙ עֲרִסֹ֣תֵיכֶ֔ם תִּתְּנ֥וּ לַיהוָ֖ה תְּרוּמָ֑ה לְדֹרֹ֖תֵיכֶֽם׃
21
21
Von dem Ersten eures Teiges sollt ihr dem Ewigen eine Abgabe geben, in allen euren Generationen.
Von dem Ersten eures Teiges
מֵרֵאשִׁית עֲרִסֹתֵיכֶם „von dem Ersten eures Teiges“, warum steht das? Weil vorher steht רֵאשִׁית עֲרִסֹתֵיכֶם „das Erste eures Teiges“, hätte ich daraus entnehmen können, den ersten Teig. Darum steht מֵרֵאשִׁית „vom Ersten“, einen Teil davon und nicht den ganzen.
Raschi
sollt ihr dem Ewigen eine Abgabe geben
Weil wir kein Maß für die Challa gehört haben, steht תִּתְּנוּ „sollt ihr geben“: es sei so viel, dass man es eine „Gabe“ nennen kann.
Raschi
וְכִ֣י תִשְׁגּ֔וּ וְלֹ֣א תַעֲשׂ֔וּ אֵ֥ת כָּל־הַמִּצְוֹ֖ת הָאֵ֑לֶּה אֲשֶׁר־דִּבֶּ֥ר יְהוָ֖ה אֶל־מֹשֶֽׁה׃
22
22
Und wenn ihr die Verfehlung begeht und nicht alle diese Gebote ausführt, die der Ewige Mosche verkündet hat,
Und wenn ihr die Verfehlung begeht und nicht alle diese Gebote ausführt
Götzendienst gehörte zur Regel aller Gebote, für die die Gemeinde einen Stier zu bringen hat. Hier aber nimmt ihn der Vers aus dieser Regel heraus, dass dafür ein Stier zum Ganzopfer (פַּר לְעוֹלָה) und ein Ziegenbock zum Sündopfer (שָׂעִיר לְחַטָּאת) vorgeschrieben ist.
Raschi
Und wenn ihr die Verfehlung begeht
Von Götzendienst (עֲבוֹדָה זָרָה) spricht der Vers, oder vielleicht nicht, sondern von einem der anderen Gebote? Darum steht אֵת כָּל הַמִּצְוֹת הָאֵלֶּה „alle diese Gebote“: ein Gebot, das gleich allen Geboten ist. Wie derjenige, der alle Gebote übertritt, das Joch des Himmels abwirft (פּוֹרֵק עֹל), den Bund bricht und falsche Deutungen ausspricht, so ist es auch bei diesem Gebot, dass er dabei das Joch abwirft, den Bund bricht und falsche Deutungen ausspricht, und welches ist das? Der Götzendienst.
Raschi
die der Ewige Mosche verkündet hat
אָנֹכִי „Ich bin der Ewige, dein G‑tt“, und לֹא יִהְיֶה לְךָ „du sollst keine Götter anderer haben“ (Schem. 20:2–3) haben wir aus dem Mund des Allmächtigen gehört, wie geschrieben steht (Teh. 62:12) אַחַת דִּבֶּר אֱלֹהִים שְׁתַּיִם זוּ שָׁמָעְתִּי „eines hat G‑tt gesprochen, zwei haben wir daraus entnommen“.
Raschi
eines hat G‑tt gesprochen …: G‑tt sprach von einer einzigen Angelegenheit, dem Verbot des Götzendienstes, doch wir haben daraus zwei Gebote gehört.
אֵת֩ כָּל־אֲשֶׁ֨ר צִוָּ֧ה יְהוָ֛ה אֲלֵיכֶ֖ם בְּיַד־מֹשֶׁ֑ה מִן־הַיּ֞וֹם אֲשֶׁ֨ר צִוָּ֧ה יְהוָ֛ה וָהָ֖לְאָה לְדֹרֹתֵיכֶֽם׃
23
23
alles, was der Ewige euch durch Mosche befohlen hat, von dem Tag an, als es der Ewige befohlen hat, und weiter, in allen euren Generationen,
alles, was befohlen hat
Das lehrt, dass wer den Götzendienst anerkennt, ist, als ob er die ganze Torah ableugne und alles, was die Propheten in ihrer Prophezeiung gesprochen haben. So heißt es „von dem Tag an, als es der Ewige befohlen hat, und weiter“.
Raschi
וְהָיָ֗ה אִ֣ם מֵעֵינֵ֣י הָעֵדָה֮ נֶעֶשְׂתָ֣ה לִשְׁגָגָה֒ וְעָשׂ֣וּ כָל־הָעֵדָ֡ה פַּ֣ר בֶּן־בָּקָר֩ אֶחָ֨ד לְעֹלָ֜ה לְרֵ֤יחַ נִיחֹ֙חַ֙ לַֽיהוָ֔ה וּמִנְחָת֥וֹ וְנִסְכּ֖וֹ כַּמִּשְׁפָּ֑ט וּשְׂעִיר־עִזִּ֥ים אֶחָ֖ד לְחַטָּֽת○׃
24
24
so soll, wenn es den Augen der Gemeinde entgangen ist, und es aus Versehen geschieht, die ganze Gemeinde einen jungen Stier zum Ganzopfer (Olah) darbringen, zum lieblichen Geruch, dem Ewigen zu Ehren, und das dazugehörige Mehlopfer (Mincha) und Gussopfer (Nessech) nach Vorschrift, und außerdem einen Ziegenbock zum Sündopfer (Chatat).
wenn es den Augen der Gemeinde entgangen ist, und es aus Versehen geschieht: wenn [dadurch, dass es verborgen ist] vor den Augen der Gemeinde [d.h. dem Sanhedrin] und diese Sünde aus Versehen geschehen ist. Etwa, dass sie aus Versehen von irgendeinem Dienst gelehrt haben, man dürfe auf diese Weise den Götzen dienen.
Raschi
zum Sündopfer
Das Wort חַטָּת („Sündopfer“) ist hier ohne den Buchstaben א (Alef) geschrieben. Denn es ist nicht gleich anderen Sündopfern. Bei allen Sündopfern in der Torah, die mit einem Ganzopfer zusammen dargebracht werden, kommt das Sündopfer (Chatat) vor dem Ganzopfer (Olah). So steht (Waj. 5:10) וְאֶת הַשֵּׁנִי יַעֲשֶֹה עוֹלָה „und die zweite [Taube] bereite er als Ganzopfer“, hier aber ist das Ganzopfer vor dem Sündopfer.
Raschi
Dieser Vers erscheint im Abschnitt über das veränderliche Chatat-Opfer (קָרְבָּן עוֹלֶה וְיוֹרֵד). Wer sich kein Opfertier leisten kann, bringt stattdessen zwei Tauben, eine als Chatat und eine als Olah. Der Vers legt dort fest (Waj. 5:8), dass der Kohen zuerst das Chatat opfert, und sagt dann (Vers 10): „und die zweite [Taube] bereite er als Olah“. Dies ist überflüssig, da schon feststeht, dass das Chatat zuerst gebracht wird. Diese Worte werden dahingehend ausgelegt, dass als Regel ein Chatat-Opfer einem Olah-Opfer vorangeht (Horajot 13a).
וְכִפֶּ֣ר הַכֹּהֵ֗ן עַֽל־כָּל־עֲדַ֛ת בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל וְנִסְלַ֣ח לָהֶ֑ם כִּֽי־שְׁגָגָ֣ה הִ֔וא וְהֵם֩ הֵבִ֨יאוּ אֶת־קָרְבָּנָ֜ם אִשֶּׁ֣ה לַֽיהוָ֗ה וְחַטָּאתָ֛ם לִפְנֵ֥י יְהוָ֖ה עַל־שִׁגְגָתָֽם׃
25
25
Und der Kohen versöhne für die ganze Gemeinde der Kinder Israel und es wird ihnen verziehen werden; denn ein Versehen war es und sie haben ihr Opfer gebracht, eine Feuergabe dem Ewigen zu Ehren und ihr Sündopfer vor dem Ewigen wegen ihres Versehens.
sie haben ihr Opfer gebracht, eine Feuergabe dem Ewigen: das hier im Abschnitt steht. Das ist der Stier des Ganzopfers, da es heißt „als Feuergabe dem Ewigen“.
und ihr Sündopfer: das ist der Ziegenbock.
וְנִסְלַ֗ח לְכָל־עֲדַת֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל וְלַגֵּ֖ר הַגָּ֣ר בְּתוֹכָ֑ם כִּ֥י לְכָל־הָעָ֖ם בִּשְׁגָגָֽה׃
26
26
Und so wird verziehen der ganzen Gemeinde der Kinder Israel und dem Fremden, der sich in ihrer Mitte aufhält; denn dem ganzen Volk geschah es aus Versehen.
dem Fremden, der sich in ihrer Mitte aufhält
וְלַגֵּר הַגָּר בְּתוֹכָם ist zu verstehen als דְּיִתְגַּיְּירוּן, der die Mizwot der Torah auf sich genommen hat.
Targum Onkelos