Der tägliche Chumasch-Abschnitt

10. Tamus 5786

Donnerstag, 25. Juni 2026

Heute

Chukat – Balak

5. Alija

(Bamidbar 22:13 – 22:38)

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וַיָּ֤קָם בִּלְעָם֙ בַּבֹּ֔קֶר וַיֹּ֙אמֶר֙ אֶל־שָׂרֵ֣י בָלָ֔ק לְכ֖וּ אֶֽל־אַרְצְכֶ֑ם כִּ֚י מֵאֵ֣ן יְהוָ֔ה לְתִתִּ֖י לַהֲלֹ֥ךְ עִמָּכֶֽם׃
13
13
Bilam stand am Morgen auf und sagte zu den Fürsten von Balak: Geht in euer Land zurück, denn der Ewige verweigert mir zu gestatten, mit euch zu gehen.
mit euch zu gehen: sondern nur mit größeren Fürsten, als ihr seid. Wir lernen daraus, dass er hochmütig war und nur in anmaßenden Worten zugestehen wollte, dass er dem Ewigen unterworfen ist; darum (Vers 15) וַיֹּסֶף עוֹד בָּלָק „Balak sandte nochmals Fürsten, noch mehr und noch angesehenere …“.
Raschi
וַיָּק֙וּמוּ֙ שָׂרֵ֣י מוֹאָ֔ב וַיָּבֹ֖אוּ אֶל־בָּלָ֑ק וַיֹּ֣אמְר֔וּ מֵאֵ֥ן בִּלְעָ֖ם הֲלֹ֥ךְ עִמָּֽנוּ׃
14
14
Die Fürsten von Moaw machten sich auf und kamen zu Balak und sagten: Bilam weigert sich, mit uns zu gehen.
וַיֹּ֥סֶף ע֖וֹד בָּלָ֑ק שְׁלֹ֣חַ שָׂרִ֔ים רַבִּ֥ים וְנִכְבָּדִ֖ים מֵאֵֽלֶּה׃
15
15
Da sandte Balak nochmals Fürsten, noch mehr und noch angesehenere als jene.
וַיָּבֹ֖אוּ אֶל־בִּלְעָ֑ם וַיֹּ֣אמְרוּ ל֗וֹ כֹּ֤ה אָמַר֙ בָּלָ֣ק בֶּן־צִפּ֔וֹר אַל־נָ֥א תִמָּנַ֖ע מֵהֲלֹ֥ךְ אֵלָֽי׃
16
16
Sie kamen zu Bilam und sagten zu ihm: So lässt dir Balak, Sohn von Zipor, sagen: Lass dich doch nicht abhalten, zu mir zu kommen.
כִּֽי־כַבֵּ֤ד אֲכַבֶּדְךָ֙ מְאֹ֔ד וְכֹ֛ל אֲשֶׁר־תֹּאמַ֥ר אֵלַ֖י אֶֽעֱשֶׂ֑ה וּלְכָה־נָּא֙ קָֽבָה־לִּ֔י אֵ֖ת הָעָ֥ם הַזֶּֽה׃
17
17
Denn große Ehre werde ich dir erweisen und alles was du mir sagst, werde ich tun. Komm nur, verwünsche mir dieses Volk!
Denn große Ehre werde ich dir erweisen: mehr, als du früher erhalten hast, gebe ich dir.
Raschi
וַיַּ֣עַן בִּלְעָ֗ם וַיֹּ֙אמֶר֙ אֶל־עַבְדֵ֣י בָלָ֔ק אִם־יִתֶּן־לִ֥י בָלָ֛ק מְלֹ֥א בֵית֖וֹ כֶּ֣סֶף וְזָהָ֑ב לֹ֣א אוּכַ֗ל לַעֲבֹר֙ אֶת־פִּי֙ יְהוָ֣ה אֱלֹהָ֔י לַעֲשׂ֥וֹת קְטַנָּ֖ה א֥וֹ גְדוֹלָֽה׃
18
18
Da antwortete Bilam und sagte zu den Dienern von Balak: Wenn Balak mir sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so kann ich doch nicht den Befehl des Ewigen, meines G‑ttes, übertreten, Kleines oder Großes zu tun.
sein Haus voll Silber und Gold
Wir lernen daraus, dass seine Gier groß war und er nach dem Vermögen anderer gelüstete. Er sagte, es gebührt sich für Balak, mir sein ganzes Silber und Gold zu geben, denn er müsste sonst große Heere anwerben; und auch dann wäre es zweifelhaft, ob er siegen würde oder nicht; ich aber siege bestimmt.
Raschi
kann ich doch nicht den Befehl des Ewigen übertreten
Gegen seinen Willen musste er eingestehen, dass er einem anderen unterworfen ist, und er prophezeite hier, dass er die Segnungen nicht aufheben könne, mit denen die Vorväter aus dem Mund der Schechina gesegnet wurden.
Raschi
dass er einem anderen unterworfen ist: Sobald Balak die angesehenere Gesandtschaft zu ihm geschickt hatte, konnte Bilam nicht mehr verbergen, dass G‑tt ihm nicht gestatten würde, das Volk Israel zu verwünschen.
Kizzur Misrachi
וְעַתָּ֗ה שְׁב֨וּ נָ֥א בָזֶ֛ה גַּם־אַתֶּ֖ם הַלָּ֑יְלָה וְאֵ֣דְעָ֔ה מַה־יֹּסֵ֥ף יְהוָ֖ה דַּבֵּ֥ר עִמִּֽי׃
19
19
Nun aber, bleibt auch ihr über Nacht hier und ich werde erfahren, was der Ewige weiter mit mir sprechen wird.
auch ihr
Sein eigener Mund ließ ihn scheitern: auch ihr werdet schließlich so wie die ersten weggehen mit betrübter Seele.
Raschi
was der Ewige weiter mit mir sprechen wird
מַה יֹּסֵף „was wird hinzufügen“: Er wird Seine Worte nicht von Segen in Fluch verändern. Ich möchte nur, dass Er nicht weiter segnet. Hier prophezeite er, dass der Ewige ihnen durch ihn noch Segnungen hinzufügen werde (לְהוֹסִיף לָהֶם בְּרָכוֹת).
Raschi
וַיָּבֹ֨א אֱלֹהִ֥ים׀ אֶל־בִּלְעָם֮ לַיְלָה֒ וַיֹּ֣אמֶר ל֗וֹ אִם־לִקְרֹ֤א לְךָ֙ בָּ֣אוּ הָאֲנָשִׁ֔ים ק֖וּם לֵ֣ךְ אִתָּ֑ם וְאַ֗ךְ אֶת־הַדָּבָ֛ר אֲשֶׁר־אֲדַבֵּ֥ר אֵלֶ֖יךָ אֹת֥וֹ תַעֲשֶֽׂה׃
20
20
Und G‑tt kam zu Bilam in der Nacht und sagte ihm: Wenn die Männer gekommen sind, um dich zu rufen, dann mache dich auf und gehe mit ihnen. Doch nur das, was Ich dir sagen werde, das sollst du tun.
um dich zu rufen
אִם לִקְרֹא לְךָ „um dich zu rufen“: wenn der Ruf לְךָ „für dich“ ist, dass du glaubst, dafür Lohn zu erhalten, dann mache dich auf und geh mit ihnen.
Raschi
Doch gegen deinen Willen; was Ich dir sagen werde, das sollst du tun: und trotzdem ging Bilam, indem er dachte, vielleicht kann ich Ihm zureden, dass Er zufrieden ist.
Raschi
וַיָּ֤קָם בִּלְעָם֙ בַּבֹּ֔קֶר וַֽיַּחֲבֹ֖שׁ אֶת־אֲתֹנ֑וֹ וַיֵּ֖לֶךְ עִם־שָׂרֵ֥י מוֹאָֽב׃
21
21
Bilam stand am Morgen auf und sattelte seine Eselin und ging mit den Fürsten von Moaw.
und sattelte seine Eselin
Von hier sieht man: der Hass verzerrt das gebührende Verhalten, [denn obwohl Bilam mehrere Diener hatte,] sattelte er das Tier selbst. Da sagte der Ewige: Böser! Israels Vorvater Awraham ist dir bereits zuvorgekommen, so heißt es (Ber. 22:3) וַיַּשְׁכֵּם אַבְרָהָם בַּבֹּקֶר וַיַּחֲבֹשׁ אֶת חֲמֹרוֹ „Frühmorgens stand Awraham auf und sattelte seinen Esel“ (Bereschit Rabba 55:8, Sanhedrin 105b).
Raschi
ging mit den Fürsten von Moaw: sein Herz stimmte mit ihrem Herzen überein.
Raschi
וַיִּֽחַר־אַ֣ף אֱלֹהִים֮ כִּֽי־הוֹלֵ֣ךְ הוּא֒ וַיִּתְיַצֵּ֞ב מַלְאַ֧ךְ יְהוָ֛ה בַּדֶּ֖רֶךְ לְשָׂטָ֣ן ל֑וֹ וְהוּא֙ רֹכֵ֣ב עַל־אֲתֹנ֔וֹ וּשְׁנֵ֥י נְעָרָ֖יו עִמּֽוֹ׃
22
22
Da entbrannte der Zorn G‑ttes, weil er ging; und ein Engel des Ewigen stellte sich ihm als Hindernis in den Weg; und er ritt auf seiner Eselin und seine beiden Diener waren mit ihm.
weil er ging: obwohl Bilam sah, dass die Sache in den Augen G‑ttes böse war, begehrte er danach, zu gehen.
Raschi
als Hindernis
Es war ein Engel des Erbarmens, der ihn von der Sünde zurückhalten wollte, damit er nicht sündige und untergehe.
Raschi
Engel des Erbarmens: Der Vers beschreibt ihn als מַלְאַךְ ה׳, und nicht als מַלְאַךְ אֱלֹהִים, den g‑ttlichen Namen des Gerichts. [Misrachi, Gur Arye, siehe Raschi zu Bereschit 8:1]
Das deutet der Vers an in den Worten לְשָׂטָן לוֹ „stellte sich ihm in den Weg“: ihm stellte er sich in den Weg, doch im Grunde war er ein Engel des Erbarmens. Bilam stellte er sich entgegen, um ihn von der Sünde abzuhalten, damit er nicht sündige und untergehe.
Nachalat Jaakow
und seine beiden Diener waren mit ihm
Von hier sieht man: wenn ein vornehmer Mann auf Reise geht, nehme er zwei Leute zu seiner Bedienung mit, und diese wiederum sollen einander auch gegenseitig bedienen.
Raschi
וַתֵּ֣רֶא הָאָתוֹן֩ אֶת־מַלְאַ֨ךְ יְהוָ֜ה נִצָּ֣ב בַּדֶּ֗רֶךְ וְחַרְבּ֤וֹ שְׁלוּפָה֙ בְּיָד֔וֹ וַתֵּ֤ט הָֽאָתוֹן֙ מִן־הַדֶּ֔רֶךְ וַתֵּ֖לֶךְ בַּשָּׂדֶ֑ה וַיַּ֤ךְ בִּלְעָם֙ אֶת־הָ֣אָת֔וֹן לְהַטֹּתָ֖הּ הַדָּֽרֶךְ׃
23
23
Da sah die Eselin den Engel des Ewigen im Weg stehen und sein Schwert gezückt in seiner Hand, und die Eselin bog vom Weg ab und ging auf dem Feld; da schlug Bilam die Eselin, damit sie wieder auf den Weg einlenke.
Da sah die Eselin
Bilam aber sah nicht, denn der Ewige gab dem Tier mehr Fähigkeit zu sehen als dem Menschen. Wenn der Mensch, da er vernunftbegabt ist, die Dämonen sehen würde, würde ihm der Sinn verwirrt werden (Berachot 6a).
Raschi
und sein Schwert gezückt in seiner Hand
Er sagte: Bilam, dieser Bösewicht, hat sein Handwerkszeug niedergelegt, denn die Waffe der Völker ist ihr Schwert. Und er kommt gegen sie mit seinem Mund – das aber ist Israels Waffe. Also werde Ich Bilams Waffe nehmen und mit seiner eigenen Waffe gegen ihn kommen. Und so geschah es zuletzt (Dew. 31:8) וְאֵת בִּלְעָם בֶּן בְּעוֹר הָרְגוּ בֶּחָרֶב „Bilam, Sohn von Beor, erschlugen sie mit dem Schwert“.
Raschi
וַֽיַּעֲמֹד֙ מַלְאַ֣ךְ יְהוָ֔ה בְּמִשְׁע֖וֹל הַכְּרָמִ֑ים גָּדֵ֥ר מִזֶּ֖ה וְגָדֵ֥ר מִזֶּֽה׃
24
24
Da stellte sich der Engel des Ewigen in den Pfad zwischen den Weinbergen, wo eine Mauer auf einer Seite und eine Mauer auf der anderen Seite war.
in den Pfad
בְּמִשְׁעוֹל, wie der Targum sagt בִּשְׁבִיל „auf den Pfad“. Ebenso im Vers (1 Kön. 20:10) אִם יִשְׂפֹּק עֲפַר שֹׁמְרוֹן לִשְׁעָלִים „es wird nicht reichen der Staub von Schomron für die Schritte“, der Staub, der bei ihrem Gehen an ihren Fußsohlen hängen bleibt; ebenso (Jesch. 40:12) מִי מָדַד בְּשָׁעֳלוֹ מַיִם „wer hat mit seinem Schritt die Wasser gemessen“, mit seinen Füßen und seinem Gehen.
Raschi
eine Mauer
גָּדֵר מִזֶּה וְגָדֵר מִזֶּה „eine Mauer auf einer Seite und eine Mauer auf der anderen Seite“. Wird der Begriff גָּדֵר „Zaun“ ohne nähere Bestimmung genannt, handelt es sich um eine Einzäunung aus Steinen. So heißt es (Mischle 24:31) וְגֶדֶר אֲבָנָיו נֶהֱרָסָה „und seine Einzäunung aus Stein war eingerissen“.
Raschi
וַתֵּ֨רֶא הָאָת֜וֹן אֶת־מַלְאַ֣ךְ יְהוָ֗ה וַתִּלָּחֵץ֙ אֶל־הַקִּ֔יר וַתִּלְחַ֛ץ אֶת־רֶ֥גֶל בִּלְעָ֖ם אֶל־הַקִּ֑יר וַיֹּ֖סֶף לְהַכֹּתָֽהּ׃
25
25
Und als die Eselin den Engel des Ewigen sah, da drängte sie sich an die Mauer und sie drängte den Fuß von Bilam gegen die Mauer, und er schlug sie erneut.
drängte sich: die Form וַתִּלָּחֵץ ist reflexiv: die Eselin drängte sich selbst. und sie drängte: die Form וַתִּלְחַץ ist transitiv: sie drängte andere, den Fuß Bilams.
Raschi
וַיּ֥וֹסֶף מַלְאַךְ־יְהוָ֖ה עֲב֑וֹר וַֽיַּעֲמֹד֙ בְּמָק֣וֹם צָ֔ר אֲשֶׁ֛ר אֵֽין־דֶּ֥רֶךְ לִנְט֖וֹת יָמִ֥ין וּשְׂמֹֽאול׃
26
26
Und der Engel des Ewigen ging weiter voraus und stellte sich an einen engen Ort, wo kein Weg war, rechts oder links auszuweichen.
Und der Engel des Ewigen ging weiter voraus
Nochmals vor ihm herzugehen, hinzugehen, um an einem anderen Ort vor ihm zu sein; wie (Ber. 33:3) וְהוּא עָבַר לִפְנֵיהֶם „er ging vor ihnen her“. Im Midrasch Tanchuma (Abschn. 8) steht, welchen Grund hatte er, sich an drei Orten aufzustellen? Er gab damit Bilam einen Hinweis auf die Vorväter [Awraham, Jizchak und Jaakow].
Raschi
וַתֵּ֤רֶא הָֽאָתוֹן֙ אֶת־מַלְאַ֣ךְ יְהוָ֔ה וַתִּרְבַּ֖ץ תַּ֣חַת בִּלְעָ֑ם וַיִּֽחַר־אַ֣ף בִּלְעָ֔ם וַיַּ֥ךְ אֶת־הָאָת֖וֹן בַּמַּקֵּֽל׃
27
27
Und als die Eselin den Engel des Ewigen sah, legte sie sich unter Bilam nieder; es entbrannte der Zorn Bilams und er schlug die Eselin mit dem Stock.
וַיִּפְתַּ֥ח יְהוָ֖ה אֶת־פִּ֣י הָאָת֑וֹן וַתֹּ֤אמֶר לְבִלְעָם֙ מֶה־עָשִׂ֣יתִֽי לְךָ֔ כִּ֣י הִכִּיתַ֔נִי זֶ֖ה שָׁלֹ֥שׁ רְגָלִֽים׃
28
28
Da öffnete der Ewige den Mund der Eselin und sie sagte zu Bilam: Was habe ich dir getan, dass du mich nun schon drei Mal geschlagen hast?
drei Mal
זֶה שָׁלֹשׁ רְגָלִים „drei Mal“: du willst ein Volk ausrotten, das drei Wanderfeste (שָׁלשׁ רְגָלִים) im Jahr feiert.
Raschi
וַיֹּ֤אמֶר בִּלְעָם֙ לָֽאָת֔וֹן כִּ֥י הִתְעַלַּ֖לְתְּ בִּ֑י ל֤וּ יֶשׁ־חֶ֙רֶב֙ בְּיָדִ֔י כִּ֥י עַתָּ֖ה הֲרַגְתִּֽיךְ׃
29
29
Und Bilam sagte zur Eselin: Weil du mich verspottet hast. Hätte ich nur ein Schwert in meiner Hand, so hätte ich dich schon erschlagen.
Weil du mich verspottet hast
הִתְעַלַּלְתְּ, wie der Targum sagt [חַיֵּיכְתְּ בִּי „hast mich verspottet“]: ein Ausdruck der Verachtung und Beschämung.
Raschi
Hätte ich nur ein Schwert in meiner Hand
Eine große Schande war diese Sache in den Augen der Fürsten: dieser ist auf dem Weg, ein ganzes Volk mit seinem Mund zu töten, und für seine Eselin braucht er eine Waffe.
Raschi
וַתֹּ֨אמֶר הָאָת֜וֹן אֶל־בִּלְעָ֗ם הֲלוֹא֩ אָנֹכִ֨י אֲתֹֽנְךָ֜ אֲשֶׁר־רָכַ֣בְתָּ עָלַ֗י מֵעֽוֹדְךָ֙ עַד־הַיּ֣וֹם הַזֶּ֔ה הַֽהַסְכֵּ֣ן הִסְכַּ֔נְתִּי לַעֲשׂ֥וֹת לְךָ֖ כֹּ֑ה וַיֹּ֖אמֶר לֹֽא׃
30
30
Da sagte die Eselin zu Bilam: Bin ich nicht deine Eselin, auf der du geritten bist, seitdem du lebst, bis zum heutigen Tag? War ich je gewohnt, dir so etwas anzutun? Und er sagte: Nein.
War ich je gewohnt
הַהַסְכֵּן הִסְכַּנְתִּי, wie der Targum sagt [הֲמֵילָף אֲלֵיפְנָא „bin ich gewohnt?“]; ebenso (Ijow 22:2) הַלְאֵל יִסְכָּן גָּבֶר „übt sich der Mann für den Ewigen“. Unsere Lehrer erklären diesen Vers im Talmud. Sie sagten zu ihm: Warum reitest du nicht auf einem Pferd? Er antwortete: Ich habe es auf die frische Weide geschickt, wie in der Gemara Awoda szara (4b) vorkommt.
Raschi
וַיְגַ֣ל יְהוָה֮ אֶת־עֵינֵ֣י בִלְעָם֒ וַיַּ֞רְא אֶת־מַלְאַ֤ךְ יְהוָה֙ נִצָּ֣ב בַּדֶּ֔רֶךְ וְחַרְבּ֥וֹ שְׁלֻפָ֖ה בְּיָד֑וֹ וַיִּקֹּ֥ד וַיִּשְׁתַּ֖חוּ לְאַפָּֽיו׃
31
31
Da öffnete der Ewige die Augen Bilams, und Bilam sah den Engel des Ewigen im Weg stehen und sein Schwert gezückt in seiner Hand; da verneigte er sich und warf sich nieder auf sein Angesicht.
וַיֹּ֤אמֶר אֵלָיו֙ מַלְאַ֣ךְ יְהוָ֔ה עַל־מָ֗ה הִכִּ֙יתָ֙ אֶת־אֲתֹ֣נְךָ֔ זֶ֖ה שָׁל֣וֹשׁ רְגָלִ֑ים הִנֵּ֤ה אָנֹכִי֙ יָצָ֣אתִי לְשָׂטָ֔ן כִּֽי־יָרַ֥ט הַדֶּ֖רֶךְ לְנֶגְדִּֽי׃
32
32
Und es sprach zu ihm der Engel des Ewigen: Warum hast du deine Eselin nun schon drei Mal geschlagen? Siehe, ich bin es, der als dein Hindernis ausgezogen ist. Denn der Weg ist verderblich in meinen Augen.
Denn dein Weg ist verderblich in meinen Augen
כִּי יָרַט הַדֶּרֶךְ לְנֶגְדִּי, Unsere Lehrer, die Weisen der Mischna, erklären das Wort als Akronym יָרַט –ּ נוֹטָרִיקוֹן יָרְאָה, רָאֲתָה, נָטְתָה. „[die Eselin] fürchtete sich“, „sie sah“, „sie bog ab“ (Schabbat 105a). [Was den Grund angeht, warum ich als Hindernis ausgezogen bin,] weil der Weg verderblich ist in meinen Augen, d.h. meinen Eifer und meinen Zorn erregt. Nach dem einfachen Sinn, weil [Bilam] voll Unruhe den Weg gegen mich aufgenommen hat, von רֶטֶט, „Schrecken“, „Zittern“. [Der Engel sagt somit:] Weil ich sehe, dass der Mann auf dem Mann [d.h. Bilam] voller Unruhe ist, diesen Weg zu beschleunigen, der mich erzürnt und mir zuwider ist. Es ist ein kurzer Vers, wie (2 Schmu. 13:39) וַתְּכַל דָּוִד „und David ließ davon ab“, der ausdrückt וַתְּכַל נֶפֶשׁ דָּוִד „und die Seele Davids ließ davon ab“.
Andere Erklärung: יָרַט bedeutet „anstreben“, „begehren“; ebenso (Ijow 16:11) וְעַל יְדֵי רְשָׁעִים יִרְטֵנִי „durch Böse besänftigt Er mich“, besänftigt und tröstet mich durch böse Menschen, die nur kränken.
Raschi
von רֶטֶט „Schrecken“, „Zittern“: wie Jirm. 49:24, רָפְתָה דַמֶּשֶׂק הִפְנְתָה לָנוּס וְרֶטֶט „Schlaff wurde Damesek, kehrt sich zur Flucht, ein Zittern fasst es“.
böse Menschen, die nur kränken: Ijow beklagte, dass die von G‑tt gesandten Personen, die ihn besänftigen und trösten sollten, seinen Kummer nur vermehrten. Daraus ist zu sehen, dass der Stamm ירט im Sinn von „Beschwichtigung“ gebraucht wird. Das ist ähnlich der Verwendung von יָרַט im Vers, wo es „Begehren“ und dessen „Befriedigung“, „Erfüllung“ bedeutet.
וַתִּרְאַ֙נִי֙ הָֽאָת֔וֹן וַתֵּ֣ט לְפָנַ֔י זֶ֖ה שָׁלֹ֣שׁ רְגָלִ֑ים אוּלַי֙ נָטְתָ֣ה מִפָּנַ֔י כִּ֥י עַתָּ֛ה גַּם־אֹתְכָ֥ה הָרַ֖גְתִּי וְאוֹתָ֥הּ הֶחֱיֵֽיתִי׃
33
33
Mich sah die Eselin, als sie diese drei Mal vor mir auswich; wäre sie nicht ausgewichen vor mir, so hätte ich dich jetzt erschlagen, sie aber hätte ich am Leben lassen.
wäre sie nicht ausgewichen
אוּלַי נָטְתָה – כְּמוֹ ׳לוּלֵא׳, manchmal hat אוּלַי die Bedeutung von לוּלֵא, „wenn nicht“.
Raschi
so hätte ich dich jetzt erschlagen
Dieser Vers ist umgestellt. Er ist zu übersetzen, als wenn גַּם vor הָרַגְתִּי stehen würde – גַּם הָרַגְתִּי אוֹתְךָ. Das heißt, nicht nur ein Hindernis hätte dich durch mich getroffen, sondern sogar der Tod.
Raschi
sie aber hätte ich am Leben gelassen
Jetzt aber, weil sie geredet und dich zurechtgewiesen hat und du ihrer Zurechtweisung nicht standhieltst; wie es heißt (Vers 30) וַיֹּאמֶר לֹא „er sagte, nein“, habe ich sie getötet, damit man nicht sage, das ist die Eselin, die Bilam durch ihre Zurechtweisung so abfertigte, dass er ihr nicht zu antworten vermochte. Denn der Ewige schont die Ehre der Menschen, ebenso (Waj. 20:16) וְאֶת הַבְּהֵמָה תַּהֲרֹגוּ „und auch das Tier töte“; ebenso (dort, 15) וְהָרַגְתָּ אֶת הָאִשָּׁה וְאֶת הַבְּהֵמָה „töte die Frau und das Tier“.
Raschi
„und auch das Tier töte“, „töte die Frau und das Tier“: In diesen Fällen wird das Tier getötet, damit es nicht als Erinnerung an die Schande des Sünders diene. Das Tier selbst hat keine Sünde begangen, sondern wurde für eine Sünde benutzt. Dennoch wird das Tier getötet, um dem Sünder fortdauernde Beschämung zu ersparen (Mischna, Sanhedrin 54a). So auch hier: Die Eselin beschämte Bilam zwar nur als Antwort auf seinen Zornesausbruch – womit er sich die Schande selbst zuzog –, aber da das Tier eine ständige Erinnerung an seine Schande gewesen wäre, tötete G‑tt es.
Midrasch Tanchuma, Abschn. 9
וַיֹּ֨אמֶר בִּלְעָ֜ם אֶל־מַלְאַ֤ךְ יְהוָה֙ חָטָ֔אתִי כִּ֚י לֹ֣א יָדַ֔עְתִּי כִּ֥י אַתָּ֛ה נִצָּ֥ב לִקְרָאתִ֖י בַּדָּ֑רֶךְ וְעַתָּ֛ה אִם־רַ֥ע בְּעֵינֶ֖יךָ אָשׁ֥וּבָה לִּֽי׃
34
34
Da sagte Bilam zum Engel des Ewigen: Ich habe gesündigt, denn ich wusste nicht, dass du dich mir auf dem Weg entgegengestellt hast; wenn es dir aber missfällt, dann werde ich umkehren.
denn ich wusste nicht
Auch das ist für ihn beschämend, gegen seinen Willen gestand er es ein. Während er sich gerühmt hatte, dass er die Absicht des Ewigen kenne, sagte sein eigener Mund לֹא יָדַעְתִּי „ich wusste nicht“.
Raschi
wenn es dir aber missfällt: so will ich umkehren. Mit dieser Antwort lehnte er sich gegen G‑tt auf. Er sagte zum Engel: Er selbst hat mir befohlen zu gehen, und du, ein Engel, hebst Seine Worte auf. So pflegt Er zu tun, dass Er ein Wort spricht und der Engel es zurücknimmt; Er sagte zu Awraham (Ber. 22:2) קַח נָא אֶת בִּנְךָ „nimm doch deinen Sohn“, und durch einen Engel hob Er Sein Wort wieder auf. So auch ich, „wenn es in deinen Augen misfällt“, muss ich umkehren.
Raschi
So auch ich: wenn es in „deinen“ Augen missfällt. Bilam sprach in seiner Unverschämtheit so, als hätte der Engel G‑tt zum „Umdenken“ bewegt und den Befehl widerrufen. Nach Bilams verzerrter Wahrnehmung mischte sich ein Engel in den eigentlichen Wunsch G‑ttes ein.
Jefe Toar 20:14; Beer baSade
וַיֹּאמֶר֩ מַלְאַ֨ךְ יְהוָ֜ה אֶל־בִּלְעָ֗ם לֵ֚ךְ עִם־הָ֣אֲנָשִׁ֔ים וְאֶ֗פֶס אֶת־הַדָּבָ֛ר אֲשֶׁר־אֲדַבֵּ֥ר אֵלֶ֖יךָ אֹת֣וֹ תְדַבֵּ֑ר וַיֵּ֥לֶךְ בִּלְעָ֖ם עִם־שָׂרֵ֥י בָלָֽק׃
35
35
Und der Engel des Ewigen sagte zu Bilam: Gehe mit den Männern, doch das, was ich dir sagen werde, darfst du sagen. Und so ging Bilam mit den Fürsten von Balak.
Gehe mit den Männern
Auf dem Weg, den ein Mensch gehen will, führt man ihn (Makot 10b).
Raschi
Gehe mit den Männern: denn dein Anteil ist mit ihrem, zuletzt wirst du von der Welt getilgt werden.
Raschi
doch gegen deinen Willen, das, was ich dir sagen werde, darfst du sagen.
Raschi
… mit den Fürsten von Balak: er freute sich wie sie, jene zu verfluchen.
Raschi
וַיִּשְׁמַ֥ע בָּלָ֖ק כִּ֣י בָ֣א בִלְעָ֑ם וַיֵּצֵ֨א לִקְרָאת֜וֹ אֶל־עִ֣יר מוֹאָ֗ב אֲשֶׁר֙ עַל־גְּב֣וּל אַרְנֹ֔ן אֲשֶׁ֖ר בִּקְצֵ֥ה הַגְּבֽוּל׃
36
36
Als Balak hörte, dass Bilam kommt, ging er ihm bis zur Stadt von Moaw entgegen, das an der Grenze des Flusses Arnon liegt, dicht an der Grenze.
Balak hörte: er schickte Boten, es ihm mitzuteilen.
Raschi
Stadt von Moaw
[Gab es denn nur eine Stadt in ganz Moaw? Warum wird die Stadt hier überhaupt erwähnt? Wollte der Vers lediglich die Ehrerbietung Balaks gegenüber Bilam anzeigen, so hätte es genügt zu sagen, dass Balak ihm bis an die Grenze seines Landes entgegenging.]
אֶל עִיר מוֹאָב „bis zur Stadt von Moaw“: die Hauptstadt, seine bedeutendste Stadt, um zu sagen, siehe, was jene vernichten wollen.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר בָּלָ֜ק אֶל־בִּלְעָ֗ם הֲלֹא֩ שָׁלֹ֨חַ שָׁלַ֤חְתִּי אֵלֶ֙יךָ֙ לִקְרֹא־לָ֔ךְ לָ֥מָּה לֹא־הָלַ֖כְתָּ אֵלָ֑י הַֽאֻמְנָ֔ם לֹ֥א אוּכַ֖ל כַּבְּדֶֽךָ׃
37
37
Und Balak sagte zu Bilam: Habe ich nicht geschickt, geschickt, dich zu rufen! Warum bist du nicht zu mir gekommen? Vermag ich denn wirklich nicht, dich zu ehren?
Vermag ich denn wirklich nicht, dich zu ehren
הַאֻמְנָם לֹא אוּכַל כַּבְּדֶךָ „Vermag ich denn wirklich nicht, dich zu ehren?“: er prophezeite, dass jener schließlich in Schande von ihm weggehen würde.
Raschi
וַיֹּ֨אמֶר בִּלְעָ֜ם אֶל־בָּלָ֗ק הִֽנֵּה־בָ֙אתִי֙ אֵלֶ֔יךָ עַתָּ֕ה הֲיָכ֥וֹל אוּכַ֖ל דַּבֵּ֣ר מְא֑וּמָה הַדָּבָ֗ר אֲשֶׁ֨ר יָשִׂ֧ים אֱלֹהִ֛ים בְּפִ֖י אֹת֥וֹ אֲדַבֵּֽר׃
38
38
Da sagte Bilam zu Balak: Nun bin ich zu dir gekommen; vermag ich aber das Geringste reden? Die Worte, die G‑tt in meinen Mund legt, die muss ich reden.